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Stories of Switzerland

The Stories of Switzerland:

Aus dem Schwabenkrieg - Benedikt Fontana by (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Aus dem Schwabenkrieg - Benedikt Fontana

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Category: Kategorie: Sage / Diese Kategorie ist nicht im AT-Verzeichnis enthalten.

Einstmals, im Ausgange des fünfzehnten Jahrhunderts, hatten sich die Schweizer mit ihren biedern Nachbarn über dem Rhein und Bodensee überworfen, besonders der guten Stadt Konstanz wegen, die sowohl der Schwäbische Bund als auch die Eidgenossen gerne besessen hätten. Die alte Bischofsstadt wäre erst nicht ungern schweizerisch geworden, aber als die ungestümen Eidgenossen sie einst überfielen und mit Gewalt zu eidgenössischer Minne zwingen wollten, kündigten ihnen die erbosten Konstanzer die Freundschaft und traten dem Schwäbischen Bunde bei. Dies und weitere Ursachen brachten den sogenannten Schwabenkrieg zum Ausbruch. Man stritt hin und her und tat sich beiderseits viel Abbruch und Schaden, wobei jedoch die Schwaben hübsch hinter dem Rhein und Bodensee blieben. Am ärgsten plagte es die Schweizer, wenn die Schwaben ihnen über den Rhein hinüber "Kuhmäuler" zuriefen und bei ihrem Anblick zu muhen und zu plärren anfingen. Als nun auch der Kaiser Maximilian, den man den letzten Ritter nennt, dem Schwäbischen Bund zu Hilfe kam, sah es für die Eidgenossen bös aus. Der Kaiser aber wollte die Schweizer zwingen, die neue Reichsordnung anzunehmen, und dann gedachte er das Graubündnerland und danach auch die Eidgenossen wieder der österreichischen Herrschaft zu unterwerfen. Jetzt brachen die Schweizer eilends mit all ihren Pannern auf, dem Heere des Kaisers entgegenzurücken, denn wenn des Kaisers Heer siegte, mußten sie für ihr Land grausige Zeiten erwarten, da der österreichische Ritter Burkhardt von Randeck, ein grimmiger Schweizerfeind, gesagt hatte: "Ich will auf den Tag im Schweizerland räuchern und brennen, daß Gott im Regenbogen vor Rauch und Hitze blinzeln und die Füße an sich ziehen muß." Aber der Himmel hörte diese lästerliche Rede, und die Strafe folgte ihr auf dem Fuße. Denn als nun des Kaisers Heer über die Berge stieg, um zuerst die Graubündner zu unterwerfen, empfingen ihn diese und ihre Eidgenossen also vortrefflich, daß er nach vielen grimmigen Gefechten und Kämpfen den Krieg verlor und die Schweiz und ihre Bundesgenossen von Graubünden für immer bei ihren Freiheiten belassen mußte. Ganz besonders heiß ging's in diesem Kriege in der Schlacht auf der Malserheide zu. Da gewann sich ein Graubündner namens Benedikt Fontana großen Ruhm. Er führte den Gewalthaufen der Graubündner und ihrer Eidgenossen. Nun versperrte ihnen eine lange Schanze den Vormarsch. Ein Sturm nach dem andern wurde von den tapferen Tirolerschützen, die hinter der Schanze steckten, abgeschlagen. Als nun auch der österreichische Feind im Rücken in hellen Scharen angestürmt kam, mußten die Schweizer fürchten, erdrückt zu werden. Da riß sie ihr Anführer Fontana zu einem letzten wilden Sturmangriff auf die Schanze mit sich fort, und es gelang, die stark bewehrte Mauer zu nehmen. Fontana stand als erster jenseits der Schanze. Aber da traf ihn ein Schwertstich in den Unterleib. Wie gelähmt stutzten seine Kampfgenossen einen Augenblick, da sie ihren Anführer auf die Knie sinken sahen. Aber er erhob sich noch einmal, streckte das Schwert hochauf und rief, mit der einen Hand die gräßliche Wunde am Unterleib zudrückend: "Eidgenossen, frisch drauf! Kümmert euch nicht um meinen Fall. Ich bin ja nur ein einzelner Mann. Heute könnt ihr als Sieger das Vaterland und eure freien Bünde retten. Werdet ihr aber besiegt, so kommen eure Nachfahren in ewige Knechtschaft!" Dann sank er tot zusammen. Jetzt sprangen die Eidgenossen, jauchzend vor Wut und Kampfgier, über die Schanze und schlugen den Feind nach blutigem Ringen vollständig. Jenem Lästerer aber, dem Ritter von Randeck, war es sonderbar ergangen. Nämlich etwa einen Monat vorher brach er mit zehntausend Mann von Konstanz auf und überfiel einen Haufen Eidgenossen im Schwaderloch. Sie hatten schlechte Wache gehalten und sich überraschen lassen. Nun mußten sie sich fechtend in den Wald zurückziehen. Jetzt wurde der Randecker so übermütig, daß er vorschlug, man wolle gleich nach Zürich ziehen, ins Herz der Eidgenossenschaft. Die Führer konnten sich aber nicht einigen. Also machten sie ein mächtiges Feuer an und fingen an zu kochen und zu braten und wurden guter Dinge. "Ei", sagte aber der wilde Randecker, als er sah, wie alles drüber und drunter ging, "seht euch vor, die Kühmelker kommen gewiß wieder!" Und sie kamen. Sie hatten sich in den Wald zurückgezogen, wo nach und nach so viele Schweizer zu ihnen stießen, daß ihrer wohl vierzehnhundert zusammengekommen sein mögen. Nun versuchten sie's mit einer Kriegslist. Sie verteilten ihre Trommler im ganzen Wald und ließen sie dann von allen Seiten drauflostrommeln und Wirbel schlagen, daß es einen Mordslärm gab. Entsetzt fuhren die Schwaben in ihrem fröhlichen Lager auf, denn sie meinten, ein gewaltiges eidgenössisches Heer sei im Anzug. Und als nun die Schweizer jauchzend aus dem Walde hervorbrachen, schossen die Krieger vom Schwäbischen Bunde zu hoch. Die Eidgenossen aber fuhren auf sie los, warfen sie auf die Geschütze zurück und auf das entsetzlich rauchende Lagerfeuer, also daß ihrer viele von dem Rauch und der Hitze versengt wurden und erstickten. Und als nun die Eidgenossen nach einem kurzen Hau das Feld behielten und die Toten absuchten, fanden sie auch den wilden Ritter von Randeck mit versengten Haaren und geschwärzt vom Rauch neben den Geschützen am Feuer liegen. Mit Grausen erinnerten sie sich jetzt seiner lästerlichen Rede vor dem Kriege. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Heer im Schrattenberg by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Das Heer im Schrattenberg

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Das sogeheissene Wetterschiessen nennen sie um Escholzmatt Gurnigeln. Die Leute stellen sich vor, dieses Donnern oder Kanonieren komme vom Gurnigel her, unter welchem Namen sie diesfalls nicht nur den bekannten Berg im Bernbiet verstehen, sondern auch das Schrattengebirge. Wie mal im Herbst ein Hirt seine Herde von der Alp ab dem Schratten trieb, bemerkte er, dass ihm ein Schaf fehle, konnte es aber nicht mehr finden. Sein Erstaunen war nicht gering, als beim Wiederauftrieb ihm das verlorne Schaf so wohlgenährt und froh entgegensprang. Doch wollte es nicht mit der übrigen Herde fressen, man sah, dass ihm diese Weide nicht mehr gut genug sei und es eine bessere kenne. Mein Hirt denkt, er wolle dem Ding schon auf die Spur kommen, verliert das Schaf nicht mehr aus dem Auge, sondern schleicht ihm auf seinen Pfaden nach. Es ging einer Felsenhöhle zu und dann einen langen grossen Gang hindurch in einen unübersehbaren grossen Saal, der ringsum von hellen Kristallen funkelte und wo an prächtigen Bahren die schönsten Streitrosse standen, unzählig viele. Da hatte das Schaf es lang gut genug. Beim Herumgehen kam er an ein hohes stolzes Tor, das bei leichtem Berühren aufsprang und dem überraschten Auge einen zaubervollen Anblick öffnete. Ein anderer Saal, voll Gold und Edelsteinen schimmernd und blitzend weitete seine lichten Räume tief dahin und an herrlichen Tischen sassen und schliefen gar viele schön und wohl gerüstete Kriegsmänner. Zu hinterst, dem Tore gegenüber, ruhte an eigenem Tische der Heerführer. Dieser hob jetzt sein Haupt auf und fragte ernst und würdevoll einen andern Offizier an der Seite: „Wie spät ist es?" - „Ein Tausend achthundert dreissig!" gab dieser zur Antwort. „So müssen wir noch 45 Jahre warten", versetzte der erste und schlief wieder fort. Der Hirt dachte nun auf den Rückzug. Wohl kam ihm der Gedanke, die Unterirdischen könnten von den unermesslichen Schätzen an Gold und Diamanten einige Hände voll leicht entbehren. Aber er beschloss, doch zuerst seinen Seelsorger zu beraten. Den Eingang merkte er sich gut und liess auch das Schaf einstweilen zurück. Hernach kam er wieder dahin, um jetzt so viel möglich von den herrlichen Dingen sich anzueignen. Zu spät, das Loch war nimmer zu finden und das Schaf kam nimmer zum Vorschein.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das Herdmännli von Mellikon by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Herdmännli von Mellikon

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Zur Zeit als die Grafschaft Baden noch dreiörtlich regiert wurde (von den drei Orten Bern, Zürich und Glarus), lebte im Dörflein Mellikon, das im Zurzacher-Bezirk nah am Rhein liegt, ein Junker aus dem Urnerlande. Die schönsten Matten und fruchtbarsten Aecker waren sein, ein hübsches Herrenhaus mit einer Kapelle daneben war sein Sommersitz. Weil er aber keinem Menschen aus dem Badener- und Aargauerlande genug traute, so hatte er einen Urner zum Verwalter seiner Höfe gemacht, und dieser erwarb sich dermassen seine Zufriedenheit, dass der Junker gar oft zum Schwarzheinrichbauer sagte, seit er diesen Aufseher habe, regne ihm das Geld in die Kisten zum Dach herein. Nach und nach lernte dieser Schaffner die lustigen Brüder in Mellikon und Reckingen kennen und zahlte ihnen die Zeche, so oft er mit ihnen trank und spielte; aber um den Grosshans fortspielen zu können, musste er endlich den Junker bestehlen. So gab er dem Obermüller von Reckingen manches Viertel Korn um einen Spottpreis. Beide hatten in einer Winternacht wieder einmal einen Schlitten mit gestohlenem Korn geladen und eben wollte der Verwalter noch den letzten Sack hinter das Haus hinab tragen, da stürzte er so unglücklich die Stiege mit hinunter, dass er auf der Stelle todt blieb. Der Müller liess den Schelm liegen und sprengte mit seiner wohlfeilen Ladung heim. Am andern Morgen fand ein Schuhmacher von Rümikon den todten Mann unter seiner Last. Aber zu gleicher Zeit hörte man nun droben auf dem Kornboden ein Seufzen und Poltern, dass Niemand mehr hinauf zu steigen wagte. Der Junker wendete sich nun, um des Unholdes los zu werden, an einen Kapuziner im Kloster zu Baden, und dieser bannte ihn glücklich in eine Felshöhle in der Neuburgerhalde. Da zeigt er sich noch von Zeit zu Zeit unter einem Loche des Felsens und verspottet die Leute, die zu ihm hinauf blicken. Das Volk kennt ihn schlechtweg als das Herdmännli. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 293 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Wettermännchen in der Pörtlialp by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Wettermännchen in der Pörtlialp

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. Wenn man's allemal vom »Beerdli« her jauchzen hörte, sagten die Leute am Ronastutz und in Fellenen: »Ähä! ds Wättermanndli het wider g'jützet im Beerdli; äs wird wiëscht.« Von Zeit zu Zeit sah man einen grossen, schweren Mann vom Beerdli herkommen; der hatte einen grossen Hut auf und ging bis in den Kästalwald; nie weiter. Dort verschwand er. Und jedesmal wurde es dann wüst. Mein Vater hat ihn oft gesehen, aber nie so nahe, dass er ihm hätte das Gesicht beschauen können. Man vermutete, es sei der nämliche, den man auch jauchzen hörte. Albin Indergand, Amsteg 2. Ja, das ist wahr! im vorderen Beerdli (Pörtli) hört man von Zeit zu Zeit Einen jauchzen, und dann gibt's wüst Wetter. Ich habe ihn selber gehört und gesehen. Wir gingen eines Herbsttages ins Fellital, um dort Holz zu holen. Auf einmal hörten wir vom andern Beerdli her Einen jauchzen. 'S isch äs prächtigs G'jütz gsy und isch eim ganz bekannt vorchu; mä hätt meegä meinä, mä hätt-ä scho mängsmal g'heert, der danä. Wir jauchzten ihm ebenfalls zu, aber er verstummte. Zwei bis drei Tage nachher legte es einen tüchtigen Patsch Schnee. Seine Wohnung hatte er im Alphäuschen im vordern Waldi. Oft hörten sie ihn am Abend seinen Stock neben der Haustüre an die Wand stellen und dann hineinkommen. Aber dann gab es bald schlecht Wetter. Das war ein sicheres Zeichen, wenn man ihn den Stock an die Wand stellen hörte. Ich war mehrere Sommer Senn daselbst. Eines Abends, als ich zu beten gerufen hatte und zur Hütte zurückkehrte, kam Einer grad zum Türgricht heraus, witschte in schnellen Schritten an meiner Seite vorbei und eilte von dannen. Ich dachte, es sei der Hirt. Als ich aber die Hütte betrat, waren Hirt und Zubub drinnen, und keiner hatte die Hütte verlassen oder einen Besuch gesehen. Das war das letzte Mal, dass ich den gespenstigen Hütteninsassen bemerkt hatte. J.J. Walker, 72 J. alt, Meitschligen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Bettenhund by (Jakob Kuoni, Sage, Wallis)

Der Bettenhund

Source: (Jakob Kuoni, Sage, Wallis)

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  In der "Betten", wo ein Bächlein die Gemeinden Rebstein und Marbach scheidet, sah man früher den Bettenhund mit weit herabhängender Zunge, feurigen Augen und einem langen Schwanze. Am Steg, der aus zwei Brettern bestand, erschien das Tier, und es begleitete den nächtlichen Wanderer bis zum großen Kirschbaum vor dem Unterdorfe. Einen Frevler, der den Hund rief, begleitete dieser sogar bis zur Haustüre. Ein höchst unangenehmer Begleiter, wenn er auch keinem Menschen ein Leid zufügte! Von der gegenwärtigen Generation hat ihn niemand mehr gesehen. J. U. Büchel.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 64, S. 29   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Brunnen zu Schwanden by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der Brunnen zu Schwanden

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Im Schächental lässt sich gar nicht versenken, nicht einmal mit Quecksilber. Vor Zeiten hatte man dort gar kein Brunnenwasser. Da fingen sie an, zur St. Anna, der Kapellenpatronin, zu beten. Da kam eines Abends ein Bettler und fragte übernacht. Barmherzig nahmen ihn die Leute auf, sagten aber, wenn er etwa dürsten sollte, müsse er in Gottes Namen selber für Wasser sorgen, sie hätten keines im Hause. Er meinte, bis morgen würden sie schon Wasser haben. Am Morgen war der Bettler schon in aller Frühe fort, und neben dem Hause floss ein prächtiges Brünnelein mit klarem Wasser, das in der Folge auch im Winter nie versiegte und nie einfror. Karl Gisler Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Burgvogt von Brunnegg by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Der Burgvogt von Brunnegg

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Wenn anderes Wetter eintreten soll und besonders wenn die heil. Zeit heranrückt, hören die Leute am Fusse der Brunnegg ein anhaltendes Getöse droben auf der Burg. Man sagt, der Burgvogt reite auf seinem Choli (Rappen) auf die Jagd. Das that er auch einmal im strengsten Winter mit seiner Kuppel Hunde und einem Tross Reisigen. Vor Kälte erstarrten ihnen die Füsse, da fand der Vogt einen armen Holzhacker, erschlug ihn und wärmte im aufgeschnittenen Bauche seine frierenden Füsse. Von dem Augenblicke an brach ein grässlicher Schneesturm los, er muss sie alle zusammen verweht und begraben haben, keiner ist mehr ins Schloss zurückgekommen. Diejenige Stelle, wo der arme Bauer starb, kennt man noch; bis dorthin sprengt der jagende Reiter, dort hört man sein weidmännisches Hop-Hop! verstummen. Belesene Leute nennen ihn Gessler und meinen, es sei derselbe, der den Tell zwang auf sein eigenes Kind zu schiessen. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 187 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Der Chriemhildengraben by (C. Kohlrusch, Sage, Zürich )

Der Chriemhildengraben

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Zürich )

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Ein fahrender Schüler, der in Salamanca die Zauberei erlernt hatte, kam einst auf seinen Fahrten durch die Welt, die er mit Hülfe des Teufels unternahm, auch an den Türlersee. Zu dieser Zeit wohnte dort eine Frau Namens Chriemhild, welche sehr schön, dabei aber auch sehr bös und neidischen Gemütes war. Ihr Hass und Neid war aber besonders gegen ihre Nachbarsleute gerichtet, deren Felder und Wiesen sich immer bei weitem fruchtbarer zeigten als ihre eigenen. Da nun das schändliche Weib schon längst gewünscht hatte, einmal ihre Bosheit an dem Gut ihrer Nachbarn auszulassen, so kam ihr die Ankunft des fahrenden Schülers, durch dessen Kunst sie Wiesen und Felder derselben wo möglich noch unfruchtbarer, als die ihrigen, zu machen hoffte, eben recht. Dieser, in sündiger Liebe zu dem schönen Weibe entbrannt, willigte auch alsbald in das böse Verlangen ein und machte sich eines Nachts daran, einen großen Graben zu ziehen, vermittelst welchem er das Wasser aus dem Türlersee auf die Wiesen und Felder jener Nachbarn leiten wollte, um sie so zu überschwemmen und ihren warmen, fruchtbaren Boden in kalten, nassen Moorgrund zu verwandeln. Bald wäre auch das boshafte Werk gelungen, nur noch wenige Spatenstiche fehlten und das Wasser wäre in den Graben eingebrochen, da kam aber von ungefähr ein frommer Pilgrim des Wegs daher, der das Schändliche des Unternehmens sofort erkannte und den fahrenden Schüler samt dem bösen Weibe mit der Kraft seines heiligen Willens auf den Glärnisch verbannte, wo beide verdammt sind auf dem Mittlern, mit ewigem Eis bedeckten Gebirgsstock einen Garten anzulegen; erst wenn dieser Garten, den das Volk das Vreneligärtli oder den St. Verenagarten nennt – jener Pilger soll nämlich die heilige Verena gewesen sein – vollendet ist, wird die Erlösung der Beiden erfolgen. Das wird aber wohl niemals geschehen, eben so wenig als den Verdammten bei Lebzeiten die Vollendung des Grabens gelang, der von dem bösen Weibe noch heut den Namen „Chriemhildengraben" führt. (Anm.: auf der Landkarte findet man am Ende der südwestlichen Bucht des Türlersees den Häxengraben.) C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Dank des Bettlers by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der Dank des Bettlers

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Kam da im Frühling des Jahres 1887 ein unbekannter Bettler nach Spiringen und klopfte in einem Bauernhaus zu Hellprächtig an und bat um Speise und Trank. Aber kaum hatten ihn die harten Leute angeschaut, schletzten sie unter Schimpfen und Schelten über das unverschämte Bettlerpack vor seiner Nase die Türe zu. Er schritt hinüber zum andern Hause und brachte auch hier in aller Bescheidenheit seine Bitte vor, aber sie schnauzten ihn nur an und wiesen ihm die Türe. In einem dritten Haus, im Isenprächtig, wo arme Leute daheim waren, gaben sie ihm ein ehrliches Almosen. Da hielt ihnen der Bettler eine Ansprache und weissagte: »Es wird bald ein grosses Unglück geschehen, aber dieses Haus wird verschont bleiben.« Und so kam es. Am Pfingstmontag des genannten Jahres verschüttete der Bergsturz die zwei Häuser und die Wiesen zu Hellprächtig und tötete sieben Personen. Das benachbarte Haus, wo der Bettler Barmherzigkeit erfahren, blieb auf wunderbare Weise verschont. Später fiel auch es dem Schächenbach zum Opfer. »Das hani einisch z'Birglä-n-obä-n-äs alts Müetterli g'heert verzellä.« Ferdinand Dubacher, 30 Jahre Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Hausgeist im Remsenberg by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der Hausgeist im Remsenberg

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Im hochgelegenen Berggut Remsen in Bürglen baute mein Vetter ein neues Haus, aber nicht mehr ganz auf der alten Stelle. Als es beinahe fertig dastand, hörten sie auf dem alten Hausplatz flennen. Mehrmals ging der Vetter auf diesen Platz hinaus, suchte und forschte, konnte aber gar nicht herausfinden, was oder wer da so weine. Endlich dachte er, da sei vielleicht eine arme Seele, und deerer miess eppis mangierän. Er holte Rat bei einem Geistlichen, und der sagte, er solle sie anreden, müsse dann aber alles erfüllen, was sie verlange. Der Vetter dachte, die wird etz ämel e keis Kapital verlangä, und redete sie an. Sie sagte ja, sy syg än armi Seel, äs alts Meitli, wo einisch vonnärä Läuwi undermä-n-Ofä erdrickt wordä syg und da miess lydä. Und jetz mecht sy äbä wider under Dach. Der Vetter sagte: »Wenn du mier und mynä Chindä und Chinds-Chindä nyt z'leid tüesch, channsch du i das nyw Hüs iberächu, i weli Chammer, dass du witt. Aber darfsch ys nyt im Wäg sy.« Die arme Seele kam dann in das neue Haus, und sie spürten nie etwas von ihr. Ambros Walker Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Lehenzins by (Meinrad Lienert, Sage, Nidwalden)

Der Lehenzins

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Nidwalden)

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Unter dem düstern Giswiler Stock im Unterwaldnerland liegt ein schönes Heimwesen, das "Iwi" genannt. Die Matten sind voll von schönen Bergblumen, also daß die wilden Bienen ihre liebe Not haben, sommerlang die Millionen voller Honigbecherlein abzusuchen. Einst war ein hablicher Bauer mit seinem Sennten von dreißig gutfarbigen Kühen aufs "Iwi" gefahren. Wie er da im Vorsäß war, erschien unversehens eines Tages, als er eben, den Melkstuhl am Arm und den Eimer in der Faust, sich unter eine Kuh setzen wollte, ein wunderliches Männlein vom Giswiler Stock her. Es hatte einen langen, weißen Bart und ein uraltes Gesicht. Verwundert blieb der Mann stehen und wartete, bis das Männlein vor ihm stand. Wie es nun bei ihm angekommen war, grüßte es freundlich, und dann bat es in den eindringlichsten Tönen, der Bauer möge ihm doch für den Sommer eine Kuh ins Lehen geben. Der Bauer, der das seltsame Männlein noch nie zuvor gesehen hatte, glotzte nur verwundert auf sein altmodisches Röcklein und sagte nichts, denn er traute der Geschichte bloß halb. Als aber das Männlein nicht nachließ, ihn um eine Kuh zu bitten und zu beten, fiel es dem Hirten ein, er habe ja noch eine magere, nichtsige Kuh, die ohnedies abgehend sei und wohl bald dahinsiechen und umstehen werde. Um dieses Stück Vieh sei's am Ende nicht schade, auch wenn er's nie mehr zu sehen bekommen sollte. Also sagte er dem Männchen das magere Urner Kühlein zu, doch wollte er ihm vorher die Schelle abziehen, denn er schätzte die Glocke der Kuh höher als sie selber. Als aber das Männlein bittlich anhielt, er solle ihm doch die Kuh samt der Schelle lassen, willigte der Bauer schließlich ein. Auf St. Michaelistag sollte ihm jedoch die Kuh samt Lehenzins pünktlich wiedergebracht werden. So war denn der Handel gemacht. Das wunderliche Männlein zog mit seiner mageren Lobe ab, und der Bauer sah der Kuh nach und dachte: Dich und das alte Männlein sehe ich gläublich nicht wieder. Immer ferner läutete die Schelle der abziehenden Kuh, bis er sie nicht mehr hörte. Da hockte er sich auf seinen einbeinigen Melkstuhl und begann das herandrängende Vieh zu melken. Aber als er eines Tages vor sein braunes Häuschen trat und an den Giswiler Stock hinaufschaute, sah er weit oben in den Gemsplätzen sein mageres Kühlein munter weiden. Da gab er die Kuh völlig verloren, denn dort mußte sie ja gewiß bald abstürzen, da nur Gemsen in jenen Schroffen gefahrlos zu weiden vermochten. Danach sah er nicht mehr hinauf, denn er fuhr mit seinem Sennten auf die Hochalpen und vergaß den ganzen Handel. Doch ging es ihm diesen Sommer immer merkwürdig gut. Sein Vieh ward rund und glänzend, während seine Nachbarn allerlei Seuchen hatten, also daß ihre Kühe gegen den Herbst zu die Haare stellten, als ob sie beim Bürstenbinder gesömmert worden wären. So wurde es Herbst. Da war der Bauer wieder von der Hochalp ins Vorsäß "Iwi" abgefahren, und die Kühe sprangen vor Vergnügen wie die Heuschrecken vor der Sense im saftigen Herbstgras herum. Am Michaelistag saß der Bauer vor seinem Häuschen und dachte an nichts. Da hörte er eine Kuhschelle mit absonderlich schönem Klang läuten. Wie er neugierig aufschaute, sah er das Männlein mit dem schneeweißen Barte daherkommen. An der Hand führte es eine Kuh, die glänzte wie die Seide am Zapfen. Da sei nun die Kuh wieder, sagte das herankommende Männlein, die er ihm lehenweise in die Sömmerung gegeben habe. Wieviel Lehenzins er nun von ihm verlange. Der Bauer mußte nur so Augen machen. Er konnte zuerst gar nicht glauben, daß die schöne Kuh mit dem saitengeraden Rücken und den strotzenden Milchzeichen das elende, abgehende Kühlein sein sollte, das er dem Männlein im Frühling ins Lehen gegeben hatte. Endlich erholte er sich von seiner Verwunderung und sagte, daß er gar keinen Lehenzins begehre. Er wolle ihm gegenteils gerne im nächsten Lenz wieder eine Kuh zur Sömmerung überlassen. Doch das seltsame Männlein antwortete, es brauche nun nie mehr eine Kuh, da es für sein ganzes Leben Milch und Käse haufensgenug habe. Dann überreichte es dem Bauer ein Bratkäslein und sagte zu ihm, er gebe ihm nun diesen kleinen Käse als Lehenzins. Er solle ihn aber ja nie ganz aufessen, dann habe er immer Käse. Da lachte aber der Bauer nur und schüttelte ungläubig den Kopf. Das Männlein aber rief aus: "Thio und liog!" ("Tu's, und dann wirst du's schon sehen!"), und im Hui war es weg und lief flinkfüßig wie ein Spinnlein am Giswiler Stock hinauf. Am Abend, als der Bauer mit seiner Frau zu Tische saß, kosteten sie vom Käslein, und es bedünkte sie, es habe einen gar vornehmen Geschmack. Sie ließen dann auch die Nachbarn oftmals davon essen. Jedesmal, wenn man das Käslein wieder hervornahm, war es ganz wie zuvor. Das ging wohl zwei Jahre lang so fort. Aber eines Tages hatte der Bauer den Schneider und den Schuhmacher gleichzeitig auf der Stör (in Arbeit im Haus). Wie er das Bratkäslein dem Schneider und dem Schuhmacher als Vesperbrot auftischte, da schmeckte es ihnen so vortrefflich, daß sie, ohne daß der Bauer es gerade gewahrte, das ganze Käslein aufaßen. Da ward der Bauer zornig, als er's bemerkte, denn nun konnte das Käslein nicht mehr wachsen, wie viel und wie lang er auch den Schneider und den Schuhmacher ausschimpfte. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Rockbub von Golzer by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der Rockbub von Golzer

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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 Im Gruobacher auf Golzer im Maderanertal wuchs ein Bub bis zum 20. Altersjahre im Rock auf. Eines Tages trug der Vater Mist aus, und der Bub schaute zu. Als er sah, wie der Vater bei jeder »Trägi« einigemal ausruhte, fragte er, warum er denn mit dem Bitzi Mist so oft ghirme. »Ja nun,« sagte der Vater, »wenn's so gmeint ist, Bub, so trage du einmal selber!« Da nahm der Bub einen grossen Grisskorb voll und trug ihn ohne auszuschnaufen eine grosse Strecke durch das steile Port hinauf und leerte ihn. Albin Loretz Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Schatz auf dem Kaiserstock by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der Schatz auf dem Kaiserstock

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Der gelehrte Urner Landammann, Dr. K. Lusser, erzählt in einer Handschrift von 1833 folgende Sage, die im Urner Wochenblatt 1921, Nr. 44, veröffentlicht ist: »Die kleine, kraterförmige Vertiefung oben auf dem Kaiser in Isental soll daher rühren: Gereizt durch die Sage eines da verborgenen Schatzes sollen Hirten sich eingewühlt haben. Schon stiessen sie auf die Hiena des gewaltigen, mit Geld gefüllten Alpkessels, als sich ein furchtbares Gewitter erhob und die Suchenden vertrieb, nachdem sie zu sterben meinten, worauf die Grube wieder zufiel und keiner es wagte, sie wieder zu öffnen.« b) Auf dem Kaiserstock in Isental ist ein ganzes Chessi voll Geld oder, nach anderer Auffassung, ein Schiff voll Ledergeld verlochet. Einmal machten sich mehrere Isentaler dahinter, den Schatz zu heben. Wie sie mit ihren Hauen auf den Deckel kamen, wurde es plötzlich dunkel, und ein gewaltiges Donnerwetter entlud sich ob ihren Häuptern. In der Angst ergriffen sie die Flucht und versteckten sich in einer Felsenhöhle. Als sie auf den Platz zurückkehrten, um ihre Arbeit zu vollenden, war der Schatz noch dreimal so tief in den Erdboden versunken. Hätten sie, bevor sie flohen, noch schnell ihre Hauen kreuzweise darüber gelegt, so wäre das Geld nicht verschliffen; die Hexe oder der Teufel hätte dann nicht darüber Gewalt bekommen. »Das ha-n-i mängs dutzedmal g'heert verzellä.« Mich. Imhof, 80 J. alt; Hans Aschwanden, 50 J.u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der Schmied von Rumpelbach by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der Schmied von Rumpelbach

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Erlaubte dem Teufel, ihn mit Leib und Seele zu holen, wenn er ihm neun Jahre lang genug Geld verschaffe. Der Teufel nahm den Pakt an, brachte dem Schmied Geld in Hülle und Fülle, dass dieser in Saus und Braus leben konnte. Als die neun Jahre ihrem Ende entgegeneilten und die letzte Stunde der Frist herangebrochen, schloss der Schmied alle Türen seines Hauses bis auf eine, und hinter diese legte er ein Wolfeisen. Der Teufel kam und rumpelte mächtig an allen Türen, bis er die rechte fand und öffnete, um glücklich in das Wolfeisen zu plumpsen. Vor Freude hüpfte und tanzte der Schmied um den schwarzen Gefangenen herum und rief: »So jetz Tyfel! jetz bisch dü mynä statt ich dynä!« Und dieser seinerseits heulte und winselte, schwor und fluchte durcheinander. Am Ende verlegte er sich aufs Bitten und flehte den lachenden Schmied an, ihn loszulassen. »Wenn du mir wieder neun Jahre und wieder Geld genug schenkest, will ich dich laufen lassen«, meinte der Schmied, und der Teufel versprach es gerne, wurde vom Eisen befreit, hinkte davon und liess den Schwanz hangen. Nachdem die Gnadenfrist verstrichen war, erschien der Höreler wieder in der Werkstatt und wollte seine Beute. Aber der Schmied zeigte ihm ein Gewehr und sagte: »Sofort werde ich mit dir kommen. Aber sage mir noch, was für ein Instrument dieses ist.« »E, das ist doch eine Zigarre«, erwiderte der Teufel. »Du hast's erraten«, sagte der Schmied, »das ist präzis eine Zigarre. Stecke sie ins Maul, ich will sie dir anzünden, und dann reisen wir selbander ab.« Gleitig steckte der Teufel das Gewehr ins Maul, der Schmied liess es los, es gab einen Krach, und der Schwarze wälzte sich ächzend und stöhnend am Boden. Ein grosses Wunder, dass er nicht tot war. Der Schmied hielt sich den Bauch vor Lachen. Endlich packte er den bös Blessierten, warf ihn in einen Sack, band zu, legte ihn auf den Amboss und begann darauf loszuhämmern. Da heulte der Teufel aus allen Kräften und bat, ihn loszulassen, und versprach alles mögliche. Um eine neue Gnadenfrist, diesmal von fünf Jahren, liess ihn der Schmied laufen. Die fünf Jahre waren dahin, und der Böse stand schon wieder beim Schmied vor der Türe und sagte grinsend: »So jetzt, Schmiedlein, komme!« Dieser aber entgegnete mit Lachen: »Ja, du hast alle Wissenschaften mit Löffeln gefressen; aber meinen Kopf will ich an einen Batzen setzen, ich kann dir ein Tier zeigen, das du nicht kennst.« Das wurmte den Teufel, punkto Kenntnisse und Wissenschaften liess er sich nicht foppen. »Wenn du mir ein solches Tier zeigen kannst«, sagte er, »will ich nicht mehr Teufel sein und für immer und einfür allemal auf einen so ungeschlachten Klotz verzichten, wie du einer bist.« Jetzt hatte der Schmied, was er wollte. Er ging und wälzte sein altes Weib mit dem mächtigen Kropf im Honig herum und dann in den Hühnerfedern, stellte es in einen Baum hinauf und sagte hernach zum Teufel: »So, jetzt beschaue dir den Vogel da im Baume und sage mir, wie er heisst!« Der Teufel schaute und schaute, betrachtete das merkwürdige Geschöpf von allen Seiten und schüttelte den Kopf. Zuerst musste er lachen, dann aber wurde er fuchsteufelswild und brüllte: »Nein, ein solches Tier, welches das Euter am Halse und den Schwanz am Kopf hat, habe ich noch nie gesehen.« Und dampfte ab. Vor dem Teufel hatte der Schmied jetzt Ruhe, aber dafür kam nach einigen Jahren ein anderer, der Tod, und führte ihn ab in die Ewigkeit. Zuerst kam er an die Höllenpforte. Aber da wollten sie ihn nicht. »Du könntest mir noch die ganze Hölle mit samt allem verkaufen, packe dich!« brüllte der Oberste der Teufel. Da ging der Schmied vor die Himmelstüre und klopfte hübscheli an. Aber St. Peter machte ein verdriessliches Gesicht, als er öffnete und den Sünder erblickte. »Du hast's mit dem Teufel gehabt, nicht mit unserm Herrgott«, schnerzte er, »gehe zur Hölle, dort ist dein Gevatter!« Aber der Schmied zog schnell sein Schurzfell ab, warf es hinter die Himmelstüre, sprang blitzschnell darauf, setzte sich und rief: »Ich bin der Schmied von Rumpelbach, Da bin ich, und da bleib ich und sitz auf meiner Sach.« Und da hinter der Himmelstüre, sitzt er heute noch auf seinem Schurzfell. »Diä Gschicht hed-is alligs der alt Fadä-Daller-Wysi verzellt.« Jos. Maria Arnold, Unterschächen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Der starke Vater by (Josef Müller, Sage, Uri)

Der starke Vater

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a) Ein älterer Mann besass einen ungemein starken Sohn, der ihm eines Tages freudig berichtete, er habe bei seinen »Stubeten« mit vielen Gegnern gerungen, aber bis jetzt keinen gefunden, der ihm an Kraft gleichgekommen sei. Da lächelte der Vater. Als der Sohn am Abend wieder an den gewohnten Ort zu seiner Liebsten gezogen war, schlich der Alte ihm verkleidet nach und liess vor dem Hause den Herausruf ertönen. Alsogleich erschien der rauflustige Sohn und machte sich über seinen vermeintlichen Gegner her. Da zeigte sich die ungeheure Stärke des Alten, der seinen Sprössling nach kurzem Ringen warf und in die Flucht trieb. Am folgenden Morgen war der Sohn ganz niedergeschlagen. Vom Vater über die Ursache seiner Betrübnis befragt, gestand er, bis jetzt habe er geglaubt, er sei der Stärkste in der Gemeinde, und nun sei ihm letzte Nacht noch ein Stärkerer begegnet, was ihn schrecklich wurme. Lachend erklärte ihm der Vater den Zusammenhang, mit der weisen Mahnung, dass einen jungen Mann Bescheidenheit am besten ziere. b) Die gleiche Geschichte erzählen die Isentaler von einem Mann, den ältere Leute noch gekannt haben wollen. c) Der mittlere der bekannten drei starken Portnerbuben war ein lebensfroher Bursche. Zu Ostern ging er nach altem Brauch bei den Jungfern auf Eier los und an der Chilwi auf Chrapfen. Aber nie hätte er den Brüdern davon gegeben. Das verdross sie. Eines Abends – es war eben Ostern, und sie wussten, dass er auf Eier ausgegangen – passte ihm der stärkste von ihnen vermummt auf. Nach hartem Kampfe überwand er ihn und zerschlug ihm die Eier, die er auf dem Kopfe unter der Kappe versteckt hatte. Am nächsten Morgen klagte der Besiegte seinen zwei Brüdern: »Jetzt habe ich gemeint, hier herum der Stärkste zu sein; aber gestern abend bin ich doch auf einen gestossen, der mir über war.« Die zwei lachten heimlich, verrieten sich aber nicht. Frau Arnold-Gisler, Bürglen; Hans Aschwanden, Isental Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Die drei Blutstropfen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Die drei Blutstropfen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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die man an einer Wand eines Hauses auf dem Stalden in Bürglen, in dem zur Franzosenzeit ein einquartierter Franzose ermordet worden, sieht, sind nicht wegzuwaschen und nicht auszutilgen. Fr. Wälti-Gisler u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Die entlarvte Hexe by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Die entlarvte Hexe

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Vor vielen Jahrzehnten lebte in Liedertswil eine alte Frau, die als Hexe galt. Nun war in einem anderen Hause ein fremder Weberknecht eingestellt worden, der auch davon hörte. Er schloss sich einigen jungen Burschen an, die im Hause der vermeintlichen Hexe jeweils abends zusammenkamen. Er erzählte ihnen, er habe ein sicheres Mittel, um eine Hexe zu erkennen und wolle es in diesem Falle ausprobieren. Bevor sie wieder in das besagte Haus z’Chilt gingen, verteilte er ihnen sogenannten Teufelsdreck, den sie in ihre Tabakspfeifen einfüllen mussten. Als sie in die Stube traten, lag die Alte wie gewöhnlich auf dem Ofen und schien zu schlafen. Nun setzten sich die Burschen an den Tisch und auf die Ofenbank und fingen an zu «tubaken». Bald entwickelte sich ein ordentlicher Rauch in der Stube. Die Alte fing an zu schnupfen und zu niesen dass es eine Freude war. Ihre Aufforderung, das Rauchen doch sein zu lassen, beantworteten die Burschen durch noch stärkeres Rauchen. Auf einmal geschah etwas Sonderbares. Wie ein Wollknäuel rollte die Frau vom Ofen auf die Kunst und auf den Boden, zur Türe hinaus, in die Küche, bis an die Haustüre, wo sie dann liegen blieb. Jetzt waren der fremde Knecht und seine Kameraden überzeugt, dass die genannte Frau eine Hexe sei und sie mieden fortan jenes Haus. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Die entlarvte Hexe by (Josef Müller, Sage, Uri)

Die entlarvte Hexe

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. Ein Bäuerlein, dem eine Hexe alles Vieh verderbt hatte, sagte eines Morgens zu seiner Gattin: »Wenn es so ist, so will ich auch ein Hexenmeister werden.« Sie riet ihm ernstlich ab und warnte ihn mütterlich vor diesem sündhaften Schritte. Weil er aber sein Vorhaben nicht aufgab und in allem Ernste einen Hexenmeister aufsuchte, sagte sie endlich: »Ja, wenn es dein Ernst ist, so will ich dich die Hexenkunst schon lehren.« Der Mann erklärte sich einverstanden. Um Mitternacht musste er, mit einer Mistgabel bewaffnet, seine Frau auf den Miststock begleiten. Dort hätte er nun die Gabel in den Düngerhaufen stecken und Gott und allen Heiligen abschwören sollen. Sie sprach, hinter ihm stehend, die Formel vor. Er murmelte etwas, und auf einmal kehrte er sich wie der Blitz um, und mit den Worten: »Jetz g'seh-n-i, das ä Häx bisch,« stach er die dreizinkige Mistgabel dem falschen Weib ins Herz. Am Morgen lag es tot auf dem Fleck und war brandschwarz. Der Mann hatte es schon lang im Verdacht gehabt und tat nur dergleichen, als ob er die Hexerei auch lernen wolle, um es auf solche Art zu fangen. Fr. Zäzilia Gisler-Walker, 70 J. alt 2. Einst kamen drei stolze, prachtvolle Meitli über Hüfi und durch das Maderanertal ins Land, blieben da, und alle drei heirateten in der Folge Ratsherren, eine in der Blüemlismatt hinter der Reuss, eine im Ried ob Amsteg und die dritte, weiss ich nicht wo. Der Ratsherr im Ried merkte bald, dass seine mehr könne als andere, und nahm sich vor, sie auf die Probe zu stellen. Er sagte eines Tages zu ihr, er möchte ihre Künste auch lernen. »Gut,« antwortete sie, »so komme morgen abends mit mir nach Amsteg hinunter, dort stellen wir uns auf einen Rossmiststock, und dann musst du mir alles Wort für Wort nachsprechen, was ich dir vorsage.« Der Mann versprach das. Als sie dann auf dem Miststock standen, sprach die Hexe: »Jetz simmer ufem Rossmist.« Der Mann sagte es nach. »Jetz verschweere-mer Jesum Christ,« fuhr die Hexe weiter. »Und ich erschlah, wer näb-mer isch,« sagte der Mann und erschlug die Frau mit der Faust. Josef M. Baumann, Gurtnellen, 68 J. alt, Bauer, Fuhrmann, Taglöhner Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Die Erdbibberli zu Frick by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Die Erdbibberli zu Frick

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Auf der Waldhöhe des Frickerberges wohnten winzig kleine Leute in Steinhöhlen, durch die sie sich gar hübsch und nach der Ordnung ihre Taglichter gebrochen hatten. Bei Tag zwar trieben sie kein Geschäft und Helle hatten sie daheim nicht nöthig; war es aber schon spät Abend auf dem Felde und ein fleissiger Bauer konnte nach einem heissen Aerntetage seine Garben doch nicht alle zumal heimbringen, dann kamen die kleinen Leute zu ihm herunter und halfen, dass er Schober und Mandel nicht über Nacht auf dem Acker stehen lassen musste. Auch ins Dorf herein kamen sie an Winterabenden zu Stubeten (auf Besuch) und halfen Hanfstengel raiten, oder Flachs spinnen. Ein noch nicht bejahrter Mann versichert, er habe als Knabe noch manchmal ihre Wohnungen weit in den Berg hinein begangen, die Erdbibberli aber seien damals schon ausgezogen gewesen, weil ihnen die vorwitzigen Leute Asche hinein geworfen hatten. Ungeheuer oder gar Gespenster seien sie aber nicht gewesen, sonst hätte man nicht beinahe in allen ehrbaren Haushaltungen die schönsten Geschichten über sie zu erzählen gehabt. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 274 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Die Hexe und die drei Glocken by (Josef Müller, Sage, Uri)

Die Hexe und die drei Glocken

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. Bei einem fürchterlichen Hagelwetter stürzte eine verheerende Rübi brüllend und tosend aus dem Gosmertal hervor und drohte, die sämtlichen Felder bis nach Schattdorf hinunter zu verwüsten. Da läuteten aber die Wetterglocken zu Bürglen und Schattdorf, und auch das helle Stimmchen des Glöckleins der Loretokapelle mischte sich in den Chor. Jetzt hielt die Rübi in ihrem drohenden Sturze inne, und die Hexe, die oben darauf sass, schrie erbost: »Wenn ds chly Sywli (oder: ds Vrenäli) gysset z'Loreetä und ds Greti schrytt z'Birglä und das gross Loos (Mutterschwein) briälet z'Schateref, isch nymeh z'machä!« 2. Drei Hexen waren damit beschäftigt, die Vierschröt, einen riesigen Felsen, zu stürzen. Da begannen zu Bürglen, Loreto und Riedertal, die Glocken zu läuten. Jetzt entsanken den Hexen ihre Zauberkräfte, und sie mussten ihr menschenfeindliches Beginnen aufgeben. Die eine der beiden klagte: »Wennd diä gross Fährlä z'Birglä und ds Vreni im Riädertall und ds Sywli z'Loreetä gysset, isch doch rein nymeh z'machä.« Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Die Hexe und ihr Ehemann by (Josef Müller, Sage, Uri)

Die Hexe und ihr Ehemann

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Es war einmal ein Ehemann; der hatte eine Frau, die häufig zur Nachtzeit zum Tanze ging. Aber der Mann merkte das lange Zeit nicht, denn sie legte ihm allemal, wenn sie ausging, einen Besen ins Bett. Endlich aber merkte er's doch. Er passte auf, sah sie aber nur in die Küche hinaus gehen, und dann hörte und sah er nichts mehr von ihr. Am Morgen, als er erwachte, war sie wieder bei ihm im Bett. Das nächste Mal schlich er ihr nach und schaute durch das Schlüsselloch in die Küche hinaus. Da legte die Frau schöne Kleider an, putzte und schmückte sich wie ein lediges, hoffährtiges Meitli, nahm dann eine Salbe aus einem Häfelein, bestrich damit einen Stock, hielt diesen mit beiden Händen in das Kamin hinauf und murmelte dazu: »Obä-n-üß und niänä-n-a, Im Elsass unnä stillä stah.« Und im Herrjeeses war sie fort, zum Kamin hinaus. »Das könntest du auch machen!« dachte der Mann, ergriff das Häfelein, bestrich einen Stecken mit der Salbe und sagte dazu: »Obä-n-üß und a!« Er hatte nicht alles verstanden. Da fuhr er wie der Teufel in die Höhe, prallte aber am Kaminrand an und zerschlug so märterlich den Kopf, dass er halb ohne Verstand auf den Küchenboden hinunter fiel. Am nächsten Morgen merkte die Frau an dem verbeuleten Kopf des Mannes, was geschehen, aber sie sagte kein Wörtlein und der Mann auch nicht. Dieser gab es noch nicht verspielt. Wieder passte er seinem schönen Fraueli auf und machte es ihm nach. Diesmal sagte er: »Obä-n-üß und niänä-n-a!« Jetzt fuhr er grossartig zum Kamin hinaus. Aber draussen wusste er nicht wohin, und deshalb fiel er bald in die Dornen und wurde herumgeschleift, bis er den Stecken fahren liess. Als er erst beim Morgengrauen heimkam, war die Frau schon wach und sagte spöttisch, indem sie den Zerschundenen von oben bis unten mit einem hämischen Lächeln betrachtete: »Wemmä will aarig sy, müess mä gschyder darzüe tüe.« Fr. Arnold-Gisler, Bürglen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Die Pfaffenkellerin by (Alois Lütolf, Sage, Nidwalden)

Die Pfaffenkellerin

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a) Wenn bei Horw und Kriens Türst und Streggelen jagen, indem eine Schar kleiner Hunde einem grossen, einäugigen bellend oder kläffend folgte, so ist allemal die Pfaffenkellerin dabei; sie hat schreckhaftes Aussehen, glühende Augen und zottigen Pelz. Ihr Name haftet noch an einem Bachtobel beim Dorfe Horw.   b) Sie wütet, wenn die Steiner Aa bei Schwyz überflutend und tosend dahertobt, und im Sisigerbach, wenn er in gleicher Art anschwillt.   c) In Stansstad, auf dem Riede gegenStans zu, durchzieht sie in wilden, stürmischen Nächten mit grauenhaftem Wehgeschrei die sumpfige Fläche. Sie soll einst vom sogenannten Palmkäppeli (am Bürgen, eine Viertelstunde von Stansstad) einen Sprung getan haben bis zu einer Brücke in der Näbe des Rotzloches, also über 20 Minuten weit. Noch trägt die Brücke das Mal davon. Wo die Unselige absetzte, drückte sie den Geissfuss in den Stein, so dass der Abdruck noch sichtbar ist.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Die schöne Küngold und der Tanz am Looweiher oder wie das Dorf Küngoldingen zu seinem Namen kam by (Sepp Arnold, Oftringen (Schweiz), Sage, Aargau)

Die schöne Küngold und der Tanz am Looweiher oder wie das Dorf Küngoldingen zu seinem Namen kam

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Die Wartburghöfe liegen auf halbem Wege, will man vom Loohof ob Oftringen zum Sälischlössli gelangen. Mein Ziel aber war die Ruine Wartburg. Die betagte und dennoch rüstige Frau mit den auffallend behenden Augen, der ich unweit der Wartburghöfe begegnete und von der ich gleich nach dem "Grüessgottwohl"  erfuhr, dass sie hier in der Gegend aufgewachsen sei und jeden Strauch und jeden Stein kenne, legte mir noch ans Herz, doch auf dem Rückweg bei ihr einzukehren um mich zu stärken, denn heute sei das Säli geschlossen. Sie habe eben einen feinen Suuren Mocken aus der Beize genommen und müsse ihn nur noch eine Stunde köcheln. Und eine halbe Rüeblitorte warte auch noch auf ein Schleckmaul. Weniger der Suure Mocken und die Torte entlockten mir schnell ein "Ja gerne", als vielmehr eine interessante Geschichte aus eben dieser Gegend, die sie mir zu erzählen in Aussicht gestellt hatte, falls ich dann mehr Zeit haben würde, denn jetzt in einer halben Stunde hatte ich oben mit einem Freund, einem Ruinenforscher, abgemacht. Und so fand ich mich drei Stunden später – es ging schon gegen Abend - in einer heimeligen Bauernstube ein. Die Alte mit den behenden Augen sass nun  mit mir zu Tische und wusste aus alten Zeiten gar Sonderliches und Interessantes von der Burg, vom Berg, ja von der ganzen  Gegend  zu berichten, und so auch die Mär von der schönen Küngold.  *** "Küngold war eine anmutige, zierliche aber auch eigensinnige  Jungfrau aus einer Adelsfamilie im Burgund. Sie liebte das Leben, das Lachen, den Tanz. Doch dann wurde sie mit dem rauherzigen Twingherrn von der Wartburg ob Olten, den man nur den "Ifenthaler" nannte, verheiratet. Der aber liebte mehr das rohe Kriegshandwerk, Abenteuer und Zechgelage mit seinen Kumpanen und war mehr abwesend denn zu Hause. Einst folgte er wieder dem Beistandsruf des Gra-fen zu einem Feldzuge gegen Unbotmässige im Norden, wo viel Sold und Raubgut winkten. Derweil langweilte sich Küngold unsäglich auf der einsamen Burg. Sie sann nach Abwechslung. Der misstrauische Ehemann jedoch hatte ihr drei Bewacher zur Seite befohlen, die niemals von ihr weichen durften, so auch auf ihren Ausritten nicht, bei denen sie das Städtchen Zofingen bevorzugte. Dort war sie auf dem Markte gern gesehen, denn sie bezahlte gut und mit den begehrten Zofinger Pfennigen. Heute kaufte Küngold feinen venezianischen Stoff für ein neues grünblaues Reitkleid und wurde dabei vom Sohne eines reichen Stoffhändlers bedient, dem Laurents vom Sisgau, der an der jungen Edelfrau sogleich grossen Gefallen fand. Doch auch Küngold’s Herz entbrannte  in Zunei-gung und Begierde. Bald schon ritt sie erneut gegen Zofingen, diesmal um den Stoff für ein goldgelbes Abendkleid zu erstehen, und beim dritten Male liess sie sich vom schönen Kaufmannssohn gar ein Mieder in zartem Rosarot anpassen. Als unter zwei Händlern ein handfester Zoff wegen eines falschen Zollmasses ausbrach und man nach dem Marktrichter rief, steckte Küngold dem Kaufmannssohn geschwind ein Briefchen zu, was allerdings einem der Bewacher trotz des allgemeinen Tumultes  nicht  entgangen war. In dem Briefe forderte sie Laurents zu einem heimlichen Treffen in Kunolfingen auf, einem kleinen Dörfchen vor den Toren Zofingens. Stadtauswärts reitend blickte sie zurück und nahm klopfenden Herzens das Nicken des ihr nachblickenden Geliebten wahr. Der Looweiher liegt am Waldrand und an jenem Wege, den Küngold jeweils bei ihrem Ausritt nach Zofingen bevorzugte. Es ging die Sage, zur dämmernden oder nächtlichen Stunde habe man dort schon mehr als einmal einen Reigen tanzender Mädchen in langen bunten Gewändern beobachten können. Als Küngold auf dem Rückweg mit ihren drei Bewachern an eben diesem Weiher vorbeiritt, flüsterte ihr eine Loo-Elfe zu: "Wir sind neun, mit dir sind’s zehn"   Erstaunt sah sich Küngold nach der Elfe um, die sich in schneller Folge von grünblau über goldgelb zu rosarot und dann in schwachen Dunst verwandelte, um darauf ganz zu verschwinden. Doch ihre Worte  begriff sie nicht, und die drei Begleiter hatten vom Ganzen nichts bemerkt. Als Küngold nach Einbruch der Nacht aus der Burg abschleichen wollte, erwarteten sie vor den Toren schon die drei misstrauisch gewordenen Begleiter: "Wir sind deine Bewacher, wie der Herr uns befohlen. Du wirst und niemals los." Küngold wollte schon verzweifeln, denn bald würde ihr geliebter Laurents vergebens unter der grossen Linde am Reckolderhubel zu Kunolfingen auf sie warten. Doch da fielen ihr die sonderbaren Worte der Elfe ein - und die kluge Frau begriff. In Begleitung ihrer Bewacher ritt sie mutig und erhobenen Hauptes den steilen Bergpfad hinunter. Am Looweiher bot sich den Vieren ein gar wunderbares Schauspiel. Um das Wasser tanzten im Mondlicht neun anmutige elfenhafte Jungfrauen, jede von Kopf bis Fuss nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, jeder Schleier in einer anderen Farbe und so, dass die  zarten weiblichen Formen durchschimmerten ohne dass die Gesichter zu erkennen waren. Die drei Männer waren vom Anblick der anmutig tanzenden Elfen gebannt und starr. Dies machte sich Küngold zu eigen, um hinter einem Busch ihre Kleider abzustreifen, den bereitliegenden Schleier überzuwerfen und sich so als zehnte Tänzerin in den bunten Reigen einzugliedern, ohne dass die betörten Männer diesen Vorgang bemerkten. Da plötzlich erwachten sie aus ihrer Starre und erinnerten sie sich ihrer Pflicht. Doch Küngold, die unerkannt mittanzte, blieb wie vom Erdboden verschluckt. Die Bewacher suchten sie überall und entfernten sich dabei immer mehr vom Looweiher. Küngold schlüpfte wieder in  ihre Kleider und ritt leise von dannen, hinunter zu ihrem Laurents.    Die verliebte Küngold aber wollte schon anderntags zu später Abendstund wieder einen Ausritt nach Zofingen machen. Die Bewacher fürchteten den Zorn des Burgherrn, genannt der Ifenthaler, sollten sie sich von dieser Frau wieder an der Nase herum führen und sie zu ihrem Geliebten entwischen lassen. Um im Anblick der Elfen nicht wieder zu erstarren, träufelten sie sich den Saft der Tollkirsche in die Augen, sodass sie eine Weile nur noch verschwommen sehen konnten und – deshalb - nicht mehr erstar-ren würden. Dafür spitzten sie umso mehr die Ohren und hörten tatsächlich, wie Küngold auf ihrem Schimmel sachte wegritt. Sie folgten ihr in ausreichendem Abstand und sahen, jetzt wieder klaren Blickes, wie  sich Küngold unter der Linde am Reckolderhubel mit dem schönen Sohne des Kaufmannes traf. Die drei Männer überfielen Laurents und schleppten ihn fort in Richtung der Wartburg. Ihr Weg führte wieder am Looweiher vorbei. Diesmal hatten die Elfen jedoch auch ihre Schleier abgelegt und tanzten ganz nacked im Mondeslicht. Von neuem blieben die drei Männer wie gebannt stehen und vergassen alles um sich, auch ihren Gefangenen. Diesen Augenblick nutzte Küngold, um Laurents die Fesseln zu lösen und ihm so zur Flucht zu verhelfen. Der Ifenthaler kehrte zwei Monate später aus den fremden Kriegs-diensten auf seine Twingburg zurück und erkannte eines Tages, dass Küngold schwangeren Zustandes war, dessen Ursache in die Zeit fallen musste, als er mit seinen Haudegen gerade Bauerndörfer jenseits des Hauensteins  plünderte. Er stellte die drei Bewa-cher zur Rede, die ihm nun alles beichteten. Da erkannte der Twingherr, dass ihm Hörner gesetzt wurden, und er suchte wütend nach seiner Frau. Diese aber entwischte ihm auf ihrem Schimmel, um sich am Looweiher im Reigen der Elfen zu verstecken. Der Ifenthaler bemerkte ihren Fortgang und jagte ihr mit seinen Männern nach. Am Looweiher fand er den angebundenen Schimmel und sah auch den Tanz der Elfen, von dem ihm die Bewacher berichtet hatten. Er umstellte sofort den Teich mit seinen Mannen und fragte eine Elfe nach der andern: "Bist Küngold du?"  Doch alle zehn antworteten ihm jedes Mal im Chor: "Ich bins, nur zu!" Nun entbrannte der ungestüme Ritter wieder in Wut und befahl seinen Mannen, sich mit ihren Schwertern auf die Elfen zu stürzen.   ◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊◊   Da fuhr vom Engelberg her donnernd ein leuchtender Wagen her-an, durchbrach den Belagerungsring, lud alle Elfen und auch Kün-gold auf die Wagenbrücke und jagte mit ihnen südwärts, verfolgt vom Reitertross. Im Dörfchen Kunolfingen verschwand der Wagen plötzlich in einem regenbogenfarbenen Nebelschleier. Der Ifen-thaler und seine Waffenknechte aber stiessen stattdessen  auf eine gehörig bewaffnete Streitschar der Zofinger, an deren Spitze Laurents, der Kaufmannssohn ritt. Ein seltsamer stattlicher Jägersmann mit  stechenden Adleraugen hatte ihm rechtzeitig, als er sich gerade anschickte seine Pferde von der Weide ausserhalb der Stadtmauern zu holen, die Botschaft von Küngolds Not über-bracht. "Ich will nur mein ungetreues Weib", begehrte der Ifen-thaler im Anblick der bewaffneten Zofinger unwirsch auf. "Dann sucht sie!" rief ihm Laurents zu,  "Es bleibt Euch bis zum Sonnen-untergang Zeit".  Bis die Nacht hereinbrach suchten die Gehilfen des Twingherrn das ganze Dorf Haus für Haus nach Küngold ab. Doch sie blieb verschwunden. Man sagt, der Führer des leuchtenden Wagens und der Warner des Kaufmannssohnes seien beide Male der sagenumwobene Dürst gewesen, der Freund und Beschützer der Looweiher-Elfen. Die Elfen jedoch tanzten nie mehr am Looweiher. Es gibt Leute, die wollen gesehen haben, wie die Jungfrauen ab selbiger Zeit jenseits der Wartburg und des Säli um den Katzenweiher im Säliloch tanzten. Andere wiederum wollen in Zofingen von burgundischen Weinhändlern gehört haben, in den Weinbergen der Cote d’Or tanzten seit einigen Monden an warmen Sommerabenden buntfarbene Elfen, die dort vorher noch nie gesehen wurden." Die alte Frau mit den behenden Augen bot mir ein weiteres Stück ihrer etwas übersüssten Rüeblitorte an, doch ich winkte dankend ab. "Der Dürst, oder der Türst, wie er im Luzernerbiet genannt wird, geisterte also auch in hiesigen Landen?" "Ja, aber noch mehr im solothurnischen Gäu und Thal.  Aber nun zurück zur Küngold:" "Man sagte auch, das Paar habe unbeschadet das Burgund er-reicht, wo Laurents und Küngold in einem Weingut glücklich weiterlebten und neun Kinder hatten. Jedes der neun Tauffeste wurde von immer mehr Schaulustigen besucht. Es hatte sich nämlich herumgesprochen, dass bei jedem dieser Feste mit Einbruch der Nacht neun Elfen in wunderschönen farbigen Gewändern im Hofe vor dem Festsaale tanzten, gar anmutig und lieblich und von zarten Flötentönen begleitet. Laurents aber wurde im Burgund ein angesehener Weinbauer und Weinhändler, von dem die Zofinger Ratsherren noch lange ihren vorzüglichen Stadtwein bezogen.  Doch der Name der schönen Küngold fand gar Einlass in die Bücher der Amtsstuben und in die Karten der Geografen. Da nämlich damals in dem Dörfchen vor den Toren Zofingens von den Männern des Ifenthalers so oft und gar laut nach der Küngold gerufen worden war,  und da dieser Name so nah dem alten tönte, nannten Fremde wie Eigene dieses Dorf fortan Küngoldingen und verdrängten so den ursprünglichen Namen des Alamannen Chunolf." *** Küngold Der Name Küngold kommt auch in alten dokumentierten Geschichten aus Zofingen, Solothurn etc. vor. Und in einer Legende aus dem Kloster Kleinlützel verliebt sich ein junger Graf unglücklich in eine fromme Nonne namens Küngold.  Dürst oder Türst erscheint als Sagenfigur in vielen Geschichten aus verschiedenen Gegenden der Schweiz. Er stammt aus heidnischen Zeiten und führt in Stürmen und Gewittern besonders in der Vorweihnachtszeit einen wilden, heulenden und hornenden Tross von Hunden, Rössern und Gespenstern an. Elfen Sind anmutige Naturgeister in Frauengestalt, welche die Erde schon vor den Menschen bewohnten. Sie sind von grosser Weisheit und Schönheit und unsterblich, können aber auch gewaltsam ums Leben kommen. Die Elfen tanzen gerne an stillen Gewässern, auf Anhöhen und in Bäumen. Kunolfingen ist alamannischen Ursprunges und erscheint in alten Schriftstücken als Dorfname für den später gebräuchlicheren Namen Küngoldingen. Der Zofinger Pfennig war in Frühmittelalter ein weit über Zofingen hinaus verbreitetes Zahlungsmittel. Die Herren von Ifenthal waren begüterte Kleinadelige, denen unter anderem auch die Wartburg gehörte und welche sie vermutlich auch bauen liessen. Quelle: Gehört und aufgeschrieben von Sepp Arnold, Oftringen (Schweiz), Emailzusendung vom 9. März 2006 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Dr Bur mit em Fueder Garbe by (M. Sooder, Sage, Bern)

Dr Bur mit em Fueder Garbe

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Die Pest Urkunden aus den Pestzeiten fehlen bei uns vollständig. An andern Orten mögen Chorgerichtsmanuale und Sterberödel noch Eintragungen enthalten, die das Bild über die Seuchenzüge vervollständigen helfen. In den Städten dagegen liegen in den Archiven Aufzeichnungen von Zeitgenossen. Die Stadt Bern wurde von elf Pestseuchen heimgesucht; das Jahr 1670 bildet den Abschluss von 1349 hinweg; der letzte Seuchenzug verschonte den heutigen Oberaargau vollständig. Die Sage weiss von der Pest viel zu erzählen; ihr mattes Dämmerlicht zündet in die Vergangenheit hinein und beleuchtet geheimnisvoll die Dinge längst entschwundener Zeiten. Die Erinnerung an die Tage grosser Trübsal blieb lebendig bis in die heutigen Tage hinein. Schnell kam der schwarze Tod heran; der grosse Sterbet erfüllte die Menschen mit Angst und Schrecken. Unheimlich mähte der Tod die Schwaden; es war die grosse Schwinde. Kein Eindruck war gewaltiger als ihr Auftreten. In diesen Tagen der Angst und des unsäglichen Jammers ging auch das Denken der Menschen ungewöhnliche Wege und lenkte in alte Bahnen ein: Das ist keine gewöhnliche Krankheit; finstere Mächte, böse Dämonen, vernichten die Menschheit. Viele beugten sich und nahmen die fürchterliche Krankheit hin als gerechte Strafe für begangene Sünden. Dr Bur mit em Fueder Garbe Vorem grosse Stärbet isch dert, wo jetze dr Huttelwald isch, e grosse Chorrnacher gsi. E Bur het sälb Chehr mit zweune Stiere Garbe ihegfüehrt; aber z mltts uf em Acher isch er umgheit u dr Bur u d’Stiere, dr Wagen u d’Garbe si do verfulet. Wo sie ’s Strössli hei gmacht, het me teuf im Bode no Ofeplatte gfunge. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Drei Stumpebäse by (M. Sooder, Sage, Bern)

Drei Stumpebäse

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Drei Stumpebäse Öppe vor drüne Johre isch es so nass gsi; d’Sach het nid vürersch welle un isch ehnder hingertsi zrugg. Du hei sie im Nochberhus gmeint, d'Bohnere sig verhäxet. Dr Res isch i Chalberbach zum Dokter, u dä het ne dr Rot gä, sie sölle i dreine Egge vo dr Bohnere e Stumpebäse ufstelle. Sie hei’s eso gmacht. Aber richtig, gnützt het es nüt; äs isch eifach z’nass gsi; anger Lüt hei’s prezis glich gha, emel mir au. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Ein grosser schwarzer Mann by (Josef Müller, Sage, Uri)

Ein grosser schwarzer Mann

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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ohne Kopf begegnete meiner Tante, die gegen 80 Jahre alt geworden ist, als sie einmal vom grossen Lusser'schen Haus oben im Dorf durch das Weglein gegen das Höfli ging. Dann marschierte er dreimal um einen nahen Baum herum und verschwand plötzlich. – Das hat sie oft als eine sichere Wahrheit erzählt. Fr. Schieli-Mattli, 38 J. alt, Altdorf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Einä-n-ohni Chopf by (Josef Müller, Sage, Uri)

Einä-n-ohni Chopf

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Jää, dass de das grad alles nytt syg, gläube-n-i de doch äu nitt. Miër hed ämal einisch ä Gurtnäller eppis v'rzellt, das isch de sicher eppis ibernatyrlis gsy. Der het v'rzellt, är und nu ä Büeb syged einisch bi dä Geissä gsy. Und d'rnah häiget sy uf einisch in-n-ärä Stüdäpesch-ä-n-innä-n-eppis gmerkt. Das häig eisstig äso gweiggelet und ghürelet. Und sy häiget Stei uffgläsä-n- und häiget afah Stei uff's riährä. Und äs cheem uss der Peschä-n-üsä-n- und gäg sy, und sy häiget eisster mit Steinä gäg'm pänglet, was sy nur häiget meegä. Jä, wennd das ä natyrlächä Mänsch gsy wär, hed-er gsäit, der hättet sy zächä mal erriährt. Ändlächä sägi doch einä, das gfalli ihm nitt, und da syget sy d'rvogluffä. Am Abed häiget beed gschwullä Grindä gha und häiget i ds Bett miëssä. Bis a Tod züechä häig se's 'tribä! bim Haar hätt-se's 'putzt! »Jä, und wië het de der üssgseh, wo da uss der Peschä-n-üsä chu isch?« Da hed er neiwä nitt vill chennä sägä, weder ämal ä kei Chopf häig-er gha, und halbä syg-er wyssä gsy und halbä schwarzä. Speeter heiget se's düe einisch am Pfahr gsäit uder ammänä Kapizyner, baschtä-n-ämal am-mänä Geischlächä, und der häig gsäit, das syg ä-n-armi Seel gsy. Diä hättet sy nur sellä-n-i dä dry heechschtä Nämä-n-aredä, de hättet-si-si chennä-n-erleesä. Äs häig-ärä ganz wenig meh gfählt. – Das het miër der N.N. v'rzellt; är het seho ä chly güetlochtig chennä lygä, weder das ha-n'em doch miässä gläubä. Fr. Zurfluh-Jauch, 49 J. alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


En arige Has by (M. Sooder, Sage, Bern)

En arige Has

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En arige Has Dert, wo dr Wäg i Brüggewald ihe geiht, het e Jeger mängisch uf ene Has glusset. Dä isch gäng dèr s’ glich Wägli cho, u dr Jeger het mängisch uf ihn gha. Aber wen er gemeint het, jetz sött’s ne gä un es heig nid chönne fähle, het dr Has s’Mannli gmacht un isch dervo, gar nid öppe, wie wen er vor em Schütz e grosse Reschpäkt hätti. Bluet het dr Jeger nie gfunge; aber em Treib het er chönne nogoh bis zumene alte Hüsli; do het er’s allimol verlore. Verdrüssig het er einisch emen alte Jeger vo Gumiswil dervo brichtet. Dä het nid viel druf gseit, weder er söll e chli Brot i Lauf stosse. Dr Jeger het gfolget un isch em Has go abpasse. Dä chunnt eismols derhär, macht s’Mannli, we wen er dr Jeger wett föpple u für e Nare ha; aber dä zieht ab, u dr Has isch dervo gsatzet wie no nie. Am Bode het dr Jeger dä Rung Bluet gfunge un isch dr Spur no. Do steiht bi äim alte Hüsli es Fraueli verusse. Um ei Arm het’s e bluetige Fätze vo ihrem Jaggli gliret gha. ’s Bluet isch a Bode tropfet. „Müesse de die arme Tierli emel alli töt si?“ het es grauet. „Das cha me mache, wie me will. Emel ’s nöchscht Mol chönnt’s de äim Has meh weder ume es vorders Bei breiche; es chönnt ne de grad rächt gä“, seit dr Jeger druf. Sider sig e ke Has meh dür äis Wägli i Brüggewald ihe. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Erdmännchen bei Gippingen by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Erdmännchen bei Gippingen

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Auf der linken Seite des Zusammenflusses von Aare und Rhein liegt da, wo das Reuenthal und das Fullerfeld zusammenstossen, ein geringer Berg, in welchen drei Höhlen hinein führen. Der ganzen Umgegend ist es bekannt, dass hier vor Zeiten drei Fuss hohe Männchen gewohnt haben. Damals aber waren diese Höhlen Säle voll Pracht; goldene Leuchter standen darinnen, auf deren jedem den ganzen Tag acht Kerzen auf einmal brannten; die Wände waren von Glas und warfen den Glanz der Lichter zurück. Aber trotz dieser Herrlichkeit musste jedes der Männchen der Reihe nach die untergeordnetsten Hausarbeiten verrichten: auskehren, backen, die Leuchter abstauben, ja in der Aerntezeit sogar die Aehren auf dem Felde vom Halme raufen und drinnen in der Höhle mühsam mit Steinen ausklopfen und auskörnen. Ganz besonders berühmt waren ihre Wähen, wohlschmeckende Kuchen von dem allerdünnsten Teig. So oft ein Bauer sein Land umpflügte, dem sie vorher in seine reifen Aehren gegangen waren, kamen sie zu ihm auf den Acker und legten ihm dankbarlich ein solches feines Kuchenbackwerk auf das Höchli des Pfluges hin. Das gefiel dann dem Pflüger gar wohl und er liess sich's schmecken ohne alle Nebengedanken. Sogar Most sollen sie dazu gegeben haben und zwar aus einer Kelter, die auf der Ostseite jener Höhe mitten in einem Weinberge gelegen war. Ein Mann aus Gippingen war's, der bei diesen Männlein lange Zeit gelebt hat. Er hatte zufällig ihre Höhle aufgefunden und auch jenes eiserne Gitter, mit welchem sie von innen verschlossen war, öffnen können. Als er in die Kristallgänge kam, hatten die Männchen gar grosse Freude über sein Erscheinen, denn sie führten eben Krieg mit einer fremden Völkerschaft, und der Gippinger musste ihnen dabei helfen. Er gewann ihnen den Krieg und ward ihnen lieb und werth. Zuletzt erinnerten sie ihn, dass er nun auch wieder hinauf auf die Welt gehen müsse, nahmen Abschied von ihm und gaben ihm einen Wagen voll Gold mit. Als der Gippinger damit in sein Dorf heimkam, waren die Seinigen längst gestorben und von seinen Nachbarn erkannte ihn keiner mehr. Er selbst war so alt, als ob er viele hundert Jahre im Berg gewesen wäre. Da fühlte er, dass es auch mit ihm zu Ende sei, und weil ihm Niemand mehr angehörte, vermachte er all sein Gold der Kirche. Einmal um die Aerntezeit kam ein Bauer heraus ins Feld, der es nicht erwarten konnte, dass sein Korn endlich zum Schneiden reif werde. Gerade befand sich ein Erdmännchen in seinem Acker. Es hatte ihm gewiss noch keinen Halm umgetreten; aber da es seinen neidigen Blick bemerkte, erschrak es und wollte entfliehen. Gleich erwischte er es beim rothen Röcklein, gab ihm ein paar Streiche, schimpfte es recht grob und wüst herunter und liess es endlich laufen. Seitdem weiss kein Mensch, ob sie ausgewandert, oder alle in ihrer Höhle gestorben sind; doch meinen alte Leute, sie seien noch zusammen am Fullerfelde in einem heimlichen Stübchen und schaffen aus einer Bergschlucht Kohlen für die dortigen Bewohner heraus. Auch beim Frickthaler Dorfe Oeschgen haben sie in dem grossen Graben gewohnt, der Lenzensteig heisst, und den Bauern Kuchen aufs Feld gebracht, die so schwarz bestreut waren, daß man meinte, sie hätten ihr Backwerk mit schwarzen Waldameisen verzuckert. Am liebsten hörten sie's, wenn man versprach, ihnen dagegen etwas aus der Bauernwirtschaft mitbringen zu wollen. Ihre Tracht an Rock und Hut war schwarz. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 280 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Fuchs, Nachtkappe, Göller by (Josef Müller, Sage, Uri)

Fuchs, Nachtkappe, Göller

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. Auf dem Sagenplatz am Etzlibach lauerten zwei Buben ab der Herrenlymi den Füchsen. Endlich näherte sich ein solcher der Beize, und die Buben schossen und trafen. Es gab einen kolossalen Rauch. Wie sie das Tier holen wollten, fanden sie an der Stelle, wo es gestanden, nichts als eine Nachtkappe! (19. Jahrhundert). Jos. Maria Zberg, Silenen, 75 J. alt 2. Es geschah in den Fritterbergen im Schächental, dass zwei Jäger auf Füchse lauerten. Bald kam einer, und ein Jäger schoss, der Fuchs aber rollte den Bergabhang hinunter. Als ihn der Schütze holen wollte, erwischte er nichts anderes als ein rotes Göller. Kath. Wälti-Gisler, von Unterschächen Die Mutter ergänzt: »Die zwei Jäger nahmen den Fuchs heim und liessen ihn in der Küche liegen, in der Absicht, ihn am folgenden Morgen auszuweiden. Fanden nur mehr ein rotes Göller. Das war amm-änä z'altä Mittwuchä.« Fr. Gisler-Arnold, von Unterschächen, 70 J. alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Göscheneralp by (Josef Müller, Sage, Uri)

Göscheneralp

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Vor alten Zeiten gehörte auch Göscheneralp zur Pfarrei Silenen. Wenn sie eine Leiche nach der Pfarrkirche zur Beerdigung trugen, gingen sie mit ihr am ersten Tag bis nach Wyler in Gurtnellen, stellten sie dort über Nacht in die St. Anna Kapelle und brachen am nächsten Morgen in der Frühe mit ihr wieder auf, um etwa nach zwei Stunden in Silenen anzulangen. Josef Walker, Gurtnellen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Hexenwerk beim Ankensieden by (Josef Müller, Sage, Uri)

Hexenwerk beim Ankensieden

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Zu Häggrigen war die Mutter damit beschäftigt, ein Chessi voll Anken einzusieden. Schon begann er zu zerfliessen, als ein fremdes, altes Müetterli mit aufgelösten, über den Kopf herabhangenden Haaren in die Küche kam und etwas Anken bettelte. »Hesch de-n-äs Gschirrli?« fragte die Mutter, was die Fremde verneinte. »Sä cha d'r ich kei Ankä gä,« hiess es jetzt, »miär hennt zwenig Gschirr.« Da stellte sich die Unbekannte ein wenig auf die Seite und verliess nach einiger Zeit das Haus durch die Hintertüre. Jetzt fing es an, im Anken – nicht etwa im Feuer! – zu chlepfen, zu braschlen, zu krachen und zu pfeifen auf eine übernatürliche Art und Weise. Der Anken hob sich plötzlich im Chessi, ging über und tat furchtbar, selbst dann noch, als das Feuer schon abgestellt war. Die Mutter schüttete davon in eine Mutte; er siedete und wallte immer noch im Ohessi und in der Mutte. Erst, als sie Gesegnetes hineintat, hörte der Spuk auf. Mehr als 20 Pfund Anken gingen dasselbe Mal verloren. Nachher vernahm man, es sei eine alte Hexe gewesen. Der Landjäger packte sie. (19. Jahrh.) Frau Baumann-Dubacher, 85 J. alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Im Kreise laufen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Im Kreise laufen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Gedeon zu Färnigen im Meiental, der es liebt, mit einem Gläschen Schnaps den Rachen zu putzen, war eines Abends vom Dörfli her auf dem Heimweg begriffen. Bei dem grossen Stein in der Feldmatt zu Aderbogen, den sparsame Leute mit einem Kartoffelgärtchen bepflanzt haben, setzte er sich, um ein wenig zu ruhen. Nicht als ob er etwa schon weit gewandert wäre, o nein, höchstens eine Viertelstunde, aber er hatte eine schwere Kiste zu tragen und zudem noch einen Laib Brot und eine Flasche Bundesfusel. Nach einer Weile erhob er sich und marschierte weiter, marschierte die ganze Nacht hindurch, und als es am Morgen zu beten läutete, stand er immer noch neben dem Stein. Er war die ganze Zeit um den Felsblock herumgetrabt. Jetzt lenkte er doch seine Schritte Färnigen zu, aber die Schnapsflasche, die musste er zurücklassen, sonst wäre er nicht vom Fleck gekommen; das Brot hingegen konnte er mitnehmen. Ferdinand Dubacher Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


In das Tal Josaphat zitiert by (Josef Müller, Sage, Uri)

In das Tal Josaphat zitiert

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a. Man hatte soeben Einen gehängt, als sich drei Burschen in einem dem Galgen nicht fernen Wirtshause niederliessen und anfingen zu zechen und mit Karten zu spielen. Bald betrat ein vierter den Raum; sie kannten ihn gut, und einer von ihnen hielt ihm sein Glas entgegen und forderte ihn auf, Bescheid zu tun. »Gesundheit,« rief dieser, indem er das dargebotene Glas ergriff und hob: »Der Schelm am Galgen lebe hoch!« Dann setzte er sich und leistete den drei Ersten Gesellschaft. Es mochten einige Minuten seitdem verflossen sein, als ein Fünfter zur Türe hereintrat, auf den Burschen, der das Lebehoch ausgebracht, losschritt und mit unheimlichem Ernste zu ihm sprach: »Heute in drei Tagen wirst du dich im Tal Josaphat einfinden und Rechenschaft ablegen, ob ich ein Schelm bin oder nicht.« Kaum gesagt, verschwand er wieder zur Türe hinaus. Während der Zitierte daheim über das Gehörte nachdachte, wurde er von einer tötlichen Angst ergriffen. Ruhelos wanderte er im Zimmer auf und ab, lief endlich zum Pfarrer und bat ihn um Rat und Hilfe. »Mein Lieber,« sagte dieser, nachdem er sich die Geschichte hatte erzählen lassen, »mein Lieber, da ist nicht gut raten und helfen. Gehe ins Kapuzinerkloster, dort lebt ein heiligmässiger Pater, der vielleicht helfen kann.« Ohne zu säumen, eilte der Arme zum Kloster und fragte an der Pforte nach dem frömmsten Pater. »Es sind zwei heiligmässige Patres da,« wurde ihm erklärt, »ein jüngerer und ein alter.« Den alten wünsche er, war sein rascher Entscheid, und er wurde zu ihm geführt. »Ich kann dir nicht raten,« sagte dieser, nachdem er alles gehört, »gehe zum jüngern, der ist über mir.« Aber auch der jüngere, eine bleiche, abgemagerte Gestalt mit mildem Blick, schüttelte den Kopf und meinte: »Ich kann dir nicht helfen. Suche die Jesuiten auf; vielleicht kann dir einer helfen, sie sind weise und in aller Gottesgelehrtheit gut unterrichtet. Kann dir keiner helfen, so musst du in Gottes Namen erscheinen im Tal Josaphat. Aber das sage ich dir, hast du Unrecht, so bist du für immer und ewig verloren.« Die Angst lässt ihm keine Ruhe, er wandert in die Hauptstadt zu den Jesuiten und klagt dem Obersten des Klosters seine Not. Der weist ihn zu dem gelehrtesten und frömmsten Pater des Hauses. Aber auch dieser wiegt ernst und überlegend sein Haupt, und erst nach langem Nachdenken erklärt er: »Der Fall ist äusserst schwierig. Ich selber bin ausserstande, dir zu helfen. Aber sage mir: »Hast du auch Patenkinder?« »Ja, etwa zwanzig,« sagt der Arme. »Ist vielleicht eines von ihnen gleich nach der Taufe gestorben, bevor es eine irdische Nahrung erhalten?« »Ja, eines meiner Patenkinder ist wirklich sogleich nach der Taufe gestorben, und ich glaube, es hatte noch keine irdische Kost genossen.« »So gehe jetzt sogleich an sein Grab und bete da, und auch ich will beten. Das Kind wird dir erscheinen und, wenn du es bittest, vielleicht statt deiner ins Tal Josaphat gehen. Aber harre aus, es wird gewiss kommen.« Erleichtert und Hoffnung schöpfend, hastete der Bursche zum Grabe seines Göttikindes, kniete nieder und betete mit aller Inbrunst seines gepressten Herzens. Am dritten Tage erschien das Kind und fragte den Götti freundlich lächelnd, was ihm fehle, und versprach, für ihn ins Tal Josaphat zu gehen, denn er schilderte seine Not gar lebendig und bat so eindringlich. Das Kindlein hiess ihn am Grabe auf seine Rückkehr warten und verschwand, und der Bursche setzte sein Gebet fort. Aber Stunde um Stunde verstrich, und das Kind kehrte noch nicht zurück. Fast gab der Betende die Hoffnung auf. Endlich erschien es, aber nicht mehr mit freundlichem Lächeln. Drohend erhob es sein Fingerchen und sagte: »Getti, Getti! das mal und niä meh! wiä ha-n-ich fir ych miässä kämpfä-n- und stryttä da änä. Hätt ich nur das chlynst wältlich Chestli gnossä g'ha, sä wäret miär beedi, ich und iähr, ewig verlorä g'sy«. Sprach's und verschwand. Alte Leute behaupten, jene Kinder, die sogleich nach der Taufe sterben, ohne das Geringste, ohne auch nur die kleinste irdische Nahrung von dieser Welt gekostet zu haben, seien die schönsten Engel und hätten die grösste Freude im Himmel. Ja, es gab Mütter und gibt vielleicht noch solche, die extra aus diesem Glauben die neugeborenen Kinder 24 Stunden ohne jegliche Nahrung liessen. Frau Arnold-Gisler, Bürglen; Frau Baumann-Dubacher; Frau Regli-Baumann b) Lange schon hatten sie miteinander gestritten und »gerechtet«, die zwei hartköpfigen Bauern, der Prosper Bär von Schattdorf und der Kempf von Attinghausen, und sich nicht einigen können. »Im Tal Josaphat machen wir's miteinander aus,« war ihr letztes Wort. Eines Tages, da der eine der beiden feindlichen Bauern auf dem Felde arbeitete, fingen die Totenglocken der Pfarrkirche ihr dumpfes Lied zu singen an. »Wer ist wohl in die Ewigkeit hinüber?« fragte auch er und vernahm, dass es sein Widersacher gewesen. »Jetzt wirds bald an dich kommen,« sagte er zu sich selber, ging zu einem Pater Kapuziner und beriet sich mit diesem. »Habt ihr auch ein Patenkind?« – »Ja«, antwortete der geängstigte Bauer, »aber es ist als unschuldiges Kind gestorben«. »Gut«, sagt jetzt der Mönch, »so wollen wir das Patenkind in das Tal Josaphat schicken; ihr aber geht heim und macht euch für alle Fälle zum Sterben bereit!« In der folgenden Nacht erschien das Kind seinem Paten, erhob drohend das Fingerchen gegen ihn und sprach in vorwurfsvollem Tone: »Getti, Getti, machet-mer das nimmä, ich ha gnüeg miässä fir ych kämpfä-n- und stryttä im Tal Josaphat!« Dem Bauer selbst blieb für diesmal der gefürchtete Gang ins Tal Josaphat erspart. Fr. Gamma-Gamma Das Patenkind war sofort nach der Taufe gestorben, ohne vorher irgend welche Nahrung erhalten zu haben. Es sagte: »Getti, Getti! Iähr hättet-m'r glyh ä schlächti Helsätä g'gä. Weni äs einzigs wältlichs Chestli gnossä g'ha hätt, sä hätti's miässä midem verspilä.« David Imhof u.a. c) Die Sage wird der Hauptsache nach auch in Ursern erzählt. Das Kind sagte: »Getti, Getti! einisch fir dich g'strittä, das zweit mal nimmä! Ich hätt's bald miässä verspilä. Bald wäri mit diär verlyrsg'gangä.« Jene Kinder, die nach der Taufe sterben, ohne irgend eine irdische Nahrung, »äs wältlichs Chestli«, genossen zu haben, nennt man Wesperli oder Wesperchind, »das sind die schönsten Engelein«. Der obgenannte Volksglaube reicht also wohl in die Zeit zurück, da man den nüchternen Kindern nach der hl. Taufe auch die hl. Kommunion erteilte; daher die Betonung des weltlichen Köstleins im Gegensatz zur geistlichen Nahrung der hl. Kommunion. Die Ursner Einleitung zur Sage wurde mir so erzählt: Äs sygä zwee Pürä gsy, diä sygä-n-eißtig hindäränand gsy und heigä nie vonänand meegä. Und de heiget's mitänand g'richtet und g'rächtet, bis ändlächä-n-einä der ander i ds Tall Josaphat g'ladä heig. M.A. Schmid, 75 J. alt d) Totäschidälä sind Totäschidälä, damit z'gspassä-n-uder z'spettlä, das gidä nitt. Als Einer einen Friedhof beging, rollte ihm beständig ein Totenschädel um die Füsse; unwillig gab er ihm einen wuchtigen Fusstritt. Jetzt fing der Schädel an zu reden: »In drei Tagen musst du ins Tal Josaphat!« Könnt euch denken, dass es dem Mann angst wurde. In seiner Bedrängnis nahm er Zuflucht zu einem Kapuziner, und dieser fragte ihn, ob er nicht ein Patenkind habe. »Wohl, aber es ist in der Unschuld gestorben,« erklärt jener und wischt den Angstschweiss von der Stirne. »So gehet jetzt,« belehrt ihn der Pater, »an sein Grab und betet da drei Tage und drei Nächte. Vielleicht wird dann das Patenkind für euch in das Tal Josaphat gehen.« Gerne gehorchte der Mann. Am dritten Tag erschien ihm das Kind, sagte aber in einem gar ernsten Tone: »Getti, Getti! einisch und darnah nimmä!« Und war verschwunden. Für diesmal entging der Frechling dem Tode. Zäzilia Gisler-Walker u.a. e) In einem andern Falle zog es, als es in Schattdorf anfing zu läuten, dem Überlebenden den Tschoopen über dem Kopf zusammen, es wurde ihm unwohl, und er starb rasch. f) Noch in den neunziger Jahren des letztverflossenen Jahrhunderts luden zwei Männer von Altdorf, von denen der eine dem andern den Hauszins in lauter Zweirappenstücken ausbezahlt hatte, einander in das Tal Josaphat. Zufällig starben bald nachher beide innerhalb acht Tagen eines plötzlichen Todes. g) In Meien war es Brauch, einander in das Tal Josaphat zu zitieren. Einer, der auch einmal einen andern dahin eingeladen, starb bald, und als man bei seiner Leiche betete, war auch der Eingeladene dabei. Da klopfte es an der Türe. Er dachte sofort, das gelte ihm, ging hinaus und kam schneekreideweiss zurück. Bald hernach starb er. Fr. Furger-Mattli Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


In der Kornmatte by (Josef Müller, Sage, Uri)

In der Kornmatte

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einem hochgelegenen Berggut zu Bürglen, sei das schönste Korn gewachsen, und im Myhlegg, ebenfalls einer hochgelegenen Bergwiese, habe eine Mühle gestanden, deren Standort noch erkennbar sei. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


In Klaryden by (Josef Müller, Sage, Uri)

In Klaryden

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Ein Ratsherr begleitete einen Kapuziner, der in Erstfeld die Ehrenpredigt gehalten, nach Altdorf. Als sie auf dem Schächengrund anlangten, sahen sie ein Wybervölchli, das ihnen in aller Eile entgegen kam. Kaum erblickt, stand es schon vor ihnen. Der Pater merkte wohl, dass das kein gewöhnliches Weibsbild sei, und stellte es. Auf seine Anfrage gestand dasselbe, es komme aus dem Elsass und müsse »i Klarydä«, um dort Hitze und Kälte zu erfahren, denn diese, zwei Stücke habe es in seinem Leben nie leiden wollen. Meine Erzählerin, von Riemenstalden, Kanton Schwyz, gebürtig, hat die Geschichte von einem in Riemenstalden angesessenen Erstfelder gehört und fügt bei: »Ysiri Müetter het mängisch zu ys Chindä gseit: du channsch den äu i Klarydä ga Hitz und Chelti durämachä.« Frau Planzer-Gisler, Sisikon Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Jäggeli im Ofenloch by (Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

Jäggeli im Ofenloch

Source: (Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

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In mancher Bauernstube steht heute noch der alte Sandsteinofen aus Urgrossvaters Zeit. Noch immer spendet er Wärme und Wohlbehagen und ist zur Winterszeit der Mittelpunkt des häuslichen Lebens. Generationen haben ihre Spuren an ihm hinterlassen. Hundert und hundert Geschichten sind schon auf ihm erzählt worden. Unter diesen findet sich eine, in welcher der Ofen selber mitspielt. Hört sie: Der Schuhmacher Jäggeli hätte eigentlich in Helfdergott daheim sein sollen, denn er besass nichts als ein überschuldetes Hüttlein und darinnen eine Stube voll Kinder. Obwohl er sein Handwerk gut verstand und fast Tag und Nacht arbeitete, konnte er den Rank doch nicht finden, um sich aus der Misere heraus zu winden. Das Einkommen reichte kaum hin, um die Familie zu ernähren. Die Schulden aber wuchsen von Jahr zu Jahr und drohten zuletzt, den armen Mann aus dem Hause zu drücken. Jetzt suchte er Hilfe bei den Verwandten. Doch diese spotteten: „Von anderer Leute Leder ist gut Riemen schneiden.“ Da ging er zu den Nachbarn. Auch diese fertigten ihn bös ab: „Dir Geld leihen? 0 nein! Die Schuld könnte man an den Kamindeckel schreiben“. Um das Mass der Bedrängnis voll zu machen, rührte sich endlich noch der Lederhändler in der Stadt. Er verlangte Bezahlung der Schulden und wollte keine Waren mehr „dings“ geben. Alles schien sich gegen Jäggeli verschworen zu haben, um ihn zu ruinieren. Was sollte er jetzt tun? Er fand keinen Ausweg mehr aus seiner Not. Halb verzweifelt machte er sich eines Tages auf den Weg nach der Stadt. Er wollte den Händler noch einmal um Barmherzigkeit anflehen. Tief in Gedanken versunken wanderte er durch einen Wald. Da sprang plötzlich eine lange hagere Gestalt aus einem Gebüsch und versperrte ihm mit gespreizten Beinen den Weg. Der Fremde trug einen grasgrünen Rock, und auf dem hohen spitzen Hute wippte eine rote Hahnenfeder. Unter den buschigen Brauen glommen schwefelgelbe Augen, und am spitz vorstehenden Kinn baumelte nach Geissbockart ein langes schmales Bärtchen. Das war der leibhaftige Gottseibeiuns. Jäggeli erkannte ihn auf den ersten Blick. Mit meckernder Stimme begann der Böse zu reden: „Warum bist du so traurig? Was für ein Kummer drückt dich? Sag es mir, ich möchte dir helfen.“ Der Schuster antwortete tapfer: „Ich will nichts von dir. Ich kenne dich schon. Du bist der „Tüüner“ und willst mich verderben. Gib sogleich den Weg frei.“ Doch der Teufel liess ihn nicht gehen. Er zog ein Säcklein aus der Tasche, griff hinein, hob eine Handvoll Goldstücke heraus, schüttelte sie auf der Hand, dass sie wie Glöcklein klingelten und liess sie eins nach dem andern wieder ins Säcklein tröpfeln. Dann meinte er grinsend: „Geld fehlt dir, du guter Mann, nichts als Geld. Dieser Beutel wäre deine Rettung. Kannst ihn haben. Ich komme später gelegentlich einmal bei dir vorbei, dann musst du mir dafür eine ganz leichte Aufgabe lösen, und du bist frei. Die Sache wird dir sicher viel Spass bereiten.“ Mit diesen Worten drückte er dem Schuster das Säcklein in den Arm und verschwand. Nun stand Jäggeli mitten im Wald auf der Strasse und hielt ein schweres Pünteli Goldstücke in der Hand. Er war von dem plötzlichen Erlebnis noch ganz verwirrt. Erst schüttelte er den Kopf - dann das Säcklein - dann wieder den Kopf - und wieder das Säcklein - und wusste nicht was beginnen. Schliesslich sagte er zu sich selbe: „Das Gold lasse ich nicht auf dem Wege liegen, sonst findet es am Ende noch einer, der es nicht nötig hat, und das wäre jammerschade. Meinetwegen soll der mit dem grünen Tschopen nur kommen und mir eine Aufgabe stellen, ich werde ihm schon zu antworten wissen, denn ich habe auch ein Hämpfeli Verstand im Kopf. Drum Jakob, greif zu, handle grosszügig und mache, dass du jetzt den Rank erwischest.“ Jäggeli wanderte frisch entschlossen der Stadt zu. Bald stand er im Laden des Lederhändlers. Jetzt wollte er einmal aus dem Vollen schöpfen und alles anschaffen, was ihm bisher gefehlt hatte. Doch der Händler kam ihm zuvor und fragte, ob er Geld habe. „Das will ich meinen,“ antwortete keck der Schuster und schüttelte das Säcklein. Der Klang des Geldes wirkte ein Wunder. Das Herz des Gestrengen hinter dem Ladentisch wurde weich wie Butter und seine Stimme süss wie Honig. Untertänig notierte er, was der Käufer wünschte: aller Arten Leder, vom harten Sohlleder bis zum glümpfigsten Kalbsleder, ferner Klingen, Feilen, Ahlen, Nägel, Zwecke, Leisten. Das alles - und was er von früher noch schuldete - zahlte Jäggeli mit glänzenden Goldstücken. Der Händler war voll Neugierde und fragte: „Habt Ihr eine Erbschaft gemacht?“ - „O nein“, antwortete der Kunde, „und gestohlen hab ich auch nicht. Nehmt das Geld nur ohne Bedenken an, es stinkt nicht.“ An diesem Tage begann für Jäggeli ein neues Leben. Das hemmende Bleigewicht der ewigen Geldnot plagte ihn nicht mehr. Frohsinn herrschte jetzt im Haus. Gar oft hörte man den Meister ein heiteres Lied singen oder pfeifen und im Takt dazu das Leder klopfen. Die Freude schaffte neue Arbeitslust und brachte endlich sichtbaren Erfolg. Die Schulden konnten abgewischt werden und die Familie gelangte zu einem bescheidenen Wohlstand. Alles ging gut. Jäggeli hatte endlich den Rank erwischt. Doch halt - man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. An einem schönen Sommertage befand sich der Schuster mutterseelenallein zu Hause. Frau und Kinder waren in den Wald gegangen, um Beeren zu sammeln. Jäggeli sass am Werktisch und schnitt das Leder für ein Paar neue Schuhe. Da stand urplötzlich der Teufel vor ihm und meckerte: „Guter Freund, deine Frist ist abgelaufen. Nun musst du die Aufgabe lösen. Gelingt dir das nicht, so gehörst du mir.“ Darauf nahm Satan den Schuster am Ärmel und zog ihn hinaus in die Küche. Dort riss er das eiserne Ofenbrett heraus und meinte: „Die Sache ist ganz einfach. Du kriechst jetzt da in den Ofen hinein, und wenn du wieder herauskommen kannst, ohne dass ich es sehe, so bist du frei.“ Der Schuster wurde bleich vor Schrecken und rief: „Du verfluchter Lügner, eine leichte Aufgabe hast du mir zugesichert, und jetzt verlangst du etwas ganz Unmögliches. Nein, da mache ich nicht mit. Fahr aus dem Haus, du alter, stinkender Geissbock, sonst …“ Der Teufel liess den Erzürnten nicht weiterreden. Er packte ihn kurzerhand am Nacken und am Hosenboden, stopfte ihn wie eine Reiswelle in den Ofen, drückte das Brett zu und hielt davor Wache. Der arme Jäggeli. Da liegt er nun bäuchlings im engen finstern Ofenloch, allseits umgeben von russigen Sandsteinwänden. Wie eine Maus in der Falle kommt er sich vor. Was soll er jetzt tun? - Vorerst den Mut nicht verlieren und ruhig Blut bewahren. Dann jenes Hämpfeli Verstand hernehmen und sinnen und suchen. Vielleicht gibt es noch einen Ausweg. Vielleicht…? Der Gefangene streckte beide Hände nach vorne und tastete die Ofenwand ab. Da fanden seine Finger eine viereckige Vertiefung. Was mochte das wohl sein? Aha! Das war der „Ofenstein“. Die alten Sandsteinöfen besassen nämlich an der Vorderwand eine handgrosse viereckige Öffnung, die zum Russen diente. Dieses Loch wurde von der Stube aus mit einem genau passenden Steine verschlossen. Jäggeli schlug nun ein paarmal mit der Faust daran. Der Stein gab nach und rollte auf den Stubenboden hinaus. Licht drang durch die kleine Öffnung. Hell wurde es auf einmal im Gefängnis, hell auch im Kopfe des Gefangenen. Plötzlich sah er einen rettenden Weg. Mit lauter Stimme jauchzte er durch das Russerloch in die Stube hinein: „Juhui! Juhui! Chräbli, chom iha - i bün i der Stuba!“ Als der Teufel das hörte, sprang er mit einem Satz zur Küche hinaus, sauste wie’s Bisenwetter durch den Hausgang und stürzte mit der Türe in die Stube. - Es war niemand da. Diese wenigen Sekunden wusste Jäggeli zu benutzen. Er drückte mit den Füssen das Ofenbrett hinaus und mit zwei drei ruckartigen Bewegungen kroch er rückwärts aus dem Ofen. Von Russ und Asche besudelt stand er jetzt inmitten der Küche und rief so laut er konnte: “Juhui! Juhui! Chräbli, chom usa, - i bün i der Chuchi!” Im nächsten Augenblick stürmte der Satan in die Küche. Jäggeli ergriff die Ofengabel, stellte sich drohend vor seinen Widersacher und sprach: „Du hast mich nicht herauskommen sehen. Du hast den Handel verloren. Nun mache dich flugs aus dem Hause, oder ich steche dich an.“ Der Teufel fluchte und stampfte vor Wut. Dann verwandelte er sich in stinkenden schwarzen Rauch und entwich durch das Kamin. Er zeigte sich nie mehr. So also hatte der Schuhmacher Jäggeli den Teufel überlistet. Die Kunde davon wanderte von Mund zu Mund durchs ganze Land, und wo immer zur Winterszeit Menschen auf einem warmen Sandsteinofen traulich beisammen sassen, da erzählten sie diese Geschichte. Und wenn jemand in eine verzweifelte Lage geriet, aus der es keinen Ausweg mehr zu geben schien, dann pflegten unsere Voreltern zu sagen: „Der ist fast so schlimm dran wie Jäggeli im Ofenloch.“   Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch


Kraft des Betrufs by (Josef Müller, Sage, Uri)

Kraft des Betrufs

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1. Auf der Nidwaldner Alp Niederbawen riefen sie aus Faulheit, oder weiss Gott warum, einige Abende nacheinander nicht zu beten. Damals hatten sie noch Pferde auf der Alp. Nun hörten sie eines Abends die Pferde wie rasend herumpoltern. Der Boden zitterte förmlich unter ihren Füssen. Als die Älpler vor die Hütte hinausrannten, sahen sie, dass der ganze Trupp wie durch die Lüfte der Kulm zu sprengte. Jetzt griff der Senn zur Folla 1 und rief zu beten. Die Tiere beruhigten sich allmählich und kehrten zurück. Seitdem haben sie da oben den Betruf nie mehr unterlassen. »Das mag eppä vor 50 Jahrä g'sy sy, ich mag mi nu b'sinnä,« meint meine Erzählerin. Marie Ziegler 2. a) Noch zu Menschengedenken alpete zu Scharti und Oberberg eine Familie von Bauen. Eines Abends gingen die zwei Buben nach Bauen hinunter z'Stubeten und liessen das Vieh allein im Oberberg. Man fragte sie, wer ihnen das Vieh besorge, und lachend gaben sie zur Antwort: »E, 'Kiëh hem-mer am Santä Toni ibergä, und der Stiër cha sälber lüegä.« Als sie am Morgen auf Oberberg ankamen, konnten sie den Stier nirgends finden, während das übrige Vieh wohl behalten um die Hütte herumstand. Im Laufe des Tages fanden sie den Stier auf der andern Seite des Berges tot zu unterst im Gygenstäfeli. b) Nach anderer Darstellung schloss der Senn am Samstagabend beim Betruf den bösen Alpstier vom Segen aus, indem er rief: »B'hiët Gott Alles uff diser Alp, ohni d'r Stiër nit!« »Der sell sälber lüegä,« meinte er. Als die Älpler am folgenden Tage aus der Kirche kamen, fanden sie den Stier tot unten in dem »Butzen« genannten Teil der Alp. Mich. Imhof; Jos. Maria Aschwanden; Marie Ziegler c) Statt des Stieres wird bei der Erzählart 2a auch ein rotes Chüehli genannt, ohne nähere Angabe der Alp. Josefa Imhof-Aschwanden, 85 J. alt. d) Alp in Uri. Eine weisse Kuh war nicht gut zu melken. Betruf: »B'hiët Gott Alles ohni äs Häutt (Haupt) nitt.« Der Senn dachte die weisse Kuh. Diese fand man am folgenden Morgen geschunden vor der Hüttentüre und in der Türe zwei blutige Messer eingesteckt. Heinrich Walker, Reusstal Fußnoten 1 Der Betruf wurde durch den Milchtrichter über die Alp ausgerufen. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Krieg künden by (Josef Müller, Sage, Uri)

Krieg künden

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 Kurz vor dem deutsch-französischen Kriege geschah es, dass dem Nachtwächter in Einsiedeln, wenn er begann, die Stunden zu rufen, ein Mann begegnete und zu ihm sagte, er solle die Jahrzahl rufen und nicht die Stunde. Endlich fragte der Nachtwächter den Abt um Rat, und dieser sagte ihm, er solle das nächste Mal den Geist anreden und fragen, warum. Er folgte, und auf seine Anfrage sagte der Geist: »So schaue in die Luft!« Er schaute und sah in der Luft allerlei Leute, Militär, Totenköpfe, Pferde, ganze Heere. Jetzt rief der Nachtwächter die Jahrzahl. Am nächsten Abend erschien der Geist nicht mehr und nahm der Nachtwächter wieder die alte Art des Nachtwächterrufs an. Bald darauf brach der Krieg aus. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Lebendig begraben by (Josef Müller, Sage, Uri)

Lebendig begraben

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Man erzählte in Altdorf von einer Frau, die im ehemals Crivellischen Hause, jetzt Fürsprech Karl Huber, wohnte, dass sie in der Nacht nach ihrer Beerdigung, mit einer Laterne versehen, zu Hause anläutete und, als man sie mit Schrecken erkannt, erklärte: der Totengräber sei gekommen, habe ihren Sarg geöffnet, um einen kostbaren Ring von ihren Fingern zu nehmen. Da der Ring aber nicht leicht zu entfernen war, schnitt er ihr in den Finger, was sie auch weckte. Als sie sich aufrichtete, sei der Totengräber davon gesprungen und habe seine Laterne stehen lassen. Die Frau soll nachher in ihrem Leben nie mehr gelacht haben. Schriftl. v. Fr. Oberst Epp-Schmid Nach anderer Erzählart war die Dame aus dem Roll'schen oder auch aus dem Schillig'schen Hause, und begleitete sie der Totengräber nach Hause. Wird ähnlich auch in Unterschächen erzählt. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Mädchen kündet seinen Tod by (Josef Müller, Sage, Uri)

Mädchen kündet seinen Tod

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Josef Maria Tresch in Bristen, genannt der »schwarz Tresch«, begab sich eines Abends auf Besuch zu seiner Liebsten. Auf einmal hört er jemand daherkommen; rasch versteckt er sich hinter einer Tanne, um die Person heimlich zu beobachten. Es ist sein Schatz, der talaus wandert. Trotzdem strebt Tresch seinem Ziele zu und findet zu seinem nicht geringen Staunen die Geliebte zu Hause. Das kommt ihm unheimlich vor, und bald geht er wieder heim. Einige Wochen später ist das Mädchen beim Wildheuen erdrohlet. An jenem Abend sei auch der Pfarrer von Silenen auf dem Friedhof spaziert und habe das Mädchen zwischen den Gräbern stehen gesehen. Als er sich erkundigte, ergab es sich, dass es gar nicht auf dem Friedhof gewesen.   David Imhof, Seedorf, u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Mandlenejäger um Villnachern by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Mandlenejäger um Villnachern

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Unterhalb Villnachern finden sich auf einer geringen Anhöhe die Ueberreste einer Burg, welche die unbestimmte Sage Lichtenau nennt. Da wo jetzt Haselgebüsche sich an die Aare hinabziehen, sieht die Gegenwart noch einen wilden Mann, dem sie den Namen Mandlene und Mandlehenjäger gegeben hat. Er ist schwarz und langhaarig, schleppt eine grosse Keule hinter sich her und geht in stillen und drückenden Sommernächten, wenn das Wetter sich ändern will, am Flusse bis gegen Birrenlauf und von dort wieder zum Villnacher Walde hinab, trägt die Weidenbündel, welche Bandhauer dort zum Garbenbinden sich schneiden, hinweg, und erscheint damit bei der Schinznachter Fähre, wo sein schallendes „Hop hop!“ den Fährmann aus dem Schlafe weckt. Dieser aber lässt ihn rufen, seitdem er ihn einmal mit seinen Weidenbündeln deutlich am Ufer stehen und sogleich wieder verschwinden sah, als der Kahn ans Ufer stiess. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 182 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Melkzauber by (Josef Müller, Sage, Uri)

Melkzauber

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In eine Wirtschaft zu Altdorf kamen Leute und bestellten Kaffee; die Milch müsse heillos rar sein, dass man nirgends keine bekomme, fügten sie erklärend bei. »Es gibt schon Milch, wartet ihr nur einen Augenblick!« tröstet die Wirtin mit dem Spitznamen »Geisshebamm«, nimmt einen »Waldhäntschä« (groben Handschuh der Waldarbeiter) und zieht und streicht am »Dymlig« (Däumling), wie wenn sie melken würde. Und es floss wirklich Milch heraus. »Aber ich dänkä-n-eppä-n-äs Pürli heig's scho g'spirrt!« – Wenn sie das Nachtessen bereitete und drüber brennen wollte, fuhr sie einfach gleitig nach Glarus und holte dort den Böllen aus irgend einem Garten. (19. Jahrhundert.) Josef Maria Furrer, der letzte Bettelvogt, 84 J. alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Mit dem Toggeli tanzen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Mit dem Toggeli tanzen

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Einem wurde geraten, wenn das Toggeli komme, ihn zu plagen, solle er's schnell packen und dreimal mit ihm in der Zimmerdiele herum tanzen. Er machte es so, und nach der dritten Runde war es auf einmal ein hübsches Frauenzimmer. Frau Regli-Baumann, 76 J. alt, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Vo de Härdmändlene ûf der Ramsflue by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Vo de Härdmändlene ûf der Ramsflue

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Hinder der Aerlisbacher-Egg, zwüschen-em Dörfle Hard und dem alte Lorenze Kapällele, stoht im-ene Thale so ganz elleige e grüsli vertraeite Flue, se säge-ere d'Ramsflue. Uf der hindere Sîte isch se hohl, und d'Höhli het numme e chlîne Igang. Do sind denn emole, me weiss nit äxact i wele Johrgänge, so rarige Mändle gsiî, die sind i de Höhle ûs- und îgange, händ ganz e so es eiges Läbe gfüehrt und en apartige Hûshaltig, und sind ganz b'sunderig derhähr cho, so wärklich gestaltet; und mit eim Wort, es isch halt kei Mönsch ûs-ene cho, wer se denn au seige, und was se trîbe. Ämel chochet händ se nüt, und Würzle und Beeri g'gässe. Unden-a der Flue vorbî lauft es Bächli, und i dem Bächle händ die Mändlene im Summer badet, wie Tüble, aber eis von-ene het immer Wacht gha und het pfiffe, wenn öpper derhär cho isch ûf em Fuesswäg: denn sind se amme gsprunge, was gisch, was hesch, der Bärg ûf, dass ene kei Haas noh cho wär, und wie der Schwick in ehre Höhle gschloffe. Dernäbe händ se kem Mönsch nüt z'leid tho, im Gäggetheil, Gfelligkäite, wenn se händ chönne. Einisch het der Hardpûr es Füederli Rîswälle glade, und wîl er elei gsî isch, het er's au fast nit möge. E so'nes Mandle geseht's vo der Flue oben abe und chunt dert dur ab z'höpperle über d'Riese, und hilft em Pûr, was es het möge. Wo se de der Bindbaum wänd ûfe thue, so isch das Mandle ûf em Wage gsî und het grichtet, und der Pûr het überunde azoge a de Bindchneble. Do het das Mandle s'Seil nid rächt ume g'liret, und wo der Pûr azieht, schnellt der Baum los und trifft s'Mandle and Finger und het's würst blessiert. Do fôht der Pûr a jommere und sein „o heihe, o heie, wenn's nummen-au mer begegnet wär.“ Do seit das Mandle „abba, das macht nüt: sälben tho, sälben gha!“ Mit dene Worte springt's vom Wagen abe, het es Chrütli abbroche, het's verchavlet und ûf das bluetig Fingerle g'leit, und das het all's ewägg putzt. Do springts wieder ûfe Wage und het zum Pûr gseit, er soll s'Seil numme wieder umme gê. Mängisch, wenn rächtschaffne Lüt dur'n Tag g'heuet oder bunde händ und se sind nit fertig worde bis z'Obe und s'het öppe welle cho rägne, so sind d'Härdmandle cho, und händ g'schaffet und g'wärnet drûf bis alles im Schärme gsî isch. Oder wenn's dur d'Nacht isch cho wättere, händ se s'Heu und s'Chorn, wo dûsse glägen-isch, de Lüte zum Tenn zuetreit, und am Morge het halt alles gross Auge g'macht und se händ nid gwüsst, wer's tho het. Denn hend erst no die Mandle kei Dank begehrt, nummen-au dass me se gern het. Amme-n-im Winter, wenn alles Stei und Bei gfrore gsî isch, sind die Mandle is oberst Hûs chô z'Aerlispach; se händ's halt gar guet chönne mit dene Lüte, wo dört gwohnt händ, und sind amme durh d'Nacht ûf em Ofe gläge, und am Morge vor Tag händ-se se wieder drûs gmacht. Was aber gar gspässig gsî isch: se händ ehre Füessli nie vüre glo, händ es scharlachroths Mäntele traeit vom Hals bis ûfe Bode-n-abe. Jetz hets im Dôrf so gwunderige Maitle und Buebe gha, die sind einischt z'Nacht vor das Hûs go gên Aesche streue, dass se gsäche, was de Härdmändle für Füessle hebe. Und was händ se g'funde? S'isch frîle wunderli: Änten- und Geissfüess sind i der Aeschen-abdruckt gsî. Aber vo säller Stund a isch keis Mandle meh cho, und se sind au nümme ûf der Ramsflue bliebe; i die Kräche händ se se verschloffe, tief i d'Geissflue hindere, und händ keis Zeiche mê von-ene gê, und chömme nümme, so lang d'Lüt eso boshaft sind. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 267 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


"Lucern, die edle Stadt, von Liecht und Schin den Namen hat" by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

"Lucern, die edle Stadt, von Liecht und Schin den Namen hat"

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Von der Geburt unsers lieben Herren Jesu Christi fünfhundert und drü Jar gezelt by des Keisers Mauricio, in den Zitten ouch der heilig Vatter Sanctus Benedictus gelebt und Christenglauben geprediget hat, ist da vor vil Jahren alwegen gesechen worden uff der Hoffstatt, do yetz das löbliche wirdig Gotzhuse Sant Leodegarde, uff dem Hoffe zuo Lutzern stat, ein brünnet Liecht von ettlichen seligen Lütten. Umb deswillen ist in dem obgenannten Jahre ein Capel an das Ende gebuwen worden die man hat genempt Sant Niclaus Capel. Darnach ward von Wikardo, so ein Herzog von Schwaben war, daselbs ein Münster gebuwen, nach der Regel und Uffsatzung Sancti Benedicti, Gewicht in der ere der heiligen Martrer Sancti Maurici und Sancti Leodegarin von welichem Gotzhuse ouch dem Liecht also alwegen brünende gesechen ward, die löbliche Stadt Lutzern jeren Namen und Ursprung empfangen. "Zur Zeit des Kaisers Mauricio, fünfhundert und drei Jahre gezählt nach der Geburt unseres lieben Herren Jesus Chrstus – zu der Zeit auch der heilige Vater Sankt Benedict gelebt und den Christenglauben gepredigt hat – wurde auf der Hofstatt, wo jetzt das löbliche Gotteshaus Sankt Leodegard auf dem Hof zu Luzern steht, ein brennendes Licht von etlichen seligen Leuten gesehen. Darum wurde in den obengenannten Jahren eine Kapelle gebaut, die Sankt Niklaus Kapelle genannt wurde. Später wurde hier von Wikardo, einem Herzog von Schwaben ein Münster gebaut, nach den Regeln und Vorsätzen des heiligen Benedikt, geweiht den heiligen Märyrern Sankt Mauricius und Sankt Leodegar. Von diesem Gotteshaus, in dem das brennende Licht gesehen wurde, hat die Stadt Luzern (lux = Licht) ihren Namen und Ursprung empfangen."  (Übersetzung al)   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


's Nachtvolch (Mundart) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

's Nachtvolch (Mundart)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Das ist eini vu dä korjousiste Geistergschichtä. Es hät ämoul der Schuelmeister z' Flums gäge Mitternacht e sou ä-n-eigetümlis Gmurmel köürt uf der Gass nidä wienä Gibätt vunerä mächtigä Schar Lüt. Är uuf, schläft nu in des ei Housebei, springt ans Pfister, und was gsieht er? Ä langi, langi Prozäsiu vu gstorbnä Flumserä, dou und döt einä vu dä na Läbenda derunder! Das Gmurmel ist vum schmärzhafte Rousekranz chu, wou der ganz Lichäzug hättet hät. Under de vorderä hat er vil alti Bikannti ussägfunda. Je witer hindert im Zug, desto fründer und ubikannter sins' em wordä. Vorne hät er der alt, schwarz Flumserfahnä gsieh, ds Chrüz, der Geischtli und näbet dem Messmer ihnä sälber, nu im einä Housebei und ds Pfisterläuferli am Hals. Alls hät bättet uhni ummi-z'luegä. Verstandä heigmä vum Gibätt nüt as: „. . . Und erlöusis vor em Übel, ammä!" Där, wous gsieh hät, ist gli druf erchrangget und gstorbä wiä die anderä-n-au, wou vu dä noch Läbendä derunder gsi sind.  Albrecht, Erinnerungen. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 340, S. 191 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


's Schneemannli by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

's Schneemannli

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Lukas Manhart, ein vieljähriger Hirt, erzählt: "An Abenden, bevor im Spätherbst die Schneestürme hereinbrechen und die Hirten nötigen, mit der Herde von Alp zu fahren, sah ich oft ein kleines Männchen mit einem weissen Mantel, das gar seltsam rief, aber nirgends einkehrte. Soweit diese Gestalt zu sehen war, soweit war am andern Tag der Boden mit Schnee bedeckt." Auf der Alp Prod hat diese Erscheinung den Namen "Nepermannli", weil man seinen Aufenthalt im Neperwald vermutet. Der eigentümliche Ruf wird jetzt noch manchmal vor eintretendem Schneefall vernommen und ist wahrscheinlich das Geschrei eines Alpenvogels. Ferd. Stoop   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 300, S. 166f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


's Tufmannli by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

's Tufmannli

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Schaan (Oberschan) ischt witt und breit das eltischt Dorf. Vor viela, viela Johra, d'Ureltera hänn's nit möga ddengga, ischt denn unn wenn e munzigs Mannli in's Dorf chuu; es hät neamad gwüßt, woher ass es gsi ischt. Naiswär hät's nu emol gsea us Tuf aha chuu, doa hat men em Tufmannli gsait. Das hat denn e teila Lütt wohr gsait, unn gueti Rööt ggii, unn hat meng Ungsehl verhüetat unn in verzwisteta Laga ghulfa, aß alls en uufrichtiga Respekt gha hät vorem. Aber es hät denn oo a soa kurriose Gwunnata, unn z'Schaan häts o allbig ötschwas uisrichtigi unn laidwerchigi Lütt gkaa, unn wo's emol vor dena beim Spötterbank verbei heg müaßa, so hegen s'is wella z'Schanna stella. Ab demm sei d's Mannli gränza-loas ertoobet unn heg na d's Böasischt gwüüscht unn zum Rädlifüehrer gsait, er müeß, soa lang ass er läbi, en böasa Nochbuur haa unn a schlächts Dach und gsäält Broat. Dar ischt affa gnueg gstrooft gsii, unn die andere hänn ihren Tail o no überchuu; aber d's Tufmannli ischt gliach nia mea chuu, unn das ischt mänger Huishaltig übel ggange. U. Adank. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 153, S. 72 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


's Wibli vo Steckbore by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

's Wibli vo Steckbore

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Vor alten Zeiten kam alle Jahre das sogenannte "Wibli vo Steckbore" zur Kirche, um da Weihnachten zu feiern. Noch jetzt besteht darum die Redensart: "Es lüt dem Wibli vo Steckbore!" Und die Kinder lassen auf der Straße den eintönigen Ruf erschallen: "Steckbore Wibli! Steckbore Wibli!" Eine schon längst verstorbene Nachbarin sagte mir einst, es sollte heißen, 's Wibli vo Steckawege." Ein altes Mütterchen habe nämlich alljährlich am Weihnachtsabend den Gang zur Kirche von Hohenems gemacht. Alljährlich zur gleichen Stunde konnte man sein Lichtlein beobachten, wenn es die Gegend durchschritt, wo es in der "Stecken Wegen" hieß. Sobald die Leute das Lichtlein sahen, sagten sie: "Aha, 's Wibli vo Steckawege kunnt!" U. Schawalder   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 60, S. 27 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


's wiss Bruggfräuli by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

's wiss Bruggfräuli

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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In Ennetbühl, auf der Brücke, die über das Mühletobel führt, sieht man nachts das Bruggfräuli. Es ist nicht bösartiger Natur; denn es fügt keinem Menschen ein Leid zu. Wer mutig ist und keinen zaghaften Schritt tut, kann sogar unbehelligt an ihm vorüberwandern; andere kehren allerdings besser um. Es wird freilich auch behauptet, das Bruggfräuli sei nur beim Mondschein zu sehen. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 429, S. 254 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


.Steinwerfende Geister by (Alois Lütolf, Sage, Schwyz)

.Steinwerfende Geister

Source: (Alois Lütolf, Sage, Schwyz)

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a) Nahe dem Jochgebirge bei Engelberg schiebt ein Gletscher sein Geröll gegen den Trübsee hinab. Er heisst Pfaffengletscher wegen einer Geschichte, die hier passiert ist. War nämlich mal in Engelberg ein ungemein starker Klosterbruder, so dass er gewöhnlich den Säumern die Salzfässer ganz allein von den Tieren hob. Dieser ging einst um den Besitz der Alp Trübsee die Wette ein, ohne auszuruhen ein mit Salz gefülltes Fass, ein „Salzröhrli" sagt man dort, vom Tal auf das Joch hinauf zu tragen. Es gelang ihm wirklich mit der Last bis nahe an das Joch zu steigen, ohne einmal zu rasten. Endlich bei einer Quelle, wo er sich mit einem Trunk Wasser erfrischen wollte, stürzte der Bruder tot dahin. Man begrub ihn an selber Stelle, die man jetzt noch den Pfaffenhaufen nennt. Sein Geist ist zur Strafe dieser Vermessenheit in die Gletscher und Klüfte des „Joches" gebannt und gibt sich bisweilen durch seltsames Tosen und Klingen kund. Man sagt dann, der Pfaffe sei geschäftig. Und wenn jemand ihm zuruft: „Pfaff, wirf Steine", so lässt er seiner nicht spotten und tut es.   b) Im schwyzerischen Wäggital erblickt man am Gugelberg eine Felshöhle, das Schuhmacherloch genannt, weil darin ein Schuhmacher hämmern soll. Mal rief ein übermütiger Mensch in das Loch hinein: „Schuhmacher, gib mir auch einen guten Leisten", da schmetterte ein Stein neben ihm nieder und verleidete ihm die Lust zu weiterm Spott mit der Geisterwelt.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Ä chaltä Bettkamerad by (Josef Müller, Sage, Uri)

Ä chaltä Bettkamerad

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Ihretnä zwee Gurtnäller – ich chennt-ech-s' mit Namä-n- und Gschlächt a'gä – syget einisch i Fellänä-n-innä ga strahlä. Am Abed syget-s' im soginanntä Riëdmattergadä ga ubernachtä. Und wo si da glägä syget, dië zwee, syg äu Einä chu züennä-n-innä, ä gryßlächä Ma, und syg hinder-s' züechä ga liggä. Aber Jesses, wië syg der chaltä gsy! wië Ysch! Dië zwee Gurtnäller häiget dië ganz Nacht keis Äug züe'tah und häiget-si nit 'terfä v'rweiggä bis am Morget, wo's z'bättä glyttet häig. Düä syg-er v'rschwundä. Joh. Jos. Walker So erging es auch einem Gurtneller, der über Gespenstergeschichten gespottet hatte. Das Gespenst war noch kälter als Eis! Alphütte zu Waldi. Heinrich Gamma Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


A d'Rööww chun! by (M. Sooder, Sage, Bern)

A d'Rööww chun!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Z'Gadmen uf dr Furen häin dee Junge tanzed und gholäied und es Feerrelli ghäben. „Wa sol e nen hitöön?" chunnd äina vor ds Pfäischter. „Wa d'ne gnun heschd, dü Plagaff", hed äina iwwäreddem Tanze bbreeled uw wenig old niid täichd derbee. E-r-Raschd vergäid; döö ischd äina chun und hed gsäid, är danki däm, wan im Bschäid ggän häigi; jetz chenni är a d'Rööww. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Ä scheeni Frau by (Josef Müller, Sage, Uri)

Ä scheeni Frau

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Da syg äs alts Hüsäli gsy, wo jetz d'r Oxä staht. Und da häig-mes all Abed gheert bättä, ja, i dem Hüsäli innä, und vill Lytt syget ga loosä. Und nachedänä häigs ghäissä, da miäss ä scheeni Fräu lydä; diä sell Schriftä v'rbrennt ha, häig's nu ghäissä, und wäg dem miäss si lydä. Und d'rnah häiget sy's am-mänä Pater gsäit, und der häig gsäit, wennd-si äso und äso mängi Mäss fir si lahet la läsä, sä wärd-si erleest. Das häiget sy düe gmacht, und uff das häig-mä nymeh gheert. – Das hed alligs ysiri Müetter v'rzellt. Frau Mattli-Gerig, 45 Jahre alt, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Ää Atta! by (M. Sooder, Sage, Bern)

Ää Atta!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Uf em Beelti z'Gööttannen häi d'Zwäärgleni gholfen hewwen. Es Mäitli hed ne zööglöögd. Uf ds Mal hed's gsäid: „Ää, Atta, lööged, weler Feess!" Das hed d'Zwäärgleni i d'Nase gstochen; si siin heenni worden. Si häi ds Wärchziig la ghijen und sii furt und häi si vun da an nee mee zäigd. Si häin drum Feess wee Enti ghäben. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Aarauer Stadtbach by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Aarauer Stadtbach

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Die Stadt Aarau liegt hart am Ufer der Aare, von welcher es seinen Namen führt, und hat also, so oft dieser Gebirgsstrom höher steigt, mehr Wasser in Gärten und Wiesen, als den Besitzern lieb ist; zum Ueberflusse aber wird es der Länge nach auch noch von einem eigenen Stadtbach durchzogen und gerade dessen Unentbehrlichkeit wird sich trotz des vorhandenen Uebermasses an Wasserkraft ein guter Ortsbürger niemals bestreiten lassen. Nachdrucksam hat sich früherhin die Stadt nach diesem geringen Bache zubenannt als „Aarau am Susbache gelegen“. Ob man ihn Susbach hiess nach dem städtischen Kaufhaus, an welchem er vorbeigeht, und das schon eine Freiheitsurkunde Herzog Leopolds III. von Oesterreich i. J. 1381 Sustenhaus (Lagerhaus) benennt; oder ob die freigebige Susanna Schännis ihren Taufnamen dazu geliehen hat, als sie diesen Stadtbach dem Orte zum Geschenke machte, dies kommt hier nicht in Frage. Die besondere Werthhaltung des Bächleins ist eine ausgemachte Sache und dauert jetzt noch fort. Man hat darüber folgende Tradition. Im Jahre 1270 nahm Schultheiss und Rath von Aarau die Versammlung der geweihten und gottverlobten Schwestern Christi, genannt von Schännis, in Bürgerrecht zu Schutz und Schirm auf und schenkte ihnen eine zwischen den Mauern und dem Aarflusse gelegene Hofstatt (Aargau. Beiträge v. Kurz u. Weissenbach, 1847, S. 547). Sie waren durch eine Feuersbrunst um ihr Frauenstift Schännis im Gasterlande gekommen (heute ein St. Galler-Pfarrdorf) und obdachlos geworden. Da man sie zugleich auch aller städtischen Umlagen und Tellen enthob, so war ihr Dank ein doppelter. Ein Stiftsfräulein von Schännis erbot sich daher der Stadt zum Gegendienste; sie liess den Bürgern die Wahl frei, ihnen entweder eine goldene Kette machen lassen zu wollen, die rings um ihre Mauern gienge, oder ihnen eine Quelle von der Mächtigkeit eines Baches auffinden und durch den ganzen Ort leiten zu lassen. Der Bürger Sorgfalt für den allgemeinen Nutzen und das Wohl der Nachkommen entschied sich zum Letztern und schlug den gleissenden Goldreichthum dagegen aus. So müssen sich denn jetzt in einer viertelstündigen Entfernung von der Stadt reichliche Bergquellen beim Dorfe Sur sammeln und nach wenigen Minuten schon als ein ruhiger und bis zum Rande gefüllter Bach der Stadt zugehen. Zwar bezweifelt man die geschichtliche Gültigkeit jener Erzählung und behauptet, derselbe Bach, dessen eine Urkunde vom J. 1292 gedenkt (Aargau. Beiträge, 553) müsse schon in den frühesten Zeiten durch den Ort geflossen sein, da er die Burggräben des uralten Thurmes Rohre mit Wasser versah, der nachweislich lange vor dem Schänniskloster als Freiung hier gestanden hatte. Gleichwohl hat dieses Bächlein nach und nach neue Nahrungsquellen für die Bürger eröffnet, die zahlreichen Fabriken der Stadt hervorgerufen und sich dadurch in jene Goldkette verwandelt, welche von der Klosterfrau anerboten war und von der Genügsamkeit früherer Zeiten noch ausgeschlagen werden durfte. Auch eine eigene Verehrung widmet man ihm noch, und dieselbe ist schon alt. In der handschriftlichen Stadtchronik von U. Fisch heißt es unter dem Jahre 1688: den 4. Herbstmonat sind die Burger von Aarau nach altem Brauch und Freiheit mit Trommen und Pfeiffen ausgezogen, den Bach zu fischen. - Diese Verehrung mag auf eine altreligiöse Beziehung der Einwohner zu einem Gewässer hindeuten, das zahm und wohlthätig ist und nicht, wie der wilde Aarfluss ein Menschenleben zum Opfer nimmt. Wenn alljährlich im Hochsommer der Bach zur Reinigung abgestellt worden und dann wieder losgelassen ist, so beginnt ein allgemeiner Feiertag. Die Schulen sind geschlossen, Fabriken und Werkstätten ruhen. Jung und Alt zieht sonntäglich geputzt, mit Maien und Ruthen geschmückt, unter Trommelschlag dem Bach bis zu seinem Ursprunge entgegen und marschiert Abends dann mit den wiederkehrenden Wellen in militärischer Ordnung zum Thore herein. Nach dem Trommeltakte rufen sich dann die Abteilungen des Zuges folgenden Reim wechselweise zu: Der Bach chunnt, der Bach chunnt! Sin mine Buebe-n-alli g'sund? Jo - jo - jo! Der Bach isch cho, der Bach isch cho, Sin mine Buebe-n-alli do? Jo - jo - jo! Die Knaben, vor denen ein halbes Duzend ihrer eigenen Schultamboure hertrommelt, tragen lange grüne Zweige, auf welche ausgehöhlte beleuchtete Kürbisse gesteckt sind, auch brennende Wergbüschel liess man mit dem Wasser herabschwimmen; und eine Anspielung auf diese aussergewöhnliche Beleuchtung sowie zugleich ein Spott auf die zwei nächstgelegenen Dörfer soll es sein, wenn man dazu singt: Füerjo, der Bach brünnt. D'Surer händ-e-n-azündt, D'Aarauer händ-ne g'lösche, D'Chüttiger rite-n-üf de Frösche. Eggen, in seiner hds. Sammlung zu Ulr. Fisch, hds. Stadtchronik von Aarau, meldet, dass im J. 1831 dieser Ruf auf polizeilichen Befehl untersagt worden ist. Ohne Folge. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 19 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abenteuer an der Gemeindegrenze by (Josef Müller, Sage, Uri)

Abenteuer an der Gemeindegrenze

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Martin Truttmann, gewöhnlich Jostli-Marti genannt, machte von Beggenried her den Heimweg gegen Seelisberg. Es war tief in der Nacht, als er beim Marchstein anlangte und ihm ein grosser schwarzer Mann, bedeckt mit einem Lederschopf, mit kurzen altertümlichen Lederhosen bekleidet, die Arme entblösst bis unter die Achseln, mitten in den Weg stand. Marti schaute so eine Weile und sagte dann laut zu sich selber: »Da wirdi-n-i dänk meegä-n-i Gottsnamä durä-gah!« und schritt mutig vorwärts. Da legte sich die Erscheinung auf die Seite. An der nämlichen Stelle soll schon früher einmal einen Seelisberger der Schrecken so erfasst haben, dass er ihm den baldigen Tod brachte. Schriftlich von Alois Infanger, Bauen, 30 J. alt. Quelle:  Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abenteuer beim Geisterbannen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Abenteuer beim Geisterbannen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In der Läutergen, einem Landgut in der Gemeinde Morschach, das aber dem Dörflein Sisikon näher liegt als dem Mittelpunkt von Morschach, wohnte damals eine Familie Hofer (eigentlich Imhof), die am Abhang der Fronalp Berggut und Alp Fron besass, wo ein Unghür hauste und den Leuten lästig war. Sie beschlossen, es bannen zu lassen, und beriefen zu diesem Zweck den Pfarrer Imhof von Sisikon, zu dem sie mehr Zutrauen hatten als zu ihrem eigenen Ortsgeistlichen. Er kam; aber als er vor die Türe stand, die Stola anlegen und das Buch in die Hand nehmen wollte, da warf es ihn unversehens in die Misti hinaus. »Oho!«, rief jetzt Imhof, »habt ihr euren Ortspfarrer nicht gefragt?« Sie sagten: »Nein« und liefen eiligst nach Morschach hinunter und fragten den Pfarrer. Der gab seine Erlaubnis, und jetzt bannte Imhof das Unghür »i ds Chöpfänä«, wo es nicht mehr schaden konnte. M. Josefa Aschwanden Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abenteuer im Brunnital by (Josef Müller, Sage, Uri)

Abenteuer im Brunnital

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Ganz falsch wäre es zu glauben, dass es nur in alten, längst vergangenen Zeiten Geister gegeben. Noch vor wenigen Jahren geschah es, da kehrte der junge, wackere Bergführer Franz Zgraggen, Dubeler genannt, von einer glücklich ausgeführten Bergfahrt von Disentis über den Brunnipass ins Maderanertal zurück. Schon von weitem sah er eine Person stehen bei der verlassenen Hütte der Brunnialp. Er dachte, es sei ein Bergsteiger, der da übernachten und dann morgens früh den Oberalpstock erklimmen oder den Brunnipass begehen wolle. Ein Älpler konnte es nicht sein, denn der wilde, hochgelegene Stafel war schon geräumt. Wie aber Zgraggen näher kam, bemerkte er, dass die Gestalt keinen Kopf hatte. Es wurde ihm etwas unheimlich zumute, denn es war sonnenklar, dass solches nicht mit rechten Dingen zuging. Eiligen Schrittes durchmisst er das einsame Tal, gewahrt aber mit Schrecken, dass die geisterhafte Gestalt, jetzt mit Kopf, ihm auf dem Fusse folgt. Es nützt nichts, die Schritte zu beschleunigen, der Verfolger tut es auch. Erst in der Nähe des Gasthauses auf dem Balmenegg wird er vom Schrecken erlöst. Dort machte er dem Kurgeistlichen, einem frommen Pater von Einsiedeln, Anzeige und bat ihn, sein Möglichstes zu tun, um den büssenden Geist zu erlösen. Nach einiger Zeit konnte der verständige Mönch den Bergführer versichern, dass ihn von nun an der seltsame Verfolger nicht mehr beunruhigen werde. Von Gespenstern ohne Kopf wird überhaupt vieles gefabelt. Franz Epp; Franz Zgraggen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abenteuer in gespenstiger Sennhütte by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Abenteuer in gespenstiger Sennhütte

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Unter den entlegenern Alpen hinter Escholzmatt gab es eine, die lange Zeit geflohen und verrufen war. Einen jungen, kampfrüstigen Mann, der in jene Gegend gelangte, mahnten die Leute in der Nachbarschaft ernstlich davon ab, über gewisse Grenzen zu schreiten, oder gar die Sennhütte dort zu betreten, denn so viele den Versuch gewagt und hingegangen seien - keinen habe man je wieder gesehen, sie müssten sämtlich des Todes geworden sein. Man sah, dass in der geheimnissvollen Alp Sennenwirtschaft betrieben werde; man sah, wie morgens eine Herde ausgelassen, abends heimgetrieben werde; man sah vom Hüttendach den Rauch aufsteigen, wie wenn wirklich daselbst jemand hause, die Mahlzeiten bereite, Käse, und was immer das Sennen mit sich bringt, beschaffe. Aber nie sah man einen Menschen zum Vorschein kommen, unsichtbar blieben stets die Kräfte, die diese Alp bewirteten. Wer mag doch dort drüben der seltsame Bewohner sein? Welches Geheimnis birgt diese Hütte? Über diese Frage wollte und musste der kühne Mann Licht gewinnen, die Ruhe seines Lebens schien ihm davon abhängig. Flehentliches Abmahnen goss nur Öl ins Feuer, er hatte keine Furcht, nur Siegeszuversicht. Bangen Herzens schauten ihm die Leute nach, sie hielten ihn für verloren; sie erbarmte der schöne, wackere Bursche. Er ist bei der Hütte, aber Totenstille herrscht. Er geht vor die Fenster und ruft, niemand lässt sich sehen oder hören. Er geht an die Türe, probiert leicht sie zu öffnen, sie springt auf und er setzt frisch den Fuss über die Schwelle. Noch wankt der Boden nicht unter ihm. Sicher tritt er auf, fest schaut er um sich. Hm, er ist in der Küche, auf dem Herd brennt ein Feuer; drüber hängt zum Käsen gerüstet der Kessel. Er ruft dem Sennen, aber kein Laut unterbricht das unheimliche Schweigen. Jetzt tut er, als ob er den Gäumer hinter dem Kessel im Herdwinkel versteckt glaube. „Ja, du dort hinten, du schreckst mich nicht, komm nur hervor." Beim Nachsehen ist aber niemand hier. Vielleicht dass drinnen, dort, wo die Türe angebracht ist, ein Hausbewohner zu finden wäre. Versucht es zu öffnen - und eine hübsche Stube nimmt den Hereintretenden auf. Der Tisch ist mit Tellern, Besteck und Speisen bereits aufgerüstet. Auf der Seite steht ein schönes Bett mit einem Vorhang davor. Aber kein lebendes Wesen will zum Vorschein kommen. Für wen denn diese Tafel? - „Wart“ - denkt nun der Nachforschende,- „ich will sie gewis entdecken." Damit huscht er ins Bett und zieht den Vorhang so, dass er von da aus unbemerkt, wie er glaubt, sehen und beobachten könne, was am Tische denn vorgehen, wer da kommen soll. Endlich tritt eine gewaltige, zum Schauder anregende Gestalt herein. Die wüste Figur hat wohl einen Kopf, aber ein menschliches Antlitz will nicht daran hervortreten. Jetzt zählt er die Teller auf dem Tische und ruft dann aus mit furchtbarer Stimme: „Das Totengericht ist fertig; nur ein Teller fehlt noch, für denjenigen, der dort im Bette liegt!" Der Waghals ist also entdeckt.- Ist  er des Todes? Warum nicht, schon schreitet das Gespenst auf ihn los, packt ihn am Arm - ach wie brennt das! Und horch, es spricht plötzlich in ganz anderm, unerwarteten Ton: „Fürchte dich nicht; ich will dir dein Leben lassen, will dir unaussprechlich dankbar sein, wenn du mich erlösest. Aber freilich, die Bedingungen sind sehr schwer. Ich fürchte! Nur ein Haar zu viel oder zu wenig stürzt dich unrettbar in den Tod und mich in neue Qual!" So der Geist. Der herzhafte Gast, auf alles gefasst, wankte nicht in seinem Entschlusse alles zu wagen, was zum freudigen Ausgang führen könne und anerbot sich gleich zu den gefährlichen Proben. „Steh' auf!" Er gehorcht. Das Gespenst heisst ihn an den Tisch herantreten und mitessen. „Ich habe nicht eingebrockt und brocke nicht aus!" Drauf brachte der Geist Schaufel, Licht und ein „halbviertliges Mäss" herbei und legte dies dem Manne zu Füssen mit dem Befehl: „Heb's auf und trag's in den Keller!" - „Ich hab' nichts heraufgetragen und trag' nichts hinunter!" antwortete jener keck. Da langt der Geist zu, trägt die Sachen weiter und winkt dem andern, dass er ihm folge, was dieser tat. Unten im Keller gebietet der Geist, indem er auf eine bestimmte Stelle deutet, wieder: „Da grab's heraus!" - „Hab' nichts verlocht, ich loche nichts hervor!", so weigerte sich der Beherzte. Da grub der Geist, bis ein Kessel zum Vorschein kam, den ihm der Gast herausheben sollte, worauf dieser wieder weigernd sich ausdrückte: „Hab' ihn nicht hineingetan, ich tu' ihn nicht heraus!" Als endlich der „Wandler" diese Arbeit selbst verrichtet und das Geld im Kessel in zwei Haufen geteilt hatte, sprach er: „Jetzt wähle dir einen Haufen; triffst du den rechten, so ist dein zeitliches Glück und mir das ewige entschieden, sonst aber bist du des Todes und ich der Pein nicht ledig." Schnell umarmte der Schlaue beide Haufen mit den Worten: „Einer wird wohl der rechte sein." Damit hatte er wirklich gewonnen, ein ungeheurer Reichtum war sein eigen, vergnügt lächelte der Geist dazu und entschwang sich gleich als weisse Taube nach oben.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Abenteuer mit einem Gespenst by (Josef Müller, Sage, Uri)

Abenteuer mit einem Gespenst

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Unser Vater († 1923, 84 Jahre alt) – das hat er oft erzählt – schaute eines Abends nach den Zicklein des Nachbars aus und stand dabei auf dem Riggäport zu Gufern, Maderanertal. Da erblickte er in einiger Entfernung im sogenannten »hählä Schachä« bei einem Stein die Gestalt eines Kuhhirten, den Stock mit beiden Händen hinten am Rücken festhaltend, in grauwollener Kleidung, mit grauem Hut, die Hosen bis zu den Knieen hinaufgelitzt. – Er sah alles ganz deutlich. – Der ging dreimal um den Stein herum, dann weiter, sprang – es war, wie wenn er fliegen würde – über den Sydenbach. Der Vater folgte ihm eine Strecke weit; dann wandte sich die Erscheinung wieder um und kam dem Vater entgegen. Der Vater ging nun nach Hause; er merkte, dass ihm der Unbekannte folgte bis zur Brücke. Nachdem der Vater zunacht gegessen, suchte er sein gewohntes Lager auf und schloss die Hüttentüre. Nachts erwachte er; es kam Einer und lüpfte die Falle, ging dann dreimal um die Hütte herum, warf noch etwas an die Hüttentüre, das tönte wie eine dürre Kuhhaut, kam in die Hütte herein und stieg die Leiter hinan auf die Ruossdiele und warf sich dort geräuschvoll auf den Boden. Jetzt entschlief der Vater. Am nächsten Morgen hatte er alles vergessen und ging an die Arbeit; als er am Abend heimkam, fiel es ihm wieder in den Sinn. Er ordnete sein Bett und fand darinnen – zwei Tuolen im Nätsch! Neben ihm muss also jener Geist geschlafen haben; denn die zwei Tuolen waren nebeneinander und deutlich von einander geschieden. Fr. Imhof-Tresch, 52 Jahre alt. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abenteuer mit Katzen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Abenteuer mit Katzen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Ein lediger Schächentaler ging öfters zu einer Verheirateten in Attinghausen. Eines Abends geriet er in der Nähe des Galgenhügels in einen Haufen Katzen, die ihn zudringlich umgaben und begleiteten. Eine von ihnen tat sich besonders hervor und war ihm beständig in den Füssen. Er schlug mit dem Stocke drein, aber umsonst. Ein Fusstritt, mit dem er die freche bedachte, brachte zuletzt alle zum Verschwinden. Nun ging er weiter; er ging und ging und musste gehen ohne Rast und Ruhe die ganze Nacht hindurch, ohne je zu wissen, wo er sich befinde, und, als am Morgen zu Attinghausen die Betglocke läutete, sah er sich in Schweiss gebadet, abgehetzt und abgemüdet, drei Stunden ob Attinghausen zu hinterst in der Waldnachter Alp. Aber von seinen sündhaften Gängen war er geheilt. Er hat es selber seinen Nachbarn und einer von ihnen mir erzählt. Ähnlich erging's dem Voggä-Heiri ennet der Märcht. Frau Arnold-Gisler, Bürglen, 50 J. alt, u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abermal tausend Jahre by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Abermal tausend Jahre

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Ein Bauersmann, der auf der sogenannten Höhe seine Kuh melken wollte, fand sie nicht bei der Hütte, sondern erst nach langem Suchen weit entfernt auf einem Felsen, der mit Alpenrosen bewachsen war. Die Nacht fiel herein; auf einmal stund vor ihm ein Geist, der ihn mit diesen Worten anredete: „Du kannst mich aus den Qualen des Fegfeuers erlösen, wenn du an einem gewissen Abend, wo ich dir wieder erscheinen werde, mich berührst. Mir voran wird aber furchtbarer Lärm gehen, dass der Boden, auf dem ich stehe, erzittern wird." Der Bauer versprach ihm dieses und der Geist verschwand. Am andern Tag machte sich jener zu einem Beichtvater und fragte ihn, ob dieses erlaubt wäre. Gern unterstützte ihn derselbe hierbei und bat ihn recht inständig, sich doch nicht fürchten zu lassen. Dieser machte sich an den bestimmten Ort, wo ihm der Geist erscheinen sollte. Er kam zur Nachtzeit dahin. Auf einmal hörte er um sich her ein furchtbares Geheul und Jammergeschrei; es streubten sich seine Haare vor den Feuer sprühenden Teufeln, die ihm ihre Krallen in den Leib zu schlagen drohten. Furcht und Entsetzen bemächtigte sich seiner. Er vergass das gegebene Versprechen; Besinnung und Mut zerflossen in Nichts. Er rannte auf und davon, stolperte über Stock und Stein, so dass er weder wusste, wo er sich befand, noch merkte, dass er sehr stark am Beine beschädigt sei. Der Geist aber schrie immer furchtbarer: „Ich muss jetzt abermal tausend Jahre Qualen leiden." Durch dieses Geheul wurde der Felsen, auf welchem der Geist stand, so erschüttert, dass er sich teilte, und deshalb wird dieser Ort von da an Spalt genannt.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Bei dieser Sage gibt es keine genaue Zuordnung zu einem der fünf Kantone. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Abgegangene Orte by (Josef Müller, Sage, Uri)

Abgegangene Orte

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Hinter »vor Dorf«, d.h. hinter Zumdorf, bis Schmidigen sei vor Zeiten eine Stadt oder ein grosses Dorf gewesen; da sollen auf prächtigen Gütern die grössten Urner Herren, Talammänner und andere hohe Beamte gewohnt haben. Wenn diese ihre Frauen spazieren führten, im Winter sonnen wollten, brachten sie selbe auf ihren mit Leder überspannten Mistbännen daher. M. Antonia Furrer, 80 Jahre alt, Hospental Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abgottspon und der Tanz am Grossen Berg by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Abgottspon und der Tanz am Grossen Berg

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Am Grossen Berg bei Embd war verborgener Tanz. Viel lustiges Jungvolk hatte sich da eingefunden, und es ging recht fröhlich, ja ausgelassen zu. Pfarrer Abgottspon wusste davon. Trotz nächtlichem Dunkel und steilem Pfad nahm er den Rosenkranz in die linke Hand und den dicken Stock in die rechte und stapfte hinüber an den Grossen Berg. Er ging auf das Tanzlokal zu, stiess die Stubentüre weit auf und rief hinein: «So, was treibt ihr da?!» Die ganze muntere Gesellschaft war augenblicklich wie gelähmt; völlig unerwartet war ihnen dieser nächtliche Besuch. Als man sich vom ersten Schrecken erholt hatte, tönte es aus der Reihe der Tänzer: «Oh, wir haben nichts Böses im Sinn; lustig darf man wohl sein!» - «So so, also tanzt einmal weiter», sagte der Pfarrer. Gesagt, getan. Die Diele ächzte und knackte, und Schwüle brütete in der Stube. «Nun seht dort!» rief der besorgte Seelenhirte und zeigte den Tanzenden, wie der Teufel in der Gestalt einer Schlange sie umschlungen hielt und mit ihnen umfuhr. Alle sahen es, ganz genau. Totenblässe malte sich auf den Gesichtern. Lautlos und bleich stellten sich die Burschen auf die Seite. Die Töchter stiessen Schreie des Schreckens aus. Für dieses Mal war der Tanz zu Ende. EMBD Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Abraham und Abramessa by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Formel-/Kettenmärchen, Graubünden)

Abraham und Abramessa

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Formel-/Kettenmärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Formel-/Kettenmärchen / ATU-Nr: 2030 J

Zu Abraham und Abramessa sagte eines Tages die Mutter: «Nehmt eure Fässlein und geht in den Wald, um Heidelbeeren zu suchen, aber passt auf, dass ihr euch nicht verspätet!» Abraham und Abramessa zogen los und fanden auch schon bald ein gutes Plätzchen. Abramessa las in einem fort Heidelbeeren ab und hatte auch bald ihr Fässlein voll, während Abraham zwei oder drei in das Fässlein und drei oder vier ins Maul steckte, und so hatte er knapp ein halbes Fässlein beisammen, als seine Schwester das ihre schön voll hatte. «Warte, ich will dir helfen», sagte Abramessa und begann abzulesen, doch da gab Abraham ganz auf und stopfte eine Heidelbeere nach der andern in den Mund. Unterdessen war die Zeit um, und Abramessa sagte: «Jetzt, voll oder nicht, wir müssen aufbrechen, denn die Mutter schimpft mit uns, wenn wir zu spät kommen.» Doch Abraham wollte davon nichts wissen und gab zurück: «Ich gehe nicht nach Hause, bevor ich mein Fässlein voll habe.» So machte sich Abramessa ganz allein auf den Heimweg und begegnete einem Wolf. «Oh, lieber Wolf», sagte sie, «geh und beisse Abraham, damit er nach Hause kommt.» - «Nein, das mache ich nicht», sagte der Wolf, «denn Abraham ist mein guter Kamerad.» Dann sah sie einen Hund und sagte: «Geh und beisse den Wolf, damit der Wolf Abraham beisst und Abraham nach Hause kommt.» Doch der Hund sagte: «Nein, ich beisse den Wolf nicht, denn Abraham ist mein guter Kamerad.» Sie ging noch ein Stück weiter und begegnete den Stöcken. «Geht», sagte sie, «und schlagt den Hund, damit der Hund den Wolf beisst und der Wolf den Abraham, damit Abraham nach Hause geht.» - «Nein», sagten die Stöcke, «wir machen das nicht, denn Abraham ist unser guter Kamerad.» Jetzt sah sie das Feuer und bat es: «Oh, geh und verbrenne die Stöcke, denn die wollen den Hund nicht schlagen, und der Hund will den Wolf nicht beissen, und der Wolf will den Abraham nicht beissen, und Abraham will nicht nach Hause gehen.» - «Nein», sagte das Feuer, «ich mache das nicht, denn Abraham ist mein guter Kamerad.» Da sah sie das Wasser und bat es: «Geh und lösch das Feuer, denn das will die Stöcke nicht verbrennen, und die Stöcke wollen den Hund nicht schlagen, und der Hund will den Wolf nicht beissen, und der Wolf will Abraham nicht beissen, und Abraham will nicht nach Hause gehen.» - «Nein», sagte das Wasser, «ich mache das nicht, denn Abraham ist mein guter Kamerad.» Jetzt begegnete sie den Ochsen und sagte: «Oh, geht und trinkt das Wasser, denn das Wasser will das Feuer nicht löschen, und das Feuer will die Stöcke nicht verbrennen, und die Stöcke wollen den Hund nicht schlagen, und der Hund will den Wolf nicht beissen, und der Wolf will den Abraham nicht beissen, und Abraham will nicht nach Hause gehen.» - «Nein», sagten die Ochsen, «wir machen das nicht, denn Abraham ist unser guter Kamerad.» Da sah sie die Stricke und sagte: «Oh, geht und bindet die Ochsen an, denn die Ochsen wollen das Wasser nicht trinken, und das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will die Stöcke nicht verbrennen, und die Stöcke wollen den Hund nicht schlagen, und der Hund will den Wolf nicht beissen, und der Wolf will den Abraham nicht beissen, und Abraham will nicht nach Hause gehen.» Doch die Stricke sagten: «Nein, das machen wir nicht, denn Abraham ist unser guter Kamerad.» Jetzt begegnete sie den Mäusen und bat sie: «Oh, ihr Lieben, rennt rasch, zernagt die Stricke, denn die Stricke wollen die Ochsen nicht anbinden, und die Ochsen wollen das Wasser nicht trinken, und das Wasser will das Feuer nicht löschen, und das Feuer will die Stöcke nicht verbrennen, und die Stöcke wollen den Hund nicht schlagen, und der Hund will den Wolf nicht beissen, und der Wolf will den Abraham nicht beissen, und Abraham will nicht nach Hause gehen.» Doch die Mäuse sagten: «Nein, das machen wir nicht, denn Abraham ist unser guter Kamerad.» Jetzt kam die Katze, und Abramessa sagte: «Oh, geh rasch und friss die Mäuse, denn diese wollen die Stricke nicht zernagen, die Stricke wollen die Ochsen nicht anbinden, die Ochsen wollen das Wasser nicht trinken, das Wasser will das Feuer nicht löschen, das Feuer will die Stöcke nicht verbrennen, die Stöcke wollen den Hund nicht schlagen, der Hund will den Wolf nicht beissen, und der Wolf will den Abraham nicht beissen, und Abraham will nicht nach Hause gehen.» Die Katze sagte: «Ja, sofort, ich muss nur noch meinen Kleinen den Brei geben.» Und sobald das getan war, rannte die Katze los, um die Mäuse zu fressen, und die Mäuse liefen, um die Stricke zu zernagen, die Stricke, um die Ochsen anzubinden, die Ochsen, um das Wasser zu trinken, das Wasser, um das Feuer zu löschen, das Feuer, um die Stöcke zu verbrennen, die Stöcke, um den Hund zu schlagen, der Hund, um den Wolf zu beissen, und der Wolf, um den Abraham zu beissen. Doch als der den Wolf kommen sah, begann er zu rennen und gelangte atemlos nach Hause. Die Mutter freute sich sehr, als sie ihn auftauchen sah und dass sie ihre Kinderchen wieder zu Hause hatte, obwohl Abraham nur ein halbes Fässlein Heidelbeeren brachte. (Oberengadin)   Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Abstimmig anno 1831 by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Abstimmig anno 1831

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Anno Einedryssgi isch en Abstimmig gsi, wär bi der Stadt wöll blybe und wärs mit den Insurgänte haig. In eusem Huus z Ammel hai si alli Mannevölcher in der vordere Stube versammlet. E jede het eleigg müesse ins Näbestübli go und dört sy Stimmcharten in es wyssis oder in es schwarzis Chischtli gheie. Wils der Gmeinrot aber wunder gno het, wie die Manne stimme, het men am Tag vorhär in d Chammertür es Loch bohret, und d Mueter het die ganzi Zyt müese ufem Schemeli ob stoh i der Chuchi uss und zue däm Loch yne luege, wie si stimme. Anwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Abstimmung anno 1831 by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Abstimmung anno 1831

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Anno Einedryssgi isch e-n-Abstimmig gsi, wär by der Stadt wöll blybe und wär’s mit de-n-Insurgänte heig. In eusem Hus z Ammel hei si alli Mannevölcher in der vordere Stube versammlet. E jede het eleigg müese ins Näbestübli goh und dort sy Stimmcharte in es wyssis oder in es schwarzis Chischtli gheie. Will`s der Gmeinrot aber wunder gnoh het, wie die Manne stimme, het me-n-am Tag vorhär scho in d’Chammertür es Loch bohret und d’Mueter het die ganzi Zyt müese ufeme Schemeli obe stoh i der Chuchi uss und zue däm Loch yne luege, wie die Manne stimme. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Abt Hugo bannet Schlangen by (Theodor Vernaleken, Sage, Freiburg)

Abt Hugo bannet Schlangen

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Freiburg)

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Im südlichen Teile des Kantons Freiburg ist das vom Jaunbach bewässerte Bellegardetal. Hier liegen die Trümmer des Schlosses Bellegarde und der Schwarzsee. In diesem durften bis 1798 die Mönche von Altenryf (Hauterive) frei fischen. Diese Gerechtsame hat folgende Veranlassung. Vor alten Zeiten bewohnte ein wahres Schlangenheer die Alp Les grosses Combes, die in dem Gerichtsbanne des Klosters Altenryf liegt. Das Ungeziefer biss Menschen und Vieh und stiftete viel Schaden. Bei jedem Schritte, den man tat, wurde man von Schlangen angezischt. Sie drangen in den Staffel, soffen Rahm und Milch, stahlen Brot, Käse, Ziger, und wanden sich um die Hälse der heulenden Kühe, welche dann blutigrote Milch gaben. Kaum wagten sich die Kühe noch dorthin. Betrübt gingen nun die Älpler nach Altenryf zu dem ehrwürdigen Abt Hugo, der im Rufe der Heiligkeit stund und erzählten ihm ihr Herzeleid. Den folgenden Sommer kam der Mönch, wie er's versprochen, nach Les grosses Combes. Unerschrocken trat er mitten in das Schlangenheer, das ihn nicht berühren durfte, aber hoch sich bäumend ihn umzingelte und geifernd anzischte. Der Himmel verfinsterte sich und ein fürchterliches Gewitter nahete heran. Es donnerte und blitzte ohne Unterlass, die Erde dröhnte, es fielen nussgrosse Schlossen, mit Menschenhaar vermengt. Die Sennen sahen von fern mit Grausen und Entsetzen zu. Ruhig und ernst verrichte der Mann Gottes seine Gebete, besprengte die giftigen Schlangen mit Weihwasser, beschwor sie, streckte gebietend seine Hand aus und verbannte sie samt und sonders in den tiefen Grund des nahen Sees. Vor Grimm spieen die Schlangen Gift und Feuer aus. Kaum hatte Hugo die letzten entscheidenden Beschwörungsworte gesprochen, so klumpten sich die Schlangen kugelrund zusammen, und rollten mit fürchterlichem Getöse die steilen Berghalden über Stock und Stein hinunter in die Tiefen des nahen Sees, dessen Grund von da an ganz rabenschwarz aussieht, weswegen man ihn auch den Schwarz- oder Mönchssee nennt. Der Abt winkte die erstaunten, frohen Älpler zu sich. Mit dem Ungeziefer war auch das Gewitter verschwunden. Freudig bezeigten die Sennen dem Manne Gottes ihren Dank, und aus Erkenntlichkeit für den geleisteten Dienst gelobten sie jährlich von ihrer Alp einen schweren fetten Käse im Kloster Altenryf auf dem Altare des heiligen Bernhard zu opfern. Zum Zeichen, dass beides, Wunder und Gelübde wahr sei, drückte der Abt seinen rechten Fuss auf einen nahen Block von Kalkstein, wo heut zu Tage noch der Mönchstritt zu sehen ist. Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Adalbert von Waldhausen by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Adalbert von Waldhausen

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Adalbert von Waldhausen Im Bachsertal liegt gegenüber dem „Erdmännliloch“ der Hof Waldhausen. Etwas südlich davon erhob sich im Mittelalter eine Burg, deren Ruine heute von der Kantonsgrenze durchschnitten wird, und die nicht zu verwechseln ist mit dem nahen Sitz der Ritter von Tal. In dieser Burg wohnten die Edelleute von Waldhausen. Einer der Ritter, den das Volk sogar Adalbert den Grossen nannte, muss nach alten Überlieferungen ein arger Zwingherr gewesen sein. Einmal sperrte er einen Burschen, der ihm ein armseliges Häslein abgeschossen hatte, lange in den Turm. Des Knaben Grossmutter bat den Ritter, er möge doch den Enkel freilassen, weil er ihr Trost und Hilfe sei. Der Herr aber spottete ihrer und liess den Burschen nicht aus dem Gefängnis. Da schwur ihm die Alte Rache. Nach einem halben Jahre, nachdem die Grossmutter bereits gestorben war, befreite der Ritter den Jungen. Aber jetzt stellte sich auch die Rache ein, welche die Alte geschworen. Die Kinder, die des Ritters Adelberts Frau zur Welt brachte, blieben winzige Zwerge. Sie wohnten lange Zeit im Berge drin, und noch heute heisst ihre Wohnung „das Erdmännliloch“. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland Nach Hedinger, S. 26. Von K. W. Glaettli in Prosa umgesetzt nach einem Gedicht von Johannes Huber, Lehrer in Tal-Bachs, der vor hundert Jahren die mündliche Überlieferung in einer langen Reimgeschichte zusammenfasste. Diese erschien 1860 in de Zeitschrift „Feierabend“, dann 1922 indem Blättern „Fürs Heim“, 1925 in A. Bopps „Zürcherchronik“ und am 12. 11. 1955 in einem Zeitungsartikel von P. Corrodi im „Zürichbieter“, Nr. 266.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Adelboden by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Adelboden

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Es waren einst Friesen ins Land gekommen, die hatten in Frutigen ihre Wohnstätten aufgeschlagen. Einst weidete ein Friesenknabe in dieser Gegend seine Herde. Bei Sonnenuntergang, als er seine Schutzbefohlenen zählte, bemerkte er, dass nicht die ganze Zahl beisammen war. Es fehlten gerade die schönsten Ziegen. Flugs sperrt er, was da ist, in die Bergstatt und macht sich auf die Suche nach den Verlorenen. Durch Wald und Schluchten eilt er dahin, immer rufend, immer lockend, bis ihn zuletzt die Nacht überrascht. Von grosser Müdigkeit übermannt, sucht der Bub unter einem grossen Tannenbaum für die Nacht eine Lagerstätte. Da dringt im Schlafe ein seltsames Geläute an sein Ohr und wie er sich umschaut, sieht er in schöner, freier Gegend, inmitten grüner Triften ein Kirchlein stehen. Wie er aufwacht, scheint schon die Sonne durch die Zweige. Rasch nimmt er Stab und Hirtentasche und eilt weiter, seinen Ziegen nach. Da, endlich öffnet sich vor ihm ein weites schönes Tal, umkränzt und geschützt von hohen Bergen. Es ist das Tal, das er im Traume geschaut. Aber kein Kirchlein ist weit und breit zu sehen. Keines Menschen Spur findet sich darinnen. Doch an einer frischen Quelle inmitten des Wiesengrundes sieht er seine verlorenen Ziegen an der Tränke. Auch er trinkt nun von dem köstlichen Labsal und spricht zur Quelle gewandt: "Geissbrunnen sollst du heissen!" Voller Jubel über seine Entdeckung eilt er talwärts, um den Seinen die frohe Kunde zu bringen. Da entschliessen sich fünfzig Hausväter, mit Weib und Kind hinaufzuziehen ins höhere, reiche Alpental. Geissbrunnen ward darum die Stelle genannt, wo der Knabe seine verlorenen Geissen gefunden, und ist der Name bis auf den heutigen Tag geblieben. Weil aber der Talgrund voller äsiger Weide war mit herrlichen, kräftigen Futtergräsern, nannten die Neuleute den Ort, wo sie jetzt ihre Hütten aufrichteten: Adelboden. Der Traum des Geissbuben aber hinsichtlich des Kirchleins ging erst viele hundert Jahre später in Erfüllung. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Affenkind by (Josef Müller, Sage, Uri)

Affenkind

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Zu Weggis im Kanton Luzern, so erzählte ein alter Mann von Bauen, diente eine Magd bei einem Witwer, der zwei liebliche Kinder hatte. Aber wie ja Kinder sind, auch sie machten etwa dumme oder übermütige Streiche, und dann wurden sie von der jähzornigen, groben Magd Affen gescholten, auch dann noch, als sie der Meister dafür ernsthaft tadelte und es ihr strenge verbot. Sie heiratete später und zwar gerade ihren Dienstherrn, und da wurde sie auch von der verdienten Strafe ereilt. Das erste Kind, dem sie das Leben schenkte, war ein Affe, ein rechter wilder Affe, den sie töten mussten. Auch die zwei lieblichen Kinder ertranken eines Tages auf dem Schulwege im Mühlebach. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Agatha von Hohnau by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Agatha von Hohnau

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Agatha von Hohnau war ein tugendhaftes, schönes Mädchen, das vor etwa 430 Jahren im gedachten Schlosse blühte. Hans von Reusseck, Herr zu Bottenstein, stellte ihrer Unschuld nach und es gelang ihm einmal mittelst List und Gewalt die Jungfrau von seinen Knechten gefangen zu nehmen. In einem Kahne sollte sie ans jenseitige Reussufer gebracht und dem bösen Ritter ausgeliefert werden. Doch sie wagte einen Fluchtversuch in die Wellen. Nach einigen Tagen fand man ihre Leiche im Gebüsche des linken Flussufers, unten an der Sinserbrücke. Daselbst hörte man spät bisweilen ein sonderbares Gelispel. Fischer wollen sie in weisser Gestalt gesehen, andere ihren wehklagenden Hilferuf vernommen haben.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.  


Agathebrot und Füüreliheiss by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Agathebrot und Füüreliheiss

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Oben in den Näfelserbergen lebte vor etlichen und hundert Jahren ein Geissbäuerlein, das seine kleine Herde ins Wildheu trieb. Damit seine lieben Ziegen kein Unglück treffe, bewahrte der fromme Mann in seiner Hütte gesegnetes Brot, sogenanntes Agathenbrot, und gesegnete Kohle auf. An einem Nachmittag sass unser Bäuerlein zufrieden auf einem Stein und hütete, als ein Gewitter über dem Brünnelistock heraufzog. Sofort rief es seine Schützlinge zusammen und schlüpfte mit ihnen in die niedere Hütte. Es war höchste Zeit, denn schon brach ein wahres Unwetter los. Der Hirte dankte Gott, dass er unter Dach war, und überzählte nochmals seine Geissen. Zum grössten Schrecken fehlte die schönste, die am meisten Milch gab. Sofort lief er hinaus, um sie zu suchen. Als er um die Hütte bog, sah er weit unten eine weisse Gestalt, welche die Vermisste fortführte. Wütend und doch mit geheimem Grauen verfolgte er die Gestalt. Der Weisse band das Tier an eine Tanne, kletterte katzenflink hinauf und lauerte auf das Bäuerlein. Dieses rannte herbei und erschrak nicht wenig, als es in den Ästen einen unheimlichen Geist erblickte. Es war auch ein grässlicher Anblick, denn der Körper war nicht aus Fleisch und Blut, sondern durchsichtig und nur mit flatternden Hemdfetzen bekleidet. Das Scheusslichste waren aber die langen, gelblichen Zähne, mit denen der Geist fletschte. Doch der Bauer fasste sich ein Herz, trat unter die Tanne und band die Ziege los, während das Gespenst krächzte: «Hettisch du nüd Agathebrot und Füüreliheiss, wüürdisch nüd losbinde di Geiss!» Wohlbehalten gelangte das Bäuerlein mit seinem froh meckernden Tier in die Hütte zurück. In jener Nacht konnte der Mann kein Auge schliessen, denn er sah noch immer den weissen Geist vor sich.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Agnes von Brunnberg by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Agnes von Brunnberg

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Nesa von Brunberg war von dem Wege einfacher und reiner Sitten abgewichen, auf welchem sie doch ihre Eltern und Geschwister hatte wandeln sehen. Sie zog es vor, den Lockungen des reichen Ritters von Rätenberg Gehör zu geben, ihrem Elternhause und den Ermahnungen und Tränen ihrer Mutter den Rücken zu kehren und nach Rätenberg zu ziehen, um in Leichtsinn und Schande ihr Leben hinzubringen. Der Ritter von Rätenberg hatte seine rechtmässige Gattin von der Burg vertrieben; nun fesselte er Nesa an sich durch reiche Geschenke, durch Vergnügen, wie sie Zeit und Ort nur immer bieten konnten, und Nesa liess sich von dem Glanze blenden. Sie scheute sich nicht, auf schöngeschirrtem Pferde und in prunkendem Kleide in der um Brunberg liegenden Fetzwaldung zu jagen, bei den Fenstern ihrer elterlichen Wohnung vorbeizusprengen und dabei die Töne der Hörner erklingen zu lassen. Das war den Gefühlen der Mutter zu viel; der Schmerz um die Verirrungen ihrer Tochter warf sie auf das Sterbebett. Ihre nahe Todesstunde fühlend, wollte die Mutter einen letzten Versuch zur Besserung ihrer Tochter machen. Seit Jahren hatte aller Verkehr zwischen Mutter und Tochter aufgehört; jetzt aber sandte sie einen Diener mit der Aufforderung an die Tochter, zur letzten Lebensstunde der Mutter zu kommen und ihr letztes Wort zu hören. Zu einer andern Zeit hätten Gatte und Söhne gegen eine solche Botschaft Einsprache erhoben; jetzt aber liessen sie diese gewähren. Aus dem Hause getreten, hörte der Diener den Lärm der Jagd im Fesswald; kaum war er in das Dunkel des Forstes gedrungen, so rauschte ein Hirsch an ihm vorbei. Bald folgte ein Rudel Hunde und hinter diesen der Ritter von Rätenberg und Nesa zu Pferd. "Um Gottes willen, Herrin, haltet!" rief der Bote. "Eure Mutter liegt im Sterben und will Euch noch einmal sehen. Kommet und zögert auch nicht einen Augenblick." Nesa hatte das Pferd wirklich angehalten und blickte unschlüssig den Ritter an. "Pah!" rief dieser; "alte Weiber wollen alle Tage sterben und sterben doch nie. Stirbt sie, so wird sie den Himmel wohl finden; wir aber verlieren den Hirsch. Vorwärts, vorwärts!" Er spornte sein Ross, gab auch dem andern einen Hieb, und vorwärts brauste die Jagd. Wie der Diener diesen Bericht nach Brunberg brachte, stieg die furchtbarste Erbitterung im Herzen des Vaters und der Brüder auf; die Mutter liess eine Träne ans ihrem Auge fallen, faltete die Hände und sprach ein leises Gebet. Alle fühlten, dass hier etwas geschah, was ihnen unmöglich gewesen wäre; die Mutter betete für die verlorene Tochter. Auf einmal aber zuckten die Lippen der Flehenden; der Engel des Todes hatte ihr Gebet und ihre Seele in Empfang genommen. Noch einige Jahre ging es so; dann zog auf dem Ratenberg die Armut ein, und endlich musste der Ritter selbst seine Burg verkaufen. Er schloss sich als gemeiner Krieger einem Zuge nach Jerusalem an, und niemand hat von ihm weiter etwas gehört. Nesa aber wurde eine fahrende Sängerin. Die Lieder, die ihr früher beim üppigen Mahl auf Rätenberg vorgetragen worden waren, sang sie jetzt selbst in ärmlicher Kleidung in den Höfen und Hallen anderer Burgen und selbst auf Märkten, um so den kümmerlichen Lebensunterhalt zu gewinnen. Da fasste sie plötzlich eine der verheerenden Krankheiten, die in jenen Zeiten so häufig und so mörderisch waren, und mit der Krankheit fasste sie zugleich eine mächtige Sehnsucht, das Haus ihrer Väter noch einmal zu sehen. Den Tod im Herzen, schleppte sie sich der Heimat zu, kam gerade zu jener Stelle, wo am Eingang der Fesswaldung der Weg von Rickenbach nach Kirchberg sich in zwei Äste spaltet, aber nicht mehr weiter. Wie ein Gespenst stieg hier eine strafende Erinnerung aus dem Boden; dies war die Stelle, wo der Diener ihrer Mutter sie angerufen und vor das Sterbelager gefordert hatte. Unter der ersten Tanne rechts vom Fusswege nach Kirchberg sank Nesa zusammen und gab den Geist auf. Aber diesem Geiste versagte eine höhere Macht die Pfade in die jenseitige Welt. Die Träne einer sterbenden Mutter verschloss ihr den Himmel; das Gebet der sterbenden Mutter verschloss ihr den Ort der Strafe und der Reinigung. So blieb die Seele festgebannt an den Ort, wo sie aus dem Körper getreten war. Sobald die Dämmerung in Nacht überging, sah der Vorbeigehende ein weibliches Wesen unheimlichen Aussehens unter der Tanne sitzen. Alter oder Sünde und Not hatten tiefe Furchen in das Antlitz gegraben, und das lauernde Feuer der Augen zog unwillkürlich jedes Herz enger zusammen. Diese weibliche Gestalt war die hingeschiedene Nesa, war jene arme Seele, die so übel ihren Lebenspfad gewählt hatte. Die verirrte Seele Nesas behielt aber die bösen Neigungen bei. Wenn immer ein des Weges unkundiger Wanderer das unter der Tanne sitzende Weibchen um den rechten Pfad nach Wolfikon und Kirchberg fragte, so schoss ein blitzartiges Leuchten aus ihren Augen, und sie wies ihm einen. Wehe ihm, wenn er der Weisung folgte. Stundenlang irrte er in den Waldungen umher und holte sich bei stürmischer Witterung im Sommer Krankheiten, im Winter den Tod. Die nähern Anwohner waren daher bald über die eigentliche Natur des weiblichen Wesens unter der Tanne aufgeklärt; sie warnten ihre Kinder und Hausgenossen, in der Dunkelheit bei der gespenstischen Stelle vorbeizukommen, und wenn das Fessfräulein unter der Tanne sitze, sollen sie ja keine Frage an dasselbe richten, ja nicht auf dasselbe hören, sondern fromm das Kreuz schlagen und rasch vorbeieilen. Wohl errichtete eine fromme Hand, der Nesas Geschichte bekannt war, das Bildnis der Gottesmutter an der Tanne, unter welcher das Fessfräulein seinen Sitz hatte; sie hoffte damit die Kraft jener letzten Träne der Mutter Nesas aufzuheben und der Seele der Tochter den Weg ins Jenseits zu bahnen. Vergebens! Noch Jahrhunderte lang übte das Fessfräulein sein unheilvolles Wesen. Noch jetzt leben Leute, die seine Erscheinung wahrgenommen haben wollen. Da geschah es, dass an einem stürmischen Winterabend ein Mädchen von 18 Jahren den Fussweg hereilte. Angst und Wehmut malten sich in seinen Zügen; sein Schritt war eilig. Da plötzlich stund es am Eingang der Fesswaldung stille; es wusste nicht, welchen Weg es zu wählen hatte. Es blickte um sich, und sieh da, unter der ersten Tanne sass ein altes Weibchen, das ihm zunickte. "Um Gottes willen," rief das Mädchen, "wo geht man nach Wolfikon?" Das Weibchen blickte das Mädchen eine Zeit lang an. Gerade in diesem Alter und Schmuck der Jugend war Nesa gewesen, als sie den Pfad der Abwege betreten hatte. Es schien, als wollte sich dem Geiste Nesas ihr eigenes früheres Bild vor Augen stellen. Endlich aber zuckte das unheimliche Feuer aus dem Auge des Weibchens; stumm erhob es den Arm und wies den Pfad — es war der falsche. Schon wollte sich das Mädchen dahin und damit in sein Verderben stürzen. Da blickte es noch einmal das Weibchen an und sah das Hohnlächeln auf dessen Lippen. "Um Gottes Barmherzigkeit willen," rief das Mädchen; "wenn Ihr selbst das Fessfräulein seid, erbarmt Euch und zeigt mir den rechten Weg. Die Mutter liegt auf dem Sterbebette und möchte mir noch ihren Segen geben! O, bringt mich nicht um mein Heil, ich habe sonst nichts; bringt die Mutter nicht um den letzten Anblick der Tochter! Mensch oder Geist! Gott wird es Euch vergelten!" So sprechend und die Hände ringend, kniete sie vor dem Weibchen nieder. Das Weibchen blieb längere Zeit stumm; endlich brach ein Lichtstrahl aus seinem Auge, aber ganz ein anderer als früher; es war ein milderes, ein vertrauenerweckendes Licht. Sie erhob den Arm und zeigte der Flehenden einen andern, den rechten Pfad, und das Antlitz wurde dabei so mild, dass das Mädchen ohne den mindesten Zweifel forteilte. Nun war aber auch die Stunde gekommen, welche Nesas Seele gereinigt und befreit hatte. In diesem Mitleide mit dem Geschicke eines Mädchens, das zur sterbenden Mutter eilte, hatte sie ihr eigenes Verbrechen gesühnt, und ihr Geist erhob sich nun in andere Räume. Wohl besteht zur Stunde noch das Marienbild an einer Tanne beim Eingange in den Fesswald, wohl eilen jetzt noch die Wanderer scheu an dieser Tanne vorbei; — dennoch wurde das Fessfräulein von keinem Menschenauge mehr erblickt.                                                                C. G. J. Satter. (Chronik von Wil, St. Gallen, Scheitlin & Zollikofer, 1864.) Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 458, S. 270 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Ahasver (C. Kohlrusch) by (C. Kohlrusch, Sage, Basel)

Ahasver (C. Kohlrusch)

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Basel)

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Als Ahasver auf seiner ewigen Wanderung zum ersten Male die Alpen überschritt, und zwar kurze Zeit nach seiner Verfluchung, wählte er die Grimsel zum Uebergangspunkte. Entfesselt bis zu ihren Quellen, welche aus dem Schoos der Berge hervorbrachen, rauschten Rhone und Aare, und wie jetzt an dem fröhlichen Rheinstrome, lebte ein munteres Geschlecht an ihren Ufern. Die sonnigen Berge waren umkränzt von Reben, Eichen und Buchen wiegten ihre grünen Häupter in den lauen Winden einer warmen Luft, und Scharen von Singvögeln belebten die dichten Waldungen. Hinter Obstbäumen versteckt, ragten stattliche Dörfer inmitten des fruchtbaren Geländes. Wo der Wanderer anpochte, trat man ihm entgegen und lud ihn gastfreundlich ein, sich zu erquicken an dem edlen Weine, den die Halden in überschwenglicher Menge lieferten. Aus den hellen Wohnungen, den frischen Gesichtern der Kinder wie der Alten, glänzte das Wohlbehagen. Aber nicht weilen durfte der Unglückliche in dem Lande des Glückes; sein irrer Fuss trug ihn weiter nach dem Norden. Mancher Jahreswechsel war über des nimmer ruhenden Haupte dahin gerauscht, und er fand sich wieder in der Nähe der Alpen. Er gedachte des glücklichen Volkes, das er damals getroffen, der gewinnenden Herzlichkeit, womit er empfangen und erquickt worden war, des schönen Landes, das er damals durchstreifte. Er beschloss, sein Herz noch einmal an dem Anblicke zu laben. Aber düstere Ahnungen beklemmten seine Brust, als er die Maienwand hinan schritt. Dicker Nebel verbarg ihm das umliegende Land. Droben angelangt, sah er ihn zerstieben von einem gewaltigen Windstosse der aus dem Haslitale hervorbrach. Er glaubte verirrt zu sein. Dunkle Fichtenwälder bedeckten die steilen Flanken des Gebirges, die hohen Stämme knarrten unter der Wucht des Sturmes, der ihre Wipfel schüttelte, und heisere Raben und lichtscheue Eulen begleiteten mit misstönendem Krächzen und wimmerndem Klageton das Geheul des Windes in den finstern Klüften. Er suchte lange vergebens menschliche Wohnungen; endlich fand er ein paar Hütten, dann wieder etliche. Die Köhler, welche sie bewohnten, ein gutmütiger, aber ernster und schweigsamer Stamm, teilten mit ihm was sie hatten, schwarzes Brot und Bier, aus den jungen Sprossen der Tannen gebraut. Abermals, nach vielen Jahren, betrat der ewige Jude das bekannte Gebirge. Der Pfad, den er früher gewandelt, war verschüttet. Kein Vogelgesang, kein Rabengekrächz schallte ihm entgegen. Ueber kahle, nackte Felsen strauchelte sein Fuss, hier und da nur grünte ein spärlicher Grashalm. Todesschweigen herrschte, nur manchmal pfiff in durchdringendem Tone das scheue Murmeltier. Und an den Bergeshalden, wo früher Reben gegrünt und Eichen das lockige Haupt gewiegt hatten, an denselben Halden, die später Fichten getragen, da hingen jetzt mächtige Eismassen herab, und die wilden Schluchten waren erfüllt von gigantischen Gletschern. Aus dem Schnee aber ragten zerrissene Felsnadeln in finsterer Majestät, welche sich gen Himmel zu schwingen schiene und den eisigen Winden trotzten, welche um ihre Gipfel schnoben. Vom Menschen sah Ahasver keine Spur, und er, der Verfluchte, war das einzige Wesen dieses Geschlechtes in der Gegend, die mit ihm unter ähnlichem Fluche zu seufzen schien. Und Ahasver setzte sich auf einen Stein in der Tiefe des Thales, wo ringsumher die Felswände ihn einschlossen und weinte, und seine Tränen schwollen an, und als er erleichterten Herzens den Rücken wandte, um in das Hasletal hinabzusteigen zu bewohnten Gefilden, hatten die Tränen einen kleinen See gebildet. Dessen Wasser sind, trotz der vielen Zuflüsse aus den Gletschern umher, warm, wie die ersten Tränen Ahasver's. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Ahasver (H. Hartmann) by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Ahasver (H. Hartmann)

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Als Ahasver auf seiner ewigen Wanderung zum erstenmal die Alpen überschritt, wählte er die Grimsel zum Übergangspunkte. Entfesselt bis zu ihren Quellen, welche aus dem Schosse der Berge hervorbrachen, rauschten Rhone und Aare. Wie jetzt an dem fröhlichen Rheinstrome, lebte ein munteres Geschlecht an ihren Ufern. Die sonnigen Raine waren umkränzt von Reben und Eichen. Buchen wiegten ihre grünen Häupter in den lauen Winden einer warmen Luft und Scharen von Singvögeln belebten die dichten Waldungen. Hinter Obstbäumen versteckt, ragten stattliche Dörfer inmitten des fruchtbaren Geländes. Wo der Wanderer anpochte, trat man ihm freundlich entgegen und lud ihn gastfreundlich ein, sich zu erquicken an dem edlen Weine, den die Halden in überschwänglicher Menge lieferten. Aus den hellen Wohnungen, den frischen Gesichtern der Kinder wie der Alten, glänzte das Wohlbehagen. Aber nicht weilen durfte der Unselige in dem Lande des Glückes; sein irrer Fuss trug ihn weiter nach Norden. Mancher Jahreswechsel war über des nimmer Ruhenden Haupt dahingerauscht. Da fand er sich einst wieder in der Nähe der Alpen. Er gedachte des glücklichen Volkes, das er damals getroffen, der gewinnenden Herzlichkeit, womit er empfangen und erquickt worden war, des schönen Landes, das er ehedem durchstreift. Er beschloss, sein Herz wieder einmal an dem Anblicke zu laben. Aber düstere Ahnungen beklemmten seine Brust, als er vom jungen Lauf der Rhone die Maienwand zur Passhöhe der Grimsel hinanschritt. Dicker Nebel verbarg ihm das umliegende Land. Droben angelangt, sah er ihn zerstieben vor einem gewaltigen Windstosse, welcher aus dem Haslital hervorbrach. Er glaubte verirrt zu sein. Dunkle Fichtenwälder bedeckten die steilen Flanken des Gebirges, die hohen Stämme knarrten unter der Wucht des Sturmes, der ihre Wipfel schüttelte, und heisere Raben nur und lichtscheue Eulen begleiteten mit misstönendem Krächzen und wimmerndem Klageton das Geheul des Windes in den finstern Klüften. Er suchte lange, lange vergebens nach menschlichen Wohnungen. Endlich fand er ein paar Hütten, dann wieder etliche. Die Köhler, welche dieselben bewohnten, ein gutmütiger, aber ernster und schweigsamer Stamm, teilten mit ihm, was sie hatten, schwarzes Brot und Bier, aus den jungen Sprossen der Tanne gebraut. Abermals, nach vielen Jahren, betrat der ewige Jude das bekannte Gebirg. Der Pfad, den er früher gewandelt, war verschüttet. Kein Vogelgesang, kein Rabengekrächz schallte ihm entgegen. Über kahle, nackte Felsen strauchelte sein Fuss. Hie und da nur grünte ein spärlicher Grashalm. Todesschweigen herrschte ringsum. Selten nur pfiff in durchdringendem Tone das scheue Murmeltier. Und an den Bergeshalden, wo früher Reben gegrünt und Eichen das lockige Haupt gewiegt hatten, an denselben Halden, die später Fichten getragen, da hingen jetzt mächtige Eismassen herab, und die wilden Schluchten waren erfüllt von gigantischen Gletschern. Aus dem Schnee aber ragten zerrissene Felsnadeln in finsterer Majestät, welche sich gegen den Himmel zu schwingen schienen und den eisigen Winden trotzten, die um ihre Gipfel schnoben. Von Menschen sah Ahasver keine Spur, und er, der Verfluchte, war das einzige Wesen dieses Geschlechts in der Gegend, das mit ihm unter ähnlichem Fluche zu seufzen schien. Ahasver, so berichtet die Sage, setzte sich auf einen Stein in der Tiefe des Tales, wo rings um ihn herum die Felswände ihn einschlossen und weinte. Es war zum ersten Male, dass er sass, zum ersten Male, dass er weinte, und seine Tränen schwollen an, und als er erleichterten Herzens den Rücken wandte, um in das Haslital hinabzusteigen zu bewohnten Gefilden, hatten die Tränen einen kleinen See gebildet. Dessen Wasser sind, trotz der vielen Zuflüsse aus den Gletschern, warm wie die ersten Tränen Ahasvers. Wer weiss, wenn er jetzt herabstiege auf dem gewundenen Pfade von dem Totensee her, dem stillen Grabe der treuen Österreicher, die dort den Felsenpass furchtlos verteidigten gegen das gewaltige Anstürmen der zerlumpten französischen Freiheitsapostel, wer weiss, wenn er dann dort unten den hohen Schornstein rauchen sähe und die freundlichen Fenster eines Hospizes im Sonnenscheine blinken, wenn das Gebell der Hunde an sein Ohr schlüge, würde er sich dann nicht vielleicht die Augen reiben, und sich die Gegend ansehen und zweifeln, ob es dieselbe sei, oder ob nicht neuerdings eine bessere Zeit bis in die höchsten Berge des Oberlandes hinaufgestiegen sei? Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Ahasver`s Ruheplatz by (C. Kohlrusch, Sage, Bern)

Ahasver`s Ruheplatz

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Bern)

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Dort, wo sich wild und schauerlich im Aargletscher in tiefer Eiskluft zwischen dem Lauteraarhorn und den Wetterhörnern jene düstere Felsenhöhle öffnet, die, eine Zufluchtsstätte der Gemsenjäger, unter dem Namen "die Jägerhütte" bekannt ist, war der Ruheplatz Ahasver's, kam er auf seiner ewigen Wanderung nach der Schweiz, dem einzigen Lande auf Erden, wo der im Zorn noch gnädige Gott seinem irrenden Fuss eine kurze Rast gegönnt hatte. Dort, so berichtet die Sage, habe er, nachdem er bei seinem ersten Kommen an jener Stelle unter schattiger Rebenlaube, das zweite Mal aber in dichtem Waldgebüsch geruhet und endlich beim dritten Mal seinen Ruheplatz voll starrem Eis umgeben, und nichts als Schnee- und Eisfelder angetroffen habe, kündend prophezeit: er werde zum vierten Male wieder kommen; dann aber werde ein einziger Gletscher sein was vom Brienzer See weg bis nach Wallis hinauf jetzt noch fruchtbares Talgelände, grüne Matte und grasreiche Alp ist und auf ewigem Eis werde er von da aus wallfahrten und die Stätte aufsuchen müssen, wo allein er findet, was ihm sonst überall auf Erden versagt ist - Ruhe für seinen müdgehetzten Leib. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Äina mid Widerhooren by (M. Sooder, Sage, Bern)

Äina mid Widerhooren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äis ischd äina bin enem läärren Hüüs verbii; döö hed äina zem Pfäischter üüsagseen; där hed Widerhoore ghäben. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Allerlei vum Gäismäitli by (M. Sooder, Sage, Bern)

Allerlei vum Gäismäitli

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äs hed ubergrääwwd ghäben; da wän äina gägem stäinigen Eggelti ggangen. Im Schnee ischd es Gspoor gsiin wee vun arra Gäis. As sii Tritta gsiin vum Gäismäitli. A Chääserstatt häi rra ds Gäismäitli o gseen. I Fäldhublen isch'sch uf enem Hubelti gsässen und hed ds Haar gfträäld. Äs gäid mengsmal allem Alpbach naa abhi bis i d'Schnägge-w- wäid; aber den gid's läids Wätter. Äs ischd äina gäge Schlafbeelen hinderhi. In Nellen ob em Wäg ischd es Mäitli gsiin; altvätrisches Gwand hed's aghäben, und äs wä gsiin, as wes z'Gsteli wän. Är hed im bbreeled, ob er im selli hälfen. Döö hed's taa-w-wee wild ung glached; äs ischd ds Gäismäitli gsiin. En Haslibärger hed uf dr Schiirwittri es Bäichelli dartaan. Ds Gäismäitli hed das erseen und ischd all Tag uf dee Wittri chun; den isch'sch uf das Bäichelli gen hocken und hed ds Haar gsträäld. Döö häim Bööben ds Bäichelli furtgschrissen; aber am Tag derna ischd ds Bäichelli umhi dar gsiin. Undrem Loibstock ischd es Gööd, am Beel säid ma-m-ma. Äs stäid e Schiir drüüf und es Wäidhüüsli. Äis sii s' mid dem Vee da gsiin. D'Chääsmilch häi si in enem Bittelli im Chuchelli ghäben. Döö ischd äis us em Wald abha ds Gäismäitli chun; äs ischd bim Hüüsli zööhi ggangen, ischd i ds Chuchelli inhi, hed us em Bittelli Chääsmilch trüühen und trüühen und ischd derna umhi gäg em Wald embrüüf ggangen. Rüüggitriini hed gsäid, we's es Gäismäitli gäbi, häigi äs ses am Gwärtler gseen. As siigi an arra Fure ghocked und häigi e wiissi Schniggellen mid schwarze Tupfe ghäben. Das hed's gööd chennen gän; näin, göss, äs ischd nid alls Trug, was ma gseed. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Allerlei Zauber (Mundart) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Allerlei Zauber (Mundart)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Der alt Mingli im Fäld ist au ä souä halbä Zauberer gsi; er hat chünnä Muschelä vertribä, boggermint! Und gägä d'Häxä hat er im Chüestall mit Wichtwasser gfochte. D's Bärtsche Wib im Jude-Winggel hat ämoul zuoä üs Chinde gseit, wiä mär ä Trüllwind gsieh hind uff der Strouß Hälmli und Staub uftribe: "Stupfend ämel be Lib und Labe nit dri; er chüntend chrumm und lahm würde!" Im Trüllwind hind d'Häxä tanzet.  Und wümme-n-ä Hagelstei undersuecht, findt me schiär allimoul ä Höürli dri. Das hind d'Häxä dri tua vu dem Hour, wou die usubere Jumpfere nouem Streilä statt in d's Für zum Pfister ussi flügä luh hind. Albrecht, Erinnerungen.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 182, S. 85f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alles glaubt der König doch nicht by (Schweiz, Novelle, Bern)

Alles glaubt der König doch nicht

Source: (Schweiz, Novelle, Bern)

Category: Kategorie: Novelle / ATU-Nr: 852

Es war einmal ein König, der glaubte alles, was man ihm erzählte. Er versprach demjenigen, der ihm etwas sagen würde, was er nicht glauben könnte, die Hand seiner Tochter und seinen Thron. Da kamen Leute aus allen Ländern der Welt und schwatzten ihm allerlei Lügen vor, die er alle glaubte. Eines Tages aber reiste ein Handwerksbursche namens Hans durch dieses Land und als er vom Versprechen des Königs hörte sagte er sich: "Ich will hier mein Glück versuchen". Er ging zum König und sprach: "König! Ich will dir etwas sagen, das wirst du nicht glauben." „Gut“, sprach der König, "wenn ich aber alles glaube, was du erzählst, so verlierst du deinen Kopf." Der Bursche war einverstanden und begann zu erzählen: „Ich ging einmal auf das Feld und säte ein paar Körner Hanf aus und dieser wuchs und wuchs, so hoch wie ein Kirchturm.“ „Das glaube ich dir“, sprach der König. „Ich kletterte am Hanfstängel hinauf, denn er war stark und dick und wuchs kerzengerade in die Höhe,“ erzählte Hans weiter. „Als ich ganz oben war, konnte ich Städte und Dörfer, Wiesen und Wälder, Berge und Täler, Bäche und Flüsse sehen. Aber ich hinabklettern wollte, liess ich den Hanf los, stürzte herab und fiel zwanzig Fuss tief in die Erde hinein. Vor lauter Schrecken lief ich nach Hause, holte mir einen Schaufel und grub mich aus." „Das glaube ich dir“, sprach der König.“ Am nächsten Tag“, sprach Hans weiter, „ging ich wieder zu dem Hanfstängel und er wuchs bereits bis in den Himmel. Ich wollte schon immer den Himmel besuchen, deshalb kletterte ich hinauf und brauchte dafür ein ganzes Jahr. „Das glaube ich dir“, sprach der König. „Da war es aber so schön , Engel flogen in der Luft umher und sangen wunderschöne Lieder und Lobgesänge, ich sah viele alte Bekannte, die alle mit den schönsten Kleidern angetan waren und in silbernen Kutschen herumfuhren. Meine geliebten Eltern aber sassen in einem goldenen Wagen. Aber als ich weiter ging, o König, da sah ich deinen Vater. Er war mit Lumpen bedeckt und hütete Herde Schweine!" „Das ist nicht wahr!", schrie der König wütend. „Wenn du es nicht glauben willst, dann denke an dein Versprechen!“ rief Hans da lachend. Da musste ihm der König die Tochter zur Frau geben, denn alles glaubt der König nicht.   Märchen aus der Schweiz, Fassung Djamila Jaenike, nach: T. Vernaleken, Kinder- und Haumärchen in den Alpenländern, Wien 1863 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Allmend zu Eigen eingeschlagen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Allmend zu Eigen eingeschlagen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Es geschah vor etwa 6–7 Jahren in der Gemeinde Geschenen, dass ein Geissbub öfters an einer bestimmten Stelle in der Nähe von Abfrutt »än altä tügg-lychätä-grawä Ma i bluttä Fiëssä, ohni Tschopä« antraf. Er kam auf die Idee, das sei eine arme Seele, und auf den Rat seines Pfarrers fragte er sie eines Tages an, was ihr fehle und wie ihr zu helfen sei. Er behielt sich aber das erste und letzte Wort vor. Der Geist bekannte, er habe während seines irdischen Lebens jedes Jahr den Hag um sein Eigentum um Handbreite auf die Allmend hinausgeschoben. Dafür leide und wandle er hier schon 100 Jahre, und weitere 100 Jahre stehen ihm bevor, wenn nicht jemand 70 Messen, darunter eine bestimmte Anzahl in der alten St. Kolumbanskirche zu Andermatt und die andern ebenfalls in zwei genau bezeichneten Kirchen für ihn lesen lasse. Sein Wunsch wurde erfüllt. Die Leute steuerten zusammen, und der Geissbub gab sogar von seinem Göttigeld. Der Geist erschien nicht mehr. Aber der Geissbub starb genau ein Jahr später, wie es ihm der Geist gesagt. Fr. Wipfli-Baumann u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alls z' underoben! by (M. Sooder, Sage, Bern)

Alls z' underoben!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äs hed afan üüstagellen; o im Bärgen hed's afan aabren. Döö sii rra an Engschtlen und siin in en Hitten; aber wee hed das drigseen! Alls ischd hooggis um bbooggis direnandre gsiin; ds Chääslad z' underoben; dr Schottetrog umgwelbta; d'Bäich abenandren; egghäis gottsiigs Dingelli ischd mee am Ort gsiin. Da häin doch vil Liit gloibd, das siigi eppes vum Engschtlemmäitli; aber dr meer Täil hed wellen han, äs siigi vum Wasser und vum Gfreerren. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Alpgespenst auf Oberalp by (Alois Lütolf, Sage, Uri)

Alpgespenst auf Oberalp

Source: (Alois Lütolf, Sage, Uri)

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Zu einer verlassenen Sennhütte in der Oberalp bei Urseren kamen mehrere Jäger. Es war schon Spätherbst und das Vieh aus der Alp. Sie mussten hier übernachten und schürten mitten in der Hütte ein Feuer. Da fing es aber auf dem Dache furchtbar zu lärmen und rumpeln an. Die Jäger geboten ernst und herzhaft Ruhe, sie drohten sogar; umsonst. Einer nahm endlich seinen Stutzer und schoss an den Ort, wo das wilde Ding sein sollte und auf den Schuss fiel etwas wie eine Kuhhaut herab. Zugleich entstand ein so unheimliches Geschrei, dass es den Jägern durch Mark und Bein ging und sie für gut fanden noch bei der Nacht den Ort zu verlassen. Andermatt zueilend, über eine halbe Stunde weit hörten sie den schrecklichen Schrei. Was es gewesen, konnten sie nie erfahren.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.  


Alpgespenst und Oberhaupt by (Josef Müller, Sage, Uri)

Alpgespenst und Oberhaupt

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Auf Seelegg im Maderanertal standen zwei Hütten nahe beieinander, die eine etwas höher als die andere. Die obere war zerfallen und nicht mehr im Gebrauch; niemand wagte es, sie zu betreten, denn darinnen hauste »Einer«, der sich von Zeit zu Zeit auf dem Jützstein in der Nähe der Hütten sehen liess. Eines Tages kam es dem baumstarken Küher und dem Tinner in den Sinn, das Gespenst zu reizen; sie stellten sich vor die Hütte und riefen: »Wennd eppis mit d'r isch, sä chumm, m'r wennd's scho mit d'r üssmachä!« In der Hütte regte sich nichts. Sie wiederholten die Herausforderung; auch jetzt blieb es still. Das gab ihnen Mut, und sie schrien noch lauter und lachten höhnisch. Jetzt aber nach der dritten Herausforderung, da ging plötzlich die Hüttentüre auf, und das Gespenst sprang heraus, ergriff zwei »hämpflige« Steine und zerrieb sie zu Staub und Asche, feiner als Mehl, indem es dabei den Frechlingen zuschrie: »Wenn ds Oberhäupt (d.h. der Senn) däby wär, sä tät-ech all dry zerrybä wië dië Stei.« Frau Tresch, Lungenstutz, u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alpheuer by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Alpheuer

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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In den Bergen bei Flums lebt ein Riese, der Alpheuer. Wenn das Wetter umschlägt, hört man ihn droben jauchzen und jodeln. Dr. Henne-Am Rhyn, Deutsche Sage. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 309, S. 174 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alpveränderungen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Alpveränderungen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Unsere Alpen waren vor alten Zeiten viel höher hinauf und stärker befahren als heutzutage. An vielen Orten, wo gegenwärtig nur noch Schafe und Ziegen weiden, wurden damals Kühe aufgetrieben. So weideten nach der Sage die Älpler auf Firnen ennet der Märcht mit einem Sennten Kühe auf dem untern Geissberg, wo man wirklich noch heute Spuren von ehemaligem Gemäuer sieht. Einmal wurde das Sennten von einem Hagelwetter überrascht. Das erschreckte Vieh stürmte wild der jähen Fluh zu. In dieser Not hängte sich der mutige Hirt an den Schellenriemen der vorausstürmenden Trinkelkuh, um diese und mit ihr die folgende Herde zurückzuhalten. Aber es war umsonst. Sie riss ihn in unaufhaltsamem Lauf mit sich fort und über die jähe Wand hinaus, und ihr nach stürzte die brüllende Herde über den mehr als 100 Meter hohen, senkrechten Felsen in die Gorplangg hinunter und zerschmetterte. Pfr. Jos. Arnold u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alraune by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Alraune

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Dass mit der Alraunwurzel früher viel Zauber getrieben worden, ist allbekannt. Man schnitzte aus derselben allerlei menschliche Figuren, die man für zauberkräftig hielt. Im Werdenbergischen hielt man den Alraun auch für ein wirklich existierendes katzenartiges Tier, welches dem Hause Glück und großen Reichtum bringe. Nach N. Senn, Chronik.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 118, S. 57 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alraune und Hühnerei by (Josef Müller, Sage, Uri)

Alraune und Hühnerei

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Rellis einer, von Bürglen, trachtete beständig nach einer Allarunä. Endlich wurde ihm geraten, er solle von einem brandschwarzen Huhn das erste Ei nehmen und es unter einer – ich weiss nicht, ob der rechten oder der linken – Achsel tragen, bis das Junge ausschlüpfe; das werde dann die gewünschte Alraune sein. Er liess sich solches nicht vergebens raten und trug wirklich eine Zeitlang ein solches Ei »under der Üx«. Zufällig fiel es ihm aber einmal bei der Arbeit herunter und zerbrach. Und da heig scho eppis Läbigs dri gweiggelet, im Dotter, eppis Brandschwarzes; da heig nimmä vill gfählt, sä wärs üsschu. Theresia Gisler, 73 Jahre alt, Spiringen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alraunen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Alraunen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. »Allarünä sind grasgriäni Freschli, mä findet-s' mängisch mitzt i dä Mattä-n-innä und mängisch a dä Haselstüdä. Da hennt-si alligs g'seit, diä tiäget Gäld schyßä.« 2. In einem Hause in Seedorf kehrte eines Abends ein Fremder ein, und der sprach unter anderm auch von den Alraunen. Am Tage darauf mähten Tochter und Mutter aus diesem Hause miteinander in ihrem Mattli. Da kamen der Tochter die Alraunen in den Sinn, und sie dachte bei sich: »So eini mecht-i etz doch äu g'seh!« Im gleichen Augenblick sprang ihr eine auf die Sense. Die Mutter sah das und liess einen Schrei ab. Dann wandte sie sich zur Tochter und sagte: »Dü! das isch ja än Allarünä! dü müesch eppis darnah' tänkt ha, dass d'r diä grad uff d'Sägäsä springt.« Die Tochter bekannte ihren Gedanken und erhielt von der Mutter einen scharfen Verweis. Das Tier wollte aber nicht mehr weg; sie mussten den Geistlichen holen. Kath. Tresch-Gisler, 80 J. alt 3. Ein armes Mädchen diente in der Fremde. Nach längerer Abwesenheit kam es wieder einmal heim zu seinen lieben Eltern, und da erzählte es, es habe jeden Morgen einen Frosch mit Blut zu hirten. Das gefiel den gottesfürchtigen Eltern nicht, und sie liessen die Tochter nicht mehr in diesen Platz zurückkehren. Franziska Kruog, 70 J. alt, Wassen, u.a. 4. Wenn man im Namen »aller Rünä« unter einer Weisshaslen gräbt, bekommt man Geld. A. Fedier, Bristen 5. Dä-n-Allarünä miäß mä-n-all Tag bützä-n- und schorä wiä amm-änä Chind. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alrünäbiächli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Alrünäbiächli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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»Z'Fliälä hed Einä-n-äs Alrünäbiächli gha. Da hed är de nur miäßä z'hindervir dri läsä. Und darnah, won-ner zum erschtä Mal dri gläsä het, syg uff der Rüeßdili obä grad ob-em züechä uf einisch doch äu äs hüerä G'rimpel und Gschytter losggangä. Nu, är isch üfä ga lüegä, und da syg wirkli ä schwärä Hafä dobä gstandä. Är het 'tänkt: ›Da ha-n-i etz ämal einisch gnüeg,‹ und isch mid-em appä-n-iber Stägä und hedä-n-ab'teckt. Aber da syg doch furchtbar und schytzli äs wiäschts Tiär obä drüff ghocket. Är isch ämal äso erchlipft, dass er sitdem syner Läbtig gstigglet het. I ha-n-ä nu sälber 'kännt.« Kath. Arnold-Muheim, 90 J. alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alt Bichelsee by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Alt Bichelsee

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Alt Bichelsee Die Burg Bichelsee stand einst dort, wo sich heute noch auf der Südseite des Seeleins ein waldiger Hügel erhebt. Gegenüber, auf dem Haselberg, stand zu gleicher Zeit ebenfalls eine Burg. Die beiden Burgherren galten als gute Freunde und sie verabredeten, dass jeder dem andern Hilfe bringen solle, wenn er ihrer bedürfe. Sie rieten hin und her und auf und ab, wie sie einander heimlich Mitteilung zukommen lassen könnten, ohne selbst die Burg verlassen zu müssen, und da kam ihnen ein glänzender Einfall. Sie liessen von Burg zu Burg eine Kette spannen und richteten ein Eichhörnchen ab, das die Briefe über diese luftige Brücke von Haus zu Haus tragen musste. Wie lange diese Post betrieben wurde, steht aber nirgends zu lesen. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland Nater, Geschichte von Aadorf und Umgebung, Frauenfeld 1898   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alt-Wülflingen by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Alt-Wülflingen

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Alt-Wülflingen Auf Alt-Wülflingen hauste als letzter Bewohner der Raubritter Graf Hugo. Seine Gemahlin war eine Edle von Multberg. Sie ertrug das Unwesen ihres Mannes aber nicht und starb vor Kummer in jungen Jahren. Die beiden Kinder, die sie zur Welt gebracht, Karl und Albina, gab der Vater seinem Bruder, der Abt war im Kloster Bodman am Bodensee, in Pflege. Karl wurde in der dortigen Klosterschule erzogen, während Albina in ein geistliches Stift jenseits des Sees kam. Der Bruder besuchte die Schwester oft, indem er mit dem Ruderboot über den See fuhr. Eines Tages wurde er vom Sturm überrascht, aber vom Fischer Martin gerettet. Albina hatte der Bergung zugeschaut und ein Gelöbnis getan. Sollte der Bruder durch ihr Gebet errettet werden, so wolle sie ihr Leben dem geistlichen Stande weihen. Nach der wunderbaren Rettung pflegte des Fischers Tochter Angelika den jungen Grafen gesund. In der Zwischenzeit hatte Hugo sein Räuberwesen übler getrieben denn je. An einem Maisonntag überfiel der sogar das Dorf Wülflingen, just als die Leute im Gottesdienst waren. Durch das Geschrei aufgescheucht, stürmten die Männer aus der Kirche, rissen auf dem Friedhof die eisernen Kreuze aus und schlugen auf das Raubgesindel ein, das Raub und Leben lassen musste. Die erschlagenen Freunde  wurden im Kirchhof begraben, und man pflanzte zu ihrem Gedächtnis auf ihren Gräbern einige Trauerweiden. Diese wurden aber später bei einer Friedhofänderung weggeschafft. Den Grafen und seine Reisigen verscharrte man auf der Walstatt und setzte an die Stelle eine Linde, die (1850) noch grünte. Die Burg wurde vom Volk gestürmt und verbrannt. Seither wurde in Wülflingen alle Jahre der erste Maisonntag als festlicher Tag von der Dorfjugend gefeiert, an jener Stelle, wo der Tyrann erschlagen worden ist. Eine prächtige, mit Blumen, Bändern und Kränzen geschmückte Tanne wurde auf der ehemaligen Walstatt aufgestellt. Das Dorffest nannten die Wülflinger den Maientrunk. Nach Jahren, als die Kinder des Grafen Hugo erwachsen waren, kehrten sie auf das väterliche Erbe zurück, und da sie gute Menschen waren, halfen ihnen die Würfliger ein neues Haus, die Burg Hoh-Wülflingen bauen, welche im Volksmund  die Neuburg genannt wurde Diesen Namen erhielt auch der dazugehörige Hof im Tal unten. Karl heiratete die Schifferstochter Angelika. Albina erbaute unweit der Neuburg das Klösterlein auf dem Beerenberg. Für Angelikas Bruder, Hartmann, welcher mit der Schwester ins Tösstal kommen musste, baute Karl am Fluss eine Mühle, die Bodmanns- oder Bodmers-Mühle geheissen wurde, weil eben Hartmann vom Bodensee kam. Seine Nachkommen bilden das jetzt noch lebende Geschlecht der Bodmer. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Winterthur und Weinland Republikaner-Kalender 1850, S. 54, Titel: Die Schlossruine Alt-Wülflingen (eine Volkssage). Die Gchr. Wülflingen 1920 kennt die Sage, wenn auch vereinfacht. Man vernimmt, dass die Sitte, einen Freiheitsbaum aufzustellen, im Jahre 1868 zum letztenmal ausgeübt wurde. Nach der Volksmeinung hat der Brauch seinen Ursprung in der Feier des Burgenbruches. Die erschlagenen Grafen sollen mit 200 Dienstmannen in voller Rüstung unter jener Mauer vergraben sein, welche die Jahrhunderte alte Dorflinde umgibt. - Der Knabenverein holte jährlich die grösste Tanne des Kirchholzes und pflanzte sie am 1. Mai auf dem Lindenplatze auf. Sie wurde mit Kränzen und Bändern geschmückt und es herrschte bescheidene Fröhlichkeit. Am 2. Mai zogen dann die Knaben mit den Töchtern Arm in Arm nach Pfungen, Töss oder Neftenbach. Es ging einfach zu! Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alte Burg bei Waldhausen by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Alte Burg bei Waldhausen

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Der Bauernhof Waldhausen liegt zunächst beim Dorfe Fisibach auf einem kleinen Berge, über den die Kantonsgrenze des Aargauer-und Züricher Landes geht. Hier stand eine Raubburg von solcher Festigkeit, daß man ihr mit Gewalt nichts anzuhaben vermochte. Die Bauern kamen daher auf den Gedanken, oberhalb des Schlosses einen Stollen in den Berg zu treiben und darinnen die Grundfesten der Burg zu unterwühlen. Dies gelang, die stolze Burg stürzte ein, die Räuber wurden unter dem Schutt begraben, mit ihnen aber auch alles Geld und Gold, das sie den Talleuten abgepresst hatten. Da nun in der Nacht eines jeden Karfreitags sich alles Verwünschte wieder regen muß und darum befragt sein will, wie man es erlösen könne, so gingen auf dieses Ziel einige kecke Männer an den Burgstal, taten ihre Anfrage und erhielten alsbald den gewünschten Aufschluß. In der nächsten Nacht am Karsamstag müsse man weißgekleidet hieher kommen und den Marchstein ausheben: unter ihm liege ein Schlüssel, der die Eisentür öffne, hinter welcher der ganze Schatz stecke. Mit dem Nachgraben habe man fertig zu sein, bevor es im Städtchen Kaiserstuhl zu Christi Auferstehung läute, und mit den Schatztruhen müsse man unter Dach kommen, ehe das Morgenläuten beginne; die eine Kiste könne man gegenseitig verteilen, die andere müsse für gute Werke verwendet und zu Kirchenzwecken geopfert werden. Sprechen dürfe bei allem keiner ein Wort. Die Männer führten dieses ohne Schell und Fehler aus. Sie fanden Schlüssel, Eisentüre und Schatztruhen. Am allerschwersten war's, letztere fortzuschleppen; doch kamen sie auch damit heim. Als der vorderste Träger eben den Fuß über die Dachtraufe hineinsetzte, da gerade fing es in Kaiserstuhl an, Betzeit zu läuten, und wie die Geister es vorausgesagt, so geschah es nun. Gerade so viel, als von der ersten Truhe noch nicht unter Dach war, verschwand. Es war der kleinste Teil, den sie nun hatten, aber er war groß genug, um unter alle verteilt und allen ein schönes Vermögen werden zu können. Damit sollen zugleich jene Burggeister alle bis auf einen erlöst sein. Mitgeteilt von Seminarist G. Burkhard von Fisibach Quelle: E. L. Rochholz, Naturmythen. Neue Schweizer Sagen, Leipzig  1862. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch    


Alte Jungfern by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Alte Jungfern

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Nach einer alten Sage der Sarganser sollen die Mädchen, die aus eigener Schuld alte Jungfern werden, nach ihrem Hinscheiden an dem grossen Riete bei Schan, im Lichtensteinischen, sich versammeln und dort ihre Zeit fromm und züchtig damit zubringen, "Grüsch" (Kleie) auseinanderzulesen und die Häufchen dann zusammenzuknüpfen. J. Natsch.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 186, S. 87 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alte Jungfern werden in den Rottalgletscher verbannt by (Hans Michel, Sage, Bern)

Alte Jungfern werden in den Rottalgletscher verbannt

Source: (Hans Michel, Sage, Bern)

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Wenige Mädchen sterben im Berner Oberlande als alte Jungfrauen. Gelegenheit ist allen geboten, eine zärtliche und sorgsame Hausfrau und liebevolle Mutter zu werden. Die, deren Herz im Leben kalt gegen das Gefühl der Liebe blieb, sind verdammt, ihre Schuld in dem Schnee und Eis des Rottalgletschers für ewig zu büssen. Quelle: Hans Michel, Ein Kratten voll Lauterbrunner Sagen. Wengen 1936. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alte Jungfern, verdammt im Rottalgletscher by (C. Kohlrusch, Sage, Bern)

Alte Jungfern, verdammt im Rottalgletscher

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Wenige Mädchen sterben im Berner Oberlande als alte Jungfrauen. Bald findet eine jede ihren Uli oder Heiri, mit dem sie als zärtliche und sorgsame Hausfrau und liebevolle Mutter die Freuden und Leiden dieses Lebens teilt. Dies kommt aber daher, weil erstens die Berner Mädchen sonst alle liebebedürftigen Herzens sind und zweitens, weil sie wohl auch ein wenig die Strafe fürchten, welche solche, die als alte Jungfern sterben, nach ihrem Tode zu erwarten haben; denn alle, deren Herz im Leben kalt gegen das Gefühl der Liebe blieb oder die gar, die Ehe verwerfend, in unsittlicher Leidenschaft entbrannten, sind verdammt, ihre Schuld in dem Schnee und Eis des Rottalgletschers für ewig zu büssen. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Alter Seeboden by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Alter Seeboden

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Wo der Weigischbach von Liedertswil her in die vordere Frenke mündet, liegt in der weiten Talmulde Oberdorf, die grösste Ortschaft des Waldenburgertales. Die Geschichte weiss zu berichten, dass das Dorf vor dem Bergsturze vom Dielenberg (1295) weiter unten, bei der Pfarrkirche St. Peter sich ausbreitete, während frühere Siedler im geschützten Seitentälchen des Weigisch ihre Wohnplätze hatten. Die mündliche Überlieferung geht aber noch viel weiter zurück, in jene Zeiten, da noch keines Menschen Fuss jene Gegend betreten hatte. Damals waren die beiden Bergzüge Dielenberg und Kai zusammenhängend und ein schöner, fischreicher See dehnte sich in der Talweite aus. Erst als der Abfluss desselben den Bergriegel allmählich durchschritten hatte, kam der heutige Talboden zum Vorschein. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Alti Brüch by (M. Sooder, Sage, Bern)

Alti Brüch

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Alti Brüch We’s mit eme Chrankne starch hingerabe geiht, so macht me i dr Chuchi e Chessel voll Wasser zwäg, vowäge dass si d’Seel no chönn wäsche, gäb si furtgeiht. Isch de dr Tod do, so schwänkt men all Gütter us, wo i dr Stube si u d’Pfäischter macht men uf. Drufabe het me früecher es Zwäheli oder e Lumpe gno u het dr Totnig dermit gwäsche. Die, wo no öppis uf de-n-alte Brüche hei, gheie das Zwäheli nid wäg, sie göh u liere’s umene süessen Öpfelbaum ume. Mi het albe gseit, we dr Lumpe vergange sig, so sig au dr Totnig im Grab verwäse, ’s Wasser, wo me dr Totnig dermit gwäsche het, schüttet me nid öppe i ’s Hüsli. Mi geiht dermit i ’s Dachtrauf oder schüttet’s i dr Hoschtert us. Aber mit dene Brüche geiht’s wie mit angerem au; sie bliebe dehinge; mit de Johre änderet mängs; junge Züg het nüt uf söttigem. Die Bräuche, die bei einem Todesfall geübt werden, beruhen nicht alle auf der gleichen Vorstellung; verschiedene Anschauungen, die sich eigentlich ausschliessen sollten, gehen nebeneinander her oder fliessen ineinander über; die Wandlungen, denen sie im Verlaufe der Zeit ausgesetzt waren, erschweren ihre Deutung. Die Vorstellung, wie sie sich im Brauche äussert, die Fenster zu öffnen und Flaschen und Gläser umzukehren, ergab sich aus der Beobachtung bei einem Sterbenden. Dem mit dem Tode ringenden Menschen ging der Atem ab; in der kalten Luft mochte der letzte Hauch sichtbar in Erscheinung treten und mit dem letzten Atemzug entwich das Leben; also liegt das Leben im Hauch. Darum öffnet man das Fenster; die Seele soll in's Freie treten können. Aber neben dieser Vorstellung treten noch andere Anschauungen auf, deren Ursprünge noch weiter zurück liegen mögen. Die Überlebenden wickelten das Tuch, mit welchem sie den Toten waschen, um einen Apfelbaum. Dieser Brauch geht wohl auf die Vorstellung von der Körperseele zurück: Die Seele des Toten geht über in das Wasser, das der Waschung diente, oder in das Tuch. Darum schüttet man das Wasser in die Hofstatt hinaus; das Umwinden und Binden des Tuches dürfte wohl bezwecken, die Seele am Baume zu befestigen; auch die Vorstellung von der Baumseele könnte noch mit dem Brauche in Verbindung stehen; denn auch die Anschauung war einmal lebendig, dass die Seele in Bäumen weile. In den Bräuchen, wie sie hier geübt werden, kommen die Vorstellungen weit zurückliegender Zeiten zum Ausdruck; die Vorstellungen aber, die noch heute bei Völkern, die auf einer niedrigen Kulturstufe stehen, lebendig sind, leben im Glauben unseres Volkes nicht mehr; die Lehre des Christentum oder ein besseres Erkennen verdrängten sie ganz oder teilweise; der Brauch hingegen, die äussere Form, überdauerte den Inhalt und begleitete den Menschen, der den ursprünglichen Sinn des Brauches nicht mehr verstand, Jahrtausende hindurch bis in die Gegenwart hinein. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Alti Brüch by (M. Sooder, Sage, Bern)

Alti Brüch

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Alti Brüch Es Chalb, wo am Mittwuche jung isch, tuet nid guet. Aber mi cha däm wehre; mi hout ihm öppis vom Ohr ab, bängglet’s furt u seit: „Do hesch di Sach!“ Nom Chalbere het men albe em Chalbeli öppis von ere Chlaue abghöie, het’s hinger d’Stallstüre bängglet u gseit: „Das ghört em Mittwuche!“ Das Büschel Haar und die Abschnitte vom Huf stellen allerdings ein wertloses Opfer dar; aber die Volkskunde zeigt uns, wie im Verlaufe der Zeit der Wert der Opfergabe stets zurückging und am Ende Dinge als Opfer galten, die für den Menschen wertlos waren. Der Mittwoch war Wodans Tag; steht das Opfer vielleicht mit dem alten Gott der Germanen in Beziehung? Eine ähnliche Handlung wie an den Kälbern wird an Lämmern vollzogen; ein Schüler berichtete mir: „Dr Schofhirt het em Vater gseit, we me de Lämmli dr Schwanz abhaui, nähm se ke Vogel.“ M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aluegen isch gnue! by (M. Sooder, Sage, Bern)

Aluegen isch gnue!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Aluegen isch gnue! E bösi Frau braucht es Chingli bloss azluegen u de isch’s lätz! Drum isch es gut, wen e Muetter weiss, wie sie söttigem cha wehre. Mit leit em Chline es Zödeli unger ’s Chöpfli, wo me die drei höchschte Näme druf gschriebe het. Der „böse Blick“ verursacht nach dem Glauben der Primitiven Schaden; aus Furcht, die ein unheimlicher Blick einflösst, erwuchs der Glauben an eine schädigende Wirkung. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Am Gsangfescht by (M. Sooder, Sage, Bern)

Am Gsangfescht

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Am Gsangfescht I de siebezger Johre isch z’Madiswi es Bezirksgsangfescht gsi. Do isch en Inschrift gsi, u druffe het es gheisse: Mit süessem Spiel bezwang vor Zeit Orpheus den Leu und Stier. Mit Eurem Sang bezwinget heut Das Galgelölitier. Das Galgenlölitier ist kein wirkliches Tier; tiergestaltige Tote fragen und antworten. Es wohnt allerdings in der Erde; aber die Seelen der Toten gehen auch in die Höhlen der Berge hinein und weilen in der Erde, und von der Erde aus erhebt das Galgenlölitier sich in die Luft; im Sturm braust es einher. Was heisst aber Galgenlölitier? Mit „Löl", wie das Wort auch schon gedeutet wurde, hat es nichts zu tun. Lo = Wald; Löli = das Wäldchen, Galgenlölitier heisst das unheimliche, dämonische Wesen in Tiergestalt, das im Galgenlöli wohnt. Die Verwandtschaft der Erzählungen vom Galgenlölitier mit den Sagen vom wilden Jäger kommt in andern Sagen deutlicher zum Ausdruck. Ein Hund, Gragöri mit Namen, kommt mit dem wilden Jäger und bleibt bei einem Bauernhause zurück; in den Zwölften des folgenden Jahres kehrt der Jäger wieder, und Jäger und Hund verschwinden. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Am Holz by (M. Sooder, Sage, Bern)

Am Holz

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äis sii rra am Holz gsiin. Si hätte gmangled z' warmsen; Brood u Chääs häi s' no ghäben, aber Milch nid es Trääni. Döe hed äina gmäind, wen numme d'Milch mangli, sa chenni är schon hälfen. Är hed den Hegel us dr Täsche gnun, hed nen üüftaan und in e Stock gsteckd. Derna hed er es Hammbräntli zwische d'Chneww gnun und hed afam mälhen. Im Handumdräjen isch'sch volls gsiin. Die andren häi zöegseen; aber egghäina hed vun där Milch wellen nän; nid äina hed si verzennd. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Am Martinsloch by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Am Martinsloch

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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In der langen Felsenwand der zerfressenen Tschingelhörner ob Elm ist ein mächtiges Fenster zu sehen, gerade als ob ein Riese mit einem ungeheuren Hammer ein haushohes Loch aus dem grauen Gestein herausgeschlagen hätte. Es heisst das Martinsloch, und die Elmer kennen es wohl, denn zweimal im Jahr scheint die Sonne just durch dieses Loch auf den Käsbissenturm ihres alten Kirchleins. Woher aber das Bergauge wohl seinen Namen hat? In alten Zeiten soll hier hinten der heilige Martin, abseits der Welt, in allem Frieden seine Schafe gealpnet haben, bis eines Tages ein Riese von der andern Seite des Berges her sich an die Herden gemacht habe. Darüber soll der Heilige dermassen in Zorn geraten sein, dass er ihm seinen schweren, eisenbeschlagenen Bergstock nachwarf und zwar nicht den Riesen, wohl aber die Felswand traf, aus der unter dem gewaltigen Anprall mächtige Felsblöcke heraussplitterten. Die Bündner auf der andern Seite des Gebirges wissen aber noch anderes zu erzählen. Ein Flimser, mit seiner schönen Tochter Maria, habe oben am Segnespass seine Schafherden geweidet; dabei sei der Tochter ein junger Senn auf der Glarnerseite derart ans Herz gewachsen, dass sie von dem reichen Bündner, den ihr der Vater längst ausgelesen hatte, nichts mehr wissen wollte. Auf Martinitag nun musste der Glarner Senn wieder ins Sernftal hinunterziehen, denn die Nebel kamen, und es wurde kalt, und er fand weder Zeit, noch Gelegenheit, von dem Mädchen Abschied zu nehmen. Maria, von ihrem Heimweh getrieben, stieg ihm in die Tiefe nach aber sie verlor im Nebel den Pfad und verirrte sich in den Felsbändern der Tschingelhörner. Auf einmal aber schaute sie durch ein mächtiges Felsenfenster auf ein kleines Dorf hinunter, das mitten im Sonnenglanz lag, und die goldenen Zeiger am Turm leuchteten und zeigten ihr den Weg in die Heimat des Sennen. Im Hause seiner Eltern fand sie den ganzen Winter hindurch Obdach bis zum Tag der Lichtmess, wo sie nun Hand in Hand wieder über den Berg zurückgingen, um jenseits im Bündnerland den Segen des Vaters zu erbitten. Doch als dieser das Paar kommen sah, verriegelte er Fenster und Türen und jagte sie beide mit Schimpf und Schande davon. Zuletzt sind sie noch gesehen worden hoch oben am Felsenfenster des Martinsloches, und dann nie mehr. Der Zugang aber verwitterte vom Tag an und ward schwer zu erklimmende Wildnis bis auf den heutigen Tag. Nur die Sonne findet noch ihren Weg und scheint hinunter auf den stillen Gottesacker von Elm.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Am Rynächt by (Josef Müller, Sage, Uri)

Am Rynächt

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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geschah es einst, dass ein Wanderer, ich weiss nicht warum, vor sich her fluchte, den Teufel herbeiwünschte. Plötzlich fiel von der Fluh herab eine Bürde Heu auf ihn, drückte ihn zu Boden und hielt ihn solange gefangen, bis er imstande war, mit der Zunge im Munde das Kreuzzeichen zu machen. Marie Haas, 28 Jahre alt, Altdorf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Am Sundeg spinnen by (M. Sooder, Sage, Bern)

Am Sundeg spinnen

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äigetli bin i im Wiihel dehäimme gsiin. Döömalen isch'sch z'isem Hüüs nid alls wee rächt ggangen. Am Aben und in dr Nacht häim mer im Loibelli Tritta gheerd; bald da, bald dert ischd eppes umhagschlaarped. Ma hed gsäid, da siigi drum äis es Wiib gsiin, das häigi nid gwissd, we s Sundeg old Wärchteg siigi und no an häilige Tage gspunnen. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Am Urnerloch by (Josef Müller, Sage, Uri)

Am Urnerloch

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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war's nie geheuer. Wer von unten herauffuhr, dem begegnete es sehr oft, dass hier die Pferde durchaus nicht weiter zu bringen waren; man musste entweder abspannen, die Sachen hindurch tragen, die Pferde führen – oder dann tüchtig fluchen. Auf andere Weise ging's nicht. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Am Wäbstuehl by (M. Sooder, Sage, Bern)

Am Wäbstuehl

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Am Wäbstuehl Amene Ort hei sie z’Obe bis am zwölfi gwobe. Derno si sie i ’s Bett. Drufabe het’s im Chäller afo wäbe. U das isch all Obe so gange. Derno si sie einisch go glüssele, wie das zue- u härgangi. Du isch d’Frau Faschten am Wäbstuehl gsi. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Am zähetusig Rittertag by (M. Sooder, Sage, Bern)

Am zähetusig Rittertag

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Am zähetusig Rittertag Am zähetusig Rittertag, het ’s Grossmüetti gseit, geiht alben e länge Zug vo dr Altburg zum Hänseli uehe. Mi ghöri Chöttine rassle; aber gseh tüei meh nüt. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


An der Basatienwand by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

An der Basatienwand

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An der Basatienwand bei Sargans hört man in mondhellen Nächten oft ein Rufen, Wimmern und Klagen. Das rührt von zwei Liebenden her, die dort unselig gestorben sind. Im Proder Feld wohnten sie, Rupp, der kühne Junge und seine Mathilde. Einst kam Graf Kuno, dem das Mädchen auch gefiel, aus dem Tale herauf. Er wollte die Maid frech entführen; Mathilde aber weigerte sich, auf sein Schloss zu kommen. Er befahl seinen Knechten, die Widerspenstige einzufangen und ihm aufs Ross zu bringen; im roten Gemach des Schlosses sollte sie Gehorsam lernen. Nun eilte Rupp herbei und wollte sich seiner Braut annehmen; aber Graf Kuno befahl, man solle ihn binden und in den tiefen Turm werfen. Der entschlossene Jüngling wirft den ersten Schlossknecht nieder; als aber die andern auf ihn eindringen, fasst er seine Braut und stürzt sich mit ihr über die Felswand hinab. Der frevelnden Hand sind sie entronnen; aber ein freiwilliger Tod führt immer zu einem, unseligen Ende. Bis zum jüngsten Tag müssen sie dort mit Rufen, Wimmern und Klagen ihre Sünde büssen und müssen die Stelle unheimlich machen, wenn nicht eine unschuldige Seele, eine reine Jungfrau, sich ihrer erbarmt und sie erlöst. Nach Dr. A. Henne   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 184, S. 86 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


An der Schreia by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

An der Schreia

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Ob der Schreiabruck, zwischen Camperneis und Halbmil, hört man vor grossen Wassergüssen in der Mitternacht den Bach ausschöpfen und Sand werfen, eine Folge alter Streitigkeiten über Schöpf-und Wuhrpflicht. J. B. Stoop Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 329, S. 183 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


An die Schiffbiete gehängt by (A. Streich, Sage, Bern)

An die Schiffbiete gehängt

Source: (A. Streich, Sage, Bern)

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Zwei junge Burschen, die mit einem Schiffli am Rittersprung vorüberfuhren, an jener Stelle, an der sich ein Lebensmüder den nassen Tod geholt, waren so vermessen, den Ertrunkenen beim Namen zu rufen. Auf der Stelle hängte sich der Gerufene an die Biete des Ruderschiffes und schaukelte dieses so heftig, dass die Beiden von Sehen und Hören kamen und ihnen die Lust zu frevlem Tun für alle Zeiten verging. Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


An Gowwli by (M. Sooder, Sage, Bern)

An Gowwli

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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An Gowwli ischd vor Ziiten Chrüüd gwachsen, das d'Älper tags driimal häi chennem mälhen. Aber döö wän en Älper gsiin, där hed si versindeged. Jetz gheerd me nen in dr Nacht griinen und räären: »I und min Hund Ringgen, I und mi Chöö Riin Und min Höör Triin Meessen geng uf Bleemlisalp siin!" Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


An s faltsch Stutzanneli grote by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

An s faltsch Stutzanneli grote

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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An einem Samstagabend war ich in Arboldswil in der Wirtschaft. Tischgenossen erzählten vom Stutzanneli. Ich mischte mich auch ins Gespräch und sagte, ich fürchte mich vor keinem Gespenst. Alle achten laut heraus und meinten, ich würde heute abend vor dem Stutzanneli fortspringen. Als ich durch den Stutz heimging, sah ich plötzlich eine weisse Gestalt auftauchen. Unerschrocken rief ich: «Wär do?» Keine Antwort. Ich wiederholte dies einige Mals. Immer noch keine Antwort. Nun geriet ich in Wut und schlug mit den Stock auf das Gespenst ein. Jetzt aber antwortete es – es war ein Kamerad – und bat mich erbärmlich aufzuhören. Noch viele Wochen nachher sah man auf seinem Kopf und Gesicht «blaue Mösen». Ziefen Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


An Vrenelistanz by (J. Siegen, Sage, Wallis)

An Vrenelistanz

Source: (J. Siegen, Sage, Wallis)

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Kein Gletscher und kein Gandeggä Und dafür hundert Hälminä! (Gefleckte Kühe) So seufzen die Hirten der Alpen. Früher ist es wirklich einmal so gewesen. Wo heute die Gletscher mit Riesenfüssen die Moränen vorstossen und mit gewaltigen Fingern sich an die Bergrippen klammern, sind einmal grüne, reiche Alpen gewesen. Eine solche Alpe war auch im Talkessel der Jäginen, die sich ans Grosshorn lehnen. Nur die Alten wissen noch zu sagen, wie diese Herrlichkeit verschwunden ist. Die Alpe, damit ich’s nicht vergesse, hat Heimalp geheissen und gehörte dem reichsten Lötscher. An Heimisch Eggen stand die Hütte, gerade den Anen gegenüber. Hier schaltete den ganzen Sommer Vrene, die älteste des reichen Alpbesitzers. Die Mutter hätte ihr gerne eine ältere Magd als Gehilfin — im wahren Grunde als Schutzengel mitgegeben. Weil aber Vrene gross und stark war wie ein Mann, meinte der Vater, sie solle alle Arbeit selbst besorgen. Der Tochter war es recht, und die Mutter konnte nichts mehr für sie tun, als sie dem Allmächtigen empfehlen und ihr jeden Abend den Muttersegen aus der Ferne spenden. Einmal hat es der Mutter keine Ruhe gelassen. Sie hat ihr Kleinstes aus der Wiege genommen und ist in der Nacht zur Alpe emporgestiegen. Schon beim Guggisee sah sie ein helles Licht in der Hütte und hörte Musik, Tanz und übermütige Jauchzer. Am ganzen Leibe zitternd tritt sie an die Stubentür und schaut durch die runde, russige Guckscheibe. Mehr muss sie sehen, als ihr die schlimmste Ahnung sagen konnte: Tanzende aus allen Alpen und in der Mitte der leibhaftige Teufel, mit dem Bockfuss lustig den Takt schlagend. Im Augenblick, wo sie die Türe öffnet, sehen die Tanzenden erst den Bösen in ihrer Mitte. Feuer schnaubend vor Wut knirscht der Schwarze: Mag die Unschuld mich vertreiben, Die letzte Seele muss mir bleiben. Vrene kommt zuletzt an die Türe. Schon streckt der Teufel die Krallen hervor, um sie zu fassen, da springt die Mutter im gleichen Augenblick mit dem unschuldigen Kind auf dem Arm in die Stube. Seinetwegen kann der Böse der Mutter nichts anhaben und auch Vrene ist ihm entgangen. Mit geballter Faust in Rauch und Nacht ist er verschwunden. Die Mutter wischt sich die Angsttropfen von der Stirne. Vrene reicht ihr zum Lohn eine Tasse Käsmilch für sie und den Wurm auf den Armen, während sie den Gästen auftischt, was Küche und Keller vermögen. Keinen Angriff versucht die Mutter mehr auf ein so hartes, kaltes Herz und flieht von dem undankbaren Orte mit dem unschuldigen Kinde. Ihre Tränen rollen auf den Boden und werden zu Eis, zu Strömen von Eis, die ihr auf dem Fusse folgen und den Talgrund von Berg zu Berg bedecken. Seither ist die schöne Alp verloren unter einem tiefen Gletscher. Wer um die Mitternachtstunde an Heimisch Eggen vorübergeht, dem begegnen Sennen und Sennerinnen aus allen Alpen in altmodischen Trachten. Dürfte er sie fragen, wohin sie gehen, so würden sie ihm sagen: An Vrenelis Tanz, an Vrenelis Tanz, An die Heimisch Eggen. Quelle: J. Siegen, Sagen aus dem Lötschental, Erweiterte Ausgabe der Gletschermärchen (1905), Lausanne 1979. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Andere Entrückungen und Entführungen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Andere Entrückungen und Entführungen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. »Meines Bruders Töchterlein«, so erzählt mir ein Mann von Attinghausen, »hatte sich beim Sammeln von Heidelbeeren zwischen Herrenzwy und Regliberg verirrt und übernachtete hart an einem Abgrund, wo es erschöpft einschlief. Doch am folgenden Morgen wurde es, wohl eine gute halbe Stunde von jenem Punkt, wo es eingeschlafen, nämlich in Kaspar Furrers Langacher, im Freien von der Frau Furrer angetroffen und geweckt. Wie es dorthin gekommen, weiss kein Mensch. Aber sy tüet's ä g'wissni Wahrheit.« Anton Brücker, 70 J. alt. 2. Ein Älpler von Seelisberg marschierte seiner Alp zu. Er war furchtbar müde und faul und hätte gern ein Schläfchen gemacht. Als er den Eingang zur Alp erreicht hatte, sah er einen Schläfer neben dem Türli auf dem Boden liegen. Er meinte, es sei der Knecht, und sagte zu ihm: »Stand üff und gang afigs, i will äu ä chly anäliggä-n- und schlafä; i bi furchtbar fülä.« Jener stand auf und ging von dannen; Kempf aber, so hiess unser Seelisberger, legte sich und schlief ein. Doch wie erstaunte er, als er am nächsten Morgen auf der Hohen Fluh unterhalb Beroldingen, mehr als eine Stunde von seinem Ziel entfernt, erwachte. Das hat er selber meinem Gewährsmann erzählt. Hans Aschwanden, 50 J. alt, Isental 3. Wenn allemal ein gewisser Isentaler nachts über den Seikberg-Steg bei den sogenannten 3 Schützen ging oder bim verhyttä Stei, wie es da auch heisst, wandelte so ein Gespenst mit herabhängendem Schlampihut vor ihm her. Kopf konnte er keinen an ihm sehen. Als einst Nachtbuben in der Nähe des Steges über dieses Gespenst foppten und spotteten (einige hatten etwas Öl am Hut), erblickten sie plötzlich ob einer Tanne so äs Häuri oder Wäuti, ohne recht erkennbaren Kopf, aber mit einer grossen, runden, glühenden Glasscheibe auf der Stirne; sie wollten schauen, was es sei, aber im Augenblick waren sie (ihrer sieben oder acht) in drei Parteien nach drei Richtungen auseinander gesprengt, sie wussten nicht wo und wie. Erst am Morgen beim Aveläuten trafen sie einander wieder beim Schluchenkreuz. Einige hatten die Nägel aus den Schuhen geschlagen, andere hatten räudige Mäuler infolge des Schreckens. Frz. Jos. Zwyssig, Isental, 70 J. alt, der auch dabei gewesen und es mir erzählt hat. Oder: Das Gespenst bestand aus zwei feurigen Augen. Alois Herger, 40 J. alt. 4. Mit einem Isentaler, der z'alten Wochen, d.h. Mittwoch in der Fronfasten, z'Stubeten ging, fuhr es aus der Taltiefe bis in das hochgelegene, schwer zugängliche Hornloch hinauf, und erst am Morgen, als es in der St. Jakobskapelle im Grosstal zu beten läutete, fand er sich zurecht und konnte wieder zutal hinabsteigen. Hans Aschwanden 5. Ein Seelisberger hatte den Lehenzins für eine Kuh bezahlt und war nun, da die Dunkelheit schon hereingebrochen, auf der Heimkehr gegen Geissweg. In der Nähe des alten Häuschens beim Chalcherli hob es ihn plötzlich in die Höhe und fuhr mit ihm hoch durch die Lüfte bis beinahe vor sein eigenes Haus, und das sind doch mehrere hundert Meter. Als er daheim in die Stube trat, da staunten ihn alle an und riefen ihm entgegen: »Jä, was isch etz äu mit diër, dass dü hinecht halbbluttä heichunnsch?« Jetzt erst beschaute er sich, und wirklich, es hatte ihm die Kleider fast ganz abgerissen. »So isch m'r etz nu nië g'gangä«, meinte er kopfschüttelnd und erzählte sein Erlebnis. Jos. Maria Aschwanden, 60 J. alt. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Andere Kündzeichen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Andere Kündzeichen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. Pfarrer Egger in Römerstalden ging einst spät in der Nacht von Morschach heimwärts, und weil er ein älterer Herr war, führte ihn der (1915) noch lebende Wirt von Römerstalden am Arme. Als sie in der Nähe der Kemletzenkapelle waren, da wich der Pfarrer plötzlich seitwärts so weit als möglich aus, und weil der Wirt fragte, was er habe, sagte der Pfarrer, ob er es denn nicht sehe da mitten auf dem Wege. Erstaunt entgegnete der Wirt, er sehe nichts. Der Geistliche erklärte ihm, es liege eine Gestalt im Wege, und wenn er nichts sehe, sei es ein Kündzeichen, dass es an dieser Stelle bald ein Unglück gebe. Es vergingen keine 14 Tage, so wurde daselbst Knüppelholz herabgeworfen und dabei ein Mädchen erschlagen. Schriftl. von Hrn. A. Schaller, Sisikon 2. In der Schreibstube eines Herrenhauses in Altdorf sahen sie einmal einen Säbel herumtanzen. Nicht lange nachher wurde dessen Besitzer, einer der Ersten aus der Obrigkeit von Uri, eines Morgens tot in seinem Bette gefunden (1845). Agnes Arnold Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Andreeslen am häiligen Aben by (M. Sooder, Sage, Bern)

Andreeslen am häiligen Aben

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Am häiligen Aben hed es Mäitli vernun, mid wäm's hochziiti. As hed im Hemmli d'Stube gwischd, ds Gischter in Hemmlistock üüfgmachd und's derna hindertsi üüsiträägen. Derna isch'sch i ds Bett und hed gsäid: „Anderees, i bitten di, Bettstatt, i betritten di, Lass mir erschäinen, Wela sol mäin Eemann säin, Hed er Ross, sa riited er, Hed er Chie, sa triibd er sa, Hed er niid, sa sel er chun, wien är ischd." Düöe siin drii Mannevelcher hindrem Tisch gsässen; driji, nid eppa äis! Äs hed das nid chenne verstaan und hed gwärwäised, was das etz fir drii siige gsiin. Aber äs ischd chun, wie's hed gseen; z'driimalen hed's ghiiraated; zwee siin im gstorben, und dr dritt hed ins uberläbd. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Angebrannte Milch by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Angebrannte Milch

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Der Senn auf jener Hinterländeralp hätte sich bald zu Tode geärgert, denn einerlei, ob er ein grosses oder ein kleines Feuer unter dem Kessi anfachte, immer brannte die Milch am Kessiboden an, und weil auch der beste Senn aus angebrannter Milch keinen Käse machen kann, so kam er immer mehr in Schaden und wusste bald nicht mehr wo ein und aus. Einmal kommt ein altes Linthaler Manndli auf die Alp und schaut unverwandt ins Feuerloch und ins Kessi, sagt aber kein Wort und der Senn auch keins, und wie es fortgeht, schüttelt es den Kopf und ist verschwunden. Anderntags steht es wieder in der Hütte und fragt nach dem und jenem und wie es stehe mit dem Vieh und mit allem. «Wenn ich nur den Ärger mit der Milch nicht hätte!» seufzt der Senn. «Ihr habt’s ja selber gesehen, jedes Mal brennt mir die Milch an, und dabei ist das Kessi geputzt und geglänzt wie ein Spiegel.» Wie das Manndli aber zum dritten Mal bei ihm steht und ihm zuschaut, wie er das Kessi mit heissem Wasser und Katzenschwänzen fegt, bis es spiegelglatt ist, da fragt es ihn ganz gelassen. «Habt ihr auch schon ins Feuerloch geschaut?» Aber der Senn sieht beim besten Willen nichts als ein paar halbverbrannte Knebelchen und eine Hand voll Asche. Das Manndli fängt an mit seinem Stecken in der Asche herumzustochern, räumt das ganze Feuerloch aus und findet zuallerunterst einen dicken, eichenen Nagel, der nicht verbrannt ist. Den schaut es zufrieden an und wirft ihn weit über den Bach. Wie aber der Senn verwundert fragt, ob denn das Nägelchen an dem ganzen Unheil schuld sei, da nickt das Manndli und lacht leise: «Es wird wohl noch etwas anderes dabei gewesen sein?» Was aber, das verriet es nicht, ging seines Wegs und erschien nie mehr. Der Senn aber hatte vom Tag an keine böse Stunde mehr mit Käsen.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Angereesle by (M. Sooder, Sage, Bern)

Angereesle

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Angereesle Bim Angeressle het men albe hinger am Rügge düre imene Löffel Wasser in es Gschir gschöpft; derbi het me nüt dörfe verschütte. Gnau chan i nümm säge, was alls het müesse goh; i bsinne mi ume eso blösseli dra. De het men au e Spruch gselt: Angerees, i bidde di, Bettschgetbrätt, i tritte di, Du wellischt mer verhälfe zu re Frau, Die mit mer z’Chilen u z’Märit chömm au. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Angetan by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Angetan

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Auf der Alp Wildenberg erschien einst mitten in der Nacht ein Unhold. Er zeigte sich nicht in der Hütte, schlug aber mehrmals wie mit einem starken Stock an deren Planken. Die Hirten hörten es wohl; aber keiner getraute sich, hinauszugehen und nach dem Täter zu sehen. Nach wenigen Wochen erkrankte einer der Älpler. Er bekam ein "böses" Bein, das keinerlei Verletzungen zeigte, aber doch zu einem unförmlichen Klumpen anschwoll. Der Unhold hatte es ihm angetan. U. Sprenger. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 311, S. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Angst und Not by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Angst und Not

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Angst und Not In der Herrschaft Grüningen soll in grauer Vorzeit ein sonderbarer Brauch geherrscht haben. Wenn ein zum Tode Verurteilter sein Leben lassen musste, führte man ihn zur „Richttanne“, wie man die Richtstätte damals hiess. Dort durfte der arme Sünder die Gnade erbitten, um sein Leben zu rennen, und diese Gnade konnte ihm nicht verweigert werden. Man liess dann den Verurteilten in der Richtung gegen das Haus rennen, das da heisst „Angst und Not“. Nach einer gewissen Zeit, wenn also der um sein Leben Laufende einen bestimmten Vorsprung hatte, liess der Richter ihm Ross und Reiter nachjagen. Vermochte der Laufende das Haus zu erreichen und zu betreten, bevor die Reiter ihn eingeholt hatten, so durfte die Todesstrafe an ihm nicht vollzogen werden, im anderen Falle hatte er sein Leben endgültig verwirkt. Weil nun die Gejagten, wenn sie Hufschlag der Verfolger hörten, in den Ruf ausbrachen: „O, hilf mir Herr in meiner Angst und Not!“ erhielt das dort stehende Haus den Namen „Angst und Not“. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland Mündlich von Lehrer Wilh. Fischer, Bubikon 1945. Variante: Ein Delinquent sollte an der Richttanne gehängt werden. Aber er machte sich frei und rannte den Hang hinab zum nächsten Haus und rief: „Ach, verbergt mich doch, ich bin in einer Angst und Not!“ Von da an soll der Weiler den bekannten Namen haben. - Nach dem Grüninger Amtsrecht von 1668 wurde das Hofgericht zu Dürnten im Dorfe Dürnten abgehalten. Anerkannte eine Partei den gefällten Rechtsspruch nicht, so wurde „zu Adletshussen uff der Höhe“ Nachtag gehalten. Seltsam genug, dieser Rechtstag auf freier Bergeshöhe, denn vom dortigen Wirtshaus wird noch nichts gemeldet. Ob dort vielleicht das Gericht unter einer Tanne tagte? Jedenfalls befand sich dort keine Richtstätte. Dennoch heisst der Ort „Richttanne“. Das Hochgericht des Amtes Grüningen befand sich auf einem aussichtsreichen Hügel zwischen Grüningen und Adletshausen. Das Amtsrecht bestimmte: „Ytzickhen ist schuldig, das Hochgericht machen zu lassen und vor dem Abgang zu erhalten. Adletzhusen soll dazu die Leiteren machen lassen.“ - Zur Ortsbezeichnung „Angst und Not“ äussert sich Bruno Boesch in der Zs. „Der Deutschunterricht“, Heft 5/57, Stuttgart, S. 44: „…und an der Stelle Angst und Not (mundartlich Angschtenot) stand vielleicht vor Zeiten ein Bildstock mit der Darstellung Christi am Oelberg.“ Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Anna Vögtli by (C. Kohlrusch, Sage, Aargau)

Anna Vögtli

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Aargau)

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Anna Vögtli, die aus bösem Verdacht ihr Vaterland Bischofszell verlassen, kam auf ihrem Irrweg nach dem aargauischen Pfarrdorf Ettiswil. Da brachte ihr böser Geist sie auf den Gedanken, Zauber mit Hostien zu versuchen. Kaum bestahl sie den Schrein, so fiel auf sie Schrecken der Tat; schwer drückte der Gott. Sie, zitternd, warf die Hostie in die Nesseln des Grünhags. Siebenblättrig sprosste eine weiße Rose, das Heiligtum tragend. Ihm neigten sich die Tiere des Feldes; umleuchtender Glanz entdeckte es der unschuldigen Hirtin. Worauf der Leutpriester mit Glockenschall, Kreuz, Fahnen, Licht und dem gläubigen Volk die Feier der Einholung bereitete. Da umfasste die glückliche Erde den Herrn. Aber ein Teil der Hostie, in schön erbaueter Kapelle, gab weit her zusammenfließenden Menschen Vergebung der Sünde, und bekräftigte dieselbe durch begleitende Zeichen. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Annelis Grötzli by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Annelis Grötzli

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Wenn man so vor 60 - 70 Jahren den obern Teil der Bärschner Alp durchquerte, stiess man von ungefähr auf eine Rottannenleiche. Ihr modernder Stamm zeichnete eine ziemlich gerade Linie am Boden hin, die ihre einstige Höhe genau andeuten mochte. Ihr zur Seite lagen die weissgraugebleichten Astüberreste. Dieser Baum wurde „Annelis Grötzli" geheissen und zwar aus folgenden Gründen: Ein altes Weib, mit Namen Anna, sei mit Tod abgegangen (ob an dieser Stelle oder wo anders, wird nicht gesagt) und müsse hier wegen eines zu Lebzeiten begangenen Verbrechens „wandeln" und zwar so lange, bis es von jemand erlöst werde. Es erscheine in schwarzer Kleidung und weissgrauer Haube, gehe in gebückter Stellung einher, werde von Hirten nicht selten gesehen und nicke gegen sie, wenn es sehe, dass es von ihnen beobachtet werde. Doch die Stunde der Erlösung kam für das arme Weib. Als nämlich einmal ein Knecht dem Sennen erklärte, er fahre mit dem Vieh nicht mehr dahin zur Weide, da das Anneli ihm wieder erschienen sei und den Drohfinger gegen ihn erhoben habe, da hätte dieser im Unmut seinen Stock ergriffen, sei hingeeilt, habe auch sofort das Anneli gefunden und zwar in Gestalt eines halbverfaulten Baumstrunkes, in Mannshöhe mit einem seitlich ausgewachsenen grauweissen Schwämme geziert. Diesen riss der Senn weg, übergab ihn, in der Hütte angekommen, dem Knechte mit den Worten: „Nun habe ich das Anneli erlöst - zum Danke dafür schenkte es mir seine Haube, und ich schenke sie dir nun zum Angedenken an deinen heute bewiesenen Heldenmut in dieser mit jetzt glücklich abgeschlossenen Schauergeschichte." O. Giger. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 350, S. 196f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Antusuhans by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Antusuhans

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Antusuhans selig (der Hans des Anton Anthanmatten) ischt en tolle brave Ma g'si; het frili nit g'rad d's Pulver erfunnu, aber do de Litu in's G'sicht g'seit, was er gedeicht het. Wa der Bischof Blatter selig i Saas uf d' Visitaz cho ischt, ischt Antusuhans Chilchuvogt g'si und het darum miessu schaffu und ufwarte. Da isch's kapitiert, dass der Bischof am Mittagessu g'seit het, in de Täleru und uf de Bärgu gäbe es guots Roggubrod; er wellti geru danafa choru. Duo hensch dum Chilchuvogt g'rieft, er selle abu um guots Roggubrod lotze, der Bischof welle schi. Duo ischt unse Hans glich mitener wissu Zwelu inner Hand in d' Stube cho und het dum Bischof g'seit: «A ba! Narrheite! Bischof! Sid nit Eifältige! Esset ier hie Wisbrod — Roggubrod chenter de de heimu essu.» (Saaser Mundart)   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Anzahl der Geister im Bockitobel by (Josef Müller, Sage, Uri)

Anzahl der Geister im Bockitobel

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Vom Bockitobel erzählt das Volk, es sei mit armen Seelen von unten bis oben oder bis zum Alptürli hinauf dicht angefüllt, und wenn man nachts von Erstfeld her gegen Waldnacht hinaufsteige, höre man sie weinen und klagen. Vereinzelte wollen wissen, es seien böse Geister, ja sogar Teufel. Dass ihre Anzahl unermesslich sei, beweist auch die Sage, die ich jetzt erzählen will. Ein Erstfelder Bäuerlein brachte seinem Pfarrer, der mit der Geisterwelt auf vertrautem Fusse stand und immer zum voraus sagen konnte, ob bald wieder eines seiner Pfarrkinder die Reise in die Ewigkeit antreten werde, den Zins. Der freundliche, leutselige Priester stellte ihm Käs und Brot und ein Glas Italiener auf, wie es eigentlich jeder richtige Zinsherr tun sollte, und ging dann ins Stübli, den Empfangsschein zu schreiben. Auf dem Tisch, an welchem der Bauer sass, lag ein grosses Buch, und das erregte seine Neugierde; er schlug es auf und blätterte darin; lesen konnte er nicht, denn es war lateinisch geschrieben, und er kannte mit Not die deutschen Buchstaben. Als der Pfarrer den Schein unterschrieben hatte, die Stüblitüre wieder öffnete und den Neugierigen in dem offenen Buche blättern sah, erschrak er heftig, denn er meinte, der Bauer habe darin gelesen. Hastig und aufgeregt rief er: »Was macht ihr da! Um Gotteswillen, nehmet eiligst einen Sack voll Reis, laufet und schüttet ihn ins Bockitobel hinunter!« Zum Tode erschrocken gehorchte der Bauer, und als er zurückkam, meldete er: »Es haben noch nicht alle ein Körnlein bekommen.« Da mient äu nu äs Par gsy sy. Dz Platti Liesi sälig, das het vill vom Bockitobel b'brichtet! Wenn das nu läbti, das wisst-ech scho G'schichtäli z'verzellä! Zacharias Zurfluh Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Apfelbaum der Sarmenstorfer Einsiedelei by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Apfelbaum der Sarmenstorfer Einsiedelei

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Die kirchliche Verehrung, welche die drei Angelsachsen seit alten Zeiten in den Freienämtern geniessen (No. 474), wollte sich im vorigen Jahrhundert ein listiger Waldbruder zu nutz machen; er hiess Haigeli und war aus Schwaben gekommen. Bei der St. Wendelinskapelle ob Sarmenstorf baute er sich am Saume des Buchenwaldes ein mit dieser Kapelle verbundenes Haus, verschaffte sich Reliquien, die er für den Leib des heil. Firmanus ausgab und eröffnete damit eine neue Wallfahrt, die ihm viele Gaben und Geschenke eintrug. Mit der zunehmenden Andacht der Leute wurde sein Lebenswandel immer schlechter. Seine Klause barg allerlei Waffen; nicht bloss das Wild, auch allerlei Dirnen jagte er im benachbarten Walde. Die Tagsatzung zu Baden hatte darüber bereits eine Untersuchung anstellen und ihn verwarnen lassen; er fuhr jedoch in seinem freien Leben fort, vergrösserte seine Zelle und berief sich bei allem auf ein ihm vom Fürstabt zu Einsiedeln hiefür ausgestelltes Patent. Auch als das Konstanzer-Bisthum ihn hierauf aus dem Lande wies, wendete er sich noch an Landvogt und Geistlichkeit und versicherte, wie man nur mit höchstem Frevel die Aechtheit des von ihm ins Land gebrachten Leibes des heil. Firmanus bezweifle, dass aber Gott nun durch ein Wunder dieses zu bekräftigen die Gnade haben wolle. Trete der Himmel selber ins Mittel, so werde man ihn gewiss sein Leben ferner in dieser Einsamkeit verbringen lassen. Zum Zeichen dessen werde in dieser laufenden Winterszeit und zwar schon am nächsten Sonntagsmorgen der alte Apfelbaum vor der Wendelinskapelle voll Blätter stehen. Man that, als ob man noch auf diese Probe eingehen wolle. Am Sonntag vor Tagesanbruch schickte der Sarmenstorfer Pfarrer seinen Sigrist Stutz hinauf, um nachzusehen, wie es mit dem versprochenen Wunder stehe, und wirklich fand der Sigrist den Baum ganz belaubt. Mit dieser Nachricht war dem Pfarrer und den Gemeindevorstehern wenig gedient; schleunig gieng man daher noch im Zwielicht hin, hieb den Baum um und schaffte ihn so auf die Seite, daß man nirgend eine Spur mehr davon anzugeben wusste. Nun wurde der Eremit aus dem Lande getrieben. Pfarrer aber und Sigrist nebst den Uebrigen, welche den Baum mit umgehauen hatten, bekamen dafür von Stunde an entzündete Augenlieder, die berstend sich stülpten. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seele by (Josef Müller, Parabel, Uri)

Arme Seele

Source: (Josef Müller, Parabel, Uri)

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Und allemal wenn wir Kinder einen Stein gefunden haben, der wie zernagt ausgesehen hat, so haben wir gesagt: »Der hed äu ä-n-armi Seel mit gfyrigä Zändä-n-üffgläsä.« Fr. Gamma-Zgraggen, 40 Jahre alt, Silenen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In Attinghausen lebte vielleicht vor einem halben Jahrhundert ein altes Meitli, das z'alten Mittwoch geboren war. Es ging nachts aus wie am Tage, ohne sich zu fürchten, und es kamen dann oft arme Seelen ihm entgegen, manchmal ganze Bittgänge. Auf dem Kreuzwege bei der Attinghauserbrücke sah es ihrer ganze Scharen, und es schien, als ob sie mit einander zankten, einen solchen Lärmen verführten sie. Mathilde Rämi Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen auf dem Friedhof by (J. J. Jakob, Sage, Wallis)

Arme Seelen auf dem Friedhof

Source: (J. J. Jakob, Sage, Wallis)

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In Münster wirkte lange ein Pfarrer, Ägidius Werlen mit 20 Namen. Er hatte auch Gesinde, zwei Knechte und zwei Mägde, denn er betrieb ein ansehnliches Bauerngut und konnte wohl bis an die zwölf Kühe wintern. Dieser Pfarrer verliess in der Nacht oft seine Wohnung und begab sich auf den Friedhof. Dort betete er lange und sprach mit den armen Seelen der Pfarrei, denn er wusste von allen Abgestorbenen, die während seiner Amtszeit verschieden waren, wo sie sich in der Ewigkeit befanden. Nur bei zweien war es ihm nicht bekannt. Das Gesinde beobachtete natürlich die Gewohnheiten des Pfarrers, und Knechte und Mägde besprachen untereinander, wie sie dem Geheimnis auf die Spur kommen könnten. Ein Knecht stellte sich als Spion bereit und meinte: «Da will ich doch schauen, was der Pfarrer jede Nacht draussen zu tun hat.» Und richtig, in der folgenden Nacht verliess der Kilchherr wieder das Haus. Er überschritt den Kirchenplatz und ging die Friedhofmauer entlang auf den Friedhof: der andere ihm nach. Als der Knecht auf der Mauer angelangt war, stand der Pfarrer schon mitten auf dem Friedhof, rings umgeben von einer unzähligen Schar armer Seelen. Der Knecht staunte und wusste nicht recht, ob er träume oder wache; da löste sich plötzlich eine arme Seele aus ihrem Kreise und schoss auf ihn zu. Der gute Knecht wurde ohnmächtig, erholte sich aber nach kurzer Zeit wieder und schlich heim ins Bett. Am andern Tage hoffte er, der Pfarrer habe von diesen Vorgängen nichts gemerkt. Aber der Pfarrer rief ihn gleich nach dem Mittagessen zu sich und warnte ihn, das nächste Mal dürfe er nicht mehr so "gwundrig" sein. Hätte er gestern auf dem Friedhof nicht gewehrt, die armen Seelen hätten ihn "zerribe und zerstibe wie ds Gstip i der Sunne!" MÜNSTER Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Arme Seelen auf den Gletschern by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen auf den Gletschern

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Marianna Schmid in Hospental, 75 Jahre alt, betet jeden Abend für die verstorbenen Seelen ihrer Eltern, Verwandten, Wohltäter, und zuletzt noch »fir alli armä Seelä, wo uff allä Firä-n- und Gletschä lydä mient fir ä boldigi Erleesig und dz Fäck z'vermiltä«, und erzählt folgendes fir ä gwissi Wahrheit: Wir hatten einmal Mission in Hospental, und einer der Missionäre war ein Walliser, namens Blatter. Dieser ging nach der Mission ins Wallis hinüber, mein Vater und Johann und Eduard Bennet begleiteten ihn über die Furka. Stets ging er in ihrer Mitte. Als sie aber eine Strecke weit neben dem Rhonegletscher marschiert waren, bemerkten sie plötzlich, dass Blatter unversehens zurückgeblieben war. Sie suchten und fanden ihn am Rande des Gletschers; er machte mehrmals das Kreuzzeichen über letztern und seufzte dann, dass sie es hörten: »O dü armä Gletsch! O iehr armä Seelä!« Er hatte da die armen Seelen auf dem Gletscherfelde geschaut. Für diese beteten nun die drei Wanderer kniend Fünfe und setzten, nachdem Blatter noch einmal das Kreuzzeichen über den Gletscher gemacht, ihre Reise fort. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen bannen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen bannen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Wenn man die armen Seelen eines Hauses bannt, soll man sie nie ganz weg bannen, sondern so, dass sie noch unter Dach und Fach sind, an Feuer und Licht und am Gebete »Teil und Gmein« haben, aber nicht schaden und sich nicht sichtbar machen können. Eine Frau liess auch einmal ihr Haus einsegnen und die armen Seelen bannen, aber sie liess dieselben ganz zum Hause hinausbannen. Seitdem hörte sie jeden Abend vor dem Hause weinen. Sie fragte den Pfarrer, was das sei, und dieser sagte ihr, das sei ihr verstorbener Mann, und fragte, wie sie habe einsegnen lassen. Sie sagte wie, und da machte ihr der Pfarrer Vorwürfe und änderte auf ihren Antrag den Bann; er erlaubte den armen Seelen, unter Dach zu bleiben, liess sie Anteil haben an Feuer und Licht und am Gebete, aber verbot ihnen zu schaden oder sich sichtbar zu zeigen. Jetzt hörte die Witwe ihren Mann nicht mehr weinen. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen beim Einzug eines Pfarrers by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen beim Einzug eines Pfarrers

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Als die Leute zu Wassen ihren neuen Seelenhirten, den Pfarrer Christen (1728), feierlich in die Pfarrei und Pfarrkirche einführten, schaute ein Mann von der Höhe zu Äntschigen in das Dorf hinunter und betrachtete den feierlichen Einzug. Da sah er den Pfarrer ganz im Schneeweissen und vor und hinter ihm ganze Scharen armer Seelen, die ihm das Geleite gaben. »Hittä hend-r-ä wysse Heer ibleitet«, sagte nachher dieser Mann zu den Wassnern. Der Pfarrer aber zeigte sich in der Folge als ein ganz besonderer Liebhaber der armen Seelen. Frau Regli-Baumann, 75 Jahre alt; Franziska Kruog u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen erweisen sich dankbar by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen erweisen sich dankbar

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Es war ein furchtbares Wetter, und die Bäche tosten durch die Schluchten. Man fürchtete Rübenen. Da hatten sie auch einen schönen Wald, der in Gefahr war, von der Rübi vernichtet zu werden. In der Not versprachen sie 12 heilige Messen für die armen Seelen. Jetzt sahen sie 12 Männer mit Zappyen auf der Achsel in einer Reihe hintereinander dem gefährdeten Walde zuschreiten und ihn retten, aber wie, weiss ich nicht mehr. Maria Dittli, Gurtnellen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen hinter dem Ofen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen hinter dem Ofen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In einer Alp des Meientales hatte ein Weibervolk die Schweine zu füttern, tat es aber mit Parteilichkeit, indem es den einen mehr zuschöpfte als den andern. Nach seinem Tode musste es wandlen; es zog mit dem Sennten zu Tale und erschien hinter dem Ofen des geschädigten Bauern, wo es mehrere Jahre sich aufhielt, bis die heranwachsenden Kinder, die sich fürchteten, reklamierten, worauf es der Bauer verbannen liess. Frau Baumann-Dubacher Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen unter dem Tisch by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen unter dem Tisch

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Speise und Trank, die man unvorsichtiger Weise auf dem Tisch verschüttet hat, darf man nicht auf die Diele hinaus wischen. Eine Mutter in Unterschächen hatte die gegenteilige Gewohnheit. Nach ihrem Tode betete der Sohn ein Jahr lang für ihre Seelenruhe, hörte dann aber auf, indem er sich sagte, sie werde jetzt wohl erlöst und in die ewige Seligkeit eingegangen sein. Da erscholl, während er bei seiner Mahlzeit sass, plötzlich die Stimme seiner selig geglaubten Mutter unter dem Tisch: »Ich bin noch nicht erlöst, weil ich die Brosamen unter den Tisch gewischt habe!« Kath. Kempf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arme Seelen vor dem Ofen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Arme Seelen vor dem Ofen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Pfarrer Lusser in Altdorf (gest. 1891) schimpfte einmal stark mit seiner Magd, weil er bemerkte, dass sie Holz achtlos vor den Ofen hinwarf, und sagte, sie solle es nicht so raass hinwerfen, sondern sorgfältig, hübscheli hinlegen; vor dem Ofen seien arme Seelen, die die Wärme aufsuchen. Theresia Gisler, 73 Jahre alt, Spiringen b) Auch Pfarrer Arnold in Unterschächen (gest. 1898) habe die nämliche Mahnung erteilt und sie damit begründet, es sei auf jedem Scheit eine arme Seele. Frau Müller Imholz, 52 Jahre alt, Unterschächen c) Auf Arni im Moosberg hatte die Lawine ein Haus zerstossen, und der Besitzer baute an einer andern Stelle ein neues. Da hörte er eines Tages auf dem alten Hausplatz flennen und merkte, dass es eine arme Seele sei. »Wenn d'niemmerem nyt z'leid tüesch, chansch ja im nywä Hüs ichehrä!« rief er ihr zu. Da kam sie in Mannsgestalt ins neue Haus und nahm ihren Platz auf dem Sitz hinter dem Ofen ein, und er gab ihr ein Schemelchen, dass sie ihre Füsse darauf setzen konnte. Ausser dem Bauer sah sie niemand. Nach einem Jahr sah er sie ganz schneeweiss vom Hause über den Treschenbüel dahinschweben und verschwinden (19. Jahrhundert). Frz. Jos. Zurfluh d) Als Franziska Gisler zu Flüelen gestorben, wurde sie noch oft von einem Verwandten hinter dem Ofen auf der Bank sitzend gesehen, bis sie durch heilige Messen erlöst war. Frau Gisler-Zwyssig e) In einer Alp in Meien hatte ein Alpler die Kühe schlecht gemolken, so dass sie ums Euter kamen. Aber nach seinem Tode hat man den noch lange gesehen ohne Kopf in der Alphütte umgehen und an den Käsen schaffen. Als einst bei der Alpabfahrt der Bauer in seinem Bodenheim ankam, war der Geist auch schon da, stand neben dem Ofen und fragte, ob er nicht im Haus bleiben dürfte bei Feuer und Licht. Er wollte sich begnügen und hinter dem Ofen sitzen. Aber der Bauer meinte, er und die Frau hätten nichts dagegen, aber die Kinder würden sich vor ihm fürchten, und erlaubte ihm den Aufenthalt nicht. Ein Älpler, der an der Alphütte vorbeiging, hörte einst den Geist überlaut seufzen: »Ich bi doch än armi Seel!« Frau Baumann-Dubacher f) In einem Hause im Isental liess sich lange Zeit hindurch ein geisterhafter Mann blicken, der hinter dem Stubenofen auf der Treppe sass und tubäcklete. Die Leute glauben, es sei der verstorbene Grossvater gewesen. Wie es mit ihm gegangen oder was die Hausinsassen zu seinen Gunsten getan, weiss ich nicht (19. Jahrhundert). Maria Ziegler g) Kaum hatte Peter Anton Furrer die Pfarrei Seelisberg angetreten (1844), besuchte er auch schon jedes Haus seines Wirkungskreises. Dabei kam er so zum-män-ä-n-üffputztä Maitli. Als er die Stube wieder verliess, schlug »es« ihm die Stubentüre so heftig an die Fersen, dass er beinahe gefallen wäre. »Da isch eppis nitt sübers«, dachte er, kehrte in die Stube zurück und stellte das Maitli zur Rede. Das aber lachte nur und meinte, es habe nie etwas gemerkt und nie gehört, dass etwas da nicht in Ordnung wäre. Und darnach verlangte er zwei gesegnete Kerzen und hiess das Mädchen, nachdem es die Kerzen gebracht, die Stube verlassen. Nach einer Weile konnte es wieder eintreten. Der Pfarrer, ganz in Schweiss gebadet, sagte, auf dem Ofenbänkli, nahe der Stubentüre, sitze schon seit 70 Jahren eine arme Seele, ein Greis, dem die stets fliessenden Augentränen tiefe Rinnen längs der Nase ins Gesicht gegraben. Seine Kniescheiben seien ganz zerfetzt, da die aus- und eintretenden Personen ihm allemal die Türe an die Knie geschlagen. Er habe viele Leute in seinem Leben geschädigt, und er, der Pfarrer, wolle nun mit ihnen reden, dass sie es ihm schenken, dann werde der Geist erlöst sein; vorher nicht. Frau Arnold-Tresch, 52 Jahre alt, in Seedorf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Armer Mann vom Teufel verführt by (C. Kohlrusch, Sage, Waadt)

Armer Mann vom Teufel verführt

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Waadt)

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Ein armer Mann, der den ganzen Tag über im Walde Reisig gelesen hatte, kehrte Abends spät mit dem schweren Bündel auf dem Rücken und seine große Armut beklagend nach Haus zurück. Da plötzlich trat ihm ein schwarzgekleideter Mann in den Weg und bot ihm eine große Summe Geldes für seine Seele an. Entsetzt frug der Arme: „Wer bist du?“ – „Der Teufel!“, so erschallte die Antwort. Da floh der Unglückliche, doch immer von Stund an, wo er ging und stand, trat ihm derselbe schwarze Mann in den Weg und wiederholte sein Anerbieten. So gedrängt und da seine Armut von Tag zu Tag drückender ward, gab der arme Mann endlich nach. Da erhielt er von dem Teufel, denn Niemand Anderes war der Schwarzgekleidete, einen feinen Staub und eine schwarze Nadel, mit der er Menschen und Vieh töten konnte. Das trieb er jedoch nicht lange, denn man fasste bald Verdacht, worauf er als Hexenmeister auf den Scheiterhaufen kam und verbrannt wurde. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Arnold Winkelried by (Meinrad Lienert, Schweiz, Sage, Luzern)

Arnold Winkelried

Source: (Meinrad Lienert, Schweiz, Sage, Luzern)

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"Laßt hören aus alter Zeit von kühner Ahnen Heldenstreit, von Speerwucht und wildem Schwertkampf, von Schlachtstaub und heißem Blutdampf. Wir singen heut' ein heilig Lied, es gilt dem Helden Winkelried." So beginnt das Sempacherlied, das die Schweizer Jungen so gerne singen, das ist der Sempachermarsch, den die Eidgenossen blasen, wenn's zum Angriff in die Schlacht geht. Das Lied aber hat seine Entstehung der Schlacht bei Sempach zu verdanken, die erst so recht die Freiheit der Schweizer festigte. Nämlich die Herzöge von Österreich, die früher in den eidgenössischen Landen eine so große Herrlichkeit ausübten, konnten es nicht verwinden, daß sie bei Morgarten von den drei Ländern Uri, Schwyz und Unterwalden besiegt worden waren und daß ihre Macht in den österreichischen Vorlanden von diesen Völkern und ihren nun auch mitverbündeten Eidgenossen von Luzern immer mehr geschmälert wurde. So beschloß denn der österreichische Herzog Leopold der Glorreiche, die vier Waldstätte um den grünen Bergsee zu züchtigen und sich die Stadt Luzern und die Alpenländer wieder zu unterwerfen. Er zog, wie einst sein Ahnherr, mit einem gewaltigen, aufs beste ausgerüsteten Heere gegen die Bergländer aus. Es war im Jahre 1386 zur Erntezeit, als das stolze Kriegsheer vor ein Städtlein namens Sempach kam, das an einem stillen, kleinen See liegt, in dem sich die obstreichen Höhen spiegeln. Die Eidgenossen von Luzern, Uri und Unterwalden, mit Zuzügen von Zug und Glarus, lagen im Walde versteckt und sahen nicht ohne Bangen den jungen Herzog mit seinem glänzenden Heere von viertausend Reitern und Fußvolk bei Sempach stehen. Die Österreicher trieben es gar übermütig, da sie des Sieges zum voraus gewiß waren. Sie mähten rund ums Städtlein das reife Korn ab, und ein Kriegsmann ritt vor die Ringmauer und rief hinauf: "Schickt doch den fleißigen Mähdern das Morgenbrot hinaus!" Da antwortete ihm des Städtchens Schultheiß: "Ich hoffe, meine Herren von Luzern und ihre Eidgenossen werden's euch bald genug also bringen, daß manchem von euch der Löffel aus den Händen fallen wird." Sie führten auch ganze Wagen voll Stricke mit sich, an denen sie die Eidgenossen aufhängen wollten. Als nun Herzog Leopold die Eidgenossen im Walde merkte, befahl er, daß sich sein Heer in Schlachtordnung im freien Felde aufstellen solle, und kein Ritter dürfe auf dem Pferde bleiben. Jetzt zeigten sich die Eidgenossen am Waldrand. Wie sie Ritter Hasenburg aus den Tannen auftauchen sah, klein an Zahl, aber in guter Ordnung, riet er seinem Herzog, er möchte doch seine Person nicht zu sehr dem Kampfe aussetzen, worauf ihm der Ritter Ochsenstein höhnisch zurief: "Hasenburg, o Hasenherz! Wir wollen die Eidgenossen, noch vor's zunachtet, dem Herzog gesotten und gebraten auf den Tisch liefern." Der junge Herzog aber sagte: "Das wolle Gott verhüten, daß ich euch allein kämpfen lasse. Ich will Gutes und Übles mit euch teilen, mit euch siegen oder sterben." Es war ein gar schwüler Tag, und die Sonne brannte vom Himmel. Jetzt rannten die Schweizer in Keilform, wie bei ihnen gebräuchlich, mit gewaltigem Kriegsgeschrei von den Hügeln herab ins Feld. Wild schwangen sie ihre Hellebarden und Knüttel und meinten gleich im ersten Anlauf an den Feind zu kommen. Doch des Herzogs Heer hatte sich so aufgestellt, daß den heranstürmenden Schweizern ein gar stachliger Eisenhag von lauter langen Spießen, die bis aus dem vierten Glied sollen vorgeragt haben, entgegenstand. Also prallten die Eidgenossen an dieser fürchterlichen Hecke gar böslich auf mit ihrem lebendigen Keil und sahen mit Schrecken, daß sie dem Ritterheer, das mit Schild und Speer wie eine Mauer dastand, mit ihren Schlagwaffen nicht beizukommen vermochten. Schon der erste Anprall auf diesen Eisenigel hatte viele Eidgenossen niedergeworfen. Ratlos standen sie vor den Spießen, und obwohl sie darauf loshämmerten mit ihren Knütteln und viele zerbrachen, kamen sie doch nicht an die Ritter, denn immer wieder wurden die zerbrochenen Spieße aus den hinteren Reihen rasch ersetzt. Bangen ergriff die Schweizer. Noch nicht ein Feind war gefallen, und schon lagen viele Eidgenossen sterbend unter den Spießen, und auch das Panner von Luzern sank mit seinem greisen Schultheißen. Und unversehens kam Leben in den Speerwald der Ritter. Er begann sich, langsam vorrückend, zum Halbmond zu formen, um die Schweizer einzuschließen und dann in dem eisernen Wall zu erdrücken. Schreckensbleich, wie eine vom Donner aufgescheuchte Schafherde, taten sich die Eidgenossen noch enger zusammen. Sie wähnten sich verloren, fliehen aber wollten sie nicht. Da rief auf einmal ein Mann aus Unterwalden namens Arnold Winkelried mit gewaltiger Stimme: "Eidgenossen, ich will euch eine Gasse machen. Sorgt für mein Weib und meine Kinder!" Wie ein Wetterleuchten in der Nacht fuhr er an den Feind, griff mit beiden Armen in die dichtstehenden Spieße und riß sie mit Riesenkraft mit sich zu Boden. Aber wie ein gestauter, plötzlich losbrechender Wildbach rasten jetzt die Eidgenossen über ihn hinweg, brachen in die im Speerwald entstandenen Lücke ein und ließen ihre Hellebarden, Knüttel und Morgensterne also herumwirbeln, daß den Rittern die Helme von den Köpfen und die Speere aus den Fäusten flogen. Ei, wie mußten jetzt die Herren an einen so blutigen Tanz, die sich bisan für die Musikanten gehalten hatten! Umsonst versuchten Ritter und Reisige sich zu stellen und mit ihren langen Spießen die Stürmenden niederzustechen. Diese Dornhecke vermochte den Wildstrom nicht mehr aufzuhalten. Eine blutige Straße tat sich in ihren dichten Reihen auf; die wütenden Eidgenossen bahnten sich mit wildem Jauchzen, zu dem die Panzer der Ritter einen gar schrillen Klang gaben, den Weg zur Freiheit weiter, immer weiter bis gegen die Mitte, wo der junge Herzog Leopold hielt. Es sank die Fahne von Tirol, es rang ein junger Hirt von Gersau dem Grafen von Hohenzollern das Panner seines Landes aus der Eisenfaust, es fielen die Ritter und Herren in ihren schweren Harnischen, die ihnen jetzt den Arm lähmten und sie erstickten. Und immer näher und näher klirrten und krachten die Hiebe der schrecklichen Wegmeister, immer näher rückte der bluttriefende Pfad dem Herzen des österreichischen Heeres, dem Herzen des Hauses Habsburg. Und jetzt stürzten sich die vordersten blutüberströmten Eidgenossen zähneknirschend auf das Hauptpanner von Österreich. Ein grausiges Ringen - es sank das stolze Panner. Aber Ritter Ulrich von Aarburg hob es wieder hoch und rief: "Retta Österreich, retta, retta!" Er hielt es, bis auch er zusammengehauen wurde. Doch der junge Herzog Leopold von Österreich, der jetzt ohne Helm, mit blitzenden blauen Augen und wehendem Lockenhaar unter seinen Getreuen stand, erfaßte selber das sinkende Panner aus des Aarburgers Hand. Hoch schwang er's auf und rief seinen Rittern, die ihn fortreißen und retten wollten, zu: "Das verhüte Gott, daß ich fliehe! Es ist so mancher fromme Biedermann um meinetwillen in den Tod gegangen, daß ich von diesen nicht weichen will; lieber ehrlich sterben als unehrlich leben!" Umsonst warf sich Martin Malterer, der der Stadt Freiburg im Breisgau Feldzeichen trug, vor ihn, ihn zu schützen. Er wurde erschlagen und nach ihm auch der junge, heldenmütige Herzog. Jetzt kam das Entsetzen in das Heer. Die Ritter riefen: "Die Hengste her, die Hengste her!" Aber die ungetreuen Knechte hatten sich auf den Pferden längst aus dem Staube gemacht. Wehe allen, die nicht zu fliehen vermochten! Sie wurden von den grimmigen Eidgenossen schonungslos zusammengehauen. Bald war die Schlacht aus. Ein Heer von Adeligen, mit wohl dreihundertachtzig gekrönten Helmen darunter, bedeckte das Feld, auf dem am Morgen ihre Knechte noch voll Übermut das Getreide niedergemäht hatten. Auch eine große Anzahl der Hilfsvölker aus den Städten lag im Blute, darunter der getreue Schultheiß Klaus Thut von Zofingen, der das Panner seiner Stadt, um es zu retten, in den Mund gesteckt hatte. Aber als die Eidgenossen jauchzend und frohlockend ihren Sieg feiern wollten, ertönte auf einmal weit durch Berg und Tal das Heerhorn von Uri, der Uristier. Und als die Krieger, ihn in Bedrängnis glaubend, seinem Rufe nachgingen, erblickten sie zu den Füßen des gehörnten Heerhornträgers den Helden Winkelried, wie er tot auf dem Gesichte lag, in seinen Armen die stachlige Garbe der blutüberströmten Spieße. Da sank wie der Schatten eines Berges tiefe Trauer über die Eidgenossen. Sie umringten den toten Helden, der ihnen die blutige Gasse zum Sieg geöffnet hatte, knieten nieder und beteten mit ausgestreckten Armen für seine Seele. Drei Tage lang blieben sie auf der Walstätte. Die Unterwaldner aber zogen mit ihrem toten Helden still über den See der vier Waldstätte, ihn unter den leuchtenden Firnen seiner Heimat zu begraben. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aroleid by ( M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Aroleid

Source: ( M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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In Zermatt heisst es an einer Bergschaft "Aroleid", was so viel bedeuten soll als Leidwesen von einem Ari — Geier — oder grauen Adler, verursacht. Dieser Name soll folgendem traurigen Ereignis entnommen worden sein: Eine Mutter welche das Vieh hütete, legte ihren Säugling in das Gras nieder, um dem Vieh nachzulaufen, das sich zu weit entfernte. Während ihrer Abwesenheit kam der Geier — d's Ari — und raubte ihr das Kind. Als sie zurückkehrte, sah sie einen grossen Vogel in der Luft, von dem eine lange Fäsche (Band) herunterhing. Die Unglückliche erriet schnell, was dies bedeute; — erfüllte Berg und Tal mit ihrem Wehklagen, fand aber das liebe Kind nie wieder.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Aroleid by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Aroleid

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Im Zmuttale wohnte eine Familie mit zahlreichen Kindern. Am Sonntag gingen Vater und Mutter nach Zermatt in die Kirche und liessen unterdessen die Kinder allein. Diese sprangen dann in den umliegenden Wiesen umher. Da geschah es, dass "ds Ari" – so werden die Geier noch heute in Zermatt genannt, plötzlich hinunter auf eines der Kinder schoss, es bei den Kleidern packte und davontrug. Der Knirps aber zappelte so gewaltig und schrie so entsetzlich, dass "ds Ari" es für ratsamer hielt, seinen Raub auf der andern Seite des Zmuttbaches niederzulegen. Der Ort, wo dies geschah, trägt bis heute den Namen Aroleid. Man behauptet, dieser Knabe sei später ein tüchtiger Jäger geworden und habe manchem "Ari" den Garaus gemacht. Nach einer andern Sage heisst es, dass eine Mutter ihren Säugling in das Gras niederlegte, um dem Vieh, das sich zu weit entfernt hatte, nachzueilen. Während ihrer Abwesenheit raubte ein Geier das Kind und trug es davon - auf Nimmerwiedersehen. ZERMATT Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Aroleid by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Aroleid

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Im Zmuttale wohnte eine Familie mit zahlreichen Kindern. Am Sonntag gingen Vater und Mutter nach Zermatt in die Kirche und liessen unterdessen die Kinder allein. Diese sprangen dann in den umliegenden Wiesen umher. Da geschah es, dass "ds Ari" – so werden die Geier noch heute in Zermatt genannt, plötzlich hinunter auf eines der Kinder schoss, es bei den Kleidern packte und davontrug. Der Knirps aber zappelte so gewaltig und schrie so entsetzlich, dass "ds Ari" es für ratsamer hielt, seinen Raub auf der andern Seite des Zmuttbaches niederzulegen. Der Ort, wo dies geschah, trägt bis heute den Namen Aroleid. Man behauptet, dieser Knabe sei später ein tüchtiger Jäger geworden und habe manchem "Ari" den Garaus gemacht. Nach einer andern Sage heisst es, dass eine Mutter ihren Säugling in das Gras niederlegte, um dem Vieh, das sich zu weit entfernt hatte, nachzueilen. Während ihrer Abwesenheit raubte ein Geier das Kind und trug es davon - auf Nimmerwiedersehen. ZERMATT Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Äs fählt nu meh, ass mä meint by (Josef Müller, Sage, Uri)

Äs fählt nu meh, ass mä meint

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Zu Wattingen, etwa eine Viertelstunde hinter dem Bergdörflein Wassen, lebten in einem Häuschen eine Stiefmutter und ihre Tochter einträchtig zusammen. Sie redeten viel von der Ewigkeit und machten miteinander aus, welches zuerst sterbe, solle zurückkommen und dem andern kund tun, was ihm noch fehle zum Eintritt in den Himmel. Die Stiefmutte starb zuerst. Eines Nachts kam sie zur Tochter, eiskalt, legte sich zu ihr in's Bett hinter ihren Rücken und offenbarte ihr: »Äs fählt de nu meh, ass mä meint.« Dann bat sie, noch acht heilige Messen für sie lesen zu lassen. Franziska Kruog Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Äs wäm Mälchesziid by (M. Sooder, Sage, Bern)

Äs wäm Mälchesziid

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Vum Eggacher naha chunnd es Wägli abha i-w-Wäg. D'Liit häin näben däm Wägli grossa Schade taan, bsunderbar bi-l-läidem Wätter. We s' desüüf old desab siin, häi s' ds Chrüüd verstampfed u-s-siin näb em Wäg ggangen. Dr Bbüür hed das nid welle tolen und hed z'beede Siite vum Wäg Hagstäcke schreg igschlagen. Es Morgeds siin dee Hagftäcken üüsgschrissen im Chrüüd glägen. Milchbööben hätte 's gmachd ghäben. Am Morgen drüüf siin dee Bööben enumhi verbii und häi zum Vee wellen. Jetz hed se dr Bbüür bbanned. Si häin nid es Bäin, nid es Ärmli mee chenne-w-wäiggen. Döö sii d'Chilcheliit chun. D'Bööbe siin no geng da gsiin. Dr Bbüür wän o derbee gsiin. Är hed taan, as wen er niid wissti und hed zum Bööbe gsäid: „E, e, Bööben! As wäm Mälchesziid." Mid däm häi s' chennen gaan. D'Hagftäcken häin vun da a-r-Rööww ghäben. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Äs wilds Mandli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Äs wilds Mandli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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heig-nä vill ghulfä-n-uff Babärg (einer Alp in Isental). Aber im Fehn syg-si-si eisster im Heiwstock ga versteckä; und wennd-s-es gfragt heiget, worum das äs das machi, heigs alligs gseit, der Fehn syg das umgsindisch Wätter, der trechni eim ds Marg i dä Beinä. Einisch heiget-s es neiwis erteibt; was, das weiss-i nitt. Und darnah heig-s gseit, wennd-s'etz das nitt gmacht hättet, sä hätt's-nä-n-eppis 'zeigt, dass uss der Süffi nu meh zogä hättet weder uss der Milch. Diä Wildä syget chlylochti, ghaarigi Mandäli gsy und heiget gross Bärt gha. Diä Altä hennt vill von-nä prichtet. Alois Herger, 40 Jahre alt, Isental Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Asbest by (Josef Müller, Sage, Uri)

Asbest

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Felix Donat Kyd plaudert in seinem Büchlein »Panorama oder Aussicht und Rundsicht der zwei Anhöhen Gütsch und Bühl« (1860): »Am Bristen verloren die alten Hexen, wenn sie auf ihren Besen aus dem Kalber-, Kuh-, und Stierenland (Unterwalden, Schwyz und Uri) ins Pumperluserland fuhren, ihre Haare, welche sich seither versteinerten und an mehrern Orten des Bristens unter dem Namen Asbest oder Bergflachs gefunden werden.« Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aschengrübel by (Märchen aus dem Entlebuch, Zaubermärchen, Luzern)

Aschengrübel

Source: (Märchen aus dem Entlebuch, Zaubermärchen, Luzern)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 510B

Ein kleines Mädchen hatte seine beiden Eltern früh verloren. Sie hatten ihm nichts hinterlassen als nur ein wunderschönes, strahlendes Kleid und dazu ein Testament; kein Mensch wusste aber, wo dieses hingekommen war. Also nahm das Mädchen das Kleid in ein Tüchlein und suchte sich einen Dienst. Es musste froh sein, endlich in einem vornehmen Haus eine Unterkunft zu finden, wo es die niedrigste Küchen- und Stallarbeit zu besorgen hatte. Deswegen nannte man es nur das Aschengrübel. Sein schönes Kleid aber versteckte es gleich anfangs unter einer Tanne. Nach einiger Zeit war im Orte Musik und Tanz; da ging es lustig zu, und am fröhlichsten war der Sohn des vornehmen Hauses, in welchem Aschengrübel das armselige Leben führte. Da bat auch das Mädchen ihre Herrschaft um Erlaubnis, auf den Tanzplatz zu gehen. "Ja", sagte die Meistersfrau, "gehen und zusehen darfst du, aber beileibe nicht tanzen." Da ging es zu der Tanne hin, wusch sich unterwegs an einer Quelle Gesicht und Hände von Staub und Russ blank und zog sein strahlendes Kleid an, und da war es eine wunderschöne Jungfrau. Als es nun auf dem Tanzplatz erschien, blickte alles nach ihm hin, und der vornehme Jüngling kam allen andern zuvor, und weil er Aschengrübel nicht erkannte, lud er es zum Tanze ein. Aber es liess sich nicht dazu bewegen, so dringlich er es auch bat. Zeitig entsprang es und kam wieder unter die Tanne zurück; hier legte es sein Kleid weg und machte sich Gesicht und Hände wieder russig. Da kam plötzlich ein winziges Männchen hinter der Tanne hervor, das grüsste mit freundlichen Worten, und - hast ihn nicht gesehen - da war der Kleine wieder verschwunden, wie er gekommen war. Von der Zeit an hatte aber der vornehme Jüngling keine Ruhe mehr, bis er es zuwege gebracht hatte, dass wiederum ein Tanz abgehalten wurde. Aschengrübel fragte die Herrschaft auch wieder um Erlaubnis, hinzugehen. "Ja", sagte die Meistersfrau, "gehen und zusehen darfst du, aber beileibe nicht tanzen!" Da tat es wie das erste Mal, und als es in dem strahlenden Kleide auf dem Tanzplatz erschien, da hatte der Jüngling wieder nur Augen für die schöne Jungfrau und bat sie noch dringlicher als das erste Mal, mit ihm zu tanzen, und als Aschengrübel es verweigerte, wollte er ihm mit Gewalt einen Kuss geben. Aber es entschlüpfte ihm wie ein Mäuschen vor der Katze und kam wieder zu der Tanne zurück. Da kam auch das winzige Männchen wieder, das grüsste noch viel freundlicher als zuvor. Dem Jüngling kam aber die schöne Jungfrau nicht mehr aus dem Sinn, und er hatte keinen Trost und keine Freude auf der Welt, bis wieder Tanz war. Aschengrübel tat wieder nach Gewohnheit, und als es in dem strahlenden Kleid auf den Tanzplatz kam, da fasste der Jüngling es bei der Hand und wollte es nicht mehr loslassen, bis es ihm versprochen hätte, dass es seine Frau werden wollte. Nun hätte es sich in den Boden verkriechen mögen, weil es ihm endlich sagen musste, dass es nur das Aschengrübel sei, das im Hause seiner Eltern die armselige Küchen- und Stallarbeit verrichte. Allein der Jüngling hatte es ebenso lieb wie vorher und setzte sofort den Tag fest, an welchem die Hochzeit gefeiert werden sollte. Aschengriibel bedingte sich aus, bis dorthin noch unbekannt bleiben zu dürfen, und der Bräutigam musste versprechen, den Namen seiner Braut geheimzuhalten. Dann ging Aschengrübel zu der Tanne, und da kam auch das winzige Männchen, das schmunzelte vor lauter Freundlichkeit, als es grüsste. Als aber der Hochzeitstag da war und Aschengrübel zum letzten Mal zu der Tanne kam, um das strahlende Kleid anzuziehen, funkelten des Männchens Augen vor heller Freude und Güte, und es sagte: "Da hast du auch etwas zur Mitgift." Damit übergab er ihm ein Buch, und als es dasselbe öffnete, da war es das Testament ihrer Eltern, das sie zur Erbin einer grossen Herrschaft einsetzte. Hocherfreut eilte Aschengrübel zu ihrem Bräutigam, der Bräutigam führte Aschengrübel zu seinen Eltern, und da ward eine Hochzeit gefeiert, ihr habt in euerm Leben noch keine schönere gesehen.   Quelle: Otto Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz. Aarau 1873. (Innerschweiz, Entlebuch). AaTh 510 B.  (Nach Lütolf Sagen 493.) Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch. Audioversion, erzählt in Walliser Mundart von der Märchenerzählerin Luciana Brusa    


Aschengrübel und Erdmännchen  by (Alois Lütolf, Zaubermärchen, Luzern)

Aschengrübel und Erdmännchen 

Source: (Alois Lütolf, Zaubermärchen, Luzern)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 510B

Einem vornehmen Kinde starben früh die Eltern weg. Sie hinterliessen ihm aber nichts als ein Testament, das sie einem guten Freunde zum Aufbewahren gaben, bis die Tochter gross geworden, und ein wunderschönes Kleid. Da sonst die verlassene Waise keine Mittel hatte, um ihr Leben zu fristen, nahm sie das Kleid in einem Tüchlein mit und suchte sich einen Dienst. Das Mägdlein musste froh sein, endlich in einem gar adelichen Hause Unterkunft zu finden, wo es die niedrigste Küchen- und Stallarbeit zu besorgen hatte. Desswillen nannte man es nur den Aschengrübel. Das schöne Gewand hielt es unter einer Tanne verborgen. Nach einiger Zeit war im Orte Musik und Tanz. Unter die Fröhlichen gehörte vor allen der Sohn des Hauses, in dem Aschengrübel lebte. Von diesem Sohn hatte sie besonders viel zu leiden, seitdem sie ihm einmal bewiesen, dass ein armes, verlassenes Mädchen und strenge keusche Sitte nicht unvereinbare Dinge seien. Jetzt ergriff sie ein unwiderstehlicher Drang auf den Tanzplatz zu gehen. Ihre Meisterschaft gab endlich die Erlaubnis, dass sie gehen dürfe, da Aschengrübel zufrieden sein wollte, wenn sie nur ein wenig zuschaucn dürfe. Sie wusch sich, ging zur Tanne hin, holte ihr herrliches Kleid und zog es an. Wie durch Zauber geschah, dass sie nun eine wunderschöne Jungfrau vorstellte und am Tanze aller Augen auf sich zog. Besonders war es gerade der Vornehmste aller Jünglinge, der sie ersuchte, mit ihm zu tanzen und der sie nicht mehr lassen wollte. Aber so sehr er in sie drang, sie nannte ihren Namen nicht und wusste sich endlich unter einem Vorwande wegzustehlen. Unter der Tanne verbarg sie wieder ihr Kleid und kam ins Haus zurück, wie sie gegangen war, als der arme, unscheinbare Aschengrübel. Jener Jüngling hatte seitdem die Ruhe seines Herzens eingebüsst und da sein Forschen nach der schönen Jungfrau umsonst war, sorgte er dafür, dass wieder ein solcher Tanz wie früher und am gleichen Orte veranstaltet wurde, in der Hoffnung, die Holde möchte wieder kommen. Alles verlief wie das fühere Mal, sie kam. Und dem Jüngling ward es angetan, dass er sie noch lieber haben musste, besonders als er, sich etwas vergessend, Anlass erhielt, die strenge Zucht der Schönen zu bewundern. Und ihn dieser Zwischenfall not und gar um ihre Gunst gebracht hätte. Denn nur aufrichtiges in sich Gehen, das er bewies, rettete ihn von diesem grössten Leid, das ihm begengen konnte, nämlich dass sie ihm für immer den Abschied gab. Ihren Namen aber enthüllte sie ihm noch nicht und entfernte sich wieder ebenso heimlich als das erste Mal. Wie sie die Tanne erreichte, stand ein winziges Männchen da, ein Zwerg, den sie sonst noch nie gesehen. Derselbe tat ungemein freundlich und lobte sie hoch darum, dass sie sich gegen den Jüngling so brav benommen; solle so fortfahren, sie werde dann glücklich werden. Dann ging sie heim und war was vorher und hatte es um kein Haar besser als früher, niemand benahm sich freundlicher gegen sie. Dem Jüngling dagegen kam die züchtig schöne Jungfrau nicht mehr aus dem Sinn und es half kein Trost und kein Vergnügen, bis wieder Tanz war. Er täuschte sich nicht. Die Ersehnte erschien und däuchte ihm viel lieblicher noch als die vorigen Male. Lange sträubte sie sich, ihm ihre Herkunft zu offenbaren. Er werde, wenn er sie kennen oder sehen würde, wie sie sonst bei der gewöhnlichen Arbeit sei, sie gewiss nicht mehr lieben sondern verachten, sagte sie ihm wiederholt. Allein er gab ihr die heiligsten Versicherungen unvergänglicher Liebe und Treue. Und so lernte endlich der Sohn jenes vornehmen Hauses, in dem Aschengrübel diente, diese ärmste Magd seines Vaters als die erwählte Braut seines Herzens kennen. Das entsetzte ihn nicht, er hatte sie gleich lieb und bestimmte gleich den Tag der Hochzeit. Aschengrübel bedingte sich aus, bis dorthin unbekannt zu bleiben und zu leben wie vordem Ihr Bräutigam musste das zugenben und versprechen, den Namen seiner Braut geheim zu halten. Bei jener Tanne, wo das Mädchen unterdessen das schöne Gewand behalten wollte, stand wieder das Männchen, lobte wie früher und sagte, er werde sie hier am Tage der Hochzeit, wenn sie das Kleid hole, auch noch sehen und beschenken. Was war 's, das er ihr alsdann übergab? Das Testament ihrer Eltern, welches sie zur Erbin einer grossen Herrschaft machte. Angtan mit dem Prachtgewande, wie es kein schöneres gab, kam sie zum harrenden Bräutigam, der das Testament von ihr entgegen empfing, und seinen erstaunten Eltern die herrliche Braut in der Person ihres Aschengrübels vorstellte. Wie nun der Bund gesegnet war und die Neuvermählten auf das herrschaftliche Gut der Frau reisten, begegnete ihr auf dem Wege wieder das gute Männchen und sagte, dass er ihr, und zwar insbesondere für sie, noch ein Geschenk in die Schürze zu legen habe. Was tat er hinein und hiess sie sorgsam darauf Acht zu haben? Sie durfte es den Begleitern nicht sagen, um nicht ausgelacht zu werden und liess auch die Sache unvermerkt aus der Schürze fallen, es waren ja nur — Rossbollen. Nur etwas Weniges blieb davon hängen. Wie sie später nachsah — war es blankes Gold.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzrtn 1865, Bei dieser Sage gibt es keine genaue Zuordnung zu einem der fünf Kantone.. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.  


Äschenhiifleni uf dr Fiirblatten by (M. Sooder, Sage, Bern)

Äschenhiifleni uf dr Fiirblatten

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In dr häiligen Nacht isch'sch gsiin. Da siin alli, wa zer Hüüshaltig häi gheerd, i ds Fiirhüüs, und es eeders hed es Äschenhiifli uf dr Fiirblatte gmachd. Am Morge siin alli angäänds virha und häi gwundred, ob ira Hiifli no ganzes siigi. Wen es Hiifli zersteerts ischd gsiin, sa hed's ghäissen, dasjänig, däm ds Hiifli siigi, meessi ds Jaar drüüf stärben. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auch das Wasser bannt er by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Auch das Wasser bannt er

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Der gleiche Arzt konnte auch das siedende Wasser unschädlich machen; aus demselben holte er ein Goldstück heraus, ohne sich die Hände und Arme zu verbrennen.  G. W. Füllemann Das erinnert an die Feuerproben auf den alten Dingstätten. Der Priester sprach: "Ich beschwöre dich, Kreatur des Wassers, daß der Teufel weiche aus dir und du dem Herrn dienest zur Offenbarung der Wahrheit gleich dem Feuerofen des Königs von Babylon, da er die drei Jünglinge hineinwerfen ließ." Dann hatte der Angeklagte den goldenen Ring herauszunehmen, ohne sich zu verbrennen. Damit war seine Unschuld bewiesen.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 59, S. 27 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auch ein Knecht by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auch ein Knecht

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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in der Kuhplanggenalp konnte es gut mit dem Teufel. Häufig schlief er am Schatten hinter einem Stein, und dann kam jedesmal der Teufel und wehrte ihm die Fliegen. Dänk mid'm Schwanz. Ferd. Furrer, 35 Jahre alt, Erstfeld Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf dem Kaiser by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf dem Kaiser

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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in Isental bin ich auch einmal gewesen. Zuoberst ist ein schöner Platz, tupfeben wie eine Stube, in der Mitte eine rundliche Vertiefung wie ein Wellchessi und um diese eine Erhöhung ähnlich einer berasten Mauer. Zur Franzosenzeit seien von allen Seiten grosse Schätze dahin geflüchtet worden. Einst versuchten wagemutige Leute, diese Reichtümer zu gewinnen. In der heiligen Nacht gruben sie nach ihnen; schon sahen sie's blinken und glitzern; da wehte der Wind den Klang einer Kirchenglocke, die soeben zur Wandlung läutete, vielleicht von Isental her, bis auf die luftige Höhe, und ach! der Schatz verschliff vor den Augen der gierigen Sucher in die Tiefe. So sei es schon mehr als einer Partie ergangen. Fr. Truttmann-Truttmann, 35 Jahre alt, Seelisberg Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf dem Maielistein by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf dem Maielistein

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hatte der Gamma Mary von Schattdorf den Füchsen gebeizt. In der Nähe lotzte er. Nach einer Weile kam einer dahergeschlichen. Den aber schoss der Mary nicht. Der trug, bei Gott!, auf dem Kopfe »Hübä-n- und Chäppli«, die damals übliche Urner Frauenkopftracht. Jos. Muheim, 66 Jahre alt, Schattdorf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf dem Schatzbödeli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf dem Schatzbödeli

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oder Burgli in der Ysleren zu Attinghausen ist ein Schatz vergraben. Drei Männer gruben nach ihm, und ihre Arbeit versprach Erfolg, denn schon schlugen die Spaten auf dem harten Metalle auf. In diesem Augenblick begann das Vieh im nahen Stalle zu brüllen. Schnell liefen die drei hin, um nachzusehen, konnten aber nichts Unrichtiges entdecken. Als sie zu ihrer Arbeit zurückkehrten, war der Schatz versunken. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf dem Scheibenbödemli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf dem Scheibenbödemli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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zu Seelisberg ist ein tiefes, tiefes Loch im Boden, Hell-Loch genannt, das gaht bis i d'Hell appä, und wenn ein Kind Goldrosen (Feuerlilien) an seinem Rande pflücken will, dann schiesst plötzlich der Teufel aus dem Krachen heraus und zieht es hinunter. Alois Truttmann, 15 Jahre alt, Maria Zwyssig, 18 Jahre alt. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf dem Schlosshügel by (Theodor Vernaleken, Sage, Bern)

Auf dem Schlosshügel

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Auf dem Schlosshügel bei Rohrbach vernimmt man jedes Mal vor einem Gewitter ein Geheul und ein Knallen der Peitschen und ein Rasseln des Wagens gerade an der Stelle wo der frühere Schlossherr eine ungeheure Brücke bauen wollte. Zu dem Bau sollten die Bewohner unerschwingliche Beisteuern geben. Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchen.ch  


Auf dem St. Georgenberg by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Auf dem St. Georgenberg

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Fahrende Schüler haben durch den Bergspiegel in die Felswand hineingeschaut und da, wie an der höher gelegenen Steienwand und im Goldloch der nahen Alp Sennis, unermessliche Schätze von Gold und Silber entdeckt. Den Venedigern verwandelten sich die Steine dieser Gegend in Gold, und aus ihr sollen sie sich alle ihre Reichtümer geholt haben. An der glatten, gewöhnlichen Menschen unzugänglichen Felswand mitten unter den Kapellen befindet sich eine Türe, die ins Innere des Berges zu den Schätzen führt. Diese öffnet sich zuzeiten am hellen Tag. Geistliche Herren treten aus ihr hervor, steigen, man begreift nicht wie, an der Felswand empor zum Gipfel und sonnen da zwischen den Kapellen ihre Messgewänder und allerlei kostbare Geräte. Während dieser Zeit getraute sich niemand, die Höhe zu besteigen. Haben sie ihre Schätze lange genug gesonnt, so kehren sie zurück, verschwinden im Berge, und die Türe schliesst sich wieder. In der Nacht aber gehen auf der Höhe noch viel unheimlichere Dinge vor. Oft, wenn in Flums oder Bärschis die Glocken die Mitternachtstunde geschlagen haben und das Tal im tiefsten Dunkel liegt, wird es da oben plötzlich hell, und man sieht schwarze Gestalten zwischen den zwei Kapellen Kegel schieben. Mit zwei goldenen Kugeln werfen sie unermüdlich nach silbernen Kegeln, und deutlich hört man unten das dumpfe Rollen der Kugeln, das Fallen der getroffenen Kegel und die verworrenen Männerstimmen, bis Schlag ein Uhr plötzlich alles verstummt und verschwindet. Von den schwarzen Gestalten tragen einige eine weisse Kopfbedeckung; bei den meisten aber ist nichts Weisses mehr zu sehen. Jene sind noch erlösbar, diese nicht. O. Giger. *** Wodan, der Gott der Winde, ist auch der Gott des bewegten nächtlichen Spiels. An seine Stelle trat in der christlichen Zeit vielfach der hl. Georg, der Patron der Ritter und reichen Herren. Wirklich ist das sehenswerte alte Wallfahrtskirchlein dem hl. Georg gewidmet, und das lärmende Gefolge des einstigen Heidengottes wurde zu einem Heer unruhiger Geister, die mit ihrem Spuk noch die Gegenden erfüllen, an denen ihr Herr und Gebieter einst am eifrigsten verehrt ward. Der St. Georgsberg ist ohne Zweifel eine uralte Kulturstätte; er war ein natürlicher Opferaltar für die heidnischen Festgelage; auf ihm stand auch ein römisches Kastell, dann im Mittelalter ein kleines Beguinenkloster, was alles der Volksmund in seinen Sagen bis auf unsere Zeit festgehalten hat.  Nach Dr. E. Buss Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 360, S. 201f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf den Bristenstock by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf den Bristenstock

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Dem Pfarrer Elmauthaler in Altdorf (gest. 1884) begegnete einst auf dem Schächengrund ein ihm bekanntes Frauenzimmer aus seiner Heimat im österreichischen Salzkammergut Er redete es an und vernahm von ihm, es müsse auf den Bristenstock, um dort seine Sünden abzubüssen. Josefa Imhof-Aschwanden, 85 Jahre alt, Altdorf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf den Gräbern by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Auf den Gräbern

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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In den alten, kriegerischen Zeiten waren einmal alle wehrfähigen Männer von Simplon fort in den Kampf gezogen. Vermutlich wegen Zwistigkeiten mit den Ossolanern. Da geschah es, dass plötzlich eine Menge Welscher die Gondoschlucht herauf gegen Simplon vorrückten. Ein einziger wehrhafter Bürger war im Dorfe geblieben. Der hiess Carlo und war ein tüchtiger, tapferer Mann. In der grossen Ratlosigkeit wusste er vorerst nicht, was beginnen. Dann sammelte er alle Frauen des Dorfes und führte sie in Männerkleidern und bewaffnet hinunter, den Welschen entgegen. Wo es heute heisst, "Auf den Gräbern", oberhalb Gaby, begann die Schlacht. Carlo stritt wie ein Verzweifelter, und die Frauen wehrten sich tapfer. Als der Anführer aber ermattet war, seufzte er: Wenn ich doch einen Schluck Wasser trinken könnte, dann ginge es wieder», und er steckte sein Schwert in die Erde. Sogleich entsprang da eine ziemlich grosse Quelle, die noch heute fliesst. Carlo kämpfte weiter, doch die Lage wurde immer schlimmer, bis dann endlich, wie eine Legende erzählt, die Muttergottes auf den Bleiken ins Geschehen eingriff. Sie erschien in strahlender Pracht und stellte sich auf die Seite Carlos und seiner Kämpferinnen. Voll Wut schrien die Welschen: «Schaut, die weisse Frau, jetzt ist auch sie noch gegen uns! Jetzt können wir nichts mehr machen!» So gewannen die Simpeler diese Schlacht. In der Bleikenkapelle hängt noch heute das Bild, das den Sieg verewigt. Nach dieser Darstellung wird die Muttergottes von Engeln getragen, und unter ihr sieht man die fliehenden Welschen auf Rossen. Man erzählt ferner, die Bewohner von Simplon hätten aus Dank für den Sieg eine Kapelle versprochen und wollten sie zuerst unten im Scheitelboden bauen. Aber jeden Morgen fanden sie die Werkzeuge am Platze der heutigen Bleikenkapelle. Der Name "Auf den Gräbern" wird wohl daher rühren, weil man die erschlagenen Feinde dort beerdigt hat. SIMPLON-DORF Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Auf den Hüfigletscher by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf den Hüfigletscher

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Sepp-Marie's Babä hatte im Geiss-Sticki, einem Gütlein vor »im Wiler« zu Gurtnellen, gearbeitet. Auf dem Heimwege begegnete ihr eilenden Schrittes eine in Ursern verheiratete Gurtnellerin. »Wohin, wohin so eilig?« fragte Babä. »Auf den Hüfigletscher, und mein Leib im Oberland ist noch nicht erkaltet.« Einige Tage später vernahm Babä, dass jene Person zur Stunde der Begegnung gestorben war (19. Jahrhundert), Johann Tresch, Präzis Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf den Surenen-Alpen by (Theodor Vernaleken, Sage, Obwalden)

Auf den Surenen-Alpen

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Obwalden)

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Auf den Surenen-Alpen zwischen Engelberg und Uri hat man eine eigentümliche Überlieferung, die aus einem andern Frevel das Verwildern der Bergtrift entstehen lässt. Vor langen Jahren, heisst es, kam einer Rotte mutwilliger Jungen in den Sinn, einen Widder zu taufen. Da ward zur Strafe dieser Ruchlosigkeit ein entsetzliches Ungeheuer aus dem Widder, und Schafe, Rinder, Kühe, selbst Menschen in Unzahl wurden von ihm zerrissen, also dass die Gegend öde ward und immer wilder aussah. Nach langem aber zog ein fremder fahrender Schüler des Weges. Der war kundig geheimer Künste und gab dem betrübten Volke Rat, wie es sich helfen könnte. Er gebot, sie sollten das Erstlingskalb von einer starken Kuh nehmen und es zwölf Jahre lang säugen lassen, jedes Jahr durch eine Kuh mehr, bis ihrer ebenfalls zwölf sein würden und das Kalb erstarkt wäre zum fürchterlichen Stier. Dann sollten sie eine reine Jungfrau wählen, die an ihren Haarschnüren dieses Ungetüm auf die Alp hinführte, wo es ihnen Ruhe schaffen könne. Die Hirten taten das. In wenig Jahren wuchs das Kalb zu einer Grösse, dass man eine hohe Bühne für die Kühe bauen musste, an denen es forthin saugen sollte. Endlich kam die festgesetzte Zeit, und als das rechte Mädchen auserkoren war, so zog der Riesenochse, sonst unbändig, ihm still und gehorsam nach. Es schritt an dem Bergabhang weit empor bis zu einem grossen Steine, welchen es erkletterte, und wo es den Geführten von der Schnur entliess. In kurzem brach das Untier des Berges mit schrecklichem Gebrülle daher, und ein furchtbarer Kampf erhob sich mit dem Ochsen, bis jenes tödlich verletzt erlag. Da trank der erhitzte Stier aus einem nahen Quell, und fiel plötzlich leblos zu Boden. Aber die Oberfläche des Berges kehrte nie zur alten Herrlichkeit zurück, er ist auch jetzt noch rau und steinbedeckt und nicht so kräuterreich als er vordem gewesen. Man sagt auch, die Klauen der Hinterfüsse des Stieres hätten sich so tief in den Stein geprägt, dass ihre Spuren bis auf den heutigen Tag sichtbar seien. Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf der Alp Fursch by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Auf der Alp Fursch

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Als die Eisenbahn noch nicht erstellt war, wurde das zur Sömmerung in die Glarner Alpen verlehnte Vieh von Flums über die Pässe am Schönbühl und Wissmil getrieben. Der alte Jahn hatte mit einem andern Bauer verabredet, sie wollten die Alpfahrt ins Glarnerland gemeinsam machen. Sie gedachten bei den Hütten zu Fursch aufeinander warten. Aber jener kam nicht. Als es dunkelte, trieb Jahn sein Vieh zusammen in den Hof und machte in der Hütte ein Feuer. Wie er später zur Türe hinausschaute, kam gegen die Hütte her eine Gestalt in schwarzem Mantel und Wetterhut, trat in den Hof und fing an, das Vieh auszutreiben gegen den Stollen hin. Jahn überwand die Furcht, lief dem Vieh nach und kehrte es in den Hof zurück. Der Unheimliche war verschwunden. Am Morgen aber hatte es so viel Schnee, dass Jahn froh sein musste, wieder heimzukommen. J. B. Stoop   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 305, S. 169f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf der Brunnegge by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Auf der Brunnegge

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Auf der Brunnegge soll ein Schatz begraben sein. Ein Mann versteckte dort, als im Wallis Krieg herrschte, sein ganzes Vermögen. Damit es niemand stehlen könne, bestellte er einen Geist als Wächter. Dieser gibt das Geld nur einem heraus, der sieben weisse Kühe im Stall hat und sieben Knaben mit weissen Haaren sein eigen nennt. So um 1900 herum zogen einige junge Burschen einmal mit Pickel und Schaufel aus, um diesen Schatz zu heben. ULRICHEN Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Auf der Heidenburg by (Meinrad Lienert, Sage, Zürich )

Auf der Heidenburg

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Zürich )

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Dem freundlichen Hügelgelände von Bassersdorf sieht man’s nicht an, wie ungeheurig es in jener Gegend ist. Dort gibt’s einen waldbestandenen Hügel, der ein Aussehen hat wie der alte heilige Hain eines verschollenen Heidenvolkes, und ist vielleicht einstmals auch ein solcher gewesen. Kurzum, heute noch heißt man ihn die Heidenburg. In Sturmnächten will man oft einen Reiter ohne Kopf, auf einem weißen Pferde, aus dem verrufenen Wald herausbrechen und zu Tal jagen sehen, wo er aber spurlos verschwindet. Auch wissen die Hellseher in Bassersdorf, dass unweit des Engelrain, an einem stillen Bache, eine weiße Frau umgeht, Frau Escher wird sie genannt. Sie bewacht den Steg, der über den Bach führt, und wer in böser Absicht drüber will, dem erscheint sie unversehens und winkt ihn drohend zurück. Aber am unheimlichsten ist’s beim Steinmürli. Dort gespenstert es seit Urzeiten. Nämlich, unter diesen römischen Mauerresten steht ein alter Baum, unter dem ein köstlicher Schatz verborgen sein soll, Obwohl es viele und vielartige Schatzgräber in der Welt gibt, den Schatz unter dem Baum hat bis heute noch niemand herausgebracht. Einmal freilich versuchte es ein beherzter Mann. Er machte sich zur mitternächtlichen Geisterstunde zum Steinmürli-Acker und begann nach dem Schatz zu graben. Kaum hatte er die Hacke in die willige Erde versenkt, so stund ein wunderfeines Weib vor ihm, so dass er vor Schreck die Hacke fallen ließ. Aber die schöne Frau bedeutete ihm, er solle nur mutig weiter graben, alsdann sei ihm der Schatz sicher. Er müsse jedoch noch zweimal kommen, bis er zu dem Schatz gelangen könne, und er müsse sie heute und in den zwei folgenden Nächten küssen. Das dünkten nun den Schatzgräber keine allzuschweren Bedingungen, und also küsste er das schöne Weib, dass es schnalzte. Getrosten Mutes erschien er in der nächsten Nacht wieder unter dem alten Baum. Aber als er zu graben anheben wollte, sah er vor sich eine große hässliche Kröte, die von ihm nun den zweiten Kuss haben wollte. Erschrocken prallte er zurück. Und wie sie ihn auch anäugelte, und so zärtlich er den Mund zu büscheln versuchte, er brachte es nicht über sich, die Kröte zu küssen. Traurig ging er heim. In der dritten Mitternacht schlich er sich wieder zum Baum. Aber wie entsetzte er sich, als er unter seinem weitausladenden Geäste eine noch viel scheußlichere riesenhafte Kröte kauern sah, die begehrlich nach seinem Kusse auszuschauen schien. Der Anblick dieses Scheusals hatte jedoch den Schatzsucher also erschüttert, dass er sich voller Entsetzen davon machte und für immer den Verstand verlor. Ebensowenig gelang es einem andern Manne, den Schatz zu heben. Auch dieser wagte sich um Mitternacht zu dem verrufenen Baum und fing sogleich an zu graben. Als er eine Weile gelocht hatte, erschien auch ihm ein Weib. Das sagte ihm, er werde den Schatz sicher und heilig entzaubern und herausbringen, wenn er vorher einen andern Baum, dessen Standort sie ihm genau angab, fälle. Aus diesem Baum müsse er aber eine Wiege zimmern, und sobald einst in dieser Wiege ein Kindlein weinen werde, sei der Zauber gebrochen und der Schatz sein. Dann verschwand das geheimnisvolle Wesen. Nun ging der Mann nach Hause. Dann begann er nach dem angegebenen Baum zu suchen, aber obwohl er Wald um Waldung ablief, er konnte ihn einfach nicht finden. Endlich, nach langem Suchen, kam er dazu. Doch war zu seinem Verdrusse und zu seiner Verwunderung das Holz dieses Baumes so steinpickelhart, dass er gar lange Zeit brauchte, bis er ihn zu Fall brachte. Bis er aber gar die Wiege aus diesem widerspenstigen Holze zuweggezimmert hatte, dauerte es eine halbe Ewigkeit, und eines Tages musste er mit Tod abgehen, bevor ein Kindlein in der endlich fertigen Wiege lag.     Meinrad Lienert, Zürcher Sagen. Der Jugend erzählt, Zürich 1918. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.    


Auf der Kreuzstrasse by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf der Kreuzstrasse

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Neben dem Zuchthaus in Altdorf ist eine Kreuzstrasse, wo sich die Wege nach Bürglen, Schattdorf, Attinghausen und Altdorf kreuzen. Da hat einmal ein Freund dem andern geraten, er solle in der Heiligen Nacht des Christfestes mitten auf der Strassenvierung mit Kreide einen Kreis um sich beschreiben und von 11–12 Uhr darin stehen; es werden dann drei kommen, und wenn er sich vor ihnen nicht fürchte, könne er einen grossen Schatz haben und den erlösen, der ihn hüten müsse. Der Freund, lüstern nach dem Schatze, befolgte den Rat. Als er im Kreise stand, kam Einer; nun, der war noch anzuschauen. Der Zweite, der erschien, war schon schreckhafter. Der Dritte sah aber so entsetzlich aus, dass der gute Mann in seinem Kreise erschauderte, heraussprang und aus Leibeskräften davonlief. Frau Inderkum-Scheuber, 50 J. alt, Schattdorf b) Zu Schattdorf versprachen sie einst einem frechen Burschen eine schöne Summe Geld, wenn er in der Heiligen Nacht von 11–12 Uhr auf einer Kreuzstrasse sitzen bleibe. Er nahm an und setzte sich wirklich zur gesagten Stunde auf die Kreuzstrasse. Aber da kamen von allen Seiten die abenteuerlichsten Gestalten auf ihn zu, gingen haardicht an ihm vorbei, sie ritten auf Rossen und fuhren mit Karren und Chaisen über ihn hinweg. Doch er hielt stand. Es geschah ihm nichts. Wäre er zur Seite gewichen, so wäre es ihm übel ergangen. Die versprochene Summe mussten sie ihm auszahlen. Fr. Wipfli-Herger, 80 J. alt, Schattdorf Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945, Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf der Marcht by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf der Marcht

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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zwischen Andermatt und Hospental ist es furchtbar »umghyrig«. Da hat es schon oft Menschen und Fuhrwerke b'stellt und irregeführt. Josef Maria Russi erzählt: »Als ich mich eines Abends spät in mein Gut Marcht begab, um bei einer Kuh zu wachen, begegnete mir beim Fleischgraben ein kleines schwarzes Mandli, das umkehrte und mich bis zum Stall begleitete; es ging zu meiner Rechten, immer im haarnämlichen Abstand von mir und im gleichen Tempo mit mir. Es war aber nicht etwa Mondschein und ich hatte auch keine Laterne bei mir. Ich fragte später einen Hospentaler, der auch dort ein Gut besass, und der sagte, es sei ihm haartupfgleich ergangen.« Man sagt, es habe daselbst vor Zeiten ein Priester auf einem Versehgang eine heilige Hostie verloren; dieser müsse nun da wandlen, und auf geschehene Anrede habe er eingestanden, ihm sei nicht zu helfen. Vor wenigen Jahren gesellte sich bei der St. Anna Kapelle zu einem Soldaten, der nachts von Hospental her Andermatt entgegen marschierte, ein Weibsbild mit langen, aufgelösten, über den Rücken hinunterhängenden Haaren und begleitete ihn, an seiner rechten Hand einherschreitend, bis nahe an die hintersten Häuser von Andermatt, wo es plötzlich verschwand. Der Soldat hielt das Bajonett stets in seiner linken Hand parat, um sich im schlimmsten Falle damit zu wehren. Geschehen ist ihm nichts Böses, aber er hatte eine solche Angst ausgestanden, dass er daheim einen ganzen Kessel voll Wasser austrank. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf der Moosalpe by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Auf der Moosalpe

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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In dieser Alpe soll es früher an den ersten drei Tagen jeden Monats nicht recht gewesen sein. Wenn das Vieh ruhig in den Färrichen lag, sprang Schlag Mitternacht eine Hälfte auf und rannte über Zäune und Latten, wo sie sonst nie darüber mochten. Das Vieh stob in alle Richtungen auseinander bis hinunter in St. Martins Wald. Die andere Hälfte blieb ruhig im Färrich liegen und käute wieder, wie wenn nichts passiert wäre. Eine Kuh lag einmal so, dass die Trichel in die andere Hälfte des Färrichs hinüberlangte. So nahm es die Trichel mit einem Riemenstück weg; der Riemen war wie sauber abgeschnitten. Der Grund dieses Spuks soll darin gelegen sein, dass früher einmal mit den Marchen da etwas gefrevelt wurde. BÜRCHEN Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Auf der Mur und auf dem Wang by (Hans Michel, Sage, Bern)

Auf der Mur und auf dem Wang

Source: (Hans Michel, Sage, Bern)

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Zwei Brüder sollen vor längst vergangenen Zeiten vom Wallis her mit ihren Frauen über das hohe Grenzgebirge, an den weissen Schneehäuptern vorbei, ins Lauterbrunnental herübergestiegen sein. Als sie nach langer und mühsamer Wanderung von der Wildi in die Zähmi hinunterkamen, staunten sie ob dem schönen, menschenleeren Tal, dem saftigen Kraut der Weiden und dem bunten Flor der Alpenblumen. An den steilen Hängen kletterte schwarz und wuchtig der Hochwald empor. Riesige Schermtannen, deren gebogene, flechtenbehangene Äste bis auf den Boden reichten, rauschten im Wind und neigten ihre alten Wipfel. Auf einer Seite war die Fluh wie eine himmelhohe Mur und auf der andern war ein grüner "Wang" (Abhang) Unten aber, da brausten die wilden Wasser im engen Tal in wirrem Lauf gen Mitternacht. Über die beidseitigen Flühe nieder stäubten wie Brunnen die Bäche in den Grund und suchten hier regellos ihren Weg. Einmütig beschlossen die beiden Walser: "Wir gehen nicht hinunter in die Tiefen, wir wollen uns oben auf beiden freien Höhen niederlassen." Sie trennten sich. Der eine stieg rechts hinauf und siedelte sich auf dem Wang an, der grossen, saftgrünen Geländestufe am Fusse des Jungfrauberges. Der andere stieg auf der linken Seite der weissen Lütschine noch höher empor auf die luftige Krone der Mur und baute hier Haus und Herd. Dort oben waren sie sicher vor Lauigfahr und Wassernot; Holz und Weide gab’s die Fülle. Sie lebten auf den einsamen, sonnigen Höhen glücklich und zufrieden. Aus den kleinen Bergsiedelungen auf der Mur und auf dem Wang wurden später die stattlichen Dörfer Mürren und Wengen. Quelle: Hans Michel, Ein Kratten voll Lauterbrunner Sagen. Wengen 1936. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.    


Auf der Oberplegi-Alp am Glärnisch by (Theodor Vernaleken, Sage, Glarus)

Auf der Oberplegi-Alp am Glärnisch

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Glarus)

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Auf der jetzt vergletscherten Oberplegi-Alp am Glärnisch war ein Senn gewesen, der sich versündigt hatte mit einer Jungfrau Kathrin. Er hatte eine Treppe aus Käse erbaut, und seiner alten Mutter Mist zur Speise vorgelegt. Da stürzte der übermütige Frevler einmal mit der Kathrin in eine Gletscherspalte, und soll nur zuweilen, ganz in Flammen stehend, von den Leuten gesehen werden und die Worte ausrufen: "O ich und Kathrin und Pari (der Name seines Hundes) müssen immer und ewig unterm Firren si." Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf der St.-Johann-Brücke in Freiburg by (Nikolaus Bongard, Sage, Freiburg)

Auf der St.-Johann-Brücke in Freiburg

Source: (Nikolaus Bongard, Sage, Freiburg)

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In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ging eines Nachts ein Stadtbürger namens Cugniet über die kleine St.-Johann-Brücke. Da hörte er auf dem naheliegenden Ölberg ein ausserordentliches Geräusch, wie das Schreien, Wehen und Schlagen der Fittiche grosser Raubvögel, von einem singenden Gesumme begleitet. Hin und wieder wurde es von gellendem Gelächter oder liebeseufzendem Stöhnen unterbrochen. Er lehnte sich an das Brückengeländer und hörte diesem sonderbaren Auftritte zu, den er nicht erklären konnte. Nur auf Augenblicke unterbrach ihn das Geplätscher der Saane und ihr Wellenspiel. Auch schien es Cugniet, dass hin und wieder rotgelbe oder graugrüne Flämmchen aufschimmerten, die sich im Kreise schnell bewegten. Da, pautsch! empfing der Neugierige unversehens eine kräftige Ohrfeige, wie von einer eisernen Hand, dass er vor Schmerz und Schreck «Heiliger Joseph» ausrief. Da stand wie aus dem Boden gewachsen plötzlich neben ihm eine ihm wohlbekannte, vornehme Dame, die einen Besenstiel verkehrt zwischen den Beinen hielt. Auf diesem sonderbaren Reitpferd flog sie in die Nacht und verschwand. Zuvor aber schenkte sie dem Bürger einen silbernen Becher als Preis für seine Verschwiegenheit, die Cugniet auch bis vor seinem Tod getreu beobachtete. Die Dame war eine geheime Hexe und befand sich auf dem nächtlichen Ritt zum Hexensabbat, der irgendwo auf der Bürglenhöhe oder auf dem Stadtberg abgehalten wurde.   Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf der Suche nach dem Franzosenschatz by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Auf der Suche nach dem Franzosenschatz

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a) Ältere Leute wissen zu berichten: Am Chüegraben, etwas nördlich der Allme, wurde in den Jahren zwischen 1860 und 1870 unzählige Male von Leuten aus nah und fern, oft unter Beobachtung von besonderen Zeremonien und unter Benützung des «Geistlichen Schild» und durch «Christoffeln», nach einer verborgenen Kriegskasse der Franzosen gegraben, wie es scheint, stets erfolglos. Jener Schatz war nach der Überlieferung von zwei ungetreuen Beamten auf die Seite geschafft worden, als das Lager plötzlich abgebrochen werden musste. Die beiden konnten sich des ungerechten Guts nicht freuen, denn bevor sie wieder zu dem versteckten Schatz gelangen konnten, fiel der eine im Krieg, der andere machte seinem Leben im Gefängnis ein Ende. b) Als das französische Heer über die Napoleonstrasse zog, vergruben Soldaten im Chüegraben unter einer mächtigen Eiche einen Schatz. Zwei Männer versuchten später in einer Nacht den Schatz zu heben. Doch als es zwölf Uhr schlug, mussten sie Pickel und Schaufel fallen lassen, und sie rannten entsetzt davon, weil ein französischer Soldat aus der Grube emporstieg. Oberwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf einer G'hirmi by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf einer G'hirmi

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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im Grosstal sass oft ein Wybervölchli mit einer Gabelen auf dem Rücken; ob Geist oder Hexe, wusste mir niemand zu sagen. Maria Ziegler; Mich. Imhof, und a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf Gottes Schutz gebaut by (Josef Müller, Sage, Uri)

Auf Gottes Schutz gebaut

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Zwei Männer mit straff gefüllten Geldgurten kamen vom Lauisermarkt und marschierten durch den finstern Wassnerwald hinab, der aber nicht etwa in der Gemeinde Wassen, sondern in der Gemeinde Gurtnellen liegt und in alten Zeiten wegen seiner Räuberbanden berüchtigt und gefürchtet war. Die Gotthardstrasse durchzog ihn seiner ganzen Länge nach von der Kapelle »bei der Tafelen« bis zum Güetli diesseits des Wyler. Die zwei Wanderer hatten einen grossen Hund bei sich; mehr als auf diesen vertrauten sie aber auf den Schutz Gottes und wurden einig, den Rosenkranz miteinander zu beten. Wie der eine der beiden beim Beginn des Gebetes das Kreuzzeichen macht, schiesst ein grosser Mann hinter einer Tanne hervor und ruft giftig: »Dü machisch doch grad wiën-nä Geissbock!« Aber zu folgen oder ihnen etwas Leides zuzufügen, das vermochte er nicht. Albin Baumann, 75 J. alt, Gurtnellen; Marie Ziegler, Bauen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Auf und fort by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Auf und fort

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Ein wildes Männchen hielt sich in Portels auf und machte sich den Bauern durch allerlei Dienstleistungen nützlich. Diese aber waren ihm dafür nicht dankbar, sondern neckten es, indem sie ihm heimlich gekochte Kirschen hinstellten, die den Wilden gar sehr zuwider sein sollen. Das Männchen wandte sich zur Türe und sprach: "Gute Nacht und Dank, Und essed de Chriesiblägel underem Bank!" Auf und fort! Es wurde nicht mehr gesehen. A. Sprenger   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 291, S. 161 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aufregung um ruhelose Selbstmörder by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Aufregung um ruhelose Selbstmörder

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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In den 1850er Jahren hörte man im ehemaligen Gasthaus Rössli, dem einst eine Schmiede angegliedert gewesen war, besonders in schwülen Gewitternächten «die zwei Schmiede» schmieden. Es handelte sich um Vater und Sohn S., die, offenbar gemütskrank, sich beide das Leben genommen hatten (1772 und 1809). Den Vater hatte man nach altem Brauch im Walde verscharrt. Gegen die Anordnung der Basler Regierung, den Sohn auf dem Friedhof zu bestatten, revoltierte die Bevölkerung, da sie des Glaubens war, Selbstmörder gingen um und störten die Ruhe des Gottesackers. Die Mahnungen des Statthalters und «eine liebliche Rede» des Liestaler Pfarrers fruchteten nicht. Unter anderem behauptete einer an der Gemeindeversammlung, der Vater S. sei ihm einmal (wie auch anderen) auf der Strasse erschienen, so dass das Pferd Reissaus genommen habe. Der Leichnam des Sohnes wurde bei Nacht auf einem in Itingen entwendeten Karren, eskortiert von zehn Mann mit Ober- und Untergewehr, ins Cholholz geführt. Als die Leiche versenkt war, soll einer der Begleiter plötzlich geschrien haben: «Er chunnt!», und alle seien davongerannt. Die verantwortlichen Gemeindeväter und Schulmeister Rolli mussten sich wegen des «Complotts» in Basel verantworten – aber ihren Willen hatte die Gemeinde durchgesetzt. Die beiden Toten hatten damit keine Ruhe: Man hörte, wenn Wetterwechsel bevorstand, wie früher zwei Hämmer im Takt den Amboss schlagen. Schliesslich gelang es einem aus Dornach beigezogenen Kapuziner, «sich mit den Geistern in Verbindung zu setzen» und diese in zwei Glasflaschen zu bannen. Das half. Die Flaschen wurden auf einen Kasten gelegt. Nach Jahren der Ruhe machten sich Unkundige mit dem Kasten zu schaffen, da fielen die Flaschen herunter und zerbrachen. Die «armen Geister, aus den Flaschen befreit, begannen wieder ihr Wesen zu treiben». Lausen Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Aus dem alten Zürichkrieg by (Meinrad Lienert, Sage, Zürich )

Aus dem alten Zürichkrieg

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Zürich )

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Um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts entzweiten sich die Zürcher um einer großen Erbschaft willen mit den Schwyzern und ihren Eidgenossen. Es war ein langwieriger Bürgerkrieg, in dem die Schwyzer unter ihrem tatkräftigen, aber eisernen Landammann Ital Reding viel Ruhm und Land erwarben. Also taten sich da die Zürcher und ihre früheren Eidgenossen manch bitteres Leid an, das sie später reute. Einstmals zogen die Eidgenossen mit ihren Pannern vom Zimmerberge her gegen die Stadt Zürich, um sie zu stürmen. Die Zürcher erwarteten sie jenseits des Sihlflüßleins hinter einem dichten Grünhag. Sie waren guter Dinge, ließen sich den Wein in Zubern, Gelten und Wassertansen aus der Stadt zutragen und fürchteten sich nicht. Aber auf einmal brachen die Schwyzer und Glarner mit wildem Geschrei und Haarusrufen durch den Grünhag und fielen über die Zürcher her, die sich jedoch mannhaft zur Wehr setzten. Als aber auch die übrigen Haufen der Eidgenossen nachdrückten, fanden sie's geratener, sich hinter die Mauern der Stadt in Sicherheit zu bringen. Sie räumten also flink das Feld und rannten der Stadt zu, hinter ihnen drein, wie das Donnerwetter, die Eidgenossen. Als fast alle Zürcher über den schmalen Steg waren, der über den Sihlfluß nach der Stadt ging, stellte sich als ihr Letzter ihr Bürgermeister, der riesenhafte Rudolf Stüssi, auf den Steg. Dort wehrte er mit seiner Mordaxt den ganzen Gewalthaufen der nachdrängenden Eidgenossen also heldenmäßig ab, daß nicht ein einziger über den Steg zu kommen vermochte, bis der größte Teil der flüchtigen Zürcher die Stadt erreicht hatte. Erst dann gelang es einigen Eidgenossen, die sich heimlich unter den Steg machten, den Helden an den Beinen herunterzureißen und zu erstechen. Danach jagten die Eidgenossen über Kopf und Hals den fliehenden Zürchern nach, und zwar so eifrig, daß einige von ihnen als erste mit den letzten flüchtigen Zürchern zugleich durchs Rennwegtor in die Stadt gelangten. Sie wären wohl alle hineingekommen und hätten die Stadt gewonnen, wäre nicht eine besonnene Zürcherin auf den Turm geeilt. Diese ließ das schwere Fallgatter hinuntersausen. Da mußten die heranstürmenden Eidgenossen draußen bleiben. Einige von ihnen aber, die in ihrer Kampfwut doch in die Stadt gekommen waren, wurden vor den Augen der vor dem Tore stehenden Eidgenossen niedergemacht. Darunter war auch der Landschreiber Küng von Glarus. Bevor er fiel, steckte er das Fähnlein der Stadt Zürich, das er erobert hatte, durch das Fallgatter seinen Landsleuten zu und schlug dann tapfer um sich, bis er als ein Held der Übermacht erlag. Als nun der unglückselige Bürgerkrieg zwischen den Zürchern und ihren früheren Eidgenossen, der manche tapfere Tat, aber auch manche Ruchlosigkeit gesehen hatte, endlich vorüber war, wurden einzig und allein die "Böcke" von Zürich vom Frieden ausgenommen. Die Stadt, die genugsam erschöpft war, konnte es nicht wenden. Diese Böcke oder Schildner zum Schneggen, wie man die kühne, abenteuerlustige Gesellschaft der besten Bürger in Zürich nannte, hatten den Eidgenossen während des Krieges besonders viel Schaden und Abbruch getan und ihnen viel zuleid gewerkt mit meisterlosen Streichen und Streifzügen. Deshalb waren diese auf die Böcke sehr erzürnt, nahmen sie vom Frieden aus und wollten auch die Zürcher zwingen, ihnen die Stadt zu verbieten. Doch die Böcke von Zürich nahmen das zuerst nicht so schwer auf. Sie verließen die Stadt freiwillig, um ihre Mitbürger nicht in Unannehmlichkeiten zu bringen, und setzten sich über dem Rhein auf schwäbischem Boden fest, wo sie das Schloß Hohenkrähen gekauft hatten. Aber bald überkam sie dort die Langeweile und, was noch viel schlimmer war, das Heimweh nach ihrer schönen Stadt Zürich im Herzen des Schweizerlandes, in deren Fenstern sich der blaue Bergsee und die fernen Schneeberge spiegeln. Sie rieten hin und rieten her, wie sie wohl wieder in die Stadt kommen möchten. Da besuchten etliche von ihnen eines Tages den Landammann Fries von Uri, der ihnen als ein gar guter Herr bekannt war. Den fragten sie um Rat. Nun riet ihnen der Urner Landammann, sie sollten einen der angesehensten Eidgenossen abfangen, ihn auf ihr Schloß Hohenkrähen führen und ihn nicht losgeben, bis man ihnen seitens der Eidgenossen eidlich die Rückkehr in die Stadt Zürich erlaube. Die schalkhaften Gesellen bedankten sich für den Rat und sagten, sie hielten das wahrhaftig auch für den kürzesten Weg. Als nun der gute Landammann Fries von Uri eines schönen Tages über den See zu Markt nach Zürich fahren wollte, schossen plötzlich zwei Weidlinge an das Marktschiff heran. Daraus hervor sprangen, wohlbewaffnet, einige der Böcke von Hohenkrähen und nahmen den überraschten Urner Landammann gefangen. Da lachte er aber laut auf und sagte: "Ei, ei, ihr Gesellen, euch ist gut raten." Willig ließ er sich von ihnen auf das Schloß Hohenkrähen ins Schwabenland führen, wo sie ihn in guter Pflege hielten. Trotz aller Drohungen der Eidgenossen gaben sie ihn nicht frei, bis man ihnen, guter Dinge oder nicht, die Heimkehr nach Zürich erlauben mußte. Da zogen sie denn auch bald danach, den Urner Landammann in der Mitte, unter dem Jubel der Bevölkerung in flottem Aufzuge ein. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Baslerkrieg (1830—1833) by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Aus dem Baslerkrieg (1830—1833)

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Zur Zeit der Basler Wirren waren die Bürger uneins. Die damalige Entzweiung führte bis zu einer so hohen Gereiztheit der beiden Parteien, dass der der Fall vorkam, wo ein Bruder auf den andern bereits sein Gewehr angelegt hatte und denselben in der Wut auch niedergeschossen hätte, hätte die entschlossene Schwester dem Todesrohr durch einen kräftigen Schlag nicht eine andere Richtung gegeben. Bei den verschiedenen Scharmützeln, besonders auch am entscheidenden Kampfe den 3. August 1833, nahm die grosse Mehrheit lebhaften Anteil am Ringen des Landvolkes um seine politische Selbständigkeit. Sogar einige Frauen beteiligten sich am Gefechte bei der Hülftenschanze und trugen das ihre dadurch zum glücklichen Ausgange des Kampfes bei, dass sie mitten im Pulverdampf und Kugelregen ihren Männern Munition und Lebensmittel zutrugen. Arisdorf-Olsberg Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Montefun by (Josef Müller, Sage, Uri)

Aus dem Montefun

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Dem Pfarrhelfer Durnes in Unterschächen (1824–1875), der aus dem Montefun stammte, begegnete einst eine bekannte Person aus der Heimat. Verwundert fragte er, woher sie denn so auf einmal komme. »Aus dem Montefun, wo man meine Leiche, noch nicht erkaltet, soeben auf der Bank zurechtlegt. Ich muss auf einen hohen Berg, um dort meine Sünden abzubüssen,« sagte sie und schritt eilends weiter. (Montefuner haben, wie sich alte Leute erinnern, im Reusstal Giltsteinöfen aufgesetzt.) Mitgeteilt von Pfarrer J. Arnold Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Schwabenkrieg - Die Versöhnung by (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Aus dem Schwabenkrieg - Die Versöhnung

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

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Einst hatten sich die beiden Hauptleute Zurkinden von Zürich und Arnold Winkelried von Unterwalden, ein Nachfahr des Helden von Sempach, beleidigt. Seither haßten sie sich grimmig. Man durfte sie nie zusammenkommen lassen, denn allzeit fürchteten ihre hierüber betrübten Eidgenossen, sie würden sich gleich aufeinanderstürzen und töten. Aber als nun der Schwabenkrieg ausbrach, kamen sie mit den Pannern ihrer Länder beide ins gleiche Lager. Die Hauptleute hatten hierwegen große Befürchtungen. Sie beschieden beide vor sich und redeten ihnen ernstlich zu, sie möchten doch der Not des Vaterlandes eingedenk sein und wenigstens den Frieden im Lager nicht stören. Nach dem Kriege könnten sie dann ihren Streit mit dem Schwerte in männlichem Zweikampfe ausfechten. Beide versprachen es. Bald danach wurde Winkelried, der sich bei einem Streifzug in Feindesland zu weit vorgewagt hatte, von den Kriegern Kaiser Maxens völlig umringt und stand in höchster Gefahr, gefangen zu werden. Das vernahm der Zürcher Zurkinden, sein Todfeind. Er brach mit den Seinigen aus dem Lager auf und fuhr bald wie das Donnerwetter über die Österreicher her, jagte sie in die Flucht und rettete also den arg bedrängten Unterwaldner, was diesem tief zu Herzen ging. Doch zogen sie kalt und fremd in ihr gemeinsames Lager zurück. Aber bald danach ritt Arnold Winkelried in voller Rüstung auf einem prächtigen Hengst, den er den feindlichen Reitern abgenommen, vor die Zelte der Zürcher und rief mit gewaltiger Stimme den Zurkinden heraus. Nicht lange stand es an, so ritt auch der Zürcher wohlgeharnischt und bewehrt aus seinem Gezelt, denn er glaubte, daß nun der Unterwaldner den alten bösen Span mit ihm ausfechten wolle. Unmutig und betrübt traten nun die eidgenössischen Hauptleute dazwischen. Aber da sprang Arnold Winkelried lachend vom Pferde, führte es auf den verwunderten Zurkinden zu und sagte: "Sei unbesorgt, ich komme in guter Meinung. Ich will meinem Retter danken, und seinen Dienst kann ich nicht unvergolten lassen. Nimm diesen Hengst von mir an." Jetzt stieg auch der Zürcher vom Pferd. Sie umarmten sich vor den versammelten Hauptleuten und hielten von da an treue Freundschaft. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Schwabenkrieg - Das mutige Thurgauer Mägdlein by (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Aus dem Schwabenkrieg - Das mutige Thurgauer Mägdlein

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

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Als Kaiser Maximilian mit seinem stolzen Heere zu Konstanz am schönen Schwäbischen Meere lag, erließen die Eidgenossen ein Schreiben an ihn, worin sie unter anderem sagten: "Gezwungen haben wir zu den Waffen gegriffen und wollen sie gerne niederlegen, sobald Eure Majestät lieber Ihrer angeborenen Güte und Sanftmut als unseren Verleumdern Gehör gibt. Wird uns aber kein Recht gehalten, so waschen wir vor Gott und den Menschen unsere Hände rein vom vergossenen Blute des Krieges, vertrauen auf Gottes Hilfe und ziehen einen ehrenvollen Tod einem schimpflichen Frieden oder schmählicher Knechtschaft vor." Diesen Brief brachte ein Mägdlein aus dem obstreichen Thurgau dem Kaiser nach Konstanz in die Stadt, denn so sehr haßte man sich, daß man sich gegenseitig keine Männer mehr als Boten zu schicken getraute. Im Hofe wartete das Mägdlein auf Antwort und sah mit verwunderten Augen auf das bunte Treiben des kaiserlichen Lagers. Da fragte es auf einmal ein Kriegsmann von der Leibwache des Kaisers barsch: "Was machen die Eidgenossen im Lager?" Das Mägdlein antwortete: "Seht ihr denn nicht, daß sie auf euren Angriff warten?" Und wie jener weiter fragte, wie viele Leute sie hätten, gab es kurz zurück: "Genug, um eure Angriffe abzutreiben." Nun wurden die Kriegsleute von der Leibwache ernstlich aufgebracht und forderten ungestüm von dem Mägdlein die Zahl der Eidgenossen zu erfahren. Doch ruhig sagte es: "Wenn's mir recht ist, so hättet ihr sie letzthin im Treffen vor dieser Stadt zählen können, hätte euch die Flucht nicht blind gemacht." - "Haben sie denn zu essen?" fragte nun einer. - "Ei", antwortete das Mägdlein, "wie sollten sie denn leben, wenn sie nicht zu essen und zu trinken hätten?" Jetzt fingen die Umstehenden zu lachen an. Einer aber war, der wollte das kecke Jüngferlein erschrecken. Er drohte ihm und sagte, das Schwert ziehend: "So, du Fratz, jetzt will ich dir den Kopf abschlagen!" Doch das Thurgauer Kind erschrak nicht. Es blickte ihn herzhaft an und sagte: "Wahrhaftig, du bist ein rechter Held, daß du ein Mägdlein umbringen willst. Wenn du so großes Verlangen hast zu kämpfen, warum stürmst du denn nicht ins feindliche Lager? Dort wirst du gewiß einen finden, der deinem Trotz zu stehen vermag. Aber es ist leichter, ein wehrlos unschuldig Mägdlein anzufahren, als dem bewaffneten Feinde zu begegnen, der nicht mit Worten, wohl aber mit dem Schwerte seine Sache zu führen versteht." Das aufrechte Thurgauer Mägdlein kam denn auch mit der Antwort des Kaisers wieder unbehelligt ins Lager der Eidgenossen zurück. Der Feldherr Pirkheimer, der dieses Gespräch aufgeschrieben hat, hörte es im kaiserlichen Hoflager zu Konstanz selber an, und er bewunderte den Verstand und den Freimut des Mägdleins. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Schwabenkrieg - Der einfältige Allgäuer by (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Aus dem Schwabenkrieg - Der einfältige Allgäuer

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

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Im Schwabenkrieg, den die Eidgenossen mit Unlust mit ihren sonst so vertrauten Nachbarn überm Rhein angefangen hatten, wurden sie von diesen nie anders als mit Kühmelker, Kuhmäuler und anderen landwirtschaftlichen Titeln angerufen. Es kam so weit, daß man im Kriegslager des Kaisers Max nach und nach den wahren Namen der Schweizer vergaß und sie nie anders als die Kuhmäuler nannte, was viel dazu beitrug, daß die Erbitterung bei den Eidgenossen wuchs. Als nun die Schweizer in einem Dörflein Hard verweilten, fanden sie unter einem Dache versteckt einen etwas hasenfüßigen Soldaten aus dem Allgäu, der aus der Schlacht weggelaufen war und sich hier verkrochen hatte. Wie man ihn nun hervorzog und vor die Hauptleute der Eidgenossen brachte, fiel er vor Entsetzen auf die Knie und rief heulend: "O ihr lieben, frommen Kuhmäuler, seid mir um Gottes willen gnädig!" Als ihn nun die Eidgenossen, halbwegs zornig, halbwegs lachend, fragten, warum er sie nun mit solchen Schimpfworten um Gnade anflehe, wenn er doch das Herz so tief in den Hosen habe, antwortete er bestürzt: "Ach, ihr lieben Kuhmäuler, wie heißt ihr denn? Ich habe euch mein Lebtag nie anders nennen hören und gemeint, das sei euer rechter Name." Da lachten die Eidgenossen zusammen eine Scholle heraus, als ob eine Fuhre Steine vom Wagen rasselte, und ließen den einfältigen Schelm laufen. Der aber zog, wohlgemut und zufrieden fürbaß, hatte ihm doch seine Einfalt das Leben gerettet. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Schwabenkrieg - Die Frau von Roseneck by (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Aus dem Schwabenkrieg - Die Frau von Roseneck

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

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Im Schwabenkriege zogen einst die Heerhaufen der Eidgenossen sengend und brennend über den Rhein, eroberten das Städtchen Thiengen [Waldshut-Tiengen], dessen Verteidiger die Schweizer gar übel verhöhnt hatten, denn sie brüllten Tag und Nacht von den Mauern des Städtchens zu den Eidgenossen hinunter: "Muh, muh, plä, plä!" Zur Strafe mußte die schwäbische Besatzung prozessionsweise im bloßen Hemde, mit einem Stecken in einer Hand und einem Brot in der andern, schimpflich abziehen. Als die raublustigen Schweizer nun vor das Städtchen Blumenfeld kamen, in dem das Schloß der Herren von Roseneck stand, wurden sie von seinen Mauern immer wieder abgetrieben, denn die paar hundert Mann Besatzung verteidigten sich aufs hartnäckigste. Endlich konnte sich das Städtchen nicht mehr halten, und die Eidgenossen, welche die tapferen Verteidiger achteten, erlaubten ihnen und den Bewohnern freien Abzug. Diese durften sogar alle Habe mit sich nehmen, die sie zu tragen vermochten. Das übrige jedoch müsse für die Eidgenossen drin bleiben; ebenso habe der Herr des Städtleins, der Ritter von Roseneck, drin zu bleiben, da sie ihm seiner Spöttereien wegen den Kopf abschlagen wollten. Aber als nun die Eidgenossen dem Auszug der Verteidiger und der Bewohner des Städtleins stumm zusahen, erschien auch, schwer schnaufend, die edle Frau von Roseneck. Sie hatte einen Korb auf ihrem schwachen Rücken, und aus dem sah der Kopf des Ritters von Roseneck hervor. Das bedünkte die Eidgenossen also lustig, daß sie in ein schallendes Gelächter ausbrachen und die geängstigte Frau mit ihrem zitternden, todbleichen Herrn willig durchließen. Nur hie und da machte sich einer den Spaß und schwang drohend das Schwert oder die Hellebarde über des Ritters Kopf, worauf der immer blitzgeschwind im Korb untertauchte wie der Teufel in der Spielzeugschachtel, was die Eidgenossen so festlich stimmte, daß sie aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen. Dann aber hob einer der Hauptleute der Frau den Korb vom Rücken und ließ ihren Herrn herausrutschen. Zugleich aber fiel auch eine ansehnliche Menge Schmucksachen heraus. Ein Schweizer Kriegsknecht griff danach und steckte ein Kleinod ins Wams. Doch er wurde sogleich niedergeworfen; man entriß ihm den Schmuck, gab ihn der Roseneckerin zurück, und nur mit Not und auf kniefälliges Bitten entging der Schelm dem Strick. Die treue Edelfrau aber durfte mit ihrem Ritter abziehen. Er wird danach den Schweizern wohl nie mehr "Kuhmelker" nachgerufen haben. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus dem Schwabenkrieg - Die standhaften Krieger by (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

Aus dem Schwabenkrieg - Die standhaften Krieger

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Ganze Schweiz)

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Während der Kämpfe mit dem Schwäbischen Bunde wollten die Schweizer einmal in dunkler Nacht über den Rhein gehen, dort, wo er oberhalb Bregenz zur Winterszeit oft gefroren oder doch untief ist. In geordneten Reihen sprangen sie schweigend in den eiskalten Rhein, denn im schwachen Mondlicht glitzerten überall um den Fluß die Schneefelder. Schon hatten die Vordersten das jenseitige Ufer fast erreicht, als sie einige Reiter aus einem verschneiten Gehölze auftauchen sahen, die dort Wache zu halten schienen. Da blieben sie stille stehen und regten sich nicht mehr, und so machten es die Eidgenossen alle, die im kalten Bade steckten. Doch die österreichischen Reiter der Grenzwache hatten die dunklen Reihen im Wasser wohl gesehen und ritten im Galopp davon. Jetzt hätten die Schweizer wohl an Land gehen können, doch sie fürchteten einen Hinterhalt und wollten zuerst wissen, woran sie seien und wie es um den Feind stehe. Sie hielten es für schimpflich, rückwärts zu gehen, ohne den Feind recht gesehen zu haben, aber auch für unbesonnen, vorzurücken, ohne gute Kundschaft zu haben, denn sie nahmen das Davonjagen der Grenzreiter für eine List. Die Anführer befahlen also, Halt zu machen. Nur einige der flinksten Jungburschen durften auf Kundschaft ausgehen. Bald waren sie am feindlichen Ufer und verschwanden im Gehölz. Unterdessen blieben die Eidgenossen im grimmig kalten Wasser stehen, ein jeder auf seinem Posten, alle in wohlgeordneten Reihen, obwohl einigen die eisige Flut bis an die Schultern, ja bis ans Kinn ging. Der Rhein war voll Eis, und die Krieger mußten gewaltige Eisstücke, die durch ihre Reihen trieben, mit Speer und Hellebarde von sich abhalten. So verharrten sie volle zwei Stunden im kalten, unheimlich glucksenden Wasser, bis endlich die Kunde kam, daß ein Hinterhalt nicht zu fürchten sei. Da machten sie sich getrosten Mutes ans Ufer, so rasch und so gut sie konnten, denn gar vielen waren bei der heftigen Kälte der Flut Füße und Hände erfroren. Ja, einige waren lieber im Wasser gestorben und zusammengesunken, als daß sie ihre Posten in den wohlgeordneten Reihen verlassen hätten. So streng hielten die alten Eidgenossen auf Manneszucht. Da ist auch wohl auszudenken, woher ihre glorreichen Siege kamen. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus der Franzosenzeit by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Aus der Franzosenzeit

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Im Herbst 1798 erhielt Anwil Einquartierung: E französischen Offizier, e schnäderfreesige Chätzer, haig s Ässse, won im d Büüri uufgstellt het, verhunzt und gsait, settigs gäb me bi ihne de Säu. Die resoluti Buurefrau haig i der Chuchi uss d Säumälchtere greicht, haig s Ässe dry gheit und gsait: «Also denn!» Däm Heer haig si aber nüt anders uufgstellt, er haig lang chönne tue wie ne Chatz ame Hälsig. Anwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus der Hölle zitiert by (Josef Müller, Sage, Uri)

Aus der Hölle zitiert

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Ein katholischer Geistlicher in Glarus stritt mit reformierten Laien über Glaubenssachen und verstieg sich sogar zu der grandiosen Behauptung, Martin Luther müsse in der Hölle braten. Das liessen die Glarner natürlich nicht gelten und forderten überzeugende, augenscheinliche Beweise. Da anerbot sich der Kühne, Luther vor die anwesende Gesellschaft zu zitieren. »Aber wenn er anklopft, müsst ihr ihm die Tür auftun.« Er nahm ein Buch und las darin. Da klopfte es an der Türe! Alle wurden totaschenbleich und schauten sich gegenseitig verlegen an; aber keiner wagte den Schritt zur Türe. Es klopfte wieder. Im Saal herrschte Totenstille. Es klopft zum dritten Mal. Da geht der Beschwörer selber, öffnet und lässt eine schwarze Gestalt herein, während er selber das Haus verlässt. Der Ankömmling trägt einen schwarzen Korb auf dem Rücken, den er umstürzt und auf den Boden ausleert. Da wälzt sich auf der Fussdiele eine brandschwarze Menschengestalt, die noch schwärzer ist als der gewiss auch nicht weisse Korbträger, Feuer speit und zwischen allen Rippen heraus brennt. Diese greuliche Gestalt erhebt sich und spricht: »Ich bin Martin Luther, der euch die falsche Lehre verkündet hat.« Nach langem ermannen sich die Zitternden und rufen: »Packe dich fort!« Aber der Geist wollte nicht gehen. Da holten sie den Beschwörer herbei. Jetzt verschwand die Erscheinung, hinterliess aber einen solchen Gestank, dass sich alle die Nasenlöcher zuhielten. Im Reusstal nennt man statt Glarus das Berner Oberland. Eine ähnliche Geschichte will eine achtzigjährige Erzählerin vor etwa einem halben Jahrhundert selber im Kt. Glarus miterlebt haben. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus der Hungerzeit by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Aus der Hungerzeit

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Nach dem Volksmund gebrach es eigentlich in jenem Unglücksjahr nicht an Nahrung; aber viele Leute hatten das Hungerfieber und aßen so unglaublich viel, daß andern nichts mehr blieb. So aßen drei Personen auf einen Sitz zwei Viertel Erdäpfel (45 Pfund) und dazu eine große Schüssel voll Milch; eine andere aß eine Pfanne voll "Türkenmus" [Polenta], an der sich ihrer zehn hätten satt essen können; eine dritte verschlang einen halben "Jollen" Butter und ein Brot. Wer so seinen "Glust" stillen konnte, war gerettet; die andern kamen um. G. W. Füllemann   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 55, S. 26 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus der Pestzeit (Eggersriet, SG) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Aus der Pestzeit (Eggersriet, SG)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Als die Pest so stark wütete, zündete man auf den Anhöhen Feuer an, um den Nachbarn zu melden, daß noch nicht alles ausgestorben sei, - In Grub lebten nur noch acht Personen. A. Sprenger.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 34, S. 19 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus der Pestzeit (Sevelen/SG) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Aus der Pestzeit (Sevelen/SG)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Einmal wütete der schwarze Tod so stark, dass, wenn man bei einem verpesteten Hause einen Haselstecken zu einem Fenster hineinstreckte, derselbe sofort schwarz wurde. Zur Pestzeit, da der Todesengel bei uns sehr viele Opfer forderte, kam in einer Nacht ein Gut am Sevelerberg durch Vererbung siebenmal in andern Besitz. Da der letzte Eigentümer am folgenden Tage auch das Zeitliche segnete und keine Erben mehr vorhanden waren, wurde das Gut herrenlos. Es wird jetzt noch verlorener Berg genannt. Nach dem Seveler Urbar trug es allerdings schon 1489 diesen Namen. Das ganze ob Sevelen liegende Dörfchen St. Ulrich mit dem umliegenden Boden verblieb einem einzigen Manne. Dieser konnte sich seines Besitztums nicht lange erfreuen; denn nach kurzer Zeit hatte er all sein Gut verpraßt. Heinrich Hilty. * Die Hüttentüre in der Alp Farnboden hatte eine schlechte "Bschlußig". Zigeuner und anderes Gesindel streiften in den Bergen herum. Darum wurde jedes Jahr vor der Alpabfahrt das große Kupferkessi im Boden vergraben, und nur der Senn, der Zusenn und der Handbub wußten, den Ort, wo es bei der Alpfahrt wieder zu finden war. Dieses geschah auch in der Pestzeit, wahrscheinlich 1628, Hernach rückte die Seuche mit allen ihren fürchterlichen Folgen ein. Als dann die Alpfahrt wieder stattfand, konnte keiner der drei Männer mehr sagen, wo das Kessi vergraben worden war, weil sie der Seuche zum Opfer gefallen waren. Es ist nie mehr gefunden worden. Heinrich Hilty.    Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 135, S. 63f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus verwilderten Katzen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Aus verwilderten Katzen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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gibt es alte Hexen. Wenn eine Katze Brot frisst, sagt man in Isental: »Das isch ämel kei Häx.« H. Aschwanden Eines Abends hockte eine Katze auf einem Hagstecken, als ein bekannter, unerschrockener Bergführer vorbeiging. Dieser schlug mit den Worten: »Dü cheibä Häx müesch gwiß nu äwägg!« mit der geballten rechten Faust nach ihr und traf sie. Wer sich aber um keinen Zentimeter rührte, sondern ruhig auf dem tupfgleichen Posten hocken blieb, das war die Katze. Der Bergführer jedoch hatte am folgenden Morgen eine geschwollene Hand, und seitdem sind die Katzen sicher vor ihm (19./20. Jahrh.). Frau Tresch, Lungenstutz; Jos. M. Epp, Etzlital, u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Aus- und Eingang des Unglückes. by (Josef Müller, Sage, Uri)

Aus- und Eingang des Unglückes.

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In der Rütti am vordern Mühlebach hatten sie beständig Unglück im Stalle und sie klagten es endlich einem Kapuziner. Der erklärte, das Unglück komme nur über die Türschwelle, sonst nirgends, in den Gaden, und jetzt sollen sie drei Löcher von oben her in die Türschwelle bohren, sodass deren eines in der Mitte sei, dann werde das Unglück schon zum Stalle hinausflüchten. Hierauf sollen sie in jedes der drei Löcher von dem Pulver schütten, das er ihnen gebe, und hernach mit Holzzapfen die Löcher dicht verschliessen, dann könne das Unglück nicht mehr hinein. Sie handelten nach seiner Anweisung, und seitdem hatten sie kein Unglück mehr im Gaden. Josef Gisler, 61 Jahre alt, Spiringen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Ausbruch der Pest in Schuders by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Ausbruch der Pest in Schuders

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Im 17. Jahrhundert starben im Bergdörflein Schuders fast alle Bewohner an einer pestartigen Krankheit dahin, nachdem ein Hirte dieses Übel von der Alpe herab mitgebracht. Dieser Hirte kundete offen, er habe auf der Alpe im Freien geschlafen. Wie er eines Nachts erwacht sei, habe er einen übelriechenden Nebel vor sich aufsteigen sehen, wovon er dann krank geworden sei, und kaum noch Kraft gehabt habe, in\'s Dorf hinunter sich zu schleppen. - Man entdeckte alsobalde an ihm die Pestbeulen, und wenige Stunden nachher verschied er. Nun fing die Pest an, im Dörflein ihre vielen Opfer zu fordern, und die Mehrzahl der Einwohner mussten ihr unterliegen. Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Ausgelohnte Zwerge by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Ausgelohnte Zwerge

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Das kleine Dorf Büblikon, zwischen Mellingen und Wolenschwil seitwärts auf einer Anhöhe gelegen, hat seit dem schweizerischen Bauernkriege, welcher gerade hier sein Schlachtfeld sich wählte, keinerlei Heimsuchung mehr zu erleben gehabt. Und so ist es auch in seinem Äusseren ziemlich unverändert geblieben. Von seinen siebenunddreissig Wohnhäusern sind nur erst neunzehn mit Ziegeln gedeckt, die übrigen sind noch Strohhütten. In einem solchen, das zum Dame (Damian?) genannt wird, haben die Zwerge unter dem Boden des Rossstalles gewohnt und des Bauern Rosse herkömmlich besorgt; sie wussten ihnen Mähne und Schwanz prächtig zu zöpfen. Weil sie splitternackt waren und zur Winterszeit hart froren, liess ihnen der Bauer Zwilchkleider machen, und seitdem sind sie aus dem Hause und aus der Gemeinde für immer fort.  Sage aus Büblikon Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 118 - 119 gemäss Fussnote am Schluss des Kapitels: Als das Wildemännlein zu Conters in Graubünden sich ebenso mit hübschen Kleidern ausgehohnt sieht, spricht es hochmütig: „Was wett au so na Weidlemann Meh mit den Kühn z’Weidele gan!“ (bei Vernaleken, Alpensag. 213) Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Axalp by (A. Streich, Sage, Bern)

Axalp

Source: (A. Streich, Sage, Bern)

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Die höchste der fünf Brienzeralpen, die Tschingelfeldalp, ist zugleich die abgelegenste und rauheste. Steil und gandig fallen ihre Weidhänge von der Ebenfluh, dem Gersten- und Schwarzhorn, zuhinterst ins Giessbachtal; und da an ihnen kein Grotzen Wald sich breit macht, sind sie allen Winden und Wettern preisgegeben. Als zahmste und beste Alp dagegen gilt die Axalp, die zu Füssen des Felsenzuges des Axalphorns und Tschingels sich über den waldigen Abstürzen zum Giessbach hinzieht und mit ihrem letzten Stafel, dem Lütschental, an die erstere anstösst. Vor Zeiten einmal soll die Güte dieser Alpen grad anders verteilt gewesen sein. Sie waren Eigentum eines einzigen Besitzers, der zwei Töchter hatte. Nach dem Ableben des Vaters teilten sich die Schwestern so in die beiden Alpen, dass die Jüngere, die zuerst wählen durfte, alle Schwesternliebe hintansetzend, sich für die bessere Tschingelfeldalp entschied. Der Älteren verblieb somit die geringere Axalp. Nun war die Axalp, die damals einen andern Namen trug, deshalb die mindere, weil auf ihr viel wilder Wald und wenig Weidgras wuchs und das Raubgetier das Vieh bedrohte. Da hatte die Ältere aber einen Mann genommen, unternehmungsfroh wie nicht bald einer! Der hatte es bald heraus, wie man einen Nachteil zum Besten wenden kann. Da mussten Holzfäller her, apartig aus dem Tirol. Die schlugen mit eisernen Äxten den Wald von der Windegg bis weit hinüber unter die Schlafbühlenflühe, führten die Streiche so kräftig, dass diese in den Felsen widerhallten, räumten mit Tannen und Ahornen auf bis in einem breiten Streifen kein Tschuugger mehr stand und der vorher unnütze Boden für prächtig tragbares Weideland frei wurde. Freilich verging, nachdem die Tiroler mit ihren Äxten wieder abgezogen waren, noch manches Jahr, bis der gehackte Waldstreifen zu guter Weide geworden. Aber endlich kam doch einmal die Zeit, da die ältere Schwester die Teilung nimmer bereute. Von den eisernen Äxten der Tiroler soll die Alp den Namen bekommen haben. Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


B'stellt by (Josef Müller, Sage, Uri)

B'stellt

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Es war spät in der Nacht, und der Mond beleuchtete die Gegend, als der wachsame Pfarrer von Isental, Peter Josef Egger (1848–1875), einen Mann mit einem Handbräntli aus dem Gaden im Guetig heraus und gegen das Dorf hin kommen sah. Offenbar hatte er dort diebischerweise die Kühe gemolken. Wie er am Pfrundhause vorbeigehen wollte, b'stellte ihn der Pfarrer, öffnete das Fenster, stellte ihn ganz kategorisch zur Rede und liess ihn nicht eher von dannen gehen, als er ihm ernstlich versprochen hatte, das Gestohlene zurückzuerstatten und nie mehr Ähnliches zu tun. Das hat geholfen. »Diä altä Geischlichä hennt nu eppä chennä b'stellä-n- und z'ruggtrybä, diä jetzigä chennet neiwä nymeh uder wennt nitt,« hört man dann und wann klagen. Pfr. Ferd. Ziegler Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bachmaidli im Uriwinkel bei Veltheim by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Bachmaidli im Uriwinkel bei Veltheim

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Die Hohle Gasse nennt man jenen Teil des Weges zwischen den Juradörfern Auenstein und Veltheim, bei dem die Veltheimer- Straße gegen das Schloß Wildenstein hin ausmündet. Dort am Scheideweg bei einem vereinzelt stehenden Hause kommt mit jedem Vollmond eine weiße Frau daher mit einem Kindlein im Arme. Hier schägt sie den Fußweg ein, der erst einem Wildbachlein entlang, das im Sommer meistenteils trocken liegt, und dann über das Feld der Rüschmatten hingeht. Hier, wo das Wasser in eine Schlucht abfällt, Namens Uriwinkel, steigt das Weib hinunter, kommt dann auf dem unterhalb liegenden Mattlande der Bös-Au wieder hervor und wendet sich dem mit Gestrüpp überwachsenen Schachen des Aarufers zu. Am Strome angelangt, wirft sie ihr Kind in die Aare. (Erzählt vom Fergen an der Aare zu Auenstein.)  Man fügt bei, bas Bachmaidli habe ihr neugebornes Kind zerstückelt und in den Veltschenbach geworfen, der von Talheim über Schinznach in die Aare geht; windelnwaschend ruft sie: „O hätt i numme das nit tho, So wär i jetzt i Himmel cho!“   Sage aus Auenstein, Kanton Aargau Band 3.2, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 137 -137 Notiz:  Dieses Maidli wird wohl unterschieden von dem Veltheimer Dorftiere, welches in Gestalt eines Schweines in demselben Veltschenbache umhergeht.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bachwäscherin by (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

Bachwäscherin

Source: (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

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Seit vielen hundert Jahren wäscht sie im Waschbachtäli während der Nacht; vielleicht zur Strafe, weil sie im Leben zu faul war. (Altdorf)     Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Badverwandlung by (Alois Lütolf, Sage, Uri)

Badverwandlung

Source: (Alois Lütolf, Sage, Uri)

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Eine Viertelstunde hinter dem Dorf Unterschächen im Ländchen Uri quillt ein süsses, kaltes Badwasser unter einem Felsen hervor. Im Badhause las Fäsi eine aus dem Kirchenjahrzeitbuch entnommene Aufschrift, welche lautet:  Anno 1414 inventum est hoc balneum, a Magistro Leopoldo, Artis magicae professore, qui et anno 1450 hoc quod a natura erat calidum, ex mera malitia et perversitate diabolica subvertit. Extructa haec domus est anno 1495.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Barakenfrau bei Frick by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Barakenfrau bei Frick

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Im Säckenberg, einem Walde nordwestlich von Frick, von dem in No. 186 a des weitern erzählt ist, sieht man am hellen Tage eine Frau, die Barakenfrau, die, wenn man ihr nahe kommt, plötzlich verschwindet, die Leute aber oft so weit in der Jrre umherführt, dass sie sich über Berg und Thal nicht mehr zurecht finden können. Sie trägt, wie ehemals die Weiber auf dem Lande, einen rothen Tschopen (jupon, Jacke) über einen rothen Rock und hat einen Schinnhut auf aus gespaltenen Weidenruthen geflochten. Sie erscheint bald mit einem Armkorb, bald mit einem Stab in der Hand und bisweilen mit einer Bürde ganz kleiner Reiser auf dem Kopfe, die nicht grösser sind als Rebreiser. Ihre Wanderung geht vom Ettenberg-Egg bis zum Kellengraben. Gewöhnlich hält sie sich unter einer Eiche auf, wo sie die gesammelten Beeren dörrt und dann isst. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Barba Giatgen und Gionlign by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Barba Giatgen und Gionlign

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 506

Es waren zwei Brüder, beide heirateten. Barba Giatgen nahm eine reiche Frau, und sie hatten keine Kinder. Barba Gionlign heiratete eine Frau mit wenig Geld, und sie hatten viele Kinder. Eines Tages sagte Gion, der älteste Sohn: «Wie kommt das, Vater, dass Barba Giatgen so reich ist, einen schönen Laden, hat wo alle Waren ausverkauft sind, und Ihr solche Mühe habt, Euch durchzuschlagen?» - «Ich will dir schon sagen, warum: Dein Onkel Giatgen hat eine Frau mit viel Geld bekommen und keine Kinder aufziehen müssen, und ich habe umgekehrt deine Mutter, eine arme Frau, geheiratet und eine Schar Kinder bekommen.» - «Wer weiss, Vater, wenn Ihr mich jetzt mit Onkel Giatgen in die Türkei gehen liesset, um Waren einzukaufen und einen Laden aufzumachen? Dann hätten wir es vielleicht besser.» - «Aber Sohn, dazu braucht es Geld.» - «Oh, lasst das nur meine Sorge sein.» Er ging sogleich zu seinem Onkel und fragte, ob er ihn in die Türkei mitgehen lasse, er habe im Sinn, einen Laden aufzumachen. Der Onkel meinte: «Du kannst schon kommen, doch du musst mindestens 2000 Dukaten haben. In acht Tagen fährt das Schiff, und dann musst du bereit sein.» Sein Onkel Giatgen glaubte nicht, dass er so viel Geld bekomme. Jetzt ging Gion zu seinem Paten, der war der Pfarrer im Dorf. «Ihr, Herr Pate, müsst mir nun 2000 Dukaten leihen; ich habe im Sinn, mit meinem Onkel in die Türkei zu gehen, um Waren einzukaufen und einen Laden aufzumachen.» Der Pate entgegnete: «Womit bürgst du?» Als Antwort zeigte Gion auf das Kruzifix an der Wand: «Damit bürge ich.» Da wagte sein Herr Pate es nicht, nein zu sagen. Als die acht Tage um waren, reiste er mit seinem Onkel Giatgen ab, und sie landeten dann in der Türkei. Hier übernachteten sie in dem Wirtshaus, wo Barba Giatgen meistens abstieg. Als es schon Nacht war, rief Gion: «Barba Giatgen, hört, hier ist jemand, der drischt.» Barba Giatgen sagte: «Sei still und lass mich schlafen, sei nicht neugierig.» Doch Gion war die ganze Nacht unruhig. Am Morgen stand er vor seinem Onkel auf und fragte den Wirt, warum jemand die ganze Nacht gedroschen habe. Der Wirt antwortete: «Dieser Mann ist gestorben und hätte dem Mann hier nebenan 500 Dukaten geben sollen; jetzt muss er wiederkommen und dreschen, bis er seine Schuld abbezahlt hat.» Gion ging zu dem Bauern und fragte, ob er jenen Toten nicht freikaufen könnte. Da gab der zur Antwort: «Doch, doch, zahl mir nur das, was der mir schuldig ist, nachher kann er schon seine Ruhe haben.» Gion sagte: «Hier habt Ihr die 500 Dukaten, die er Euch noch schuldet.» Dann ging er ins Wirtshaus zurück. Sein Onkel war inzwischen aufgestanden und fragte: «Wo warst du?» Gion antwortete, er habe jenen Toten freigekauft, welcher wiederkommen und dreschen musste, er habe 500 Dukaten gegeben, um ihn zu erlösen. Sein Onkel wurde wütend: «Dummer Kerl, der du bist, hierher in die Türkei reisen, Geld verschwenden, um Tote freizukaufen.» Dann reisten sie weiter und übernachteten wieder in einem Wirtshaus. Da hörte er während der Nacht zwei Frauen wunderschön singen. Gion rief seinen Onkel und sagte: «Hört, Onkel Giatgen, wie gut die singen.» - «Schlaf und sei still», gab der zurück. Doch Gion stand auf, ging zum Fenster und lauschte. Am Morgen stand er wieder vor seinem Onkel auf und fragte den Wirt, warum zwei Frauen in der Nacht so schön gesungen hätten. Der Wirt antwortete: «Das sind zwei Sklavinnen; die eine ist die Tochter des Königs von Amsterdam, die andere ihre Kammerjungfer. Sie machten auf einem Schiff draussen auf dem Meer einen Ausflug und wurden von den Türken als Sklavinnen gefangen genommen. Da ging Gion hin und fragte, ob er sie freikaufen könne Da gaben sie zur Antwort, wenn er 500 Dukaten gebe, könne er sie haben. Gion zahlte kurzerhand 500 Dukaten und kehrte mit den beiden Frauen zum Wirtshaus zurück. Barba Giatgen war inzwischen aufgestanden und fragte, wo er gewesen sei. Gion antwortete, er habe jene beiden Frauen freigekauft, die in der Nacht gesungen hätten; die Armen seien gefangen genommen und versklavt worden, er habe 500 Dukaten gegeben. Barba Giatgen wurde diesmal noch wütender als das erste Mal. Unterdessen hatte er seine Waren eingekauft, fuhr nach Hause und liess Gion in der Türkei zurück. Barba Giatgen kam nach Hause. Der Vater fragte nach seinem Gion, wo der sei. Sein Vater, seine Mutter und seine Geschwister hatten grosses Mitleid mit ihrem Gion. Der war in der Türkei mit seinen zwei Frauen, spazierte da in der Stadt herum und hatte noch 1000 Dukaten in der Tasche. Da kamen sie an einem Laden vorbei. Er blieb stehen und sagte: «Hier ist ein schöner Laden mit schönen Waren.» Da stand ein alter Mann im Eingang, und Gion fragte, wie viel all diese Waren kosten sollten, die er in diesem Laden habe. Der alte Mann antwortete: «Wenn du mir 500 Dukaten mit dem gleichen Zeichen und mit der gleichen Jahrzahl drauf zahlst, so kannst du alles haben.» Gion ging zu einem Goldschmied und fragte, ob er nicht diese 500 Dukaten wechseln und alles solche mit dem gleichen Zeichen und der gleichen Jahrzahl haben könnte. Der Goldschmied sagte: «Doch, ich habe soeben diese da frisch geprägt, und sie sind alle in ganz neuen Rollen.» Gion kam mit den 500 Dukaten, so wie er gesagt hatte, zum alten Mann zurück. Der ging aus dem Laden und überliess ihm alles. Da lud unser Gion, eine Weile nach der Rückkehr eines Schiffes, die ganze Ware ein, die im Laden war. Er und seine zwei Frauen schifften sich ein. Da nahm er, bevor das Schiff das Land erreichte, ein kleines Boot, um rascher an Land zu kommen; er brauchte ein Lager für seine Waren. Ihr könnt euch denken, welche Freude die Seinen hatten, ihren Gion wieder zu sehen. Sein Vater sagte: «Hauptsache, du bist wieder da; das Geld werden wir deinem Herrn Paten bestimmt zurückgeben können.» - «Vater, geht rasch und fragt bei den Nachbarn nach Kammern und Scheunen, um Waren zu lagern und fragt auch, ob sie mit Doppelgespannen, Ochsen und Pferden zum Ufer kämen, denn es kommt ein Schiff voll Waren.» Der Vater ging, und alle sagten: «Ja, ja, ihr könnt genug Waren einstellen.» Die Nachbarn lachten und sagten untereinander: «Jetzt kommt unser Gion mit seinen zwei Frauen.» Da machten sich alle lachend auf den Weg, einer mit einem Doppelgespann, einer mit einer Kuh und noch einer mit einem Ochsen, um die Waren hinaufzuführen. Jetzt sahen sie ein Schiff, das sich näherte, und sie sagten zueinander: «Es muss doch wahr sein.» Sie begannen, Waren aller Art auszuladen, so dass alle eine rechte Ladung ins Dorf zu führen hatten. Darauf eröffnete unser Gion einen Laden und konnte alles um fünf bis zehn Rappen billiger geben als sein Onkel Giatgen. Gion hatte sofort Kundschaft aus den Nachbardörfern; alles kam zu ihm, sein Geschäft lief sehr gut. Eine seiner zwei Frauen bediente im Laden, und die andere arbeitete als Köchin. Die zwei Frauen hatten gesagt, als er sie freigekauft hatte, er könne heiraten, welche er wolle. Eines Tages ging Gion zu seinem Vater: «Ich möchte jetzt eine der beiden heiraten, ich möchte die Königstochter nehmen, doch ich weiss nicht, welche das ist.» Sein Vater sagte: «Also, weisst du was, geh du morgen weg, und ich bleibe im Schlafzimmer über der Stube und höre zu, was sie untereinander reden.» Da brachte die Köchin der andern, die im Laden war, das Mittagessen und sagte, sie esse allein. Nun wusste der Vater, welches die Königstochter war, und er erzählte dem Sohn, als der zurückkam: «Nun heirate du die, welche im Laden ist, denn die andere sagte, als sie das Mittagessen brachte, sie esse allein.» Unser Gion ging zu den beiden Frauen: «Wisst ihr noch, als ich euch freigekauft habe, habt ihr gesagt, ich könne jene heiraten, die ich wolle.» Die beiden Frauen erwiderten: «Ja, das haben wir gesagt, und du kannst jene nehmen, die du willst.» - «Also gut, du vom Laden sollst meine Braut sein.» Ein Jahr später hatte sie das Glück, einen Knaben zu bekommen, der Franz Gisep, wie ihr Vater, der König von Amsterdam, heissen sollte. Eines Tages sagte sie zu ihrem Gion, sie hätte gerne, dass ihr Vater, der König, erfahre, dass sie noch lebe und von der Sklaverei befreit sei. Gion sagte: «Also gut, ich will nach Amsterdam gehen und berichten, dass du noch am Leben bist.» Eines Tages ging er weg und schiffte sich nach Amsterdam zu ein. Er hatte ein Segel gehisst, worauf die Namen Gion, Maria Elisabeta und Franz Gisep standen, als das Schiff in Küstennähe kam. Als der König auf seiner Laube draussen stand und aufs Meer hin schaute, sah er ein Schiff kommen, auf dem mit grossen Buchstaben etwas geschrieben stand, aber er konnte es nicht lesen. Er holte sein Fernrohr und sagte zur Königin: «Da ist etwas Besonderes los. Gewiss kommen Nachrichten von unserer Tochter.» Nun trat er mit der Königin auf die Laube, schaute durch sein Fernrohr und sah, dass geschrieben stand: Gion, Maria Elisabeta und Franz Gisep. Er sagte zur Königin: «Du, unsere Tochter ist noch am Leben; sie muss mit einem Gion verheiratet sein und einen Buben haben, der so heisst wie ich.» Als das Schiff landete, hatte er schon den Befehl erteilt, mit einer vierspännigen Kutsche entgegenzufahren. Da jedoch nur Gion da war, fragte der König, wo seine Tochter sei. Gion antwortet, sie habe noch nicht kommen können mit ihrem Franz Gisep, sie sei wohlauf und lasse grüssen. Er berichtete, er habe sie freigekauft und vor einem Jahr geheiratet. Der König sagte, er solle für einige Tage dableiben und dann zurückfahren, um Frau und Kind zu holen. Gion blieb einige Tage, dann führ er zurück. Der Hofschreiber wollte ihn ein Stück weit aufs Meer hinaus begleiten und danach mit einem Boot zurückkehren. Als Gion aus dem Fenster schaute, da gab der Hofschreiber ihm einen Stoss und warf ihn ins Meer, doch ein grosser Fisch kam angeschwommen und verschlang ihn. Der Hofschreiber kehrte in aller Eile um und sagte, Gion sei ins Meer gefallen und ein Fisch habe ihn gefressen; aber er wolle die Tochter und das Kind holen und ihnen sagen, was mit Gion geschehen sei. Er ging und kam mit Tochter und Kind zurück und brachte sie nach Amsterdam. Dann fragte er sie, ob sie seine Braut sein wolle. Sie gab zur Antwort: Sieben Jahre wolle sie um ihren Gion trauern, und nach sieben Jahren wolle sie ihn heiraten. Der Fisch schwamm und spuckte Gion noch lebend am Ufer aus. Da wusste unser Gion ganz und gar nicht, in welchem Land er sich befand. Er machte sich auf den Weg, kam in ein Dorf und fragte nach Arbeit. Da waren einige Frauen an einem Brunnen, die wuschen, und so fragte er, ob sie nicht wüssten, wer einen Mann zum Arbeiten brauche. Eine sagte, er solle zum Dorfmeister gehen, der suche einen Geisshirten, denn der sei gestern davongelaufen. Der Dorfmeister wohne gerade dort drüben in jenem Haus. Der sagte, wenn er die Geissen hüten wolle, so könne er dies tun, und Gion übernahm das Geisshüten. Da blieb er sieben Jahre weniger sieben Tage. Eines Tages, als er mit den Geissen auf die Alp ging, war er eingeschlafen, da hörte er es rufen: «Gion, steh auf, du hast noch Zeit.» Er stand auf, schaute herum und sah niemanden. Am nächsten Tag kehrte er an den gleichen Ort zurück und hörte dasselbe: «Gion, steh auf, du hast noch Zeit.» Da er niemanden sah, kehrte er am dritten Tag wieder dorthin zurück. Da rief es nochmals: «Gion, steh auf, du hast noch Zeit.» Er stand rasch auf, sah einen Fuchs zuoberst auf einem Hügel und fragte: «Hast du mich gerufen?» - «Ich, ich habe dich gerufen.» Gion fragte: «Was willst du denn von mir?» Der Fuchs gab zur Antwort: «Deine Frau hält in sieben Tagen Hochzeit mit dem Hofschreiber. Wenn du das Ganze verhindern willst, so hast du noch Zeit.» «Wie kann ich das Ganze verhindern?» fragte Gion, «da ich hier hocke und vielleicht einen Monat brauche bis ich in Amsterdam bin?» - «Also gut, wenn du versprichst, mir die Hälfte von dem zu geben, was du in einem Jahr zusammengebracht hast, so kannst du auf mir reiten, ich bringe dich hin.» Gion antwortete: «Ja das muss ich sehen» und setzte sich rittlings auf den Fuchs. Der machte Sprünge von einer Ecke zur andern und gelangte mit ihm nach Amsterdam. Gion ging zum Schloss. Da waren grosse Vorbereitungen im Gange für die Hochzeit, die seine Frau in sieben Tagen mit dem Hofschreiber halten sollte. Also fragte er, ob sie nicht jemand zum Wasser- und Holztragen brauchen könnten. Die Köchin sagte: «Lassen wir ihn Wasser und Holz tragen und geben wir ihm etwas zu essen, so ist er zufrieden.» Eines Tages, als die Köchin einen Eierkuchen für den König und die Tochter backte, stand Gion dort mit einem Arm voll Holz. Sobald nun die Köchin ihm den Rücken zukehrte, streifte er sich den Ring vom Finger und warf ihn in den Eierkuchen. Als der König den Eierkuchen entzweischneiden wollte, da schnitt das Messer nicht, so dass er zu seiner Tochter sagte: «Wer weiss, was hier drin ist?» Er nahm mit der Gabel den Kuchen auf: Es war ein Ring drin. Die Tochter rief: «Ho, das ist der Ring meines Gion, mein Gion lebt noch.» Sie hatte ihm jenen Ring gegeben, als sie Hochzeit hielten, es war «Gion» eingraviert, und sie erkannte den Ring. Der König klingelte unverzüglich mit dem Glöcklein, um die Köchin zu rufen. Er fragte sie, wer in der Küche gewesen sei, als sie jenen Eierkuchen gemacht habe. Die Köchin antwortete: «Jesses Maria, es war gewiss niemand da, doch wie habe ich das gemacht?» Sie habe des Königs Wort, sie solle die Wahrheit sagen. «Doch, einer war in der Küche, den liessen wir dieser Tage Wasser und Holz tragen, da wir mehr zu tun haben als sonst.» - «So, der soll sofort hierher kommen.» Unser Gion trat furchtlos vor den König, als zerlumpter Geisshirt, doch seine Frau erkannte ihn sogleich und begrüsste ihn voller Freude. Er erzählte alles, was der Hofschreiber mit ihm gemacht hatte, und dass er hierher gekommen war, um das Ganze zu verhindern. Sie machten untereinander ab, bis zum Tag der Hochzeit nichts zu sagen. Die Maurer verputzten das Schloss rundherum und brachten für den Hochzeitstag alles in Ordnung. Gion fragte, ob sie nicht einen Mörtelbuben brauchten, um den Mörtel anzurühren. Die Maurer sagten, doch, er könne kommen. Da war er eben dabei, mit der Kelle Mörtel zu rühren, als der Hofschreiber vorüberging. Gion schüttelte heftig und spritzte den ganzen Mörtel auf ihn. Der Hofschreiber brüllte, ein so unverschämter Kerl, der ihn so mit Mörtel voll gespritzt habe, sei ihm noch nie über den Weg gelaufen, und er gab den Befehl, ihn ins Gefängnis zu stecken. Dann ging er unverzüglich zum König, erzählte alles und zeigte, wie verschmiert er war. Zwei Tage später sollte die Hochzeit sein. Der König gab die Erlaubnis, dass an jenem Tag alle Gefangenen hinauf an den Tisch kommen könnten. Der Bräutigam sass mit der Braut zuoberst am Tisch, und die Gefangenen zuunterst. Der König fragte, ob alle hier seien; der Hofschreiber antwortete: «Es sind alle hier ausser dem Frechdachs von gestern, den, so habe ich befohlen, sollen sie im Gefängnis verfaulen lassen.» Der König sagte: «Ich habe befohlen alle, und ich will, dass auch der mit den andern heraufkommt.» Der musste zuallerunterst an den Tisch. Da stellte der König dem Hofschreiber die Frage, was zu tun sei mit einem, der versucht habe, die Frau eines andern zu heiraten. Der Hofschreiber antwortete: «Man soll ihn von Pferden zerreissen lassen.» Da stand der Gefangene zuunterst am Tisch auf und sagte: «So muss man es gerade mit dir machen; du hast versucht, mich ins Meer zu werfen, um meine Frau zu heiraten.» Als das Jahr um war, kehrte der Fuchs zurück und verlangte die Hälfte von dem, was Gion zusammengebracht hatte. Der hatte alles Geld genau beiseite gelegt. Der Fuchs sagte: «Das hier ist nicht alles.» Gion fragte: «Was fehlt denn noch?» - «In diesem Jahr hatte deine Frau das Glück, einen Buben zu bekommen, und den müssen wir auch teilen.» Gion sagte: «Das ist wahr.» Er nahm das Schwert und zog seinen Buben an einem Bein aus der Wiege, um ihn entzweizuschneiden. «Halt», befahl der Fuchs, «ich schenke ihn dir, denn ich bin der Tote, den du freigekauft hast; ich bin jener Alte, der dir das Geld gewechselt hat, ich habe mich in einen Fisch verwandelt, um dich aus dem Meer zu retten und in einen Fuchs, um dich über Berg und Tal zu tragen, damit du rechtzeitig ankommen und das Ganze verhindern konntest, als der Hofschreiber deine Frau heiraten wollte. Alles habe ich als Gegenleistung dafür getan, dass du mich freigekauft hattest und ich nicht mehr weiter dreschen musste, sondern ruhen konnte.» (Oberhalbstein)   Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Barbligna mit dem goldenen Stern by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Barbligna mit dem goldenen Stern

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 480, 510 A, 511

Die arme Barbligna war sehr traurig, denn ihre Stiefmutter hatte ihr gesagt, dass die kleine Kuh im Stall unten geschlachtet werde, die kleine Kuh, die sie so sehr mochte. Doch diese tröstete sie und sagte: «Lass nur, meine Barbligna, sie sollen mich schlachten. Schau nur, dass du zum Inn hinuntergehen kannst, um den Magen auszuwaschen, und du wirst darin ein Kästchen finden. Nimm es und bewahr es gut auf, und wenn du einen Wunsch hast, so sag ihn nur dem Kästchen, und er wird erfüllt.» Am Tag der Hausmetzg bot sich Barbligna an, mit dem Magen zum Inn zu gehen. «Das fehlte gerade noch», sagte die Mutter, «der würde wohl gut ausgewaschen.» Doch Barbligna versicherte ihr, sie habe im Vorjahr genau aufgepasst, wie die Frauen es angepackt hatten; sie wisse ganz gut, wie es gemacht werden müsse. Da liess die Mutter sie an den Inn gehen. Barbligna hatte eben das Kästchen gefunden und es am Hals herunter verschwinden lassen, als die Mutter erschien, um zu sehen, was sie trieb. «Was, du faules Luder, bist du noch nicht fertig mit dem Magen?» schrie sie, «gib ihn mir her und scher dich fort, du oberfaules Ding.» Barbligna liess sich das nicht zweimal sagen, lief rasch nach Hause, stopfte ein paar Kleider in ein Tuch, und mit ihrem kleinen Bündel unter dem Arm ging sie in den Garten hinunter. Dort nahm sie ihr Kästchen hervor und wünschte sich ein gläsernes Haus und dass sie damit gehen könne, wohin sie wolle. Und im selben Augenblick waren dort ein Häuschen und ein Stab, um es dahin zu lenken, wo sie wollte. Barbligna stieg hinein und sofort setzte sich das Häuschen in Bewegung und ging und ging durch Wiesen und Wälder und über Hügel und Berge, und schliesslich kam sie in eine grosse Stadt. Vor einem schönen Palast hielt sie an, sie trat ein und bat um eine Stelle; da wurde sie als Hühnermagd angestellt. Barbligna schaute gut zur Hühnerschar, und zwischendurch nahm sie das Kästchen hervor und wünschte, dass ihre Hennen tüchtig Eier legten, und die Hühner taten dies, dass es eine grosse Freude war. Jeden Tag konnte sie einen Haufen Eier zum Palast bringen, und alles sagte, so gut hätten die Hühner noch nie Eier gelegt. Eines Tages nun hörte Barbligna, dass der Sohn der Königin, die im Palast wohnte, einen Tanzabend veranstaltete, und Barbligna wollte unbedingt auch auf diesen grossen Ball gehen. Und sie wünschte sich dazu ein schönes Kleid und auch kleine Pantoffeln. Und in dem Augenblick lag dort ein wunderschönes Kleid, himmelblau mit Sternlein, und auf dem Kopf trug sie einen goldenen Stern. Und sie ging an den Tanzabend und war dort die Schönste der Schönen. Alle sahen sie an und bewunderten sie. Doch der Prinz, der konnte sie gar nicht genug ansehen, denn sie war so schön und anmutig, und er tanzte mit ihr mehrere Runden. Doch als es zu dämmern begann, da war sie auf einmal fort, und der Prinz war ganz traurig und konnte sich nicht vorstellen, wohin sie entwischt sein könnte. Er liess nicht locker, er fragte den einen und fragte den andern, aber keiner vermochte ihm zu sagen, wohin sie verschwunden sei. Nun wollte er noch einen Ball geben, in der Hoffnung, sie werde wieder erscheinen. Und tatsächlich, Barbligna erschien wieder. Dieses Mal hatte sie sich ein weisses Kleid gewünscht, und sie war wieder schön wie ein Engel. Und der Prinz war glücklich und selig, dass er sie wieder gefunden hatte und gab ihr einen schönen Ring. Doch vor Tagesanbruch war die Schöne wieder verschwunden. Der Prinz verzweifelte, weil er sie nicht mehr sah und all seine Nachforschungen vergeblich waren. Jetzt wurde der Prinz vor Kummer krank, und der Mutter tat es weh, dass ihr Sohn so schlecht dran war. Sie gab ihn allerlei gute, stärkende Sachen, um ihn wieder zu Kräften zu bringen, aber nichts half. Eines Tages war sie wirklich selber in die Küche gegangen, um ihm eine Suppe zu kochen. Unterdessen tauchte auch Barbligna in der Küche auf. Da benutzte sie schnell einen Augenblick, wo die Mutter auf die andere Seite schaute, und warf den Ring, den ihr der Prinz gegeben hatte, in die Suppe. Und als der die Suppe gegessen hatte, was sah er auf dem Grund des Tellers? Den Ring, den er seiner Tänzerin geschenkt hatte. Sofort liess er seine Mutter rufen und wollte wissen, wer in der Küche gewesen war, während sie die dicke Suppe gekocht hatte. Und die Mutter sagte: «Nun, wer soll dort gewesen sein? Niemand anders als ich. Einen Augenblick lang war auch die Hühnermagd dort, doch die kann es natürlich nicht sein.» Doch der Prinz bestand darauf, die Magd zu sehen, und als Barbligna kam, nahm er ihr sogleich das Tuch weg, das sie um den Kopf trug, und was kam zum Vorschein? Der glänzende goldene Stern, denn der war ihr geblieben. Damit niemand sie erkennen konnte, hatte sie immer ein Kopftuch getragen. Welche Freude, welche Fröhlichkeit! Er umarmte und küsste Barbligna, und die Krankheit war wie weggeblasen. Und kurz darauf heirateten sie. Was für eine wunderschöne Hochzeit das war, das kann man sich denken. (Oberengadin)   Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bärenfaller by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Bärenfaller

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Oberhalb Wasen ist ein Felsrücken, die Bärenfalle genannt. Hinter diesem Rücken liegt eine Alpe gleichen Namens. Hier wohnte einst ein riesenstarker Brigerberger. Als er einst seine Herde auf dem Bergesrücken weidete, wackelte ihm ein grimmiger Bär entgegen. Im Augenblicke, da dieser ihn mit seinen Tatzen zu Boden schlagen wollte, umfing er die Bestie mit den Worten: «Oho, Schurke! Willst du von Arm, ich will auch von Arm.» Seine beiden Riesenarme um ihn schlingend, hielt er den Bären so fest, dass dieser mit Rachen und Tatzen nur noch die Luft zu beissen und zu peitschen vermochte. Indem sie so miteinander rangen, stürzten beide gemeinsam in den Abgrund, wo der schwerere, der Bär, zuerst auffiel und zerplatzte. Der Ort hiess seither die Bärenfalle und die Familie erhielt den Namen Bärenfaller. TERMEN Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Baschi Frech by (Alois Lütolf, Sage, Uri)

Baschi Frech

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Dieses ereignete sich vor mehr als dreihundert Jahren. Auf einer Alp im Tale Meien, Aistner Alp genannt, sennete viele Jahre ein gewisser Baschi Frech, der in der Tat ungemein frech war und nie etwas fürchtete. Es war ihm wohl bekannt, dass während dem Winter in seiner Alp auch gesennet werde und zwar von solchen, welche im Leben als Sennen ihre Sache nicht recht gemacht hatten, sei es, dass sie Molken oder das Vieh vernachlässigten, oder einem der Mithaften mehr zuschöpften als dem andern. Diese mussten nachher im Winter dort wandeln. Alle Älpler wussten zudem, dass wenn einmal die Alphütte im Herbste verlassen sei, man nicht mehr in dieselbe zurückkehren dürfe, bis im Frühling, sonst gehe es einem dass Gott erbarm und das glauben sie noch jetzt im Berner Oberland. Aber Baschi Frech hatte einmal in seiner Alp etwas vergessen, was er notwendig brauchen sollte. Da sagte er zu vielen seiner Kameraden: Er müsst wieder in die Alp, ob nicht einer oder zwei mit ihm wollten; doch um hundert Kronen ging keiner. Der Baschi hingegen, der ging dennoch mutterseelenallein. Alle hielten ihn für verloren und sprachen in den Abendstuben von der entsetzlichen Frechheit. Im Gehen sagte er noch: Die dort werden ihn jetzt einmal noch nicht fressen. Es war schon spät, als er in die Alp kam und blieb selbigen Abend dort über Nacht. Er ass etwas und legte sich in die gewöhnliche Gutsche, in welcher er im Sommer auch sein G'lieger hatte, obwohl nur noch altes Heu darin geblieben war. Es war kalt und feucht und unlustig; doch eine Nacht wird mich nicht umbringen, dachte Frech. Er schlief nicht gut, nur aus Müdigkeit fielen ihm bisweilen die Augen zu. Aber holla! Gegen 12 Uhr hörte er schon von weitem eine Schar Sennen und Alpknechte in den Holzschuhen gegen die Hütte daher trappen. Baschi Frech dachte bei sich selbst: Das ist nicht zum Schlafen aber zum Aufpassen, was da gespielt wird. Sie schlugen die Türe auf, unter schrecklichem Gerassel traten sie in die Hütte, redeten kein Wort, fingen an zu sennen, hängten das Kessi an, feuerten darunter, trugen Milch aus dem Speicher hervor und warfen sie in das Kessi; es rauschte und schäumte und sie ankten und machten Käse, sehr viele, und alles ging schnell. Baschi hatte ihnen gut aufgpasst und manchmal stellten sich seine Haare zu Berge, aber er wehrte sich gegen alle Furcht. Jetzt hatten die Sennen dreierlei Schotten, rote, grüne und gelbe. Zu seinem grössten Erstaunen riefen sie ihm: Er solle herunter kommen und mit ihnen Schotten trinken. Er ging frech hinunter zu den Wintersennen, denen er durch die Rippen hindurch sah. Aber Baschi Frech war nicht verlegen. Da fragten sie ihn, von welcher „Suffi" er wolle? Er antwortete schnell, frech und laut: Er wolle von der grünen; und er trank, aber sie war nicht so gut wie jene, die er selbst gemacht hatte. Da sagten sie ihm, es bekomme ihm wohl, dass er von der grünen begehrt habe, sonst wäre es ihm schlecht genug ergangen. Einer von den Unheimlichen ging und klopfte den Sauen und die Sauen kamen und hatten einen Lärm. Baschi ging wieder auf sein Lager und liess sein Messer dort liegen, wo er Schotten getrunken; denn er hatte Brot aus dem Sacke genommen gehabt und zu der Schotte gegessen. Einer von den Wintersennen nahm das Messer des Baschi und beschnitt damit die Käse und als er dies getan hatte, so stiess er das Messer dem Baschi in ein Bein, dass es tief drinnen steckte. Der Baschi musste mit dem Messer im Bein am Morgen früh nach Hause gehen, nachdem die geisterhaften Sennen verschwunden waren. Aber niemand, kein Doktor konnte ihm das Messer aus dem Bein bringen. Die Doktoren von Altdorf gaben ihm den Rat, er soll nochmals dorthin gehen und wenn dann dieser wieder Käs beschneide, so werde er wohl sein Messer neuerdings brauchen. Sobald der Geist dann das Messer ihm wieder aus dem Bein zöge, soll er sich augenblicklich davon machen. Baschi Frech befolgte diesen Rat, ging nochmals fort in die Alphütte und wurde von dem Messer befreit, als der Geist wieder die Käse beschnitt und eilte schnell davon.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Basler Spitalwald und Milchsuppe by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Basler Spitalwald und Milchsuppe

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Der Spitalwald, gegen Münchenstein zu gelegen, hat ursprünglich einer alten Jungfrau gehört. Diese habe ihn der Gemeinde Arlesheim zum Geschenk angeboten, wenn diese sie in das Bürgerrecht aufnehme und im Alter und bei Krankheit für sie sorge. Die Gemeinde habe sich jedoch vor den Kosten gefürchtet und das Anerbieten abgelehnt, worauf die Eigentümerin den schönen Wald nebst einem Hofe bei Basel dem Bürgerspital in Basel vergabt habe. Dort sei sie bald darauf gestorben, und zwar, nachdem sie eine Milchsuppe genossen, weswegen der erwähnte Hof «zur Milchsuppe» genannt wurde. Arlesheim Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Basler, wunderbar aus Gefangenschaft befreit by (C. Kohlrusch, Sage, Basel)

Basler, wunderbar aus Gefangenschaft befreit

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Basel)

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Im Jahr 1338, als zwischen den Kronen Englands und Frankreichs ein Krieg erhoben und sich Deutschland mehr zu England hinneigte, hatte Frankreich nach der deutschen Seite seine Grenze versperrt und allen Eingang verboten. Trotz diesem Edikt hatte sich ein basler Kaufmann mit seiner Ware nach Frankreich gewagt, meinend, da er in der französischen Sprache wohl erfahren sei, werde man ihn leichtlich für einen gebornen Franzosen halten, so dass er sicher unerkannt und verborgen bleiben würde. Dieses Wagnis schlug jedoch fehl, denn bald als Fremder erkannt, ward er auf eines Edelmanns Schloss gebracht und in einem hohen mit Wassergräben umgebenen Turm mit Ketten an Händen und Füßen gefangen gehalten. In dieser Not nun soll der Kaufmann ein inbrünstiges Gebet an die heilige Jungfrau Maria gerichtet und dieselbe gar flehentlich um Hülfe angerufen haben, welche, sein Gebet erhörend, auch alsbald in eigener Person in königlichem Gewand und mit güldener Krone auf dem Haupt, in seinem Kerker erschienen sei und ihm mit den Worten: „Stehe auf mein Geliebter und folge mir!“, die Hand gereicht habe. Darauf seien die Ketten von ihm gefallen, die Mauer des Gemachs habe sich gespalten und ungefährdet und unverletzt habe ihm die heilige Jungfrau aus dem dreistockhohen Gefängnis trockenen Fußes über das Wasser geführt, ohne dass die Turmhüter etwas gemerket, und er alsbald glücklich in Basel angekommen sei, wo er seiner wunderbaren Rettung Meldung getan. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bauer und Landvogt by (Otto Sutermeister, Novelle, Schwyz)

Bauer und Landvogt

Source: (Otto Sutermeister, Novelle, Schwyz)

Category: Kategorie: Novelle / ATU-Nr: 921D*

Auf einem Schloss, man nannte es Gilgenberg, wohnte zu seiner Zeit ein Landvogt, der sich mit den Bauern recht gut verstand. Er ging einmal spazieren und traf auf dem Feld einen Bauern an, der am ackern war. Der Landvogt grüsste ihn: »Guten Tag, Nachbar, wie geht's?« »Hin und her«, sagt der Bauer und sonst nichts. Er hatte es drauf angelegt, den Landvogt ein wenig in Harnisch zu bringen. Der Landvogt denkt: Diesen Bauern muss man offenbar an einem andern Ohr packen, wenn man ihn zum Reden bringen will. Und er nimmt sich vor, er wolle ihn das nächste Mal geschickter anreden. Ein paar Tage später treffen sie wieder zusammen, und der Landvogt sagt: »Fleissig, fleissig, Nachbar? Ihr habt da wirklich zwei schöne Pferde!« »Es waren eben auch zwei schöne Füllen!« meinte der Bauer und lässt sich keinen Augenblick bei seiner Arbeit stören. Warte nur, denkt der Landvogt, ich will dich lehren, wie man mit der gnädigen Obrigkeit spricht, du Flegel du! Er überlegt sich, wie er diesem Bauern eine Lektion erteilen könne. Beim Bauern aber war mehr Übermut im Spiel als Bosheit. Im Grunde genommen hatte er doch Respekt vor dem Landvogt, wie sich gleich zeigen wird. Beim Kleemähen findet er einmal einen schlafenden Hasen, kann ihn lebend fangen und denkt, den könnte er als schönes Geschenk ins Schloss bringen. Er zieht daheim den Sonntagsrock an, nimmt den Hasen in die Brusttasche und trabt in der besten Meinung den Schlossweg hinauf. Im Schlosshof unter den hohen Schattenbäumen ergeht sich der Landvogt und sieht einen schweren und starken Mann den Berg heraufkommen. Er fragt sich: Was will der wohl von mir? Bald sieht er, dass es jener grobe Bauer ist, und hetzt ihm die Schlosshunde an. Die stürzen sich wie Drachen den Berg hinab und auf den Mann los. In jener Zeit fürchtete man die Schlosshunde sehr, und der Mann wäre wohl recht erschrocken, wenn er zu erschrecken gewesen wäre. Aber er stand mitten auf dem Weg bockstill, knöpfte vorn nur seinen Rock auf und liess den Hasen zur Tasche hinausspringen. Nun setzten die Hunde nichts wie los dem Hasen nach und schauten den Bauern nicht mehr an. Der Landvogt sieht mit Verdruss, wie die ganze Meute in den Wald hineinschiesst, kommt von oben herabgetrippelt und fragt: »Eh! Wem springen die Hunde denn nach?« »Dem, der voranspringt!« sagt der Bauer und verzieht dabei nicht einmal sein Gesicht. Nun platzte der Landvogt fast vor Ärger und spürte sich kaum mehr, aber er liess sich nichts anmerken und sagt zum Bauern: »Komm ins Schloss hinauf, du musst etwas zu trinken haben.« Der Bauer hat diese Einladung nicht abgewiesen und im hinaufsteigen erzählt er ihm auch, was ihn hergeführt habe und was er habe bringen wollen. Doch der Landvogt war zu sehr erbost und hatte kein Mitleid mehr mit dem Bauern. Er winkt einem Knecht und trägt ihm auf, mit dem Gast da in den Keller zu gehen, ihn zu füllen bis er genug habe und ihn dann gottvergessen durchzuwalken. Der Knecht tat, wie ihm befohlen war, und in den ersten Teil konnte sich der Bauer recht gut schicken. Als er bereits elf oder dreizehn Kännchen versorgt hatte und ihm der Wein allmählich die Pelzkappe lüftete, dämmert es ihm auf, die Mette könnte nun bald angehen. Er sieht auf den großen Fässern noch ein kleines liegen und sagt: »Da drin muss gewiss noch ein gutes Tröpflein sein, das wollen wir auch noch versuchen, ich habe sonst wohl aus jedem Fass ein wenig gehabt - und damit schlagt er den Hahn heraus. Der Wein kommt im Bogen herausgesprungen, und der Knecht kommt auch und schimpft: »Du Sürmel, was machst du nur!« Er stösst geschwind den Finger ins Loch. Der Bauer sucht den Hahn, findet ihn, und genau, wie es der Knecht befiehlt, steckt er ihn neben dem Finger hinein und pauf! mit dem Hammer drauf. Damit ist der Knecht ans Fässchen genagelt und schreit gar erbärmlich. Der Landvogt draussen hat schon lang auf diese Musik gewartet und wie jetzt endlich der Lärm im Keller losgeht, denkt er: Aha, der gerbt nun einmal diesen Kerl und ruft in den Keller hinunter: »Hau ihn recht ab!« Der Bauer war als gehorsamer Diener schon an der Arbeit und haut von einem schönen Käse ein ganzes Viertel ab, nimmt diesen Käsebissen in die Brusttasche, wo vorher der Hase war, knöpft den Rock bis oben zu und wackelt mit übergeschlagenen Armen die Kellertreppe hinauf. Dazu schnitt er ein Gesicht wie Holzessig, machte saure Augen und liess den Kopf hängen wie ein armer Sünder. Oben empfängt ihn der Landvogt mit herzlicher Schadenfreude, lacht und sagt: »Nun, mein Bäuerlein, du hast eben deinen Teil erwischt für dein böses Maul!« »Gewiss habe ich das, Herr Landvogt«, antwortete das Bäuerlein, »ich und meine Frau, wir haben bestimmt ein Vierteljahr daran zu kauen!« Otto Sutermeister: Kinder und Hausmärchen aus der Schweiz, Aarau 1837, nach B.Wyss; Schwyzerdütsch, Sitten und Sagen, 1863, S. 86.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Beatus und die Zwerge by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Beatus und die Zwerge

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Als Beatus im Oberlande das Evangelium verkündigte, gab es noch Zwerglein, kleine "gesegnete Leutlein" oder Bergmännchen, die in verborgenen Felsklüften wohnten. Sie zogen sich zurück vom Weltverkehr und galten allgemein als menschenscheu. Den stillen, braven Menschen waren sie gern behülflich in Haus und Feld. Gar manche Arbeit nahmen sie denselben ab. Mit dem heiligen Beatus nun knüpften sie alsbald freundschaftliche Beziehungen an. Sie waren ihm höchst dankbar, dass er den Drachen aus der Höhle vertrieben hatte; denn derselbe war auch ihnen zum Schrecken gewesen. Jetzt durften sie doch wieder ungehindert aus dem Innern des zerklüfteten Berges, wo sie ihre Wohnung hatten, dem Felsenspalt des Beatenbaches folgend, ans Tageslicht treten. Sie sorgten dem Apostel für seinen leiblichen Unterhalt, brachten ihm dürres Holz zur Feuerung, damit er in seiner Höhle vom Rauch nicht allzu übel geplagt werde. Das Wasser holten sie ihm aus dem murmelnden Bach nebenan; wenn das Wetter gar zu unlustig war, so schlüpften sie zu diesem Zweck durch das enge Felsloch im nordwestlichen Winkel seiner Höhle, um tief im Berginnern aus dem felsgebornen Quell zu schöpfen. Von den Flühen herab brachten sie ihm Gemsmilch und feine Käslein. Ja, sie führten ihm selbst Gemsen zu, dass er sie wie zahme Ziegen behandeln konnte. Östlich beim Eingang seiner Klause richtete er in den kleinen Grotten Ziegen- oder Gemsställe ein. Mit aller Sorgfalt hüteten und molken ihm die Zwerglein seine Haustiere. Sie halfen ihm auch unterhalb seiner Höhle allerlei Fruchtbäume pflanzen und pflegen. Die reifen Früchte lasen sie behutsam ab und brachten sie in seine Höhle. Beatus aber brauchte das wenigste für sich selber. Er trug die saftigen Früchte als Labsal hin zu den Kranken. Auch die heilsamen Kräuter aus seinem Gärtlein dienten zur Arznei für allerlei Leidende der Gegend. Die Zwerglein brachten ihm von den hohen Berggipfeln herab gar manches seltene Pflänzchen mit heilwirkender Eigenschaft. Biberklee und Lilien waren in St. Beats Garten besonders reichlich vertreten. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Beatus vertreibt den Drachen by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Beatus vertreibt den Drachen

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Vor alten Zeiten lebten die Umwohner am Wendelsee weltabgeschieden im Heidentum. Da kamen über den schwarzen Berg (Brünig) zwei Fremdlinge gewandert im härenem Mantel, mit langem Pilgerstab: Beatus und Justus. Sie zogen dem Ufer des Brienzersees entlang ins Bödeli, das damals noch unwirtlich aussah. Am Fuss der sonnigen Berge pilgerten sie weiter, überschritten den Lombach und kamen ins uralte Dörfchen Sundlaue- nen. Hier wohnten freundliche Hirten in rauchgeschwärzten Hütten. Die fremden Männer wurden gastlich aufgenommen. Sie erzählten den Leuten, dass sie gekommen seien, um den Bewohnern der dortigen Gegend eine gute Botschaft zu bringen. Der allein wahre Gott habe Jesum Christum in die Welt gesandt, um die sündigen Menschen selig zu machen. Die Sundlauener baten Beatum, dass er bei ihnen bliebe und sie in seiner neuen Lehre unterrichte. Gerne versprach dies der würdige Fremdling. Da erzählten sie ihm, es hause in einer benachbarten Höhle ein grimmer Lindwurm, zu Schaden für Mensch und Vieh. "Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist!" sprach Beatus. "Im Namen des allmächtigen Gottes will ich den Drachen vertreiben." Früh in der Morgendämmerung machte sich der Fromme mit seinem Begleiter auf den Weg. Bei Sonnenaufgang langten sie bei der Höhle an. Grausig zischte der Drache den Ankömmlingen entgegen. Beatus aber erhob seinen Pilgerstab und beschwor das Ungetüm im Namen des Allmächtigen. Da fuhr der Drache aus mit ohnmächtigem Wutgeheul. Er fuhr über die senkrechte Felswand empor und schlug in gräulichem Zorn mit seinem ungeheuren Schwanz dermassen an die Fluh, dass zu ewigem Zeichen das Drachenbild daran zurückgeblieben ist. Beatus aber richtete die Höhle des vertriebenen Untiers sich zur Wohnstätte ein, um von hier aus den Leuten die frohe Botschaft zu verkünden. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Beerenleser und Zwerge by (Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

Beerenleser und Zwerge

Source: (Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

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Im Burgerwalde machte man von Zeit zu Zeit grössere Kahlschläge. Auf diesen Lichtungen wuchsen dann zuerst Erdbeer- und Heidelbeerstauden. Später machten sich Himbeer- und Brombeersträucher breit und nahmen den Boden in Besitz. Zur Sommerszeit tummelte sich auf diesen Plätzen das fröhliche Volk der Beerenleser: Buben, Mädchen und Frauen. Da hörte man lachen, reden, jauchzen, singen - hier deutsch, dort welsch. Manchmal war auch das feine Klingen von kleinen Glöcklein zu hören, Glöcklein wie man sie den Ziegen umhängt. Die tönten bald fern, bald nah, und doch waren keine Ziegen zu sehen, man mochte mit den Augen suchen, wie man wollte. Dann sagten die Beerenleser: „Hört, die Zwerge hüten ihre Ziegen. Das Wetter bleibt gut.“ Zwergleins Spass Eine Mutter ging einst mit ihren Kindern in den Burgerwald, um Beeren zu sammeln. Sie hatten keinen guten Tag. Den ganzen Vormittag zogen sie von einem Beerenplatz zum andern. Aber sie fanden nichts, alles war schon abgelesen. Um die Mittagszeit verbargen sie ihre noch leeren Körbe und Kratten in einem Gebüsch und schickten sich an, am Ufer des nahen Bächleins ihr Mittagsmahl zu bereiten. Ein Feuer wurde angezündet und die Pfanne mit der Milch aufgesetzt. Alle sassen oder knieten im Kreise herum, plauderten und nährten die Flamme mit dürrem Reisig. Auf einmal sauste ein Tannenzapfen ins Feuer. Funken und Asche stoben auf. Erschrocken fuhren alle empor und hielten Ausschau nach dem Übeltäter. Doch niemand war zu sehen und nichts zu hören. Man beruhigte sich und plauderte weiter. Da  plötzlich flog ein Tannenzapfen daher und fiel mitten in die Pfanne, dass die heisse Milch hoch aufspritzte. Gleichzeitig ertönte in der Nähe ein helles Lachen: Hihihihii. Die Kinder hatten beobachtet, dass das Geschoss just von jenem Orte herkam, wo die Körbe versteckt waren. Schnell eilten sie hin. Da sahen sie gerade noch, wie ein Zwergenmannli flink durch die Himbeerstauden beinelte und im Wald verschwand. Jetzt entdeckten sie auch, was der Kleine hier getan. Ihre Augen weiteten sich vor Staunen, und alle stiessen miteinander einen Freudenruf aus. Das Zwerglein hatte sich einen köstlichen Spass erlaubt. Es hatte alle Körbe und Kratten bis zum Rande mit dunkelroten, duftenden Himbeeren gefüllt.   2. Zwergleins Zorn Kathri, die alte Beerenleserin, erzählte: Als ich noch jung war, da habe ich einmal im Grauloch (Burgerwald) Beeren gesammelt. Es war ein guter Tag. Was ich suchte, fand ich in Menge. Langsam rückte ich immer weiter den Hang empor. Ich sah nicht auf die Umgebung. Meine Augen waren nur auf die Arbeit gerichtet. Auf einmal befand ich mich vor einem grossen Steinblock. Ich blickte hinauf und schreckte zusammen. Auf dem Steine stand ein Zwerg. Er lächelte mir gutmütig zu, und meine Angst verging. Ich schaute das Männlein genauer an. Es war etwa so gross wie ein Bübel, der das zweite oder dritte Jahr in die Schule geht. Aber sein Gesicht sah sehr alt aus. Es bestand aus lauter Runzeln und erinnerte mich an Eichenrinde. Das lustigste an dem Menschlein schien mir jedoch sein grauer, zerzauster Bart zu sein, der fast bis auf den Boden reichte. Plötzlich schoss mir dieser Gedanke durch den Kopf: Das wäre ein Anblick, wenn bei uns jeder zehnjährige Schnuderi mit einem solchen Bart in die Schule ginge ---. Ich musste gerade laut herauslachen. Der Zwerg glaubte wohl ich mache mich über ihn lustig. Er schnitt auf einmal ein böses Gesicht, hob drohend den Finger und --- verschwand. Mein Kopf aber begann heiss und heisser zu werden. Ich eilte nach Hause und legte mich ins Bett. Das Fieber brannte die ganze Nacht in mir. Am Morgen war mein Kopf hoch aufgeschwollen und rot wie eine überreife Erdbeere.   Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch  


Begegnung im Chrüzholz by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Begegnung im Chrüzholz

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Der Chare-Willi sammelte mit anderen Knaben im Chrüzholz dürres Holz. Als sie schon einen schönen Haufen zusammengetragen hatten, kam von der Rebholde her ein Mann. Er war wie ein Schlossherr angezogen. Er schritt schnurstracks auf Chare-Willi zu, öffnete ihm den Kittel, schlug ihm heftig auf die Brust und sagte: «Feschte Stamm!» Dann marschierte er weiter und verschwand. Die Knaben eilten nach Hause und wollten eine Zeitlang nicht mehr ins Chrüzholz. Ziefen Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Begräbnis bei den Barfüssern bringt Seligkeit by (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

Begräbnis bei den Barfüssern bringt Seligkeit

Source: (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

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Im Spätmittelalter ging in Schaffhausen und seiner Umgebung die Sage, wer sich bei den Barfüssern (Franziskanern) begraben lasse, «der fare von mund uf zhimmel», das heisst, er komme direkt in den Himmel.     Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Behexung eines Pferdes by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Behexung eines Pferdes

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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«Ein angesehener und in anderen Sachen vernünftig denkender Mann» wollte (um 1780) ein krankes Pferd durch einen Schmied und einen Vieharzt kurieren lassen. Nach vergeblichen Bemühungen behaupteten diese, «das Pferd seye bezaubert». Sie anerboten sich, sie wollten «die (!) Person, welche das Pferd bezaubert, bange machen; und solche müsse Persönlich komen». Bei verschlossenem Stall trieben sie ihre abergläubischen Künste. «Solche bestehen am öfftersten in einem Beräucheren mit underschidlichen Sachen, worunder der sogenante Teüfelstreck das hauptstück ist, wegen seines Nahmens!» Darauf wurde von den beiden eine fast siebzigjährige Tag- löhnerin, welche gegen fünfzig Jahre «als ein Ehrlich Weib» das Vieh gehütet hatte, «für Eine Hexe Erkant», und sie musste von Stund an das Haus verlassen. Bubendorf Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bei dem G'hirmistein by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bei dem G'hirmistein

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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zwischen der Samiklaus-Rütti und dem Reesti zu Bauen an der Gasse nach Seelisberg haben die Leute früher nicht selten eine Gestalt gesehen, von der man nicht sagen konnte, ob es ein Weiber- oder ein Mannenvolk sei. Sie war grau gekleidet und sah fast wie ein Bettsack aus. Kopf hat man keinen beobachtet. Einen Kopf oder wenigstens ein rechtes Gesicht sieht man überhaupt an den Gespenstern nicht. Auch auf dem G'hirmistein in der Gand, wenn man aus der Gossalp in Isental kommt, hat man öfters einen Geist sitzen gesehen. Marie Ziegler, 60 J. alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bei den Teuchlern by (Theodor Vernaleken, Sage, Graubünden)

Bei den Teuchlern

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Graubünden)

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In alten Zeiten bohrte man die Wasser-Teuchel (Wasserleitungen aus Baumstämmen, Anm.) immer nur von einer Seite und so wurden die Teuchel natürlich sehr kurz. Es kamen dann manchmal in den Wäldern wilde Männlein zu den Arbeitern und lachten und kicherten in ihre Fäustchen, wenn sie sahen, dass man die Teuchel nicht länger machen konnte, als es der Bohrer erlaubte. Sie verstanden es wohl besser, aber sie sagten es nicht aus. Da sagte einmal ein Arbeiter zu einem wilden Männlein: „Jetzt weiss ich denn, wie man längere Teuchel machen kann, einer von euch hat es meinem Vetter gesagt und der hat es mich gelehrt, heute sollst du mich nicht mehr auslachen.“ „Ja, gelt“, sagte das Männlein, „du kehrst das Holz um und bohrst auch von der andern Seite." So war das Geheimnis ausgeplaudert. Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bei der Geissgelti by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bei der Geissgelti

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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gehts auch nicht mit rechten Dingen zu. Meine Frau, eine Schächentalerin, hat erzählt, der Sigrist zu Spiringen habe sie oft unter seinen Geissen gehabt. Einmal, als sie wieder unter ihnen herrschte, war zufällig so ein Schuhmacherli bei ihm auf der Stör, und dem klagte er eines Abends seine Plage. Das sagte: »Morgen früh melk die Ziegen sauber, bring die Milch mir und dann schau!« In der folgenden Nacht kam ein Wybervölchli vor's Haus und rief: »Schüemacherli, schlafisch?«, und er antwortete: »Ja, ich schlafä nu.« Am Morgen machte es der Sigrist, wie ihm geraten worden. Der Schuhmacher tat die Milch in eine Pfanne über Feuer, sott sie und rührte währenddessen darin. Alsbald kam »näiwis Tunggs« keuchend und gruchsend dahergerannt und hielt an, er solle mit dem Sieden aufhören. Aber der Schuhmacher ging nicht darauf ein. Allmählich verschwand das Wybervölchli. Wie, weiss ich nicht. Der Sigrist meinte, äs häigs v'rsprängt. Jos. Betschart, 66 Jahre alt, Muotatal Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bei Handabhauen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bei Handabhauen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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sei früher jede Verletzung des Postgeheimnisses verboten gewesen. Ein Postmeister Megnet in Altdorf – erstes Viertel des 19. Jahrhunderts – machte sich einer solchen schuldig. Weil er aber sonst ein sehr ehrenhafter Mann war, wurde ihm die genannte Strafe erlassen, er musste jedoch zeitlebens eine kleine Kette an seiner rechten Hand tragen. So hat allemal ca. 1880/84 die alte Frau Ratsherr Bessler geb. Lusser in der Hagen erzählt. Mitgeteilt: Pfr. J. Arnold, 65 Jahre alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Beim hohen Haus by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Beim hohen Haus

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Beim "hohen Haus "stand in alten Zeiten eine Herberge. Bis auf den heutigen Tag soll es da nicht recht geheuer sein. Viele wüssten davon zu erzählen. Einst wetteten zwei übermütige Burschen miteinander, wer dort bei der Wirtin im "hohen Haus" einen halben Liter bestellen dürfte. Einer stand sofort zurück und bekannte, das wage er nun wirklich nicht. Der andere hingegen nahm die Wette an, das mache ihm gar nichts aus. So gingen sie hin, der Mutige bis an die Gemäuer des alten Wirtshauses; der andere blieb in einiger Entfernung stehen. Und der Couragierte rief auch sogleich mit starker Stimme: «Frau Wirtin, bringt mir eine Kanne Wein!» Und sofort hörte er den Schlüsselbund rasseln, den Schlüssel im Schloss sich drehen, die Türe öffnen und den Wein aus dem Fass in die Kanne sprudeln. Das war ihm aber doch zuviel. Zusammen mit seinem Kollegen machte er sich auf und davon. Darauf wurde er ziemlich schwer krank. Das hat uns der Vater erzählt. GLIS Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Beim Kreuzaufstecken erfallen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Beim Kreuzaufstecken erfallen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Als man zu Spiringen das schwere, eiserne Kreuz der Spitze des hohen, schlanken Turmhelms der Pfarrkirche aufstecken wollte, beauftragte man mit dieser lebensgefährlichen Aufgabe einen zum Tode verurteilten Verbrecher, dem man für den Fall des Gelingens das Leben zu schenken versprach. Oben angekommen, rief dieser hinunter: »I weeles Loch sol i ds Chryz steckä?« Schnell besonnen antwortete der Meister: »I das mittzt!« Der Arbeiter tat's. Das Kreuz hielt fest, aber der Mann fiel hinunter. Katharina Kempf u.a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Beim Schutzenbirnbaum by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Beim Schutzenbirnbaum

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Beim Schutzenbirnbaum, zwischen Rebstein und Balgach, sah man nachts auch eine unheimliche schwarze Gestalt, die manchem den Angstschweiss auf die Stirn trieb. Ein beherzter Mann nahm sich dann vor, die arme Seele zu erlösen; da stiess er auf einen alten Weidenstrunk. J. U. Büchel.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 68, S. 30 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Beim St. Katharinabrunnen by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Beim St. Katharinabrunnen

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Zwischen Halbmil und Grünhag, wo auf einem alten Bergsturz der grosse Buchenwald zur Talebene herabreicht, entspringt wenige Schritte von der Landstraße eine reiche Quelle, der St. Katharinabrunnen. Vor Jahrhunderten war dort die Kapelle der heiligen Katharina, und die Kirche besass da bedeutende Liegenschaften, namentlich Weinberge. Alles das ist tief verschüttet durch den vom Spitzbühl herabkommenden Rüfebach. Erlen und Buchen stehen jetzt auf dem steinigen Grund. Die Namen Brunnenwingert und Meiersberg erzählen noch von vergangenen Zeiten. Die Rüfe habe einst auch ein Glöcklein wieder ans Tageslicht gebracht. Der an der Landstrasse gelegene sonnige, windgeschützte, wasser- und holzreiche Winkel war seit jeher ein Lieblingsaufenthalt fahrender Leute, Zigeuner, Kessler und Korbmacher. Für die Einheimischen ist der Ort der Schauplatz von Geistererscheinungen. Da sieht man um Mitternacht geheimnisvolle Gestalten wandeln und hört durch das Murmeln des Wassers und durch das Raunen und Rauschen des Waldes leise die Glöcklein der verschwundenen St. Katharinakapelle klingen. J. B. Stoop Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 323, S. 180f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Belagerung der Burg Niedergesteln by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen,, Sage, Wallis)

Belagerung der Burg Niedergesteln

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen,, Sage, Wallis)

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Nachdem Freiherr Anton von Turm 1375 den Bischof Tavelli vom Schlosse Seta hatte herunterwerfen lassen, erhoben sich die Oberwallisser, die treu zu ihrem Bischofe hielten, gegen ihn und belagerten seine Burg in Niedergesteln. Diese leistete aber jahrelang den hartnäckigsten Widerstand. Aus dieser langen Belagerung erzählen die Leute noch als Sage, dass die Oberwalliser, als sie mit Gewalt nichts ausrichten konnten, sich entschlossen, die feindliche Burg ringsum wohl abzuschliessen und deren Besatzung durch Hunger zu bezwingen. Achtzehn Monate lang waren bereits alle Zugänge zum Schloss auf das Genauste bewacht und niemand erhielt Erlaubnis weder zum Ein- noch zum Ausgehen. Schon lange erwartete man die Übergabe der Festung täglich, weil man bereits in den ersten Monaten die Leute magerer und elender wollte gefunden haben. — Da blickten eines Morgens, als die aufgehende Sonne die Burg so freundlich beschien, wieder Aller Augen erwartungs- und hoffnungsvollst zu derselben empor, und sieh! eine Reihe der schönsten und frischesten Hammen und Schinken hing da vor den Fenstern und mit hellklarem Weine trank man spöttisch auf die Gesundheit der erstaunten Belagerer. — Da ward der Mut der Oberwalliser auf eine harte Probe gestellt. — Doch sie verloren denselben nicht, verdoppelten ihre Wachsamkeit und spürten auf's Neue nach verborgenen Zugängen. Und sie fanden einen, der durch den Berg ins Lötschtal führte, von woher die Besatzung reichlich mit Nahrungsmitteln war versorgt worden. Das ergrimmte die Oberwalliser derart, dass sie die Leute von Lötschen den obern Zehnden untertan machten, von welcher Knechtschaft sich diese Braven, die gegen ihre rechtmässigen Herren nur ihre Pflicht taten, erst Ende des vorigen Jahrhunderts mit schwerem Gelde loskauften. — Die Burg Niedergesteln musste endlich doch fallen und wurde von den Oberwallisern geschleift.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Belohnte Barmherzigkeit by (Josef Müller, Sage, Uri)

Belohnte Barmherzigkeit

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In Isental hatte ein gutherziger Kirchensigrist für die verstorbenen unschuldigen Kinder die schmucklosen Särge stets kostenlos hergegeben. Dafür wurde er aber auch wunderbar belohnt. Mit zwei Kameraden geriet er eines Tages beim Abholen von aufgetristetem Wildheu in einen trügerischen Föhnenschild; während die Gespanen um's Leben kamen, wurde der mildherzige Sigrist-Schreiner gerettet. Mich. Imhof Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Belohnte Barmherzlichkeit by (Josef Müller, Sage, Uri)

Belohnte Barmherzlichkeit

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Zur Witwe Dominika Bissig († 1848), deren Häuschen in Altdorf ob dem Gasthaus zur Krone stand, kam eines Abends ein Bettler, dem niemand Obdach hatte gewähren wollen. Er sei auch vorher schon öfters in Altdorf und da unter dem Namen »der lüsig Bättler« bekannt gewesen. Viele meinen, es sei der heilige Benedikt Labre gewesen. Liebevoll nahm ihn die Witwe auf, obwohl sie sonst als etwas knauserig verschrien war. Am nächsten Morgen beim Abschied prophezeite er: »Ein grosses Unglück wird über das Dorf kommen; dieses Haus aber wird verschont bleiben.« Als die Witwe das Zimmer ordnen wollte, darinnen der Fremdling genächtigt, fand sie zu ihrem Erstaunen das Bett unversehrt und unberührt vor. Die Weissagung ging beim Brande von Altdorf, im April 1799, in Erfüllung. b) Erfreut über die gastliche Aufnahme, sagte der Fremdling: »Um Mitternacht wird es schrecklich losgehen in diesem Ort; aber habt keine Angst etc.« Um Mitternacht brach der Brand von Altdorf aus usw. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Belohnte Treue by (Alois Lütolf, Zaubermärchen, Uri)

Belohnte Treue

Source: (Alois Lütolf, Zaubermärchen, Uri)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr:

Folgendes ereignete sich vor vielen hundert Jahren auf Stalden in Gurtnellen im Kanton Uri. Es lebte da eine Jungfrau, die fromm und brav war, und ein eigenes Gut frei und frank besass, denn ihre Eltern waren gestorben. Zwei Jünglinge warben um ihre Hand. Den, welcher ihr als der Beste erschien, wählte sie. Nach der Brautnacht stand der Mann früh, bevor es völlig tagte auf, währenddem seine junge Frau noch schlief. Er schaute zum Fenster hinaus und glaubte, seinen verschmähten Mitbewerber vor der Haustür tot liegen zu sehen. Darüber, obwohl es nur Täuschung war, erschrack er so sehr, dass er sich anzog und weit fortging gegen Welschland, ohne der Frau noch jemandem etwas zusagen. Im Welschland kam er zu einem guten Bauern und diente demselben 24 Jahre lang treu und redlich, sagte aber niemals etwas von seinem Schicksal. Seine Frau stellte über den verschwundenen Mann umsonst ihre Nachforschungen an, es blieb ihr grosses Herzeleid. Endlich, nach den 24 Jahren wandelte den Mann ein grosser Drang an, nach Hause zu gehen und er sagte seinem Herrn, er müsse nach Hause und könne da nicht mehr länger aushalten. Jener antwortete: Wie ungern er ihn auch entlasse, so könne er ihm doch nicht dagegen sein. Er gab ihm einen eingewickelten Zelter zum Lohn, mit dem Bedeuten, er solle diesen Zelter nicht öffnen, bis er Freude habe; soll sich zweimal besinnen, ehe er was tue; wenn er etwas wolle, sich nicht gleich abspeisen lassen und im Zorn nicht strafen. Als er damit nach Hause kam, ging er nicht in das Haus seiner Frau sondern zum Nachbar, und sass allda an ein Fenster hin, wo er gerade in sein Haus hinüber sah. Da schaute er seine Frau ganz herrlich gekleidet, schaute, wie sie einen jungen Menschen recht oft küsste und umarmte und das Ding machte ihm so hitziges Blut, dass er alle Augenblicke glaubte, er wolle hinüber und die Frau samt dem Buben erstechen. Doch er besann sich zweimal: Nun endlich kam der Nachbar und erzählte ihm, den er nicht kannte, dass diese Frau gleich nach der Brautnacht den Mann verloren und nie mehr etwas von ihm vernommen. Aber sie habe von ihm einen Sohn erhalten, welcher studiert habe, geistlich geworden sei und nun morgen hier die erste heilige Messe lesen werde. Eben jetzt sei er vom Bischof heimgekommen und die Mutter habe ihn herzlich umarmt und er sie. Nun dachte der Mann: das ist was anderes. Er ging hinüber und bat da über Nacht bleiben zu dürfen. Aber man wies ihn ab; er jedoch liess sich nicht abweisen, er wollte hinter den Ofen liegen. Endlich liess man ihn. Nach und nach erzählte er aus seinem Leben, gab sich zu erkennen und nun wurde die Freude noch grösser, ja vollkommen und er öffnete den Zelter, der voll Geld war.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Benannte Steine by (Josef Müller, Sage, Uri)

Benannte Steine

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In dieser Sagensammlung spielen mehrere »Steine« d.h. meist freiliegende Felsblöcke, Trümmergesteine, eine Rolle. Hier möchte ich noch einige hinzufügen, die interessante Namen tragen oder im Volksleben oder auch in der Ortsgeschichte von etwelcher Bedeutung sind. Seelisberg. Der bekannte Myten- oder Schillerstein. Attinghausen. »Bei dem Stein« daselbst baute gegen Ende des 16. Jahrhunderts Andreas Plätteli seine Einsiedelei mit Kapelle, der später das Klösterlein folgte. Der Sennen- und der Grafenstein in der Eigenalp Waldnacht, die Rappensteine, der Gummi- oder Elwenstein in der Alp Surenen, dessen zweiter Name angeführt ist in den Urkunden des 14. Jahrhunderts. Ein Garsenstein ist urkundlich 1457 den 10. Mai. Flüelen. Der Schweinstein, genannt in einer Urkunde vom 12. Juni 1382 (Gfr. 42, 24). Altdorf. Der Waldbruder-, der Aloisi- und der Chriesistein. Bürglen. Der Myttenstein im Riedertal, der Grosstein in den Seletzbergen. Unterschächen. Der »weisse Stein«, schon 29. März 1290, ebenso 1300, 1359, 1370 urkundlich genannt, heute nur mehr »beim Stein«. Urnerboden. Teufelsfriedhof heisst eine mit Steinblöcken übersäte Gegend in der Alp Gemsfeyer, Hexenturm ein Steingebilde in der Alp Fiseten. Erstfeld. Mehrere Jützsteine, von denen aus man in das Tal hinunter jauchzt, um irgend ein Signal zu geben. Änggistein. Silenen. Der Brandi- und der riesige Tegerstein, der um 1522 im Jahrzeitbuch genannt wird. Amsteg. Der Chränzlistein, ein anstehender Fels. Bristen. Der Stoffel- und der Heiristein in den Stäflen. Gurtnellen. Der torförmige Gspaltenstein über einem tiefen Abgrund in der Nähe des Hohneggsteines. Der Kasperstein in der Intschi Alp. Wassen. Ein Gut in Meien heisst Enzen- oder Enzigstein; ein anderes Rinderstein; ein Wohnsitz nördlich der Pfarrkirche: Leggistein. Göschenen. Der Ruprechtstein1, eine Allmendgrenzmarke im Schöniwäldchen nahe dem neuen Haus von Herrn Antonini; der Kapfstein, westlich von Göschenen am Ende der Allmend; der Bärenstein in Göscheneralp. Realp. Der Hühner- und der Lipferstein; der »grosse Stein« ob dem Dorf, wahrscheinlich der nämliche, der 1380 urkundlich Mangstein genannt wird.  Fußnoten 1 Er besteht vielleicht nicht mehr. Genannt wird er urkundlich 1. Mai 1547. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Berggeister by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Berggeister

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Es gibt wenige Täler im Wallis, wo nicht an einem oder dem andern Orte die schädlichen Berggeister durch Schlammlawinen, Bergrutsche, Bergstürze, Steinschläge und Wieggisch ihre Zerstörungskraft beurkundet haben. So sollen diese Kobolde ob Unterwassern einen Teil des Bergs heruntergeworfen haben; oft habe man sie mit Händen und Füssen arbeiten und Felsen stossen gesehen. Auch in Madsand und Blattbach (St. Niklaus) hauste ein ähnlicher Geisterspuk so arg, dass Dorf und Umgegend verschüttet wurden; noch in den neuesten Tagen soll es im Madwald gespukt haben. — Die zerstörenden Berggeister versuchten auch das Fuchs-Gufer, ob Naters, aufs Dorf zu wälzen. — Im schaurigen Bruchigraben sollen sie oft plötzlich Wieggisch oder Schlammlawinen aufgewühlt und Naters zu überschwemmen gedroht haben, weswegen man eine Armenspende jährlich zu geben versprochen hatte. Ob Ernen zum Steinhaus werden von einem dortigen Lehmgraben schaurige Spukgeschichten erzählt. Ein zu nachts durch diesen Graben Reisender erzählte, dass ihn beim Eintritt in denselben eine solche Finsternis überfallen habe und er keinen Schritt weiter wagen durfte. Da habe er den Geist beschworen im Namen Gottes, dass er ihn nicht auf seiner Reise aufhalten wolle; er sei bereit ihm zu helfen. — Keine Antwort und die gleiche Finsternis. — Da habe er eine gesegnete Kerze angezündet und das Hl. Johannes Evangelium gebetet mit lauter Stimme; und als es ungeachtet dessen nicht besser werden wollte, habe er zornig laut gerufen: «Ich beschwöre dich nochmals im Namen Gottes! Ist dir zu helfen, so helfe dir Gott — und sonst helfe dir der lebendige Teufel!» — Da sei es nicht anders gewesen, als wenn ein glühender Ochs durch den schaurigen Graben hinuntergeschossen wäre. Die Finsternis um ihn verschwand und er konnte ohne Schwierigkeit seine Reise fortsetzen. Auch der Bergsturz beim Täschgufer soll durch solche schädlichen Berggeister veranlasst worden sein. — Aber wo die Geister völlig zu Haus sein sollen, in dem viele Kobolde, die anderswo vertrieben, dorthin verbannt werden, — das ist der Illgraben im Pfinhorn, der Bürgschaft Leuk gegenüber, der oft seine Schlammwieggische bis in die Rhone treibt und selbe hinterschwellt. Dort sollen besonders die Staatsherren und Geistliche abbüssen müssen. Man soll mehr als einmal schwarzgekleidete Herren auf der roten Schlammlawine einherreiten gesehen haben. Von diesem schrecklichen Graben wird viel Unheimliches erzählt, was den Leuten noch heutzutage begegne.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Bergmännchen auf der Haglestä by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Bergmännchen auf der Haglestä

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Haglestä ist der Name eines Juraberges im Frickthale nahe beim Dorfe Magden. An seinem Fusse ist eine Höhle, in welcher Bergmännchen wohnen. Noch vor hundert Jahren kamen sie Nachts den Bach herunter und machten den Leuten in der Alten Mühle ihren Besuch. Da brachten sie ihre Kunkeln mit und spannen um die Wette. Wenn es Mitternacht wurde, hörten sie auf und giengen heim; hatte man auch die Uhr gestellt, damit man den Schlag nicht hören sollte, so waren sie zur bestimmten Stunde sonst verschwunden. Besonders gegen die Kinder thaten sie freundlich und schenkten ihnen manchen Edelstein, den man noch lange nachher bewahrt oder um hohes Geld verkauft hat. Ein armer Tauner (Taglöhner) arbeitete einst noch spät Abends auf dem Felde, wenige hundert Schritte vom Dorfe entfernt, da sah er ein Bergmännchen, schwebend wie ein Sommervogel, über die Höhe herunterkommen und sich bei ihm niederlassen. Es grüsste artig und suchte ihm eine Schürze voll Kohlen aufzunöthigen. Der Mann konnte nicht begreifen, was ihm das eitle Zeug nützen sollte und war schon viel zu arbeitsmüde, um sich darüber in einen Disput einzulassen. Endlich da das Bergmännchen mit Zureden nicht nachliess, nahm er ihm doch aus Gutmüthigkeit ein Köhlchen aus der Schürze und steckte es ein. Das Bergmännchen gieng nun weiter, sah aber nicht mehr so zufrieden drein, wie vorher. Als der Tauner am folgenden Morgen sich ankleidete, fühlte er noch das Kohlenstück in seiner Tasche stecken und wollte es herauswerfen; aber nun zog er ein eben so grosses Stück Gold aus dem Sack und verstand freilich jetzt die gestrige Dringlichkeit seines Wohlthäters. Gleichwohl ist er nachher ein reicher Mann geworden. Erst vor einigen Jahrm ist ein hochbetagter Magdener-Bauer gestorben, von dem man weiss, dass er als vierzehnjähriger Knabe beim Holzfällen durch Zufall in jene Höhle auf der Haglestä gerieth und dorten mit Ramwähen, Butterschnitten und Kuchen aufs allerbeste bewirthet wurde. Nach ihm kam noch ein anderer Knabe in dasselbe Revier und immer war es ihm, als ob ihm da ein Geruch von Backwerk in die Nase steige. Gleich fand er auch einen Eierkuchen, der so breit wie der ganze Baumstamm war, auf dem er wie auf einem Teller hergerichtet lag. Aus Hunger riss der Bube den Fladen in zwei Stücke, und in dem Augenblick standen die Männchen vor ihm, nahmen ihn mit in ihre Höhle hinauf, zeigten ihm alle künstlichen Gewölbe und setzten ihm ganze Trachten der allerbesten Speisen vor. Weil er sehr ermüdet war, schlief er schnell bei ihnen ein. Am Morgen lag er zu Hause in seinem Kämmerlein, seine Waldaxt aber neben ihm im Bette, in einen gewaltigen Laib Brod geschlagen. Als er den Laib anschnitt, fiel eine solche Zahl Goldstücke heraus, dass er einer der vermöglichsten Männer im Dorfe geworden ist. So thaten die Zwerge mancherlei Gutes, bis sie die Neugier der Leute vertrieb. Denn die Müllerin wollte schon lange gerne wissen, ob diese Männchen Füsse hätten oder nicht, und hatte ihnen in der Spinnstube Asche unter Tisch und Bank gestreut. Sie merkten den Verrath und verschwanden unter dem Rufe: Lauf, Küngi, lauf, Die Welt ist falsch und taub! Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 277 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Bergmännchen weiss einen Schatz by (Alois Lütolf, Sage, Obwalden)

Bergmännchen weiss einen Schatz

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In Giswil, Kanton Obwalden, starrt auf einer Alp ein Felsen empor, der Giswilerstock. In dem umliegenden Gebirge hausten Wilde oder Bergmännchen. Ein oder mehrere Jäger begaben sich auf die Gemsenjagd. Wie nun der Jäger den Gemsen nachspürte, stellte sich plötzlich ein solches Männchen vor ihn hin, und trug die ernste Bitte vor, er möchte ihm doch seine Tiere nicht schiessen, dafür wolle es ihm einen grossen Schatz zeigen. Es wies ihm denselben im nahe liegenden Felsen, dem Giswilerstocke, an; er solle nur hingehen und denselben entheben, doch unter der Bedingung, dass er beim Hineingehen in den Felsen bei Leibe nicht zurückschaue, sonst wäre der Schatz für ihn unerreichbar. Wie nun der Jäger voll Begierde durch die Öffnung des Felsens hineintappte, jauchzte jemand hinter ihm her; er schaute unbesinnt rückwärts und sogleich verschwand alles mit donnermächtigem Gekrach. Der Schatz war verloren.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Bergmännchen will heiraten by (Alois Lütolf, Zaubermärchen, Zug)

Bergmännchen will heiraten

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In der Gemeinde Menzingen haben drei Heimwesen die Namen Mangeli (Mangel), Sparen und Hungerhältli. Im Sparen war ein Herdmanndli, welches einer Bauerntochter unablässlich nachstellte und es ihr sogar antun konnte, dass sie mit ihm heiraten müsse, wenn sie nicht seinen Namen erraten könne. Da war alles Raten umsonst, die Frist verstrich, nur noch ein Tag, und sie musste sich dem verabscheuten Männchen trauen lassen. Nun fiel ihr ein, auch dem Beichtvater ihren Kummer zu erzählen. Von ihm erhielt sie den Bescheid, sie solle abends vor der Höhle des Zwergleins auflauschen. Das Mädchen tat es, sah und hörte, wie ihr Liebhaber halbnärrisch vor seiner Höhle tanzte und sang: Hinecht choche-n-es Chrütli Und morn hole mis Brütli, Es weiss nit, dass i Senfchörnli heisse. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Schon wollte am folgenden Tag der kleine Freier seine Braut heimführen, als ein schlaues, schadenfrohes Lächeln über das Gesicht des Mädchens flog, indem dieses das befreiende Wort aussprach. Noch keinem Bräutigam klang sein eigener Name so qualvoll wie diesem, der jetzt — mit unausstehlichem Gestank abzog. Das Mädchen bereut es bitter, sich einem „Gänsefuss" versprochen zu haben und geht weinend zu einem Kristallfelsen. Da dringt eine Stimme zu ihr heraus und sie hörte ihren Liebhaber einem andern Zwerglein erzählen: „Heut wasche ich, morgen backe ich und übermorgen führ ich die Braut heim. Wüsste sie aber, ich heisse Gragörli, so müsste sie mich nicht nehmen." So war ihr geholffen.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.  


Bergmännchens eigener Sitz und Kunst im Heuen by (Alois Lütolf, Sage, Nidwalden)

Bergmännchens eigener Sitz und Kunst im Heuen

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a) Der Stanserberg heisst auf der Seite gegen Obwalden Branzhorn und einen Abhang desselben nennt man Steinberg. Dieser wurde von Bergmännchen bewohnt. Die kleinen Leute waren von benachbarten Älpern und den am Abhange des Berges wohnenden Güterbesitzern sehr hilfreiche und werte Gäste. In der Nähe des Steinberges erstreckt sich eine Alp sammt Heuland, welche Obfluh heisst, und ziemlich tiefer unten liegt die Rütimatt. Oben im Steinberge befindet sich eine Felsenhöhle, welche die Wohnung solcher Bergmännchen war. Unter ihnen gab es vorzüglich eines, das sich sehr hilssbeflissen zeigte. Zu Sommerszeit nahm es häufig in den Sennhütten Obfluh und Rütimatt seine Einkehr, leistete den Älpern verschiedenartige Hilfe bei Besorgung des Viehes, Einsammlung des Heues und dergleichen. Dafür wurde es von ihnen recht gastlich mit Älplerspeisen bewirtet, kurz es war der vertraute Hüttengenosse der Älpler, hatte aber immer den eigenen Sitz. Auf Obfluh durften sie sogar abwesend sein, und dem sonst wilden Gaste die Besorgung des Viehes allein überlassen. Doch machte er denselben bei ihrem Fortgehen allemal die heitere Bedingung, dass, wenn der Föhn im Anzuge sei, sie unverweilt zur Besorgung des Viehes auf die Alp kommen sollen, denn in diesem Falle werde er nicht zu Diensten stehen. – In der schon genannten Rütimatt aber spielten lose Leute diesem guten Manndli eine Posse. Wie sie nämlich dasselbe einst den steilen Felsenabhang hinunterkommen sahen, erhitzten sie schnell den Stein, worauf es in der Hütte zu sitzen pflegte. Es kam und sass auf die stark erwärmte Platte, entfernte sich sogleich und erschien nachher nicht mehr. b) In Dallenwil (in der Tableten, wie das dortige Heimwesen heisst) stellte sich ebenfalls ein solches Berg Männchen ein, und das besonders zur Zeit, da man das Heu einsammelte. Dasselbe leistete vorzüglich Hilfe im Felde, wann Regen oder Ungewitter die Leute überfallen wollte, sie vollauf mit Einheimsen des Heues beschäftigt waren und damit nicht fertig werden konnten. Alsdann erschien es mit zwei „Haselzwicken“ oder Haselruten, stellte sich hinaus in das liegend Heu oder Emde, schlug mit diesen Ruten recht gewaltig um sich, worauf das Heu anfing sich vom Boden zu erheben, im wirbelnden Kreise sich bewegte, allmählig dem Gaden (Scheune) sich näherte und auf allen Seiten zu den Öffnungen oder „Schwemmen" desselben mit aller Heftigkeit hineinflog, währenddem hintendrein das Manndli fortwährend stark gegen das einfliegende Heu losschlug. Nach getaner Arbeit oder auch sonst gaben die Hausbewohner ihrem gewandten Gehilfen zu essen. Auch dieses Manndli wurd durch eine Unartigkeit vom Ofenbank, seinem gewöhnlichen Sitze, verscheucht, und erschien ferner nicht mehr.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Bergmännlein auf Schloss Trostburg by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Bergmännlein auf Schloss Trostburg

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Vor etwa dreissig Jahren spielten eines Abends zehn- bis vierzehnjährige Kinder, Knaben und Mädchen des Kulmerthales, dicht unter dem Schlosse Trostburg in der Nähe eines Bienenhäuschens. Da trat hinter diesem ein Bergmännlein hervor und schaute sich vorsichtig bald nach der einen, bald nach der andern Seite um. Voll Schrecken stoben die Kinder davon. Die Eltern, denen sie es gleich erzählten, giengen an die Stelle, sogar der Pfarrer gieng des andern Tages frühe den Berg hinauf, um das Bergmännlein wieder zu finden; aber es wird nicht wieder kommen. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 284 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch    


Bergmännli by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Bergmännli

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Am Felsen zwischen Ganterschwil und Duferswil sollen sich einst weissgekleidete Bergmännli aufgehalten haben, die, wenn sie ans Tageslicht kamen, sich schwarz kleideten und den Ackersleuten das Mittag- und Abendbrot aufs Feld brachten. Sie bedienten die Leute mit silbernen Löffeln. Ihre Wohnung hatten sie in einer Höhle des Tuffsteinbruches Hengarten (bei der Fabrik Berlinger H Co.). Wenn ihnen aus ihrer 10 - 12 Fuss langen Höhle etwas entwendet wurde, straften sie die betreffenden Leute, indem sie ihnen keine Nahrung mehr brachten. Im Jahre 1860 war die Höhle noch sichtbar; jetzt ist sie infolge Ausbeutung des Steinbruches verschwunden.      A. Lauchenauer. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 461, S. 276 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bergspiegel by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bergspiegel

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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1. Wenn man einen Berg- oder Weltspiegel will, soll man in der Heiligen Nacht auf einer Kreuzstrasse ein Loch in den Erdboden graben, einen Spiegel, mit dem Glase nach unten gewendet, darinnen vergraben und von 12 – 1 Uhr auf dieser Grube stehen bleiben. Aber da wird's nicht schön hergehen! Da werden alle Hexen und Teufel in allen möglichen Gestalten auf einen losfahren, es wird donnern und blitzen und rumoren. Aber sie können einem nichts antun; man muss nur keine Angst haben und ausharren, so kann man am Ende der Stunde den Spiegel ausgraben. Will einer davon springen, so packt ihn der Teufel. Aber in den Spiegel soll man zuerst einen Hund hineinschauen lassen, den Ersten nämlich, der in einen solchen Spiegel schaut, nimmt der Teufel. Nachher vermag jedermann mit ihm durch alle Berge hindurch und in die weitesten Fernen zu sehen, was er will, er kann z.B. von hier aus einen Freund in Paris damit beobachten. Hans Aschwanden, 50 J. alt, Isental 2. Ein Mädchen aus der Riedmatt am Fusse des Bristenstockes in der Pfarrei Amsteg diente als Kindermagd im Wyler zu Gurtnellen. Einst kehrte in diesem Hause ein fahrender Schüler ein, gerade als das Mädchen bitterlich weinte. Warum es so flenne, fragte er. Es habe Heimweh, gestand es. »Gut, so schaue in diesen Spiegel!« erklärte der Fremde. Und es sah darinnen prächtig sein Heimen, die Riedmatt, und wie diese auf vier goldigen Säulen stand. Peter Walker, 60 J. alt, aus der Riedmatt, Neisälä-Peeti 3. Der Stalden-Karli von Silenen, der in einer Glarner Alp diente, erhielt von seiner Frau die schlimme schriftliche Nachricht, dass Diebe seinen schönsten Kirschbaum geplündert und obendrein noch den Dolden abgebrochen hätten. Sofort suchte er einen Glarner auf, der mehr konnte als andere, dass er ihm den Dieb zeige. Der Zauberer ging auf seinen Wunsch ein. Er zog sich für kurze Zeit in sein Zauberstübchen zurück und brachte, als er wieder erschien, ein Glas voll Wasser mit, das er schweigend vor den Karli auf den Tisch stellte, worauf er sich wieder entfernte und diesen allein liess. Der neugierige Urner guckt in das Glas und sieht darin das Spiegelbild des Baumes mit dem Dieb, den er sofort erkennt, im Gipfel. Am Herbst stellte er den Kirschenschelm zur Rede, dieser aber leugnete, und es kam zum Prozess, den der Bestohlene gewann. Ja, ja, d'Glarner chennet ä so eppis, das hennt-si scho meh g'seit. Frau Gerig-Münsch, 91 J. alt 4. Den Geldsäckel eines Urners hatte ein Dieb zu Ader gelassen. Da nahm der Bestohlene hurtig den Weg unter die Füsse, reiste über den Klausen nach Glarus hinüber zu einem Zauberer und Wahrsager und liess sich von diesem den Dieb in einem Spiegel zeigen. Aber damit war ihm noch nicht geholfen; er wollte auch das Geld zurück; der Zauberer versprach, es zurückzutreiben, und bestimmte genau die Abendstunde, da es der Dieb bringen sollte. Und wirklich war die ganze Familie in der Stube versammelt, als dieser in rasendem Lauf hereingerannt kam. Das glühendrote Geld trug er in den Händen, blies daran und liess es blitzschnell von einer Hand in die andere geleiten und schleuderte es auf den Tisch. Es war alles bei Rappen und bei Batzen. Zacharias Zurfluh, Erstfeld 5. Dem Besitzer der Alp Urwängi wurde oft gestohlen. Als es ihm zu bunt wurde, fuhr er mit seinem Nachen hinüber nach Brunnen und marschierte nach Schwyz hinauf zum alten Nachrichter, denn es war weit herum bekannt, dass dieser Diebe sehen und b'stellen, bannen und zurücktreiben könne. Diesen ersuchte er, einmal auf seine Alp Urwängi hinaufzuschauen. Der Nachrichter schaute und sah den Dieb, wie er gerade mit dem gestohlenen Alpchessi unter der Hüttentüre stand, und »hed-em der Bann g'leit«. Da vergass er aber, »der Bann wider üffz'tüe«, und, als im Frühling die Alp bestossen wurde, fanden die Leute den Schelm mit dem Chessi auf dem Buckel aufrecht unter dem Türgricht stehend. Sie betrachteten und erkannten ihn, wie sie ihn aber anredeten, fiel er in Staub und Asche zusammen. Jos. Maria Aschwanden, 60 J. alt, Seelisberg Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Berner als Zauberer by (Josef Müller, Sage, Uri)

Berner als Zauberer

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Noch kein Haufen Jahre ist es seither, da hat eine Wassener Frau an zwei Berner Mandli Anken verkauft. Als sie nach einiger Zeit das Geld dafür forderte, wollten die Berner schon bezahlt haben, stellten sich aber zuletzt doch ein und zahlten, sagten aber zur Frau: »Lüeget de, mit weeler Hand das'r ds Gäld i Gäldseckel tiänt!« »Dänk mit d'r rächtä!« sagte sie und strich das Geld ein und versorgte es im Geldsäckel. Plötzlich waren aber die zwei Finger steif, mit denen sie die Moneten in die Börse steckte, und blieben so ihr Leben lang. Ich habe die Frau noch gut gekannt und die steifen Finger oft gesehen. Katharina Gamma, 50 Jahre alt, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bertha von Baldegg by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Bertha von Baldegg

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Im Hitzkircherthale, zwischen dem Aargauischen Hallwiler-See und dem Luzernischen Baldegger-See gelegen, erblickte man früher eine ganze Reihe von Burgen, die Schlösser Ober-Rheinach, Baldegg, Reichensee, Lieli und Heidegg. Aber diese hübschen Rittersitze wurden zusammen in den Kriegsunruhen verwüstet und gebrochen, welche zwischen den Luzernern und dem Hemmann von Grünenberg im J. 1386 über Verschiedene Zoll- und Grenzstreitigkeiten ausgebrochen waren. Als Reichensee und Baldegg von den Flammen schon verzehrt waren, wollte der Feind der noch übrigen letzten Burg, der Heidegg, das gleiche Loos bereiten. Auf ihr wohnte damals eine besonders fromme und mildthätige Edelfrau, Namens Bertha. Sie war schon Wittwe und hatte nur ein einziges Kind. Zitternd für dessen Leben, gelobte sie beim Herannahen des Feindes, der Mutter Gottes eine Kapelle zu stiften. Als nun die Krieger die Burg Lieli zerstört hatten, kamen sie durch den dichten Wald unter dem Klotisberg herangezogen und stürmten gegen den Hügel, auf welchem Heidegg steht. Alsobald aber verhüllte sich die ganze Gegend in einen so undurchdringlichen Nebel, und der Dünkelbach, welcher am Schlosse herabfliesst, begann dergestalt anzuschwellen und zu rauschen, daß der Feind in Finsterniss und Wasserlärm vom Pfade abkam, in den reissenden Bach stürzte und in dessen Fluthen dem Baldegger-See zugeschwemmt wurde. Diejenigen, welche entrannen, haben erst auf dem Rücken des Lindenberges, auf der obern Jllnau, sich wieder zurecht finden können. So ist das Schloß verschont geblieben; aus schuldiger Dankbarkeit wurde alsdann von der Burgfrau die Kapelle erbaut, welche jetzt noch neben dem Schlosse steht und die Aufschrift trägt: ProcuI estote profani! Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 2 (In Versen erzählt davon: Reithard, Sagen der Schweiz, S. 205.) Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Berührung eines Geistes by (Josef Müller, Sage, Uri)

Berührung eines Geistes

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Zwei Burschen aus dem Maderanertal kamen eines Abends spät von einer Stubeten. Auf dem Wege sahen sie auf einmal einen Mann vor ihnen her laufen, und sie machten sich daran, ihn einzuholen. Plötzlich schlüpfte er vor ihren Augen neben einer Lawine in ein Erdloch, das man ausgehoben hatte, um Erde heraus zu nehmen und damit den hartgefrorenen Lawinenschnee für das Vieh gangbar zu machen. Der eine der Burschen verfolgte ihn auch hieher und ergriff ihn. Er war anzufühlen wie eine rauhe, berindete Tanne. Doch liess er ihn baldigst los, denn die Hand begann ihn zu brennen. Auf dem Heimwege schwoll sie an, und am nächsten Morgen war der ganze Arm so geschwollen, dass sie den Arzt mussten zu Rate ziehen. E. Baumann-Muther, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Berührung eines Geistes by (Josef Müller, Sage, Uri)

Berührung eines Geistes

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Nachdem das Rynächthäuschen abgebrannt war, liess sich im Türli der Haglücke von Zeit zu Zeit nachts ein gespenstiger, grosser Mann blicken, so gross, dass sein Hosengurt grad über die oberste Latte des vierlattigen Hages zu liegen kam. Der Marti-Hansi von Erstfeld wünschte ihm einmal guten Abend, erhielt aber keine Antwort. Da kamen auch seine zwei Gespanen hinzu und wünschten ihm ebenfalls die Zeit an, und als der Geheimnisvolle stumm blieb, sagten sie zu ihm: »Worum red'sch nyt?«, und Marti-Hansi, der etwas angestochen war, berührte ihn an einem Bein. In diesem Augenblick bog sich das Gespenst, das in der Strasse stand und ihr den Rücken kehrte, mit dem Kopf und dem Oberleib vornüber über den Lattenzaun bis auf den Boden der Wiese, wie eine Weidenrute am Wege. Die Füsse standen in der Strasse, und der Kopf berührte den Wiesengrund jenseits des Zaunes. Das Gespenst verbreitete dabei einen furchtbaren Gestank. Der Marti-Hansi büsste seine Keckheit mit einer Geschwulst an einem Bein. Franz Zurfluh, Erstfeld Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestrafte Kinderlosigkeit. by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bestrafte Kinderlosigkeit.

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Es lebte einst zu Altdorf eine reiche, kinderlose Witfrau, die alles zu haben schien, was sie nur wünschte, und die Leute sagten oft zu ihr, sie sei doch der glücklichste Mensch auf Gottes Erdboden. »Nein«, entgegnete sie, »ich bin der unglücklichste Tropf, den es nur geben kann. Jede Nacht kommt mein verstorbener Gatte eiskalt zu mir ins Bett bis am Morgen. Dies zur Strafe, weil wir keine Kinder gewollt haben.« Fr. Gisler-Zwyssig Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestrafte Schwatzhaftigkeit by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bestrafte Schwatzhaftigkeit

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Dem Jaggli Lander begegnete auf der Surenen-Egg ein armes Bäuerlein von Attinghausen, das meines Gewährsmanns Vater noch gekannt hat, und klagte ihm seine Not und sein Elend. »Ich will dir schon helfen,« tröstete er, »wenn du an einem bestimmten Tage an gewisser Stelle dich einfindest. Aber du darfst keinem einzigen Menschen, auch nicht deiner Frau, nicht deinem besten Freunde etwas davon mitteilen.« Das Bäuerlein versprach das hoch und heilig. Mit heiterer Miene betrat es sein Wohnhaus und mochte wieder lachen und lustig sein mit Frau und Kindern. Das entging der Frau nicht, und sie fragte, warum er so lustig sei. »Ja, ja mit unserer Not hat's jetzt ein Ende,« meinte der Mann mit geheimnisvollem Augenzwinkern. Wie man wohl erraten wird, hat die Frau das Geheimnis erfahren, und, als das Bäuerlein an der bestimmten Stelle sich einfand, rief ihm der fahrende Schüler schon von weitem entgegen, es sei vergebens, warum habe er's der Frau verraten. Heinrich Baumann Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestrafte Untreue by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bestrafte Untreue

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Im März 1808 kam Josef Anton Fruonz von Sarnen als Pfarrhelfer nach Spiringen. Hier wie überall, wo er gewirkt, erregten seine Segnungen und Gebetserhörungen viel Aufsehen und veranlassten einen grossen Volkszulauf. Von der bischöflichen Kurie in Konstanz wurde er deshalb mehrmals zur Verantwortung gezogen und in Schranken gewiesen. Trotzdem ihm gar nichts Unrechtes nachgewiesen werden konnte, wurde doch seine Stellung erschüttert, und seine Wiederwahl an der Martinigemeinde war gefährdet. Da wandte er sich, wie die Sage meldet, an jene zwei Ratsherren der Gemeinde, die seine eifrigsten Gegner waren, von denen der eine im Oberdorf, der andere zu Küpfen soll gewohnt haben. Deren jeder hatte ein taubstummes Kind. Fruonz versprach ihnen, Heilung der Kinder zu erbeten, wofür sie sich verpflichteten, an der Gemeindeversammlung für seine Wiederwahl zu sprechen. Der eine der beiden Väter aber hatte in seinem Herzen die Absicht, sein Versprechen nicht zu halten. Als am Martinstag die beiden Ratsherren nach Schluss der Gemeindeversammlung, die jeweilen unmittelbar nach dem Vormittagsgottesdienst stattfindet, nach Hause kamen, war das Kind des einen, der sein Wort gehalten, gesund und heil und konnte sprechen, dem Wortbrüchigen aber wurde von den Seinen die traurige Kunde zuteil, dass sein taubstummes Kind wohl angefangen habe zu reden, während es in der Kirche zur heiligen Wandlung läutete, aber bald wieder in den alten Zustand zurückgefallen sei. Tatsächlich wurde Fruonz zu Spiringen nicht wieder gewählt und kam damals als Pfarrhelfer nach Seelisberg. Joh. Jos. Arnold, des Rats, 35 Jahre alt Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestrafter Geiz by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Bestrafter Geiz

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Im Gasthaus zum Schlüssel in Waldenburg soll einmal eine Magd gedient haben, die furchtbar geizig war. Übrig gebliebene Speisen, die für Bedürftige aufgespart wurden, warf sie kurzerhand den Schweinen vor und gönnte auch sonst den Armen nicht das Geringste. Nach ihrem Tode wurde nachts in der Umgebung des Gasthauses ein grosses Schwein gesehen, das ein Bündel Schlüssel am Halse trug, die ordentlich klirrten. Bald nachher soll ein schreckliches Unwetter losgebrochen sein. Beides, Erscheinung und darauffolgende Wetteränderung, soll sich seither mehrmals wiederholt haben. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Bestrafter Gottesfrevel by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bestrafter Gottesfrevel

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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 a) Eine Stunde ob Amsteg, wo die wilde Reuss in ein weiteres Tal hinab gelangt, finden sich am linken Ufer derselben die kleinen Weiler Intschi und Graggertal zwischen Schutt und Felsen, zwischen denen nur einzelne Sträucher und Tannen kümmerlich gedeihen. An dieser Stelle waren vor etlichen und hundert Jahren zwei Goldbergwerke in Betrieb. Einige Männer aus der Umgebung hatten selbe entdeckt und bebauten sie mit Hilfe von fremden Bergknappen. Der reiche Goldgewinn brachte jedoch den Unternehmern keinen Segen. Sie wurden übermütig und führten ein wüstes Leben mit Spielen und Prassen. Einmal hatten sie eine besonders reiche Ader entdeckt. Da liessen sie Hauen und Pickel ruhen und gingen mitten im Tag hinunter nach Amsteg ins Wirtshaus. Darauf schlossen sie die Fensterladen und Türen und zündeten Kerzen an, indem sie höhnisch sagten: »Wir Berglüt bruchet ises Herrgott's Liecht nimme!« Dann ging's drauf los mit Essen, Trinken und Spielen, Tag und Nacht, bis sie nicht mehr konnten. Nachher ging es endlich wieder an die Arbeit. Kaum waren sie aber in die Gruben eingefahren, so erzitterten die Berge von einem fürchterlichen Erdbeben, und beide Gruben stürzten krachend über den Frevlern zusammen. Jetzt brauchten dieselben freilich des Herrgott's Licht nimmermehr. Die Gruben blieben seither verschüttet. Keinen Urner noch fremden Unternehmer hat es seitdem gelüstet, daselbst wieder auf Gold zu graben. Aus Vierwaldstätter Volkskalender 1884, S. 19 b) Ein Gurtneller von 72 Jahren erzählte mir 1912 die gleiche Sage folgendermassen: Südlich von Amsteg hinter dem Intschitobel an der Gotthardstrasse heisst eine felsichte, zerklüftete Stelle »d'Schmelzi«, weil hier vor Zeiten Golderz gegraben und geschmolzen worden sei.1 Es waren übermütige, stolze Menschen, die hier im Bergwerk arbeiteten. Da ihnen einmal das Glück geleuchtet und eine grosse Menge Gold in die gierigen Hände geliefert hatte, zogen sie jauchzend und johlend nach Amsteg, um sich bei Tanz und Spiel, bei Speise und Trank nach Herzenslust gütlich zu tun. »In des obern Treschen« (jetzt Hotel zum Hirschen) kehrten sie ein. Es war ein prächtiger Tag. Vom blauen, wolkenlosen Himmel leuchtete hell die liebe, goldene Sonne. Aber die Bergmänner schlossen die sämtlichen Fensterladen des Wirtshauses. »Wir brauchen des Herrgotts Licht nicht!« prahlten sie, »wir vermögen eigenes Licht.« Bald nach diesem lustigen Tag, als sie wieder im dunklen Schoss der Erde nach dem edlen Metalle suchten, fiel das Bergwerk zusammen und begrub sie alle. Nach vielen Tagen wurden ihre Leichen ausgegraben, und zwischen ihren Zähnen fand man noch halbzerkautes Schuhleder. Johann Tresch, der Präzis c) Nach einer dritten Erzählart waren es drei Tiroler und soll das Wirtshaus damals dem Hans Ambort gehört haben nebst einer Bleue und einer Beinstampfe im Schachli; nach andern soll Hans Ambort selbst dabei gewesen sein. Als Ort des Unglücks wird ebenso häufig ein Bergwerk »auf der Höhe« im Ried, gegenüber Intschi, am rechten Reussufer angegeben, wo nach Angabe sonst zuverlässiger Leute noch heute Spuren des Bergwerkes vorhanden sind. d) Wieder andere berichten, die Bergleute hätten bei ihrer Arbeit im Innern des Berges übermütige, gottlose Reden geführt und über das liebe Brot verächtlich gespottet. Da sei der Eingang zusammengefallen. Halb zerkaute Schuhsohlen haben Zeugnis abgelegt vom Hungertode der Unglücklichen. Fußnoten 1 Andere behaupten, man habe am Erzstock in der Intschialp Silbererz gewonnen und auf Schweinshäuten zur Schmelzi hinunter transportiert. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestrafter Stolz by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Bestrafter Stolz

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Auf einer Wiese zwischen Therwil und Oberwil steht ein kleiner alter Brunnen. Vor vielen Jahren erschien dort immer zur gleichen Zeit ein schönes Mädchen, wusch sich das Gesicht und kämmte sein langes Haar. Eine Frau, die einmal gerade dazu kam, fragte das Mädchen, warum es sich immer an diesem Brunnen wasche und kämme. Es gab zur Antwort: «Weil ich auf mein langes, lockiges Haar so stolz war. Das ist die Strafe dafür.» Von dieser Zeit an kam das Mädchen nicht mehr zu dem Brunnen und wurde nicht mehr gesehen. Therwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestraftes B'stellen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bestraftes B'stellen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Durch ein Glarnerdorf ritt ein Urner. Plötzlich blieb sein Ross stehen, konnte nicht mehr ab Fleck. Der Reiter schaute um sich und rief, sy selled-ä mit Rüewä lah, zum zweiten und dritten Mal. An einem Fenster aber stand ein Weibervolk und lachte. Endlich zog der Reiter sein Schwert und schwang es zweimal von vorne über den Kopf des Pferdes herauf nach hinten und unten zurück, und auf einmal fiel dem lachenden Weibervolk der Kopf ab. Martin Planzer, 36 Jahre alt, Unterschächen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bestraftes Kartenspielen by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Bestraftes Kartenspielen

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Bestraftes Kartenspielen Im Jahre 1686 fuhren einige Leute auf dem Zürichsee. Drei von ihnen wollten zusammen Karten spielen. Ein vierter nahm ihnen die Karten weg und warf sie in den See, weil es sich nicht gezieme, auf dem See Karten zu spielen. Darüber kam es zu einem Streit. Das Schiff legte sich auf die Seite und die Leute fielen ins Wasser. Die drei, die hatten spielen wollen, ertranken; jener, der die Karten in den See geworfen, nebst einem anderen, kam davon. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee H. E. Escher, Beschreibung des Zürichsees (Schmid, S. 88)   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Besuch vom Toggeli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Besuch vom Toggeli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Das Halten-Sali von Isental übernachtete einst auf seiner Wallfahrt ins Riedertal bei seinen Vetterleuten zu Bürglen. Nachts 2 Uhr ging die Türe seines Schlafzimmers auf, und herein kam ein Weibervolk mit einem Zeintli am Arm, schritt auf das Bett zu und legte sich dem Sali auf die Brust. Dieses konnte sich nicht rühren und meinte, es müsse einfach draufgehen, bis es endlich mit der Zunge im Munde das Kreuz machen konnte, worauf die Hexe verschwand. Hans Aschwanden, 50 J. alt, Korbmacher Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Betendes Erdmännchen bei Klingnau by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Betendes Erdmännchen bei Klingnau

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Ein Koblenzer-Mädchen von vierzehn Jahren war von ihrem Dorfe am Aargauer-Rhein ins Städtchen Klingnau an der Aare, geschickt worden, um dorten Brod einzukaufen. Der nächste Fusssteig dahin führt über den Buck im Hardwalde an Abhängen vorbei, welche dorten Jm Engel heissen. Dorten ist eine Felswand, das Appelöh genannt, mit einer Höhle, worin Erdmännlein gewohnt haben. So gross der steinerne Tisch ist, der noch drinnen steht, eben so gross sollen die wohlschmeckenden Dünnen (Kuchen) gewesen sein, welche jene Männchen buken. Auf diesem Wege sah das Kind in jener Gegend, wo sich sonst ein Waldbruder aufgehalten hat, ein kleines Männchen mit schwarzem Mantel und rother Mütze aus einem Loche heraus schlüpfen. Das Kind entsprang sogleich, und da es sich von Weitem noch einmal umblickte, stand das Männchen mit gefalteten Händen da und flehte ihm nach: Pro me, pro me! Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 285 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Betrug mit einer Alraune by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Betrug mit einer Alraune

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Jahr 1791. Der Wannenmacher Kyburz von Ärlisbach (Erlinsbach) «dermalen Bürger zu Augst», und seine Frau haben «aus Mangel und Armuth» einen betrügerischen Alraunhandel versucht. Einige «Wälder» aus der Gegend von Laufenburg wollen von ihm für den Geistlichen von Blauen im Bistum Basel für teures Geld «ein Thier oder eine Allraune…,welche alle Tage 2 neue Thaler mache», erwerben. Jener Pfarrherr wolle sie auf Probe, und wenn sie gut sei, «so müsse sie ihm drey Krüge Wasser aus dem Paradies bringen, und wenn man als dann von diesem Wasser auf Eisen oder sonstige Sachen schmiere, so werde alles zu Gold». Er könne auch «das Thierlin» zwingen, ihm alle Schätze und Geld, das in Kriegszeiten oder im Meer verloren gegangen, aufzudecken. Im Verhör gibt Kyburz zu, nie eine Alraune besessen zu haben. Die beiden Delinquenten wurden am Sonntag, den 4. August 1791 in der Kirche zu Pratteln der christlichen Gemeinde «vorgestellt». Augst Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Betrug um den Enziwald by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Betrug um den Enziwald

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Der Enziwald hinter Hergiswil gehörte früher zum Graushof. Weil das Heim einmal um ein graues Ross verkauft worden ist, hat es diesen Namen erhalten. Dem Grauser, so hiess fortan derselbe Bauer, der dort wohnte, kamen durch Frevel die Urkunden für den Wald abhanden und gelangten in dritter Hand an die Burger von Willisau. Bei dieser ungerechten Geschichte war hauptsächlich ein Willisauer beteiligt und nach seinem Tode war im Städtchen des Nachts keine Ruhe mehr. Besonders pflegte er stark an die Tore zu pochen und das konnte man leicht in allen Gassen und Häusern hören. Endlich gelang es, ihn zu bannen. In einem Kratten ward er ins Enziloch gebracht. .Seitdem ist's ungeheuer dort.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Betrügerische Schatzgräber by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Betrügerische Schatzgräber

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Noch lebende Leute erzählen: Olsberger lernten einige Schwarzwälder kennen, die sich anheischig machten, den Teufel zu beschwören, um verborgene Schätze zu Tage zu fördern. Eines Abends spät erschienen in Mänteln die Gesellen. Sie schickten den grossen Hans (Dorfname) und seine Leute in den Keller hinab, um, wie sie sagten, die Sache nicht durch Uneingeweihte aufs Spiel zu setzen. Sie warnten sie auch, ihren sicheren Platz zu verlassen, auch wenn es poltere und rassle. Der Hauseigentümer gehorchte, und richtig: nach einiger Zeit ertönte ein Gepolter, dem eine lange Stille folgte. Als sich nichts regen wollte, wagten sie sich ungerufen nach oben und mussten sehen, dass das Gemach leer und alles, was Wert hatte, verschwunden war. Bewaffnet setzten sie den Flüchtigen nach, vergebens: die Nacht hatte sie schuss- und stichfest gemacht. Olsberg Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Beulentod by (Josef Müller, Sage, Uri)

Beulentod

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Damals lebte zu Leggistein ein Familienvater, der einen furchtbaren Haufen Kinder hatte. Er pflegte zu sagen: »Mir kommen die Kinder wie Schnee.« Da raffte ihm der Beulentod innerhalb einer Woche sieben Kinder hinweg, und jetzt meinte er trauernd, nytt syg glyhner äwägg as ä Hüffä Chind. Fr. Mattli-Gerig, 45 Jahre alt, Wassen Auch im Schächental hört man: »Ob vilä Chindä-n- und vill Schnee sell-me-si nitt biklagä, äs isch glyh vill da und glyh vill äwägg.« Mitgeteilt: Pfr. Jos. Arnold Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Beulentod und Totenschar by (Alois Lütolf, Sage, Schwyz)

Beulentod und Totenschar

Source: (Alois Lütolf, Sage, Schwyz)

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Von 1610 bis 1612 wütete in der Schweiz eine furchtbare Pest, der Beulentod. Die Häuser, worin Angesteckte waren, wurden um Schwyz herum „gebannt und vernagelt". Von Aussen liess man den unglücklichen Bewohnern die Nahrung und alles Nötige durch eine Öffnung darreichen, welche man zu diesem Zwecke im oberen Teil des Hauses gemacht hatte. Noch lange hernach bemerkte man an manchen Häusern solche Löcher. Im Kirchgang Schwyz allein sollen damals 3600 Personen gestorben, einmal 99 Jungfrauen mit einander in das gleiche Grab versenkt worden sein. Die Sage meldet, eine Stimme habe endlich aus den Lüften herab gerufen: „Esset Strenzen und Bibernellen, auf dass ihr nicht alle umkommt!" Mit dem Winter 1612 hörte die Plage auf. Um diese Zeit hatte ein Mann zu Schwyz, andere sagen zu Arth, eine seltsame Erscheinung. Eines Morgens beim Ankleiden sah er bei der nahen Kirche einen grossen Leichenzug, alle Teilnehmenden schwarz gekleidet, nach dem Friedhof wallen und sich selbst, so wie er eben war, mit einem Strumpfe über der Achsel den Zug beschliessen. Er mutmasste daraus, dass er der letzte an dieser Seuche sterben werde, was auch geschah.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Beweis, dass ein Hagelwetter von Hexen herkomme by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Beweis, dass ein Hagelwetter von Hexen herkomme

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Nach einem Hagelwetter ging man hinaus und untersuchte wissbegierig die Hagelschlossen. Fand man in denselben Menschenhaare oder anderes Haar eingekeilt, so war das ein unwiderleglicher Beweis, dass dieses Unwetter von Hexen herkomme. Dann nahm man auch Hagelsteine und warf sie ins Feuer, um eben den Hexen dadurch zu schaden und sie zu bändigen.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Bei dieser Sage gibt es keine genaue Zuordnung zu einem der fünf Kantone.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.  


Bi de Spieler by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bi de Spieler

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bi de Spieler Einisch hei Manne am heilige Obe mit Charte gspielt. Derno het’s am Fänschter dopplet. D’Frau Faschten isch dusse gsi. Sie het gseit: „Muess i au cho hälfe?“ Im Augeblick hei sie ’s Liecht abblose u si ungere Tisch u unger d’Bänk gschloffe. D’Frau Faschte isch drufabe nid ihecho u wieder gange. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bi dr Altburg by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bi dr Altburg

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bi dr Altburg Bi dr Altburg isch es no hütigstags unghüürig. Wo dr Rächemacherüelk dert gjohrholzet het, gseht er ungereinisch e Ma uf eme Stock hocke. Dä het wissi Hösli agha, gälb Strümpf un e rote Chüttel. Ufern Chopf het er e schwarzi Tschöttelichappe treit. Wo dr Üelk e Rung hingere luegt, lit plötzlig e schwarzi Chatz uf em Stock obe. Uf ersmols isch die ewägg cho; är het nid gwüsst wie. Sepplis Heiri het am Chaserebärg es Acherli gha un lsch amene Sundi nomittag go luege‚ ob ’s Chorn bal rif sig. Du chunnt vo dr Altburg es flotts Herli vüren a Waldrand. Äs het wiss Strümpf, sametigi Hösli mit guldgälbe Chnöpfen a dr Siten un es Fäckechuttli treit. Du heig dr Heiri dänkt, jetz göih er dessitwäge glich am Waldrand no z’dürab, das wärd chum z’töde goh. Aber wo-n-er isch abecho, het er kes Herli meh gseh. Derfür isch e grossi brandschwarzi Chatz uber e Wäg bis i Fielehauers Lang abegumpet. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bi dr Thanbrügg by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bi dr Thanbrügg

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bi dr Thanbrügg Einisch bin i z’Nacht mit eim gägen Eriswil glüffe. Bi dr Thanbrügg si vier Manne cho mit eme Wägeli. Es Totebäumli isch druff gsi. Sie hei still gha u ’s Bäumli i Bach gheit. Ungereinisch si sie ewägg cho; i ha nid gwüsst wie u wohi. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bi dr Wösch by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bi dr Wösch

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Bi dr Wösch Einisch hei Fraue amene heilige Obe gwäsche. Du isch e Frau derhär cho; niemer het se gchennt. Derno het sie gfrogt, ob sie au söll hälfe. Die Fraue hei gseit jo, u diesi het afo hälfe; aber uf ’s Mol het sie d’Lüt gno, wo dert si gsi‚ u se in e Bütti ine gschlage. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bi Wöschere by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bi Wöschere

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Bi Wöschere Mis Müetti het no mängisch ghulfe buuche. Scho lang vor Tag isch es albe go füüre. U de isch ei Arbeit a dr angere ghanget bis z’Obe spot. Äs het äbe scho sälbi Zit Lüt gä‚ wo mit de Dienschte u den Agstellte kei Verstang hei gha; weder die, wo vo chlinem uf bimene volle Bare si, wüsse nid, was Läben isch. Einisch isch sie in es Burehus go wösche. Äs si no angeri Wöschere do gsi. Äs isch lang gange; am englefi si sie no nid fertig gsi. Eismols isch e Frau derhär cho u het gschnaulet: „Jetz heit er de Zit, für Füürobe z’mache‚ süsch chume den ig cho hälfe.“ Jetz cheut er ech dänke, wie die Fraue si in es Züg ihecho. Sie hei wohl gwüsst, dass es d’Frau Faschten isch, wo se tuet mahne. Aber do isch es Wibervolch gsi, nid grad es chlüpferigs, das het si gschwing bchimt, dr Frau Faschten e Chornritere i d’Hang gä u gseit: „Jo, jo, mir wei. Gang reich is ume no es Gschir voll Wasser“. D’Frau Faschte het’s gno un isch zum Brunne hingere. Aber wohl, jetz hei die Wöschere Bei ubercho! Sie hei d’Wösch lo ligge, wo sie isch gsi u Wasser i ’s Füür gschüttet. Derno hei sie ’s Liecht abblose u gmacht, dass sie si ungere cho. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Billiges Waldland by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Billiges Waldland

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Bei der Sommerau sind die Diepflinger mit Waldland zu kurz gekommen. Um ein paar Mass Wein verkauften die Diepflinger Gemeinderäte den Gelterkindern eine magere Halde. Dieses von Gelterkinden sehr entlegene Stück Wald erholte sich aber, und es gediehen doch noch ansehnliche Bäume darauf. Diese bildeten immer einen Anziehungspunkt für Diepflinger und Thürner Holzfrevler. Noch heute werden allerlei Geschichten erzählt: Wie sie zur Sommerszeit Tannenstämmchen abhieben, diese im Getreideacker versteckten und dann auf dem Garbenwagen nach Hause führten. Einer hatte einen gestohlenen Mehlbaum längere Zeit in Sissach bei einem Tochtermann liegen. «I geeb jetz no zwänzg Franke, wenn i wüsst, wär mer dä Mählbaum gstohle het», sagte der Gelterkinder Ochsenwirt an einer Holzgant zu einem Diepflinger, ohne zu ahnen, dass er einen Mithelfer bei jenem Frevel vor sich hatte. Diepflingen Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch  


Bim Balmi z'Gööttannen by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Balmi z'Gööttannen

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Us e Fleenen sii d'Zwäärgleni abbachun bis zum Balmi. Bim Balmitrog häi s' gwäschen und uf em Balmi d'Strimpf trechned. Im üüssra Vorsess häi s' de-l-Liite ds Vee versoorged. D'Zwäärgleni häin nid bbrichted wee d'Liit und häin alls i-r-Riimlene gsäid. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch .


Bim Biberhoger by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Biberhoger

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bim Biberhoger Dr Biberhoger isch z’Wyssbech äne. We me vom vordere Biber düruehe lauft, so geiht’s süferli bärguf u de chunnt me gli i Tannwald. Do isch es chlis Chnübeli, u die alte Lüt hei gseit, do sig vor Ziten e Burg gsi. Vor Johren isch e Bur im vordere Biber gsi; dä het dr Chnächt gheisse, i Biberhoger go rüte. As isch zwüsche de Wärchet gsi. Dr Chnächt het weneli uf Rücke gha. Du seit dr Bur, jetz chömm er de einisch cho luege, was afe gange sig. Jetz isch d’Chappe lätz, dänkt dr Chnächt. Är het dr Sach welle vorcho un isch z’Nacht hingere. Rächt ärschtig isch er drahi; är isch si reuig gsi u het welle guet mache. Aber är isch müed worde; leue müess er, het er dänkt, umen es Rüngli, hocket ab u streckt si e chli. Äs geiht nid lang, du ghört er Hüng brüele. Ross hei trablet. Düre Hunzen uehe isch e Schese cho wie ne Staatswage. Vier Ross si dervor gsi. Vora u hingernohe si Bigleiter cho uf vürnähme Rosse. Das het e grüslige Lärme gä. Dr ganz Zug isch vüre bis zum Strössli, wo vo Madiswil uehe chunnt. Derno isch es zrugg, u eismols isch es gsi wie abgwüscht. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bim Boozitrog by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Boozitrog

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Us em Wiillerli gäid es stotzigs Wägli embrüüf, um bald chunnd ma ob ds Gstapf. Nid wiit drob zööha ischd freejer e Trog gsiin; ma hed im dr Boozitrog gsäid. Da häige-m-ma freejer es Boozi gseen, en ugrindeta Man mid dem Hoit undrem Öögs. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.    


Bim Brunnstübli by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Brunnstübli

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bim Brunnstübli Bim Brunnstübli i dr Eichmatt usse steiht es Eichli. Früeher isch dert e Grabe alli Gredi uber d’Allmäng gange bis übere zur Sagi; uber ’s Bechli, wo unger düren isch, isch e Roone gleit gsi. Em Grebli no het me sälb Chehr mängisch Liechtli gseh; sie si vürecho un ume hingere; mängisch si sie wit usenangere gsi; de si sie ume zsämecho u höch i d’Luft uehegumpet. Dr Vati het gseit, das Eichli stöih, so lang är si mög bsinne, u d’Lüt sägi, äs sig hohl u sie sötti’s ummache u sie dörfi nid. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bim Brunnstübli by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Brunnstübli

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bim Brunnstübli Äs isch i dr Ärn gsi. Dr Hansueli u dr Seppli, zwe Buebe, si i d’Gumi go Ähri ufläse. Du säg dr Seppli: „Chumm, mir göh uf d’Bureallmäng. Hie si jo ume ganz weneli.“ Sie si drufabe dür Hansuelis Matten ab usi zum Brunnstübli cho. Uf eismol drückt si dr Hansueli uf d'Site u seit zum Seppli: „Mach di enangereno nohe, du Schlarpi. Gsesch äis Fraueli do nid, wo tuet Wingle Wäsche?“ Aber dr Seppli het d’Augen ufto u nüt möge gwahre. Dr Hansueli het drum meh gseh, weder anger Lüt; vowägen är isch i dr heilige Nacht jung gsi. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bim Chääslen by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Chääslen

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Äis wä Trini bin enem Haar in Argwoo chun, äs fiigi en Här. Da wän im uberscheen; äs hed's mid den Armen geng gööd gmäind. Das ischd eso chun. Äs hed z' dicke gläid ghäben und ischd dra gsiin, mid dr Brächen de Schluck z'zertöön. Döö chunnd dr Broodträger u chrawwed's an, fir ne Fiiffränkler z'etleennen. Trini hed ds Chessi ab em Fiir gräited ung gsäid: „Wart no". Derna hed's i ds Chessi greckd und e Fiiffränkler drüüs gnun und hed nen dem Broodträger ggän. Där hed de Fiiffränkler gschowwed ung gschowwed und hed Trinin aggugged und ischd mid dem Fiiffränkler abgstossen. Är hed gloibd, Trini chenni häxen. Aber äs ischd nid eso gsiin. D'Milch hed vum Chasleb nid welle schäiden, und döö hed's e Fiiffränkler i d'Milch taan und dän döö dem Broodträger ggän. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bim grawwe Stäin by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim grawwe Stäin

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Si häin geng welle sägen, bim grawwe Stäi chemi em Man. Där häigi si da ds Läbe gnun, und är meessi no zwenzg Jahr chun; esevel mengs Jaar hätt er no chenne-l-läben, wen er das nid gmachd hätti. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bim Lölibrüggli by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Lölibrüggli

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Bim Lölibrüggli Ihrere zwe si z’Nacht uber ’s Lölibrüggli. Du heig es i dr Nöhi ernosse. „Hälf dr es Ross“, säg eine. Du chömm es Fraueli vüre u jammeri; „Hälf dr Gott, hättisch sölle säge. De chäm i a d’Ruehw. Jetz muessi ume sövli mängs Johr warte, bis äis Eichli gross wird. Wen öpper us em Holz dervo e Wiegle macht, isch de ersch d’Zit bald ume. ’s erschte Ching, wo i dere Wiegle lit, cha mer hälfe u mi erlöse.“ Das Gurgeln und Plätschern des Wassers unter der Brücke täuscht dem Ohr menschliche Laute vor. Die Sage vom niesenden Geist unter dem Lölibrüggli enthält das Motiv vom Erlöser in der Wiege; es geht auf das Kreuz Christi zurück (F. Ranke, Der Erlöser in der Wiege). M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bim Oltschibachbriggelti by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Oltschibachbriggelti

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Äis hed e Züüner spat in dr Nacht gägen häi-w-wellen. Bim Oltschibachbriggelti ischd im äina ebchun. Är hed äina träägen. Dr Tiifel isch'sch gsiin mid dem Dietrech uf en Agslen, där wa si bim DietrechScheer im Stiirig erhäichd hed. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bim Schatzgrabe by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Schatzgrabe

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Bim Schatzgrabe Uf em Ochleberg hei einisch ihrere drei gschatzgrabet. Derbi hei sie kes Wörtli dörfe rede. Es Trögli. schwär wie Bli, isch vürecho. Bimene Hörli hätti sie's gha. „Jetz hei mer’sch“, seit eine. Im Hangumdräihe isch’s Trögli z'dürab u verschwunde. Später si re gäng wieder go grabe; aber niemer het meh öppis gfunge. Ob's wohr sig? He, wär's gseh het. isch derbi gsi, u wär’s erzellt, läbt no. Die vorstehenden zwei kurzen Sagen zeigen uns, wie Elemente alter Zauberhandlungen in den Vorschriften, wie ein Schatz gehoben werden muss, neu aufleben; denn Stillschweigen ist bei Kulthandlungen oftmals strenges Gebot. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bim Wäschhüüstrog z’Gööttannen by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Wäschhüüstrog z’Gööttannen

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Bim Wäschhüüstrog hed z’Mittinacht geng es Mäitli gwäschen. Vil häi’s gseen; aber neemen hed mid im derffen afa bbrichten. Äis hed äina spät gägen häin a Sunnsiite-w-wellen. Das Mäitli ischd aber am Trog gsiin, hed nid es Wort gsäpd ung gwäschen. Är bliibd staan, nimmt ds Härz im beed Hend und fräägd: „Fir wä-w-wäschischd düü da äimmel o geng?“ „Fir sibenesibezg Seelen“, hed ds Mäitli gsäid und hed wiiter gwäschen. Das Mäitli häigi, eso häi d’Liit gsäid, es Chliis um ds Läbe bbrachd, und sibenesibezg wä d’Zaal gsiin vun dänen, wa wän nahachun. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bim Weidgatter by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Weidgatter

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Bim Weidgatter Uf ere Weid isch e Gatter gsi, wo von ihm sälber uf u zue isch, we Lüt düre si. Das isch nid mit rächte Dinge zue- u hergange. Du frogt einisch öpper, wo au het düre welle, wär do sig. Ig, het e Stimm Bscheid gä. Wär är sig. Dä u dä. Worum er de do sig. Är sig z’tot gschlagä worde. Jetz müess er no die Stell do verseh. Do müess er bliebe, bis me nen abrüef. Das göih nume no sövel lang, wie-n-er hätt sölle läbe‚ wen er nid wär z’tot gschlage worde. Süsch sig är de es Ching dr Säligkeit. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bim Ziighüüs by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bim Ziighüüs

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Bim Ziighüüs chunnd um Mitternacht es Wiibevolch. Äs schläipfd Chetteni derhar und macht dermid en griisleche Lärmen. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bin Gäissgädmerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bin Gäissgädmerren

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Z'Nessetal, grad bim Saagelli, stään am Wäg es par Gäissgäden. Äs ischd um Mitternacht anha gsiin. Em Bööb ischd bin Gäissgädmerre verbii. Döö ischd ds Nachtvolch chun. As sii rra chun uf Rosse zsprenggen und sii rra z'Fööss chun. E-l-lenga, lenga Zug isch'sch gsiin; är hed nid wellen üüfheerren. Döö chunnd dem Bööb sin Getti; där ischd vor churzem gstorbe gsiin. „E, e, e, Getti", säid dr Bööb, „jetz hätti ewch da o nid erwarted!" „O", säid dr Getti umhi, „dü hättischd niid selle sägen! Jetz mag i den andre nimma naa. Etli mengi Stund mööss i loiffen, bis e sa bseen!" Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bir Liichewwacht by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bir Liichewwacht

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Z'Understock ischd es elters Wiibevolch gstorben, e-w-Witwen; ira Ma wä scho lang u-l-lang undrem Härd gsiin. Döözmal isch'sch no Brüüch gsiin, ge z'wachen, sa lang das dee Gstorbnegen no siin im Hüüs gsiin, und mim Möötter hed si anerbote ghäben, en Nacht ge z'wachen. Wa si döö äis dervun ischd und i d'Chuchi, siin näben dr Fiirblatte zwäi gstanden, ds Wiib, wa tots im Stubelli isch gsiin, und dr Man, wa scho-l-lang ischd uf em Fridhof gsiin. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bir Matteschiir und im Binzerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bir Matteschiir und im Binzerren

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Friejer ischd dr Brüüch gsiin, das Mäitleni um Böeben üüsser ds Dorf ggange siin und i Schiirenen und i Dilenen ubernachted siin. Äis wän döe es Mäitli zen enem Böeb gschlagen; är hed's nid bchennd; aber si sii-r-räätig worden, gäge d'Binzerri z'gaan, und häin da bin arra Schiir zöehi und i d'Dili wellen. Ds Mäitli ischd vorüüs über Läitren embrüüf und dr Böeb hinnen naha. Etz gseed er, wie ds Mäitli mid Gäistschäägglenen uf e Säigle stäid; äs ischd ds Gäismäitli gsiin! Är springd ab dr Läitren, loifd gäge d'Farnerri, dir d'Riiti anha und uber en Grind uber bis häin! Das häin iiser dick und vil verzelld, wie friejer Mäitleni um Böeben geng zer Matteschiir siigen und da in arra Dili ubernacht siige gsiin. Äis häige s‘ umhi wellen; es Mäitli siigi vorüüs über d'Läitren embrüüf; döe gseed äina bien im Gäisfiess, är springd zrugg, alli andren im naa, Mäitleni um Böeben, gäge ds Mattengässli und häin! Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bir Rätschgrööben by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bir Rätschgrööben

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Vor vile Jaaren isch'sch bir Rätschgrööben uf dr obre Furen nid alls loibs gsiin. D'Liit, wa verbii siin, häin da naa em Vernachten geng e schreckelli weeschta, fiiraga Ma gseen, um bbald hed da tagleechts neemmem mee wellen gaan, vergäss de z‘Nacht. Aber äis isch'sch stockfiischterri Nacht gsiin. Döö chunnd em Man; är hed en Hund bee-n-im ghäben, und in dr Hand hed er e Fürbrand träägen. Dr Gfiirig stäid vor im im Wäg, machd Oige wee Redleni ung chroosed mit de Zeenden:      „Hättischd düü nid das Bissendi Und dä gfiiregem Bbrand, Sa wärischd d' gruwwna Fir hinaga Abenggang!" Firderhin hed neemmem mee de gfiiragem Mam bir Rätschgrööbe gseen. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bis die Lebenszeit abgelaufen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bis die Lebenszeit abgelaufen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Eine Frau M. in Wassen lag im Wochenbett. Während man das Kind zur Taufe trug, stand sie auf und trank allen Wein aus, den man ihr zum Wärmen auf den heissen Ofen gestellt hatte. Drei Tage und Nächte fiel sie in Tobsucht und starb dann, das heisst man hielt sie für tot und beerdigte sie. Seitdem sah man täglich eine Frau zur Kirche kommen und während des Gottesdienstes im Vorzeichen stehen. Man merkte bald, dass es eine arme Seele sei, und ein Kapuziner redete sie an. Sie bekannte, jene Frau M. zu sein, und offenbarte, sie sei lebendig begraben worden. Hätten sie mit der Einsargung nur eine einzige Stunde länger gewartet, so wäre sie wieder zu sich gekommen und gesund geworden und hätte noch 16 Jahre leben können. Bis diese 16 Jahre verflossen, müsse sie jetzt wandlen, wie wenn sie noch auf Erden leben würde; wenn dann diese Zeit verstrichen sei, werde sie erst vor Gottes Gericht kommen (19. Jahrhundert). b) Am 18. September 1902 ertrank in der Reuss Pfarrer Anton Baumann von Wassen. Da soll seine Haushälterin, die keine Urnerin war, ausgestreut haben, er sei ihr erschienen und habe ihr gesagt, er müsse jetzt noch 17 Jahre wandlen, wie wenn er leben würde, dann erst werde er vor dem Gerichte Gottes er scheinen und Gottes Urteilsspruch erfahren; denn es wären ihm eigentlich 80 Lebensjahre bestimmt – g'grächet – gewesen. Das Gerücht verbreitete sich durch den ganzen Kanton. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bischof Tavelli's Tod by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Bischof Tavelli's Tod

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Im Jahre 1375, den 8. August, liess Freiherr Anton vom Turm den ehrwürdigen Bischof von Sitten, Witschard Tavelli, samt seinem Hofkaplan, vom Schlosse Seta herabwerfen und eines gewaltsamen Todes sterben. Über diesen tragischen Fall wird in Savièse noch als Sage erzählt was folgt: Der Bischof bewohnte im Schlosse Seta, wovon nur noch einige Ruinen stehen, ein Zimmer gegen Norden, oder war daselbst in einer Hauskapelle, in der er eben mit seinem Kaplane das Brevier betete, als die Knechte auf Befehl Antons vom Turm hereinbrachen, ihn anpackten und samt seinem Begleiter zum Fenster hinaus in den Abgrund stürzten. Der unglückliche Bischof fiel auf einen abschüssigen Felsen, von dem er weiter in eine ebene Wiese hinabpurzelte und da liegen blieb. Leute, die im Felde waren, fanden ihn noch am Leben; hoben ihn darum auf und wollten ihn nach Chandolin tragen. Am Ende der Wiese setzten sie ihn wieder ab, um ihm bei einem kleinen Brunnen das blutige Haupt abzuwaschen. — Hier starb der Bischof. — Zum Andenken an diesen Tod steckt nun jeder, der an diesem Brünnlein trinkt, ein hölzernes Kreuzlein in die Erde, deren stets viele Hunderte dastehen. Der Brunnen heisst jetzt "Kreuzbrunnen — fontaine des croix".   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Bitte einer verstorbenen Mutter by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Bitte einer verstorbenen Mutter

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Aus Gasenried in St. Niklaus wird erzählt, einem Jünglinge, Peter Joseph, sei der Schatten oder der Geist eines Verstorbenen ein ganzes Jahr lang überall und allemal begegnet, so oft er nach Sonnenuntergang ausser seinem Wohnhause war. Dieser unheimliche Schatten wurde nicht nur von ihm, auch von andern gesehen, wie derselbe stets seinen Spuren gefolgt sei. Peter Joseph musste sich angewöhnen, alle Arbeiten ausser dem Hause vor Sonnenuntergang zu vollenden, wenn er vom Geiste nicht wollte belästigt werden. Eines Tages geschah es, dass er sich beim Füttern der Schafe in einem etwas entfernten Stalle verspätete. Die Sonne ging eben unter, als er noch in der Scheuer Futter fassen wollte. Sieh'! da stand der Geist auch schon auf der Treppe und harrte seiner. Der Erschrockene, der nicht mehr ausweichen konnte, rief den Namen Gottes an und fragte, was er helfen könne und solle. Die Erscheinung erklärte, sie sei der Geist seiner verstorbenen Mutter, und bitte ihn, die Person nicht zu heiraten, die er sich zur Braut auserkoren habe. Sie bezeichnete ihm die Person, die er zur Ehe nehmen solle. «Zwei Kinder werden dir sterben und mich erlösen», fügte sie bei. Der Geist verschwand und ward nie mehr zu bemerken. Natürlich folgte der Sohn dem Wunsche seiner Mutter. — Die zwei Kinder starben, aber die Heirat war keine glückliche.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Bläiti Nidla by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bläiti Nidla

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Eis ischd e Schuemacher uf dr Stöör gsiin. All Tag ischd bläiti Nidla uf e Tisch chon. Aber im Weidli ischd nummen es einzigs Chueli glüffen. Es Tags hed d'Froww den Ankachübel gnon und hed afan anknen. Derna isch schi ufgstanden und uusi. De Schuemacher hed's gwundred, was im Chübel siigi und hed gschwind ds Dechelli abglüfted, und - nüüd, nüd es Tröpfelli Nidla ischd im Chübel gsiin, bloss e Wäschhudel, e gwöönliga, nüüdrazega Wäschhudel; är hed ne gfingred ung gschowwed; aber in allem ghöörd er Tritta, und in dr Angscht leid er den Hudel hindren Hosbalken. D'Froww ischd umhi chon und hed wiiter am Stab zogen ung gstossen; aber du isch'sch nüd lang ggangen, rünnd dem Schuemacher d'Nidla z'beedna Siiten hindrem Hosbalken uf d'Hoosi uusa. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Bläsi, Helmi, fleen! by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bläsi, Helmi, fleen!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Zun enem Hirter an Gibelegg ischd Tag fer Tag es Zwäärgli chun. Und all Tag hed ma dr Hirter en Goon platschvolla Milch ggräched. Äis es Tags ischd dr Hirter am Hage gsiin; ds Vee hed gwäided, nid wiit vum Hirter dr Helm. Uf ds Mal chunnd ds Zwäärgli äis Sprungs derbar und breeled, was's mag: „Bläsi, Helmi, fleen! D'Gibelegg ischd gspalten!" Dr Hirter h-d ds Hagziig, Stäcke. Schiji und Schwäiffel la ghijen, hed ds Vee zsämetriben und ischd gägen Hostette gfaaren. Churz drüüf ischd dr Bach chun, und wiit um bräit hed's nen über d'Beerter üüsgreerrd und alls uberfaared und uberfeerrd. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Blausee-Sage by (Bern, Blausee, Sage, Bern)

Blausee-Sage

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Vor Zeiten sah der reizende kleine See im oberen Tal der Kander noch anders aus als heute. Sein Wasser unterschied sich nicht von anderen kleinen Berggewässern.                   Es wohnte aber in der Nähe seiner Ufer ein Mägdlein, das sein Herz einem Hirtenknaben zugewandt hatte. Oft gingen die beiden in hellen Mondnächten zu dem von uralten Tannen umstandenen Alpensee, auf welchen der Knabe zum Zeitvertreib einen Kahn gesetzt hatte. Auf den silbernen Fluten verträumten sie dann freundliche Stunden ihres jungen Lebens.                   Da fiel der Knabe, als er hoch in den Flühen im Seiltuche Heu einbringen wollte, über eine Felswand zu Tode. Untröstlich war von der Stunde an das Mädchen. In mitternächtlicher Stunde schlich es sich oft zum versteckten Seelein und trauerte um den Burschen.                   So verwirrten sich nach und nach des Mägdleins Sinne. Umsonst war die Mahnung der Eltern, die nächtlichen Besuche aufzugeben. Eine geheimnisvolle Macht zog die Unglückliche immer wieder dorthin. Eines Morgens aber fand man Schiff und Schifferin auf des Wassers Grunde.                    Von der Stunde an hatte das Seelein eine tiefblaue Farbe angenommen. Die Leute sagen, es seien die Tränen der unglücklichen Liebe und das Wasser sei ebenso blau wie die Augen des unglücklichen Mädchens es ehedem waren.   Sagen aus dem Frutigland / Quellenbändchen zur Heimatkunde von Frutigen Fritz Bach,Frutigen Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bleemlisalp by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bleemlisalp

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Hinderhi im Ürbech ischd en gööti, bravi Alp gsiin. En Älper hed mid enem Handchnab ds Vee bsorged, und d'Chee häi s im Tag driimal meessen mälchen. Das hed vil Arbäit ggän, und dr Älper hed ds Fleekichrüüd verfleekd. Drum häissd's Fleekichrüüd. Düü bchennschd es doch? Nid? Äs hed eso Stengel uw wem ma äina zerbrichd, chunnd es ganzes Glinntelli Milch üüsa z'rinnen. Äis häi d'Chee das Chrüüd chenne frässen; aber jetz nimmä; wa ds Chrüüd ischd verfleekts gsiin, ischd d'Milch giftegi worden. Dr Älper ischd en Uflaat gsiin; es Mäitli wäm bee-n-im gsiin; däm hed er alls z'Leeb taan; aber wa d'Möötter ischd chun, hed er rra mid Cheedräck versiwweti Milch i ds Muttli taan. Dermid hed er si versindegeb. D'Flöö und dr Gletscher sii virhaghiid und häin alls Läbends, Liit u-w-War, undergmachd. Um Bleemlisalp iischd no hiit undrem Iisch. Aber dr Älper und sii Katriin siin nid a d'Rööww chun. Wär uber dee Stäigoleten gäid, wa d'Bleemlisalkp drunder ischd, gheerd den Älper chlagen: »Mi Chöö brüün, Min Hund Rüün Um miin Höör Katriin Meesseb immer und ewig Uf Bleemlisalp siin.“ Aber d'Liit sägen, wem ma die brüün Chöö, wa undrem Gletscher ischd, chennti mälhen, geengi ds Iisch ab und d'Alp wän enumhi gööd. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Blikker von Steinach by (C. Kohlrusch, Sage, St. Gallen)

Blikker von Steinach

Source: (C. Kohlrusch, Sage, St. Gallen)

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Auf der nicht weit von dem kleinen Städtchen Arbon gelegenen Burg Steinach hauste einst ein edles Rittergeschlecht. Von einem Gliede desselben, das unter dem Namen „Ritter Blikker von Steinach" unter den Dichtern jener Zeit rühmend genannt wird, geht die Sage, dass seine Harfe, mächtiger als die des Orpheus und Arion, im Stande war, die heftigsten Stürme zu beschwören, dass sie schonend über seine alte Heimat und die Burg seiner Väter hinzogen. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Blitzabwehrende Stierhäupter by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Blitzabwehrende Stierhäupter

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Peter Karlis Haus zu Dottikon im Freienamt liegt an der Strasse nach Anglikon, links am Auswege nach dem Dorfe Hägglingen. Das Haus ist sehr alt, obschon es aussen jetzt einen frischen Bestich hat. Als dem ehemaligen Besitzer einst all sein Vieh an einer Seuche fiel und der Ungeist im Stalle nicht weichen wollte, schlug man einem Stier das Haupt ab und hieng's an einem Eisenkettlein in einem Kasten im Estrich auf. Seitdem ist keine Seuche mehr über dies Haus gekommen. Der getrocknete Stierkopf ist daselbst noch vorhanden, wird aber weder hergezeigt, noch je von seiner Kette genommen. In der Sisselen im Frickthale hängt im Hause des Marr Käser ein aufbewahrter Rosskopf unter dem Strohdache; in einem Bauernhause zu Sulz, gegenüber Fischbach im Freienamte, ebenso ein getrockneter Stierkopf. E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bloss einen Stiefel by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bloss einen Stiefel

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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mit etwas Blut darin fand ein Jäger, als er sich den von ihm erlegten Fuchs aneignen wollte. Fr. Truttmann-Truttmann, 35 Jahre alt, Seelisberg Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Blüemlisalp by (Theodor Vernaleken, Sage, Bern)

Blüemlisalp

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Bern)

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Manche vormals blumige Alpe (Blümelisalp) hat das Andenken grauser Vergletscherung aufbewahrt, die plötzlich hereingebrochen. Damals, in jenen bessern Tagen war noch überall aus den Alpen fruchtbare Weide, und ewiges Eis bedeckte noch nicht den schönsten Teil derselben. Damals waren die jetzt so häufig vorkommenden Giftpflanzen, das Eisenhütchen und andere dem Vieh gesund, dem Menschen nicht schädlich. Damals frassen die Kühe ohne Schaden die giftige Wolfsmilch, welche einige Alpen beinahe ganz überzieht, und gaben desto mehr Milch. Dreimal des Tages wurden sie gemolken. Allein die Laster der Menschen machten den Zorn des Himmels rege; und das ewige Eis der Gletscher überzog zur Strafe den grünen Teppich des Alpenrasens. Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Blut zeigt den Mörder an by (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

Blut zeigt den Mörder an

Source: (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

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In Rüdlingen waren einst zwei Männer ihrem gemeinschaftlichen Freunde grollend aus Neid über das Gedeihen seines Haushalts. Nun trug es sich zu, dass eines Abends spät alle drei sich über den Rhein setzen ließen, und als sie in die Mitte gekommen waren, ergriffen die beiden treulosen Meuchler ihren Freund und warfen ihn in die Wellen, also dass er ertrank. Aber des andern Tages wurde sein Leichnam am Ufer gefunden, wo ihn seine Schwester erkannte. Alsobald erhub sie bittere Klagen, und als sie in ihrem Grame wie von ungefähr den Toten frug: „Ach, Bruder, wie ist es dir ergangen?“, fielen demselben drei Blutstropfen zur Erde. Von Stund an erkannte sie, dass er eines gewaltsamen Todes gestorben sein müsse, und der Verdacht fiel auf die treulosen Freunde.     Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Blutrache by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Blutrache

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Zur Zeit, als der Vättnerberg noch bewohnt war, stand in der Spina ein Haus - das Fundament ist jetzt noch sichtbar. Vater und Sohn waren eifrige Gemsjäger. Auf dem Vättnerberg lebte ein nicht minder eifriger Jäger. Letzterer war ein Schwarzkünstler, d. h. mit dem Bösen im Bunde. Ihn konnte keine Kugel verwunden, ausser eine silberne, die während einer heiligen Messe unter das Altartuch gelegt worden war und zu deren Beförderung man Dreifaltigkeitssalz unter das Pulver mischte. Da die Spinajäger der Aufforderung des Bergers, sein Gebiet nicht mehr zu betreten, keine Folge leisteten, beschloss er, den einen von beiden aus der Welt zu schaffen. So geschah es auch. An einem Herbsttage fand man den Sohn nach langem Suchen in den Vättnerbergfeeden tot. Eine Kugel hatte ihn in die Brust getroffen. Der Volksmund sprach von Mord, und auch der Name des Mörders wurde genannt; allein ein Beweis für eine Schuld konnte nicht erbracht werden. In seinem Schmerze schwur der Vater blutige Rache. Nur zu häufig war er jetzt auf dem Vättnerberge anzutreffen. Seine Waffe war mit der silbernen Kugel geladen. Sie hat das Ziel nicht verfehlt. Auf dem Todbette hat der Vater bekannt, wie er in der gleichen Grashalde, in der sein Sohn umgekommen, den Widersacher beim Ausweiden einer Gemse überrascht, zum Bekenntnisse seiner Tat gezwungen, erschossen und dessen Leichnam in die schauerlichen Abgründe des Radeintobels gestürzt habe. Obwohl er geglaubt habe, im Recht zu sein, habe er keine ruhige Stunde mehr gehabt; denn das böse Gewissen habe ihn fortwährend geplagt. L. Jäger. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 224, S. 111f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bödelmergeist in Wölfliswil by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Bödelmergeist in Wölfliswil

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Ein einzelner Dorftheil von Wölfliswil im Frickthale heisst nach seiner ebenen Lage das Bödemli, und dorten spukt sowohl bei der Nacht, wie am hellen Tage ein Gespenst in Gestalt eines brandrothen Fuchses, der Bödelmergeist. So oft er dem halb erblindeten Bauern Ziprian Raimann begegnet, ruft derselbe das Dorf auf und ab, man möge je nach dem Stand der Jahreszeit die Arbeiten in Feld und Wiese beeilen oder ganz sein lassen; denn alsbald werde man ein gottsträfliches Ungewitter, oder Ueberschwemmung und Hagelwetter zu erleben haben. Zuweilen ist dies schon eingetroffen, und so vermehrt sich der Glaube an einen Dorffuchs, den sogar ein Blinder erblicke, teilweise jetzt noch. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 148 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bohne! Bohne! Ich schneide dich entzwei! by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Bohne! Bohne! Ich schneide dich entzwei!

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 563

Einmal gingen drei Brüder, die Söhne armer Leute, in die Fremde, um zu verdienen. Als sie in einem Wald waren, wo der Weg sich verzweigte, gingen die beiden älteren Brüder nach Osten, der Jüngste nach Norden. Bevor sie sich trennten, schnitten sie in eine Eiche drei Kreuze und versprachen einander, nach einem Jahr hierher zurückzukehren. Der Jüngste ging weit in den Wald hinein, bis er zur Hütte einer alten Frau kam. Sie fragte ihn, ob er in ihren Dienst treten wolle. Das tat der Bursche sehr gern, weil es nichts anderes zu tun gab, als zwei Katzen und zwei weisse Enten zu füttern. Nach einem Jahr verlangte der Bursche seinen Lohn: er müsse nach Hause gehen. Die Alte gab ihm nur eine Bohne, und das machte den Burschen fuchsteufelswild. Wütend wollte er die Bohne in Stücke schneiden, er nahm sein Messer hervor und schrie: «Bohne! Bohne! Ich schneide dich entzwei!» - «O nein, lass mich ganz, ich will dir geben, was du willst!», erwiderte die Bohne. Dies liess der Bursche sich nicht zweimal sagen. Er wünschte sich ein Tischtuch, das, wenn er sage: «Tischtuch, mach dich bereit!» voll mit allen guten Speisen gedeckt sei. Sogleich kriegte er das Tuch, und als er sagte: «Tischtuch, mach dich bereit!» war es mit guten Speisen gedeckt: Schinken, Trockenfleisch, Rahm, Reis, Kastanien und vor allem viele Flaschen mit ausgezeichnetem altem Veltliner Wein. Zufrieden wie ein König langte der Bursche bei der Eiche an, wie sie es abgemacht hatten. Die beiden anderen Brüder warteten schon auf ihn, und sie fragten, was er verdient habe. Lachend zeigte er ihnen die Bohne, da lachten die anderen ihn gehörig aus. Aber bevor sie weitergingen, nahm er das Tuch aus der Tasche und sagte: «Tuch, halt dich bereit!» und in dem Augenblick war das Tuch mit den besten Speisen gedeckt. Aber nachdem sie gut gegessen und getrunken hatten, meinten die beiden Brüder: «Nur mit gutem Essen und Trinken hat man nicht genug, man muss auch Geld haben!» Das gab dem Burschen zu denken, und zum zweiten Mal holte er die Bohne hervor und sagt: «Bohne! Bohne! Ich schneide dich entzwei!» Die Bohne aber bettelte, er solle sie am Leben lassen, sie wolle ihm geben, was er wolle. Da verlangte der Bursche einen Esel, der Geld scheisse, und den bekam er ruckzuck. Da wurden die Brüder neidisch auf den Jüngsten, sie zückten ihre Messer und riefen: «Bohne! Bohne! Ich schneide dich entzwei!» Aber die Bohne sagte nichts und gab nichts. Da schlossen sie Frieden mit dem Jüngsten, sie gingen nach Hause und wurden alle zusammen steinreich.     Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Bohne, Bohne ich schneide dich by (D. Jecklin, Zaubermärchen, Graubünden)

Bohne, Bohne ich schneide dich

Source: (D. Jecklin, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 563

Drei Brüder, armer Leute Kinder, gingen in die Fremde, um sich ihr Brot zu verdienen. Als sie in einen Wald kamen, wo sich drei Wege schieden, da gingen die zwei älteren Brüder gen Norden, der jüngste aber gen Osten. Vorher hatten sie drei Kreuze in eine Eiche geschnitten und sich gelobt, nach Jahresfrist wieder am nämlichen Orte zusammenzukommen. Der jüngste der Brüder kam immer tiefer in den Wald und kam zu einer Hütte, wo eine alte Frau war. Diese fragte er, ob sie nicht Arbeit für ihn habe, und als diese es bejahte, blieb er. Seine Arbeit bestand aber darin, daß er zwei graue Katzen und zwei weiße Enten zu füttern hatte. Als das Jahr herum war, erinnerte sich der Jüngling seines Versprechens und verlangte von der alten Frau seinen Lohn. Diese gab ihm eine Bohne und entließ ihn. Dem Jüngling dünkte die Gabe wohl gering, aber er murrte nicht und ging vergnügt von dannen. Auf dem Wege überkam ihn einmal die Lust, die Bohne zu zerschneiden, und schon wollte er sein Vorhaben mit den Worten ausführen: «Bohne, Bohne, ich schneide dich,» als die Bohne gar rührend zu bitten anfing: «Lieber Knabe, schneid mich nicht, ich will tun, was du verlangst.» Das ließ sich der Knabe nicht zweimal sagen und wünschte sich ein Tischtuch, das die besten Speisen hervorbringe. Und kaum gesagt, so war es auch getan. Ein Tisch stand vor ihm, darüber gebreitet ein Tischtuch und darauf die besten Speisen: Schinken, gedörrtes Fleisch, Rahm, Reis, Kastanien, vor allem aber in geschliffenen Flaschen der rote Veltliner. Zufrieden, wie ein König, kam der Jüngling an den verabredeten Ort, wo die andern Brüder schon seiner harrten. Diese hatten sich in der Fremde ein schönes Stück Geld verdient und fragten nun den Jüngsten, was er nach Hause bringe. Dieser zeigte seine Bohne, worüber die Brüder ein unmäßiges Gelächter anhuben. Da sprach aber der Jüngling: «Tischlein, decke dich» und das Tischlein deckte sich, daß es sich unter der Last der Speisen und Getränke bog. Das Experiment gefiel den Brüdern gar wohl, und sie aßen und tranken weidlich, meinten aber, daß man mit Essen und Trinken allein nicht leben könne. Da sagte der Bursche zu seiner Bohne: «Bohne, Bohne, ich schneide dich.» Die Bohne aber bat wieder gar rührend und versprach zu tun, was er verlange. Und der Knabe wünschte sich einen Esel, der Gold von sich gebe. Und was er gewünscht, das war im Nu geschehen. Das erregte der Brüder Neid; sie wollten auch ihr Glück bei der Bohne versuchen und sagten das Sprüchlein her; aber es half ihnen nichts, die Bohne blieb stumm. Da schlossen sie mit dem jüngsten Bruder Frieden und gingen mit Tischtuch und Esel zusammen nach Hause zu den armen, alten Eltern und wurden reiche Leute. Veltliner: Ein Wein aus einer Rebsorte, die wohl schon zur Römerzeit angebaut wurde. Er passt gut zu Pilzen und Bohnen mit Salbei   Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874, In Dardin bei Brigels erzählt Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.              


Boozistäina by (M. Sooder, Sage, Bern)

Boozistäina

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Im Grund, es Bitzli ob em Wiichel, ischd en grossa Stäin, dr Boozeller. E Bboozistäin ischd virha im Ürbech, z' Understock bin Gäisgädmerren. Ob em Roist, ob dr Falcherren, ischd e Bboozistäin; d'Liit gään da Nachts nid gäre verbii. In dr Riiti siin o Boozistäina; äs siin Gäisbärger. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bornjungfrau und Kutsche zu Aarburg by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Bornjungfrau und Kutsche zu Aarburg

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Ein alter Fährmann im Städtchen zu Aarburg hängt fest an folgenden Begebenheiten, die sein Vater und er erlebt haben wollen. Mitten in einer finstern Nacht wurde dem Vater vom gegenüber liegenden Bornberg her Hop-hop! gerufen, das Zeichen, dass jenseits der Aare Jemand herüber gefahren zu werden verlange. Der Strom, der hier die Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Aargau ausmacht, war damals noch ohne Brücke. Der Alte ruderte also pflichtgemäss hinüber, traf aber Niemanden, und da er auf seine Mahnung, dass man sich beeilen solle, gar keine Antwort bekam, kehrte er endlich um. Mitten im Flusse meinte er jedoch, es lasse sich von der Höhe des Bornberges her derselbe Ruf und von einer Weiberstimme vernehmen; einen Augenblick später ruft es wirklich unten am Ufer, und der Schiffsmann glaubt, er sehe dorten etwas Weisses sich bewegen. Er fährt daher wieder hinüber. Da er aber zum zweitenmale Niemand am Ufer finden kann, wird es ihm doch etwas wunderlich und er wendet seinen Weidling eilig heimwärts. Auch diesseits hört er zum drittenmale noch dieselbe Stimme, zugleich aber bricht ein so gewaltiger Sturm in der Luft los, dass der Fehr unfehlbar verloren gewesen wäre, wenn er noch einmal dem Rufe gefolgt wäre. Bei dieser Erzählung wollte er nun nicht geradezu behaupten, dass dies die Bornjungfrau selbst gewesen sei; dies aber glaubte er zuversichtlich, dass sie alle hundert Jahre einmal die grossen Gewölbe im Innern des Bornberges verlasse, um in der Aare zu baden, und wer ihr alsdann folge, der habe die Wahl, ob er diejenigen Schlüssel, welche die Schatzkiste im Bornberge aufsperren, oder jene andern sich einhändigen lassen wolle, welche zu den vergrabenen Reichthümern auf der gegenüber gelegenen Wartburg verhelfen. Damit wäre dann zugleich auch die Jungfrau erlöst. Der Sohn dieses Schiffers berichtet von sich. Im Jahre 1801 hatte ich einst noch um Mitternacht mit dem Auffangen des Treibholzes auf der Aare zu thun, welches der stark angeschwollene Strom massenhaft mit sich herab führte. Die Nacht war aber ganz hell, ich hätte die Thurmfähnchen droben auf der Festung zählen können, und mein eigenes Häuschen sammt dem Zickzack der hohen Kirchentreppe lag mir deutlich vor Augen. Plötzlich begann droben auf dem Schlossfelsen das Gebell eines kleinen Hündchens, und als ich aufblickte, sah ich, wie dorten eine grosse gewaltige Kutsche das Hundert von Stufen über die Felsentreppen des Berges herab von der Kirche ans Ufer her gefahren kam. Die Furcht trieb mich augenblicklich heim. Nachher schämte ich mich meiner Angst und die Neugier brachte mich bald wieder aus der Stube. Da war aber von Allem rein nichts mehr zu sehen. Ein Unwetter jedoch war nun losgebrochen, dass man für sein Leben zu zittern hatte. Denn nun goss es mehrere Wochen nach einander unaufhörlich vom Himmel, und zugleich fieng der Bornberg an sich zu rühren, als wollte er in die Aare herunterstürzen und sie über das ganze Städtchen wegtreiben. Als dies vorbei war, gieng erst die Noth überall im Lande los und das ganze Volk kam in Aufstand. So war noch kein Jahr herum, da sassen bereits die armen Leute, die sich gegen Napoleon hatten wehren wollen, gefangen droben auf unserer Festung. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 119 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Böser Blick by (Josef Müller, Sage, Uri)

Böser Blick

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Im Isental soll ein Johann Aschwanden den bösen Blick besitzen, und zwar so stark, dass, wenn er eine Staude schneide, diese absterbe. – Denselben bösen Blick besass der verstorbene Joh. Infanger. Schriftlich: Max Oechslin b) Leute mit bösen Augen, ja, solche gibt es; das habe ich oft gehört. Auch ich hatte einen Stiefbruder; wenn der Erlen stumpete, so verdarben diese. Man lässt solche nie auf Wunden blicken; sie dürfen im Garten nicht Schnittlauch, Salbei etc. schneiden, sonst geht das Angeschnittene zugrunde. Fr. Gamma-Zgraggen, 40 Jahre alt, Silenen Fr. Jauch-Bissig, 62 Jahre alt, Isental c) Auch in Ursern sagt man, es gebe Leute mit bösen oder giftigen Augen. Man darf sie nicht auf Wunden schauen lassen und erkennt sie an den wässerigen Augen mit blauen Unterlidern. Besonders das Weibervolk, wenn es die Regel hat, besitzt giftige Augen. A. Maria Müller, 78 Jahre alt, Hospental Der Ausdruck »giftige Augen« ist auch im Schächental gebräuchlich. Pfarrer Arnold d) Als einst mein Vater Kirschen gewann und auch ich den Baum besteigen wollte um zu helfen, hielt mich der Vater ab, indem er sagte: »Nä-näi, dü müesch nitt nu machä, dass d'r Bäum abstaht.« Ich ha düe grad my Zytt gha. Fr. Zurfluh-Gisler, 55 Jahre alt, Flüelen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bösi Gschwischterti by (M. Sooder, Sage, Bern)

Bösi Gschwischterti

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Bösi Gschwischterti Are stotzige Site‚ wit imene Grabe hinge, isch vor Ziten es Hüsli gsi; mi het ihm ’s Chräihenäscht gseit. Es wär für nüt, we d’ wettisch nohegrüble, wo ne’s möcht si; i bin en alte Ma‚ un i nimen a, äs läb niemer meh, wo die Lüt gchennt het, wo i däm Hüsli si gsi. Do si zweu Gschwischterti gsi, Brueder u Schweschter. Sie isch Hebamme gsi un i wett mi verschweere, die isch mängisch im Bett gläge z’Nacht u de notti no Mittinacht heicho, wie dr’sch vo äim Meitli verzellt ha, wo ihrere zwe z’Äschlismatt zue-n-ihm gange si u wo du ne Chatz isch cho u em Meitli düre Hals ab isch. Dr Brüder het gäng seit, äs sig niemer herter z’schühe weder die chline Hüngli u die alte Lüt, vowäge die sigi gäng wachber. Är isch drum e Schelm gis, wie wit u breit kenen isch vürecho. D’Schweschter het ihm gwüsst es Hängli vomene gstorbnige un utauftnige Chingli zue z’ha; dermit het er alli Schlösser chönne uftue. Einisch hei si ne useglo, un am gliche Tag isch er bi dr Mühli ibroche. Aus vielen Sagen spricht ein feines Gefühl des Glaubens, das den Zauber als Sünde ablehnt und warnt, gefährliche Zauberformeln auszusprechen und Zauberbücher zu gebrauchen. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Botti's Grab by (C. Kohlrusch, Sage, Bern)

Botti's Grab

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Bern)

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In Grauholz, unweit der Landstrasse nach Bern, stehen auf bemoostem Waldgrunde zwei altersgraue Granitpfeiler, zwischen welchen sich ein von Schatzgräbern durchwühlter Hügel erhebt. Dieser Hügel ist das Grabmal eines mächtigen Riesen, der vor langen Zeiten hier im Walde gehaust haben soll und der dem Landvolk noch heutigen Tages unter dem Namen Botti bekannt ist, daher auch jener Hügel Botti's Grab heisst. Von diesem Riesen Botti erzählt man, er sei 20 Fuss lang und von so ungeheurer Stärke gewesen, dass es für ihn zur leichtesten Aufgabe gehört habe, die grösste Tanne samt der Wurzel aus der Erde zu reissen. Einen Händedruck von ihm auszuhalten, sei einem gewöhnlichen Menschenkind unmöglich gewesen, daher ihm auch die Bauern, zu welchen er häufig auf das Feld zu kommen pflegte, statt der Hand stets die Pflugsterze gereicht hätten; in der Pflugsterze wären aber ein jedes Mal die Merkmale seines gewaltigen Händedrucks zurückgeblieben. Nicht minder gross und stark als Botti selbst, war aber auch seine Schwester, die ihm, als er starb, dieses Grabmal setzte und in ihrem Fürtuch mehrere Stunden weit die Steine dazu herbeitrug. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Bottis Grab by (Hermann Wahlen, Sage, Bern)

Bottis Grab

Source: (Hermann Wahlen, Sage, Bern)

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Im Grauholz, unweit der Strasse, die nach Bern führt, liegen auf bemoostem Waldboden zwei altersgraue Granitblöcke. Zwischen ihnen erhebt sich ein von Schatzgräbern durchwühlter Hügel, das Grab des Riesen Botti, der vor alter Zeit hier im Wald gehaust haben soll. Von ihm erzählt man, er sei zwanzig Fuss lang und von so ungewöhnlicher Körperkraft gewesen, dass er mit Leichtigkeit die grösste Tanne samt dem Wurzelwerk aus dem Boden zu reissen vermochte. Einem gewöhnlichen Menschen sei es unmöglich gewesen, seinen Händedruck auszuhalten. Darum reichten ihm die Bauern, die er häufig auf dem Felde beim Pflügen aufsuchte, nicht die Hand, sondern die Pflugsterze zum Gruss. Darin seien aber jedesmal deutlich die Spuren seines Händedrucks zurückgeblieben. Nicht minder gross und stark als Botti selber war auch seine Schwester, die ihm, als er starb, sein Grab herrichtete und in ihrer Schürze viele Stunden weit die Steinblöcke dazu herbeitrug. Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brämem bannen by (M. Sooder, Sage, Bern)

Brämem bannen

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äs gid ra, wa chenne-w-Wäschpeni bannen; ander banne-l- Liit, und am Baalisalp ischd en Älper gsiin, wa hed Bräme bbanned. Dee Alte zäigen e Stäin, där siigi esee chrisdick volla Bräme gsiin, wen er sa bbanned häigi, fir em Vee Rööww z'gän.          Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Brand im Sick by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Brand im Sick

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Das war so um 1930. Wir waren unser vier in der Alpe im Saflischtal, drei davon Erwachsene. Abends so gegen zehn Uhr lagen wir auf unseren Pritschen. Wie sich der Hirte zur Wand kehrte, sah er durch die schlechte Bretterwand hinaus und rief: «Jessus, Jessus, jetzt verbrennen im Sick die Alphütten!» Wir eilten alle zur Türe und schauten hinüber. Da schoss wirklich das Feuer zu allen Seiten aus den Hütten, dass wir glaubten jetzt sei bald alles abgebrannt. Wir sagten zueinander: «Da ist jetzt niemand drin, und helfen können wir jetzt auch nicht mehr. Mag dem nun sein, wie ihm will, da gehen wir jetzt heute nicht mehr hinüber!» Am andern Tag, als wir hinüberschauten, war alles wie zuvor, von Brand keine Spur. Das haben wir alle deutlich gesehen. Das ist keine Lüge. GRENGIOLS Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Brauch beim Brotbacken by (Josef Müller, Sage, Uri)

Brauch beim Brotbacken

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Solang man im Schächental noch im eigenen Haus wenigstens von Zeit zu Zeit Brot zu backen pflegte, war es Sitte, ein mit Lampenöl gefülltes »Buschiliechtli« zum Brot in den Ofen zu stellen und drinnen für die armen Seelen brennen zu lassen. Nicht selten äusserte man seine Befriedigung darüber etwa mit den Worten: »Da werden die armen Seelen eine Freude gehabt haben, dass wir ihnen wieder einmal so ein Lichtlein haben brennen lassen.« Und jemand meinte, sie hätten das Öl sauber ausgeschleckt. Andreas Fedier Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brautfahrt am Hallwilersee by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Brautfahrt am Hallwilersee

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Wenn an schönen Sommertagen die Leute zwischen Beinwil und Wilhof ihre Weinreben bearbeiten oder sonst dort herum auf dem Felde sind, so vernehmen sie öfters vom rechten Ufer des Hallwiler-Sees her, da wo Meisterschwanden liegt, ein Rufen und erinnern sich dabei aus alter Zeit einer Brautfahrt, von der heute noch gesprochen wird. Vor vielen Jahren wollte ein Brautpaar von Fahrwangen über den See nach Reinach, um in dortiger Kirche sich trauen zu lassen. Es war an einem Freitag im Herbst, als Braut und Bräutigam mit andern Hochzeitsleuten am Seeufer nach dem Fährmann fragten, um übergeschifft zu werden. Der Alte nahm die Leute ein und war bald mit ihnen mitten auf dem Wasser. Da aber zogen unter starkem Winde schwarze Wolken über den Himmel her; der Regen schlug von oben, die bewegte Welle von unten in den Kahn und die Leute gaben sich bald verloren. Lange sah man vom Ufer her den mit dem Sturme Ringenden zu, ohne dass man es wagen konnte, ihnen zu Hilfe zu eilen. Als die Finsterniss des Gewitters sich verzogen hatte, war das Schiffchen nirgends mehr auf den Wellen zu erblicken, und erst gegen Abend erzählte der triefende Schiffsmann, wie der Kahn umgeschlagen worden und er allein durch Schwimmen sich gerettet habe. Während dem hatten die Glocken in Reinach fortwährend zur Trauung geläutet, bis endlich ein Bote von Beinwil das Jammergeschick dorten meldete. Aber seit dieser Zeit und besonders wenn andere Witterung eintreten will, hört man dort das wehmüthige Rufen des untergegangenen Brautpaars, oder es durchklingeln kleine Glöckchen wie am Halse flüchtiger Hunde die Gegend. Dies Geräusch nennt man Schellenpeter. Auch ist ein alter Glaube, so oft im Hallwiler-See Jemand ertrinke, sehe man ein Haupt im Schaume der Wellen auftauchen, die der Sturm ans Ufer schlägt. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 37 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brennende Mandli und gute Werke by (Alois Lütolf, Sage, Nidwalden)

Brennende Mandli und gute Werke

Source: (Alois Lütolf, Sage, Nidwalden)

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a) Bei stockfinsterer Nacht zog ein Ratsherr des Weges von Stans nach Hause am Ennetbürgen. Da sah er etwa zwei Stunden weit weg auf Emmetten ein brennendes Mandli und versprach ihm eine Messe, wenn es herschwebe und ihm zünde. Kaum versprochen und Mandli ist da und zündet, ja zündet bis in die Stube hinein und will nicht fort. Der Ratsherr denkt, vielleicht müsse er das Präsent für die Messe schon diesen Abend aushändigen und legt das Geld auf die Falz vor dem Fenster, worauf das Mandli sogleich verschwand.   b) Einem andern leuchteten einmal zwei solcher Wesen, nachdem er ihnen die Messe gelobt hatte. Sie begleiteten ihn ebenfalls bis in seine Wohnstube, wo sich zwischen den beiden Mandlinen ein lebhaftes „Hoslen" - Ringen - entspann. Der Bauer ahnte, sie würden um die Messe ringen und um dem Kampfe abzuhelfen, verhiess er jedwedem eine solche lesen zu lassen. Nun waren sie befriedigt und verschwanden.   c) Zwei Männern kam und zündete ein Irrlicht um einen Rosenkranz von Fischbach über den Steinberg bis zum Weiermattgatter bei stockfinsterer Nacht. In wenig anderer Form tritt dieselbe Erzählung in Einsiedeln auf.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865.Bei Teilen dieser Sage gibt es keine genaue Zuordnung zu einem der fünf Kantone. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.  


Brennende Männer by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Brennende Männer

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Brennende Männer sollen früher an der Lägern oft gesehen worden sein. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland Umstilisiert aus Hedinger, S. 19. seine Quelle: persönliche Mitteilung. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brennende „Mandli" und gute Werke by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Brennende „Mandli" und gute Werke

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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a) Bei stockfinsterer Nacht zog ein Ratsherr des Weges von Stans nach Hause am Ennetbürgen. Da sah er etwa zwei Stunden weit weg auf Emmetten ein brennendes Mandli und versprach ihm eine Messe, wenn es herschwebe und ihm zünde. Kaum versprochen und Mandli ist da und zündet, ja zündet bis in die Stube hinein und will nicht fort. Der Ratsherr denkt, vielleicht müsse er das Präsent für die Messe schon diesen Abend aushändigen und legt das Geld auf die Falz vor dem Fenster, worauf das Mandli sogleich verschwand.   b) Einem andern leuchteten einmal zwei solcher Wesen, nachdem er ihnen die Messe gelobt hatte. Sie begleiteten ihn ebenfalls bis in seine Wohnstube, wo sich zwischen den beiden Mandlinen ein lebhaftes „Hoslen" - Ringen - entspann. Der Bauer ahnte, sie würden um die Messe ringen und um dem Kampfe abzuhelfen, verhiess er jedwedem eine solche lesen zu lassen. Nun waren sie befriedigt und verschwanden.   c) Zwei Männern kam und zündete ein Irrlicht um einen Rosenkranz von Fischbach über den Steinberg bis zum Weiermattgatter bei stockfinsterer Nacht. In wenig anderer Form tritt dieselbe Erzählung in Einsiedeln auf.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Bei Teilen dieser Sage gibt es keine genaue Zuordnung zu einem der fünf Kantone. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Brennender Mann zündet by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Brennender Mann zündet

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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Einem Manne von Altbüron, der mit einem Mühlenstein nachts von der Stalten ins Dorf Altbüron fahren musste, zündete ein brennender Mann, bei dem er Rippen und Kopf bemerkte, bis zum Ring ins Dorf Altbüron. Der Mann betete ihm fünf Vaterunser und hiess ihn dann gehen, woher er gekommen sei. Hierauf sei derselbe über das Kritzenfeld zurückgekehrt. Zwei Männern von Grossdietwil, die ab der Allmend ins Dorf gingen, begegnete in der Nähe der Müs ein brennender Mann, bei dem sie Rippen und Kopf bemerkt haben wollen.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Brennender Räuber in der Reuss by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Brennender Räuber in der Reuss

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Am hohen Reussufer Mühlerain steht nahe bei der Linnmühle an einem verfallenen Hag eine alte Buche. Wer dort in der Nacht vorüber wandelt, wird von einem feurigen Manne verfolgt und läuft Gefahr, in die Reuss hinab gestürzt zu werden. Gleichwohl hat noch jeder, anstatt im raschen Strome zu ertrinken, immer glücklich das Gestade wieder erreicht. Hier wollte einst ein Mann ein wenig ausruhen, der von Birmenstorf nach Muntwil ein Fässchen Branntwein auf seiner Hutte zu tragen hatte. Plötzlich lief vom Muntwiler-Felde ein Anderer gegen ihn her, roth wie eine Gluth, nahm ihm die Hutte sammt Fässchen von der Buche weg und schleuderte zugleich den Mann weithin ins Gesträuch. Dieser verlor, sowie er sich wieder aufgerafft hatte, den Muth nicht, sondern lauschte sogleich, nach welcher Richtung der Dieb entweichen werde. Im Augenblick hörte er unter sich mitten in der Reuss einen Strudel entstehen, und sah, wie der Brennende durch den Fluss ans jenseitige Ufer watete, ohne im Wasser zu erlöschen und ohne dass zugleich das Fässchen Schnaps auf seinem feurigen Rücken sich entzündete. Aehnliches hat sich auch schon auf dem Ackerlande begeben, das des Müllers Reben heisst und oberhalb jener Linnmühle an der Strasse liegt. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 46 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brinnig Manna by (M. Sooder, Sage, Bern)

Brinnig Manna

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Äis ischd dr alt Trigler tagliechts vom Hoobiel naha chu z'loiffen, bim Chalchofen anhi siigem brinnig Manna. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brinnig Manna by (M. Sooder, Sage, Bern)

Brinnig Manna

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Äis ischd dr alt Trigler tagliechts vom Hoobiel naha chu z'loiffen, bim Chalchofen anhi siigem brinnig Manna. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bristenschätze u.ä by (Josef Müller, Sage, Uri)

Bristenschätze u.ä

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Oben im Bristenstock, so offenbarte ein »Vynediger«, ist inwendig eine Höhle; da tropft das lautere Gold von der Decke herab, und ein »Chochchessi syg underg'stellt, das syg scho lang volles und läuffi uber.« Joh. Jos. Walker, 72 J. alt, Meitschligen b) Alle Jahre tropft im Bristen ein Klumpen Gold zusammen wie eine Kegelkugel. Häufig c) Ein Klumpen Gold wie ein Rossgrind oder, wie andere sich ausdrücken, ein Rossgrind Gold tropft jedes Jahr im Bristen zusammen. Albin Indergand, Ried; Josepha Epp, Bristen d) Am Höchsten Bristen sind drei Karfunkel. Der alte Bettler-Locher Lorenz in Amsteg hat sie einmal durch ein Fernrohr gesehen. Sie erleuchteten die Nacht taghell, und es sei immer feucht um sie herum. Peter Tresch, Silenen e) Der Bristenstock ist von dicken Goldadern durchzogen. f) Der Bristenstock stehe auf drei goldenen Kugeln, die in einer goldenen Schüssel liegen, soll es zu Zeiten geheissen haben, als sie im Teiftal und auf der Höchi im Ried nach Gold gruben. Martin Wipfli, Grundbuchführer g) Der Fehdistock im Meiental steht laut Offenbarung eines fahrenden Schülers auf drei goldenen Säulen. Frau Baumann, 70 J. alt, Meien, u.a. h) Der St. Anna-Bärg (in Ursern), heig ä fahrädä Schiäler g'seit, sett mä-n-uff dry goldig Stitt tüe. M.A. Schmid, 78 J. alt, Hospental Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brood o nän! by (M. Sooder, Sage, Bern)

Brood o nän!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Das wän im Wiillerli gsiin. Da wän em Möötter gsiin und es Mäitelli. Und we si hed d'Milch ab em Fiir gnun, hed si däm Mäitelli geng e Tropf in es Muttelli taan, und das hed ds Gschirrli mid dem Milchleffel dri gnun und ischd mid allem i ds Gengli üüsi und hed gsäid: „Em Chatzelli o Mämmi bringen." Das ischd geng eso ggangen. Dr Möötter isch das afan artigs vorchun. Uw-wäred dem Chloschtren im Fiirhüüs hed ds Mäitelti glached, as we 's mid eppes ganggleti. Döö gäid si i ds Gengli üüsi und isch gar griiselli erchlipfd. Us em Muttelli hed e-w-Wurm glapped, und ds Mäitelti hed im mid dem Leffel uf ds Grindli ggän ung gsäid: „Brood o nän! Brood o nän!" Das Gschichtli hed ma hie z'Wiiller o verzelld; aber äs ischd no mee dra gsiin. Ds Mäitli wän düö gwagses gsiin und hätti wellen hiiraten, und düö wän düö dr Wurm chun und hätte-m-ma es guldigs Chreendli i ds Muttelli la ghiijen. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Brosamen unter dem Tisch by (Josef Müller, Sage, Uri)

Brosamen unter dem Tisch

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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In Isental starb eine brave Frau von ihrem Gatten weg. Er liess ihr altem Brauch gemäss während des Dreissigsten ein Öllichtlein brennen. Eines Abends war es ohne sein Wissen erlöscht, und da rief eine Stimme: »Toni, dz Liecht isch erlescht!« Er zündete es wieder an, und jedesmal, wenn es etwa ausging, hörte er jenen Mahnruf. Jetzt liess er die arme Seele anreden, und sie bekannte, sie sei die verstorbene Gattin und müsse noch leiden, weil sie zu Lebzeiten die Brosamen beim Essen unter den Tisch gewischt und hinuntergefallene nicht aufgelesen habe. Hans Aschwanden Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brot schützt gegen Hexenmacht by (Josef Müller, Sage, Uri)

Brot schützt gegen Hexenmacht

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Um ein wenig zu kurzweilen, marschieren zwei ledige Schattdorfer einem Bauerngehöft zu. Unterwegs kommen sie an dem Häuschen auf dem Albenstein, wo eine Strassenvierung ist, vorbei, und da schaut ein altes Müetterli in »Haube und Käppli« zum Fenster oder durch eine Lucke heraus. »Die Blitzg müess-is etz doch nit abpassä, wom-mer higahnt«, schimpft der eine und wirft ihr mit einem wohlgelungenen Steinwurf die altmodische Kopfbekleidung vom Haupte. Das Ding ist gut. Die Burschen unterhielten sich famos. Man kaiserte. Ziemlich spät in der Nacht machten sie sich auf den Weg, der eine um eine Nidel, der andere um Brot zu holen. Als der letztere, es ist der Schreiber Sepp, mit seinem Hälberli Brot jenem Häuschen auf dem Albenstein sich näherte, beim Donner, da stand das alte Müetterli wieder an der Hausecke und wartete auf ihn. Ergrimmt über diese Vorwitzigkeit, machte er sich an's hin und fing mit dem Brot unter dem Arm an, dasselbe mit den Schultern zu stossen: »ummäz'pingglä«. Er war ihm über, das zeigte sich klar, aber um den Sieg zu einem vollständigen zu machen, fand er es für nötig, es zu »bodigen«. Er legte deshalb das Brot rasch auf den Boden und begann den Kampf mit beiden freien Armen. Doch jetzt ist's aus mit seiner Überlegenheit. Mit einem einzigen kräftigen Griff packt ihn das Weibsbild und wirft ihn über die Mauer in die Wiese: »Hof« hinunter. Als er dort lag, rief es ihm noch zu: »Wenn nit nu ä Brosmä Brot im Sack hättisch, sä tät-di zu Staib und Äschä zärrybä!« Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brot und böse Gewalten by (Josef Müller, Sage, Uri)

Brot und böse Gewalten

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Als einst ein Bettler in einem Gaden übernachtete, kam ein Gespenst herein und sagte zu ihm: »Wenn d'nit äs Stickäli Brot im Sack hättisch, sä tät-di z'Huddlä-n- und z'Fätzä zerryssä.« Das nämliche schrie ein Gespenst am Rynächt einem frechen Obländner zu, als er dem »Chumuff« zurief: »Chumm appä!« Katharina Gamma, 50 J. alt, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brudermord am Mörjerberg by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Brudermord am Mörjerberg

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Am Mörjerberg (Pfarrei Mörel), abwärts Ried, hat einmal ein Bruder den andern erschlagen und dann im Stadel verscharrt. Seither hat's da "g'schaffet" und "g'wütet", bis man den Mörder erwischt und hingerichtet hat. Aber auch seither ist's bei diesem Stadel noch "ung'hür" und wer nacht's da vorbei muss, der wird verhext, dass er sich verliert und die ganze Nacht irren muss, bis er etwa in ein "Killer" hinabstürzt und Hals und Bein bricht; oder, wenn's gut geht, in einem "G'fäll" erwacht, wo weder Vorwärts- noch Rückwärtsgehen mehr möglich ist. (erzählt von R. Ritz)   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Brudermord in der Belalpe by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Brudermord in der Belalpe

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Vor alter Zeit, so geht die Sage, soll die schöne, grosse und futterreiche Belalpe, im Natersberge, zwei glücklichen Brüdern angehört haben. Weil sie in der gemeinschaftlichen Abätzung oft miteinander zankten, kamen sie überein, die Alpe zu teilen; und zwar verabredeten sie, beide Brüder sollen zu gleicher Zeit von Naters abgehen, der eine rechts, der andere links hinauf und oben wieder zusammen kommen. Der Ort, wo die Brüder einander begegnen würden, solle die Mittelgrenze zwischen den zu teilenden Alpen werden. Beide machten sich so, laut Verabredung, auf die Strasse. Der Bruder, der links hinauf über Birgisch ging, handelte redlich und hielt sich am vorgezeichneten Wege fest. Nicht so der andere Bruder. Anstatt gegen Aletsch hinan zu steigen, ging er geraden Wegs hinauf in die Belalpe und verkürzte so seinen Bruder grob, dem er nun in der "tiefen Schlucht", ungefähr in der Mitte zwischen Belalp und Nessel, begegnete. So soll diese Alpgrenze gesetzt worden sein. Doch das so artige Teilen befriedigte den betrogenen Bruder nicht. Die Brüder gerieten miteinander in heftigen Streit. Angekommen beim grossen Stein in "Kapbag" — zuunterst in den Belalpmatten — prügelten sie einander so gewaltig, dass beide Brüder sterben mussten. Auf den Stein wurde die Jahreszahl 121 gesetzt, die noch zu lesen ist, und an diesen Brudermord erinnern soll. Schon die arabischen Zahlen sagen, dass 121 nicht die vollständige und richtige Jahreszahl angeben kann. — Eine andere Sage erklärt, bei diesem Steine sei ein Kaspar Eier, Bitscher, gestorben, dem ein Kreuz und die Jahreszahl in den Stein sei eingegraben worden, welche freilich nur verstümmelt noch zu Tage kommt. — Was die Alpteilung selbst betrifft, ist diese allerdings sehr unbrüderlich zu nennen. Wird aber Rücksicht genommen auf die Wintergüter, die ihr Alprecht im Nessel und in Bel, Lusgen und Aletsch haben, so schwindet das Unbillige der Teilung auch völlig dahin.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Brunnen by (Josef Müller, Sage, Uri)

Brunnen

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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 1. Der Ronabrunnen im Fellital ist gesegnet vom hl. Vater, er ist höher gesegnet als Weihwasser, behauptete der alte Felli-Tresch. 2. Auch an dem Gallibrunnen in der Langlaui im Ried hat das Volk einen mächtigen Glauben. Zur Zeit des Beulentodes männte (zog) man ein Mädchen, das man als an der Pest verstorben betrachtete, zum Friedhof. Auf dem Wege stellten die Männer vor einem Hause die Leiche ab, um darinnen noch eine Leiche zu holen. Unterdessen stand das Mädchen vom Hornschlitten auf, kroch zum Gallibrunnen hinunter, trank daraus und kam gesund und heil nach Hause. – Ein Mann, Namens Gallus, der Halsweh hatte, soll daraus getrunken und die Krankheit sofort verloren haben, daher der Namen. Diessenbrunnen heisst ein Berggut in nächster Nähe einer guten Quelle in Gurtnellen. Jos. Zgraggen; Josefa Walker. 3. Der Brunnen auf dem Brand auf der Oberalp in Ursern sei von einem Bischof geweiht worden. Ungestraft kann man zu jeder Zeit, auch in die grösste Hitze hinein, von seinem köstlichen Wasser trinken, und Schwerkranke und Sterbende von Ursern lassen sich nicht selten davon holen. 4. Ein ähnliches Brünnlein quillt auch in der Schöllenen bei der Sprenggibrücke; es sei von einem frommen Kapuziner gesegnet worden. Jos. Huber; Mich. Simmen; David Imhof u.a. 5. Zwischen Lochstafel und Jäntelboden in der Göscheneralp ist der »gesegnete Brunnen«; Pater Martin Kenel habe ihn 1804 bei seiner Abreise gesegnet, damit das Wasser dem Wanderer nicht schade. 6. Gesegnete Brunnen sind auch zu Hostetten und auf dem Glausen im Maderanertal. Heinrich Gamma; Andreas Fedier u.a. 7. Ferner in der Alp Sellenen, Maderanertal. Ein Pater ging da vorbei, trank von dem Wasser und sagte, so ein wunderbar gutes Wasser habe er noch nie gefunden, den Brunnen müsse er segnen. Das Wasser, in Flaschen abgefasst, bleibt ewiglang frisch und rein. Es ist besonders heilkräftig bei Augenweh und Augenleiden. Man muss damit die Augen waschen. Das hat sich schon oft erprobt. Heinrich Walker u.a. 8. Der Brunnen im Sywboden zu Vorfrutt, sagt man, sei gesegnet, und kranke Leute lassen sich oft Wasser daraus holen. 9. Mit besonderm Zutrauen, ja geradezu mit religiöser Andacht trinken viele Leute von dem Quellwasser, das bei der Maria Hilf-Kapelle auf dem Schrannen im Riedertal durch einen mehr als meterhohen, hohlen, oben gekrümmten Baumstamm der Erde entquillt, in einer Gegend, wo weder Stall noch Haus steht. Es sei ein besonders gesundes, g'heiliges Wasser, ja ein Trank davon sei mit Ablass oder geistigen Gnaden verbunden. Zur Kapelle wallfahrtet man gegen Eissen, Hautausschläge, unreines Blut und ähnliche Krankheiten und wirft als Opfergabe einen Riedbesen hinein. 10. Johann Prosper Isenmann, 1723–1775 Pfarrer zu Schattdorf, erzählt im alten Urbar der dortigen Pfarrkirche, es habe der päpstliche Nuntius, Dominikus Passionei, der 1725–1730 in Altdorf residierte und des Pfarrers Freund war, »das köstliche Büllenwasser (auf den Schattdorfer Bergen) in hocher Person bei der Quellen selbsten benediciert und dasselbe expresse für sich zu einer Cur bedienet.« Pfarr-Arch. Schattdorf. XIV. Neujahrsbl. v. Uri 1908, S. 33 11. Der Brunnen in den »Fleschä« auf dem Gruonberg. Drei Schlücke darf man trinken aus dem gesegneten Brunnen auf dem Schrannen im Riedertal. Frau Baumann-Albert Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brunnen in Olsberg by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Brunnen in Olsberg

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Als vor vielen Jahren in Olsberg grosser Wassermangel herrschte und Mensch und Thier an Krankheiten zu Grunde gieng, gaben die Geistlichen dem Unglauben des Volkes die Schuld und liessen täglich Busspredigten und öffentliche Gebete abhalten. Während so einmal der Kaplan am Klosteraltar die Messe las, meinte er plötzlich ein lautes Rauschen und Sprudeln um sich zu vernehmen; die Ministranten eilten betroffen hinter den Altar, als den Ort, woher jener Lärm drang, und sahen mit allgemeiner Freude, wie ein vorher hier nie gewesenes Loch im Kirchenboden voll tiefen Wassers anquoll. Man traf sogleich Anstalten, die Quelle zu sammeln und leitete sie so gut, dass seither die Olsberger gegen ähnliche Noth geschützt blieben. Jenes Loch ist noch immer zu sehen unter dem Altar der Kirche; nicht weit davon, so erzählt Sebast. Münster in seiner Cosmographen (Basel 1567, pag. 588), ist des frommen Mannes Grab. „Es wirt noch für heilig gehalten bei den Umbgesessnen.“ Er hiess Gottfried und lebte 1339 zur Zeit, da Elsbet von Eptingen Abtissin dieses Klosters war. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 29 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brunnen zu Waldhäusern by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Brunnen zu Waldhäusern

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Mitten im Dorfe Waldhäusern, eine halbe Stunde vom Städtchen Bremgarten entfernt, liegt am Kreuzwege ein ziemlich regelmässig gethürmter Steinhaufen, von Brombeerstauden überwachsen und von Rasen eingefasst. Schon seine reinliche Art fällt gleich auf, wenn auch nicht das grosse steinerne Kreuz bedeutsam daneben stände. Bald sieht man aber unter der grössten Platte, auf welcher ein Theil des Gewölbes liegt, ein Loch in die Tiefe gehen, und fühlt sich daraus heftig und kalt regelmässig angeblasen, so oft eben die Witterung umschlagen will. So kommen denn alle Leute des Dorfes hieher zum ausgemachten Wetterpropheten, halten die Hand vor die Oeffnung und haben sich für Korn- und Heuernte beste Witterung stets richtig vorausgesagt, wenn es hier nicht bläst. Sie sagen, hier sei ursprünglich der Sodbrunnen des Dorfes gewesen, bis einst eine Bettelfrau zur heissen Erntezeit ins Dorf kam und die reichen Leute um ein Almosen gebeten habe. Nicht einmal einen Trunk Milch oder Most gab man ihr. Da warf sie aus Rache Quecksilber in den Brunnen, das auch jetzt noch immer tiefer und weiter hinabdringe, das Wasser wegzehre und die innere Höhle vergrössere. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Brunnenstubensage by (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

Brunnenstubensage

Source: (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

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Mitten im Mühlental befand sich während Jahrhunderten eine Brunnenstube. Die Sage erzählte, dass aus ihr die Neugeborenen geholt würden, und im Laufe der Zeit wurde die Quelle geradezu zum «Kinderbrunnen». Friedrich Hurter berichtet einmal: «Pfingstmontag war der einzige Tag, an dem die Brunnenstube offenstand und das Innere gezeigt wurde, zu welcher vornehmlich die Kinder zogen, um an hineingelegten Puppen sich zu überzeugen, dass alle Neugeborenen aus dieser aufgefangen würden.» Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es üblich, beim Vorbeigehen an der Brunnenstube ihre (mit Ausnahme des Pfingstmontags) stets verschlossene Türe mit Steinen zu bewerfen und auf den Widerhall zu hören. Man wollte die schlafenden Kinder wecken oder den Steinwurf mit dem Wunsche begleiten, entweder ein Brüderchen oder ein Schwesterchen zu erhalten. Die alte, eiserne Türe zeigte denn auch deutliche Spuren dieses einstigen, kontinuierlichen Bombardements. (Schaffhausen)     Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Buetin by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Sage, Graubünden)

Buetin

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Sage, Graubünden)

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Buetin war ein Bub, der schon zur Schule ging. Doch um ins Dorf zu kommen, musste er ein rechtes Stück durch einen Wald marschieren; und bis er am Ziel war, hatte er einen Heisshunger. Er bettelte dann seiner Mutter ein paar Blutzger ab, um sich etwas zu kaufen. Und wenn sie gerade welche hatte, so gab die Mutter sie ihm, sonst sagte sie: «Geh in den Stall hinunter, beim Ausmisten springen manchmal dem Vater ein paar rote Rappen aus dem Sack und rollen davon, und wenn du die findest, so kannst du sie nehmen und dir davon Feigen und Nüsse kaufen.» Als er nun eines schönen Tages durch den Wald ging und an seinen Feigen kaute, begegnete ihm ein Bär. «Buetin, Buetin», sprach der, «gib mir eine kleine Feige, sonst packe und fresse ich dich!» Buetin streckte sofort seine Hand hin, um ihm eine Feige zu geben, doch der Bär packte ihn am Ärmel und schleifte ihn bis zum Stazer Wald hinauf, wo er in einer Hütte wohnte. «Jetzt gehst du Wasser holen und füllst den grossen Kessel!» befahl der grobe Bär und brüllte zur Tür hinein: «Alte, Weib, mach Feuer unter dem Kessel, denn wir fressen heute Abend den Buetin!» Unserm armen Buetin brach der kalte Schweiss aus, als er das hörte. Trotzdem dachte er, es sei besser zu gehorchen und schleppte schön brav Wasser, bis der Kessel voll war. Doch unterdessen hatte er sich überlegt, wenn es ihm gelänge, aufs Dach zu steigen, dann würde er dort in Sicherheit sein. Und er beigte alles aufeinander, was er in der Küche fand, und schaffte es wirklich, bis nach oben aufs Dach zu kraxeln. Nun zeigte der Riesenbär sich wieder und fragte: «O sag nur, was machst du dort oben?» - «Oh, ich schau nur ein bisschen herum, man hat eine prächtige Aussicht, von hier aus sieht man alles, was im Dorf geschieht», antwortete Buetin. «Ich will auch aufs Dach, wie bist du hinaufgekommen?» fragte der Bär. «Ich habe alle Pfannen und Töpfe, die ich gefunden habe, aufeinandergelegt, und dann ist es mit Hilfe dieser Eisenstange ganz gut gegangen», sagte Buetin. Und der Bär machte sich sofort daran, Pfannen, kleine Kochkessel, Hafen und Eimer zu türmen, und er konnte sich ein gutes Stück hochhangeln. Doch als er fast zuoberst war, da, auf einmal – holterdiepolter – Bär und Pfannen und Kochkessel rollten über den Boden, denn das spitze Eisen hatte sich so unglücklich in den Bauch gebohrt, dass die Därme herausquollen. Und bald war der Bär mausetot. Buetin fackelte nicht mehr lange; so schnell ihn die Beine trugen, rannte er in grossen Sätzen heim, um den Seinen zu erzählen, wie es ihm gegangen war. Dass der grosse Bär jetzt nicht mehr zu fürchten war, dass er mausetot in voller Länge gleich vor dem Haustor lag. Sein Vater brach sofort mit Buetin Richtung Stazer Wald auf. Sie fanden dort den Bären, zogen ihm das Fell ab, und es gab daraus verschiedene gute Braten. Und so gut hatte es ihnen da oben gefallen, dass sie sich im Stazer Wald oben ansiedelten und glücklich und zufrieden droben lebten, und - wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch. (Oberengadin)   Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bühl-Anneli auf Spillberg bei Ragaz by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Bühl-Anneli auf Spillberg bei Ragaz

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Bei den Schlossruinen von Spillberg soll von Zeit zu Zeit ein Geist umgegangen sein, den die Umwohner das Bühl-Anneli nannten. Eine in der Nähe wohnende Frau wollte es bedünken, dass im Herbste, wenn sie morgens am Fusse des Hügels, auf welchem die Reste des Schlosses moderten, das von den Bäumen gefallene Obst auflesen wollte, ihr schon zu öftern Malen jemand zuvorgekommen sei; denn sie erwartete, mehr Obst zu finden, als sie antraf. Daher nahm sie sich vor, einmal recht frühzeitig zu gehen, um den Dieb zu sehen. Und wirklich, als sie am nächsten Morgen sehr frühe unter die Bäume zog, sah sie eine Frauensperson sehr eifrig mit Auflesen beschäftigt, welche bei ihrem Näherkommen sich gegen die Ruine hin entfernte, jauchzend und rufend: "Juchhe, lies uf! Juchhe, lies uf!" Sie verschwand in dem Gemäuer. Das war das Bühl-Anneli. Die Frau ging nicht mehr so früh unter die Bäume, Unglück fürchtend, wenn sie das Anneli nicht gewähren liesse; denn es sei der Alten nicht zu trauen gewesen, wenn sie erzürnt worden. Auch ein Jäger, der früh auf die Jagd ging, um in der Nähe der Burg Füchsen aufzulauern, konnte keinen derselben erlegen; denn wenn er den Fuchs sah und auf ihn anlegte, bekam die Flinte von unsichtbarer Hand einen Schlag, dass er das Tier nicht traf. Auch das war das Bühl-Anneli, welches das Wild in seinem Revier beschützte. I. Natsch.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 200, S. 97f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Burg Nidberg by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Burg Nidberg

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Auch vom Schloss Nidberg erzählt man, das Volk habe dem darauf hausenden Zwingherrn nicht beikommen können, bis sich eine Burgmagd bereden liess, ein Zeichen zu geben, wenn er schlafe. Als sie ihm im Haar kraulte (die Sage lässt sie noch praktischern Dienst tun), gab sie aus dem Fenster ein Zeichen, und er sei von einem dem Schlosse gegenüberliegenden Hügel mit einem Pfeile erschossen worden. Dr. Henne-Am Rhyn, Deutsche Volkssage. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 251, S. 128 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Burg Rächberg. Dreibrunnen by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Burg Rächberg. Dreibrunnen

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Ob Bronschhofen, auf der Anhöhe, die jetzt noch Burstel (Burgstall) heisst, stand einst eine Burg. Von den Mauern und Graben sind noch spärliche Überreste zu sehen. Hier wohnten die Edeln von Rächberg. Sie waren Bürger von Wil. Vor wenigen Jahren noch sah ich einen Grabstein derselben neben dem hintern Eingang der Kirche zu St. Peter eingemauert. Eine moderne Barbarei liess ihn verschwinden. Von der Burg selbst sah Georg Renner um 1680 noch einige Trümmer. Am Fusse dieser Burg führte zur Zeit, als die Ritter sie noch bewohnten und häufig genug ihre geräuschvollen Tafelfreuden in das Tal rauschen liessen, eine Mathilde von Bronschhofen das stille Leben einer Klausnerin. Welch ein Gegensatz! Wie bezeichnend für jene Zeit! Wie häufig mögen die Klänge der Laute und der Becher, der Hörner und des Kampfes ihre Gebete gestört haben; wie häufig mag aber auch ihre Andacht wieder zum Totenlager und Sarge eines jener Ritter erfleht und geholt worden sein. Mathilde stiftete eine Jahrzeit in der Kirche zu Wil. Dreibrunnen, wie es jetzt genannt wird, hiess ehemals Tiefenbrunnen (Tüwinbrunnen) oder abgekürzt "Tübrunnen", wie es auch gegenwärtig noch im Volksmunde tönt, im Gegensatz zur Schriftsprache. Es war ein Ketnhof der Grafen von Toggenburg, die auf diesem für die Bewohner ihrer vielen umliegenden Güter eine Kirche bauten, und die daher die Kirchherren von Dreibrunnen waren. Damals muss der Ort einen eigentlichen Weiler gebildet haben; jetzt ist es ein einziger Bauernhof mit nur einem Wohngebäude. — Welchem Wiler meines und noch höhern Alters ist der Name Dreibrunnen nicht ein süsser Klang aus seiner frommen Jugendzeit? Wer erinnert sich nicht gerne jener Stunden, die er dort zubrachte, sei es, dass ihn die Nachfeier des ersten Abendmahlgenusses oder der Bittgang in der Kreuzwoche oder die Hand der betenden und wallfahrtenden Mutter sonntags dorthinführte, dorthin zu dem Kirchlein auf dem sanften Hügel, sich spiegelnd in den Gewässern zweier Teiche, auf welchen wogendes Schilf seine Kolben neigte und die umsäumenden Tannen ihre Schatten niederlegten. Welche Geheimnisse deckten die Wellen dieser Weiher nicht sonst noch! Waren sie doch nicht bloss die Behälter der Fische, sondern das heilige Gefäss, in dem die Mutter Gottes die noch nicht zum Leben gekommenen Kinder bewachte und bewahrte und den eifrig flehenden Müttern hie und da verabfolgte. Mancher Knabe wollte bei hellem Wasserstande die klaren, blauen Äuglein eines künftigen Brüderchens oder Schwesterchens ganz deutlich aus dem Grunde heraufblinzeln gesehen haben! Jetzt sind sie verschwunden und mit ihnen auch jener herrliche Buchwald gegen Westen, der dem Alter die Ruhebänke, den Männern Kegelspiel und Stutzerlust, Trunk und Sang bot, der die spielende Jugend beiderlei Geschlechts als fröhlicher Tummelplatz aufnahm, und dessen majestätische Stämme, dessen helle und freundliche Schatten über die Gemüter jeder Altersstufe dichterische Weihe oder gemütliche Gefühle goss und von der Stimme glücklicher Menschen und dem Gesänge und Gezwitscher fröhlicher Vögel in gemeinsamem Liederkranze oft widerhallte. Die Teiche und ihre Mythe sind verschwunden; eine furchtbare Nüchternheit ist an ihre Stelle getreten, aus ihrem Grunde strecken keine Kinder ihre Ärmchen dem Lichte sehnsuchtvoll entgegen. Der „Turbengräber" enthebt diesem Boden mit seiner Schaufel die abgemessene Torfschicht; der Axt und der traurigen Rente einiger Gulden wurde der Buchen-Hain geopfert, und mit seiner ganzen Kahlheit klagt der Hügel die Leere dichterischer Gefühle damaliger Behörden an. Nur der Glaube an die Wundertätigkeit des dortigen Muttergottesbildes ist noch beim Landvolke geblieben und zieht wenigstens noch diese Scharen an schönen Sonntagen zu der sonst so gefeierten Stätte. Nach C. G. I. Sailer. Maria, die Mutter Gottes, ist an die Stelle der Göttermutter Holda oder Holle getreten, die nach dem Glauben unserer heidnischen Vorfahren in dem tiefen Brunnen die Seelen der ungeborenen Kinder bewacht und pflegt.                       Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 489, S. 287 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Burg Starkenstein by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Burg Starkenstein

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Der letzte Zwingherr auf Schloss Starkenstein wurde von einem nahen Verwandten besucht, und es ward beschlossen, eine grossartige Jagd nach der gegenüberliegenden Neuenalp zu unternehmen, wo es dazumal Gemsen, Rehe und Hirsche die Menge gab. An einem heitern Sommermorgen ertönten die Hörner zur Jagd. Die Jäger rüsteten sich, und die Knechte fütterten die Rosse und die Hunde. Bald erschien der Schlossvogt, neben ihm der Vetter, hinter beiden ihre Begleiter. Die Jäger schwangen sich auf ihre Rosse und ritten im Galopp davon. Die Hunde wurden losgelassen, und bald verriet ihr Gebell, dass sie das Wild aufgespürt hatten. Der Vogt war mit einigen seiner Bedienten vorausgeritten bis in den sogenannten "Neuenalp Stoffel". Hier sah er die schönste Sennerin weit und breit, die mit silberheller Stimme den Kuhreihen sang und von Zeit zu Zeit in ihr Alphorn blies. Ihr blondes Haar, ihre rosigen Wangen, ihre schlanke Gestalt und ihr ungezwungenes Wesen erweckten in dem Vogt das Gelüste, sie zu stehlen und mit sich auf das Schloss zu bringen. Er getraute sich aber nicht, es gleich offen zu tun, sondern dachte auf eine List. Der Vogt fragte, ob sie für ihn und seine Leute nicht ein Frühstück bereiten würde. Arglos ging sie mit den Gästen in die Hütte, wo der Bruder mit dem Einbinden der Kühe beschäftigt war. Ein einfaches Essen war bald bereitet. Während man es fröhlich verzehrte, bat einer der Herren gar artig, es möchte der Bruder des Mädchens ihm doch einen Trunk frischen Wassers bringen. Wie dieser den Eimer bei der Quelle füllt, vernimmt er einen dumpfen Schrei, und zu seinem Schrecken wird er gewahr, wie man seine Schwester zu Pferde setzt und alsogleich in möglichster Hast den Berg hinuntergaloppiert. Da eilt er zu seinen Nachbarn, und augenblicklich ist eine Schar kecker Burschen mit Sensen, Gabeln und Arten den Räubern auf den Fersen. Holz und Steine stiegen auf die freche Rotte; die Pferde werden scheu und stürzen; nur der Vogt mit zwei Knappen kommt mit heiler Haut davon. Allein wie ein Lauffeuer kam die Geschichte vom Mädchenraub ins Tal und dort von Haus zu Haus. Alles, was sich wehren konnte, bewaffnete sich und zog gegen die Burg, um sie niederzureissen und den Vogt seines Frevels wegen zu strafen. Wie der Burgherr zum ersten Laufgraben kommt, fällt ihm ein Weib in die Zügel des Pferdes, und im gleichen Augenblicke wird er von einem Pfeile getroffen, dass er tot vom Rosse sinkt. Nach der Sage hätte der Schütze in der dem Schlossplatz gegenüberliegenden Weid Iltishag gestanden und von dort sein Geschoss in des Frevlers Brust gejagt. Ein Meisterschuss! Denn die Entfernung muss wenigstens 400 bis 500 Schritte betragen haben. Die junge Sennerin sprang vom Pferde und umschlang ihre Mutter; denn diese war ihre Retterin gewesen. Der Schütze soll in einem Gebüsch auf den Vogt gelauert haben, ohne von dem Mädchen etwas zu wissen. Nun galt es der Burg. Die Ritter und Diener, die drinnen waren, ergaben sich auf Gnade. Nachher wurde das Nest geplündert, und bald darauf verkündeten die lichterlohen Flammen dem Tale die Freiheit. Seitdem solches geschehen, soll der Geist des Vogtes in Gestalt eines Pudels sein Geld bewachen. Eine goldene Kette halte das Ungeheuer gefangen, und wer es von seinen Banden erlöst, erhält die Verborgenen Kostbarkeiten. Oft nehme er auch Menschengestalt an; dann jammere er und verfluche seine Diener, die ihm zu so vielem Bösen geraten und geholfen hätten. Vorübergehende Reisende soll er angeredet und ihnen Geld zugeworfen haben in der Hoffnung, man werde ihn befreien. Mancher gelüstete schon nach jenem Schatze. Alles aber, was bisher versucht worden, half nichts; denn der Unglückselige soll in seinen letzten Zügen noch seine ganze Habe in die Luft geschworen haben, also dass sie nicht im tiefen Grunde liegt, sondern unsichtbar für gewöhnliche Menschenkinder hoch über dem Erdboden. Nachts in der zwölften Stunde, vorzugsweise in der Christnacht, kommen auch die Knappen mit der schönen Lise den Neuenalp-Bach herabgefahren unter schrecklichem Windesgeheul im Buchen- und Tannengewipfel. Sobald sie an die Thur gelangen, beginnen sie ein entsetzliches Geschrei und setzen es fort durch die ganze Nacht bis zum ersten Hahnenruf. So wollen's viele Väter und Grossväter, als sie noch jung gewesen, bei stürmischem Wetter gehört haben. Schauderhaft soll das Gelärm zu ihren Ohren und Herzen gedrungen sein. In neueren Zeiten scheint es, dass Gold und Silber in den Lüften verschwunden und die Burggeister zur ewigen Ruhe gekommen wären; denn heute wird an jener Stelle nur noch das Rauschen der Wasser und das Sausen und Brausen der Winde gehört. Durch Fritz Grob. *** Bei den Trümmern der Burg Starkenstein macht zu gewissen Zeiten der grosse Schlosshund immer noch die Runde, es ist der tyrannische Schlossherr, der ein Bauernmädchen entführte und der dafür in der Fensternische seiner Burg von einem Pfeil durchbohrt wurde. Seinen Leichnam haben die erzürnten Bauern in die Thur geworfen. H. Brunner. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 422, S. 248 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Burgau. Pestilenz by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Burgau. Pestilenz

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Hier regierte die Pest heftig; sie begann und endigte im untersten Haus, welches so verpestet war, dass ein Stecken, den man zum Fenster hineinhielt, sogleich schwarz wurde. Man hatte einen Karren und ein "Fuchsli" und führte fast alle Tage Leichen nach Oberglatt, Bei der Glatthalden hielt man jedesmal still und betete. Schaute unterdessen das "Fuchsli" zurück, so musste man jedesmal am andern Tag wieder einen Karren voll Leichen fortführen; schaute aber das Rösslein nicht zurück, so hatte man ein oder zwei Tage Ruhe. N. Senn, Tagebuch. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 479, S. 282 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bürgermeister Stüssi und die Uznacher by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Bürgermeister Stüssi und die Uznacher

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Bürgermeister Stüssi und die Uznacher 1436 starb Graf Friedrich von Toggenburg und ward im Kloster Rüti mit Schild und Helm begraben, denn er war der letzte seine Stammes . . . Da nun seine Frau eine Witwe geworden war, kam sie nach Zürich und erneuerte ihr Burgrecht. Damit die Zürcher ihr dabei behilflich wären, schenkte sie ihnen die Grafschaft Uznach samt Städtchen und Burg und allem, was dazu gehörte. Doch behielt sie sich vor, ihre Güter wie ein Leibgeding zu nutzen, so lange sie lebe. Auf das hin ritt Bürgermeister Stüssi mit anderen Boten von Zürich und den Amtleuten der Witwe Friedrich nach Uznach und forderte die Uznacher auf, dass sie ihnen Treue schwüren im Namen der Frau von Toggenburg. Doch diese antworteten, sie könnten nicht im Namen des ganzen Landes schwören . . .  Zornig entgegnete Stüssi: „Was unterstand ir üch ze wideren? Ir und die kutlen, die ir im Buch tregend, sind unser, und das ir jetzt nüt mit güeti, das müssten ir hie nach mit gewalt tuon!“ Unverrichteter Dinge ritten die Zürcher von dannen. Des Bürgermeister Antwort löste eine so grossen Unwillen aus, dass der grösste Teil allen Übels daraus entsprang. Das Landvolk versammelte sich, um zu beraten, was zu tun sei. Etliche wollten das Burgrecht mit Zürich beibehalten . . . aber etliche schlossen sich Schwyz und Glarus an „und wollten luogen, wer inen die kutlen nemen wölt.“ Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee Nach Brennwald 2, 5 (ab Zeile 8), ins Neuhochdeutsche übertragen, mit unbedeutenden Kürzungen.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Burgfluh im Frickthal by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Burgfluh im Frickthal

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Burgfluh im Frickthal Wird unten an der Burgfluh ein Ritter auf weissem Pferd gesehen, so giebt's grossen Krieg; dasselbe weissagt man auch vom wilden Jäger Burkhard, der sich erst neulich wieder im Frickthale sehen liess. Er nimmt seinen Weg vom Sammelplatz bis zu dem Punkte, wo das Dorf Abbizüs versunken ist. Sein Kopf ist unkenntlich vor einem tief herabhängenden Hut, seine Hundemeute folgt ihm, er ruft hup-hup! und verschwindet hinter einer Scheiterbeige. Man sucht die Stelle seines Schlosses am Sennhof zu Pfarsberg (Farnsburg in Baselland). Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 197 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Burgfrau von Merenschwand by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Burgfrau von Merenschwand

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Es erhebt sich mitten im Dorf eine kegelförmige Anhöhe mit Spuren von altem Gemäuer, halb herum geht ein tiefer Graben. Der Ort heißt Burg. Hier wohnte der Vogt, der über Dorf und Umgegend herrschte. Man berichtet von ihm nur, daß er ein Tyrann gewesen sei und in einem Aufruhr der Bauern sein Leben verloren habe; seine brave Gattin hieß die Burgmutter; ihr strenger Gemahl hatte sie damals in einem Gemache eingesperrt gehalten und so mußte sie unter den Trümmern der Burg mit begraben werden. (N. Moos von Merenschwand.) Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 97 – 101 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Burggeist der Ruine Botenstein by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Burggeist der Ruine Botenstein

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Oberhalb Botenwil, einem Dorfe im Uerkheimer Thale, Bezirks Zofingen, liegen auf einem Hügel mit Gesträuch überwucherte Mauerreste, einst der Herrensitz eines gewalttätigen Vogtes. Als dieser dem Bauern von Krähenbühl ein schönes Rind frech vom Pfluge spannen wollte, erschlug ihn dieser mit der Pflugschar und ackerte ihn unter die frische Furche. Seitdem lärmt der Vogt droben auf den Trümmern. Bald fährt er in einer feurigen Kutsche den Berg hinauf, bald als eine schwefelgelb brennende Strohwelle zu Thal. Dann ändert sich jedesmal das Wetter. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 119 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Burkhardsbrunnen in Beinwil by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Burkhardsbrunnen in Beinwil

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Die Pfarre Beinwil mit einem gleichnamigen gebrochenen Burgstall, ehemals Eigenthum des Klosterstiftes Muri, liegt bei Meienberg in den freien Aemtern des Aargaus. Da wohnte der Priester Burkhard. Während er seinem geistlichen Berufe nachgieng, achteten seine Hausmägde wenig auf des Herrn Nutzen, sondern zogen ihre Gespielen und Buhlschaften zu sich herein und hielten zusammen mit Essen und Trinken ein gutes Müthlein. Da zog er sich eine Dohle auf, die ihm alles wieder sagte, was die ungetreuen Dienstmägde in seiner Abwesenheit zu thun pflegten. Deshalb pflegt man ihn mit diesem Vogel abzumalen. Die Mägde warfen das geschwätzige Thier in die Abgrube, aber auch dorten noch verrieth es sie. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Bürkli zu Uetikon by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Bürkli zu Uetikon

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Bürkli zu Uetikon Im Jahre 1200 brachte ein Mann namens Bürkli von Uetikon einen gräulichen Drachen um, weswegen von Meilen am Ostermontag eine Kreuzfahrt (Prozession) gehalten wurde. Bürkli aber blieb beim Drachen tot liegen, „wie es dem Winckelried von Unterwalden mit sim traken oder wurm ouch gangen was“. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee Schriftl. Mitteilung von P. Corrodi. Seine Quelle: „Chronik von Kaspar Suter aus Horgen in Zug, 1549.“ Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Büssende Marksteinversetzer by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Büssende Marksteinversetzer

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Kaum einige Schritte vom Habsenloch entfernt, steht ein alter Grenzstein, der die Bänne Reinach und Therwil scheidet. Dieser soll ursprünglich eine Viertelstunde weiter westlich (gegen Therwil) gestanden haben, im sogenannten Pantel. In Kriegszeiten aber hätten ihn Gescheidsmänner von Therwil an die jetzige Stelle versetzt und so die Reinacher um den schönsten Wald betrogen. Zur Strafe müssen sie nachts bei dem Steine herumwandeln und soll man da ein Teufeslgejäge (teuflisches Hin- und Her- Rennen) hören. Reinach Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Büssende Säumerseelen by (Theodor Vernaleken, Sage, Graubünden)

Büssende Säumerseelen

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Graubünden)

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Von Zeit zu Zeit trifft man in Bünden, an der Furka zwischen Ursern und Oberwallis und an andern Orten Schneeflecken, die so rot aussehen, als wenn sie mit rotem Weine getränkt wären. Man bemerkt sie nicht bloss auf der Oberfläche sondern selbst tiefer hinab. Nach der Auslegung der Landleute kommt das von den Seelen trunkliebender Säumer her, welche mit Saumrossen italienischen Wein über den Berg holen und oft durch Untreue oder Nachlässigkeit ihn aus dem Wege austropfen lassen. In den Schnee gebannt müssen die durstigen rotfarbigen Seelen jetzt büssen, und dankbar retten sie denjenigen auf gefährlichem oder verirrlichem Pfade, der ihnen einige Tropfen des Rebensaftes, nach welchem sie lechzen, mitleidig ausgiesst. Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Büssender Förster by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Büssender Förster

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Die Zunzgerhard war ehemals Basler Staatswald. Ein Basler Förster, der ein Unrecht begangen hatte, muss zur Sühne in der Hard umgehen. Hofbesitzer in der Nähe des Waldes, wie auch die Nachtwächter der Ziegelhütte, die früher dort oben stand, haben den Förster oftmals gesehen, wenn er hergeritten kam. Erst war er ein winziges Männchen, dann wuchs er beim Näherkommen ganz unheimlich an bis zu Tannengrösse. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Busskirch by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Busskirch

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Die Kirche zu Busskirch soll auf den Grundmauern eines römischen Gebäudes stehen. Hier soll nach der Sage zu Gallus Zeit sogar ein römischer Götzentempel gestanden haben. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 409, S. 236 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Castelerreiter am Hasliacker by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Castelerreiter am Hasliacker

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Der Hasliacker, auch Maienacher geheissen, gehört nunmehr in den Dorfbann von Schinznach. Es ist dorten ein stets nasses und kothiges Plätzchen, das als versegnet gilt. In gewissen Zeiten kommt vom Schlosse Castelen her bis zu diesem Platze ein Reiter auf weissem Rosse. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 196 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Catillon la Toascha, die Buckelkäthe by (C. Kohlrusch, Sage, Freiburg)

Catillon la Toascha, die Buckelkäthe

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Freiburg)

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Am südöstlichen Abhange des Gibloux, eine Verlängerung des Joratgebirges, liegen, rechts an der Strasse von Freiburg nach Bulle, die Dorfschaften Vuisternens-eu-Ogoz, Villarslod und Rueyres-St. Laurent. Im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts wurden diese Gemeinden während neun Jahren anhaltend durch Hagelwetter dermassen heimgesucht und verwüstet, dass die dasigen (verwirrten) Bewohner dem grössten Jammer und Elend wegen Mangel an Nahrungsmitteln preisgegeben waren. Wurzeln und wilde Pflaumen, welsch Bolosché genannt, waren ihre kärgliche und schlechte Nahrung. Lange wusste man nicht, welches die Ursache dieser erschrecklichen Ungewitter war; endlich entdeckte man sie durch einen Zufall. Ein Senn oder Bergmann von Villarslod gewahrte hin und wieder beim Brunnen neben dem Staffel ein buckliges Weib, welches mit einer Weidenrute und unter dem Gemurmel von unverständlichen Worten das Wasser im Troge peitschte, und sich dann eiligst in das nahe Gehölz flüchtete. Kurze Zeit nachher erhob sich vom Gipfel des Gebirges herab ein gräuliches Gewitter, mit Hagel und Schlossen (grosse Hagelkörner) begleitet, und verloren war in kurzer Zeit die saure Mühe des Landmanns; zerknickt und völlig vernichtet lagen alle Kornfelder des ganzen Geländes. Einen solchen Frevel konnte nur eine böse Hexe verrichtet haben, das war handgreiflich. Man veranstaltete sogleich eine Prozession zu dem verhängnisvollen Brunnen, um ihn zu entzaubern; allein es half nichts, und erst als man im Jahr 1731 die Hexe Catillon zu Corbières auf einem Scheiterhaufen verbrannte, konnte man zu Vuisternens, Villarslod und Rueyres wieder Frucht ernten und Brot backen, um den schreienden Hunger zu stillen. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Cenerentola by (Walter Keller, Zaubermärchen, Tessin)

Cenerentola

Source: (Walter Keller, Zaubermärchen, Tessin)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 510

Es war einmal ein armes Mädchen von fast überirdischer Schönheit. Doch hatte es das grosse Unglück, seine gute Mutter zu verlieren. Der Vater führte nach einiger Zeit eine neue Frau ins Haus, die jung und sehr schön war. Aber diese Stiefmutter mochte das Mädchen nicht leiden, ja sie beneidete es wegen seiner aussergewöhnlichen Schönheit. Da starb der Vater, und das Mädchen blieb mit seiner Stiefmutter und einem Diener allein zurück. Jetzt begann für das Mädchen ein Höllenleben. Die böse Stiefmutter gab ihm Schläge und warf ihm die gröbsten Schimpfwörter an den Kopf. Ja, sie fasste sogar den schrecklichen Plan, es aus der Welt zu schaffen. Sie rief deshalb ihren treuen Diener herbei und sagte zu ihm: «Francesco, nimm das Mädchen und führe es weit fort an einen Ort, von wo es den Heimweg nicht mehr finden kann, und lass es dort. Ich kann dieses widerwärtige Geschöpf nicht länger ertragen. Gehe es, wie es wolle, ich muss es auf irgendeine Weise loswerden.» Das Mädchen, das gerade in diesem Augenblick nahe an der Türe des Schlafzimmers ihrer Stiefmutter vorüberging, hörte dieses Gespräch. Voller Angst lief es aus dem Hause, begab sich zu seiner Patin, der einzigen Person, die ihm ein wenig gut war, und erzählte ihr, was es gehört hatte. Die Patin erwiderte: «Ich kann dich nicht bei mir behalten. Geh wieder nach Hause, nimm ein Säcklein, fülle es mit Kleie und säe einen feinen Strich den Weg entlang.» Getreulich befolgte das Mädchen diesen Rat. Als der Diener es mutterseelenallein im Walde verliess und sich davonmachte, brauchte es nur den Spuren der Kleie nachzugehen und konnte so den Heimweg wieder finden. Sobald die Stiefmutter das Kind wiederkehren sah, geriet sie in höchste Wut. Sie rief sogleich ihren Diener und befahl ihm, das Mädchen an einen noch weiter entfernten Ort fortzuführen, wo die wilden Tiere es sogleich fressen würden. Das Mädchen aber hörte wiederum alles und ging nochmals zu seiner Patin, um sich mit ihr zu beraten. Die gab ihr einen großen Knäuel starken Faden und sagte ihr: «Sobald du in den Wald kommst, binde den Anfang des Fadens geschwind und fest an einen Baum und lass ihn auf dem Wege sich abrollen. Der Faden wird lang genug sein, denn der ganze Knäuel enthält viele tausend Meter. Und wenn man dich dann allein lässt, so brauchst du nur den Faden wieder aufzuwickeln. Dann wird es dir ein leichtes sein, wieder heimzukehren. » Das Mädchen befolgte genau den Rat der guten Patin. Der Diener führte es diesmal weit, weit fort, und zwar auf einem ganz anderen Weg als das erste Mal. Dann liess er es ganz allein in der Waldeinsamkeit, ohne nur ein Wort mit ihm zu sprechen. Aber das Mädchen brauchte nur dem Faden nachzulaufen und ihn aufzuwickeln und kam so abermals nach Hause. Da geriet die Stiefmutter neuerdings in Zorn. Sie fluchte und schalt das arme Kind und erteilte dem Knecht abermals den Befehl, es noch viel, viel weiter in die Wildnis zu führen. Auch diesmal lief es wieder zur Patin, und diese gab ihm den Rat, sie solle einen kleinen Sack Salz mitnehmen und es überall streuen, wo sie durchkämen. Das Mädchen tat, wie ihm geheissen; aber die Schafe, die im Walde weideten, frassen das Salz. Da gab sich das arme Mädchen für unrettbar verloren und hub an zu weinen wie ein kleines Kind. Dann aber kam ihm plötzlich eine Eingebung, und es sagte laut vor sich hin: «Meine gute Patin hat mir einmal erzählt, dass die Wälder der bevorzugte Aufenthalt der wohltätigen Feen seien, welche dem verirrten Wanderer zu Hilfe kämen. 0 freundliche Bewohnerinnen dieses Waldesgrüns, erhört meine inbrünstige Bitte. Kommt mir zu Hilfe und lasst mich nicht allein in dieser Wildnis!» Nicht lange darauf erschien ein altes, runzliges Mütterchen, ganz mager und gebückt. Das überreichte ihr ein Rütchen und sagte zu ihr: «Mit dieser Rute wirst du alles bekommen, was du wünschest.»  Und ehe das Mädchen der a1ten Frau danken konnte, war sie zwischen den Bäumen verschwunden. Jetzt begann das arme Geschöpf neuerdings umherzuirren, um den Weg aus dem riesigen Walde zu finden. Wenn es nun Hunger verspürte, so brauchte es nur mit dem Rütchen auf den Boden zu schlagen, so erschienen die feinsten Esswaren verschiedener Art, und es konnte sich satt essen. Aber bald war die Kleine der Einsamkeit überdrüssig und wünschte sehnlichst, wieder einmal einen Menschen zu sehen, mit dem sie einige Worte reden konnte, um ihr Leben weniger traurig zu verbringen. Eines Tages gelangte sie zu einem prächtigen Königspalast, der auf einem anmutigen Hügel lag. Sie trat ein und bot ihre Dienste an. Die Königin, eine sehr schöne und artige Frau, bezaubert von der seltenen Schönheit des Mädchens, nahm es auf. Es wurde zu den Dienern der königlichen Küche geschickt und hatte besonders in den Vorratskammern zu tun. Es musste auch Holz herbeiholen, die Asche sammeln und forttragen, weshalb man ihm den Namen Cenerentola oder Aschenbrödel gab. Am Hofe hatte man schon seit einiger Zeit den Plan gefasst, den jungen König, der ein sehr freundlicher Mann von fünfundzwanzig Jahren war, zu verheiraten. Deshalb hatte man öffentlich drei grossartige Hoffeste mit Ball angekündigt, zu welchem die schönsten Mädchen des Reiches eingeladen waren. Unter ihnen sollte der Prinz seine künftige Gemahlin auswählen. Es kam der erste Tag der ersehnten Festlichkeiten. Schon hatte sich der König sein Galakleid angezogen. Er setzte sich ans Kamin in der Küche und sagte, indessen er sich am Feuer wärmte: «Cenerentola, gib mir die Feuerzange.» Und das Mädchen sprach: «Prinz, darf ich nicht auch an den Ball kommen?» - «Man sollte dir die Feuerzange um den Kopf schlagen», gab er unwirsch zur Antwort, und tat, wie wenn er sie schlagen wollte. Er ließ es aber dann bleiben und begab sich zum Fest. Cenerentola tat, wie wenn sie zu Bette ginge. Kaum war sie jedoch allein in ihrem Schlafkämmerlein, so schlug sie mit ihrer Rute auf den Boden und wünschte sich ein Ballkleid. Und auf der Stelle lag auf dem Tisch ein wunderbares Kleid aus himmelblauer Seide, reich geschmückt mit kostbaren Perlen, eine schöner als die andere. Sie zog das Kleid an, stieg die Treppen hinunter und ging aus dem Palast. Draussen fand sie eine prachtvolle Karosse, von zwei schneeweissen Pferden gezogen. Sie stieg hinein und liess sich zu dem Saale führen, wo der grosse Hofball abgehalten werden sollte. Und als sie eintrat, erweckte sie die Bewunderung aller Gäste. Sie war ohne Zweifel die Schönste. Der Prinz tanzte mit ihr und fragte sie, wer sie sei. Und Cenerentola gab zur Antwort: «Bin weder schläfrig noch wache ich, fast traf die Feuerzange mich.»  Unter den Tänzerinnen erblickte Cenerentola auch zu ihrem grossen Erstaunen ihre verwünschte Stiefmutter, die in Seide und Samt gekleidet war. Schon war der Ball beinahe zu Ende, als das junge Mädchen verschwand, ohne dass es irgend jemand beachtet hätte. Es stieg wieder in die feine Kutsche und fuhr zum Schloss zurück. Als der Prinz vom Ball heimkehrte, legte er sich zur Ruhe. Er konnte aber nicht schlafen, denn es schwebte ihm immer die geheimnisvolle Erscheinung der Tänzerin vor Augen. Er dachte auch an die Worte, die sie gesprochen hatte, und deren Sinn er nicht verstehen konnte. Am Abend des folgenden Tages begab sich der König, ehe er wieder zum Hofball ging, abermals in die Küche, um sich am Kaminfeuer zu wärmen. «Cenerentola» sagte er, «gib mir die Feuerschaufel.» «Erlaubt mir doch, Hoheit, dass ich auch an den Hofball komme.» «Lieber schlage ich dir die Schaufel an den Kopf», sagte er grob und tat, wie wenn er sie schlagen wollte. Dann ging er weg. Aber kaum war er fort, so zog sich Cenerentola heimlich in ihr Kämmerlein zurück und schlug mit ihrem Rütchen auf den Boden. Und siehe, da lag ein herrliches Kleid aus meergrüner Seide für sie bereit. Sie zog es an, ging aus dem Schlosshof, stieg in die Kutsche und begab sich zum Hofball. Als Cenerentola in den prächtigen Spiegelsaal trat, erweckte sie allgemeine Bewunderung. Der Prinz tanzte fast nur mit ihr, versicherte, er wolle sie zu seiner Braut machen und fragte sie nach ihrem Namen. Und sie gab ihm zur Antwort: «Mit einer Schaufel drohte man mir, als Königin des Festes bin ich hier.»   Auch heute erblickte das Mädchen wiederum ihre grausame Stiefmutter, welche immer und immer wieder zu ihr hinüberschaute und sie mit neidischen Augen betrachtete. Der Prinz aber erinnerte sich jetzt der Worte, die er in seinem Schloss zum Küchenmädchen Cenerentola gesprochen hatte, und er passte genau auf, dass ihm die bezaubernd schöne Tänzerin nicht neuerdings entfliehe. Aber während er einige freundliche Worte mit einem jungen Baron plauderte, verschwand das Mädchen, stieg in die goldene Kutsche und kehrte ins Schloss zurück. Dort wechselte Cenerentola in ihrem Kämmerchen sogleich die Kleider und ging wieder unauffällig in die Küche, wo sie ihre geringen Arbeiten verrichtete. Am dritten und letzten Ballabend wiederholte sich das nämliche. Der Prinz aber fühlte darüber solchen Schmerz, dass er krank wurde. Eines Tages begab sich die Königin-Mutter in die Küche und beauftragte dort Cenerentola, sie solle eine gute Suppe zubereiten und sie dem Kranken bringen. Als die Suppe bereit war, ging Cenerentola schnell in ihre Kammer, berührte sich mit ihrer Zaubergerte und gleich darauf war sie mit einem wundervollen Seidenkleid in heller Silberfarbe strahlend wie der Mond gekleidet. Dieses war geschmückt mit kostbaren Diamanten. In diesem feinen Kleid trat sie vor den Kranken und überreichte ihm die Suppe. Der Prinz, von ihrer beinahe überirdischen Schönheit getroffen, setzte sich im Bett auf und rief ausser sich vor Freude: «Du wunderschöne Fee, sag mir, wer bist du?» «Bevor ich dir darüber Antwort gehe, will ich von dir das ausdrückliche Versprechen, dass du mich zur Frau nehmest», erwiderte Cenerentola, «Ich schwöre es dir beim Haupte meiner Mutter, der Königin!» «Nun gut, 0 Prinz, so wisse, dass ich deine Cenerentola, das Aschenputtelchen bin, jene, die du eines Abends mit der Feuerzange und nachher mit der Schaufel schlagen wolltest.» «Du bist es, Cenerentola? Dann bitte ich dich tausendmal um Verzeihung für das Unrecht, das ich dir angetan habe. Du sollst Königin werden.» Die unbeschreibliche Freude, die der Prinz jetzt hatte, war die Ursache, dass er bald wieder genas. Nun wurden augenblicklich die Vorbereitungen getroffen. Zum prächtigen Festmahl wurden auch alle Schönheiten des Königreiches eingeladen, die früher am Hofball anwesend waren. Die Braut, noch ganz gerührt, erzählte dem Prinzen alles, was sie durch ihre herzlose Stiefmutter hatte leiden müssen, die über ihre Schönheit so neidisch gewesen war. Schon war das glänzende Hochzeitsmahl beinahe zu Ende, und die Fröhlichkeit hatte ihren Höhepunkt erreicht, als der junge Fürst sich erhob. Indem er sich an seine ersten Minister wandte, legte er ihnen mit laut hörbarer Stimme, so dass man es im ganzen Festsaal vernehmen konnte, die folgende Frage vor: «Sagt mir, we1ches Urteil würdet ihr aussprechen gegen eine Mutter, die dreimal nacheinander durch ihren eigenen Diener ihre Tochter in einen unermesslich großen Wald führen ließ, um sie loszuwerden, damit sie dort von den Wölfen gefressen würde, nur aus dem einzigen Grund, weil das Mädchen schöner war als sie?» Da erhob sich unter den Gästen ein Gemurmel des Schauderns und Entsetzens. «Ich, königliche Hoheit,»  antwortete ehrerbietig ein Minister, «ich würde eine solche Frau erwürgen.» «Nein», rief die Braut, erschreckt darüber, «tötet sie nicht! Schickt sie lieber in die königliche Küche, wo sie meine Stelle als Aschenbrödel einnehmen soll.» Und so geschah es. Die böse Stiefmutter musste den Festsaal mit Schimpf und Schande verlassen. Die glückliche Braut aber lebte hernach mit ihrem geliebten Mann viele, viele Jahre bis ins hohe Alter. Gott schenkte ihnen drei schöne Knaben und zwei reizende Mädchen und zeigte ihnen damit, dass er die Tugend belohnt und die Schlechtigkeit bestraft. Breit ist das Blatt, schmal ist der Weg, erzählt ihr nun eure Geschichten, wie ich die meine tät berichten.   Quelle: Walter Keller,  Tessiner Sagen und Volksmärchen, Edition Olms AG Zürich, erzählt in Campestro von Silvio Savi, 1926 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chämi üff by (Josef Müller, Sage, Uri)

Chämi üff

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a) Ein Schneider, der bei zwei Jungfern auf der Stör war, passte ihnen auf und machte es ihnen nach, sagte aber: »Obä-n-üss und dur alls har a.« Nach langer Irrfahrt kam er auf seiner Schindel in ein Waldhäuschen ... Als die Herrlichkeit verschwunden war, hatten sich die Speisen in Rossbollen verwandelt. Fr. Gamma-Zgraggen, 40 Jahre alt, Silenen b) Zwei Burschen, die zu einem Maitli z'Stubeten gingen. Der eine Bursche sagte wie die zwei Hexen: »Dur ds Chämi üff und abb und niänä-n-a.« Der andere: »Dur ds Chämi üff und abb und dur alls har a.« Der syg niä meh z'erfragä gsy. – Als der eine Bursche im Saale erschien, syget diä Mäitli erschmyet. Är häig alli kännt und sy ihnä etc. Katharina Gamma, 50 Jahre alt, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chämi üff und niänä-n-a by (Josef Müller, Sage, Uri)

Chämi üff und niänä-n-a

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Im Birchi, gleich im ersten oder zweiten Häuschen am alten Weg, wenn man von Seedorf oder Isleten her ins Isental kommt, lebten vor Zeiten zwei Jungfrauen von etwas wunderlichem Wesen. Sie besassen einen schönen Kirschbaum, den einzigen damals im ganzen Tale. Es konnte daher nicht fehlen, dass die lüsternen Talleute dann und wann bei ihnen um einige der leckern Früchte bettelten, aber selten jemand wagte es, sie zu essen, denn man traute den zwei Wybervölchern und ihrer Freigebigkeit nicht wohl. Ein junger, mutiger Bursche unternahm einmal das Wagestück und machte sich hinter das Becki voll Kirschen, das sie ihm auf dem Stubentisch aufgestellt hatten. Da, auf einmal trieb es ihn unwiderstehlich zur Stube hinaus in die Küche. Hier standen die zwei Schönen an der Herdstatt und rührten wie besessen in einem Häfelein und murmelten dazu: »Chämi üff und niänä-n-a!« Jetzt lüpfte es den Burschen und fuhr mit ihm durch's Kamin1 hinaus und hoch über alle Berge durch die Lüfte fort in unendliche Fernen, bis er endlich in einem ganz andern Weltteil im dichtesten Dornengestrüpp zu Boden kam und stecken blieb. Da stand er und wusste nicht, wo aus und ein. Zuletzt fing er an, zu beten und die Muttergottes um ihre Hilfe anzuflehen. Auf einmal stand eine schöne, weissgekleidete Frau vor ihm, zeigte mit der Hand die Richtung, die er einschlagen sollte, und verschwand wieder. Drei Tage und drei Nächte wanderte der Isentaler und erreichte schliesslich ein ihm völlig unbekanntes Kloster und klopfte an die Pforte. Freundlich wurde er aufgenommen, aber niemand kannte ihn, keiner verstand seine Sprache. Da führten sie ihn vor den Höchsten im Kloster; der sass auf einem schönen Stuhle und hatte ein grosses, mächtiges Buch auf seinen Knien aufgeschlagen. Das war das Weltbuch. Und den fragte er nach dem Wege zu seiner Heimat und erzählte, wie ihm eine schöne, weisse Frau die Richtung hieher gewiesen. Der Mönch erklärte: »Niemals, und wenn du hundert Jahre alt würdest und jeden Tag zehn Stunden wandertest, würdest du je wieder dein Vaterland erreichen, wenn ich nicht dich segnen würde.« Und er hob seine Rechte, segnete ihn und legte ihm ein geweihtes Skapulier an. Der Bursche machte sich wieder auf die Reise und gelangte nach langer Zeit in sein geliebtes Isental mit den grünen Wiesen und dunklen, würzigen Tannenwäldern. Karolina Tresch-Gisler, 80 J. alt, Seedorf Fußnoten 1 Und doch besitzt keines der beiden alten Häuser daselbst ein Kamin. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chan-i chu schlafä! by (Josef Müller, Sage, Uri)

Chan-i chu schlafä!

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Z'Obergadmä hinder Sisigä hed einisch ä Fründ zum andärä g'säit: »Wenn ich denn einisch tot bi, sä chumi-n-i zuen-d'r chu schlafä.« Und richtig. Gar nitt lang isch g'gangä, sä isch är g'storbä, und eis Abeds g'heert disä-n-epper riëffä vor'm Hus ussä: »Chan-i chu schlafä?« Und eb-är rächt het chennä sägä »Ja«, gaht d'Hustürä-n-uff, und der ander chunnt innä, chunnt i ds Stübli und leit-si zuen'm i ds Bett. Aber g'redt häiget-s' doch nüt midänand. M. Josefa Aschwanden, 75 J. alt. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chatze si luschtig by (M. Sooder, Sage, Bern)

Chatze si luschtig

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Chatze si luschtig Einisch isch e Ma z’Obe spot bim-ene Hus verbi; das isch scho sit längem lär gsi. Du ghört er eismols drinne lärme, geiht zum Flügeli, luegt ihe u gseht uf em Ofen e Hufe Chatze. Ihre Maudi isch au derbi gsi. Zmornderisch bim Mittagässe isch dr Maudi wiederume deheime gsi u dr Ma het zue-n-ihm gseit: „Maudi, dir sid nächti au luschtig gsi!“ Drufabe het dä e Satz zum Pfäischter us gno u isch nümmen umecho. Den Hexen wird, wie wir gesehen haben, die Macht zugeschrieben, sich in Tiere zu verwandeln. Wer aber das Tier verwundet, bricht den Zauber, und den Schaden, den man der Hexe zufügt, kann man nachher an der Hexe erkennen. Wenn die Hexe sich entdeckt sieht, so hütet sie sich in der Regel, ihr böses Tun weiterzuführen. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Cheesvreni, eine Hexe by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Cheesvreni, eine Hexe

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Das Cheesvreni hausierte mit Seife u. ä. und verkaufte den Stäcklibuebe (bei der Rekrutenaushebung) Sträusse. Es wurde von vielen Leuten gefürchtet; es habe das 6. Buch Mose. Wenn es «öpperem het wellen öppis Böses atue», schaute es ihm tief in die Augen und kam dann nicht mehr in das betreffende Haus. Es hat unsere 21jährige Schwester verhext. Bei einer Auseinandersetzung sagte es zu dieser, «si weller scho dradänke» und kam zu uns ins Haus – und dann nicht mehr. Da wurde die Schwester auf unerklärliche Weise krank. Jemand riet uns dringend: «Machet, dass es nonemol ins Huus chunnt; es cheem derno uf ihns zrugg!» Aber es liess sich nie mehr blicken. Die Schwester aber musste sterben. S Cheesvreni sälber het fascht nit chönne stärbe, das isch si jo nit z verwundere. Wos gstorben isch, ischs gsi, wie wenn der Tüüfel us em luegti. Liestal Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chimpettere by (M. Sooder, Sage, Bern)

Chimpettere

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Chimpettere Imene Burehus isch e Chimpettere gstorbe, u mi het se uf e Totehof treit. Scho i dr Nacht druf isch sie umecho. Vor de Pfäischtere het sie gsüfzget u gstöhnet u trurig i d’Stuben ihe gluegt. Das isch lang eso gange. Duderno het me ihrne Lüten ändtlige gseit, sie heige gwüss vergässe, ihre d’Schueh azlege. So isch es au gsi. So sölle sie jetz es Paar uf e Sinzel stelle. U wo sie das gmacht hei, isch sie nümmen umecho. Wen e Chimpettere stirbt, leit me se schwarz a. Schueh u Strümpf bingt me re guet. Kes darf ufgoh. I Sack stosst me re es Mässer. Sächs Wuche chunnt sie ume. Obe für Obe stellt me re-n-es aghaunigs Brot un e Fläsche Wi uf e Tisch; es Glas voll schänkt men i u stellt’s schön dernäbe zuehe. We me us dr Chimpetti z’Chile geiht, leit me si schwarz a. U wie dr Bruch isch, wüsset dr; we me z’erscht Mol vo Hus geiht, so geiht me äbe i d’Chile u nid an-es angers Ort; mi meint, es wär en Überträttig, we me’s angers miech. Z’Roth isch vor Johre e Chimpettere gstorbe. Dere het me d’Schnupfdrucke i Totebaum ihe to. Jo, gwüss; mi muess wäger lache; aber wohr isch es doch. Aussergewöhnliche Vorschriften schliessen sich bei den Naturvölkern an das Kindbett an; unheimliche Mächte oder böse Geister bedrohen die Kindbetterin; darum hat sie besondere Vorschriften zu erfüllen, um den ihr nachstellenden Geistern auszuweichen. Im Volksglauben spiegeln sich diese alten Vorstellungen, die auch einmal zum Inhalt des Glaubens unserer Vorfahren gehörten, deutlich wieder. Die Grabspenden, die man der Kindbetterin mitgibt‚ lassen sich nicht alle auf die gleichen Anschauungen zurückführen. Als Spenden gibt man den Toten Dinge mit, die ihnen lieb sind; darum legt man dem Mütterchen die Dose in den Sarg; es könnte sonst Sehnsucht nach dem Schnupftabak haben und heischend zurückkehren. Brot und Wein spendete man der wiederkehrenden Toten; man gab den Toten auch öfters Nahrung mit ins Grab; in Heimiswil bestand der Brauch, Verstorbenen Wein, Brot und Käse mitzugeben. Aus Wein, Brot und Käse setzt sich die „Käsgräbt“ zusammen, das einfachere Totenmahl der ärmern Leute, im Gegensatz zur „Fleischgräbt“. Im Frühling 1928 kam bei Grabarbeiten im Schiff unserer Kirche ein Tellerchen zum Vorschein, das einem mittelalterlichen Grab angehörte; es mag als Spende Nahrung für den Toten enthalten haben. Warum gibt man aber der Wöchnerin, überhaupt den Toten, Nahrung als Spende? Die Äusserungen des Glaubens sagen uns so wenig über das Wesen der Seele oder über die Art, wie der Toten gedacht wird, um bestimmte Schlüsse zu ziehen. Wahrscheinlich ist, dass man sich die Kindbetterin nicht eigentlich tot vorstellt, wie in den vorausgehenden Sagen, die alle den Glauben an das Vorhandensein einer Seele enthalten. Der Tote ist nicht tot, wie es der Seelenglauben voraussetzt; der Leichnam lebt ein eigentümliches Dasein weiter, und wenn der Tote zurückkehrt, erscheint er nicht als Geist, sondern er kommt als ein körperhaftes Wesen, das man greifen kann, als lebender Leichnam mit Fleisch und Bein. Die Vorstellung vom lebenden Leichnam dürfte nach Ranke, dessen Ausführungen ich folge, in die Anfänge menschlicher Entwicklung zurückführen und zeitlich vor den Ursprüngen der verschiedenen Vorstellungen des Seelenglaubens liegen, wie ihn die vorausgehenden Sagen enthalten. Die Grabspenden und die Vorstellung vom „lebenden Leichnam“ zeigen uns eine Quelle, aus denen sich die Totenopfer herleiten lassen. Reiche Opfer spendeten die Ägypter ihren Toten. Im Volksglauben erhielt sich die Vorstellung vom körperhaften Totengespenst nicht rein, wie sie bei Naturvölkern beobachtet werden kann. Die Vorstellungen des Seelenglaubens vermischen sich mit dieser uralten Anschauung, sodass einzelne Erscheinungen schwer zu deuten sind; aber die Vorstellung vom „lebenden Leichnam“ wirkte in Bräuchen nach bis in die heutigen Tage. Schuhe als Grabspende deuten aber sicher auf einen langen Weg, den der Tote zurücklegen muss, vielleicht auf die Reise nach dem Totenreich. Noch heute sprechen die Kinder ein Gebet, das neben christlichen Anschauungen sicher uralte, vorchristliche Bestandteile enthält: Die Wanderung, die Brücke, den Mann an der Brücke. Das Gebet lautet: „Herrgott, Röselirot, Wie lit der Möntsch i grosser Not, Wie lit der Möntsch i grosser Pin, Wie gärn möcht ig im Himel sin. Im Himel, da wär i gärn, Da kam ich über ne breite Wäg, Da kam ich über ne schmale Stäg, Da chunnt eine u wott mi abwiese‚ O nei, o nei, i la mi nid abwiese“ usw. M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chooren uf ds Dach by (M. Sooder, Sage, Bern)

Chooren uf ds Dach

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Wem ma am häiligen Aben Chooren uf ds Hüüsdach tööd, das ds Toww dri chunnd, sii d' Henni sicharra vor em Vogel. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chräämmer by (M. Sooder, Sage, Bern)

Chräämmer

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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„Haid Sorg und machid nid Chräämmer!" hed d'Möötter is Mäitlenem bbim Spinne gsäid. Chräämmer hed's gäre ggän, wem ma nid bir Sach ischd gsiin; leechtli ischd äim ds Zilli old dr Faden abbrochen um bbim Asetzen hed's e Chräämmer ggän. Wem ma Chräämer machi, chemi den äini, dee liiri sa äim um d'Hend um und zindti sa an und de verbrennen äim d'Hend. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Christelis Erlebnisse by (Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

Christelis Erlebnisse

Source: (Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

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Unten am Burgerwald liegt der Schwand. Er gehörte meinem Vater. Im Sommer hirteten wir da droben. Da hab ich meine schönsten Jugendtage verlebt. Mit den Kühen und Geissen tollte ich auf der Weide herum. Im Walde zwischen den hohen Steinblöcken baute ich Häuschen, und mit Schierlingsröhren machte ich Brünnlein. Am Rande des Baches, unter schattigen Erlen, bildete ich einen See und bevölkerte ihn mit Groppen und Forellen. Am Waldsaume gab es Himbeerstauden, die von der Last ihrer Früchte fast zu Boden hingen, und in den Lichtungen war alles blau und traubigvoll von Heidelbeeren. Da habe ich geschmaust so manches liebe Mal und Körbe und Kessel gefüllt und gesungen und gejodelt, was aus der Kehle mochte. Ja, das war eine schöne, selige Zeit. Einmal hatte ich ein seltsames Erlebnis. Ich war damals noch ein kleiner „Pfüderi“ und spielte auf der Bühne. Es war kein Heu mehr da. Aber auf dem Boden lag noch fusshoch „Blüemt“. Ich wischte mit den nackten Füssen diese Heublumen zusammen und formte damit allerlei Berge und Hügel. Auf einmal stand ein kleines Männlein neben mir. Obwohl es nicht grösser war als ich, musste es doch sehr alt sein, denn sein Gesicht war voller Runzeln und der lange Bart ganz grau. Es redete nicht, es lächelte nur und deutete mit der Hand, ich solle weiterspielen. Als ich wieder aufschaute, war das Männlein verschwunden. Mein Vater erklärte mir dann, das sei jetzt ein „Holzappeli“ gewesen. Die dürfe man nicht auslachen, sonst bekomme man einen geschwollenen Kopf. Einige Jahre später hatte ich noch ein anderes Erlebnis. Ich sollte eines Tages die Ziegen hüten. Wie gewöhnlich ging ich mit ihnen an den Bach. Da gab es Haseln und Erlen, und die Tiere naschten gerne von diesen Blättern. Unversehens gelangte ich zu meinem See und fing an Kanäle zu graben, Röhren einzulegen, den Damm zu erhöhen und Fischlein zu fangen. Ich vergass die Ziegen, vergass Zeit und Umwelt und lebte nur meinem Spiele. Erst als die Sonne sich dem Horizont zuneigte, erwachte ich aus meinem Traume und erinnerte mich meiner Aufgabe. Da musste ich mit Schrecken feststellen, dass alle meine Ziegen verschwunden waren. Ich suchte sie bachab, ich suchte sie bachauf. Vergebens. Jetzt sprang ich dem Burgerwald zu. Ich eilte über Stock und Stein von Lichtung zu Lichtung. Keine Ziegen. Ich jagte durch Farnfelder und durch Brombeergebüsch. Meine Hände und Füsse bluteten, und die Hosen waren zerrissen. Immer tiefer drang ich in den Wald hinein, rief die Tiere beim Namen und lockte sie: „Piggul – Mutta – Mägga – Giba - chom, tä - tä - tä“. Aber kein Glöcklein ertönte, kein Meckern antwortete. Nur das Echo gab meine angsterfüllten Rufe zurück. Immer weiter hetzte es mich. Schon gelangte ich in die Nähe der Kreuzfluh. Riesige Steinblöcke versperrten mir den Weg. Bald kriechend, bald kletternd suchte ich weiter zu kommen. Da strauchelte ich über eine knorrige Wurzel, stürzte ein Stück weit den Hang hinunter und blieb am Fusse eines mächtigen Felsblockes liegen. Ich schluchzte und weinte und wusste nicht mehr was beginnen. Doch auf einmal hörte ich ganz in der Nähe jemand rufen: „Du, Christeli - diner Giiss si de da.“ Ich richtete mich auf, trocknete meine Tränen ab, und ohne zu wissen mit wem ich rede, antwortete ich: „Ebe, jag mer schi ubera.“ Da fing es auf einmal an zu glünggeln und zu schellen, mit Geisseln zu klepfen und hohoho zu rufen. Jetzt kam der Piggul zwischen zwei Fluhtossen zum Vorschein, darauf das Chrideli, die Blanggeta, die Giba, die Mutta, die Mägga und alle die andern. Mit vollen Bäuchen und strotzenden Eutern umringten sie mich bald. Noch immer knallten die Peitschen und riefen die Stimmen ganz nahe bei mir. Aber ich konnte niemand sehen. Da wusste ich auf einmal, dass die Zwerglein mir die Ziegen gehütet und zurückgebracht hatten. Auf versteckten Weglein, zwischen Stöcken und Steinen hindurch, trieben sie die Tiere jetzt noch waldabwärts. Ich folgte ihnen und erreichte ohne Mühe die Weide. Hier verstummten plötzlich die Treibrufe und das Geisselknallen. Ich hätte den unsichtbaren Helfern noch sagen sollen: „Habt Dank für euere Hilfe.“ Aber in meiner Freude vergass ich es leider.   Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch


Christelis Höhle by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Christelis Höhle

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Christelis Höhle Es war in der Franzosenzeit, anno 1799. Franzosen und Russen kämpften miteinander in der Linthebene‚ und die Leute im Gebirge oben schauten dem Getümmel vom Welschenberg herab zu. Eines Morgens hatte sich ein verwundeter Offizier im Bergland verirrt. Vor dem Hause im Schindelberg war er kraftlos zusammengesunken. Die Familie Hofer, welche da haushablich war, pflegte den Soldaten, der sich Christen nannte. Aber ein missgünstiger Hirte verriet ihn beim helvetischen Kommando‚ und die Landjäger sollten ihn holen. Hofers kamen aber den Verfolgern zuvor. Sie verbargen den Verwundeten in jener Höhle in der Neurüti, die Heinrich Reiser‚ Zitmachers, in der Strahlegg sonst als Heuschopf benützte. Aber als die Späher dem Offizier wieder auf der Spur waren, verbrachten ihn Hofers in die Höhle im Schmidwaldsgubel. Später konnte er in seine Heimat entkommen. Seit jener Zeit aber heisst die Höhle in der Neurüti „Christelis Höhle“. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland Die Geschichte hörte ich erstmals um 1938 von der damals13jährigen Schülerin Selma Pfenninger, die sie von Lehrer Schaufelberger in Wernetshausen vernommen hatte. Die Erzählung geht auf den „Geissenvater“ Rüegg, ehemals in Baurenboden, zurück. - Aus derselben Zeit stammt auch die Überlieferung (ebenfalls schriftl. im Nachlass des Geissenvaters Rüegg), dass 1799 auf der Schnebelhornweid eine Weidscheuer aufgerichtet wurde. Das Toggenburg war damals von den Österreichern, das Zürichbiet von den Franzosen besetzt. Und die beiden Wachtposten auf dem Schnebelhorn‚ der Österreicher und der Franzose, halfen aufrichten und waren auch am Aufrichtemahl. - Über den Geissenvater Rüegg, 1853 - 1938, siehe Sep.-Abdr. aus der Sonntagspost des Landboten, „De Geissevatter Rüegg“ von Rud. Kägi (ohne Datum). Vergl. dazu Walter Hofmann und Richard Heer, Höhlen im Tösstal, Sep.-Abdr. aus dem „Landboten“, Winterthur 1967. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Christen Chüng von Weisstannen by (C. Kohlrusch, Sage, St. Gallen)

Christen Chüng von Weisstannen

Source: (C. Kohlrusch, Sage, St. Gallen)

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Die Sennen und Herden waren von der Alp heim, als ein Mann aus Weisstannen noch einmal hinauf musste, etwas Liegengebliebenes zu holen. Er kam, sich versäumend, spät Abends in der verlassenen Hütte an, und legte sich auf die bekannte Triel. Kaum aber hatte er das Abendgebet verrichtet, als er die Türe öffnen, kommen und reden hörte. Schwitzend wagte er zu schauen, und siehe, es wurde ein Feuer gemacht in der verlassenen Feuerstätte, der Kessel eingehängt, Mich übergetan, gekocht, gekäset und gelacht, wie gewöhnlich. Als Alles fertig war, rief's hinauf zur Triel: „Christen Chüng chumm mitis ge Schotten essen!“ – Er aber bewegte sich nicht, und schwitzte fort, bis er in Schlaf verfiel. Am Morgen war keine Spur von den nächtlichen Sennen. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Christus und der Schmied by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Christus und der Schmied

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 753

Eines Tages wanderte der Heiland mit seinen Jüngern durch ein Dorf. Und als sie eine Gasse hinaufgingen, sah er mit grossen Buchstaben über einer Schmiede geschrieben stehen: Meister aller Meister. Unser Herr bleibt stehen, liest noch einmal diese Frechheit auf dem Schild und denkt: «Diesem Aufschneider will ich wohl zeigen, wer der Meister aller Meister ist.» Gesagt, getan. Er geht mit all seinen Jüngern in die Schmiede und bittet den Meister, ihm einen Augenblick sein Feuer zu überlassen, was der Schmied sogleich tut. Der Heiland macht sich daran, den Blasebalg zu treten und lässt sich noch vom Apostel Jacobus helfen. Als ein schönes Feuer brennt, geht er hin, nimmt den Petrus, der schon ein alter Mann mit grauem Bart und grauem Haar ist, hebt ihn hoch, packt ihn an den Beinen und stösst ihn mit dem Kopf ins Feuer, wie ein Stück Hufeisen. Selbst die Jünger waren zuerst ein wenig erstaunt, doch sie kannten ihren Meister und wussten, wieso er das tat. Jacobus jedoch vergass fast, den Blasebalg zu treten, und der Heiland musste ihm ein Zeichen geben. Der Schmied war fürchterlich überrascht, als er sah, wie der arme Petrus ins Feuer gestossen wurde. Da aber niemand etwas sagte, so schwieg auch er und schaute ganz gespannt, was daraus werde. Als Petrus wirklich feuerrot war, da fasste ihn der Heiland an den Beinen, zog ihn heraus und legte ihn auf den Amboss. Dann begann er auf beiden Seiten zu hämmern, drehte ihn rundherum und liess auch noch den Apostel Andreas mit dem grossen Hammer draufschlagen. Als der Heiland glaubte, dass Petrus die richtige Form habe, so stellte er ihn wieder auf die Füsse und hauchte ihm ein wenig von seinem Atem ein. Und Petrus stand da als der schönste Jüngling, kein einziges graues Haar und Barthaar mehr, schlank und gut gewachsen, weisse und rote Wangen wie Milch und Honig. Da hättet ihr sehen müssen, was für Augen der Schmied machte! Und wie er mit offenem Munde glotzte! So etwas hatte er noch nie gesehen! Das war ein Kerl von einem Schmied! Unser Heiland genoss die Verblüffung des Schmieds, ging zu ihm hin und sagte: «Glaubst du immer noch, du seist der Meister aller Meister?» - «Nein!» antwortete der arme Schmied, «das sehe ich jetzt, dass ich das nicht bin.» - «Also!» meinte der Heiland, «so geh hinaus, nimm das Schild mit deiner Angeberei weg und bringe ein bescheideneres an.» Dann zog er mit seinen Jüngern weiter. (Unterengadin)   Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chüehli Brändi und Hund Parysi by (Josef Müller, Sage, Uri)

Chüehli Brändi und Hund Parysi

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) In Klariden hatten sich früher von Zeit zu Zeit ein schwarzes Chüehli und ein schwarzes Hündchen auf dem Eis- und Trümmerfeld gezeigt, das die verschwundene Klaridenalp bedeckt. Die Kuh hatte stets sehr bresch, aber die Strichen des Euters, die waren nicht schön! brandschwarz! Es ging eine alte Sage unter dem Volk, wenn ein Mensch imstande sei, am Karfreitag »unterm Passion« die Kuh ganz sauber bis auf den letzten Tropfen auszumelken, ohne dabei auch nur ein einziges Wörtchen zu verlieren, der könne die zwei armen Seelen erlösen, und dann werde auch die verwüstete Alp in ihrer alten Herrlichkeit erstehen. Denn das war jedermann klar, diese zwei Tiere waren niemand anders, als der hartherzige, von seiner Mutter verwünschte Senn und seine schöne Kathry. Man hörte auch von Zeit zu Zeit (oder am Karfreitag während der Passion) eine Stimme rufen: Chüehli Brändi und Hund Parysi Sollet immer und ewig i Klarydä sy. Nun wagte es einmal ein Beherzter und fand sich zur Stunde in Klariden ein. Die Kuh stellte sich ihm. Schon hatte er sie fast vollständig ausgemolken und freute sich des Gelingens. Da kam ein schwarzes Pudelhündchen, stellte sich am hölzernen Eimer auf und fing an, von der Milch zu lappen. »Nu, nu, Hundli!« brummte der Melker, und Hund und Kuh und Milch waren verschwunden. »Chüehli Brändi und Hund Parysi Sollet halt äbä-n-immer und ewig i Klarydä sy«, schliesst mein Erzähler. Daniel Imholz b) Der Melker sagte dreimal »Hüss!« erst beim dritten Mal verschwand die Kuh. c) Es kam eine Sau und strich dem Melker schnarchend und ihn störend um die Beine und um den Melkstuhl herum. »Hursch!« machte er, und die Kuh war verschwunden. Josef Maria Müller, Unterschächen d) Ein alter Mann ennet der Märcht hat erzählt, es komme alle Karfreitag eine »Hirzechüeh« (Hirschkuh) vom Klariden her, die gäbe sieben Melchteren voll Milch. Wenn sie einer schweigend sauber ausmelken würde, könnte er, ich weiss nicht was alles, erlösen. Sie würde sich stellen, und ein Hund sitze neben ihr. Albin Loretz e) Es müsste einer die Kuh melken, ohne etwas dabei zu denken. Ja, ja, das ist aber schwer. Johann Aschwanden u.a. f) Am Karfryttig underem Passion syg alligs diä Chüeh uss Klarydä uf d'Nessli ob Vorfrutt chu üsäbriäschä. Diä heig furchtbar bresch g'ha. Sibä Mälchtärä voll Milch hätt si ggä. Aber si syg furchtbar äs zäih's mälchä gsy usw. Fr. Arnold-Arnold, Spiringen Zwischen dem Teil der Alp Vorfrutt, der heute noch Klariden heisst und früher ein eigenes Stäfeli gewesen sein soll, und dem Klaridenfirn liegt noch ein anderer Alpteil, das Tyrälpeli. g) Auf Blümlisalp im Schächental lebte ein Senn mit seiner Liebsten, der er aus fetten Käsen und Anken eine Stiege machte. Eines Tages kam auch seine Mutter – der Vater lebte nicht mehr – in die Alp und heischte Alpspeise für ihren Bedarf. Der Sohn gab ihr nur wenig, so dass sie am nächsten und andern Tage wieder hinaufsteigen musste. Am dritten Tage endlich sagte sie, er solle ihr doch mehr geben, dass sie nicht alle Tage zu kommen brauche, er solle ihr doch das Handbräntli füllen. »Das kann man«, sagte er und gab es ihr, nachdem er es heimlich gefüllt, zurück. Sie ging und dachte, heute habe er doch eine bessere Laune gehabt. Als sie den Deckel ablüpfte, fand sie das Bräntli mit Kuhmist gefüllt. In diesem Augenblick entlud sich über die Alp ein schreckliches Hagel- und Schneewetter. Der Senn und seine Liebste flüchteten mit dem Wellchessi auf einen Hubel und nahmen das Chessi über den Kopf. Aber das nützte nichts; sie gingen mit dem Vieh und der Alp zugrunde. Frau v. Schattdorf h) Klariden war einst eine prachtvoll schöne Alp. Da mussten sie dreimal im Tage melken, so viel Milch gaben die Kühe; in der Alp wuchs nämlich das Milchlikraut. Sie lebten in solchem Überfluss, dass der Senn seiner Liebsten aus Käse und Anken einen Weg machte. Einst kam des Senns Mutter etc . .... Später sah man oft eine Kuh brüllend auf dem Gletscher herum laufen, und es hiess, wer sie am Karfreitag unter der Passion schweigend ausmelke, könne den Senn und seine Liebste erlösen. »Wir haben einmal in die Gegend hinuntergeschaut, aber da meinten wir, die Kuh zu hören, und liefen voller Furcht davon.« Kath. Kempf i) Der Senn hiess Joder (St. Joder ist Kirchenpatron zu Unterschächen). Jos. M. Arnold, Unterschächen k) Der Hund hiess Poss. Die Mutter verwünschte: »Chüehli Brändi, Hund Poss und Hüer Kathry Sellet immer und ewig i Klarydä verdammt sy!« In der verlassenen Alp irrten eine schwarze Kuh, ein Hund und ein Wybervolch herum. Leider kannte die Erzählerin nur verworrene Bruchstücke der Sage. Frau Arnold-Gisler, Bürglen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chumm flingg by (Josef Müller, Sage, Uri)

Chumm flingg

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Zwei Brüder Regli und anderes arbeitsames Volk in Meien gehen miteinander am Vorabend des ersten Wilditages, das heisst am Abend des 10. August, in das hintere Meiental, um am Morgen bei Zeiten an ihren Wildheuplätzen gerüstet zu sein. Da sagt der eine der beiden Brüder: »Morgen wird mein letzter Tag sein; vor wenigen Minuten hat es mir von der Höhe herab gerufen: Chumm flingg!« Diesen Ruf habe ich verstanden.« Man achtet wenig auf seine Aussage. Fröhlich trennt sich das Volk; die einen steigen auf der Südseite, die andern auf der Nordseite des Tales die stotzigen Höhen hinan. Der nächste Tag bricht an; mit Jauchzen begrüssen ihn die Wildheuer an den beiden Bergabhängen; die blankgewetzten Sensen glitzern im goldenen Licht der aufgehenden Sonne und legen das duftige Gras in dünnen Mahden nieder; ein warmer Föhnhauch chittelet (rüttelt leise) im Droslengebüsch der Planggen und in den alten Fenstern der Berghäuschen in den tiefer liegenden Berggütern und dörrt das gut gereifte Futter auf dem trockenen warmen Boden in Stunden. Am gleichen Abend noch bei Sonnenuntergang können sie es auftristnen. Unser Regli trägt als erster eine tüchtige Bürde auf das hiefür bestimmte Tristbett. Der schmale Pfad führt ihn am Rande eines fürchterlichen Abgrundes an einem überhängenden Nossen vorbei, wo er sich mit dem Gesicht gegen die Bergwand kehren muss, um nicht anzustossen; wohlmeinend mahnen ihn die Kameraden zur Vorsicht. »Das ist doch mein letzter Gang,« meinte er, »von dorther hat's gerufen: Chumm flingg!« Er kehrte nicht mehr zurück, und auf der entgegengesetzten Seite des schmalen Tales fangen die Wildheuer an zu lärmen und den Hang hinab zu rennen. Jetzt ist es klar; der Arme ist an jener Stelle verunglückt. Alle eilen hinzu und finden Reglis Leichnam zerschmettert am Fusse des Felsens. Der Kern der Erzählung, der Todfall des Wildheuers Regli, ist Tatsache. Josef Baumann, Meien, u.a Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Chunnsch m'r äu grad nachä by (Josef Müller, Sage, Uri)

Chunnsch m'r äu grad nachä

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 a) Zu Flüelen ereignete sich auch einmal so eine kuriose Geschichte. Es war Tanz, und dabei erschien auch ein hübsches Mädchen. Nach einigen Stunden schickte es sich an fortzugehen und klopfte noch einem der anwesenden Burschen auf die Achsel, indem es fröhlich dazu sagte: »Chunnsch m'r äu grad nachä!« Eine anwesende Frau, – my Müetter het-si nu 'kännt – merkte aber den Spass, lief schnell hinzu und hiess den Burschen den Tschoopen ausziehen. Er tats, und sie schnitt ihm auch noch auf der Achsel ein Stück Hemd aus und verbrannte alles. Wäre das nicht geschehen, so hätte der Bursche der Hexe nachlaufen müssen. Karolina Tresch-Gisler, 80 J. alt b) Zigeuner klopfen einem Mädchen in einem Wirtshaus zu Hospental auf die Achsel und sagen: »Chumm bald nachä!« Geht heim, fühlt sich gezwungen, den Zigeunern nachzulaufen, zieht auf Rat der Mutter den Tschoopen aus, der jetzt anstatt des Mädchens den Fremden nachrennt. M.A. Schmid, Ursern, 75 J. alt c) Bei einem Tanz klopfte ein Bursche einem braven, hübschen Mädchen auf die Schulter und sagte dazu: »Mer wennt gah, chumm äu!« Von einem unwiderstehlichen Drange getrieben, folgte ihm willenlos das Mädchen. Den Eltern fiel das lange Ausbleiben ihrer Tochter auf, und im Verein mit guten Freunden machten sie sich auf, sie zu suchen. Endlich wurde sie gefunden in einem Stalle, wo der Bursche mit Gewalt auf sie eindrang, seinen Willen zu tun. Josefa Walker, Amsteg Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Churri-Murr by (Josef Müller, Sage, Uri)

Churri-Murr

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a) Am längsten hielten sich die Heidenleute auf im »Chastä«; das ist eine steile felsichte Bergwand bei Unterschächen am Eingang in das romantische Brunnital. Eine Felsenhöhle daselbst dringt tief in das Berginnere vor. In dieser Höhlung lebte eine Heidenfamilie, aus der eine Tochter als Magd bei einer Unterschächnerfamilie auf der Windeggen diente. Einst musste diese Magd mit ihren Meistersleuten in das Brunnital zur Arbeit »männen« gehen; zu Hause hatte sie ein Werkzeug vergessen und eilte darum zurück, um es zu holen. Bevor sie ihre Leute wieder eingeholt, rief ihr jemand aus dem Heidenloch zu: »Zysi-Müsi! Das alt Churri-Murri isch gstorbä!« Seit jenem Augenblick bekam sie niemand mehr zu sehen. b) Wilde Leute lebten auch in einer Höhle in der Nähe des Badhauses zu Unterschächen, aber am entgegengesetzten, also rechten Ufer des Brunnischächens und ganz besonders in der Lisslerenbalm im Brunnital und in Kerschelen. Ein Heidenmädchen diente bei einer Familie in den Schächentalerbergen. Seinen Namen wussten sie nicht. Es war an einem Wintertage, als ein Mann aus dieser Familie an der Lisslerenbalm vorbeischritt, um ein Joch, das er auf der Achsel trug, einer Abteilung arbeitender Leute in Chärschälä zuhinterst im Tale zu überbringen: sie mussten Holz talauswärts männen. Da rief ihm eine Stimme aus der Lisslerenbalm zu: »Jechliträger! säg am Züzzi-Müzzi, das alt Churrli-Murrli syg g'schtorbä.« Ahnungslos richtete der Mann diesen Auftrag aus. Da machte sich das Heidenmädchen davon und kam nie mehr zum Vorschein. In anderer Fassung lautete der Zuruf: »Jechliträger! säg am Rüchrind, äs sell heichu, dz Zussi-Mussi syg g'schtorbä!« Das wäre die Mutter gewesen. Oder: »Dz Zuzimuzi well stärbä.« Oder er hörte rufen: »Jocheliträger!« Er stand still und schaute um, dann rief es wieder: »Jocheliträger! dz Duzimutzerli sell heichu, der Rüchgrind isch g'storbä.« Erzählte zu Hause sein Erlebnis. Die Magd hörte es, machte sich davon. Oder: »Jechliträger, säg am Churri-Murri, dz Zutzimutzi syg g'storbä!« Erzählte am Abend am Tisch zu Hause sein Erlebnis. Magd hörte es und verliess sofort das Haus. Kam wieder nach einigen Tagen und sagte, sie habe heim müssen, weil ihre Mutter gestorben sei. Blieb nun. Namen aus dieser Sage begegnen uns in einem alten Anzählreim aus Uri: Dirrli-Murrli, Chatzä-Murrli, Iber Hüs und Hoff, Alli grieni, g'spriggiti Ross. Äs läuft ä Fräuw i dz Hiehnderhüs Und stellt die beschtä Hiehnder drüss, Die, wommä hinder d'Tirä tüet. Bilz, bolz, Tannigs Holz, Zich der Riemä, Gang ga dienä. Zysi-Müsi, Chatzäzüsi, Mach-di iber d'Stägä-n-innä. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Cuno auf der hohen Rialt by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Cuno auf der hohen Rialt

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Hoch Rialt, du stolzes Schloss, Das auf grauem Bergkoloss. Hinten im Domleschger- Tale Aufsteigt aus der grünen Schaale, Du bist nimmer! Schutt und Trümmer Krönen jetzt das Felsenhaupt, das kahle. -   Ei, wie anders war es dort, Als verhasst um Raub und Mord Auf der Burg Herr Cuno hauste, Hoch zu Rosse niedersauste, Pilger schreckte, Nachbarn neckte Und der armen Bauern Fell zerzauste.   Cuno traf die schönste Maid Tief in Waldes Einsamkeit; Ungerührt vom Fleh\'n der Armen Riss er sie mit starken Armen Auf die Mähre: »Kind, begehre Von dem Hohenrätier kein Erbarmen.«   Lachend stachelt er sein Ross, Ritt auf nächstem Weg zumSchloss; Doch ein Wild\'rer hinter Tannen Sah die Untat des Tyrannen – Und zur Stunde Flog die Kunde In\'s Domleschg und weit umher von dannen.   Hatten Freiheit, Hab\' und Gut Von des Ritters Uebermuth Sich die unterdrückten Sassen Ungeduldig rauben lassen, Schien\'s angegen In den trägen Trüben Herzen Feuer jetzt zu fassen.   Allwärts hin die Kunde scholl, Und von Stund\' zu Stunde schwoll Der Empörung schaurig\' Wogen; Brände flammten, Boten flogen, Schwerter klirrten, Pfeile schwirrten - Und bald war das Vorwerk überzogen. –   Zaghaft weicht der Knechte Tross: Näher rauscht der Sturm dem Schloss, Hurtig baut sich eine Brücke, Dass die Schaar hinüberrücke – Welch\' Gedränge! Sieh\' die Menge Wälzt sich schon durch Tor und Mauerlücke   In den Hof! Mit blankem Schwert Hält der Ritter da, zu Pferd, Fest im Arm die holde Beute, Und wie wild der Rappe scheute! – Eines Schwunges, Eines Sprunges Schnellt er an den Rand der Felsenseite. –   Unten stürzt der junge Rhein Durch geborstenes Gestein, Weissen Schaum zu Tage schwitzend, Silbern durch das Dunkel blitzend, Und mit Tosen Fessellosen Gischt hoch an die Felsenwände spritzend. –   Und der Ritter, hoch zu Pferd, Deutet mit dem blanken Schwert In des Abgrund\'s Rabenschwärze; Und des Halbmond\'s bleiche Kerze Leuchtet milde Ob dem Bilde, Kalt und starr, als wie aus Stein und Erz. –   Doch der Ruf: »Die Maid ist tot! Denkt an ihre letzte Not! Rächt sie, da sie nicht zu retten, Und zerreisst des Drängers Ketten!« Schallt betäubend, Vorwärts treibend, Bis sie den Tyrann ergriffen hätten.   Einer streckt schon keck die Faust Nach dem Zügel aus, da saust Mitten durch der Strahl des Schwertes Und das Glied vom Arme fallt. Und in Gleichem Spornt die Weichen Der Gewalt\'ge seines schwarzen Pferdes. –   Und es bäumt sich, stöhnt und bebt; Doch des Ritters Ferse gräbt Stachelnd sich ins Eingeweide; Hauend hilft des Schwertes Schneide… Der Bedräute, Seine Beute - In den Abgrund fahren alle Beide. –   Los bricht des Entsetzens Schrei, Und die Menge dringt herbei, Und erklimmt der Brüstung Rippe, Unten hängt an einer Klippe Eine blanke Blüthenranke, Oben ein Gebet an jeder Lippe. –   Doch zum Fluche wird das Fleh\'n! Bald - wie Trauerfahnen weh\'n Schwarze Wolken aus den Lucken; Rote Flammenzungen zucken Durch\'s Gequalme Und wie Halme Müssen sich die stolzen Giebel ducken. –   Krachend stürzt der alte Bau Und ein wüstes, dunkles Grau Legt sich um die Mauerkrone. Doch das Volk, im Jubeltone Stolzer Wonne, Grüsst die Sonne Junger Freiheit, die da steigt zu Throne. –   Aber Er, der Zwingherr, muss Nach des ew\'gen Richters Schluss, Nachts, ein Herold der Verwüstung, In der schwarzen Eisenrüstung, Knisternd, glühend, Funken sprühend Reiten um der Burg zerfall\'ne Brüstung.   Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Curia, schöne Curia by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Curia, schöne Curia

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 510 B

Es war einmal ein König. Ihm war die Frau gestorben, die Königin. Die hatte ein Paar goldene Pantoffeln. Da liess der König verkünden, die Frau, der die Pantoffeln passen würden, die werde er heiraten. Ohne davon zu wissen, geht die Tochter des Königs in die Kammer ihrer Mutter, probiert diese Pantoffeln an, und sie passen ihr gerade. Da sagt sie zum König: «Ihr, Vater, könntet mir diese Pantoffeln geben.» Der König erwidert: «Du sollst die Pantoffeln haben und meine Braut sein.» Die Prinzessin erschrickt über dieses Angebot und sagt: «Das sagt Ihr nur zum Spass.» Er antwortet: «Des Königs Wort ist Befehl.» Die Tochter ging dann zu ihrer Patin, die lebte in einem grossen Palast mit viel Dienerschaft, und die verkleidete sie als Magd, damit niemand sie erkannte, und die Patin liess sie die Schweine und die Hühner hüten und besorgen. Nach langer Zeit gab die Patin ein grosses Fest, und für ihr Patenkind hatte sie drei schöne Kleider machen lassen. Der Königssohn selbst, der sich auf jenem Ball befand, sah dieses Fräulein im himmelblauen Kleid. Er liess seine Tänzerin los und forderte die andere auf, mit ihm zu tanzen, und er wollte keine andere. Als sie das merkte, liess sie einen Ring fallen, und während der Königssohn sich bückte, um ihn aufzulesen, verschwand sie. Auf einen zweiten Ball wollte sie nicht mehr gehen, doch die Patin hiess sie mit dem Mond und Sternenkleid zu kommen. Der Königssohn sah sie, rannte ihr mit offenen Armen entgegen und tanzte wiederum nur mit ihr. Sie machte sich auf die gleiche Weise davon, obwohl der Königssohn sie an einer Hand festhielt, während er sich bückte, um den Ring aufzuheben. Auf dem dritten Ball erschien sie mit ihrer Patin im Sonnenkleid. Der Königssohn fragte sie nach dem Namen, sie antwortete: «Curia, schöne Curia!» und sie entwischte. Der Königssohn war traurig, dass er sie nirgends mehr fand, und er wurde krank. Die Patin besuchte ihn und wollte ihm Wasser zum Trinken geben. «Nie wird es geschehen», sagte der Königssohn, dass ich von dir einen Tropfen Wasser annehme, bis du nicht mit Curia, der schönen Curia, kommst, die soll mir Wasser geben.» Da befahl die Patin der Prinzessin, zum Königssohn zu gehen, und sie wurde seine Braut. (Oberhalbstein)   Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Curtinatsch by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Curtinatsch

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Wenn der Wanderer an der Nordseite des Bernina-Bergpasses hinunter­steigt, wird etwa eine halbe Stunde unter der Passhöhe, an der Mündung des Val Minore, eine Stelle gezeigt, welche Curtinatsch heisst. Auch hier weiss die, von altem Gemäuer unterstützte Volkssage etwas von einem untergegangenen Dörflein zu melden. Es sollen Bergknappen dort gewohnt haben. (Dass die Eingeweide der Bernina-Gruppe Silbererze bergen, die einst ausgebeutet wurden, ist historisch bewiesen. - Eine steile Halde in der Nordseite, in der Nähe der Gallerie, in welcher noch alte Stollen vorhanden sind, führt noch jetzt den bezeichnenden Namen Argentèra [Silberhalde].) In Curtinatsch nun stand wahrscheinlich, nachdem auf der Höhe der Wald ausgerottet worden war, ein Schmelzofen, bei dem auch die Knappen ihre Wohnungen aufgeschlagen haben mögen. - Als aber auch dort kein Wald mehr vorhanden war, musste, wohl aus diesem Grunde, das Dörflein verlassen werden. Die Schmelze wurde dann vielleicht nach Pisciadella verlegt, dessen Name von »Pisce« abgeleitet wird, der in einem Dokumente als »Pächter« figuriert. Die Volkssage aber schreibt das Verschwinden des Dörfleins Curtinatsch einem göttlichen Strafgerichte zu: »Die Knappen«, meldet sie, »haben sehr viel Geld verdient, und desshalb in Saus und Braus ein böses Leben geführt. Als aber das Maass ihrer Sünden voll gewesen, sei das Dörflein untergegan­gen, auf welche Weise wird nicht gesagt.« Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Cyprian, Baldrian und Bibernell by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Cyprian, Baldrian und Bibernell

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Es gab eine Zeit, da musste man auf den Alpen die Kühe täglich dreimal melken, weil Cyprian, Baldrian und Bibernell so milchgibige Kräuter waren. Ein Mädchen, welches das Vieh besorgte, fühlte ein heftiges Verlangen, zum Tanze zu gehen. Das konnte nicht sein, weil es so viel zu melken gab. Da tat das Mädchen im Unmut den frevelhaften Wunsch: "Verflucht seien Cyprian, Baldrian und Bibernell!" Sofort verdorrten diese Kräuter, und man konnte die Kühe nur noch täglich zweimal melken. J. B. Stoop Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 313, S. 176f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Bärgli Aatere by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

D Bärgli Aatere

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Es isch emal e fahrende Schüeler uf Bergli ufechuu und ine Hütte ggange. Es wird schätz ke riiche gsi si; drum het er em Senn ettis z esse gheuschet, der Gottswille. Aber dr Senn isch e herte Dingeler gsi und het gseit: «Chumm mer a d Chilbi, du Strolch!» Uf das gaht der Schüeler i Chrauchtel überen und dänggt: «Sine gänd’s mer da au nüt?» Aber die i Chrauchtel heid em ggii, sovil er her möge, Schotten und Ziger und vum überblibne Fänz und heidne gfraget, ob er well übernacht si. Abem z’Nacht sitzed dr Senn und dr Zusenn und d Chnecht mit em Schüeler um ds Füür umme und heid Churzwiil. Dr Schüeler seit: «E schüüneri Alp git’s doch wiit umme keini as Chrauchtel.» «Mer meintets au», seit der Senn, «wämer nu nüd mit dene tunschtigs Aatere plaget wäred. De biissed ds Veh i d Bei und suuged de Chüehne d Milch ussem Uuter use. Das Ärtigist isch, ass die i Bergli kei heid!» «So, heid si kei dänne?» fraget dr Schüeler. Sust seit er nüüt. Aber em Morged isch er ufene Büchel ufe gstande und het allerhand Faxe gmacht und Ring gschlage und d Aatere us Chrauchtel i Bergli übere bbannet, as men jetz i Chrauchtel kei mih gsiht und all überänne sind.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


D Bassgygerstöck by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Bassgygerstöck

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Category: Kategorie: Sage / Diese Kategorie ist nicht im AT-Verzeichnis enthalten.

Im Walde nahe an der Grenze gegen das Solothurnergebiet, wo die Fluren Galgenstein und Wolfenried liegen, steht eine dicke, knorrige Buche — früher waren es deren zwei. Diesen Ort nennt man «Bassgygerstöck». Zur Erklärung dieses wunderlichen Namens erzählt man, anno 1499 hätten die eidgenössischen Spielleute ihre Musikinstrumente an den beiden vielästigen Bäumen aufgehängt, als sie über den Gempen nach Dornach in die Schlacht zogen. Frenkendorf Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Brösmeli uf em Tisch by (Aargau, Otto Sutermeister, Fabel/Tiermärchen, Aargau)

D Brösmeli uf em Tisch

Source: (Aargau, Otto Sutermeister, Fabel/Tiermärchen, Aargau)

Category: Kategorie: Fabel/Tiermärchen / ATU-Nr: Keine spezifische Typisierung vorhanden.

Der Güggel het einisch zu sine Hüendlene gseit: „Chömed weidli i d'Stuben ufe go Brotbrösmeli zämebicke ufem Tisch: Eusi Frau isch usgange go ne Visite mache." Do säge do d'Hüendli: „Nei nei, mer chöme nit; weist d'Frau balget ame mit is." Do seit der Güggel: „Si weiß jo nüt dervo, chömed ihr numme; si git is doch au nie nüt Guets." Do säge d'Hüendli wieder: „Nei nei, s' isch us und verbi, mer gönd nid ufe." Aber der Güggel het ene kei Rue glo, bis si endlig gange sind und ufe Tisch und do d'Brotbrösmeli zäme gläse hend in aller Strenge. Do chunnt justement d'Frau derzue und nimmt gschwind e Stäcke und steubt si abe und regiert gar grüseli mit ene. Und wo si do vor em Hus unde gsi sind, so säge do d'Hüendli zum Güggel: „Gse gse gse gse gse gse gsehstaber?" Do het der Güggel glachet und numme gseit: „Ha ha han i's nit gwüßt?" Do hend si chönne goh.   Quelle: Sutermeister, Otto: Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz, Aarau:1869 Aargau. (Der Wanderer in der Schweiz 1835, S. 132.) S. 15. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Fenner-Trina by (J. Guntern, Sage, Wallis)

D Fenner-Trina

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Die ältern Leute des Dorfes erinnern sich noch an die gut an die Fenner-Trina (Maria Katharina Kreszentia Barbara Aufdenblatten, 1816-1891). Sie wohnte im obern Stockwerk des Schallbetter-Hauses, das 1908 abgetragen wurde, und hatte oft mit der Geisterwelt zu kämpfen. In ihren besten Jahren hätte sie genügend Freier gehabt, aber sie liess den Verstand mehr walten als das Herz und blieb ledig. Sie war eine wohltätige, gute Person und erhielt in ihrer Wohnung bald Besuch von Geistern. Oft kamen so viele, dass sie in der Stube für sich kaum mehr Platz hatte. Zuerst kamen einige Musikanten die mit verschiedenen Instrumenten, wie Geige, Kornett und anderen, eine rassige Musik aufführten. Dann folgte eine Anzahl tanzlustiger Leute, und die begannen da wirklich zu tanzen. Selbst die gute Trina, die selbst keine besondere Freundin von Tanz und Tanzmusik war, musste dann und wann gegen ihren Willen mittanzen. Um zwölf Uhr in der Nacht räumte die Gesellschaft auf, nur der Tanzmeister blieb zurück und wollte der Trina ihre Wohnung streitig machen. Da irrte er sich aber gründlich: Sie ergriff einen tüchtigen Stock und setzte dem Geist so jämmerlich zu, dass er das Weite suchte. Ortsansässige wagten es natürlich nicht, die Trina zu besuchen, weil sie die Geister fürchteten. Auch soll einst ein fremder Ziegenhirt bei der Trina für einige Tage "in Pension" gewesen sein. Er wusste nichts von diesen Ereignissen und setzte sich nichts ahnend mit der Trina zum Abendbrot an den Tisch. Zu seinem grossen Schrecken sah er dann den Geist kommen, der ihm drohte. Voll Angst wollte der Knabe zur Türe hinausspringen, fand aber keine. Die Trina nahm jedoch ihren Stock zur Hand und vertrieb den Geist. «Er macht nichts, er droht nur», erklärte sie dem Geisshirt. Als die Trina gestorben war, wurde das Haus abgetragen, und die Geister wurden obdachlos. Heute erhebt sich am gleichen Orte ein dreistöckiges Haus der Gebrüder Lauber. TÄSCH Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. w


D Feufbätzli-Gumpi by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Feufbätzli-Gumpi

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Eine tiefe Stelle der Hinteren Frenke im Oberdorf nenn man die «Feufbätzli-Gumpi». Vor vielen Jahren wurde in der Nähe falsches Geld gemacht. Als die Fälschung entdeckt wurde, habe man das Geld dort in den Bach geworfen. Ziefen Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Frybärgjumpfere by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

D Frybärgjumpfere

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Uf dr Gheistalp obe, hoch überem Zämefluss vu Linth und Särft, sig vor vile hundert Jahre ä chliis Hüüsli gstande. Niemert sig dinne diheimed gsi as en alts Paar mit ere wunderschüüne Jumpfere. Allpott siged jung Jeger uf de Alp ufe chuu, und öppedie au en eltere, und hebed das Meitli welle hürate. Es aber heb nüd welle ids Tal abe und heb gseit, es gfallem nuch lang da uff de Bärge obe. Es Gamstier, wonem eso jung zuegloffe gsi isch, hät’s immer um si umme kha, und si sind gsi we zwei Gschwüsterti. Es hät em au e schüüs Halsbändeli aagleit, mit emene spiägelluutere Kristallstei dra. Und wo im Herbst wider d Jeger uf d Alp chu sind u eister kienet händ, so hät’s zu dem Gamstierli gseit: «So gang, liebs Tierli, und lauf sowiit as d’chaast i d’Bärg ufe!» Und ds Gamtierli heb’s verstande und sig uuf und dervuu. Zu de Puurschte aber hät de Jumpfere gseit, si hüraati der und ken andere, wonere das Gamstierli aso läbig wieder bringi samt em Kristallstei. Vu jetzewäg sind ke Jeger mih ufe chu, und das Meitli hät Rueh kha. Aber wos wider Herbst worde isch und d’Jeger händ welle uf d’Jagd, da ist dener Jumpfere wind und weh worde. Si hät e truuregi Angst usgstande, ihres Gamstierli chännti abgschosse wärde, oder aber au, es chännted öppe jung Jeger, wonem nachehebed, i de Felse obe erfalle. Es sind dänn i dem Herbst au uugnäädig viel Jeger uf d’Jagd, so viel, dass d’Obrigkeit gseit hät: «Jä nenei! Jez gad esoo isch de nüd gmeint! De wurdet üs ja das hinderst und einzig Tierli zämeschüüsse!» Und do hät si uhni lang z’studiere ds Jage i dene Bärge zwüschet em Särnft und der Linth ei für allimal verbotte, und esoo isch es blibe bis zum hüttege Tag. Jetz nuch tarf au nüd en einzege Jeger mit emene Gwehr i de Frybärg ufe, und wenn’s eine doch öppe probiert und er wird erwütscht, so speert mene ii, und er chunnt e tüüre Gämspfäffer über. Das Gämsi mit em Bärgkristall aber läbi nuch; öppenemal begägni’s zmitzt im Summer amene Wildhüeter, de stand’s en Augebligg boggstill und sig derna niene mih umme. D’Jumpfere aber sig e steialts Wiibli worde und huusi irget imene Hüttli, und wän ere öppert begägni, so chämeds gad es Abschüüche über vorere.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


D Häx mit em Petrolchännli by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Häx mit em Petrolchännli

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Es isch emol e beesartigi Frau gsi im Dorf, wo andere gärn zleid gläbt het. Und do hets immer brennt, wenn die neime umme gsi isch. S het gheisse, si heeb halt s Petrolchännli bi sich! Si hai si e paarmol packt, me het ere aber nyt Gnaus chenne nochwyse. D Lyt hän immer gsait: «Die chaibe Häx, die brennt is iberal d Sach zämme!» Aesch Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Häxezüpfli by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

D Häxezüpfli

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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In der Orismühli sy e zytlang alli Morge an de Ross d’Halshoor züpflet gsi. Dass do öppis nit mit rächte Dinge zuegange-n-isch, het me-n-an de Züpfli gmerkt; die sy nämlig ganz uf e bsunderi Art züpflet gsi; dorum het me ne Häxezüpfli gseit. Uf das abe isch de-n-Orislüte- n-agrote worde, si seile luege, dass si e schwarze Geissbock überchömme, wo keis wisses Höörli heig. Die Lüt hei dä Rot bifolgt und e so ne Geissbock in Stall yne to. Uf das hi het’s besseret! ’S Züpfle het ufghört, aber der Geissbock isch alli Morge pflätschnass gsi und isch dure Tag wie gschlage-n-ummegläge. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


D Hohbachspinneri by (J. Guntern, Sage, Wallis)

D Hohbachspinneri

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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I sälber ha das nimme erläbt. Aber zer Zitt, waani no bi junge gsy, hend d altu Litt immer fa dr Hohbachspinneri prichtet. Äs het schints düozumal nieme meh welle in dischi Alpe z Alp triibe und Alpchnächt heiesch schints öi keini meh perchu. Ja, das ischt kei chliini Sach gsy, aber so wieni immer hä gcheert zelle, wei dischi Hohbachspinneri pletzli, wie üsum Bodo gwaxe, erschine. Äs sy us uheimligs Lüoge gsy, wie dischi güote Alpchnächgini di Spinneri gseh hend: än alti Häx, numme Hüt uber Bei, miteme gschpässige Spinnrad. Ander Chüüchla heisch Wärch gchä und schy heie immer nur gspunne. D Spinneri sälber heie eiguntli nieme äppis z Leid taa, aber de di jschwarz Chatze, wa näbe ira ggrüpet heie mit dene gfiirige Öige. Das sy äs tiiflischus Tier gsy. Chüm, we discher Chatze äs Stuck Veh sie in d Neechi chu, so syne äs agsprunge und heischi im Hals pisse. Und na zwei Tage sy das beträffund Tier toot gsy. Äs si vorchu, dass am gliiche Summer us parr Stuck Veh uf de Wäg sie z Grund ggange. Di güete Lit hend de nimme gwisst was mache, alls Bätte hei öi nit verfange. In irer Not sy schy de z Sitte z ume fromme Kapitschinerpater ggange, und der heie ine düo gseit, schy selle jetzt vier Chriz la mache und di mitum Pfarrer de la gsägne, und schi de an jedum Egg fa der Alpu igrabe. Und de nu in der Stalukapälle vier Mässe la läse. Natiirli hendschi düo so gmacht, wiene der Kapitschiner gseit heie und fa da fort heie düo d Hohbachspinneri nieme meh gseh. RECKINGEN Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


D Holzebärggeiss by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Holzebärggeiss

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Die Ziefner und die Seewener stritten einmal miteinander über den Verlauf der Grenze im Waldgebiet des Holzenberges. Schliesslich konnten sie sich einigen. Sie legten die Marksteine bereit und bestimmten, dass diese am anderen Tag an den betreffenden Stellen gesetzt werden sollten. Über Nacht aber trugen einige Seewenerburschen die Steine auf Ziefnerboden hinüber. Am nächsten Tag merkten die Ziefner den Betrug und machten ihre Nachbarn darauf aufmerksam. Diese liessen aber die Vorhaltungen nicht gelten. Ein Behördemitglied - einige sagen, es sei der Ammann, andere, es sei ein Gescheidsmann gewesen - beteuerte die Unanfechtbarkeit der Grenze, indem er ausrief: «Wenn es nicht wahr ist, so will ich zu einer Geiss werden!» Der Seewener musste wirklich nach seinem Tode als eine Ziege umgehen. So oft sich die Geiss in ihrem roten «Lybli» (Weste) zeigt oder ihr Meckern hören lasst, gibt es Regenwetter. b) Wo der Holzenberg dicht mit dem schönsten Holze bewachsen ist, soll zuoberst, nicht weit von der Stelle, wo die Hochwacht stand, ein grosser Stein den Ort bezeichnen, wo die Holzenburg gestanden habe. In früheren Jahren wurde viel von der Holzenberggeiss gesprochen. Jedesmal wenn man sie in schwülen Nächten meckern hörte, habe das Wetter umgeschlagen und sei windig und regnerisch geworden. Aus welchen Gründen diese Geiss in der Gegend der Holzenburg umgehen müsse, kann nicht gesagt werden. c) Vo der Holzebärggeiss wüssti au öppis z verzelle. Mer sy einisch z Holz gsi. Mer hai grad burdnet, derno ischs uf eimol feischter cho obenyne, und mer hai allewyl öppis gehöre meckere, grad wiene Geiss hets gmacht. Mir hai burdnet und burdnet, und chuum sy mer rächt zum Holz uus gsi, so ischs cho und het obenabe gmacht, was obenabe het möge. Muusnass sy mer heicho. Ziefen Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Meielisgumpi by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Meielisgumpi

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Nach mündlicher Überlieferung ertrank einmal ein Mädchen in einer tiefen Gumpi (Kolk in der Ergolz im Obertal). Seither wird die Örtlichkeit Meielisgumpi genannt. Anwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Sag vum Glärnisch by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

D Sag vum Glärnisch

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Uffem Glärnisch isch vor dem e Prachtsalp gsi. De ganz Gäged zwüschet em Ruche Glärnisch und em Bächistogg isch ei Weid gsi. De Alp hät amene junge Puurscht khört, der isch all Summer sälber ufe gu sänntne. Sini de alt Mueter und d Liebsti hät er dunde glu. Zur Liebsti hät er gseit: «Chumm ämal ufä z’Stubeti», aber zur Mueter hät er nüt gseit. Emal am ene schüne Sunntig, so lueget er abe und gsiht es Wiibervolch gäget em chu. D Puurscht tänggt, das isch mi Liebsti und wil ere-n-abchu. Aber wo-n-er neecher zueche chunnt so isch es si Mueter gsi. De hät gseit: «Gott grüezi, iez bin i doch froh, as i dobe bi, ich bi mächtig müed und ha grusame Hunger. Gält, da machst mer gschwind öppis.» — «Wol dä wuehl», seit dr Suh, «gühnd ihr nu wider abe, ich gib ech nüt. Was bruuched ihr da ufe z chu, wo mini allerliebsti Kathri chunnt, ich will hüt nüt vu üch wüsse.» Und wo si nüd hät welle guh, so hät er si fortgjagt. Es gaht nüd lang, so chunnt d Liebsti. Aber due hät s ggulte! Me weiss ja, wes isch um d Hütte-n-umme. Was tuet dr Sänn? Er ninnt ei Chäs um dr ander und leit’s uffe Wäg, dur das ganz Fähri dure, as das Maitli d Schueh nüd bschiissi. Aber d Herrlichkeit isch glii uus gsi. Bloss isch d Mueter wider dunde gsi, so hät’s afu chnelle, und der Fire isch obenabe chu und hät die herrli Alp überteggt mit sant em Veh und em Sänn und siner Liebsti, zur Straf für das, as er so gottlos umggange isch mit siner Mueter und so närsch und uutuchtig tue hät mit siner Liebschti.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


D Schachtmanne by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

D Schachtmanne

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Eine Frau aus Läufelfingen berichtete: Wir «säuberten» im Berg oben. Ein verwandtes Mädchen, das mit dabei war, wollte nicht den gleichen Weg mit uns ins Dorf zurückkehren. «I chumm it dort dure», rief es und behauptete, es sehe zwei Schwarze amWegrand sitzen. Es hat nachher noch lange gezittert und wollte nichts essen. Immer und immer wieder brach es aus: «Ass dir nüt gseh heit, und i ha se doch gseh, lybänlig binenander sitze!» Zu gewissen Zeiten haben auch andere Leute etwa erzählt, dass sie dort zwei ganz schwarze Männer hätten sitzen sehen. sehen. Gewöhnlich änderte nachher das Wetter. Man sagt, die beiden seien während des Tunnelbaues verunglückt. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


D Stägstregger by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Stägstregger

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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In früheren Jahren wollte man einmal einen Steg über den Birsig erstellen. Er geriet zu kurz, und die Bieler versuchten vergeblich, ihn mit Pferdezug in die Länge zu ziehen. Das Schildbürgerstücklein trug ihnen den Necknamen Stägstregger ein. Biel-Benken Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Stapfe untschlaa! (Embd) by (J. Guntern, Sage, Wallis)

D Stapfe untschlaa! (Embd)

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Der "Volchwäg" führt auch aus Törbel in die Alpe von Embd. Einst fällte dort ein Mann tagsüber Holz, Bäume und Stauden. Am Abend blieb ihm wenig Zeit und er liess das Holz zum Teil im Wege liegen. In der Nacht weckte ihn aber seine verstorbene Gotte und befahl ihm, sofort den Weg zu räumen, da komme nachher die Prozession. Der Mann gehorchte. Kaum hatte er die letzte Staude weggeräumt, kamen sie: betend und weinend. Er konnte sich noch schnell aus dem Weg auf die obere Seite stellen, sonst hätten sie ihn zerrissen. Weil er aber dann auf der obern Seite stand, musste er warten bis zum Betenläuten am Morgen. Wäre er unter dem Weg gewesen, hätte er weggehen können. Aber so sah er die Verstorbenen alle, in allen möglichen Gewändern: einzelne nur mit Leintüchern bedeckt, andere richtig gekleidet, eins trug eine Ankenballe auf dem Kopf. Diese Kleider waren die gleichen, welche die Hinterbliebenen als "Gottwar" den Betern gegeben hatten. Als wir jung waren, mussten wir auf der Alpe jeden Abend den "Volchwäg" frei machen, «d Staple untschlaa!» EMBD Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


D Stapfe untschlaa! (Gampel) by (J. Guntern, Sage, Wallis)

D Stapfe untschlaa! (Gampel)

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Es hat immer geheissen, in Jeizinen in der Doppengasse ziehe der Gratzug vorüber. Eines Abends hatte ein Bürger, dessen Haus in der Gasse lag, spätabends noch einen Schlitten voll Holz geholt. Es war zu dunkel und zu spät zum Abladen, und deshalb liess er den beladenen Schlitten in der Gasse stehen und ging, da er müde war, ins Haus und legte sich ins Bett. Gegen Mitternacht hörte er draussen rufen: «Hans-Josi, tu den Schlitten fort, wir kommen!» Da gab er zurück: «Ihr mögt wohl vorbei.» Dreimal wurde ihm gerufen, und dreimal gab er dieselbe Antwort. Bald darauf hörte er die Prozession, die vorüberzog, das Beten und Murmeln der armen Seelen. Da kam ihn die Reue an, und er dachte, wenn er nur den Schlitten auf die Seite gestossen hätte, aber jetzt war es zu spät. Am Morgen wagte er sich kaum zum Hause hinaus. Als er unter die Türe trat, da war der Schlitten samt Holz in hundert und tausend Stücke zertreten, denn der Gratzug hatte seine Rechte am Weg haben wollen. GAMPEL Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


D Täscheblätzer by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Täscheblätzer

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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S heisst öppe, d Lieschtler syge Batzechlemmer. Vor Zyte hai si für ihrer Veh e Gmeimhirt agstellt gha. Dä isch ame schöne Tag vor der Gmeinrot go chlage, s syg bald hööchschti Zyt, dass er e neui Hirtetäsche überchömm; mit der alte mües er si bald für die ganzi Gmein schämme. Aber die gheebige Gmeimvättere hai nüt yo dere Neuerig welle wüsse und hai abgwunke; Die alti tüegs no lang; er soll se numme nonemol blätze. Sythär sait me deLieschtler Täscheblätzer. Liestal Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D Täufersgruebe by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

D Täufersgruebe

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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Ein früherer Weidbrunnen nördlich von Anwil, an der Grenze gegen Rothenfluh, führte diesen Namen. Nach mündlicher Überlieferung fanden an diesem Brunnen zur Zeit der Wiedertäufer-Bewegung im 16. Jahrhundert Taufen statt. Anwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D' Holz-Nann (Mundart) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

D' Holz-Nann (Mundart)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Vor vielä, vielä Johrä isch es im Wäldli z'Winkästeig und z'Pfi, bi Muolä, nüt subär gsi. I der Nöche bi Risershus hät d'Holz-Nann g'huset; die isch meh im Wald als däheime gsi. Sie hat aber gar viel Ufuog tribä. D'Kind hät si mängsmol verhext, daß sie nümme us em Wald usächo sind, bis es dunkel Nacht gsi ist. Mängä Ma hat öppä ne mol au nümme witer chönne laufä; er hät selber nüt gewüßt worum. D'Nochburä händ g'jomeret, ihre Chüh verwersät; churz, all' Lüt händ sie g'fürcht. Do hät ämol z'Risershus änä im Wirtshus d'Musik blosä, und d'Holz-Nann ist drob ganz us em Hüsli cho. Do ist ere dä verruckt Ifall cho, sie well si amene Fadä hänkä. Sie häts probiert, und richtig isch es glungä. Mä hat sie dänn amene Obig im Wald obä vergrabä. Bald hat mär g'hört, d'Holz-Nann tüeg im Wald geistä. Do ist emol en Häggeschwiler Zimmerma vo Muolä äwäg dur der Wald hei. Mutwillig rüft er: "Holz-Nann, chumm! Chumm, hol mi!" Won er bald däheime gsi isch, gseht er, daß ihm sini schwarze Richtschnurrollä im Sack inne ufgangä ist. Er goht der Schnur no zruck, und im Wald inne gseht er, daß sie ihm det usä gfallen ist, wo er der Holz-Nann gerüft hat. Mit mäne Stäckä grabt er uf und gseht, daß do d'Holz-Nann vergrabä ist. Er wird ganz bleich, fallt um und ist ä Lich. Im gliche Wald sind au Steiwörfer gsi. Wemä dur de Wald ganga ist, so hänt s'Stei uf d'Lüt geworfä; aber niemet ist truffa wordä. G. Kägi Der Volksmund sagt, dass die Hexen sich sogar an einem " Spinnmuggefade" aufhängen können.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 14, S. 10f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Bättlerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Bättlerren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Eis ischd von Elbige em Bättlere chun und ischd z‘Briens den Hiisren naa. Vor en Huustirenen hed si dr Gottswillen um enes äässigs Breesmeli bbättled; aber d‘Liit hei rra dTiren vor dr Nase zuegrierrd. Si ischd uf e Trachtbach chun und hed underwägs nid es Schnäfelli Brood old Chääs uberchun. Due hed se si umgcheerd und gäge ds Dorf bbrieled: „O wee! O wee! Ds Brienserdorf ghiid i See!" » Ds Naajaar hed's de Trachtbach ob em Dorf uusiigrierrd. Gärten und Gieter hed er uberliffen und d’Hiiser ibsetzd. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Fadechlummlerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Fadechlummlerren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Vor Jaaren häi d'Wiiber no ghoiffed ung gflagsed, greezd und bim Rätschhüüs grätsched; da häi si de-w-Winter anha vil z'tee ghäben, und d'Möötter hed nid derwiil ghäben, äinen uf d‘Schooss z‘nän und z'goimmen. Und wem ma glich hed gganted ung gsangled, hed's rässa Bschäid ggän: „Bis loiba, suschd chunnd d'Fadechlummlerren und nimmd di." Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Froww am Biistal by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Froww am Biistal

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Jer sägid jetz, das siigi niid, und das gäbi's nid, das ma eppre gseji, wa niimmä läbi. Wool, das gid's. Das han i sälber erfaaren. Äis bin i a d'Gassen. Bin enem Hüüs han i zööhi meessen. Us däm Hüüs wä chirzligen e Froww gftorbe gsiin. I bin gäge ds Hüüs; döö ischd dee Froww am Biistal gstanden. As we si no läbti! Si hed stober virhi gseen u si nid em Bitz gwäigged! Uf ds Mal han i niimmä mee vo rra gseen. Aber si ischd da gsiin; i han das sälber gseen. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Froww uf em guldege Sässel by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Froww uf em guldege Sässel

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äis ischd em Bööb dire Fureflööwäg hinderhi. Uf ds Mal bliibd er staan. Z'mitts im Wäg ischd en guldege Sässel gsiin. Drüüf ischd e Froww gsässen. Si hed ds Haar gsträäld. Är hed die Froww aggaffed wie nes Chalb en niwwi Tiren. Nid e Trit hed er mee virers derffen. Döö winkd im d'Froww, är selli chun. Döö cherd er um u-l-loifd u-l-loifd, löögd nee emzrugg, chunnd häin u-ch-chan nid stiglen, was er will sägen. Melchior Sooder:   Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Gibelegg ischd gspalten! by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Gibelegg ischd gspalten!

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Vun dr Gibelegg naha ischd e Lowwene zwäggchun; döö hed es Zwäärgli gwarned: „Schlegel u-w-Wegge ghalten, D'Gibelegg wolld spalten!" Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


d'Härdwîbli am Strihä by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

d'Härdwîbli am Strihä

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Mä g'hört nüt meh vo de Härdwîblenä. d'lüt si affäh gar fûl (boshaft) und sît s'enä äschä g'sträüt häigä, sîgä si nümmä cho. Das si au lüt gsî, wedder nummä chlîligi, und häi ne mänschefuäss und e gäüsfuäss gha. Si häigä de lütä ghulfä z'acher fahra; do derfür häig n'enä d'lüt, eb si ab em feld hei sîge, wäijä ûf e pflug gleit, und wenn sie wieder anä cho sîge, se häigä si gold drûf gha. Im Ifang (Name eines Mattlandes) sîgä sibä hüser gsî und dörthi sîge d'Härdlüt ammä z'liächt. derno häig es Härdwîbli inerä frau d'rîstä a'gleit (Flachsreisten aufgebunden) und häig gsait, si söll's niäm sägä, und ûs der glîchä rîstä häig si drü johr chönne spinnä. ihre g'vatteri häig si mängist gfrogt, wiä si's au mach, si spinn allä wîl und häig immer diä glîchlig rîstä? z'letzt het si's der g'vatteri gsait: es häigerä si 'nes Härdwîbli a'gleit. derno häig si aber numme no zweü hüfli chönne drûs spinnä und sîg demit abgsî. Allwäg het si 'ringer g'schwigä. Mä sait d'Härdwîbli sîgä im Strihä (Strîchen, Juraberg) innä und wäschä drinn, und dessetwägä lauf's Äschäbrünneli z'all mittwuchä und frîtig trüäb. Oberhofer-mundart. Mittheilung von hn. Lehrer Lenzin. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 270 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


D'Harzerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Harzerren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Löög, hie uber Wiisseflöö, wee dr Waald embrinha hanged, da dri siigi es Wiib, d'Harzerren, eso hed äim's Dratt und d'Möötter aggän, und wem mer bim Sträällen nid häi-w-wellen darhan, sa hed's ghäissen: „Wart nummen; d'Harzerre chunnd den und strääld di mid dem iisige Strääl." Hereera, was hed iis ds Groosi vun dr Harzerre bbrichted! Si hed is welle pliiggen; aber äimmel i han numme Churzwiil ghäben, we si vun arra hed afa zellen. Da siigi es Mäitli gsiin; das häigi bim Sträällen gmööled, und d'Möötter häige-m-ma wellen us em Chaschtli in dr Loiben Haselnuss räichen und's eso gschwäiggen. Aber wa si ischd us dr Loibe chun, egghäis Mäitelli neena mee da! Derwiilen ischd d'Harzerre chu gsiin und hed das Mäitelli i- w-Waald verzigled in und en Hili taan. Mid enem Chööstrigel hed s' es gsträäld und mid arra Riisbirschte gwäschen; da hed 's döö ghäben fir ds Uwwatlitöön und ds Hoorne, fir niid uw wider niid. Und ds Mäitelli wän gäären häin und hed Lengiziiti ghäben. Aber d'Harzerre hed 's bhäben und nid welle-l-laan gaan. Döö isch schi äis Tags furt; ds Mäitelli hed dän Oigemblick erlickd, ischd us dr Hili gschossen und abgschoben und häin und zer Möötter! Vun da an ischd das Mäitelli loibs gsiin, und we 's d'Möötter bim Sträällen doch no es Bitzi Bitzi ghaared hed, hed's nee mee afan huwwlen und räären und dr Möötter nee mee Verdrissigs anha gmachd. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Heli im Schild by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Heli im Schild

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Im Schild ischd en Heli. Aber egghäin äinzaga Mentsch wäis, wa si ischd. D'Zwäärgleni wol, die wissten, wa si wän. Si häin in där Heli Straali; si ischd volli dervun. Aber äis häi d'Liit d'Zwäärga plaged; döe häi s' d'Heli vermüüred und sii furt. Wen aber äina chunnd, mid Schild zem Gschlächt, und är hed es Wiib, wa us em gliiche Gschlächt chunnd, sa chan är d'Heli finden, und d'Straali wän de siiner; aber bis zer Stund hed no egghäina die Heli funden, vergäs de d'Straali. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Holzmietterren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Holzmietterren

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I bsinnem mi no dran, as we's hiit wän: D'Möetter hed mi welle sträällen, und i han nid wellen darhan. Aber ooni z'borgen isch schi mer mid dem Richter dir d'Haar gfaaren. Und i han uf d’Gasse-w-wellen und ha fascht nid mege gwarten. I han afaan niidigen um binnigen; d'Möetter hed gmerkd, wa Chesselli hanged; aber si hed niid dergliiche taan und afaan von dr Holzmietterre verzellen: „Häb di still. Los, d'Holzmietterre gheerd's. We d'dir e Doggeller inhi, chunnd si hindre nem Stäin old hindre ner Böeche virha. Si hed den en iisaga Strääl und sträälld di mid däm. Zeend hed si wie Rächezeend. Dr Hiwwel hanged rra lenga und ugsträällta uber ds Hoit inha. Sanglen nummen und möelen; de chunnd si und nimmd di. Si verzigled di und frissd di." I ha glosd und han nummen halbewäg ggloibd, was d'Möetter hed gsäid; fascht hed's mer gfallen, und es ischd mer gsiin, i gheerrt es Määri, und drum bin i ganz stilla gsiin, und den ischd d'Möetter wiiter gfaaren: „Wäischd ds Sprichli, wa d'Holzmietterre säid? „Ha«r»roschtig Zeend Um blöetig Hend Und frissen alli beese Chind!" Z'Iseltwald rüüme d'Liit eppen o eis alls, wan nen im Wäg ischd, zsämen, zerhiits Chachtelgschir, niidraazig Schärma, roschtig Bigsi, tie s' in en Hutten und trääge s' gäge d'Senggflue, fir's druber us z'ghijen; wen nen epper ebchunnd, säge s' zem Gschpass: „I wil dr Holzmietterren o eppes bringen." Wen epper e schwärri Burdi Holz träid, sa sägen die, wam ma ebchemen: „Wool, düü heschd toll gladen, di näämmi äimmel de d'Holzmietterren nid." O z' Schwanden brichte s' von dr Holzmietterren. Si siigi wie nes wieschts, alts Wiib; Fingernägla häigi si wie Chräwwla und schiizli leng Zeend. In dr Schwanderflöe ischd es Loch, ds Fundloch säid ma däm. We Chliinni uwwatli tien, säid me nen, d' Holzmietterre verzigle sa i ds Fundloch. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Mihlibachgeiss by (Josef Müller, Sage, Uri)

D'Mihlibachgeiss

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Wenn allemal der Weibel-Toni abends spät aus dem Rate von Altdorf kam, gesellte sich etwas hinter Hergerig eine schwarze Horngeiss zu ihm und begleitete ihn bis zum vordern Mühlebach, indem sie zu seiner Linken auf der hohen Mauer am Bergabhang dahinschritt. Mit der Zeit aber verleidete dieser Kamerad dem Ratsherrn, und eines Abends packte er das Hornvieh unversehens bei den hintern zwei Beinen und schleuderte es in den Mühlebach hinunter. Das chlotterte wie eine dürre Kuhhaut. Doch jetzt packte ihn der Schrecken, und in jähem Lauf rannte er auf sein nahes Heim in der Rütti zu, schlug in der Hast die Haustüre ein und flüchtete sich in die rettende Stube, wo er totaschenbleich auf einen Stuhl niedersank und auf den Tod krank wurde. Jos. Gisler, 61 Jahre alt, von Spiringen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Pfaffechällnerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Pfaffechällnerren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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D' Pfaffechällnerren ischd es weeschts, bees‘s Wiibli. Äs träid e ghüüslata Rock wee d' Ürnerri und hed em Bund Schussla am Girtel. Wam mer si chliinni Ching gsiin, hed is Drätti und d' Möötter geng mid dr Pfaffechällnerre drewwd, und den hed ds Ganten und Uwwatlitöön im Hüi üüfgheerd. Äs häi rra bherted, ma gseeji sa geng bim Pfaffenhüüsli am Pfafferräin. Das wän es alts Hüüselli gsiin ung gwandets bis uf em Boden abha. Den hed's umhi ghäissen, si chemi dem Bächen naa. Da siigi's grad, as wen e Fäärliloose rochleti und Jungi zwiiggleten. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'r Hurri by (Josef Müller, Sage, Uri)

D'r Hurri

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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wurde das Gespenst einer Alphütte des Meientales genannt. Äinisch häiget ä par Gofä-n-äu gmäint, sy miässet d'r Limel machä-n- und häiget griäft: »D'r Hurri sell chu.« Aber mit denä syg's abtättscht! Katharina Gamma, 50 Jahre alt, Wassen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Richelloosen by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Richelloosen

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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I bsinnem mi no, as we's hiit wään, wa Dratt und i siin im Räätrisbode z'Alp gsiin. Äs ischd im Herbscht gsiin und hed uber Nacht en Grääwwi gschniid ghäben. Im Gaden häim mer e frischgfäärleti Loose ghäben. Am Morgen bin i abbi uf e-r-Rüüss gam mälhen. Meer häin es Hälmicheeli ghäben, und wan i das am Mälhem bin, chunnd em mordschäibe-l-Loosen uber e-r-Rüüss dasanha. I gseen no liibhäftig, wee si gäg das Cheeli chunnd u-r-rochled und wee ds Hälmi gäg sa stichd. I ha d'Loose furtgjäikd, und uf ds Mal isch schi furt. Wan i bi zem Atte chun, han i dä gfräägd, warum das är jetz äimmel o d'Loosen häigi üüsglaan, das tieji doch därren nid gööd. „Was, d'Loosen üüsglaan?" säid Dratt, „der ischd doch im Gaden. Egghäim Mentsch hed dee üüsglaan." I gaan ge guggen, und richtig, iisi Loosen ischd bi Fäärlenen im Gäbe gsiin. Döö siin mer dee ander Loose ge sööchen und häi gmäind, dee gheerri a d'Grimslen. Aber neenä ischd es Gspoor gsiin. Und es Gspoor hättem ma doch meesse gseen. Wam mer a d'Grimsle chemen, hed dr Winterchnächt niid gwissd vun erra Loosen. Jetz häim mer gwissd, was das fir ne-l-Loosen ischd gsiin, d'Richelloosen und nid en andri. Äis häi d'Winterchnächta dee Loose o gseen; si ischd vum Sumerloch inha chun. Döö häi si en Hund abglaan; aber där ischd anggäänds zruggchun, de Stil zwischem Bäinen. Am Morgen ischd en Grääwwi gsiin. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


D'Rochellosen uf dr Holzhüüsalp by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Rochellosen uf dr Holzhüüsalp

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Bim Holzhüüs chunnd d'Rochelloosen mid arra Reeschelle Fäärlenen. Äis hed's in dr Nacht um d' Hitten um taan, as wen nid alls loibs wän; wa s' häin üüsiggugged, häi s' niid gseen wan e Siwwgrind. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Rüöesschatz by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Rüöesschatz

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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I bsiinnem mi no güöed dran, wie-m-mi d'Müöetter hed wellem mid dr Rüöesschatz pliiggen, wan i no bin e-r-Rockbiebel gsiin. I ha bbrangged ung gsangled, warfir wäis i nimma; aber d'Müöetter hed gsäid: „Niid gid's!" Aber i han geng in gliichen Hick ghowwen ung gsangled um bbrangged und ha rra nid en Oigemblick Rüöeww glan. Aber d'Müöetter hed gchloschtred und hed nid welle-l-losen, und i ha- w-wiitergchääred, bis si verschläikterwiis mid dem Holzboden dr Wand naa tschaargged hed. „Los!" hed si iwwääreddäm gsäid, „los!" I ha d'Oore gstitzd. „Heschd d'Rüöesschatz uf em Loibengang gheerd chrawwen?" „D'Rüöesschatz?" „Ja, d'Rüöesschatz. Hed dr ds Groosi im Änderdorf no nie verzelld, was d'Rüöesschatz fir ne Chatz ischd? Leng, leng Chräwwel hed si ung gfiiregi Oigen, und schwarzi isch schi wie d'Rafen und d‘Schindli ob iis üüfi." I ha glosd; aber gfirchted han e-m-ma nid em Broosmen; aber d'Müöetter ischd wiitergfaaren: „We d'Chind niid wan uwaatli tien um bbraasen um bbranggen, chunnd si vun dr Rüöessdili abhazgumpen und häichd mid de Chräwwlen angäänds in!" I ha glosd ung glosd; i han dr Rüöesschatz nid rächt truwwed, dr Müöetter o niid; die Groossen häichen äim gäären em Bär an und wäin äine pliiggen; aber wär wäis? I bin i d'Stuben und ha d'Bäichie virha und mi mid dänen afa verteerlen. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Rüöessgampellen by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Rüöessgampellen

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Peterli sitzd im Fiirhüüs uf em Boden und täibelled; är täti gäärem büübellen, und d'Müöetter wolld's nid han. „Los", säid d'Müöetter züöe-n-im, „äs gäid, bis i dr Rüöessgampelle-r-rieffen. Äs wän dr wirser, düü hertischd üüf zwinggrindellen." „ D'Rüöessgampellen? " „Ja, d'Rüöessgampellen, die ischd uf dr Rüöessdili embrüüf; we d'Chind nid folgen, chunnd si abha i d'Chuchi und nimmd sa. Wie nen alti wieschti Grossen isch schi. Wäischd ds Gsatzli vun arra?                                     Rüöessgampellen uf dr Dili hed Oige wien es Fili, en Grind wie nen Härpfelchorb um Bbäin gad wie ne Sägeseworb."   An dr Gassen säge s' das Gsatzli anders:   „D'Röössgampellen uf dr Dili hed Oige wie es Fili, es Müül wie ne Schlusselchorb, e Buggel wie nem Bogechorb, hed roschtig Zeend um blöötig Hend und frissd alli beesi Chind, wa nid loibi sind."   Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D's ful Geisshirtji by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

D's ful Geisshirtji

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Es Wib het emal es Geisshirtji gedingut und het mu g'seit, es selle de sche bi Zitu cho ga d's Morgund essu, damit's di Geiss nit so spat us la chenne. Und duo ischt d's Hirtji cho und d's Wib het mu d's Essu uf un Tisch geta und g'seit: «Jez iss de nummu g'nuog.» Und d's Hirtji het zuogriffu und sche g'gessut, bis fascht nimme g'megut het; het aber no nit Lust g'hä z'ga. Duo het mu Schi e scheni Schnittu Ches und Brod abg'hauwu und innu Sack gegä für z'Abundbrod. Und d's Hirtji ischt no allzi am Tisch blibu. Duo het d's guot Wib es Schisselti g'no und ischt mu innu Cheller ga Nidlu reichu, damit schi d's Buobji do recht chenne hirtu. Und d's Hirtji het d'Nidlu g'suffu — und no nid wellu ga. — Duo het mu duo Schi do afa g'seit, es sigi jez Zit ga di Geiss usz'la. — Und duo het's Geisshirtji endli au afa redu und dum Wib g'seit: «Gad nid gani!» (Saaser Mundart)   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


D's Morisch Loch in Zermatt by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

D's Morisch Loch in Zermatt

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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In Zermatt auf Ryfel, in der Nähe des Ryfelhorns, ist eine ziemlich geräumige Höhle mit einem schmalen Eingang. Dort hauste einst ein verwilderter Schafhirt. Er ist durch das beständige Schafhüten so menschenscheu und menschenfeindlich geworden, dass er völlig verwilderte und die tägliche Nahrung nur abnahm, wenn man selbe irgendwo hinstellte und sich vor ihm nicht sehen liess; denn sobald er einen Menschen erblickte, nahm er die Flucht und verbarg sich in den Gebirgen. Nach und nach kam er gar nicht mehr zum Vorschein, trieb sich immer in der Wildnis unter den Viehherden herum und stillte seinen Hunger mit geraubten Schafen. Da die Leute den Schafräuber nicht mehr dulden wollten, suchten sie ihn zu fangen; doch ihre Mühe war vergebens. Sobald er merkte, dass man ihm nachstellte, flüchtete er sich immer auf das Ryfelhorn, zu dem nur ein einziger und gefährlicher Weg führte, den er aber stets mit solcher Verwegenheit behauptete und die Heranstürmenden mit einem so dichten Steinhagel empfing, dass diese seine Schanze zu erobern aufgaben. Man wusste nun auf keine Art ihn unschädlich zu machen, als auf ihn mit Feuergewehren, wie auf die Gemsen, Jagd zu machen, wo er dann eines Tags von einem Jäger ab dem Ryfelhorn geschossen wurde.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch  


D's Toggäli im rotä Reckli by (Josef Müller, Sage, Uri)

D's Toggäli im rotä Reckli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Wo d'r Brycker Heiri noch ä so-n-ä Schüelbüeb gsy syg – jä, das hed är de wellä-n erzwingä! –, syg schiär jedi Nacht äs Wybervelchli i d'Stubä-n-innä chu, wo-n-är im-mänä Bettchastä gschlafä häig, und syg i dr Stubä-n ummägfahrä. Äs häig äs rots Reckli a'gha und syg gsy wiä-nn-es Schüelmäitli. Är syg-si dessä-n-afigs ganz gwänntä gsy und häigs ä kei Lechä (eigentlich Lichnam; »gar nicht«) gfurchtä, und äs häig ihm äu nytt z'läid tah. Das syg's Toggäli gsy, hed-är wellä ha; das hed är mängisch v'rzellt. Theresia Gisler, 73 Jahre alt, Spiringen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D's Wetter ist guot by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

D's Wetter ist guot

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Amal sy an guote, brave Bur g'sy, wa niemal über d's Wetter g'fuchtot hät, es hey mögu sy, wettigs es wellu hei. We's oich noch so ulustig's und leid's Wetter g'macht hät, so hei er allzit g'seit: «D's Wetter ist guot, d's Wetter ist guot!» — Zuo der Zit wa der Glicho g'storbun ist und Lich ufg'lägu hät, hei es erschrecklich's wüest's Wetter g'macht. Ja am Tag, wa mu-nu hät sellu vergrabu, sy schi's Grab halbvolls Reguwasser g'sy. Da heige die Totuwächter z'sämu g'seit: «Was würdi der Verstorbino, wenn er noch redu chönti, z'dischum abschüchlichu Wetter sägu? Würdi er hit oich noch sägu: D's Wetter ist guot.» Da heige schich der Toto, wa ner Lich ufg'lägu hät, ufg'häbet, und mit luter Stimm g'seit: «Ja, d's Wetter ist guot!» Und d'ruf schich wieder niederg'leit und wider an toti Lich g'sy, wie derfir.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


D'Sibechlungellerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Sibechlungellerren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Wan i no bin es Mäitli gsiin, ischd unnafir em Ma z'Hüüs gsiin; där hed is Winterziits pliiggd; im Twingwäidli siigi e-w- weeschti Froww; si häigi sibe Chlungelleni an enem Schneerli um en Hals um; das siigi d'Sibechlungellerren. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


D'Sibenhaschplerren by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Sibenhaschplerren

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äs ischd no gar nid vil Jaar; da häim meer no sälber gflagsed; aber das ischd wenig gsiin; das ischd freejer ganz anders ggangen. Und im Winter häim mer geng gspunnen, mengsmal bis spat i d'Nacht anhi; aber vor dr Wienacht hed ma es gwisses Haschpi meesse gspunnen han; ds Groosi hed gsäid, suscht nämi äine d'Sibenhaschplerren. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Striiterrengroosi by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Striiterrengroosi

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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D'Striiterrengroosi ischd fascht äini wie d'Holzmietterren. Us en Nellen und Flienen ob dr Striiterren chunnd si abha bis i d'Briinigstrass und fascht bis zem Tiergarten. Wen Hanselli bim Wäschen und Sträällen si widreged und nid wolld ergän, pliiggd ne d'Möötter mid dem Striiterrengroosi: „Wart, uwwatlaga Brieli, was de bischd, wem mer bim Tiergarte verbii, nimmd di d' Striiterrengroosi i d' Finger; Wäsche töed 's di mid enem riischtigen Hudel und sträällen mid enem holzege Strääl; den hättischd d' de-w-wirser Ursach z'hirellen und z' bääggen!" Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Stund isch da by (Josef Müller, Sage, Uri)

D'Stund isch da

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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  1. Platti-Liese, ein 1890 im hohen Alter von 100 Jahren verstorbenes Müetterli, hat erzählt: Im Erstfeldertal arbeiteten einst mehrere Männer am Holz. Da hörten sie eine Stimme rufen: »D'Stund isch da, und d'r Mänsch isch nu nit da.« So rief es rasch dreimal nacheinander, und jetzt kam im hellen Lauf ein Mann daher gerannt und wollte an ihnen vorbeieilen. In diesem Augenblick fiel die Tanne und tötete den Eilenden. Mein Vater hat diesen Mann gekannt. Franziska Frei, Erstfeld 2. Männer im Meiental hatten soeben aufgetristetes Wildheu abgefasst, als sie eine Stimme hörten: »D'Stund isch noochä-n- und d'r Mensch nu niënä.« Trotz ihres Staunens fuhren sie ab. Nach wenigen Augenblicken geriet einer in ein Föhnengwächti, das sich löste und ihn im Schnee begrub. »Das isch denn aber ä grindlichi Wahrheit. Das het miër der N.N. selber v'rzellt und het gsäit, das syg sy Grossvatter gsy.« Marianna Schmid, 78 J. alt, Hospental 3. Eine von Bürglen gebürtige Magd hörte in einem Herrenhause in Altdorf eine Stimme rufen: »Hyr miër, z' Jahr diër« Bald darauf fing sie an zu kränkeln; sie bekam die Auszehrung und musste den Platz verlassen. Nach Verlauf eines Jahres war sie eine Leiche. Josefa Imhof-Aschwanden, 84 J. alt 4. Im Traume ward Einem geoffenbart, er werde am nächsten Tage von einem Stein erschlagen werden. »Dem kann vorgesorgt werden,« dachte er in seinem Innern, ging und legte sich ins Bett. Wie er so dalag, hörte er gegen Abend, da er sich schon freute, dem Tod ein Schnippchen geschlagen zu haben, jemand rufen: »D'Stund isch da, und der Tot isch niënä.« Die Neugierde trieb ihn auf und vor das Häuschen hinaus, um sich nach dem Rufer umzuschauen. Als er auf der freien Haustreppe stand, da fiel ein Stein vom Dache und tötete ihn. Nach anderer Erzählart im Maderanertal hörte der Mann in der Heiligen Nacht dem Gespräche der Haustiere im Stalle zu und vernahm hier, dass er am folgenden Tage von einem Steine werde erschlagen werden. »Wo eim d'r Tod g'grächet isch, da erggaht-men-em nitt,« sagt man fast sprichwörtlich. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945     Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Vollachüejer by (M. Sooder, Sage, Basel)

D'Vollachüejer

Source: (M. Sooder, Sage, Basel)

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As ischd im Herbscht gsiin. Dr Groosatt ischd z'Jag. Am Fuulhoren ischd er den Gemschenen naa. Aber dees Tags hed er nüüd uberchon. Im Vernachten ischd er zrugg und uf em Tschingelfäldbödelli in en Hütten. Ar hed ds Gweer, de Grusch und d'Täschen abtaan, hed afa füüren und ds Schali mi dem Wasser drin a Chesseller gheichd und hed gwarmsed. Naa em z'Nacht ischd er uber ds Leiterli uf; Heuw ischd gnueg gsiin uf dr Gaschterra, und nüd lang isch'sch ggangen, hed er gschlafen. Wie lang hed er nüd gwüssd, uf ds Mal erwached er. Vom Schweiffisband naha ischd es Glüüt chon; Gloggi und Trichli sii ggangen; derzwüschen hed er ghörd hoien und chötten. Ds Glüüt und ds Lärme siin geng wie neher und neher chon, bis's ischd bir Hütta gsiin. D'Schopftüren ischd ufggangen; Chüe siin i Schopf chon; derna hed er ghörd mälhen; mit Mälchtre sii rra i d'Hütta chon und hei d'Milch i ds Chessi glöösd. In dr Füürgrueben hed's gsprätzled; dr Turner hed gruugged; si hei ds Chessi uber ds Füür greited. Wa dr Chääs ischd uf em Britt gsiin, hei si Achis ggoffen und afa zigren und hei zlescht e Zigermilch gmachd. Du hed eina zem andre gseid: „Sol i däm uf dr Gaschterra o Milch abbieten?" „Ja", hed e Stimm Bscheid ggän, und uber ds Leiterli uoha ischd eina chon und hed im gseid, är selli ahichon; si wellem mu Milch gän. Dr Groosatt hed nüd anders gwüssd z'machen, wa z'gaan. Uf em Sufisdotzen ischd e Sufinapf gstanden, Milch drin und Löffel dran. Dr Groosatt hed e Löffel ergriffen und es Schlückelli, nüd mee, uf d'Zunge gnun. Da stossd där, wa näbed im ischd gsässen, de Schnützer in es Wandholzli; dr Grosatt uberchunnd dermid e Stich i d'Sita; das hed im wee taan, vor Schmärzen hed er 's faschd nüd megen usgstaan. Du ischd d'Hütta läärri gsiin und niena nüüd mee vom Mannen. Är ischd uber ds Leiterli uf und i ds Heuw gschnaagged. Mid Müej und Nod ischd er heichon; är ischd i ds Bett und hed doktred; aber alls hed nüüd gnützd. Du ischd eis uf Unterwalden uusi ze Chapizünerren. Si heim mu graaten, dr Groosatt selli am gliche Tag und zur gliche Stund in die glich Hütten gaan. Aber Milch dörff er eggheini nän und bloss Vergält's Gott sägen. Du hed er das eso gmachd. D'Vollechüejer siin umhi chon; alls ischd prezis ggange wie ds eerder Mal. Gscheen ischd im nüüd Bös's; si hein im Milch abboten, und är hed bloss Vergält's Gott gseid, und d'Vollachüjer sii verschwunden, as we si nie wän da gsiin. Gsund und zwäg ischd er heichon und später no mengs Jaar z'Jag; aber uf em Tschingelfäldbödelli ischd er nie mee gen ubernachten.   Melchior Sooder:   Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Zwäärga und dr Üürwätter by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Zwäärga und dr Üürwätter

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Äs ischd im Hewwed gsiin. Us e Fleene sii d'Zwäärge chun und häin de-l-Liiten hälfen hewwen. Aber, das häi s'gsäid, wen dr Üürwätter chemi, brüühi den neemmen uf sa z'zellen. Naa nes par Moigeltagen ischd hinderhi dr Feen virhaglägen. Äs hed afa schoonen, und geng isch'sch mee old minder feenig gsiin; d'Liit häi gmääd ung gwirbed u-s-siin dra gsiin und häin itaan und üüfgmachd, was s' häim megen; alls hed gwissd, wen dr Feen laad gaan, chunnd läids Wätter naha. Aber Zwäärgleni häi si neena virhaglaan und häi d'Liit ellengge-l-laa juflen und hewwen. Döö hed ds Wätter gcheerd; dr Feen hed laan gaan; vun unnen üüfa isch'sch fiischter chun. D'Liit häin itaan ung gschochned; döö hed's afa-r-rägnen; äs ischd no vil düüsse bbliben, Schochen u Sprätt. In allem Räge sii d'Zwäärga chun; aber neemmen hed sa welle-r-reemmen und ne d'Hend under d'Feess legen. Jetz, hed nen äina gsäid, wa 's rägni, cheme s' z'schlaarpen; aber wen neemme- w-wissi, wa-w-weerren, bliibe s' am Schatten. Aber d'Zwäärga häi gsäid, äs selle nen neemme zirnen; wen dr Üürwätter, dr Feen, chemi, meesse s' zööhi, si häige 's ja gsäid. Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


D'Zwäärgleni in dr Hoflöe by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Zwäärgleni in dr Hoflöe

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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In dr Hoflöe ischd e Zwäärgliheli, und dinna sii stäinig Tischa, Bänk und Stiel. Vil und dick sii s' uber en Grind und dir e-w-Wald abhachun bis i d'Gieter um ds Dorf um. Äis sii rra i ds Obermos chun und häin da gholfen hewwen. Uber Tag si s' geng uf enem Boi gräbled und häi si uf en Eschte gsädled wie d'Vegel und häi ghirmed. Aber döe hed nen äina en grossa Ascht igsaaged, und wa s' emmumhi siin uf em Boi gräbled und si häi-w-welle sädlen, hedd dr Ascht grached , und alli zsämen siin embrinha ghiid. Döe häi s’afam möellen und häi gsäid: „Hiit hiehar, und nie mee!“ Derna sii s’furt. Niemmen hed gwissd, wohin. Aber siithar chemen egghäiner Zwäärgleni mee chun hälfen heewen, und d’Liit miessen ellenggen gnöeg töen.         Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


D'Zwäärgleni uf dr Blatten by (M. Sooder, Sage, Bern)

D'Zwäärgleni uf dr Blatten

Source: (M. Sooder, Sage, Bern)

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Sabald as d'Sunnen hed agschinen, siin us e Fleenen d' Zwäärgleni abha chun. De sii s' geng zer gliichem Blatte ggangen und häi si drüüf gsunned ung gwärmd. Geng um die gliich Ziit sii s‘ chun. Aber da ischd e junga Gali gsiin; där hed nen eppes welle ticklen und hed nen uf dr Blatten es Fiir gmachd, bis dr Stäin ischd gfiiraga gsiin. D'Choli ung d'Glööd hed er furttaan; neemmen hed eppes selle vun im merken. Wa d'Sunnen ischd virha gsiin, sii d'Zwäärgleni chun und uf d'Blatte gräbled. Aber äis um ds ander hed lüüt afam breelen; alli häi schiizli d'Feessleni verbrennd. Siithar siin hee z'Gägni egghäiner Zwäärgleni mee; si sii furtggangen und nee mee chun.                                   Melchior Sooder: Zelleni us em Haslital. Märchen, Sagen und Schwänke der Hasler aus mündlicher Überlieferung. Basel 1943. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Da hed ä-n-armi Seel 'planget by (Josef Müller, Sage, Uri)

Da hed ä-n-armi Seel 'planget

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Mehrere Abende hintereinander hörten wir es in den Brettern und Läden, die in der Laube aufgespeichert waren, chlottern und rumpeln. Da wurde uns ein etwa zweijähriges Kind krank; das unerklärliche Geräusch wiederholte sich, und eines Abends hörten wir Einen gegen unser Haus kommen und an die Haustüre doppelen. Der Vater ging hinaus, konnte aber niemand gewahren. Jetzt war das Ding gut. Übernacht starb das Kind, und wir benachrichtigten unsern Nachbar, den Märchliger, dass er komme und dem Kinde den Totenbaum anmesse. Er kam vormittags, nahm das Mass, verfügte sich hierauf in jene Laube und suchte sich da die nötigen Bretter heraus. – Da hed ä-n-armi Seel 'planget. Jos. Gisler, 61 Jahre alt, Spiringen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Dank der armen Seelen by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Dank der armen Seelen

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Bei Oberhäusern auf dem Eischollberg steht am Wege ein Kreuz, das an folgende Begebenheit erinnert: Einmal ging der Egertenpeter ganz früh diesen Weg, um das Vieh zu verpflegen. Da begegnete ihm ein guter Bekannter der’s sehr eilig hatte. «He, Melcher, wohin so rasch in aller Herrgottsfrühe?» so redete er ihn an. «Nach Agarn, da ist ein armes Ehepaar, das sehr viel für die armen Seelen betet; dem sind beide Kühe an einer Kette!» So antwortete der Melcher, und fort war er. Nachdenklich ob der erhaltenen Antwort ging der Egertenpeter seines Weges. Gross war aber nachher seine Verwunderung, als er vernahm, sein Freund Melcher sei zur selben Stunde friedlich im Bett gestorben. EISCHOLL Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das "Gfröre" by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das "Gfröre"

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Im Toggenburg und Appenzellerlande herrscht auch jetzt noch bei manchen Leuten der Glaube, es gebe Männer, die können sich "gfören", d. h. ihren Leib gegen alle Schläge, selbst gegen solche mit einem Hebeisen, total unempfindlich machen bis auf eine kleine Stelle am Körper, die sich in der Regel unter der Nase oder unter der Achsel befinde. Mancher Raufbold liess sich dann auch, um sich gefürchteter zu machen, vor einer ganzen Gesellschaft durchwalken, indem er den Schmerz verbiss und lachend zu noch stärkerem Drauflosdreschen aufforderte. So einer war der in der ganzen Gegend gefürchtete "Krummbachhämmel". Der hatte daheim vor seinem Haus einen fünfzentnerigen Stein liegen; den hob er alle Tage ein paarmal, um seine Kraft zu üben und sie auch zu zeigen, wenn jemand des Weges kam. Schon manchen Starken hatte er zum Krüppel geschlagen, und niemand war mehr in der Gegend, der ihm irgendwie entgegenzutreten wagte; doch sollte auch er seinen Meister finden. Einst hatte er nämlich an einem Tanzsonntage in Wattwil, mit einem "Sidelenbein" bewaffnet, einen Saal geleert; nur ein Tiroler sass noch ruhig in der Ecke, Wie der "Hammel" auch auf ihn los will, spricht dieser: "Ich iss für mei Geld, lass mich in Ruh!" "Was sähst! Usse muest!" ruft "Hämmel" und will ihn packen. Aber wie der Blitz fasst ihn der Tiroler bei Gurgel und Hosenband, hebt ihn in die Höhe und wirft ihn zum Fenster hinaus. Die "Gfrörni" schützte ihn diesmal nicht; denn nach drei Tagen starb er infolge des Sturzes. Alpenpost, 1871. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 439, S. 258 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das "Helf dr Gott" der Schlossmagd by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das "Helf dr Gott" der Schlossmagd

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Eine Magd, die im Schlosse Gräplang diente, hörte oft in der Nähe des Schlosses ein heftiges Niesen, sah aber niemals einen Menschen. Als sie es wieder hörte, rief sie zum Fenster hinaus: "Helf dr Gott!" - Sogleich erschien ihr ein Geist in Menschengestalt und erklärte ihr, dass er durch diesen Ruf erlöst worden sei und nun nicht mehr wandeln müsse. - Beim Abschied wollte er ihr die Hand bieten; sie bot ihm aber nur das Ende der Schürze, welches sofort zu Kohle verbrannte. Ferd. Stoop.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 297, S. 165 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Aarauer Haldentier   by (Ernst L. Rochholz, Sage, Bern)

Das Aarauer Haldentier  

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Bern)

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Ein Metzger hat vor hundert Jahren in Aarau gelebt, der sein Handwerk nicht recht hatte erlernen mögen und die Kälber nicht abschlachtete, sondern erbärmlich zu Tod marterte. Die Leute verabscheuten ihn und kauften ihm nichts mehr ab. Er handelte hierauf mit Häuten, betrog die Bauern, prügelte seine Hunde, und verhöhnte die Armen. Zuletzt wurde er von einem Ochsen so gefährlich getroffen, daß er nach langen Schmerzen starb. Von nun an aber mußte er in Gestalt eines großen glasäugigen Metzgerhundes herumlaufen. Bei Nacht und Wetter machte er um alle Türme und Mauern der Stadt die Runde. Bei Tage wohnte er im Katzengraben, einer Sackgasse an der Halde. So lange dort das Haldentor noch stand, klopfte er alle Nächte dem Wächter ans kleine Einlaßtörlein. Dieser öffnete ihm auch regelmäßig, ging aber dann vorsichtshalber jedesmal schnell ins Wachtstübchen zurück. Indessen passierte das Haldentier, und der Mann schloß, wenn es sich entfernt hatte, wieder zu. — Dies dauerte bis 1798, da die Franzosen in die Stadt rückten. Diese haben alle Gespenster, deren es damals beinahe in jedem vierten Hause eines gab, verjagt oder nieder gemacht.  Sage aus Aarau Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 81 - 82 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Abenteuer des Nachtschwärmers by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Abenteuer des Nachtschwärmers

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Kaspar, – die Geschichte spielt in den vierziger Jahren des letztverflossenen Jahrhunderts – ein junger Lediger aus dem Holzerberg in Bürglen, hatte eines Abends seiner Liebsten in dem sehr hoch gelegenen Berggut Schindleren einen Besuch abgestattet und befand sich auf dem Heimweg. Wie er in die Kornmatt kam und dabei einen Hag übersprang, da krachte es dicht hinter seinem Rücken, gerade wie wenn noch ein Zweiter über den Hag setzen würde. Doch Kaspar achtete dessen wenig, schritt furchtlos durch die Kornmatt abwärts, öffnete unten das Türli und betrat die holperige Berggasse. Kaum hatte er einige Schritte auf ihr zurückgelegt, als schon wieder ein Zweiter das lotterige Türli hinter ihm zuschletzte, grad so wie er es selber getan. Das fällt dem Kaspar doch auf; er späht umher und wartet, aber nichts regt sich, niemand lässt sich blicken. Doch es ist ja stockfinster; der Verfolger hat sich vielleicht versteckt. Es kommt die Stelle, wo der Nachtbub die Gasse verlassen muss, um gegen den Holzerberg abzuschwenken. Er ergreift die oberste Haglatte, setzt über den Zaun hinweg und lenkt seine Schritte durch die Wiese, und wieder braschlet's im Zaune, als ob noch einer darüber springen würde. »Aha, das ist der Bitzi Mariä« (ein Nachbar), denkt Kaspar, »aber der soll nur kommen!« Und er stellt sich, klatscht herausfordernd in die Hände und ruft laut: »Ja, ja, Mariäli, wennd eppis mit d'r ischt, sä chumm nur, ich probiëre's scho mit'r«. Aber von diesem Augenblicke an, bis er zuhause im Holzer ankam, wusste Kaspar gar nichts mehr von sich, und doch war es noch ein weiter und schwieriger Weg, namentlich durch das Steintal. »Jäh, das isch denn eis, das wahr isch!« Kath. Müller, Altdorf, 75 J. alt. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Äckelmümmelisbrünneli by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Äckelmümmelisbrünneli

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Äckelmümmelisbrünneli Im Dorfe Pfungen befindet sich ein unter dem Namen „Äckelmümmelisbrunnen“ bekannter Brunnen, von dem die Volkssage erzählt, dass in uralter Zeit an dessen Quelle ein wundertätiger Mann namens Äckelmümmeli mit Vorliebe geweilt habe. Das sei der heilige Pirminius gewesen, der von der Insel Reichenau her, wo er ein Kloster gestiftet hatte, öfters herüberkam und sich am klaren Schattenquell gottseligen Betrachtungen hingab. So wie die Insel Reichenau von Pirmins Zeiten mit allerhand giftigem Gewürme, so war die Gegend um Pfungen mit grossen Mengen giftiger Schwämme geplagt, welche die Viehzucht erschwerten. Und wie Pirmin die Reichenau vom Gewürm säuberte, reinigte er er auch die Gegend von Pfungen von den lästigen und schädlichen Schwämmen. Auch hier richtete er ein geweihtes Kreuz auf und verrichtete kniend sein wunderkräftiges Gebet. Und wie das giftige Gewürm sich eilend aufmachte und die Reichenau verliess, so dass der See davon bedeckt war, so verloren auch die Schwämme ihre giftige Eigenschaft und die Bauern durften nun ohne Gefahr ihr Vieh auf die Weide treiben. Seit der Zeit blieb der Brunnen, bei dem sich Primen so gerne aufhielt, der Gegenstand der Verehrung des Landvolkes. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Winterthur und Weinland Wörtlich aus Stauber, S. 69. Seine Quelle unbekannt. Weitere Quellen: Mem. Tig. 1742, S·319; J. J. Hottinger, Helvetische Kirchengeschichten, S.298; Schweizerischer Merkur, V. Heft, S. 314; Kohlrusch, S.299. Die Fassung Kohlrusch, die sich auf Mem. Tig. 1712 stützt, beginnt so: „Gleich vor der herrlich an der Töss gelegenen Wartburg, die durch. der Ungarnkönigin Agnes Rachsucht in einer Ruine verwandelt wurde, erhebt sich das nicht mehr im Wesen stehende Schloss Pfungen, ein uralter Bau, der, wenn man der Chronik trauen darf, die Hof- und Lieblingsburg des Herzogs Gottfried von Pfungen, Caroli Magni Grossvater, gewesen ist.“ (Folgt die Erzählung, die Stauber für seine Sammlung benützt hat.) Vgl. ferner die um 1500 verfasste Reichenauer Chronik von Gallus Oeheim, welche sagt, dass Pirminius zur Zeit Watilonis, Herzog Gottfrieds von Schwaben Sohn, nach Pfungen gekommen, daselbst ein Kloster gebaut und bis zum Tode Herzog Gottfrieds hier geblieben sei. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Äckelmümmelisbrünneli by (C. Kohlrusch, Sage, Zürich )

Das Äckelmümmelisbrünneli

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Zürich )

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Gleich vor der herrlich an der Töss gelegenen Wartburg, die durch der Ungarnkönigin Agnes Rachsucht in eine Ruine verwandelt wurde, erhebt sich das nicht mehr im Wesen stehende Schloss Pfungen, ein uralter Bau, der, wenn man der Chronik trauen darf, die Hof- und Lieblingsburg des Herzogs Gottfried von Pfungen, Caroli Magni Großvater, gewesen ist. Um das Schloss herum liegt, gar lieblich, am Fuße des Eigelharten, auf einer unbeträchtlichen Anhöhe, das Dorf gleichen Namens, und in demselben befindet sich ein Brunnen, der unter dem Namen „Äckelmümmelisbrunnen" ringsherum bekannt ist. Von dem Brunnen erzählt die Volkssage, dass in uralter Zeit an dessen Quelle der liebste Aufenthalt eines wundertätigen Mannes, Namens Neckelmümmeli, gewesen sei. Unterrichtete Leute wissen aber wohl, dass unter diesem „Neckelmümmeli" niemand anders zu verstehen sei, als der heilige Priminius, der, von der Insel Reichenau, auf der er geboren ward, herüberkommend, an dem klaren Schattenquell ruhte und sich gottseligen Betrachtungen hingab. So wie jene Insel vor Priminii Zeiten mit allerhand giftigem Gewürm, so war die Gegend um Pfungen mit einer ungeheuren Menge giftiger Schwämme geplagt, welche die Viehzucht erschwerten; und so wie Priminius das Eiland Reichenau vom giftigen Gewürm, so reinigte er auch die Gegend um Pfungen von den lästigen und schädlichen Schwämmen. Wie in Reichenau, richtete er zuerst mitten in der Gegend ein geweihtes Kreuz auf und verrichtete sodann kniend sein wunderkräftiges Gebet – und wie all' das giftige Gewürm unverweilt sich aufmachte und die Flucht nahm, also, dass der Bodensee drei Tage und drei Nächte lang davon bedeckt war – so auch verloren die Schwämme, welche die Wiesen von Pfungen verderbten, vollständig ihre giftige Eigenschaft, und die Bauern durften nun ohne Gefahr ihr Vieh auf die Weide treiben. Seit der Zeit ist der Brunnen, bei welchem Priminius sich so gerne aufhielt, ein Gegenstand der Verehrung des Landvolks, einer Verehrung, die sich selbst auf unsere Zeiten übertragen hat. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Adlermädchen by (Walter Keller, Zaubermärchen, Tessin)

Das Adlermädchen

Source: (Walter Keller, Zaubermärchen, Tessin)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 705

An einem warmen Julitag stieg eine Witfrau, ich weiß nicht aus welchem Dorf, auf den Berg hinauf, um zu heuen. Sie trug in ihrem großen Korb, den sie auf den Rücken gebunden hatte, auch ihr zweijähriges Kind. Das war ein herziges und wunderliebliches Mädchen. Während die Mutter emsig mit heuen beschäftigt war, hüpfte das Kind bald da, bald dorthin, um Alpenblümlein zu pflücken. Auf einmal kam ein mächtiger Adler, gleich einem fallenden Stern, auf das Kind herabgeflogen, packte die Kleine mit seinen scharfen Krallen und trug sie davon in sein Nest. Denkt euch den Schrecken, die Verzweiflung und das Weinen der unglücklichen Mutter! Aber wie sonderbar, das Kind hatte keine Angst vor dem schrecklichen Raubvogel. Es schmiegte sich zufrieden an seinen Hals, lachte und spielte mit seinen Federn. Der Adler, besiegt von den unschuldigen und anmutigen Liebkosungen der Kleinen, fasste Zuneigung zu ihr und beschloss, sie als Tochter an Kindesstatt anzunehmen. Er brachte ihr Früchte und wilden Honig zu essen und zeigte ihr, wie man auf den abschüssigen Feldern der Berge herumklettern und sich festklammern müsse. Eines schönen Tages begann der Adler für sein Pflegekind in die Dörfer tief unten im Tal oder in die Ebene hinunterzufliegen, um allerhand Wäsche und Kleidchen der Bauernmädchen zu rauben, die zum Trocknen in der Sonne hingen. Dann, als das Kind immer grösser wurde, wollte er, dass es Kleider aus Samt und Seide anzöge. Deshalb flog er in die Schlösser und Paläste der Königin und der Prinzessinnen, raubte dort die wundervollen Kleider und trug sie von dannen auf die unzugänglichen Höhen seiner Felshöhle. Eine Königin, der eine Menge Kleider und Schmucksachen auf diese Weise weggekommen waren, bat schließlich ihren Sohn, jenen schrecklichen Raubvogel zu erjagen. Der Prinz wollte zuerst seiner Mutter nicht gehorchen. Dann aber fragte er sich, neugierig geworden, wieso wohl ein Vogel dazu komme, Kleider und Juwelen zu stehlen und beschloss darum, der Sache auf den Grund zu gehen. Monate und Monate lang streifte er im Gebirge umher, ohne den Raubvogel zu finden. Schon hatte er wieder den Entschluss gefasst, sein kühnes Unternehmen aufzugeben, als er plötzlich an einem schönen Tag im Mai eine süsse Mädchenstimme hörte, die oberhalb seines Standortes sang. Sogleich kletterte er am Felsen empor und fand die junge Sängerin ganz vergnüglich im großen Nest des Adlers sitzen. Wie überirdisch schön war sie! Sogleich ging der Jüngling auf sie zu. Sie wurden bald gute Freunde und erzählten einander ihre Erlebnisse. Das Mädchen berichtete dem Prinzen die wunderbare Geschichte ihres Lebens in dieser Bergeinsamkeit. Dieser wollte, dass sie nunmehr in sein schönes Schloss komme und seine Gemahlin werde. Das hübsche Mädchen war damit einverstanden. Sie stiegen zusammen ins Tal und gelangten endlich zur Königsburg. Dort stellte der Prinz seine Begleiterin dem Vater vor und sie erzählten ihm, auf welch sonderbare Art sie sich gefunden hatten. Der König hiess das wunderschöne Mädchen mit einem Kuss willkommen, nannte sie Aquila oder Adler, gab seine Einwilligung zur Verlobung und traf alle möglichen Vorbereitungen für eine glanzvolle Hochzeit. Die alte Königinmutter jedoch wollte durchaus nichts davon wissen, dass ihr Sohn eine solche abenteuerliche Vermählung eingehe und jenes wildfremde Mädchen zur Frau nehme. Sie befahl daher im geheimen zwei Dienern, die Braut in den Fluss zu werfen. Und diese gehorchten. Aber der Adler hatte das verzweifelte Schreien des armen Mädchens gehört, das im Begriff war, im Wasser zu ertrinken. Schnell wie der Blitz flog er herbei und brachte die Ertrinkende ans Ufer. Darauf kehrte Aquila in das Schloss zurück. Am folgenden Tag heiratete der schöne Prinz seine liebliche Braut. Um die grausame Königin zu bestrafen, zog sich der König von der Regierung zurück und überließ den Thron seinem Sohne, damit seine liebe Schwiegertochter Aquila Königin werde. Quelle: Walter Keller, Am Kaminfeuer der Tessiner, Sagen und Volksmärchen, Zürich o.J. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Aemmer-Mieti by (A. Streich, Sage, Bern)

Das Aemmer-Mieti

Source: (A. Streich, Sage, Bern)

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Im alten Alpgassen-Schulhaus mussten die Mädchen nach der Schule die Schulstube wischen. Damit ihnen die langen Stühle - aus einem einfachen Brett und drei Paar Beinen - bei der Arbeit nicht hinderlich würden, stellten sie diese auf die Schulbänke hinauf, immer einen Stuhl auf eine Bank. Es waren zwei Reihen und dazwischen ein Gang. Wie das nun so geht, wenn junge Plappermäuler beisammen sind, es wurde zu der Arbeit viel geschwätzt und gelacht. Ein Wort gab das andere, ein Gelächter löste das andere ab und die Mädchen bekamen vor Übermut rote Wänglein wie ein Stramecherapfel. Rief da plötzlich ein übermütiger Straupf laut und die andern überschreiend: „Aemmer-Mieti, chun! Aemmer-Mieti, chun!“ Nun war es heraus; da half kein Abwehren und kein Vorwurf und keine Angst und kein Schweigen mehr! In der ersten Bankreihe, gegen die Fenster zu, fiel auf einmal der vorderste Stuhl herunter, dann der nächste und so schön einer nach dem andern bis zuhinterst. Und als diese Reihe unten war, kam auch die andere daran, bis alle Stühle auf dem Boden lagen. Auf diese Weise hatte das gerufene Aemmer-Mieti seine Anwesenheit kundgetan. Es hätte noch schlimmer werden können. Aber eine Warnung schien genügt zu haben; den Mädchen war der Übermut gründlich ausgetrieben. Sie brachten die Arbeit nun wohl erschrocken aber demütig und sauber zu Ende. Und mehr hatte das Mieti offenbar nicht gewollt. Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Aeugsterwappen by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Aeugsterwappen

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Aeugsterwappen Aeugst hat ein Eichhorn im Wappen. Damit soll folgender Schwank im Zusammenhang stehen. Es soll früher einmal ein Aeugster ein Eichhorn von blosser Hand gefangen haben. Das habe ihn gebissen und gekratzt. Da hat er gesagt: „S nächschtmol legg i dänn Händschen aa!“ In der Umgebung lebt darum die Redensart: „Mer nänd en vo Händsche, wie d’Aeugschter!“ Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Knonauer Amt Gchr. Knonau 1920   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Agnesgeschrei by (C. Kohlrusch, Sage, Aargau)

Das Agnesgeschrei

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Aargau)

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Gegen Sarmenstorf zu, in einem Walde, liegen die letzten Überreste der Burg Fahrwangen. Hier war es, wo die rachedurstige Kaiserin Elisabeth 63 Edelleute, Mitschuldige an dem Morde ihres Gemahls, des Kaisers Albrecht, enthaupten ließ. Sie selbst sah mit ihrer jungen Tochter, der Ungarnkönigin Agnes, der Hinrichtung zu. Als diese vollbracht war, watete die junge Agnes in dem Blute der Hingerichteten herum und rief frohlockend über die genommene Rache: „Heute bade ich im Maitau!“ Seit jener Zeit hören die Bewohner der Umgegend jedes Mal, wenn eine Änderung im Wetter eintritt, einen eigentümlichen klagenden Ton in der Luft. Diesen Ton nennen sie das Agnesgeschrei, indem sie behaupten, es sei der Geist der Königin von Ungarn, welcher in den Trümmern der Burg Fahrwangen umgehe und zur Strafe für jene unchristliche Rachetat verdammt sei, jenen Wetterveränderungen verkündenden Ton von sich zu geben. Viele wollen den Geist der Königin auch selbst gesehen haben. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Aha-Hudi zu Steinen by (Alois Lütolf, Sage, Schwyz)

Das Aha-Hudi zu Steinen

Source: (Alois Lütolf, Sage, Schwyz)

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a) Von Biberegg her fliesst durch ein tiefes Tobel die Aa bei Steinen, eine Stunde von Schwyz entlegen, vorbei. Sie hat schon oft grossen Schaden angerichtet. „Die alten Steiner wissen viel Seltsames von „Aha-Hudi“ zu erzählen, dass sie manchmal bei grossen Wassergüssen auf einem Trämmel sitzend daher fahren wollen gesehen haben.“   b) Wenn der Gangbach bei Schatdorf im Kanton Uri verheerend niederstürzte, sah man wiederholt in selbem eine Hexe auf einem Trumm bachab reiten.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das Aha-Hudi zu Steinen by (Alois Lütolf, Sage, Uri)

Das Aha-Hudi zu Steinen

Source: (Alois Lütolf, Sage, Uri)

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a) Von Biberegg her fliesst durch ein tiefes Tobel die Aa bei Steinen, eine Stunde von Schwyz entlegen, vorbei. Sie hat schon oft grossen Schaden angerichtet. „Die alten Steiner wissen viel Seltsames von „Aha-Hudi“ zu erzählen, dass sie manchmal bei grossen Wassergüssen auf einem Trämmel sitzend daher fahren wollen gesehen haben.“   b) Wenn der Gangbach bei Schatdorf im Kanton Uri verheerend niederstürzte, sah man wiederholt in selbem eine Hexe auf einem Trumm bachab reiten.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das Alp-Segnen by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Das Alp-Segnen

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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In der Malanser-Alpe Tarnuz (im Vättiser- Thale) waren gar fromme Sennen, die allabendlich über das, ihnen anvertraute Vieh einen Segens-Spruch taten. Nun hatte aber der Ober-Senne einen Lieblingsschimmel (eine weissgraue Kuh), die er eines Abends streichelte, und dann auf einen besonders guten 'Weideplatz führte, indes das übrige Vieh des Segensspruches wegen, um die Sennhütte herum versammelt wurde. Der Senn gedachte den »Schimmel« allein und besonders zu segnen. Als nun die Sennen sagten: »Gott b'hüet is d's Veh in dunkler Nacht, Halt' selber üs'ra Berga Wacht!« zog eben eine Wolke den Berg herauf, die Sturm und Gewitter mit sich brachte. Das schaffte den Alpknechten grosse Not und Arbeit, so dass der Obersenne darüber vergass, den Segensspruch über den Schimmel auszu­sprechen. - Indessen kam der Schimmel von seinem Weideplatze heim, und wurde mit dem andern Vieh in den Stall gebracht. Es donnerte und blitzte die ganze Nacht hindurch, und der Sturm rüt­telte und schüttelte an der morschen Alphütte. Am Morgen trafen die Älpler alles Vieh gesund und wohlbehalten an, ausser dem Schimmel, der war vom Blitze erschlagen, worüber der Obersenn so sich grämte, dass er am gleichen Tage die Alpe verliess, und nie wieder­kehrte. Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Alpgeschrei by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Alpgeschrei

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Ein Jäger hörte auf einer urnerischen Alp ein wunderbares Geschrei und ging dorthin, von woher ihm dasselbe zu kommen schien. Zu dieser Stelle gelangt, vernahm er dieselben Töne plötzlich von ganz anderer Seite her, und so ward er eine Zeit lang geneckt, bis endlich alles verstummte. Darauf gab es sehr schlecht Wetter. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Alpgeschrei   by (Alois Lütolf, Sage, Uri)

Das Alpgeschrei  

Source: (Alois Lütolf, Sage, Uri)

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Ein Jäger hörte auf einer urnerischen Alp ein „wunderbares" Geschrei und ging dorthin, von woher ihm dasselbe zu kommen schien. Zu dieser Stelle gelangt, vernahm er dieselben Töne plötzlich von ganz anderer Seite her und so ward er eineZeit lang geneckt, bis endlich alles verstummte. Darauf gab es sehr schlecht Wetter.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das Alpgespenst by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Alpgespenst

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Göscheneralp. Gespenst: Ein Mann mit grossem Bart und feurigroten Augen. Verderbte alle Knechte. Hatte die Marchen zwischen Alp und Eigen gefälscht. Litt hier schon mehr als 70 Jahre und musste alle Nacht um zwölf Uhr marchen gehen. – Knecht aus Wallis, nur ein Schlurggi, aber fromm und christlich, deswegen geschont, etc. Acker mit Mehl anpflanzen. Hostien. Messewasser. Josef Zieri, Erstfeld Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Alphorn by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Das Alphorn

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Sonst, wenn der Frühling mit Schalmei und Blumenkorb durch Berg und Tal wanderte und die frohen Sennen ihre Herden wieder zur Alp getrieben hatten, vernahm man fast jeden Morgen von der Kaltbrunnen-Alp her, im Haslital, die Töne zweier Alphörner, die sich in melodischer Zwiesprache Red- und Antwort gaben. Längst sind sie verstummt und nur die Flühen sollen zuweilen ein geisterhaftes Schluchzen und Weinen von sich geben. Auf jener Alp hirtete nämlich in alten Zeiten ein wunderschöner Jüngling seine Herde. Die Leute rühmten ihm nach, dass er ein Instrument von mächtigem Klange erfunden habe, mit welchem er das schönste Echo am fernen Fels erwecken könne. Das erste dieser Hörner, das seine geschickte Hand verfertigt hatte, schenkte er seiner Geliebten, einer Sennerin, welche nicht sehr fern von ihm, auf der Reichenbachalp den Sommer zubrachte. Nicht lange, und das Mädchen hatte dem Jüngling die Kunst des Blasens vollkommen abgelernt. Früh morgens, wenn die Sonne mit ihren Purpurstrahlen die Firnen vergoldete, folgte der Hirt seinen Kühen auf die Weide setzte sich ins Grüne, oder lehnte sich an einen Felsen und blies ein fröhlich Stücklein auf seinem Alphorne. Bald erschien dann auf der Alp gegenüber das Mägdlein, ihm Antwort zu geben, wie er’s ihr gelehrt. Bald bliesen sie selbander eine zweistimmige Melodie, bald hörte man wieder nur leise den Einzelnen. So unterhielten sich die beiden Liebenden manche glückliche Stunde miteinander, ihre Herzen verbanden sich noch inniger und im Herbst, ehe sie zu Tal zogen, ein jedes nach einer andern Bergseite, gaben sie sich das Gelübde, einander übers Jahr ganz anzugehören. Mit dem Frühling kam auch der Jungsenn wieder auf Kaltbrunnenalp Da blies er freudig einen hoffnungsvollen Lenzgruss hinüber. Aber keine Stimme, kein Laut gab ihm drüben Antwort. Da blies er lauter, stürmischer, doch totenstill blieb s auf der Nachbaralp. Endlich aber, als seine Weisen immer sehnsüchtiger anschwollen, kam eine Senne herauf und sagte: "Blas nimmer, du erweckst sie nicht, die drunten im Totenhofe schläft." Da wurde der Hirt sehr traurig, ergriff sein Horn und schlug`s an einen Felsen, dass es in Stücke zerschellte. Dann schritt er von der Alp hinweg. Niemand weiss, wohin er gegangen und wie er geendet hat. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Alpmutterli (Flums, SG) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Alpmutterli (Flums, SG)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Das Alpmutterli ist der Gegenstand eines ausgedehnten Sagenkreises. Die Gestalt hat einen neckischen, schadenfrohen Charakter. Es gibt jetzt noch Älpler, die behaupten, das Alpmutterli gesehen zu haben. Meine Urgrossmutter ging als Kind in Begleitung eines andern Mädchens mit einem "Tusli" voll Nidel von der hochgelegenen Geisswiese heim. Im Badeura sahen sie eine wilde Henne mit Hühnlein und wollten sie fangen. Plötzlich glitschte das eine Mädchen aus und verschüttete den Nidel. Das andere hörte hinter sich ein leises Lachen, und als es sich umkehrte, sah es ein Weiblein sein Schösslein "fleugen" (schwenken). Das war das Alpmutterli. Zwei Bauern mitteten im Mittenwald Holz. An einer geneigten Stelle ging es dem vordem auf einmal ganz schwer. Sein Kamerad rief: "Es sitzt ein Weiblein auf deinem Schlitten." Als der erste rückwärtsschaute, sah er schon nichts mehr. Der andere aber hatte das Weiblein sofort wegspringen und im Wald verschwinden sehen. Sie suchten seine Fusstritte im weichen Schnee, fanden aber nichts. Wenn das Alpmutterli in eine Hütte einkehrt und man ihm Milch vorsetzt, isstes dieselbe mit umgekehrtem Löffel. J. B. Stoop *** Das Alpmutterli erschien auch einmal in der Hütte eines Hirten, welcher der Angekommenen Milch und Brot vorsetzte; aber sie ass nichts davon, weil sie vorgab, sie hätte keine Zeit dazu, da sie am gleichen Tage noch auf verschiedene Gebirgsrücken wandern müsse. Zum Danke wurden dem freundlichen Hirten zwei Erdbeeren angeboten ; dieser nahm sie aber aus Furcht nicht an. Ferd. Stoop *** Man erschrickt, wenn es sich zeigt; denn es bringt immer schlechtes Wetter. Doch weisen es die Sennen nicht ab, um möglichst gut über die entstehenden Verlegenheiten wegzukommen. Sie dürfen ihm auch die erwünschte Gastfreundschaft erzeigen; denn ein Alpmutterli kann Milch trinken, ohne dass diese sich mindert; es kann auch von allen Speisen geniessen, ohne den Wirt zu schädigen. Auf der Flumser Alp will man das Weiblein im Sommer 1799 zum ersten Mal gesehen haben. Da wurde der Herbst ganz ungünstig. Als das sonderbare Wesen wieder einmal kam, wies der unfreundliche Senn es barsch weg. In der Nacht aber kam ein so starkes "Bischen" (Schneegestöber, Schneesturm), dass man gleich am Morgen die Alp verlassen musste. A. Sprenger   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 301, S. 167f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Alpmutterli (Mels, SG) by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Alpmutterli (Mels, SG)

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Eine Jungfrau reutete einst auf Tödigerhütte, am Flumser Grossberg, ein Stück Boden zum Erdäpfelstecken; das heisst, sie schürfte den Rasen ab, machte kleine Holzhäufchen, legte die Rasenstücke darüber und verbrannte sie, um die Asche als Dung zu benutzen, weil sie keinen andern hatte. In der Nähe weidete Vieh auf der Allmende. Da der Jungfrau das Hertragen von Staudenholz beschwerlich wurde, zumal es am betreffenden Tage sehr heiss war, so kam sie auf den Gedanken, ein Rind zum Heranziehen des Holzes zu benutzen; sie band dem Tier die Staudenbüschel an den Schwanz und besorgte auf diese Weise den Transport. Das Rind wurde aber dabei vom Blutanstossen oder Blutstocken befallen und verendete. Als dies der Bauer erfuhr, verfluchte er die Person, indem er sagte, sie solle nach ihrem Tode keine Ruhe haben und in der Umgegend ihres Vergehens unstet umherwandeln bis zum jüngsten Tage. Der Fluch ging in Erfüllung. Seit dem Ableben der Unglücklichen sah man sie schon oft bei Tag und mehr noch abends auf den Flumser Alpen und obersten Maiensässen in einfacher Landestracht und weisser Schürze herumziehen. Manchmal besuchte sie sogar auf einige Minuten die Alp- und Maiensässhütten, gab auf Befragen Rede und Antwort und ass von den Speisen, die man ihr verabreichte, die sich aber nicht verminderten. Als sie eines Abends in einer Alphütte eingekehrt war und gegessen hatte, sagte sie, nun habe sie die grösste Zeit, aufzubrechen; denn sie müsse noch am nämlichen Abende durch alle Flumser Alpen wandern, und man sah sie dann mit erstaunlicher Schnelligkeit über die Alptriften davoneilen. I. Natsch Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 261, S. 140f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das alte Schloss bei Gontenschwil by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das alte Schloss bei Gontenschwil

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Auf dem nächsten Berge des Dorfes Gontenschwil zeigt man jetzt noch im Gestrüppe einen Sodbrunnen als letzten Rest des hier gewesenen alten Schlosses. Da sieht man bei hellem Tage Ritter und Frauen umherwandeln, und will das Wetter sich ändern, so hört man im sausenden Windstoss Jägerruf und Hundegebell wohl eine Stunde lang. Als ein Mann dieses Weges nach Birrwil gieng, sah er schon von Weitem hier etliche Personen so lustig den Berg herab kommen, dass er glaubte, eine Reisegesellschaft zu treffen, die er schnell einholen solle, um den hübschen Hochzeitsmarsch besser hören zu können, den sie bliesen. Als er aber den Berg erstiegen hatte, stand die ganze Schaar unbeweglich dort, und während er deutlich drei Herren und drei Frauen unterschied, glaubte er mit Entsetzen wahrzunehmen, dass einer davon keinen Kopf habe. Er lief bis er das Holz erreichte, und dort wagte er es zu seiner eigenen Beruhigung umzusehen. Kaum sechs Schritte hinter ihm fieng es an zu prasseln, als ob der Hagel schlage, und dann durch das Oberholz zu rauschen und zu dröhnen, wie wenn die dicksten Stämme auf einmal umgebrochen würden. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 118 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das alte Waldhorn by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Das alte Waldhorn

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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In der Umgegend von Iseltwald am Ufer des Brienzersee vernimmt man oft ein geisterartiges Klingen, das bald hoch, bald tief wie eine Windharfe schallt. Vor alter Zeit war einst ein Jäger der sich auf mancherlei verstand, was jetzt nicht ein jeder kann. Doch einst, als er auf der Jagd war, traf ihn der Blitz und zerschmetterte ihm den Arm; da legte er seine Büchse weg und nahm das Waldhorn zur Hand. Bald zog er durch Stadt und Dorf und blies auf seinem Waldhorn so wie die Amsel singt oder wie der Älpler jauchzt. Wenn irgendwo des Morgens ein Pfarrherr zum Fenster hinausschaute, so blies der Waldhornist die Melodie: "Wach auf mein Herz und singe"; ging aber irgendwo im Abendrot ein glückliches Paar durchs Wiesental, dann scholl aus seinem Horn ein Abendlied voll Friedens ihnen nach. Doch wenn er irgendwo einen Dieb auf seiner Tat oder sonst jemand auf unrechtem Wege ertappte, dann gab er unsichtbar ein Signal. Bald war der Grünrock überall beliebt; wer ihn kommen sah, bot ihm freundlich die Hand, rief ihn zu sich in seine Hütte und gab ihm Speis und Trank. Einst trat er in später Nacht am Brienzersee in einen Wald und fühlte, indem er noch ein letztes Stücklein blies, sein letztes Stündlein nahen. Nicht weit von ihm stand an seinem Krückenstock ein Bettelmann. Den rief er an und sprach. "Du sollst mein Erbe sein! Da, nimm dieses Säcklein voll Geld und Jesusring - die Braut gab mir einst denselben; doch gebe ich dir dies nur unter der Bedingung, dass du mich, wenn ich starr und kalt bin, in dem Walde hier, in welchem ich gelebt habe, vergrabest. Mein Waldhorn, das mich durch seine Klänge erfreute und aufheiterte, das grabe, bei meinem Fluch, mit mir ein! Kann ich nach meinem Tode mit Blasen noch etwas tun, so soll, will’s Gott, dasselbe bei mir im Grabe nicht müssig sein." So sprach der alte Jäger und starb. Der Stelzfuss begrub ihn. Und nun erklingt in jenem Walde von Zeit zu Zeit das Horn. Bald schallt es leis und dumpf, fast so wie Bienenchöre, und bald wieder wie eine Orgel. Oft weht es in heller Sternennacht wie ein Widerhall seewärts, und der Schiffer, der dann nach seiner Heimat rudert, vernimmt’s mit Freuden. Öfter klingt es aus der Einsamkeit des Waldes, wenn überall tiefe Stille herrscht; es ist sein Getön aber auch schon vernommen worden, wenn der Donner am Himmel krachte. Die Sennen hören es manchmal, und blasen sie die Schalmei, so lässt das Waldhorn dieselbe Melodie ertönen. Kommt aber ein Dieb in seine Nähe, dann schlägt das Wunderhorn seinem Gewissen eine Wunde, die ihm bis zu seinem Tode schmerzt; den Trunkenbold, der durch jene Gegend schwankt, führt es irre und bringt ihn zu Fall, den Bräuten aber bringt es Glück wie jedermann, der ein reines Herz hat. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Arcanum gegen die Pest by (Jecklin, Sage, Graubünden)

Das Arcanum gegen die Pest

Source: (Jecklin, Sage, Graubünden)

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Zur Zeit, als die Pest unter dem Namen «der schwarze Tod» in Graubünden grassierte und unzählige Opfer forderte, sodass ganze Höfe ausstarben, machte man die Beobachtung, dass kein einziges Fänggenmannli oder -wibli von der Seuche hingerafft wurde. So kam man zum Schluss, dass dieselben ein geheimes Rezept, ein Arcanum, besitzen müssten. Endlich erdachte sich ein Bauer eine List, wie er das Geheimmittel den Zwergen entlocken konnte. Es zeigte sich nämlich ein Fänggenmannli oft auf einem grossen Stein, der eine bedeutende Vertiefung hatte. Dem Bauer war das Lieblingsplätzchen des Fänggen wohl bekannt. Daher ging er hin und füllte die Höhlung des Steines mit einem guten Veltlinerwein und verbarg sich dann in der Nähe. Nach einer Weile kam das Zwergenmannli und blickte ganz verdutzt auf das funkelnde Nass in der Höhlung des Steins. Mehrmals bückte es sich mit dem Näschen über den Wein und hob alsbald wieder den Kopf. Dann winkte es mit dem Zeigfingerchen und rief: «Nei, nei, du überchust mi net.» Aber als es sich ganz nahe über den Wein gebeugt hatte, war ein Tropfen am Schnäuzchen hängengeblieben und es leckte ihn mit der Zunge ab. Da stieg die Begierde und es sagte zu sich selbst: «Ei, mit dem Finger tunken darfst du schon.» Gesagt, getan, es leckte das Fingerchen ab, wohl hundertmale, und wurde dabei immer lustiger. Es fing an, allerlei Zeugs vor sich hin zu schwatzen. Da trat der Bauer wie zufällig herbei und fragte, was denn gut sei gegen die Pest. «Ich weiss es wohl,» sagte das Zwergenmannli, «Eberwurz und Bibernella – aber das sage ich dir noch lange nit.» – Jetzt war der Bauer schon zufrieden und nach dem Gebrauch von Eberwurz und Bibernell musste niemand mehr an der Pest sterben.   Quelle: Jecklin, Dietrich, Volksthümliches aus Graubünden, Teil 1, Zürich 1874, sprachlich leicht angepasst von Andrea Hofman   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Armseelenlicht by ( Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

Das Armseelenlicht

Source: ( Kanton Freiburg, Senseland, Sage, Freiburg)

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Eine fromme Frau hatte die Gewohnheit, jeden Abend ein Lichtlein anzuzünden für die armen Seelen. So hatten es schon ihre Mutter und ihre Grossmutter getan und dafür oft wunderbare Hilfe in schweren Anliegen erhalten. Der Mann liess sie anfänglich gewähren. Mit der Zeit fing er an zu brummen. Erst sagte er, das Licht störe ihn, so könne er nicht schlafen. Später behauptete er, das sei eine unnütze Verschwendung, man könnte das Geld für nötigere Sachen brauchen. Schliesslich verbot er es gänzlich. Die Frau geriet in eine üble Lage. Sie wollte mit dem Manne, der sonst gut zu ihr war, nicht in Streit geraten. Aber sie liess auch nicht gerne von ihrer frommen Gewohnheit, weil sie von deren Nützlichkeit fest überzeugt war. Da kam ihr ein rettender Einfall. Sie trug das Armseelenlicht in den Keller. Dort zündete sie es jeweils vor dem Schlafengehen an und löschte es am Morgen wieder. So trieb sie es längere Zeit. Einmal, in einer kalten Winternacht, kehrte der Mann zu später Stunde heim. Schon von weitem fiel ihm etwas auf. Im ganzen Hause waren die Lichter gelöscht; nur aus dem Kellerfenster drang ein roter Feuerschein. „Diebe - oder Brand“, schoss es ihm durch den Kopf, und er eilte was sein Atem hergab heimzu. Jetzt stand er vor der Kellerluke, presste sein Gesicht an die Scheiben und - erschauerte. Nie mehr in seinem Leben wird er dieses Bild vergessen können. Inmitten des Kellers flackerte auf einem Fasse das Armseelenlichtlein. Darum und darüber reckten sich hundert, ja, vielleicht tausend Händepaare, als wollten sie an der winzigen Flamme ein Fünklein Wärme erhaschen. Es waren Hände von Männern, Frauen und Kindern, - feine, glatte, - alte, runzelige - vernarbte, schwielige - andächtig gefaltete - verzweifelnd gerungene - hoffend ausgebreitete. Alle wirbelten durcheinander wie die Stäubchen im Zimmer, wenn ein Sonnenstrahl hereinfällt. Sie drängten zum Licht, verschwanden im Dunkel, tauchten wieder auf, schwebten empor, verschwanden... Dieser Blick ins Kellerfenster hatte genügt, um den Mann für immer von seinem Vorurteil zu befreien. Noch am selben Abend verordnete er, das Armseelenlicht solle inskünftig jede Nacht auf dem Familientisch brennen, - so wie früher.    Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch


Das Arvenkehlenmüetterli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Arvenkehlenmüetterli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Unter der ehemals hölzernen, gedeckten Brücke, die bei Attinghausen über die Reuss führt, hauste vor Zeiten ein Geist oder ein Gespenst und belästigte die Menschen. In Attinghausen lebte damals eine Familie namens Zeffel, und auf ihr unablässiges Betreiben wurde das Gespenst verbannt in das steile »Arvächähli« ob dem Landgut Spälten, am Abhang des steilen, bröckligen Berges. »Das hend-er keim Totnä ta!« dachte das erzürnte Ungeheuer und schwur den Zeffel für alle Zeiten bittere Rache. »G'schyder und besser, äs cheem niä äkei Zeffel uff d'Spältä!«, liess es sich vernehmen und ballte dazu die Fäuste. Jahre waren verstrichen, die Drohung vergessen, neue Geschlechter herangewachsen, da kam ein Zeffel als Besitzer auf die Spälten. Doch nicht lange! In einer fürchterlichen Gewitternacht löste sich unter entsetzlichem Krachen eine Rübi oben in der Arvenkehle los, wälzte sich tosend und brüllend abwärts und bedeckte Haus und Heim Spälten hoch mit Schutt. Ein anderer Zeffel wohnte in dem Gut, das heute Rübihostet heisst, wurde aber auch durch eine Rübi vertrieben. Einer der letzten Zeffel kam (im 19. Jahrhundert) auf die kleine, von Steinen und Wildwasser stets bedrohte Wiese Belvedere auf der Rübi in Altdorf; es war ihm da zu wenig sicher und er ging in die Fremde. So hat es die Zeffel nirgends mehr in Uri dulden wollen. Das Arvächählämüetterli hingegen, so nannten sie jetzt das Gespenst, nahm mit den Zeiten auch andere, freundlichere Sitten an. Jedesmal, wenn in seinem Gebiet eine neue Stein- und Schuttlawine sich lösen wollte, und das geschah oft, jauchzte es warnend den bedrohten Leuten in der Spälten, so dass sie sich rechtzeitig flüchten konnten. Bei gutem Wetter sah man es nicht selten in der Spältenplangg in der Wiese sitzen und Ausschau halten; seine Haare hingen im wirr und in langen Strähnen über das Gesicht hinunter. Aber schon viele Jahre ist es nicht mehr beobachtet worden, zuletzt noch vom Ratsherr Baumann im Schweinsberg. Öfters sei es auch beim Scheidtrögli ob dem Schweinsberg beobachtet worden. Einer sah es wie ein kleines, schwarzes Rind, das mit seinen Vorderfüssen im Trögli stand. Bloss das Gesicht sei etwas menschenähnlich gewesen. Dann und wann soll man es im Walde und beim Scheidtrögli weinen gehört haben, aber mein Gewährsmann meint, das seien nur die Wildtauben gewesen, die zahlreich im Walde dort hausen. Andere beobachteten es, wie es sich mit aufgelösten Haaren über das Trögli lehnte und sein schwarzes Gesicht waschen wollte. Statt der Arvenkehle nennen andere, darunter auch der 72jährige Sohn des genannten Ratsherrn Baumann, die Laubkehle. K. Zgraggen; Heinrich Baumann, und a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Äuliwibli by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Äuliwibli

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Unweit Flums, beim Kapellchen ob der Seez, wandert in Hemdärmeln das „Auliwibli". Wer es gewahrt, wird plötzlich geschwollen.  Dr. Henne-Am Rhyn, Deutsche Volkssage. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 337, S. 189 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Ave Maria auf den Alpen by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Ave Maria auf den Alpen

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Auf den Alpen des Sarganserlandes, hauptsächlich in den obersten Sässen derselben, wird nachstehendes Ave Maria gebetet, welches unzweifelhaft aus einer Zeit herstammt, da in unsern Gebirgen noch allenthalben Bären, Wölfe, Luchse und dergleichen hausten und da man sogar noch den Spuk eines Lindwurms oder Drachen befürchtete. Die Alpknechte getrauen sich nicht, dieses Gebet auch nur einen einzigen Abend zu unterlassen. Der Senn oder einer seiner Gehilfen tritt, den Hut und den Hirtenstab in der Hand, vor die Alphütte auf eine Anhöhe und ruft mit lauter Stimme in die Nacht hinaus: Ave Maria! Bhüt's Gott und unser lieb Herr Jesus Christ Libei, Hab und Gut und alles, was hierum ist; Bhüt's Gott und der lieb heilig St. Jöri, Der wohl hier ufwache und höri. Bhüt's Gott und der lieb heilig St. Marti, Der wohl hier ufwache und warti, B'hüt Gott und der lieb heilig St. Gall Mit seinen Gottsheiligen all.  Bhüt's Gott und der lieb heilig St. Peter.  St. Peter, nimm die Schlüssel wohl in deine rechte Hand,  Bschliess wohl uf dem Bären seinen Gang,  Dem Wolf den Zahn, dem Luchs den Kräuel,  Dem Raben den Schnabel, dem Wurm den Schweif,  Dem Stein den Sprung!  Bhüt' üs Gott vor solcher böser Stund,  Dass solche Tierle mögen weder krätzen noch bissen, Wohl so wenig, als die falschen Juden unsern lieben Herr Gott bschissen. Bhüt's Gott alles hier in unserm Ring  Und die lieb Mutter Gottes mit ihrem Kind.  Bhüt's Gott alles hier in unserm Tal,  Allhier und überall. Bhüt's Gott, und es walte Gott, und das tue der lieb Gott!" "Ave Maria" und die Rufe an die Heiligen werden dreimal gesprochen. I. Natsch   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 263, S. 142f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bachgschrei by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Bachgschrei

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Einige Männer arbeiteten oben im Valenser Berg und brachten auch die Nacht dort zu. Nun hörten sie das Bachgschrei durch das Mühletobel heraufkommen. Es kam in ihre Nähe und "trotte" vor ihnen her wie ein Schafbauch. Dann verschwand es in einem "Bergun", d.h. in einem Heuhüttchen. Einer der Männer hatte den Mut, ihm nachzugehen. Er kam bald wieder heraus, war aber ganz verstört und sagte: "Jetzt weiss ich, was das Bachgschrei ist." Weiter aber verriet er nichts. Er ging heim, legte sich zu Bette und starb nach wenigen Tagen. Mündlich   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 218, S. 106 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bachmaidli zu Seon by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Bachmaidli zu Seon

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Als einst ein Weib in Seon ein unehlich Kind bekam, sann sie darauf, es umzubringen und lief damit dem nächsten Weiher zu. Bis dahin musste sie aber durch so manchen Bauernhof, dass sie befürchtete, schon gesehen worden zu sein, und so machte sie sich von diesem Platze hinweg und gieng dem Dorfe Seengen zu, wo der Feuerweiher ist. Auch hier geschah ihr wie beim ersten Versuche, die Angst, gesehen zu sein, hinderte sie an der Unthat. Gleichwohl sollte das arme Kind einmal nicht leben, also gieng sie denn weit von allen Behausungen zum Aabache hinunter und warf es da ins Wasser. Im selben Augenblicke bewegte sich jedoch ihr Herz, sie suchte das arme Würmlein wieder zu retten und sprang ihm nach bis zur Mühle hinunter; vergebens. Als sie es endlich hier trotz des raschen Laufes des Wassers herausziehen konnte, war das Kind schon todt. Seitdem erscheint das Bachmaidli an jenen drei Wassern und nimmt ihren Weg unabänderlich durch alle jene Höfe und Häuser hindurch, denen sie bei ihrer That ausgewichen ist. Dies soll so oft geschehen, als die Geisterkutsche kommt, die von Teufenthal aus nach dem Seethal hinüber fährt. Dann fängt der Geist, den man das Bachthal-Anneli nennt, zu wimmern an, und von dem Waldplatze aus, welcher Gerstenmühle heisst, weil da noch Trümmer einer alten Wohnstatt liegen, begiebt sie sich auf ihre nächtliche Wanderung. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 146 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bachtelholz by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Bachtelholz

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Bachtelholz Am Bachtelberg stehen oberhalb Wernetshausen schöne Wälder, die der Waldkorporation Wernetshausen gehören. Die Alten erzählten, das ganze Holz sei vor manchen Jahrhunderten den Wernetshausern von einer Rittersfrau geschenkt worden. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland Näf, Geschichte der Kirchgemeinde Hinwil S. 90. Die Sage ist deshalb interessant, weil die Waldungen der Korporation Wernetshausen ursprünglich einer Gemeinde von freien Bauern gehörten und keine Urkunde sich dahin äussert, dass vorher die Waldungen jemand anderem gehörten. Doch möchte ich an dieser Stelle hinweisen auf den Aufsatz von Friedrich Heinz Schmidt-Ebhausen, Flurnamen-Sagen und ihre Entstehung, im Württembergischen Jahrbuch für Volkskunde 1956. Der Autor weist hier an Beispielen nach, dass „1. die volkläufige, mündliche Erzähl-Überlieferungen ihre Wurzel hat in tatsächlichen historischen Ereignissen, 2. diese nur von Mund zu Mund weitergebende Überlieferung in der Lage ist, im Gewand der freien Erzählung Generationen und grosse Zeiträume zu überbrücken“. Die erwähnte Rittersfrau müsste eine von Bernegg gewesen sein. Die Leute vom Hinwilerberg erzählten von der Burgstelle Bernegg noch um die Jahrhundertwende, es sei dort ein goldener Pflug begraben, den eine Frau bewache. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bachtier am Solenbach by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Bachtier am Solenbach

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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In der Haushalden geht der Solenbach zwischen alten Eichen durch Mooswiesen in die Aare. Wo er die Strasse erreicht und überbrückt ist, in der Nähe der Waldbäume, da haust ein böses Wesen. Es führt die Leute in den Sumpf und schreckt die über die Brücke Kommenden, indem es im gleichen Augenblicke, plumpend wie ein schwerer Stein, vor ihnen in den Bach springt. Als dies neulich einer abergläubischen Frau begegnete und diese sich durch Gebet dagegen zu helfen suchte, erhoben sich ihr zu beiden Seiten hohe finstere Mauern, die um so höher und beengender anwuchsen, je mehr das Weib Ave Maria's hersagte. Sie fürchtete, erdrückt zu werden. Wenn das Beten nicht hilft, dachte sie, so thut's vielleicht das Fluchen. Sie that aus Leibeskräften einen Schwur, und die Mauer war versunken. E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bachtier in Entfelden by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Bachtier in Entfelden

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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An der Straße zwischen Suhr und Entfelden, zweien Dörfern bei Aarau, liegen mehrere mit Grundwasser angefüllte Griengruben. An eine dem Dorfe Suhr zunächst gelegene knüpft sich meine früheste Jugend-Erinnerung; denn auf einem Spaziergange, der mich dort vorbeiführte, erzählte man mir, wie hier innen ein Krokodil Hause, das jeden zu nahe Tretenden verschlinge. Auf meine Frage, wie es denn hieher gekommen, erhielt ich folgenden Bescheid: Kürzlich einmal seien alle Umwohnenden Nachts durch ein unbegreifliches Schreien aus dem Schlafe aufgeschreckt worden-, das gewöhnlich erst gegen Morgen wieder verstummte. Von nun an aber wiederholte sich allnächtlich dieses. Gebrülle, das ganz deutlich nur aus obigem Sumpfe kam. Von allen Seiten strömte man zu, als es ruchbar in der Gegend wurde, und Niemand deutete es anders, als es läge hier ein fremdes Ungeheuer im Moraste versteckt. Man meinte, aus einer von Bern nach Zürich dieses Weges gegangenen Menagerie sei ein Krokodil entsprungen. Da der Lärm nach und nach sich nicht mehr hören ließ, wollte man wissen, wie das Thier Nachts einmal auf das Land gesprungen sei'und sich vergeblich bemüht habe, wieder in seinen Pfuhl zurückzukommen. Ein Bauer habe es darüber auf seinem Acker betreten, es erschlagen und ihm den Schuppenpanzer ausgezogen. Jedermann wollte die Haut dieses neuesten Drachen sehen, aber Niemand wußte, wo der Bauer wohne. Zuletzt hieß es, er sei in die Welt gegangen und lasse die Haut um Geld sehen. So blieb die Sache zwar wiederum im Dunkeln, man kann aber noch heute darüber diskutieren hören. Band 2, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau, 1856, Seite 11 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bad im Ritz by (A. Streich, Sage, Bern)

Das Bad im Ritz

Source: (A. Streich, Sage, Bern)

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Eine halbe Stunde ob dem Dorfe, wo die Felder aufhören und der stotzige Berg anfängt, teilt sich der Trachtbach in den hinteren und vorderen Ritzgraben. Heute sind es wilde Krachen, in denen bei Gewittern das Wasser aus den Flühen der Ursere zusammenläuft und tosend in die Tiefe fährt. Zwischen den Gräben verdichten sich aufgeschossene Tannen, vermischt mit Laubholz, zum schönen, steilen Ritzwald, der hoch bergauf steigend, spitz in die harten Flühe ausmündet. Vor alten Zeiten stand in der Gegend ein Bad. Eine süsse Mineralquelle brachte Kranken und Gebrechlichen Linderung und Heilung. Nach Überbleibseln des Bades sieht man sich heute freilich vergeblich um. Es ist anzunehmen, dass es durch einen Bergrutsch, auf ein Unwetter am Rothorn, zerstört und untergemacht wurde. Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Badermannli by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das Badermannli

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Auf der Nordseite des Rottens, gegen Betten und Martisberg hin, wo heute die neue Strasse in den Deischkehren vorbeiführt, liegt der Baderwald. Die Gemeinden Martisberg, Betten und Grengiols haben daran Anteil. Betten und Grengiols lagen deswegen einst im Streit, und man behauptete, ein Mann aus Betten habe damals falsch geeidet. Jetzt müsse er zur Strafe in diesem Walde büssen. Oft sei er in der Nacht ohne Kopf den Grenzen nach auf und ab gelaufen und habe entsetzlich geschrien: «Hie ischt d March, hie ischt d March.» Man nannte den Geist nur Badermannli. GRENGIOLS Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Balanke- und Bockitobel und die gespenstigen Reiter by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Balanke- und Bockitobel und die gespenstigen Reiter

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Das Bockitobel sei voll armer Seelen oder voll Gespenster. In frühern Zeiten sahen die Leute gar oft feurige Reiter auf feurigen Rossen dem Bockitobel zueilen, wo sie sich mit einem erschütternden, Mark und Bein durchdringenden Geschrei in den Abgrund stürzten; es waren nicht selten ganze »Trupplä«. Einst tränkte ein Erstfelder Büebli in Waldnacht die anvertraute Herde; es war so zwischen Tag und Nacht. Da sah es auf einmal einen Reiter hoch zu Ross durch den Waldnachter Boden dahersprengen; es glaubte seinen Götti zu erkennen, und weil dieser dem Bockitobel zueilte, also dem sichern Verderben entgegen, so rief es ihm warnend zu: »Getti, Getti, – ärddoch und ärddoch nit da üsä!« Doch der dahinsausende Reiter drohte ihm finstern Angesichts mit dem erhobenen Finger und stürzte sich mitsamt dem Pferde in den schwarzen Abgrund, wo nun ein furchtbares Gejammer aufging. – Das isch äsoo äs Zelli, äs cha sy wie nit. Anton Brücker, Jos. Anton Imhof und a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das bartene Röcklein by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das bartene Röcklein

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Während einer Predigt sass in der vordersten Bank äs Mäitli im-mä nywäbärtägä Reckli. Solche waren früher in Urseren als Unterröcke in der Mode. Aus selbstgesponnener und selbstgewobener Barten gefertigt, waren sie im Einschlag von oben nach unten weiss und schwarz gestreift. Die Streifen hatten je vier oder fünf Fäden. Der Zettel war weiss. – Hinten in der Kirche hingegen befand sich eine vornehme Dame, prächtig gekleidet, der zwei Diener die Schleppe trugen. Auf einmal fragte der Prediger seine Zuhörer, ob sie wissen, wer von allen in der Kirche die grösste Hoffart habe. Alle schauten nach der Dame. Der Geistliche jedoch erklärte: Nein, es sei das Mädchen im bartenen Röcklein. Anna Maria Müller, 78 Jahre alt, Hospental Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Basilisken-Ei by (C. Kohlrusch, Sage, Basel)

Das Basilisken-Ei

Source: (C. Kohlrusch, Sage, Basel)

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Auf Donnerstag vor Laurentii im Jahr 1474 hat man auf dem Kohliberg zu Basel, allwo die Freileute wohnten und die Freiknaben zu Gericht saßen, einen Hahnen samt einem Ei verbrannt, so er geleget hatte. Vorher schnitt der Henker den Hahnen auf und fand noch drei Eier in ihm. Dies geschah in Folge richterlichen Spruchs der Freiknaben und im Beisein einer großen Menschenmasse aus der Stadt und vom Lande, die ob dem seltenen Vorfall nicht wenig in Schrecken war, da man allzeit dafür gehalten, dass aus einem solchen Hahnenei, wenn der Hahnen sieben Jahr alt und das Ei im Mist von einer Schlange, Coluber genannt, ausgebrütet wird — Andere meinen auch die bloße Sonnenhitze tue es — ein Basilisk, ein Tier, halb Hahn, halb Schlange, hervorkomme, das, obgleich nicht größer als einige Spannen lang, furchtbarer und schrecklicher denn der größte Lindwurm oder Drache ist, da sein bloßer Blick tötet, was einem Jeden sicher weniger wunderbar dünkt, wenn man weiß, dass der Strahl seiner Augen so scharf ist, dass er selbst das härteste Gestein zersprengt. Diese fürchterliche Eigenschaft besitzt der Basilisk jedoch nur im Sonnenlichte, daher Leute, welche einmal ein solches Tier im Keller hatten, denselben das ganze Jahr verschlossen halten mussten, damit kein Sonnenstrahl hineinfiel. Auch erzählt man, dass Gebüsch oder Gras, über das der Basilisk hinwegschreitet — er kriecht nämlich nicht wie eine Schlange, sondern schreitet gerade aufgerichtet einher — augenblicklich verdorrt und aller Lebenskraft beraubt ist; als schrecklichstes Beispiel für die Kraft des ihm inne wohnenden Giftes aber gibt man an, dass, so Einer zu Pferde ein solches Tier mit seiner Lanze durchsticht, Ross und Reiter das durch die Lanze zuckende Gift auf der Stelle tötet. Einen solchen Basilisk unschädlich zu machen, d. h. zu töten, ist nur ein einziges Mittel vorhanden, es besteht darin, dass man ihm einen Spiegel vorhält, damit er sich selbst erblickt; geschieht dies, so fällt er sofort um und ist tot. Was man endlich von der Stadt Basel erzählt, dass dieselbe von dem Auffinden eines solchen Tieres ihren Namen habe, ist irrtümlich, obschon es mit dem Auffinden seine Richtigkeit hat, wie dies eine alte Chronik erzählt, welche als Stelle, wo dieser Fund geschah, den Gerberbrunnen nennt, der damals eine Quelle in einem wilden Waldtale, dem sogenannten Leimentale, gewesen sein soll. C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.    


Das Bäuerlein und die Alraune by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Bäuerlein und die Alraune

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) Ein armer Schlucker mit zahlreicher Kinderschar befand sich in grosser Not. Wie er einmal traurig und sinnend durch einen Wald dahinschritt, begegnete er einem fremden Mandli, das freundlich mit ihm sprach und ihn nach dem Grunde seiner Niedergeschlagenheit fragte. Er klagte ihm seine Bedrängnis und erhielt den Rat, er solle einen bestimmten Ort aufsuchen, den ihm das Mandli genau bezeichnete, dort werde er einen grünen Frosch (nach andern: eine Kröte) finden; den solle er in ein Lumpli einwickeln, mit nach Hause nehmen und ihm dort ein Geldstück unterlegen, so werde er am nächsten Tag das Doppelte wegnehmen können. So solle er fortfahren, bis er reich genug sei. Er befolgte den Rat und legte am ersten Tag einen Franken, am zweiten zwei, am dritten vier Franken unter und setzte fort, bis er ein schönes Vermögen beisammen hatte. Da suchte er das Tier wieder loszuwerden. Er nahm es mit auf den Markt, schob es heimlich einem andern in den Sack, aber hatte es, als er nach Hause kam, wieder in seinem eigenen Sack. Jetzt wurde ihm heiss und angst. Er nahm seine Zuflucht zu einem Kapuziner. Der verwies ihm scharf sein Unrecht und meinte, es sei gut, dass er nicht in diesem Zustand gestorben, sonst wäre er ewig verloren gewesen. »Aber wie ist da zu helfen? Da ist guter Rat teuer!« Lange besann sich der Pater und schien keinen Ausweg zu finden. Endlich sprach er ein erlösendes Wort und nahm dem Bäuerlein den Stein vom Herzen: »Bringet die Alraune morgen abends, in ein Lumpli fest eingewickelt, hieher an die Pforte; ich werde dann bereit stehen und euch öffnen; werfet sie blitzschnell hinein, schliesst die Türe und macht euch davon! Aber ich fürchte, es wird schwierig sein.« Der Abend war noch dem Tage näher als der Nacht, als das geängstigte Männchen an der Klosterpforte anläutete. Die Pforte ging auf, das Lumpli mit seinem Inhalt kam in den Klostergang hineingeflogen, und die Türe flog wieder zu. Der Pater packte den Frosch und heftete ihn samt Umhüllung (oder in ein Kelchtüchlein eingewickelt) an das grosse Kruzifix zu Füssen des Gekreuzigten. Um die zwölfte Stunde in der folgenden Nacht entstand vor dem Kloster ein gewaltiger Rumor und Lärm. Die Kapuziner schauten hinaus und erblickten ein ganzes Kriegsheer, das ohne Aufhören brüllte: »Heraus mit ihm! Heraus mit ihm, sonst zerstören wir das Kloster!« Der Guardian ging an die Pforte und fragte die Rotte, was sie begehre. »Ihr haltet unsern Hauptmann gefangen! Gebt ihn sofort heraus!« hiess es. Der Guardian wusste um nichts; er berief den Konvent zusammen, aber keiner wusste Rat, alle zitterten. Endlich stand unser Pater auf – er war der einfältigste in der ganzen Klosterfamilie und nicht besonders geachtet – und bekannte seine Tat. »Gut,« herrscht ihn der Vorgesetzte an, »so esset jetzt die Suppe selber aus, die ihr da eingebrockt habt!« Der Schuldige ging an die Pforte und fragte die immer schrecklicher tobende Masse nach ihrem Begehr. »Ihr haltet unsern Hauptmann gefangen, gebt ihn sofort heraus!« schrieen sie. »Hm, pressiärt miär kei Dräck,« meint trotzig und gelassen der Pater. »Wenn-är-ä wennt, chenned-er-ä sälber chu nä!« Das konnten sie nicht. Die andern Kapuziner drangen in ihn, er solle ihn der tobenden Menge ausliefern. Aber er wollte nicht. Endlich liess sich die Bande auf's Markten ein, da sie wohl merkten, dass da mit Täubi und Gewalt nichts auszurichten sei. »Sobald ihr mir,« sagte jetzt der mutige Kuttenmann, »100 Reissäcke voll (nach andern: 11 Säcke) verlorenes Gold aus dem Meere hieherstellt, dass das Meerwasser noch heraustropft, sollt ihr euern Häuptling haben.« Aber wohl! Das ging nicht lange, standen die 100 Säcke voll Gold vor der Pforte, und das Meerwasser träufelte noch heraus! Jetzt sagte der Kapuziner nochmals, sie sollten das Tier wegnehmen, aber sie konnten nicht. Er warf das Tier auf die Diele hinaus, allein erst, als er es zur Pforte hinausschleuderte, konnten sie es fassen. »Sehet jetzt,« sagte der einfältige Pater zu den andern, »ihr hättet ihn mir nichts dir nichts ausgeliefert; ich aber habe doch etwas dafür gelöst, das unserm dürftigen Kloster und den Armen wohlkommt.« Jos. M. Zberg, 75 J. alt, Silenen; Heinrich Baumann, 72 J. alt, Attinghausen; Peter Tresch, Silenen b) Nach anderer Darstellung hatte er die Kröte in der Heiligen Nacht, während es zur Wandlung läutete, unter einem Weisshaselbusch hervorgegraben. c) Statt der Kröte oder des Frosches eine Spinne. Frz. Zgraggen, 24 J. alt, Gurtnellen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das behexte Mädchen by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Das behexte Mädchen

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Es leben noch Mehrere, welche eine, im Weiler St. Antonio (Puschlav) wohnende, kleine und hässliche Frau kannten, die ihrer Absonderlichkeiten wegen für eine Hexe gehalten wurde. Schon ihre Mutter und Grossmutter hatten in gleichem üblem Rufe ge­standen. Es war daher nicht zu verwundern, wenn man im Lande allerlei böse Geschichten ihr andichtete, oder von ihr erzählte, oder sogar von ihr bestimmt wusste. So begegnete sie eines Tages einem Mädchen, berührte es mit der Hand, murmelte dabei einige Worte, die das Mädchen aber nicht verstand, und verschwand. Auf dies hin lief das Mädchen vom Berge (bei Selva) herunter, ins Tal, zum nächsten Brunnen, der nahe bei der Kirche von Prada sich befindet, und fing an, mit ungewöhnlicher Gier Wasser zu trinken. Einige Frauen, welche am Brunnen Wäsche hielten, hatten das Mädchen anfänglich wohl bemerkt, schenkten ihm aber weiter keine Aufmerksamkeit. Erst, als sie nach einiger Zeit wieder hinblickten, bemerkten sie, dass das Mädchen immer noch »am Brunnen hing«, und hastig Wasser trank. Mit Mühe konnten sie die Dürstende vom Brunnen entfernen, und behaupteten, das Mädchen hätte gewiss so lange Wasser getrunken, bis es zerplatzt wäre. Über den Grund des ungewöhnlichen Durstes befragt, antwortete die Kleine, jene böse Frau sei Schuld daran, - und Jedermann glaubte es. Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bergklingeln by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Bergklingeln

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Johann Jakob Scheuchzer schreibt in seiner im Jahre 1746 herausgegebenen Naturgeschichte des Schweizerlandes: "Auf Seiten der Freiherrschaft Sax haben vormahlen die Anwohnere und vorbey Reisende bey heller Witterung, von dem End des Heu- biß zu dem End des Augstmonats, ohngefehr, wahrgenommen einen klingenden Ton, gleich demjenigen, welcher des Winters bey dem Schlitten-Fahren von denen Schellen gehört wird. Sie nenneten auch diesen Ton das Berg-Klinglen. Es hat wohl solche gegeben, welche diese Begebenheit anhörten als eine Musik der unter-irdischen Berg-Männlein. Ich meines Orts halte dafür, es seye dieser Ton anders nichts gewesen als eine Würkung des in einer Berg-Höhle zu gewüsser Zeit (wann der meiste Schnee auf der Höhe schmilzet) von der Höhe in die Tiefe herab fallenden Wassers. Heutzutag höret diese Berg-Musik auf, weilen vielleicht die gewesene Höhle ausgefüllet und folglich der Fall selbst nicht mehr kann gespürt werden. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 87, S. 40f Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bergmandli und die Kuh by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Bergmandli und die Kuh

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Auf Arniberg war einem Bauer am Lanxi eine Kuh verloren gegangen und gar nicht mehr zu finden. Im Herbst kam ein Bergmandli (wildes Mandli) in sein Haus und rief ihm: »Bauer, unter der Bylfluh Ist deine braune Trychelkuh Und der Nutzen dazu.« Der Bauer ging hin, fand die Kuh samt dem Nutzen, Käse und Anken, ein sehr schöner Nutzen, womit der Mann hoch zufrieden war. (Aus Lütolf 482, 444, a.) Mündlich von Frz. Jos. Zurfluh, 75 Jahre alt. »Als mein Vater in unserm, grad unterhalb der Bylfluh gelegenen Büelberg Ödland, das wahrscheinlich vor Zeiten bewaldet gewesen, urbar machte, kamen in der Erde mehrere Gemäuer, von etwa 3–4 m Seitenlänge, in der ungefähren Grösse von Alphütten, mit Anzeichen, dass einst darin auch gefeuert worden, zum Vorschein«, erzählt mir obiger Frz. J. Zurfluh von Intschi und mutmasst, es könnten da vor Zeiten wilde Leute gewohnt haben. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bergmännlein by (Meinrad Lienert, Sage, Wallis)

Das Bergmännlein

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Wallis)

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Einst war zu Ernen im Wallis ein alter Mann. Der besaß auf Eggel in der Hochfluh ein kleines, abseits gelegenes Gut, worauf ein Stall und ein braunes Häuschen standen. Jedes Jahr, wenn es einwinterte, brachte er sein Vieh dorthin. Aber das war nun für den alten Mann gar mühselig. Jeden Abend mußte er den weiten Weg von Ernen in das kleine Gütchen hinauf machen, und wenn er dann müde und matt oben ankam, hatte er vollauf Arbeit mit seinem Vieh und war weit und breit kein Mensch, der dem armen Alten geholfen hätte. Das stimmte ihn gar traurig, denn er fürchtete oft, daß er nach der schweren Arbeit am andern Morgen den strengen Heimweg durch den Schnee einmal nicht mehr machen könnte. Eines Abends, als er wieder, ganz erschöpft und schweratmend, von Ernen zu seinem kleinen Gütchen hinaufgestiegen war, setzte er sich keuchend auf den vereisten Brunnentrog vor dem niedrigen Häuschen und seufzte: "Ach, hätte ich doch jemand, der mir wenigstens den Ofen heizte, daß ich mich daran nach der schweren Arbeit allemal ein Weilchen wärmen könnte!" Niedergeschlagen trat er ins Häuschen, um ein Feuer im Ofen anzumachen. Aber wie staunte er! Im Ofen knatterte und knisterte ein mächtiger Holzklotz. Auf dem Herd brannte ein munteres Feuer, und unter den zwei Ladsteinen lag wohlgepreßt der frisch zubereitete Käse. Und ringsum war alles in bester Ordnung, also daß er in der Küche rein gar nichts mehr zu tun fand. Rasch machte sich der alte Mann in die Stube, denn er dachte, da drin werde er wohl den antreffen, der ihm unerwartete Hilfe in der Küche geleistet habe. Er ging in Gedanken geschwind alle seine Bekannten durch, die ihm solch einen Gefallen hätten tun können, aber er fand keinen, dem er so viel Herz zugetraut hätte. Wie er nun in die Stube trat, fand er sie völlig verlassen und menschenleer. Aber es sah doch aus, als ob eben jemand drin tätig gewesen wäre. Auf dem Butterstock war die frisch aus dem Butterfäßchen genommene goldgelbe Butter aufgeschlagen. Die Stube war sauber gekehrt, und alles sah so aufgeputzt aus wie noch nie. Jetzt ging der Mann hurtig in den Stall hinüber, denn es bedünkte ihn das alles gar wunderlich. Vielleicht steckte irgendein hilfreicher Mann aus Ernen im Stall. Doch wie er sich auch im Stall umschaute, kein Mensch ließ sich finden. Wohl aber war zu seiner Verwunderung auch im Stall bis auf den Heustock hinauf alles in bester Ordnung. Die paar Kühe waren gefüttert und sauber gestriegelt wie Herrenrosse, also daß sie glänzten. Friedlich wiederkäuend lagen sie auf ihrer frischen Streu. Auch fand er sie gemolken, und als er in den Milchkeller trat, fand er die Milch in Kupfergelten auf den Wasserkänneln, und schon hatte sie eine goldgelbe Nidel (Rahm). Glücklich darüber, daß alle Arbeit schon getan war, machte er sich in die warme Stube zurück. Dort setzte er sich an den Ofen und dachte von neuem darüber nach, wer ihm das wohl zu Gefallen getan haben könnte. Doch er kam zu keinem Ende. Und so legte er sich denn getrost zu Bett. Als er sich am nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit machen wollte, fand er zu seinem Erstaunen auch jetzt wieder alles schon getan. Da merkte er, daß es da nicht mit gewöhnlichen Dingen zugehe und daß ihm irgendeine geheime gütige Macht behilflich sei. Er dankte von Herzen Gott dafür und machte sich gegen Mittag durch den hohen Schnee nach Ernen zurück. Wie er am Abend wieder in sein Gütchen hinaufkam, war alles und jedes, gerade so wie am Tage zuvor, schon getan. Er brauchte sich nur hinzusetzen und die Vorbruchmilch zu trinken, die noch dampfend auf dem Tische stand. Er fragte aber jetzt nicht mehr, wer ihm dies alles schaffte, er nahm es freudig hin, und bald, als er's alle Tage in Haus und Stall so wohlgetan fand, betrachtete er's als etwas Selbstverständliches. Nun konnte er immer gemütlich sein Pfeifchen anzünden und zum Fenster hinaus nach Wind und Wolken sehen, wenn er auf sein Gütchen kam, der unsichtbare Geist hatte doch schon alle Arbeit vollendet, und zwar so gründlich und gut, daß die Kühe immer fetter, die Käse und die Butterstöcke im Laufe des Winters immer umfangreicher wurden. Und was ihn am meisten freute, war, daß auch der Heustock nie auch nur um einen Halm abzunehmen schien. Jedoch so nach und nach wurde der alte Mann neugierig. Gar zu gern hätte er gewußt, was für ein Aussehen das Wesen wohl haben mochte, das ihm seine Sachen so schön besorgte und alles am Nutzen hielt. Doch wie er auch aufpaßte, er konnte nichts bemerken. Gegen das Ende des Winters hielt er's vor Neugierde schier nicht mehr aus. Er guckte durch alle Wandritzen in Stube, Küche und Stall, doch nie bekam er etwas zu sehen. Schon meinte er, er werde dem geheimnisvollen Treiben nie auf die Spur kommen, da hörte er eines Morgens die Butterliere in der Stube arbeiten. Leise hob er die Bettdecke und guckte hinein. Jetzt erblickte er zu seiner Verwunderung ein winziges Männlein mit Gänsefüßen, das eben daran war, die frischgemachte Butter aus dem Fäßchen zu nehmen. Leise zog er die Bettdecke wieder über den Kopf, denn nun wußte er genug: ein Bergmännlein hatte ihm den ganzen Winter über die Arbeit getan. Das freute ihn sehr, und er nahm sich vor, das Zwerglein, so gut er eben vermöge, zu belohnen. Am andern Tage begab er sich nach Ernen und ließ dem Bergmännlein ein hübsches neues Röcklein machen. Und wie er dann wieder hinaufkam auf die Hochfluh in sein Häuschen, legte er ihm's vor dem Zubettgehen auf den Tisch. Er war sehr darauf gespannt, was das Zwerglein nun tun würde, wenn es das neue Gewand finde. Deshalb wollte er am Morgen zeitig wach sein und scharf aufpassen. Allein er verschlief sich, und als er endlich aufwachte und nach dem Stubentisch schaute, war das hübsche Röcklein weg. Vor dem Fenster aber hörte er eine Stimme singen: "Nun bin ich gar ein schöner Mann, der nun nicht mehr hirten kann." Danach verschwand das hilfreiche Zwerglein auf Nimmerwiedersehen. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bergmännli im Erzloch by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Bergmännli im Erzloch

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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In der beinahe 600 Meter hohen Felswand des Gonzenhauptes befindet sich ein wahrscheinlich schon zur Römerzeit benutztes Eisenbergwerk, von den Sarganserländern "Erzloch" genannt. Es wurde bis um das Jahr 1870 immer noch betrieben. In den Gruben waltete das Bergmännlein, ein wohltätiger Berggeist, welcher jede Gefahr rechtzeitig verkündete. Wenn die Knappen in unergibigem Gestein arbeiteten und die Öffnung neuer, besserer Erzgänge bevorstand, geschah es, während sie ahnungslos im Knappenhaus beim Essen sassen, dass vom Bergwerke her, über die Steine bis auf die hölzerne Stiege, laute Tritte erschallten, als ob dreissig und mehr Arbeiter mit schweren, eisenbeschlagenen Schuhen sich näherten. Die Knappen sprangen hinaus; aber nichts war zu sehen und zu hören. Ungefähr im Jahr 1852 war der Knappe Martin Hobi von Hl. Kreuz mit seinem Bruder Christian in der "Lehmgrube" über einem schauerlich tiefen Schachte auf einem hölzernen Gerüste am Arbeiten. Da fing es an, kleine Steine nach ihnen zu werfen, anfangs ganz sachte, dann aber immer toller, so dass sie es endlich für ratsam hielten, ihren Posten zu verlassen. Kaum waren sie an einem sichern Orte angelangt, so stürzte das Gerüste zusammen und unter schrecklichem Gepolter in die grausenhafle Tiefe hinab. J. Natsch. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 177, S. 84 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bergwerk auf dem Knappertopf by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Bergwerk auf dem Knappertopf

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Die Goldadern am Knapperkopf wurden von zwei Brüdern entdeckt und im Geheimen ausgebeutet. Die Habsucht brachte Unglück über sie. An einem Abende, an dem grosse Beute gemacht worden war, stürzte der eine den andern die hohe Felswand hinunter, begab sich mit seinem Schatze nach Hause, verbarg ihn und teilte den Leuten mit, sein Bruder sei zu Tode gestürzt. Schnell begab sich eine Menge junger Männer auf die Suche und fand den Mann noch lebend. Dieser verriet das Geheimnis der Goldader, gab seinen Bruder als Mörder an, und dann verschied er. Auf dem Anhau bei Ragaz wurde der Brudermörder hingerichtet; aber an der Stelle, wo der Frevel geschehen war, musste der Mörder als feuriger Mann umgehen. Hierauf ging die Ausbeutung der Gruben an die Gemeinde über; alle waren sehr ergibig, besonders die mit einer eisernen Türe versehene Hauptgrube. Ein zweistöckiger Holzbau erhob sich an der Stelle, wo jetzt die halbzerfallene Knapperhütte sich befindet, die zur Wohnung für die Bergleute und zur Aufnahme des Erzes dienen musste. Jahre waren vergangen; aber der Unhold belästigte die Knappen immer mehr, selbst in der Hütte, wenn nicht allabendlich gebetet wurde. Auch Berggeister spielten den Leuten manchen Schabernack. Das eine Mal waren die frischgespitzten Bohrer bis über die Hälfte in den Felsen hineingetrieben; ein anderes Mal war sämtliches Werkzeug an dem wohl 300 Meter tiefer liegenden Taminaufer zu finden, oder es kam den Knappen, wenn sie in einer ergibigen Erzader bohrten, plötzlich ein Strom Wasser entgegen. An einem Abende, als die Bergleute das übliche Gebet verrichtet hatten, kam durch die Stubentüre ein kaum ellenlanges Weiblein herein. Das russige Berglämpchen erlosch. "Ich bin euere Freundin, die Elfenkönigin, und gebiete über hundert dienstbare Geister. Zweihundert Jahre sind es heute, seit hier ein Brudermord geschah. Der Mörder hat nun seine Schuld gebüsst und wird euch nicht mehr belästigen. Letzthin haben meine hundert Zwerge den Kampf auch mit den Kobolden und Berggeistern aufgenommen und sie besiegt. Diese werden euch nichts mehr schaden. Ein Stunde nur, um Mitternacht, lasst die Arbeit ruhn; denn sie würde euch Unglück bringen!" Verschwunden war die liebliche Gestalt. Das Lämpchen brannte wieder. Da lebte in Vättis ein armes, aber glückliches Elternpaar. Ihr ganzer Schatz war ihr einziges Kind, Namens Marie. Es kam die Zeit, dass auf der Burg Freudenberg die Mariengerichte abgehalten wurden. Der Vater hatte Geschäfte in Ragaz, und das Töchterlein durfte ihn dorthin begleiten. Die beiden begaben sich auch auf den Freudenberg. Auf einmal entstand eine Bewegung unter den Anwesenden; ein Trupp Zigeuner war angekommen. Alles sprang so schnell als möglich, die armen Leute niederzuschlagen; denn die Zigeuner waren damals vogelfreie Leute, und die Abschlachtung derselben hielt man für ein Gott wohlgefälliges Werk. Auch die beiden Vättner folgten der Menge. Auf einmal sahen sie ein altes Zigeunerweib mit blutigem Kopfe. Ein Rasender hatte es mit einem Stocke niedergeschlagen. Die Alte wurde von dem Volkshaufen nicht mehr beachtet und hatte sich in das Gebüsch geschleppt, um dort ruhig sterben zu können. Jetzt erhob der Bergmann den Stock, um ihr den Todesstreich zu versetzen. Das Mädchen bat für sie und fand Erhörung. Die Zigeunerin aber richtete sich auf und sprach: "Gutes Mädchen! Wenn du einmal gross sein wirst, droht dir ein furchtbares Unglück; du kannst es abwenden, wenn du meinen Rat befolgst. Wenn deine Familie fünf Personen zählt und der Johannestag auf einen Tag fällt, der kein Tag ist (Mittwoch), haben dreizehn Männer etwas vor. Verhindere es; denn du rettest dann dein Liebstes vor einem schrecklichen Tode." Die Zigeunerin starb; Marie aber wuchs auf und wurde die Frau des Vorarbeiters im Bergwerk am Knapperkopf. Zwei liebliche Mädchen wuchsen dem jungen Ehepaar auf, dazu ein Knabe. Einmal gegen Ende Juni hatten dreizehn junge Männer im Übermute beschlossen, mit dem althergebrachten Glauben zu brechen und am St. Johanni-Tage ihre Nachtarbeit um zwölf Uhr zu beginnen. Das Vorhaben derselben wurde in Vättis bekannt. Auch Marie hörte davon, als sie im Görbsbach Wasser schöpfte. Vor sich sah sie plötzlich die alte Zigeunerfrau mit bluttriefendem Kopfe. Alles schlug heute nach der Prophezeiung genau ein. Ihr wurde schwindelig; sie musste nach Hause getragen werden und verfiel in ein hitziges Fieber. Der Pfarrherr wurde gerufen. Auf einmal wurde ihr Geist hell, und sie konnte offenbaren, was für die nächste Stunde bevorstund. Anton machte sich unverzüglich auf den Weg nach dem Knapperkopf, um seine Genossen zu warnen. Er glaubte, den Knapperkopf auch in tiefer, rabenschwarzer Nacht noch rechtzeitig erreichen zu können. Mitten im Wege lagen aber Tannen und Felsblöcke. Doch er verzagte nicht; er überwand alle Hindernisse bis nahe ans Ziel, wo seine Kräfte schwanden. Er wollte eine Weile ausruhen. Doch er hörte hinter sich rufen: "Beeile dich; es ist die grösste Zeit!" Bald hatte er die Hütte erreicht und betrat dieselbe. Die zwölf Gesellen aber waren schon fort. Schon trat auch das Gefürchtete ein. Der jähe Bergabhang mit Felsen, Wald, Rasen und Geröll setzte sich in Bewegung und bedeckte vor den Augen des Zuschauers die Gruben samt den Knappen. Es wurde nachgegraben; aber die Verschütteten wurden nicht mehr gefunden. Das Begrabensein in ungeweihter Erde war die gerechte Strafe für den Vorwitz. Wie sehr diese Sage in Vättis fortlebt, beweist die Tatsache, daß Ende der 1860er Jahre, als der Betrieb des Bergwerkes neuerdings aufgenommen wurde, man an vielen, vielen Orten die Erde wegschaffte und nach den verschütteten Gruben suchte. Ludwig Jäger.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 221, S. 107ff Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Berner Änni by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Berner Änni

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Berner Änni Im Hirzel vermutlich lebte einst eine Jungfer; man sagte ihr nur das Berner Änni. Diese stand im Rufe einer Hexe. Wenn sie von jemandem Milch bekam, so gaben sicher dessen Kühe anderntags rote Milch. Nun wohnte in ihrem Dörflein ein netter junger Bursch. Dieser bekam an einer grossen Zehe plötzlich einen solchen erbärmlichen Schmerz, dass er wie rasend in der Stube umherhüpfte. Man wandte sich an den Arzt R. in T. Dieser gab verschiedene Mittel, aber umsonst. Eines Tages erschien er selbst beim Patienten. Die Erzählerin dieser Geschichte sah selbst, wie er das Gässlein heraufkam und sein Ross neben der Haustüre‚ wo der junge Karli wohnte, anband. Das Berner Änni wohnte nicht weit von dieser Tür, auf der anderen Seite der Gasse. Der Doktor gab dem Karli ein Heilmittel, das sie geheim halten mussten. Auch sagte er, es sei das letzte, das er gebe. Es werde bald jemand kommen und etwas entlehnen wollen, erklärte er, aber die Leute sollen beileibe nichts hergeben, sonst helfe alles nichts. Darauf verabschiedete sich der Doktor und ritt das Gässlein hinab. Nicht lange hernach erschien das Berner Änni und wollte Salz entlehnen. Als es ihm aber abgeschlagen wurde, begehrte es etwas anderes und so fünferlei. Als es gar nichts kriegte, fing es laut an zu weinen und anzuhalten. Aber es musste leer heim. Unterdessen hatte der Doktor sein Pferd dem Vater des Patienten übergeben, welchen er auf dem Felde arbeitend fand. Er befahl ihm, das Tier nach U … H … zu fhren. Dann ging er wieder zurück zum Kranken. Das Berner Änni, als es heimkam, setzte sich wieder zu seinem Spinnrad, tat vier oder fünf Züge, fiel plötzlich rückwärts über den Stuhl und war eine Leiche, just in dem Augenblick als der Doktor wieder zu seinem Patienten eintrat. Ich vergesse es meiner Lebtag nicht, erklärte die Erzählerin, die dabei war, als man das Berner Änni zu Grabe tragen wollte. Da kam ein Hase die Wiese herunter, lief zwischen den Häusern durch und unter dem Sarge des Änni weg ins Weite. Nur zwei Männer gingen hinter dem Sarg her. Der Bursch aber wurde von Stund an wieder gesund und ist jetzt (vor 1859) Präsident. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee SAVk 2 (1898) 270.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das bessere Gebet by (Schweiz, Bodensee, Legende, Thurgau)

Das bessere Gebet

Source: (Schweiz, Bodensee, Legende, Thurgau)

Category: Kategorie: Legende / ATU-Nr: 827

Von einem Einsiedel, der in den helvetischen Landen gewohnet (man weiss aber nicht, in welchen Jahren), erzählte einst ein vornehmer gelehrte Mann, dass diesen der Weihbischof von Costnitz, dem heutigen Konstanz, besucht hat, um zu erfahren, was hinter ihm stecken möge. Da habe er eine pure Einfalt angetroffen, und als er den Einsiedel gefragt, was er bete, hätte er geantwortet, er bete nur ein kurzes lateinisches Gebet. Als nun der Weihbischof gefragt habe, wie es laute, hätte er geantwortete: „O Domine misere Die! O Domine misere Die!“ Darauf habe der Bischof gesagt: „Du betest nicht recht, sondern musst sagen: „O Domine miserere Mei“. Als er nun seinen Rückweg antrat und über den Bodensee fuhr, sei der Einsiedel auf dem Wasser dem Schiff nachgelaufen, rufend und bittend, man solle ein wenig einhalten, er hätte das Gebet vergessen und wäre wieder auf die alte Redewendung gekommen. Als aber der Weihbischof das Wunder gesehen, hätte er das Kreuz über ihn gemacht und gesagt: „Gehe in Gottes Namen, du kannst besser beten als ich.“ Darauf sein der Einsiedel wieder umgekehrt und habe sich zurück in seine Klause begeben. Grimmelshausen: Des Abenteuerlichen Simplicissimi / Ewigwährender Calender Nürnberg 1670 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Beste in dem Schotten by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Beste in dem Schotten

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Category: Kategorie: Sage / Diese Kategorie ist nicht im AT-Verzeichnis enthalten.

Das letzte "wilde Mannli" auf der Alp Matschiels äusserte gegenüber den Sennen einst, ihnen sei unbekannt, dass nach dem Käsen noch das Allerbeste in dem Schotten bleibe. Sie wollten ihm das Geheimnis ablocken und stellten ihm Schnaps hin. Das Männlein roch daran, ging aber weg und sprach: "I trouw der nit; du chünntist mi bilürla." Man glaubt, dies Köstliche sei ein Honig, der den der Bienen an Süssigkeit übertreffe. Dr. Henne-Am Rhyn, Deutsche Volkssage.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 214, S. 104 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bettelmädchen by (Johannes Jegerlehner, Zaubermärchen, Wallis)

Das Bettelmädchen

Source: (Johannes Jegerlehner, Zaubermärchen, Wallis)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 887

Es lebte ein alter Burgvogt, der wünschte, dass einst sein Sohn, der junge Graf, heirate, damit das Burgvogtrecht in der Verwandtschaft bleibe. Der Vater gab nun ein Mahl, an dem er sich äusserte, dass sein Sohn demnächst heiraten werde. Der Sohn erwiderte dem Vater, dass er geneigt sei zu heiraten, nur solle man ihm die Wahl überlassen und nichts dagegen einwenden, ob er nun bald ein reiches oder ein armes Mädchen nach Hause bringe, die Hauptsache sei, dass sie ihm gefalle. Daraufhin unternahm er einen grossen Spaziergang und kam durch ein Dorf, wo er ein Mädchen am Brunnen waschen sah, das ihm sehr gefiel. Wieder zu Hause angelangt, liess er die Schneiderin kommen und eine Magd, die ungefähr von derselben Grösse war wie das Brunnenmädchen, und liess für die Schöne ein Kleid anmessen. Als das Kleid fertig war, liess er den Wagen anspannen und fuhr mit dem neuen Kleid in das Dorf vor das Haus des Mädchens, wo er ausstieg. Er fand Mutter und Tochter zu Hause. Er bat die Mutter um die Hand ihrer Tochter; er habe sie am Brunnen gesehen und wünsche sich keine andere zur Frau. Die Mutter entgegnete: "Das ist gewiss nur ein Traum oder ein Scherz von Euch, Herr, ich bin arm und kann dem Mädchen nichts geben. Wenn Eure Neigung aber eine ernste ist, so will ich nicht dagegen sein!" Da fragte er die Tochter, und diese erwiderte ihm dasselbe wie die Mutter. Da sagte der Herr zu dem Mädchen: "Ja, es ist mir ernst, nur musst du mir versprechen, in allen Fällen gehorsam zu sein!" Sie versprach es mit Herz und Hand, und nun packte er das schöne Kleid aus, sie zog es an, und es passte ihr gut; dann nahm er sie mit in den Wagen, fuhr mit ihr nach Hause und hielt Hochzeit. Das arme Mädchen hatte sich bald in die vornehmen Verhältnisse hineingefunden. Nach zwei Jahren gebar sie ein Mädchen. Als es zwei Jahre alt war, sagte der Burgvogt zu seiner Frau: "Du hast mir versprochen, immer gehorsam zu sein; das Volk beginnt zu murren, daß das erstgeborne Kind nicht ein Bub ist, drum wäre es besser, wenn wir das Kind entfernten!" Die Mutter erwiderte: "Was ich versprochen, bin ich bereit zu halten!" Sie gab dem Kleinen ihren Segen und liess es fortnehmen; sie wusste nicht, wohin es kam, und fragte auch nicht. Nach weitern zwei Jahren gebar sie einen Sohn. Zwei Jahre verflossen, und da trat der Graf wieder vor sie und sagte: "Das Volk murrt, dass der Kleine der Sohn eines ehemaligen Bettelmädchens ist, drum ist es besser, wenn er fortkommt!" Die Mutter hatte nichts dagegen einzuwenden und erteilte ihrem Söhnchen den Segen. Beide Kinder wurden, ohne dass die Mutter es wusste, zu Verwandten gebracht und dort standesgemäß erzogen. Nach einigen Jahren trat der Graf wieder vor seine Frau und sagte: "Das Volk murrt gegen mich, dass ich dich geheiratet habe; wenn ich Frieden haben will, so müssen wir uns trennen. Geh du wieder in dein Elternhaus, dann werde ich eine Vornehme heiraten, und das Volk wird wieder zufrieden sein!" Die Frau wurde traurig und sagte: "Ich habe dir versprochen, in allen Teilen zu gehorchen, und werde mein Wort halten, ohne zu murren!" Da holte ihr der Gemahl die Bauernkleider, die er aufbewahrt; sie zog ihr schönes Gewand aus und schlüpfte in das Bettelkleid. Der Graf gab ihr einiges Geld mit, und sie zog wieder nach Hause. Die Mutter suchte sie zu trösten: "Ich habe es dir gesagt, es geht so lange, dann bist du ihm verleidet!" Nach zwei Jahren liess sie der Graf wieder in seine Burg rufen und sagen, sie möchte das Schloss putzen und fegen helfen, denn er wolle wieder heiraten. Sie gehorchte und fegte das Schloss mit den andern Dienstboten von oben bis unten. Dem Burgvogt gingen dabei die Augen über. Dann sagte er zu ihr: "Wenn ich nun Hochzeit halte, so sollst du allein mir aufwarten!" Sie nickte stumm und ging an die Arbeit. Am Hochzeitstage sass neben dem Grafen ein blutjunges, schönes Mädchen. Er fragte seine Aufwärterin, wie ihm die Braut gefalle. Sie antwortete: "Sie gefällt mir gut, nur wünsche ich, dass sie Euch immer gefallen möge bis an Euer Ende und sie nicht einst so hart abgewiesen wird wie ich!" Da fiel ihr der Graf um den Hals und rief aus: "Ich wollte nie eine andere heiraten; die du da siehst und als meine Braut wähnst, ist unsere Tochter, die ich von dir genommen habe, und der schöne Jüngling neben ihr ist unser Sohn. Jetzt bist du wieder meine Gemahlin und lebst im Schlosse mit mir, und wir halten treu zusammen, bis der Tod uns trennen wird!" Quelle: Johannes Jegerlehner, Sagen aus dem Oberwallis, Basel 1913. Nr. 136, S. 106 - 108.?(Kanton Wallis, Ems im Turtmanntal). AaTh 887. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bettelmandeli im Brunnital by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Bettelmandeli im Brunnital

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Vor etwa 50–60 Jahren geschah es, dass ein fremdes Bettelmandeli durch die Alpen des Brunnitales wanderte und Anken bettelte. Zieger oder Käse nahm es nicht. Viele Leute gaben ihm schön Anken, und es tat allen in eine gar nicht grosse Büchse. Die Leute konnten gar nicht begreifen, wieso es allen da unterbringe. Einst schauten ihm Kinder zu, als es Anken in die Büchse schoppete. Es hatte eine Schnur und machte allerlei Manöver, dass die Kinder sagten: »Lüeget, der wurstet!« Wo der Anken da hinkomme, fragten es die Kinder. Der komme da graden Weges ins Montefun, sagte es. Sonderbarer Weise übernachtet es nirgends, und als es der alte Stetter von Spiringen einlud, bei ihm zu übernachten (er hatte die Absicht, es auszuförschlen), lehnte es ab mit den Worten, es habe ein eigenes Haus und Heim. Auf der Alp Laue wollten sie ihm keinen Anken geben. Da meinte es, denen wolle es schon dran denken. Es ging; das gute, heitere Wetter hielt noch einige Zeit an, und schon sagten die Leute, das Mandeli habe sie vergessen. Da kam aber am dritten oder vierten Tag über Laue und Umgebung ein unerhörtes Hagelwetter, vernichtete alles Gras und schlug sogar die Tannen in den Wäldern so kahl, dass sie aussahen wie Geschner. Endlich warfen sie Sensen vor die Hütte hinaus, und sogleich legte sich das Wetter und hörte der Hagel auf. Aber auf der Spitzä hörten sie's jauchzen. Sie dachten, das sei das Bettelmandeli. Dieses wanderte später im Oberland herum und rühmte dort, wie es den Schächentalern einen Possen gespielt habe. Auf die Frage, woher es sei, sagte es »aus dem Montefun.« Karl Gisler, 75 J. alt, Unterschächen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945, Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bettelweib in Wil by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Bettelweib in Wil

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Eine Stunde hinter der Stadt Aarau liegt im Jura das Bergdorf Ober- und Unter-Erlinsbach. Geht man dem Laufe des Dorfbaches weiter aufwärts nach, so kommt man in ein Hochthal, das man zu den schönsten des ganzen Gebirges zählen darf. Zwilfluh, Geisfluh, Ramsfluh, Egg, Schafmatt, Rothholz, Wasserfluh, sind die Namen der nächsten Berge, die im Umkreise einer Stunde die Landschaft nach allen Seiten eingrenzen. Dreitausend Fuss hoch reichen ununterbrochen ringsum die Buchenwälder und Bergwiesen; wie hellgelbe Bandstreifen flechten sich die Kalkfelsen oben durch die Hochwaldung, und noch auf den äussersten Felszinnen fort läuft eine Reihe unerreichbarer Legföhren, die sich zierlich fein gegen den Himmel abheben. Ein eigentümliches saftgrünes Licht mildert die schweren Wald- und Bergschatten, auf den Matten gewahrt man ein paar rothe Ziegeldächer, von der Sennweide herab tönt Schellenklang, reichlich strömen und rauschen die Quellen zusammen, im Gebüsche schlagen zahlreiche Amseln, der Hühnerweih wiegt sich in der Luft, und diese sonst wilden Schluchten werden zu einem Bilde anmuthiger Einsamkeit. Hier soll Wil gelegen haben, ein untergegangenes Bergdorf. Es ist älter gewesen, als die benachbarten Ortschaften, und es hatte schon sein eigenes Kirchlein, ehe das grosse Dorf Erlinsbach ein solches besass. Die Mauertrümmer davon standen noch vor einigen Jahrzehenten oben in der Waldschlucht bei der Ramsfluh an der Heilquelle, wo man nun das Gasthaus zum Lorenzobad erbaut hat. Man konnte die alten Grundmauern damals nicht abtragen und musste sie mit Pulver sprengen. Die Haupttragsteine und Gesimse waren schon früher weggeschafft worden, um sie in die Dorfkapelle von Ober- Erlinsbach einzumauern. Das jetzige Gasthaus bei der Quelle nimmt die Stelle des alten Grabackers ein. Da man beim Neubau den Boden umwarf, kamen so viele Gerippe auf einmal zum Vorschein, dass man sie auf den katholischen Kirchhof ins Dorf hinabfahren musste. An einem Skelette fand man einen silbernen Ring, der aufbewahrt worden ist. Befremdend aber war es, ebendaselbst auf eine ganze Schichte von Rossknochen zu treffen, die draussen um die Mauern herum wohlgeordnet lagen und zum Theil vom neben fliessenden Waldbache blos gelegt waren. Das Volk sah in ihnen Ueberreste heidnischer Gottesverehrung. Denn man weiss, dass an dieser Stelle ein Eremite wohnte und die Leute der Umgegend aus dem Wasser der Lorenzoquelle zu Christen taufte. Ehe er hieher gekommen war, hütete ein weibliches Wesen diesen Born, man kennt sie jetzt noch allgemein unter dem Namen der Frau. Der Bannwart, der oben im Bergdörflein Hard wohnt, hat sie in den letzten Jahren einmal plötzlich im Tannenwalde getroffen und konnte ihr gerade noch ausweichen. Man fürchtet sie nicht, aber man meidet sie in ehrfürchtiger Scheu; denn sie allein ist übrig geblieben, da alles zusammen, das Dorf Wil und seine Kirche bei einem Erdbeben verschüttet wurde; auch die heilige Quelle, welche früher heiss floss, ist seitdem nur lau, da sie jetzt mit andern innern Bächen zusammen geschoben aus dem Berge kommt. Aber solche Fruchtbarkeit strömt noch immer mit Quelle und Bach ins Thal, dass kaum ein Stein mehr von dem alten Gerölle des Bergsturzes unübergrast und nackt daliegt. Damals sind auch die alten Bewohner dieser Gegend ausgewandert, die Erdmännchen. Ihr Schloss hatten sie in der dem Bade gegenüber stehenden Gebirgskuppe, hoch oben in dem gewaltigen Felskegel der Ramsfluh. Die jetzt noch sichtbare Felshöhle war damals so gross, dass drinnen ein Reiter auf seinem Rosse aufrecht sitzen konnte. Nun ist der Ort schwer zugänglich, das Thor ist durch Bergschutt verengt, und erst wenn man sich durch den Einschlupf hindurch gearbeitet hat, wird das Innere der Höhle breiter und höher. Es führt noch eine Spur von Felstreppen hinan. Zur Seite klafft eine Oeffnung, das soll das Schaufenster für den Thorwart gewesen sein. Dann geht es stark in die innere Tiefe hinab, und von da soll ein unterirdischer Gang hinauf führen bis zur Spitze der eine Stunde entfernten Wasserfluh. Aber der Weg ist so klüftig und finster, dass man sich nicht hinab wagt; nicht einmal den ungeheuren Kautz kann man fangen oder schiessen, der noch drinnen haust und bei Witterungswechsel das enge Thal Nächte lang mit seinem Geheule erfüllt. Dreifache Höhlen bildeten den Keller, den Wohnsaal und die obere Schatzkammer der Zwerge. Bei Regenwetter fliesst nun der Ramsfluhbrunnen heraus, er kommt aus einem See, der im Jnnern des Gebirges liegen soll. Die Erdmännchen, die hier wohnten, trugen Mäntel, deren Saum weit über die Füsse herabreichte und deren Kapuze den Kopf verhüllte. Wer im Dorfe buck, musste ihnen einen Wähen vor das Fenster legen. Von ihnen hat man kein anderes Ueberbleibsel mehr als die grossen Alpenraben, die sich, ausser in dieser Gegend, sonst im Jura nicht aufhalten sollen. Sie dienten den Zwergen als Boten, und auf ihnen sind sie auch miteinander aus dem Thale fortgeritten. An jener Quelle in Wil gieng ein armes Weib einst am späten Winterabend vorbei, um ihr Bettelbrod heim zu tragen, das sie sich den Tag über droben in Hard bei den Bauern gesammelt hatte. Sie watete durch tiefen Schnee und fror jämmerlich. Da stand nun plötzlich ein Erdmännchen vor ihr und bat sie so dringlich als freundlich, auf der Stelle mit ihm hinauf in die Höhle der Ramsfluh zu kommen. Sie liess sich durch den hohen Lohn, von dem er sprach, bewegen, den bösen Weg noch einmal zurück zu machen, und traf drinnen in der Höhle ein kleines Weib, das gerade in Kindsnöthen lag. Derlei war der Erlisbacherin nicht allzuneu; sie erinnerte sich, wie zu ihren Lebzeiten in den zwei Nachbarorten Wittnau und Niederwil noch seltsameres geschehen und dorten sogar ein Geisbock laufen gekommen sei, die Hebamme in den Berg hinauf zu holen. Als nun das Bettelweib ihren Dienst verrichtet hatte und ein wunderwinziges Kindlein die Wände beschrie, warf man ihr Glasscherben, Steinchen und Kohlen händeweis in Schürze und Sack und entliess sie alsbald unter vielem Dank und mit der besondern Mahnung, zu diesen unscheinbaren Dingen ja Sorge zu tragen. Das Erdmännchen selbst gieng ihr den steilen Weg voran und begleitete sie wieder bis zur Lorenzoquelle hinab. Die Frau fror auf dem bösen Steige bitterlich, und wenn sie ihre erstarrten Finger unter das Fürtuch. verbergen wollte, verlor sie darüber bald dies bald das von dem Duzenderlei, was man ihr droben hineingesteckt hatte. So oft sie wieder etwas im Hohlwege fallen ließ, sagte das Männlein allemal: Je minder as b'hebsch, Je minder as hesch. So kam sie endlich heim. Als sie da den Ueberrest von allem, was unterwegs nicht aus der zerlumpten Schürze gefallen war, beim Lichte ausbreitete, fand sie noch eine Glasscherbe, die zu Silber geworden war, und ein Köhlchen und ein Steinchen, das eine war in Gold, das andere in einen Edelstein verwandelt. Alles Suchen um das verloren Gegangene half nachher nichts mehr. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 264 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Beugenfräuli by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Das Beugenfräuli

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Unweit des Freulerpalastes in Näfels steht ein altes Herrenhaus mit hohem Giebel, die Beuge. In den getäferten Räumen huschen zu gewissen Zeiten gespensterhafte Schatten umher, und es werden dann auch unerklärliche Geräusche vernommen, Anzeichen, dass das Beugenfräuli seinen Rundgang mache. Zur Ritterzeit habe es auf der Burg Stadion gewohnt, zog dann aber ins Dorf hinab und lebte in frommer Einsamkeit. Weil die Adelige mit niemand verkehrte, wurde sie von den Nachbarn als hochmütig verschrien. Irgend etwas Ungerechtes muss das sonderbare Fräulein doch verübt haben, denn die Sage weiss, dass erst der Jüngste Tag ihrem Geisterwandel durch die Beuge ein Ende setze.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Das bewachte Kegelspiel by (Theodor Vernaleken, Sage, Graubünden)

Das bewachte Kegelspiel

Source: (Theodor Vernaleken, Sage, Graubünden)

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Im Churer Talgebiet erheben sich über die Wiesenfläche mehrere kleine Hügel. Auf einem derselben, ein Viertelstündchen von der Stadt Chur steht ein altes Häuschen, in dessen Keller lange Zeit ein goldenes Kegelspiel verborgen war. Das hätten manche gern erlangt, aber es ging nicht so leicht, denn bei dem Kegelspiel hielt ein schwarzer Pudelhund mit feurigen Augen Wache. Jetzt soll das Kegelspiel von dem Eigentümer des Hügels gehoben sein. Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchen.ch


Das Bibern-Mummeli by (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

Das Bibern-Mummeli

Source: (Alois Lütolf, Sage, Luzern)

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a) Ein verkommenes Entlebucher „Meitschi" lebte eine Zeit lang in seinem Leichtsinne dahin. Mit einem Male aber wurde es leutescheu, düster und schritt sichtbarem Tode entgegen. Die Unglückliche, sie hatte ihrem Kind in der Bibern, die vom Heiligkreuz ob Entlebuch herabeilt und bei Hasle in die Emme fliesst, den Tod gegeben. Nun wandelt sie bachauf und -ab bis zum jüngsten Tage. Schon viele haben sie jammern gehört. Im alten „Chreiehus" hat das Mummeli lang auf dem Ofen seinen Platz gehabt, ist da „grupet" und duldete niemanden neben sich. Den Leuten im Hause nahm's die Speise vom Tische und zerschlug die „Bekle und Kachele" alle. Endlich wurde es auf den Estrich verbannt. Beim „Wandten" an der Bibern schreit's manchmal wie eine Katze. Der „Himmelseppel" hat 's selber jammern gehört und als seine Kameraden in der „Höll", einem Hause, noch spät in der Nacht tranken und wegen des Mummelis Spass machen wollten, hat er sie ernstlich vermahnt.   b) Von dieser Sage gibt es eine schöne Variante: Einer armen Frau zu Hasle brachten sie ihren Mann vom Wildhauen als zerschlagenen Leichnam nach Hause. Vor Entsetzen fiel sie in die Wehen und bekam ein Kind um zwölf Uhr in der Nacht. Jammer und Schmerz hatten sie halbwahnsinnig gemacht. Sie lief mit dem Kinde zum toten Manne und sprach: „Da, sorg jetzt für den Balg!" Damit hatte der böse Geist Gewalt über sie erlangt und er sprach aus der Leiche: „Wirf ihn ins Wasser; hat Gott dir deinen Mann sterben lassen, so magst du auch das Kind töten." Und sie tat es und warf 's in die am Hause vorbei rauschende Bibern. Bloss geschehen, und verzweiflungsvolle Reu' hat sie ergriffen. Siehst, wie sie atemlos dem Bachbord entlang hinunter rennt und dem Kindlein unverwandt ins bleiche der Mutter zugewendete Antlitz schaut! Sie will retten und vermag es nicht. So ging 's hinab bis zur Emme, wo die Mühle steht. Das Kind treibt dem Rade zu - eile, eile! Weh, schon hat das Rad es ergriffen; langsam - langsam, dass die Mörderin das bleiche Gesicht und jeglich Gliedlein unterscheiden konnte, wird der Leib gehoben und verschwand dann jenseits der Kämme wie ein grosser, weisser Schneeflocken. Jammervolles Geheul, das die Frau nun auszustossen beginnt. Es treibt sie seltsam und unwiderstehlich hinauf zu jenem Stein im Bach, wo sie das Kind hineingeworfen hat. Da stürzt sie sich nun selbst hinein, schwimmt hinab bis zum Mühlenrad, das sie packt und in reissendem Wirbel zermalmt. Aber der armen Seele ward bis heute keine Ruh. Dort auf dem Steine sitzt sie allnächtlich und büsst ihre Blutschuld. Wenn das Wetter ändern will, muss sie unter Geheul und Wehklagen bachab schwimmen dem Mühlenrade zu.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das Birchmädchen am Mettmenhaslersee by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Birchmädchen am Mettmenhaslersee

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Birchmädchen am Mettmenhaslersee Dieses idyllische Seelein ist ein wahres Schmuckstück des Unterlandes und mit Recht vom Niederhasler Gemeinderat im Jahre 1946 unter Naturschutz gestellt worden. Da gedeihen noch seltene Pflanzen, Vögel und Insekten, und zu allen Jahreszeiten geniesst man hier den ungestörten Anblick eines lieblichen Landschaftsbildes. Früher aber betrachteten viele den Haslisee mit anderen Gedanken, denn er galt geradezu als unheimlich. An seinen Ufern ereigneten sich in alten Zeiten etliche Mordtaten, oder die Seerosenstengel hielten wie Nixen manchen ungeübten Schwimmer so fest, dass er jämmerlich ertrinken musste. Ferner kam es oft vor, dass verzweifelte Menschen in ihrer letzten Not hier im Wasser den Freitod suchten. Eine solche Begebenheit überliefert die folgende Sage. Darnach war in einem Bauernhaus der Umgebung ein ausserordentlich eigensinniges Kind, das von klein auf niemandem gehorchen wollte, in einem fort „täubelte“ und Eltern oder Lehrer bei ihren Ermahnungen nur noch auslachte. Eines Tages wollte die Mutter das böse Mädchen zöpfeln, wobei dieses so rasend wurde wie noch nie, um sich schlug und fortrennen wollte. Da ging auch der Mutter die Geduld aus, und wütend rief sie ihm zu, es solle ihr in des Teufels Namen aus den Augen. Das Kind, so berichtet die Sage, habe sich diese Verwünschung so zu Herzen genommen, dass es sofort an den See geeilt sei und sich dort ertränkt habe. Auch im Wasser habe es aber keine Ruhe gefunden, sondern es sei zu einem Vogel verzaubert worden, der auf einer hohen Tanne im nahen Birchwäldchen gehorstet und in gewissen Nächten andauernd „o weh, o weh!“ gerufen habe. Das sei gelegentlich auch Schulkindern zu Ohren gekommen, und manches habe gedacht, es wolle doch lieber gehorchen als in einen solchen Vogel verwandelt werden. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland Wörtlich aus Hedinger, S. 12. Seine Quelle: Artikel von P. Corrodi vom 18. 5. 1948 im „Wehntaler“, Nr. 58, der sich auf die Dialektnotizen des Rümlanger Pfarrers K. Marthaler (1869) stützt, welche in der Bibliothek des schweizerdeutschen Wörterbuches zu finden sind.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Birnli will nit fallen by (Schweizer Märchen in KHM der Brüder Grimm, Formel-/Kettenmärchen)

Das Birnli will nit fallen

Source: (Schweizer Märchen in KHM der Brüder Grimm, Formel-/Kettenmärchen)

Category: Kategorie: Formel-/Kettenmärchen / ATU-Nr: 2034

Der Herr will das Birnli schüttle, das Birnli will nit fallen: der Herr, der schickt das Jockli hinaus, es soll das Birnli schüttle: das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr das Hündli naus, es soll das Jockli beißen: das Hündli beißt das Jockli nit, das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr das Prügeli naus, es soll das Hündli treffen: das Prügeli trifft das Hündli nit, das Hündli beißt das Jockli nit, das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr das Fürli (Feuer) naus, es soll das Prügeli brennen: das Fürli brennt, das Prügeli nit, das Prügeli trifft das Hündli nit, das Hündli beißt das Jockli nit, das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr das Wässerli naus, es soll das Fürli löschen: das Wässerli löscht das Fürli nit, das Fürli brennt das Prügeli nit, das Prügeli trifft das Hündli nit, das Hündli beißt das Jockli nit, das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr das Kälbli naus, es soll das Wässerli läpple: (trinken) das Kälbli läppelt das Wässerli nit, das Wässerli löscht das Fürli nit, das Fürli brennt das Prügeli nit, das Prügeli trifft das Hündli nit, das Hündli beißt das Jockli nit, das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr den Metzger naus, er soll das Kälbli metzle: der Metzger metzelts Kälbli nit, das Kälbli läppelt das Wässerli nit, das Wässerli löscht das Fürli nit, das Fürli brennt das Prügeli nit, das Prügeli trifft das Hündli nit, das Hündli beißt das Jockli nit, das Jockli schüttelts Birnli nit, das Birnli will nit fallen. Da schickt der Herr den Schinder naus, er soll den Metzger hängen: der Schinder will den Metzger hänge, der Metzger will das Kälbli metzle, das Kälbli will das Wässerli läpple, das Wässerli will das Fürli lösche, das Fürli will das Prügeli brenne, das Prügeli will das Hündli treffe, das Hündli will das Jockli beiße, das Jockli will das Birnli schüttle, das Birnli das will fallen. Quelle: Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, Schweizer Märchen, Anhang Nr. 13, Reclam Stuttgart   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das bleibende Brot by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das bleibende Brot

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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In Goppisberg kamen oft Gogwärgini auf Besuch und arbeiteten für die Leute dort. Wenn sie für ihre Arbeit ein Brot und einen Käse erhielten, waren sie zufrieden. Sie nahmen dann ihr Messer und schnitten einen Strich mitten durch Brot und Käse. Sie assen jeden Tag nur bis zu diesem Strich, und am folgenden Tag waren Brot und Käse wieder ganz. GOPPISBERG Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Bleichi-Mueterli by (Hans Koch, Sage, Zug)

Das Bleichi-Mueterli

Source: (Hans Koch, Sage, Zug)

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Oberhalb Schönbrunn, auf dem Wege gegen Hinterburg zwischen dem Bethlehem und dem sogenannten "Loch", liegt ein Stück Land, das man die "Bleichi" nennt. Dort ging einst ein Gespenst um. Eine weibliche Gestalt, schwarz von Gesicht, in weissem Gewand mit einem Strohhut auf dem Kopfe, kam vom sogenannten "Wösch", einem Wald zwischen Bethlehem und Edlibach, sehr oft mit einem Licht in der Hand. Noch in den Jahren des letzten Jahrhunderts wurde ein junger Bursche von Schönbrunn durch den Anblick des Bleichi-Mueterli so erschreckt, dass er einige Zeit krank darniederlag. Vor Jahren ging ein Menzinger als kleiner Knabe mit seinem Vater bei der Bleichi vorbei, sah das Gespenst mit einem blauen Lichtlein und schloss sich ängstlich an den Vater an, der aber von der gefürchteten Erscheinung gar nichts wahrnehmen konnte. Man sagt auch, dass einst ein frecher Obstdieb in der Gestalt des Bleichi-Mueterli seine langfingrige Runde unter den dortigen, reichbehangenen Obstbäumen gemacht habe, bis ihm wachsame Bauern das Handwerk gelegt hätten. Quelle: Hans Koch, Zuger Sagen und Legenden, Zug 1955, S. 83 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bleiki-Muoterli by (Alois Lütolf, Sage, Zug)

Das Bleiki-Muoterli

Source: (Alois Lütolf, Sage, Zug)

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Oberhalb Schönbrunnen, an der neuen Landstrasse von Ägeri gegen Hinterburg zwischen Bethlehem und dem sogenannten Loch, ist ein Stück Land mit einer Scheune, so zum Hofe Schönbrunnen gehört, die Bleiche genannt. Dort sah man zuweilen - noch in jüngster Zeit bei Nacht ein Gespenst. Eine weibliche Gestalt, schwarz von Gesicht, in weissem Gewande mit einem Strohhut auf dem Kopf, kam von der sogenannten „Wösch" einem Walde zwischen Bethlehem und Edlibach her - oft mit einem Lichte. Noch in den dreissiger Jahren wurde ein junger Bursche von Sch. durch den Anblick des sogenannten „Bleiki- Muoterli" so erschreckt, dass er einige Zeit krank wurde, worauf an dem Orte ein Exorzismus durch Pf. W. von M. vorgenommen wurde. - Vor etwa 30 Jahren ging N. Z. als kleiner Knabe mit seinem Vater bei der Bleiche vorbei, sah das Gespenst mit einem blauen Lichtlein und schloss sich ängstlich an den Vater an, der aber nichts sah. Man sagt, in neuerer Zeit habe ein Obstdieb in Gestalt des Bleiki-Mutterli die Runde um die Bäume gemacht.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das bluetig Chnöchli by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Das bluetig Chnöchli

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

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Uf dr Limmerealp isch emal e jungs Puurschtli as Handbueb gsi. Das hät Täv gheisse. Lang eb d Sunne überem Biferte vüre güggslet hät, isch dr Täv schu i de Wehre gsi und hät si im Trog vor dr Hütte gwäsche. «Losed», händ die am undere Stafel ufem Tril zuenand gseit, «dr Täv Iaht schu e Heuerlig ab, es isch Zyt zum Uufstuh.» Au d Gamstier sind vertwachet, und d Mungge händ di eerschte Pfiff abluh. Vu dem stränge Wärche hät dr Täv allewil guete Appetit überchu, und dorum hät er gären echlei gmüselet, und Fänz hät er underetue wiene Grosse. Dr Sänn aber isch e herte Dingeler gsi, e Mäntsch, wo eim nuch ds Zändweh vergunnet hät. Er hät der Bueb gänzet, was er nu hät chänne. Emal amene Abend, wo dr Täv i d Hütte chunnt und lueget, ob’s nüd bald z Nacht gäb, chunnt dr Sänn i d Galle. «Da chasch emal ha bis gnueg!» brüelet er dr Bueb a, paggt ne am Gnigg und wirft ne Tschüder voruus in di süttig Schotte. D Lych hät er i ds Tobel abegworffe. De Lüüte hät er aaggih, dr Täv sig erfalle. Aber das bös Gwüsse hät dem Uutüüfel vumene Sänn ekei Rueb gluh. Gly na Michaeli, woner dr Luh im Sagg gha hät, isch dr Sänn uusgwanderet, und niemert hät nüüt vunem gkört. Es vergühnd e Puschle Jahr, so chunnt er wider emal gu Glaris. Es isch gad Chilbi gsi und i allne Wirtshüüsere Gyger. Er nüd fuul und gaht au gu bödele. Ekeine hät er ussluh und hät gfleugt wi dr Lump am Stägge. Zwüschetine isch er emal a d Linth übere gu verchuehle. Wien er e Huet volle Wasser useschöpft, so gsiht er e chlys wysses Chnöchli. Er ninnt’s i d Hand und gschauet’s, und es gfallt em di lengeri besser. Es isch aber au en aprännt schüüs Chnöchli gsi, heller as Elfebei und en Art wiene Vogelfädere. Er steggt’s uffe Huet und gaht wieder uf d Tanztili. Woner im schünschte Schwung gsi isch, laht sis Maitli zeismal e märderliche Wiichs ab und lauft em us den Aarme. Au d Musig hört uf. Was hät’s gih? All sind umme Sänn ummegstande, und eine zeiget uf sine Huet und rüeft: «Det! Det!» Und due hät’s au dr hinderscht gsih: Us dem bleiche Fäderechnöchli sind gross, schwär Bluetströpfe usetroolet, ganz tunggel. Due sind die Lüüt gruusam erschrogge, und eine, wo si uf dernigs Züüg verstande hät, seit, das sig näme nüd gad schuundtli, as sig’s. Mä hät dr Sänn uusgfräglet, bis er nümme hät chänne laugne. Und due isch alls uuschu. Dr Sänn aber hät vu dr Tanztili ewägg vor Gricht müese und gly drüberabe uffe Galgebüchel.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Das Blutei by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Das Blutei

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Zaubermärchen, Graubünden)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 311

Es war einmal ein Müller, der hatte drei sehr schöne Töchter. Nach einiger Zeit kam zu ihm ein vornehmer Herr, der bat ihn, ihm eine seiner Töchter zur Frau zu geben. Der Müller gab ihm die Älteste, und der vornehme Herr ging mit ihr auf sein Schloss. Eines Tages, als der Mann fort war, gab er seiner Frau den Schlüssel zu allen Zimmern und sagte, sie könne überall hinein, ausser in das und das Zimmer. Als er fort war, öffnete die Frau alle Zimmer und schaute überall hinein, ausser ins verbotene. Aber da der Mann längere Zeit wegblieb, nahm es sie mehr und mehr wunder, was in diesem Zimmer war. Sie trat ein und sah Menschenfleisch drin. Da erschrak sie fürchterlich, sie liess das Ei fallen, und das war nachher voll Blut. Sie konnte es waschen, sooft sie wollte, es wurde nicht sauber. Bald darauf kam der Mann nach Hause, und als er sah, dass das Ei Flecken hatte, tötete er seine Frau. Danach ging er wieder zur Mühle, er wollte die mittlere Tochter zur Frau, und der Müller gab sie ihm. Der vornehme Herr führte sie aufs Schloss. Nach einiger Zeit verabschiedete er sich von seiner Frau, gab ihr ein schönes Ei sowie die Schlüssel zu allen Zimmern und sagte ihr, sie könne überall hineingehen, ausser in das und das, da dürfe sie nicht hinein. Die Frau machte das so, doch schliesslich siegte die Neugier, so dass auch sie das verbotene Zimmer öffnete. Da sah sie die Leiche und die Kleider ihrer Schwester. Da erschrak sie derart, dass sie das Ei ins Blut fallen liess. Auch sie konnte die Blutflecken auf dem Ei nicht abwaschen, und als der Mann zurück war und das Ei sah, tötete er sie wie ihre Schwester. Der vornehme Herr ging zum dritten Mal zum Müller und wollte die Jüngste zur Frau. Nach langem Bitten gab sie der Müller. Auch sie nahm der Herr auf sein Schloss, und nach einiger Zeit, bevor er wegging, gab er auch ihr ein Ei sowie die Schlüssel zu allen Zimmern und sagte, sie dürfe alle Zimmer öffnen ausser einem. Als der Mann in den ersten Tagen nicht nach Hause kam, legte sie das Ei in eine Schublade und öffnete dann alle Zimmer, auch das verbotene. Darin fand sie ihre beiden ermordeten Schwestern. Da wusste sie, dass ihr Mann ein Mörder war. Der kehrte dann heim, und sie zeigte ihm das saubere Ei. Er lobte sie, dass sie folgsam gewesen sei. Doch am andern Tag, als der Mann schlief, haute sie ihm mit einem Schwert den Kopf ab und ging in die Mühle zu ihrem Vater zurück, dem sie alles erzählte.     Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das blutende Knöchlein by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Das blutende Knöchlein

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

Category: Kategorie: Sage / Diese Kategorie ist nicht im AT-Verzeichnis enthalten.

Bei Fahrni, unweit Thun, erhebt sich die Ibachfluh. Dort ist einst eine Jungfrau von ihrem Liebsten getötet worden. Der Mörder arbeitete hernach mit anderen in der Nähe auf dem Feld. Da liess ein Rabe ein Knöchelchen fallen. Das hob ein Arbeiter auf und zeigte es verwundert den andern. Anfänglich wollte es der Mörder nicht anfassen. Als er es jedoch in die Hand genommen, fing es in seinen Händen an zu bluten. So wurde der Täter erkannt und dem Arm der Gerechtigkeit überliefert. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Blutwunder von Zug by (Hans Koch, Legende, Zug)

Das Blutwunder von Zug

Source: (Hans Koch, Legende, Zug)

Category: Kategorie: Legende / ATU-Nr:

Im lateinischen Reisebericht des seligen Jordanus von Sachsen wird eine fromme Zuger Legende aus dem Jahre 1234 erzählt. Jordanus von Sachsen war der zweite Generalmeister des Dominikanerordens und in dieser Eigenschaft zog er viel von Italien über die Alpen nach dem heimatlichen Deutschland. Auf einer solchen Italienfahrt soll Jordanus auch nach Zug gekommen und über Nacht in einer Herberge geblieben sein. Damals lebte in Zug ein Schmied, der unter einem äusserst beschwerlichen Leiden seit Jahr und Tag litt. Mehr als dreissigmal stellte sich bei ihm tagtäglich ein heftiges Nasenbluten ein, das nur sehr schwer zu stillen war. Als der Schmied hörte, ein frommer, heiligmässiger Mann sei heute in einer Gaststätte abgestiegen, ging er eilends hin und bat ihn um Heilung von dem Übel. Jordanus sah den gläubigen Sinn des Schmiedes und heilte ihn auf der Stelle durch eine leise Berührung mit seiner wundertätigen Hand. Quelle: Hans Koch, Zuger Sagen und Legenden, Zug 1955, S. 13 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bockschinden ob Valeis by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Bockschinden ob Valeis

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Category: Kategorie: Sage / Diese Kategorie ist nicht im AT-Verzeichnis enthalten.

Über der Felswand von Valeis stand eine Föhre, deren Äste über den gähnenden Abgrund hinausragten. An einem dieser Äste wollte Hansrudi, ein junger Senn auf der nahen Alp, den Bock schinden, d. h. er wollte sich an den Knieen dort aufhängen, Kopf und Leib nach abwärts gerichtet. Als Lohn sollte er die schönste Zeitkuh der Herde erhalten, d. h. ein schönes, trächtiges Rind. Die Braut des Sennen mahnte ab und bemerkte, dass er des ausgesetzten Preises nicht bedürftig wäre, da er reich genug sei und schon manch schönes Stück Vieh besitze. Er soll Gott nicht versuchen. Der Bräutigam jedoch lachte und hängte sich an den Baum. Aber in der Tiefe erschien ein Tier, das aus Rachen und Augen Feuer spie; es stieg hinauf und hängte sich dem Hirten an den Hals, zerkratzte ihn und zog ihn in den Abgrund hinunter. Uli, der ihn zu dieser frevlen Tat bewogen hatte, um ihn zu verderben, schlug mit den Füssen nach dem Unglücklichen und fiel selbst hinunter. Ein Waldbruder war in der Nähe gestanden. Mit einem frommen Spruch konnte er den Sennen aus den Händen des Bösen befreien; aber Uli fand ein unseliges Ende und trabt heute noch als Valeisenhund durchs Tobel hinaus in das offene Tal und auch wieder zurück. (Nach J. J. Reithards Gedicht.)   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 193, S. 90 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das böse Gevierte by (A. Lütolf, Sage, Schwyz)

Das böse Gevierte

Source: (A. Lütolf, Sage, Schwyz)

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In der Summerigsrod im Weggital (Wägital) ist ein gevierter mit Steinen umhegter Platz, welchen nach dem Volksglauben niemand unbestraft betreten kann. Als einst zwei Geissbuben dort in Streit gerieten, warf der eine ein Gitzerli des andern in das Gevierte und das Tierlein starb alsbald. Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das böse Lohmännlein by (Alois Lütolf, Sage, Zug)

Das böse Lohmännlein

Source: (Alois Lütolf, Sage, Zug)

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      Von Sankt Wolfgang im Zugergebiet führt der Weg nach Hühnenberg beim Lohwald vorbei, einem kleinen Gehölz. Da hatte das Lohmännlein seinen Bereich, in welchem es gar ungnädig herrschte. Wer bei nächtlicher Weile durch das Wäldchen ging, wurde jämmerlich gequält, zerzaust und geschlagen, so dass selten einer davon kam. Nachts stieg es sogar in die Häuser der Umgebung, stürzte Fenster ein und zertrümmerte mit höhnischem Lachen das Küchengeschirr. Einmal umstellten sie das Wäldchen mit bewaffneten Männern, vor denen es sich allerdings mäuschenstill verhielt. Doch erst als die Weinrebenkapelle im damals vorhandenen Rebgelände errichtet wurde, verschwand Lohmännchen.   Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch.


Das böse Müetterli by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das böse Müetterli

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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a) An einem glanzheitern Sommernachmittag waren in jenen ebenen Matten zwischen Amsteg und Silenen, die man die Gründe nennt, Leute mit dem Einheimsen des dürren Heues beschäftigt, als ein altes, altmodisch gekleidetes Müetterli mit einem Häubchen auf dem Kopfe des Weges daherkam und sie anredete: »Mached iär de nur ä chly gleitig, äs chennt de nu eppä-n-einisch chu rägnä!« »Dü altä Stoder (Baumstrunk), dü bisch meini värrucktä!« rief unwillig ein grober, übermütiger Bursche, »bi dem glanzheitärä Schon chunnd's etz dänk chu rägnä!« Aber kaum war das Wybervölchli hinter der Ortflueh verschwunden, überzog sich der Himmel brandschwarz, und ehe man sich versah, schüttete es vom Himmel wie mit Zubern. Durch alle Ribitäler kamen die Ribenen, und die Wildbäche überschwemmten den Talgrund. »Da hend-s'es düä g'wisst!« Der Ortspfarrer von Silenen vernahm die Geschichte, liess jenen Burschen vor sich kommen und machte ihm Vorwürfe wegen seiner groben Rede. »Ich kännä das scho, das isch nid äs rächts Müetterli«, sagte er, »das wohnt da änet der Ryss änä, im Platti. Lahnd iehr das la machä!« b) Im Wald grad ob dem Platti hatten einst drei Holzarbeiter eine schwere Buche gefällt. Bevor sie sich zum Mittagessen begaben, schlugen sie mit aller Gewalt zwei eiserne Keile in den Stamm und sagten zueinander: »Die zwee Isäweggä nimmt-is etz ämel niemmer drüss!« Aber wohl! als sie zurückkehrten, da lagen die beiden Keile frei auf dem Baumstamme, und darin war auch nicht ein haarbreiter Spalt zu entdecken! Das hatte das Müetterli verübt. c) Alle Fronfastenmittwoch in der Nacht ritt es auf einem weisstannenen Grissbesen, der vorn wie die Hörner an einem Hornschlitten gekrümmt war, durch die Intschiflühe hinauf und hinunter unter fürchterlichem Geschrei. d) Es wurde auch nicht selten im Gruomwald, zwischen dem Wiher- und Opplital, beobachtet. Dort fällte einst ein Silener eine Tanne, und als er anfing dreinzuschlagen, da kam, mächtig rauschend, in einer Zeine dieses Müetterli durch die Äste herunter, stand vor ihn hin und klopfte ihm freundlich auf die rechte Schulter, indem es dazu sagte: »So so, güetä Ma, iähr schwitzet mein-i.« Und rauschte wieder in der Zeine durch die Tanne hinauf. Am folgenden Tag hatte der Mann einen geschwollenen Arm und war unfähig zur Arbeit. Er ging zum Ortspfarrer, aber der konnte ihm mit dem besten Willen nicht helfen und schickte ihn zu den Kapuzinern. Diese untersuchten ihn und fanden mehr als hundert Gufen in seinem rechten Oberarm eingedrückt. e) Das war aber den Leuten doch zu viel. Sie wünschten, das unheimliche Weibervolk loszuwerden. Endlich haben sie es auch erwischt. Ein fahrender Schüler unterrichtete die Leute: »Ihr wisst, dass jeder Hund an drei Füssen je einen Sporn trägt; wo aber ein Hund 12 Junge wirft, da ist immer einer dabei, der vier Sporen hat. Suchet nun einen Hund mit 12 Jungen und leset aus ihnen jenen aus, der die vier Sporen hat; ziehet ihn auf, und wenn er gross geworden und euch das Hexenmüetterli irgendwo zu Gesicht kommt, dann reizet den Hund auf's los, er wird es erwischen.« Die Silener, Steger und Gurtneller machten sich jetzt auf die Suche nach einem solchen Hund. Einen mit 9 Jungen fanden sie auch ziemlich bald, aber das war eben noch nicht der rechte. Sie mussten noch lange suchen, bis sie endlich in Göschenen einen Hund mit 12 Jungen erfragten. Der Besitzer trat ihnen das vierspörige Hündchen gerne ab, sie hätten sogar alle 12 Jungen geschenkweise bekommen, aber sie waren mit dem vierspörigen vollauf zufrieden. Nach einigen Jahren erblickten sie das Müetterli in den Flühen hinter Amsteg; sofort hetzten sie den Hund auf dasselbe los, der sprengte es in die Reuss und schwamm ihm volle drei Stunden weit nach bis nach Seedorf, wo er es endlich packte und an das Ufer schleppte. Vor Gericht bekannte es: Der wirschisch heigs-em einisch ta, wossi-si im Wald innä Ronä värwandelt g'ha heig und d'Holzer bim Zabigässä uff der Ronä g'sässä syget und d'Mässer dri g'steckt heiget. Es wurde zum Feuertod verurteilt. Jos. Maria Tresch Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das böse Weib von Bossen by (Hans Michel, Sage, Bern)

Das böse Weib von Bossen

Source: (Hans Michel, Sage, Bern)

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Ob dem Dorfe Wengen, wo heute das Steintrümmerfeld von Bossen ist, da war einst eine blumige Alp. Sie wurde besorgt von einem helläugigen, rotbackigen, jungen Sennen. Herbst für Herbst waren die Bauern über ihn des Lobes voll; kaum sah man je einen geblähten Käse von Bossen. Der ledige Älpler war ein stiller, gerader und zurückgezogener Bursche; selten ging er ins Wirtshaus. Kam es einmal an einem Festtage vor, so trank er wohl zur Kurzweil einen Schoppen Wein, aber niemals zwei. Wenn am Kiltsamstag die andern Burschen dem Schnaps nachliefen, stellte er sich auf die Seite, entging so den oft wüsten Schlägereien, musste nicht vor den Chorrichter nach Gsteig, und vor seiner Schwelle stand nie ein Anschicksmann. (Vermittlerbote) Bei allen Mädchen von Wengen war er wohl gelitten aber eine, die tat ihm ganz besonders schön; sie war ein schwarzhaariger Wuschel. Die kleinen Stücklein Holz und die jungen Weiber halten sich ja niemals lange still, die dunkle Rätscha (Klatschbase) aber, die überschritt am gleichen Tag mehr als ein halbes Dutzend fremde Schwellen. Dem Hirt auf Bossen, dem sagten die Jungfern nichts; er wollte nicht an ihre Gnade kommen. Aber der Wuschel wusste ihn überall zu vernehmen und strich ihm nach auf Weg und Steg. Obwohl sie mit ihrem nimmermüden Mundwerk öfters über ihn herfiel, gab er ihr kein ungerades Wort. Sobald sie dann merkte, dass er ihr nicht Ohren schenken wollte, da war sie kein gutmeinendes Weibervolk mehr; sie verlästerte und stampfte ihn in Grund und Boden hinunter, liess keinen guten Faden an ihm. Der Bursche litt sich aufs Blut, liess die erfinderische Verleumdung über sich ergehen und vergass all das Leid, als er wieder oben im blumigen Bossen am Alpen war. An einem verworfenen Tag stieg die Schwarzhaarige hinauf nach Hohfluh oberhalb der Alp. Hier brachte sie einen losen Felsblock ins Rollen, von dem sie glaubte, er stürze schnurgerade auf die Hütte. Aber — o weh! — sie wusste nicht, dass selten ein Block allein hangab rollt, sondern im ersten Aufschlag ein Dutzend, im fünften oder sechsten Hunderte weckt zum verheerenden, polternden Weg in die Tiefe. Als der krachende Steinschlag niederging, da löste sich auch der Teil der Hohfluh, auf dem das falsche Weib stand, und alles — ganz Bossen — Wald wie Weid gingen unter in Steinstaub und donnerndem Felskrachen. Tief unter gewaltigen Quadern liegen nun Mensch und Tier und Hütte. Das Weib, das hört man laut schreien unter den Blöcken, jedesmal, wenn aus irgendeinem Grunde sich ein Stein löst oben an Hohfluh. Quelle: Hans Michel, Ein Kratten voll Lauterbrunner Sagen. Wengen 1936. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das boshafte Zwerglein by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Das boshafte Zwerglein

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Oberhalb Eerlenbach im Simmentale lebte vor Zeiten ein geiziger Mann. Sein Geiz war so gross, dass er nicht einmal seiner Kuh, die er Vreneli genannt hatte, das Futter gönnte. Er verkaufte lieber sein Heu. Darob wurde die Kuh mager wie ein Gerippe. Als aber der Frühling kam, trieb der Bauer seine Kuh auf s Feld hinaus und freute sich, als er sah, wie gierig sie die grünen Kräuter verschlang. Hielt sie einen Augenblick inne, so rief er ihr zu: "Cheu, Vreneli, cheu. - Gras spart Heu." Das Zwerglein, das in der Nähe auf einem Steine sass und zusah, wie das arme Tier vor Heisshunger frass, bis es erstickte, gönnte dem Geizigen den Schaden und rief ihm jetzt höhnisch zu: Bäuerlein, Bäuerlein, ha, ha, ha! Sälber ta muess sälber ha. Hättest du dies sälber ta, So müesstist du drum d’s Läbe Iah. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bozhaus in Naters by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Das Bozhaus in Naters

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Es ist das vor alte Zitu as leid's schüchlig's Hiischi g'si. Durch d'Chuchi ist der Dorfwüör g'gangu. Und wil in-ner Chuchi keis Pfeister g'si ist, so hät-mu bim Ingah am luteru Tag fast gar kei Lütri g'häbet. Mu hät in-ner Fistri, nebu dum Wüör der so schüchlich g'ruschot hät, müessu verbi gah, und mu hät müessu mit de Händu umha tappu, far d'Stubutür z'finnu. Hät-mu di endlich funnu und ufgita, so ist-mu in-a schwarzi, halbfistri und schweri Stuba cho, wa eim fast dun Tag hät ang'fangu fürchtu, b'sunders wenn eim z' Si cho ist was alti Lit van dischum Hiischi gizählt heint — und wie es da in-ner Nacht uheimlich und voll Boze si selle. Mu seit in-ner Nacht hei mu's da oft g'hört in-ner Stubu piste und towwu; hin-ner dum Ofu hei eis mengsmal g'sessu ohni Chopf; wesch in-ner Nacht us der Stubu oder in dieselba g'gangu sy, so sy-ne as Mannsbild ohni Chopf nahgigangu und endlich hin-ner dum Ofu verschwunnu. Oft heisch abbas g'hört hin-ner dum Ofu ussa drohlu und wesch g'lotzet hei, so sy's bald a leide Totu- Chopf, bald wie as frisch abg'schlagus Meidju-Chopfji und bald wie as jung's Buobu-Chopfji g'si. Bald as wemmu er grosse Chasto zuoschlä — und darnach ufam Dotz Fleisch zerhacku g'hörti; bald z'schutzu-wis erbärmli jamru — und nachu-wärt immer weichri und weichri Stimm, as wem-mu as jungs Wibsbild ermordu täti. Oft hei-mu uf der Dili, wie a schwarze Hufo Geld g'seh und wesch mit dum Stecku druf g'schlagu hei, so sy er zerstobu, wie a Schwarum chleini Blagfleuge. Doch es giengi z'lang alli di Bozug'schichte ufz'ällu; gnuog dannuva. D'Ursach, dass in dischum Hiischi so uheimlich g'sy syge, chomme van-am grusige Mürder her, der hie vor uralte Zitu selle g'wohnt hä. Dische Mürder hei Jani g'heissu, an Usländer, der a Hiesigi g'heiratot hei. Er hei as halbg'wachsus Steuftöchterli bi ihm g' häbet, dem er scharpf sind g'sy si. D'Muoter hei allzit Chlupf far das arm Chind g'häbet, wil schi-nu b'chennt hät was er far eine ist gsy. Denn a-mal sy as Bettlibuobi ins Hus cho und ouch d's Almuosu g'heischot. Da hei er-mu gseit: «Ja ich will-der d's Almuoso gä, dass di hitu nimme hungrot — chu mit mir, i will-dr hübschi roti Öpfel gä:» Da sy es mit ihm in d'ober Stuba g'gangu; da hei er an grosse schwere Chastudeckel ufg'häbet und mu g'seit: «Da lotz, weli schöni roti Öpfel das sind, nimm was d'willt.» Wie nu d's Buobi innu Chastu umbri hät grifu wellu, so hei er mu du Chastudeckil uf du Chopf g'schlagu und d's arm Chind so erwürgt. Darnach hei er us am Fleischtoz mu du Chopf ab- g'schlagu und du Chörper zerhakot und in-nu Wuor g'hit. Du Chopf van dum Chind, sy er wit van dum Hus in-a Bäumgrittula ga stellu. Aber ouch dum armu Steuftöchterli ist es nit bester g'gangu. A mal hei er dum Meidji bifohlu, wa d'Muotter chrank g'sy sy, es selle mit ihm in d'Eye ga Holz reichu. Ach la-sus doch bi mir, hei d'Muotter gibittot und gebättot! Wer soll de mir in-ner Chrankheit lotzu. O es chunt bald z'rugg, hei der Mürder g'seit aber für dizmal muoss es mit mier cho. «Ach», hei d'Muotter flennundu g'seit: «De b'hüet-di Gott! de g'sehn i di nie-mer meh! Wie nu der Mürder as Stuck in d'Eya cho ist, so sy er dum Meidji mit am offunu Messer nahg'lüffu. D's arm Meidji wä-mu no antgangu, wenn es mit schine schönu langu Haartretschu nit in-ne Studu b'hanget wäi. So hät-sus nu der Mürder g'fangu und ermordot und das Fleisch vam Lib stückwis abg'schnittu und in-nu Rottu g'worfu. Dana dum Rottu heint mu Lüt zuog'seh und g'schruwu, aber er hei der glichu gita as wenn er's nit g'höre, bis er schini bluotigi Arbeit hät fertig g'macht. Jez ist abar der Mürder ripfe g'sy, und schnell der Obrigkeit angigä, ingizogu und lut Verdiene hingrichtot wordu. Aber schi grusige Geist hät im Grab kei Ruow g'häbet und soll dum Holzhiischi langi Zyt zum nächtlichu Schrecku g'sy sy; darum-mu Vili ou d'Bozuhiischi g'seit heint.   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das braune Mägdlein by (Nina Camenisch, Sage, Graubünden)

Das braune Mägdlein

Source: (Nina Camenisch, Sage, Graubünden)

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Ein junger Hirt winterte auf abgelegenem Maiensäss sein Vieh und wurde eingeschneit. Wochenlang kam er nicht ins Dorf und schickte auch keine Botschaft an seinen Vater. Dieser, besorgt um den Sohn, ging endlich hinauf, traf den Burschen sehr gut aussehend, den Heustock noch immer gross und das Vieh fett. «Wie machtest das», fragte der Vater, «noch solchen Heuvorrat und doch fettes Vieh?» Da wies der Sohn auf Haufen wohlschmeckender Wurzeln und sagte: «Die haben mir geholfen.» Verwundert fragte der Vater: «Wie konntest du im Winter solche Wurzeln finden?» «Sie hats getan», sagte der Sohn und zeigte auf ein braunes Mägdlein mit dunklen Feueraugen, eine kleine Gestalt, die blitzflink dem Stalle nahte. Schön lächelnd ging das Mädchen auf den Jüngling zu. Als es aber den Greis erblickte, schrie es laut auf und entfloh auf immer dem trauernden Burschen. Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Brautpaar von Stürvis by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Das Brautpaar von Stürvis

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Auf der luft'gen Bergeshalde, Rings umstarrt von Eis und Schnee, Über all' dem grünen Walde Steht ein Dörfchen in der Höh'.   Winde sausen, Flocken fallen, Schlagen an das Fensterlein Einer Hütte, die vor Allen Steht da draussen, ganz allein.   In der Stube kniet traurig Eine Frau beim Christusbild: Gott, wie ist die Nacht so schaurig, Wie die Stürme graus und wild.   Und mein Sohn - zum Hochzeitsfeste, Das so heiss sein Herz begehrt, Wollt' er laden heut' die Gäste, Und er ist noch nicht gekehrt. –   Laut, als wollt\'s mit seinen Schlägen Sprengen gleich sein enges Haus, poch't das Herz der Braut, - entgegen Zog's zum Liebsten sie hinaus.   Grosser Gott, erhö\' mein Flehen! Sieh' die Tränen, sieh' die Not! Lass die Armen nicht vergehen! Rette sie vom frühen Tod!   Auf der luft'gen Bergeshalde, Rings um starrt von Eis und Schnee, Über all' dem grünen Walde Ragt ein Felsen in die Höh'. –   Hell von Schnee und Eis umgossen, Glänzt er wie ein Marmelstein, Nur dass Niemand in die Sprossen Grub noch eine Grabschrift ein. –   Von dem Gipfel weht die Tanne Wie aufs Grab die Trauerweid', Nur, dass sie der Hoffnung Fahne Trägt, und nicht sich beugt zum Leid.   Und es schaut des Himmels Bläue Hoch herunter, rein und klar; Schön wird unterm Bild der Treue Ruhen hier ein bräutlich Paar. -   Morgen früh von Klagetönen Laut am Fels die Luft erschallt, Doch die Reizendste der Schönen Liegt erstarrt und bleich und kalt.   Bräutlich angetan sie lieget, Wie geschmückt von Gotteshand: Weicher Schnee sie lind umschmieget Als ein hochzeitlich' Gewand.   Statt der Rosen, von dem Reifen Ist die Stirne ihr besäumt, Lustig war des Windes Pfeifen, Doch der Bräut'gam hat gesäumt. –   An des Felsens and'rer Seite Lehnet seine Leich' am Stein: Müde von des Weges Weite Schlief er hochzeitträumend ein.   Ahnte nicht, dass wenige Schritte Nur von ihm die Liebste weilt', In des Lebens schönster Blüte Hat der Tod Beid' jäh ereilt.   Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Brautpaar von Stürvis by (Nina Camenisch, Sage, Graubünden)

Das Brautpaar von Stürvis

Source: (Nina Camenisch, Sage, Graubünden)

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Ein liebendes Brautpaar wollte am nächsten Tage seine Hochzeit feiern. Der Bräutigam ging in die nächsten Dörfer zum Einladen der Gäste. Kam abends nicht, was die Braut umso mehr ängstigte, da es Winter und die Nacht kalt und stürmisch war. Das bange Mädchen ging selber aus, den Geliebten zu suchen. Am Morgen fand man beide erfroren, den Jüngling an einem Felsen gelehnt, das Mädchen nicht weit davon. Man senkte beide ins gleiche Grab. Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Breitseemaidli bei Möhlin by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Breitseemaidli bei Möhlin

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Die sumpfige Waldgegend, welche Breitsee heisst, war einst ein See. Jetzt stösst da die Grenze des Waldbannes zweier Frickthaler-Gemeinden zusammen, von Wallbach und Möhlin. Ringsum waren die Seeufer futterreiches Land und heiteres Laubgebüsche, und eine Jungfrau von besonderer Schönheit pflegte hier ihre Spaziergänge zu machen. So lange das Frickthal noch unter Oesterreich stand und es üblich war, die Heerden in den Wäldern treiben zu lassen, waren die Weidbuben ganz vertraut mit dieser Jungfrau und liessen sich von ihr oft bis zum Rande des Forstes heim begleiten; oder wenn sie zuweilen hier aus einem Mittagsschlummer erwachten, lag das Mädchen arglos mitten zwischen ihnen. Sie trug einen Schinnhut, wie er vor Zeiten in diesen Gegenden gewöhnlich war, und weisse oder grüne Schürzen. Oft aber kam sie in flatternden blonden Haaren, in denen ein frischer Kranz lag. Geredet hat sie niemals. Die heutigen Erzähler vermuthen in ihr eine Braut, die auf dem Heimwege von ihrer Hochzeit hier am Ufer des angeblichen Breitsees versank oder ermordet wurde. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 149 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Britsche-Manndli by (Schweiz, Lenk, Sage, Bern)

Das Britsche-Manndli

Source: (Schweiz, Lenk, Sage, Bern)

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  Auf dem Ammertenberge sommerte einst ein Senne mit seinen beiden Knaben. Sie führten ein fröhliches Leben, schwelgten im Überfluss, jauchzten viel, assen und tranken nach Herzenslust; aber sie arbeiteten wenig. Alle drei verübten tolle Stücklein, badeten die Füsse im Milchmelchterlein, bestrichen das Heu der Ziegen mit Senf und rollten täppische Schweinchen aus der Brotkrume. Eines Abends stellte der Senn den Britschen-Kübel umgekehrt auf den Tisch, klopfte mit der Faust auf den Boden, so dass die weiße Masse rund auf die Tischplatte zu liegen kam. Statt aus der Britsche ein kräftiges Käslein herzustellen, befahl der Senn seinen Buben, ihm behülflich zu sein und den Teig in ein Männlein zu verwandeln. Diese klatschten in die Hände, setzten sich lachend hin und rollten auf der schmutzigen Tischplatte Arme und Beine, während der Vater Kopf und Rumpf des possierlichen Wesens formte. Hierauf fügten sie die arg verrenkten Glieder an den Leib. Bei einem nach innen gebogenen Beine war der lange Fuß nach aussen gerichtet, während das andere aus einer klotzigen Rolle gebildet war. Ein Arm wurde mitten in der Brust befestigt; der andere hing mager an der verkrüppelten Schulter. Zuletzt setzte der Vater den Kopf auf, seitlich geneigt, und die Augen des Geschöpfes glotzten wehmütig an die Decke. Die Sterne fingen an, durch die Fenster zu blinken. Draussen dämmerte es. Die Knaben lockten die Kühe in den Stall, und bevor sie schlafen gingen, trugen sie das Britsche-Manndli unter tausend Scherzen und Witzen in die Küche. Der Vater sagte ihm in lehrhaftem Tone ein Abendgebet vor, das er einst von der Mutter gelernt hatte. Als aber der Toggel still blieb, setzte er ihm eine lange Zunge in den Mund. Wenn nun die drei an den folgenden Tagen beim Britschen-Männlein vorbeigingen, strichen sie ihm einen tüchtigen Leck Nydle an die Nase, trieben Spott mit ihm, sangen ihm Liedlein vor und wollten es beten lehren. Allein was mussten sie erleben! Eines Tages lief der jüngste Bub zum Vater und erzählte ihm, das Britschen-Männlein lalle mit der Zunge unverständliche Worte. Sie eilten in die Küche, und da war es nicht mehr an demselben Orte! Es bewegte mühsam die Zunge und wiegte schwerfällig mit dem Kopf hin und her. Der Vater riss ihm Arme und Beine aus, warf die Stücke auf den Boden und ging seiner Arbeit nach. Aber als sie am Abend heimkamen, waren die Teile alle wieder aneinandergefügt, und mitten in der Nacht tänzelte es heimlich in die Stube. Es klopfte an die Fensterscheiben und grinste zu dem besternten Himmel. Dann hüpfte es in die Küche und rumorte mit den Pfannen. Das Haar des Sennen sträubte sich, und seine Buben duckten sich unter die Decke. Er schleuderte das Männlein zum Fenster hinaus, zerdrückte es in seiner kräftigen Faust. Aber es war nicht zu vertreiben. Es sprang zurück und klapperte immer lauter. Von Angst getrieben eilte am folgenden Morgen der Senne ins Wallis zu einem Kapuziner, um ihm zu beichten und bei ihm Rat zu holen. Aber dieser machte ein ernstes Gesicht, bekreuzte sich und legte dem Sennen warm ans Herz, bei der Alpabfahrt ja nichts zu vergessen. Dann werde das Britschen-Männchen schon verschwinden. Frohgelaunt schritt er wieder nach dem Ammertenberge, und gleich am andern Tage fand die Alpabfahrt statt. Hastig packten sie die nötigen Gerätschaften ins Leilach; der Vater warf das Bündel auf den Rücken, schritt voran; die guten Tiere folgten willig seinen heimeligen Lockrufen, und die beiden Knaben liefen und hopsten hin und her mit Jauchzen und mit „Hoi! hoi!". Sie waren kaum eine halbe Stunde gegangen, da gewahrte der Vater, das Milchmelchterlein vergessen zu haben; er hiess seine Knaben weiterziehen und kehrte zur Alp zurück. Laut muhte ihm die Leitkuh nach. Der Zug bewegte sich langsam talwärts. Das weisse Leilachbündel blieb mitten auf der grünglänzenden Trift liegen. Der Tag ging vorüber. Es dämmerte. Die Knaben warteten bis spät in die Nacht. Der Vater kam nicht. Am folgenden Morgen eilten sie mit pochendem Herzen hinauf. Unterwegs riefen und schrien sie ihrem Vater. Keine Antwort. Das Bündel lag betaut im Gras. Als sie zur Hütte kamen, hörten sie darin seltsames Gepolter und Geklapper. Sie rissen die Türe auf und stürmten hinein. Der Vater lag auf der Feuerplatte und rang mit den Armen. Das Britschen-Männchen hatte seine stechenden Finger in seinen Hals geklammert. Der Vater rollte entsetzlich die Augen, röchelte und torkelte zu Boden. Die Knaben rannten ins Tal, und eine Achar bewaffneter Leute eilte hinauf. Dann trugen sie die Leiche des Sennen still den Berg hinunter. Allein sonst fand man nichts in der Hütte. Wer aber von nun an hier vorbei kam, der hörte in der Hütte das Britschen-Männchen rumoren, seine verrenkten Glieder unter Lärm und Geschrei wieder strecken und lachend die gelernten Gebete herlallen. In Sommernächten sah man's an die Fensterscheiben töpperlen und scheu hinauf zum Himmel und den Sternen schauen. Manch einer fasste sich ein Herz, trat in die Hütte, um den Kampf mit dem seltsamen Männchen aufzunehmen; aber wer einmal die Türe hinter sich geschlossen hatte, kam nie wieder heraus. Quelle: Georg Küffer, Lenker Sagen. Frauenfeld 1916. Eingelesen von der Mutabor 


Das Britschen-Mandli by (H. Hartmann, Sage, Bern)

Das Britschen-Mandli

Source: (H. Hartmann, Sage, Bern)

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Auf Stalden, einer Höhe im bernischen Saanenland, lebte vor uralten Zeiten ein Küher. Weder für ihn, noch für seine Freunde gab es etwas Rechtes, Gutes oder Heiliges, und über alles meinten sie spotten zu müssen. Einmal hatten sie zur Vesper Rahm und Weichkäse. Als sie sich satt gegessen hatten und nichts mehr mochten, nahm einer von ihnen den Rest Käse und gestaltete daraus ein Männlein mit Kopf, Händen und Füssen. Mit dieser Gestalt trieben sie nun ihren Mutwillen. Da fällt dem Küher ein, er wolle das Männchen aushöhlen, dann giesst er ihm heisse Käsmilch ein und ruft: " So, jetzt bist warm, lauf du Ungeheurer." Dazu lachte er aus vollem Halse. Wie erstaunte er aber mit seinen Gesellen, als das Männchen plötzlich zu wackeln begann, vom Tische sprang und zur Türe hinaus ins Freie eilte. Vor Schrecken wurden sie weiss wie der Tod und fingen an, an allen Gliedern zu schlottern. Doch die Sache konnte nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Von dieser Zeit an aber hatten die Gesellen keine ruhige Stunde mehr. Das Britschenmännchen wurde ein schreckliches Ungeheuer, das alle Nächte erschien, um sie zu plagen, ihnen das Vieh über die Felsschöpfe hinausjagte, und in den jungen Käse etwas schüttete, dass er sich zu blähen begann und verdarb. So wurde das Leben auf Stalden eine Unmöglichkeit. Kein Mensch wusste zu helfen und es war ganz natürlich, dass sich niemand mehr getraute auf jener Alp das Vieh zu sommern. Da kam einmal ein gescheiter Doktor ins Land. Der hiess den vertriebenen Sennen ein Stierkalb aufziehen und ihm sechs Jahre lang nichts als ganze Vollmilch zu geben. Dann solle er das Tier auf den Stalden treiben, aber bei Leib und Leben nicht weiter mit ihm gehen als bis zum Unterstafel, der Stier werde seinen Weg dann schon weiter finden. Der Senn tat, was ihm geheissen. Nach sechs Jahren brachte er das mächtige Tier zum Vorstafel des Staldens. Dasselbe lief nun schnurstracks zur Alp hinauf und der Senn schaute von ferne mit Bangen zu. Noch Jahre hernach, wenn er davon erzählte, überkam ihn ein Grausen. Kaum war der Stier bei der Hütte angelangt, schoss das Ungeheuer auf ihn los. Es begann ein heftiger Streit, ein Brüllen und Toben, dass es weithin wie Lawinendonner hallte. Der Kampf währte so lange, bis beide, Stier und Britschen-Mandli über die Felsen stürzten und in der Tiefe zerschellten. Fortan war der Stalden wieder eine gesegnete Alp, denn niemand wagte es mehr, mit Heiligem sein Gespött zu treiben. Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Brot und die drei guten Ratschläge by (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Novelle, Graubünden)

Das Brot und die drei guten Ratschläge

Source: (C. Decurtins / U. Brunold-Bigler, Novelle, Graubünden)

Category: Kategorie: Novelle / ATU-Nr: 910 B

In einem grossen Dorf lebten ein Mann und eine Frau, die waren so arm, dass der Mann in die Fremde gehen musste, um zu verdienen. Weit weg von seinem Dorf fand er einen guten Dienstherrn, und er blieb bei ihm sieben Jahre. Nach dieser Zeit bekam er Heimweh und verlangte seinen Lohn. Er wolle nach Hause zurück. Sein Meister gab ihm ein Brot und drei Ratschläge: Er dürfe nie über etwas schimpfen, nie von der Hauptstrasse abweichen und nie etwas im Zorn tun! Er dankte, nahm sein Brot und ging. Am Abend kommt er in ein Wirtshaus am Waldrand, wo alles in Totenschädeln aufgetischt wird. Dies ist für ihn ein starkes Stück, und schon will er beim Wirt seinen Ärger loswerden, als er an die Ratschläge seines Meisters denkt, und er geht ins Bett. Am andern Morgen weckt ihn der Wirt selber und sagt zu ihm: «Ihr habt nicht wegen meines Knochengeschirrs geschimpft, somit habt Ihr alle erlöst, welche ich verzaubert habe. Sie haben nämlich wegen meinen Schädeln aufbegehrt.» Danach steht der Mann auf, und der Wirt lässt aus einem Keller eine Menge Leute heraus, die er in die Erde gebannt hat. Dann zieht unser Mann mit den Erlösten weiter. Nach einer Weile kamen sie zu einem Weg, der ein wenig schneller als die Landstrasse zur nächsten Stadt führte. Die Erlösten wählten alle diesen Weg, und sie wollten, dass auch ihr Retter mit ihnen komme. Er aber riet ihnen ab, diesen Weg zu nehmen, aber niemand nahm sein Reden ernst, und er ging allein auf der Hauptstrasse weiter. Am Abend, als er in der grossen Stadt ankommt, vernimmt er, eine Räuberbande habe seine Gefährten getötet und ausgeplündert, kein einziger sei entkommen. Nach einigen Tagen gelangt er bei Dämmerung in sein Dorf, und er schleicht sich zu seinem Haus. Da sieht er durch das Stubenfenster, wie ein junger Mann seine Frau küsst. Ganz ausser sich vor Wut will er den Burschen umbringen, als ihm der Rat des alten Mannes einfällt. Da ging er ruhig in die Wirtschaft, und dort vernahm er, der Bursche sei sein Sohn, der am andern Tag seine Primiz halte. Da schlief er glücklich ein, und am Morgen hörte er die erste Messe seines Sohnes. Am Abend ging er in sein Haus, wo alle sich über seine Ankunft riesig freuten. Spät am Abend, nach dem Nachtessen, schnitt er den Kuchen seines Meisters an. Da rollten echte Edelsteine, Karfunkel, Gold- und Silberstücke heraus, so dass er weit und breit der reichste Mann war.   Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler, Deserttina Verlag, Chur 2020. ⒸUrsula Brunold-Bigler. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bruderhäuschen auf dem Wiedereck bei Effingen by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Bruderhäuschen auf dem Wiedereck bei Effingen

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Der Wiedereck ist ein Berg vom Fusse bis zur Krone mit Reben bewachsen; er liegt beim Dorfe Effingen im Fricktal. Der Effinger weiss, was es heisst, im Frühlinge Grund in diese Rebgelände tragen. Doch im Herbst wird der saure Schweiss zu süssem Moste. Die Krone des Wiedereck's ist mit einem jungen Buchenwalde bekränzt, aus welchem die Amsel ihr herrliches Lied ins Tal erschallen lässt und bisweilen ein saftiges Beerlein wegschnappt. Durch das Gesträuch schimmert eine Felsenwand, eine Höhle in ihrem zerklüfteten Jurakalk wird das Bruderhaus genannt; der Eingang gleicht einem offenen Tore. Vorsichtig dringen wir gegen fünfzig Fuss ins Innere, das sich allmählich verengert, zuhinterst tröpfelt beständig klares Wasser in zwei Tropfsteinschüsseln. Links glauben wir ausgehauene Vertiefungen wahrzunehmen, ähnlich einem Backtroge. Herabgefallene Felsstücke dienen uns als Bänke zur kurzen Rast. Wir bemerken in der Nähe in kleinern Höhlen Geräusch. Es sind fette Dachse, die ihr Winterquartier einrichten. Das ist ein verlockender Ort für Wildschützen, wo sie aber oft magern Geldbeutel statt erwünschter Beute bekommen. Der Führer leitet uns durch einen zweiten Ausgang ins Freie. „Das ist das Bruderhäuschen," antwortet er unserer noch nicht ganz befriedigten Neugierde. Also ein Waldbruder hat früher hier gehaust. Wirklich scheint die ganze Einrichtung dazu geschaffen zu sein. Eine ähnliche Höhle findet man auch bei Brugg, welche an den Einsiedler Berthold Strobel erinnert.  Erdmännchen und Erdweibchen, sagen Andere, haben diese Höhlen bewohnt. Das waren winzig kleine, geheimnisvolle Wesen. Kein Mensch konnte sie näher beschreiben, im Augenblicke waren sie da und im Nu wieder verschwunden. Aber gute Geschöpfe müssen sie gewesen sein; wer im Walde verirrte, den führen sie wieder auf den rechten Weg. Den hungrigen Arbeitern und Taglöhnern brachten sie Brot „z'Nüni und z'Abed." War die Arbeit bei anbrechender Nacht nicht vollendet, so machten sich die Erdweibchen daran und Morgens war sie fertig. Lag irgendwo ein Kranker, der ärztlicher Hilfe und pflegender Hände entbehren musste, gleich waren die Erdweibchen da mit Tränklein, Tüchlein und Kanne; wurde ihnen ihr Geschenk nicht abgenommen, so gingen sie traurig fort. Sollte einem Bäuerlein Haus und Hof versteigert werden, so waren es die Zwerglein, die in der'Nacht dem Bedrängten Geld zum Fenster hineinwarfen. Sie waren das Glück der ganzen Gegend. Wer aber mit dem Glücke sein Spiel treibt, verliert es. So erging es unsern Vorfahren. Sie fingen an, die Erdmännchen zu verhöhnen. Ein Wunderfitz wollte wissen, wie sie auch Füsse hätten, denn das konnte man ihrer Röcke wegen nie sehen; daher streute er auf den Fussboden der Höhle Asche, und es zeigten sich Entenfüsse. Von diesem Tage an aber waren die Erdmännchen und Erdweibchen verschwunden. (Wülser, Lehrer in Zeihen.)  Sage aus Effingen, Fricktal Band 3.2, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 128 - 129   Unten als Hinweis aufgeführt: Die Zwerge sind besonders häufig mit Verfertigung von Schuhen beschäftigt oder zeichnen sich durch besondere Stiefeltracht aus. Wenn Grimm dies auf die metallschmiedenden Zwerge bezieht, da vom Metallschmied her der ältere Handwerksname des Schusters Schuhschmied hiess, so ist dies in etlichen Fällen richtig, doch nicht überall ausreichend. Der Zwerg auf dem Berge Graneckle trägt blecherne Stiefel.  Birlinger, Schwäb. Sag. Nr. 52   So sind eben daselbst (Nr. 50) die guten Erdleute beschäftigt, dem Dorfschuster alles, was von Stiefeln und Schuhen ungeflickt unter der Bank liegt, über Nacht herkömmlich fertig zu machen. Allein anderwärts dient dem Zwerg der Schuh als Längenmass, ist Mittel der Besitz-Ergreifung und Symbol des erteilten Fruchtsegens. Der Berggeist Schusterle bei Glurus bringt durch falschen Eidschwur, den er in derselben Form leistet, wie der Aargauische Zwerg Stiefeli, seinem Dorfe die fremde Gemeindewaldung zu.   Zingerle, Tirol. SM. Nr. 262. Die Zwerge sind Acker- und Grenzgottheiten, nach ihrem Fussmasse bestimmt sich das Landmass. Und wie es im Alten Testamente heisst „deine Fusstapfen triefen von Fett" (Psalm 05, 12), oder wie wir von den reifenden und gelben Streifen in Wiese und Kornfeld sagen: da ist der Alber drüber gegangen, so drückt der Zwerge Fussspur dem Lande, in dem sie wohnen, und über das sie wandeln, den Fruchtsegen ein. Daher hört aller Segen mit einem Schlage auf, wenn man neugierig ihre geheimnisvollen Füsse, oder ihre Fusstritte in der vorgestreuten Spreu und Asche betrachten will.  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Das Brunnengespenst by (A. Streich, Sage, Bern)

Das Brunnengespenst

Source: (A. Streich, Sage, Bern)

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Einmal hatten die Aelper auf Winteregg einen blutarmen Hüterbuben. Den lehrten sie mit Fleiss das Fürchten und erzählten ihm beim Abendsitz gruselige Geschichten von den Gespenstern, die in der Talschaft umgehen, der Nachtschniggella, dem Gryni, der Ruossggäntella, dem Pootzi, dem Hoopi, dem Pölimann und dem Haaggenmanndli. Er hörte kreidebleich zu, wagte es nicht mehr, über die Achsel zu blicken, geschweige denn vom Tische aufzustehen - aiii - es konnte denk etwa in jeder von den dunklen Hüttenecken ein solches hocken! Einen von den Sennen, den ritt von Kindsbeinen an der Teufel. Kein Kind und kein Tier liess er in Ruhe, und von der Tagheitri bis in den Sternschein fluchte er einen Tonner in den andern. Dem machte es Lust, den armen Hüterbuben, über den niemand die Hand hielt, bei stichheisser Sonne, in Nebel und tropfnassem Gras nutzlos herumzujagen und schurkisch zu behandeln. Eine ganz besondere Freude aber bereitete es ihm, den Knaben zur Nacht, die ja niemandes Freund ist, zu schrecken. Er schickte ihn, nachdem das Taglicht verblichen, über den Bletschflühen der Herrgott schon die Sterne an den blauschwarzen Himmel herausgehängt hatte, zum Brunnen hinter der Hütte Wasser holen. Sobald der Bub zur vordem Tür hinaus, sprang er rasch durch den Galtviehstall nach hinten und setzte sich, krumm wie eine alte Huschelhexe, auf den Brunnenstockkopf. Kam der Hüterbub um die Hüttenecke, begann er flugs zu schnarchen und zu knurren. Nur die Angst vor Prügel hielt den Knaben davon ab, über Hals und Kopf davonzurennen. Er zitterte wie Espenlaub und durfte schier den Atem nicht ziehen, wenn er den Napf unter die Zube stellte. Wie er mit dem Wasser in die Hütte trat, fragte man ihn, ob das Pootzi auf dem Stockkopf wieder geknurrt habe. Der Bub stand weder Red noch Antwort; in Mark und Bein erschüttert hastete er die Leiter hinauf auf die Gasterra und liess sich ins Bergheu fallen. Einst, als ihn die Sennen hinein nach Mürren schickten, da traf er seinen Götti und klagte diesem, wie ihm das Leben draussen auf Winteregg zur Hölle werde. Halb im Scherz, halb im Ernst, gab der ihm Tadel und Rat: „Du bist etwa noch ein Rocklibuob, das Pootzi, das dir die Arbeit sauer macht, das ist reif zum Stechen, fürcht dich nicht, so geschieht dir nichts. Nimm das Bartmesser, wenn das Gespenst auf dem Stock noch einmal knurrt, spring hinauf auf den Trog und kitzle es herzhaft am Leib!“ Der erschreckte Bub nahm alles für Ernst - ja wäger - und als an einem der nächsten Abende das Brunnengespenst wieder so misstönig in die Bergnacht hineinschnarchte, da sprang er entschlossen auf den Trog und stiess ihm das Messer in den Leib. Ein Stöhnen, ein schwerer Fall, und als die Sennen mit der Sturmlaterne zum Brunnen kamen, da sahen sie, wie das rote Rinnsal unaufhaltsam rieselte. Der Alpmeister bettete den Kopf des Verletzten in seinen Schoss, legte die rechte Hand über die Wunde und raunte den alten Spruch der Blutbannung: Holdsälig ist die Stunde, Glücksälig ist die Wunde. Holdsälig ist der Tag, Da unser Heiland geboren war. Aer sell sorgen, dass die Wund nid gicht Und nichts gebricht, ja, nichts gebricht! Fort und fort aber rann das Leben aus dem wunden Leib des bösen Sennen. Da er ein arger Bursch gewesen, war alles umsonst. Mit dem letzten Seufzer hatte er Busse getan. Bald unterbrach die nächtliche Stille auf Wintereggalp nur noch das sanfte Plätschern des Brunnens. Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Brunnengespenst by (Hans Michel, Sage, Bern)

Das Brunnengespenst

Source: (Hans Michel, Sage, Bern)

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Einmal hatten die Älpler auf Winteregg einen blutarmen Hüterbuben. Den lehrten sie mit Fleiss das Fürchten und erzählten ihm beim Abendsitz gruselige Geschichten von den Gespenstern, die in der Talschaft umgehen, der Nachtschniggela, dem Gryni, der Ruossggäntela, dem Pootzi, dem Hoopi, dem Pölimann und dem Haaggenmanndli. Er hörte kreidebleich zu, wagte es nicht mehr, über die Achsel zu blicken, geschweige denn vom Tische aufzustehen — aiii — es konnte denk etwa in jeder von den dunklen Hüttenecken ein solches hocken! Einen von den Sennen, den ritt von Kindsbeinen an der Teufel. Kein Kind und kein Tier liess er in Ruhe, und von der Tagheitri bis in den Sternschein fluchte er einen Tonner in den andern. Dem machte es Lust, den armen Hüterbuben, über den niemand die Hand hielt, bei stichheisser Sonne, in Nebel und tropfnassem Gras nutzlos herum zu jagen und schurkisch zu behandeln. Eine ganz besondere Freude aber bereitete es ihm, den Knaben zur Nacht, die ja niemandes Freund ist, zu schrecken. Er schickte ihn, nachdem das Taglicht verblichen, über den Bletschflühen der Herrgott schon die Sterne an den blauschwarzen Himmel herausgehängt hatte, zum Brunnen hinter der Hütte, Wasser holen. Sobald der Bub zur vorderen Tür hinaus, sprang er rasch durch den Galtviehstall nach hinten und setzte sich, krumm wie eine alte Huschelhexe, auf den Brunnenstockkopf. Kam der Hüterbub um die Hüttenecke, begann er flugs zu schnarchen und zu knurren. Nur die Angst vor Prügel hielt den Knaben davon ab, über Hals und Kopf davonzurennen. Er zitterte wie Espenlaub und durfte schier den Atem nicht ziehen, wenn er den Napf unter die Zube stellte. Wie er mit dem Wasser in die Hütte trat, fragte man ihn, ob das Pootzi auf dem Stockkopf wieder geknurrt habe. Der Bub stand weder Red noch Antwort; in Mark und Bein erschüttert hastete er die Leiter hinauf auf die Gasterra (Heulager) und liess sich ins Bergheu fallen. Einst, als ihn die Sennen hinein nach Mürren schickten, da traf er seinen Götti und klagte diesem, wie ihm das Leben draussen auf Winteregg zur Hölle werde. Halb im Scherz, halb im Ernst, gab der ihm Tadel und Rat: "Du bist etwa noch ein Rocklibuob, das Pootzi, das dir die Arbeit sauer macht, das ist reif zum Stechen, fürcht dich nicht, so geschieht dir nichts, nimm das Bartmesser( Messer zum Späne schneiden), wenn das Gespenst auf dem Stock noch einmal knurrt, spring hinauf auf den Trog und kitzle es herzhaft am Leib!" Der erschreckte Bub nahm alles für Ernst — ja wäger — und als an einem der nächsten Abende das Brunnengespenst wieder so misstönig in die Bergnacht hineinschnarchte, da sprang er entschlossen auf den Trog und stiess ihm das Messer in den Leib. Ein Stöhnen, ein schwerer Fall, und als die Sennen mit der Sturmlaterne zum Brunnen kamen, da sahen sie, wie das rote Rinnsal unaufhaltsam rieselte. Der Alpmeister bettete den Kopf des Verletzten in seinen Schoss, legte die rechte Hand über die Wunde und raunte den alten Spruch der Blutbannung: Holdsälig ist die Stunde, Glücksälig ist die Wunde. Holdsälig ist der Tag, Da unser Heiland geboren war. Aer sell sorgen, dass die Wund nid gicht Und nichts gebricht, ja, nichts gebricht! Fort und fort aber rann das Leben aus dem wunden Leib des bösen Sennen. Da er ein arger Bursch gewesen, war alles umsonst. Mit dem letzten Seufzer hatte er Busse getan. Bald unterbrach die nächtliche Stille auf Wintereggalp nur noch das sanfte Plätschern des Brunnens. Quelle: Hans Michel, Ein Kratten voll Lauterbrunner Sagen. Wengen 1936. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bürgerrecht der Salzgeber by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das Bürgerrecht der Salzgeber

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Wie die Sage berichtet, war die Familie Salzgeber mit andern Wallisern nach Vorarlberg ausgewandert. Später kehrte ein Zweig dieser Walser Familie ins Land zurück, liess sich in Raron nieder und bewarb sich um das Burgerrecht. Die Rarner wollten nun der Familie das Bürgerrecht aber nur verleihen unter der Bedingung, dass einer von ihnen das Bietschhorn besteige. Das war keine leichte Aufgabe für jene Zeit, aber zwei Brüder der Familie unternahmen das Wagnis. Als Schmiede hatten sie sich bald Eisenbolzen zurechtgemacht, und mit Seilen ausgerüstet, stiegen sie an einem schönen Sommermorgen in die Südwand ein. Durch Kamine und über Gräte kletterten sie vorerst ohne Schwierigkeiten im zerbröckelnden Gestein. Wo der Granitfelsen steiler wurde, schlugen sie ihre Bolzen ein und befestigten die Seile daran. So erreichten sie die Spitze. Die kühnen Bergsteiger kamen heil zurück, erklärten aber, sie würden das Wagnis nicht mehr unternehmen. Die Eisenbolzen sollen noch heute in der Südwand zu sehen sein. RARON Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Burgfräulein by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Burgfräulein

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Als das vor einigen Jahren verstorbene "Finkentonibabeli" noch ein kleines Mädchen war, ging es mit den Eltern auf den Acker im Benkenriet. Nun schickten sie es zum Brunnen unter der Breiten, um dort Wasser zu holen. Der Weg führt bei der Burg vorbei, dem kleinen Hügel, wo vor Jahrhunderten die Wandelburg gestanden. Da erschien dem Kinde eine wunderschöne Frauengestalt, welche sich zu ihm neigte und fragte, ob wohl der Vater nicht lieber einmal Wein möchte. Das Kind fing an zu weinen und sagte: "Mein Vater ist arm und kann keinen Wein kaufen!" Diese Antwort gefiel der Frau; sie nahm das Kind bei der Hand und führte es zu einer schweren, eisernen Türe im Felsen. Geräuschlos öffnete sich diese, und nun befanden sie sich in einem weiten Gewölbe, wo zwei lange Reihen der schönsten Fässer lagen; ohne Zweifel war es der Schlosskeller der Wandelburg. Bei einem Fass mit zwei schön geschnitzten Rosen standen sie still; die Frau berührte es mit einem goldenen Stäbchen, und nun floss goldfunkelnder Wein heraus. Treuherzig staunte das überglückliche Mädchen die liebliche Gestalt an, wie wenn es fragen wollte: "Wo bin ich, und wer bist du?" Da küsste sie das Kind auf die Stirn und sprach: "Ich bin das Burgfräulein Friederike von Wandelburg und kann nicht zur Ruhe kommen, wenn nicht ein unschuldiges Kind wie du mir dazu verhilft. Du kannst es, wenn du tust, was ich dir sage. Dann sollst du auch so schön werden, wie du mich siehst, und alles, was hier ist, und noch viel mehr soll dir gehören." Das "Babeli" wusste fast nicht, wie ihm geschah, und sagte freudig zu, worauf das Burgfräulein zum Aufbruch mahnte. "Bring deinen Eltern zu trinken," sagte es; "heut abend aber, während des Ave-Maria-Läutens, erwarte ich dich wieder bei diesem Stein, wo du jetzt stehst, aber nur dich allein." Als "Babeli" um sich schaute, war das Fräulein und alles verschwunden; das Kind stand wieder allein auf dem Fussweg vor der Burg. Hurtig eilte es aufs Benkenriet. Dort wollten Vater und Mutter es wegen dem langen Ausbleiben zur Rede stellen, und als sie den feurigen Wein aus dem "Milchkesseli" tranken und hörten, daß es ihn geschenkt bekommen, meinte der Vater: "Es ist schade, daß du keinen grössern Kessel bei dir hattest." Als aber das Kind ihnen sagte, an Wein und allen guten Sachen werden sie künftig keinen Mangel haben, und als es erzählte, was es gesehen und gehört, da regte sich die Begehrlichkeit in den Leuten. Sie bauten bereits allerhand Luftschlösser und träumten von einem schönen, sorgenfreien Leben, von süssem Nichtstun und gut' Essen und Trinken. So brach bald der Abend heran, und sie machten sich auf den Heimweg. Noch waren sie ziemlich weit von der Burg entfernt, da fing die Betglocke zu läuten an. Das Mädchen lief, so viel es konnte; doch als es zur Burg hinkam, war das Läuten schon verklungen, und das Burgfräulein war nirgends zu sehen; "Babeli" hatte sein Glück und zugleich dasjenige des Burgfräuleins verscherzt. Das "Finkentonibabeli" hat sich zu einer lieblichen Maid entfaltet, der schönsten weit und breit, und ihres Bleibens war nicht mehr zu Hause. Sie ist weit fortgezogen und eines reichen Junkers schöne Frau geworden. Doch das Glück war nicht mit ihr; sie ist vor wenigen Jahren in Not und Elend gestorben und liegt in fremder Erde. Ihre Eltern aber ruhen auf dem Friedhof von Benken. Ant. Kühne. Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 385, S. 219  Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Burgfräulein auf Jegerlehn by (Hermann Wahlen, Schwank, Bern)

Das Burgfräulein auf Jegerlehn

Source: (Hermann Wahlen, Schwank, Bern)

Category: Kategorie: Schwank / ATU-Nr:

Weitab vorn rauschenden Verkehr der grossen Dörfer senkt sich der Talgraben von der Hammegg herab zum Tal der Emme. Durch die Talfurche zieht ein wenig begangenes Strässchen sein helles Band durch Matten und Äcker, an schmucken Bauernhöfen und Weilern vorüber, und nebenher trollt sich in eigenwilligem Lauf das Bächlein. Tannendunkle Eggen umrahmen den stillen Talgrund. Weit hinten im Talgraben liegt die Jegerlehnweide, auf der ein eigentümlicher runder Hügel von der rechten Talflanke in den Talgrund vorspringt. Die Bewohner des Tales erzählen, dass sich darauf in altersgrauer Zeit die Burg eines schlimmen Tyrannen erhob, der in gottlosen Zornausbrüchen die härtesten Frondienste und schwerste Abgaben von seinen Untertanen forderte und auf diese Weise grosse Reichtümer anhäufte. Die Talleute fürchteten ihn und vermieden es ängstlich, ihrem Bedrücker zu begegnen. Als der grausame Zwingherr sein Ende herannahen fühlte, versenkte er seine unermesslichen Schätze im finstern Verliess seiner Burg. Nach des Tyrannen Tod erstürmten die Bauern die Burg und brannten sie nieder. In den Flammen kam auch das Burgfräulein ums Leben. Seither wird der Burghügel, in dem die angehäuften Reichtümer liegen, beständig von zwei weissen Raben bewacht, und von Zeit zu Zeit erscheint, von ihnen begleitet, das Burgfräulein in schneeweissem Gewand. Wer den verborgenen Schatz zu heben vermag, der gewinnt nicht allein unermesslichen Reichtum, sondern erlöst gleichzeitig die Hüterin von ihrem Bann. Noch keinem Sterblichen ist es aber bis auf den heutigen Tag gelungen. Immer wieder wurden die nächtlichen Schatzgräber von den beiden weissen Raben von ihrer Arbeit vertrieben. Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Burgfräulein von Kastels by (Kanton Freiburg, Senseland , Sage, Freiburg)

Das Burgfräulein von Kastels

Source: (Kanton Freiburg, Senseland , Sage, Freiburg)

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Zu gewissen Zeiten sah man in hellen Mondnächten eine schöne Dame in den Ruinen der Kastelsburg herumwandeln. Sie trug ein wallendes, weisses Gewand. Schluchzend und weinend schritt sie durch das zerfallene Gemäuer, setzte sich dann und wann auf einen Stein und presste die Hände vor das Gesicht, um nach kurzer Rast von neuem auf die Wanderung zu gehen. Kam aber noch ein verspäteter Wanderer des Weges, dann stellte sie sich auf die höchste Mauer und winkte eifrig mit einem weissen Tüchlein, er möge näher kommen. Doch die Menschen flohen entsetzt von dannen. Sie wussten wohl, wer diese Dame war, und was sie wollte. Sie war ein Geist. Aber vor vielen hundert Jahren, als sie noch in ihrem menschlichen Leben auf Erden wandelte, da soll sie eine schöne und vielbegehrte Jungfrau gewesen sein - das einzige Kind des reichen Burgherrn von Kastels. Nach dem Tode des Vaters ging das unermessliche Vermögen, das dieser zusammengescharrt hatte, in ihren alleinigen Besitz über. Auch sein geistiges Erbe übernahm sie: Geiz und Habgier. Sie begehrte keinen Mann; sie liebte nur das Geld. Und damit ihre Reichtümer ja nicht in irgendeines Menschen Hände fallen, begrub sie dieselben vor ihrem Tode in der Tiefe des Burgkellers. Durch diese Tat verschloss sie sich das Himmelstor. Ihr Geist musste auf die Erde zurückkehren - muss beim begrabenen Schatze wachen und warten, bis es einem mutigen Manne gelingt, ihn zu heben. In späteren Jahren wurde die Burg ausgeplündert und zerstört. Doch niemand fand die verborgenen Güter. Der tiefe Keller füllte sich mit Schutt und Trümmern. Darüber wandelt seit hundert und hundert Jahren weinend und klagend die schöne Jungfrau und lockt den nächtlichen Wanderer herbei. Sie will ihm in der Erde Tiefe den goldenen Schatz zeigen und ihn anflehen, denselben ans Licht der Sonne zu bringen, dass sie doch endlich erlöst werde. Wer aber dieses Unternehmen wagen will, dem steht dazu nur eine kurzbemessene Frist zur Verfügung, und er darf dabei kein Wörtchen reden. Zwei unerschrockene, junge Männer beschlossen einst, den Schatz zu heben. In einer hellen Mondnacht fuhren sie mit Ross und Wagen zur Ruine. Plötzlich stand die Jungfrau vor ihnen und winkte mit der Hand, als wollte sie sagen: „Kommet mit mir“. Da öffnete sich mit dumpfem Donnerrollen die Erde, und eine Steintreppe wurde sichtbar, die in den Burgkeller hinabführte. Ein heller Glanz drang aus der Tiefe herauf. Das Fräulein eilte die Stufen hinunter, und die Burschen folgten ihm. Sie kamen in einen gewölbten Raum. In der Mitte desselben lag eine offene Truhe. Die war mit leuchtendem Golde gefüllt. Die Männer legten eiligst Hand an und fergten die Kiste bis zur Treppe. Dann hoben und schoben sie dieselbe Tritt um Tritt hinauf. Ächzend, keuchend und schwitzend langten sie endlich oben an. Mit Aufbietung der letzten Kraft lüpften sie die schwere Last auf den Wagen. Die Dame stand immer neben ihnen. Doch heute weinte sie nicht. Nun ergriff einer der Männer das Pferd beim Zügel und wollte mit der kostbaren Ladung abfahren. Aber das Tier stellte sich bockbeinig und zog nicht an. Er tätschelte es - vergebens. Er riss und stiess es - vergebens. Er zwickte es mit der Geissel - vergebens. Das Pferd bäumte sich hoch auf, war aber nicht vom Platze zu bringen. Da vergass sich der Fuhrmann und brüllte: „Hüü!“ Im gleichen Augenblick verschwand mit einem Weheschrei die schöne Jungfrau. Der Lichtschein des Goldes erlosch und der Kellereingang stürzte donnernd zusammen. Die beiden Männer standen mit dem leeren Wagen am alten Gemäuer. Heute sind alle Spuren der Kastelsburg verschwunden und der Pflug geht über die Stätte. Wo einst im Mondschein der Goldschatz schimmerte, da wogt jetzt im Sommersonnenglanz ein goldenes Ährenfeld. Auch das Burgfräulein zeigt sich nicht mehr. Ist es vielleicht doch einmal - ohne unser Wissen - einem mutigen Manne geglückt, den Schatz zu heben? Oder hat der Geist sonstwie Erlösun gefunden?    Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch


Das Burgfräuli by (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Das Burgfräuli

Source: (K. Freuler / H. Thürer, Sage, Glarus)

Category: Kategorie: Sage / Diese Kategorie ist nicht im AT-Verzeichnis enthalten.

Vogt Walter von Stadion, der die Burg auf dem heutigen Klosterhügel in Näfels bewohnte, plagte und bedrückte seine Untertanen gar sehr. Von Zeit zu Zeit schickte er sein Burgfräulein Katharina ins Dorf, die Leute auszuhorchen. Die guten Leute erschraken jedes Mal, wenn das Fräulein an ihre Türen klopfte, denn sie hatten hart genug erfahren müssen, dass man die Kundschafterin nicht ungestraft anlügen konnte. Das Fräulein aber trug alle Nachrichten und Gerüchte schnurstracks ihrem Herrn auf dem Schloss zu. Das wäre wohl noch lange so gegangen, wenn nicht eines Tages der Vogt mit seinem Fräulein in Streit geraten wäre, und weil es drohte, es werde seine geheimen Schandtaten überall bekanntmachen, liess es der Burgherr durchs Schwert hinrichten. Nun sahen die Dorfbewohner mit Grauen jeden Abend, wie das Fräulein in einem blutigen Kleide zum Brunnen kam, Wasser schöpfte und es zur Burg hinauftrug. Vergeblich wurde es von jungen, wagemutigen Burschen verfolgt. Erst nach langer Zeit, als der Geistergang aufhörte, beruhigten sich die Dorfleute wieder.   Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Das Bürle im Himmel by (Schweizer Märchen in KHM der Brüder Grimm, Schwank, Aargau)

Das Bürle im Himmel

Source: (Schweizer Märchen in KHM der Brüder Grimm, Schwank, Aargau)

Category: Kategorie: Schwank / ATU-Nr: 802

  S isch emol es arms fromms Bürle gstorbe, und chunt do vor d' Himmelspforte. Zur gliche Zit isch au e riche riche Herr do gsi und het au i Himmel welle. Do chunt der heilige Petrus mit em Schlüssel und macht uf und lot der Herr ine; das Bürle het er aber, wies schint, nid gseh und macht d' Pforte ämel wieder zue. Do het das Bürle vorusse ghört, wie de Herr mit alle Freude im Himmel uf gno worde isch, und wie se drin inusiziert und gsunge händ. Ändle isch es do wider still worde, und der heilig Petrus chunt, macht d' Himmelspforte uf un lot das Bürle au ine. S Bürle het do gmeint, s werd jetzt au musiziert und gsunge, wenn es chöm, aber do isch alles still gsi; me hets frile mit aller Liebe ufgno, und d' Ängele sind em egäge cho, aber gsunge het niemer (niemand). Do frogt das Bürle der heilig Petrus, worum das me be im nid singe wie be dem riche Herr, s geu, schints, do im Himmel au parteiisch zue wie uf der Erde. Do säit der heilig Petrus 'nai wäger, du bisch is so lieb wie alle andere und muesch alle himmlische Freude gniesse wie de rich Herr, aber lueg, so arme Bürle, wie du äis bisch, chömme alle Tage e Himmel, so ne riche Herr aber chunt nume alle hundert Johr öppe äine.' Quelle: Kinder- und Hausmärchen, Brüder Grimm, KHM 167, Reclam Stuttgart 2000   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bürli im Himmel by (Otto Sutermeister, Schwank, Aargau)

Das Bürli im Himmel

Source: (Otto Sutermeister, Schwank, Aargau)

Category: Kategorie: Schwank / ATU-Nr: 802

Sisch emol es arms fromms Bürle gstorbe, und chunt do vor d‘ Himmelspforte. Zur gliche Zit isch au e riche riche Herr do gsi und het au i Himmel welle. Do chunt der heilige Petrus mit em Schlüssel und macht uf und lot der Herr ine; das Bürle het er aber, wies schint, nid gseh und macht d‘ Pforte ämel wieder zue. Do het das Bürle vorusse ghört, wie de Herr mit alle Freude im Himmel ufgno worde isch, und wie si drin musiziert und gsunge händ. Ändle isch es do wider still worde, und der heilig Petrus chunt, macht d‘ Himmelspforte uf un lot das Bürle au ine. S‘Bürle het do gmeint, s werd jetzt au musiziert und gsunge, wenn es chöm, aber do isch alles still gsi; me hets frile mit aller Liebe ufgno, und d‘ Ängele sind em egäge cho, aber gsunge het niemer. Do frogt das Bürle der heilig Petrus, worum das me be ihm nid singi wie be dem riche Herr, s‘geu, schints, do im Himmel au parteiisch zue wie uf der Erde. Do säit der heilig Petrus: „Näi wäger, du bisch is so lieb wie alle andere und muesch alle himmlische Freude gniesse wie de rich Herr, aber lueg, so arme Bürle, wie du äis bisch, chömme alle Tage e Himmel, so ne riche Herr aber chunt nume alle hundert Johr öppe äine.“ Quelle: O. Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen der Schweiz, 1869     Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Bussental by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Bussental

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Bussental Vor alten Zeiten soll es kein Spass gewesen sein, durch das Bussental zu reisen. Und doch mussten die Leute aus dem Tösstal und von weither, auch die Pilger, die nach Einsiedeln zogen, da hindurch. Die im Tösstal wohnenden Kirchgenossen von Bäretswil, wie die von Bauma, Rüeggen, Lipperschwendi‚ ja von Karrershörnli und Hürnental hatten keinen näheren Kirchweg als durch das Bussental. Gar mancher musste in der einsamen Gegend, die damals noch von finsterem Wald überwuchert war, durch wilde Tiere das Leben einbüssen oder er wurde von den Rittern auf Greifenberg des Geldes und Gutes beraubt, wenn nicht auch des Lebens. Manchen schleppten sie mit auf die Burg und liessen ihn erst gegen Lösegeld frei. Deswegen erhielt das einsame Tal den Namen das Bussental. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Oberland Studer, S. 40 Die Ritter von Greifenberg starben schon früh aus. Im 13. Jh. sassen dort schon die Dienstmannen von Wolfensberg. Seit dem Anfang des 14. Jh. bis anfangs des 16. Jh. wohnten dort die Ritter von Hinwil. Nach deren Auszug zerfiel die Burg. Studer, S. 39, erzählt: „Der letzte Besitzer der Burgstelle … wusste von Überresten der Burg zu berichten. Ausser festen und dicken Umfassungsmauern habe er auf dem mittleren Burghügel im Jahre 1846 ein unterirdisches, gruftartiges, gemauertes Gewölbe von grossen, gefalzten Quadertuffsteinen entdeckt, 8 Schuh breit und lang, mit 4 1/2 Schuh breiten und 5 1/2 Schuh hohen Türpfosten. In der Gruft lagen 8 - 10 Totengerippe, die aber bei der Berührung sogleich in Asche zerfielen.“ Dass die Erzählung von solchen Funden den Phantasiebildern über das finstere Mittelalter neue Nahrung gab, ist verständlich.   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Butterbrot der Wittwe by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Butterbrot der Wittwe

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Unterhalb Sins stand vor Zeiten an der Reuss das Schloss Rüssegg. Jetzt ist es bis auf den Grund zerstört. Der letzte Besitzer desselben war ums Jahr 1480 der Junker Albin von Silinen, ein tapferer und menschenfreundlicher Herr. Nun mussten viele Höfe der Umgegend alljährlich Bodenzinse und andere Abgaben in das Schloss bezahlen. Und auch der Hof im Wiesthal war dem Schlossherrn solche Abgaben schuldig. Auf diesem Hofe aber lebte damals eine Wittwe mit sieben Kindern. Dieselbe war eine thätige und rechtschaffene Frau. Eines Sommers aber wurde die Gegend von einem Hagelwetter betroffen und die ganze Ernte der redlichen Wittwe war vernichtet. Da nahm die Frau zwei von ihren Kindern und gieng mit ihnen traurig nach Rüssegg. Daselbst klagte sie weinend dem Junker ihr Unglück und bat ihn, dass er ihr für dieses Jahr die schuldigen Abgaben schenken möchte. Der tröstete sie und liess ihr und den Kindern Milch und Brod vorsetzen. Darnach gieng er in seine Nebenstube und als er wieder kam, legte er der Frau etwas Geschriebenes auf ihr Stück Brod und sprach: „Braven Leuten, wie ihr seid, giebt man zur Milch auch Anken aufs Brod. Diese Schrift aber besagte, dass der Hof im Wiesthal fortan der Herrschaft von Rüssegg keine Abgaben mehr schuldig sei.“ Mit Thränen der Freude dankte die Wittwe dem menschenfreundlichen Herrn, und das Volk behielt den Namen Albins von Silinen in dankbarem Andenken. E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Buuser Kühloch by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Das Buuser Kühloch

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Im sanft gerundeten Rücken des Schönenbergs gähnt eine abgründige, senkrechte Kluft in die Tiefe. Mehrere Sekunden lang hört man das Poltern eines hinabgeworfenen Steines. Es mag vorgekommen sein, dass früher gefallenes Vieh hier versenkt wurde, was vielleicht zum Namen Anlass gab. Oder man nannte es so, weil es «kühmässig» gross ist. In dieses Loch fiel vor mehr als 100 Jahren ein Mann, als er mit Weidenschneiden beschäftigt war. Glücklicherweise stürzte er aber nicht in die grausige Tiefe, sondern blieb auf einem Felsvorsprung unverletzt liegen. Rebmesser und Schuhe legte er in eine seitliche Spalte und schaffte sich glücklich wieder herauf, indem er eine enge, seitliche Kluft benützte. Als Männer mit Seilen und Leitern hinunterstiegen, fanden sie die erwähnten Gegenstände. Ohne diese untrüglichen Beweisstücke hätte niemand geglaubt, dass der Verunfallte aus der Tiefe selbständig ans Tageslicht gelangt wäre. Ein anderes Mal soll ein Jagdhund in das Kühloch gefallen sein. Sein Besitzer wagte sein eigenes Leben, um das Tier zu retten. Er liess sich in den dunkeln Schlund abseilen. Plötzlich sprang der Hund auf seinen Rücken und klammerte sich fest. So wurde er gerettet, doch sein Herr erlitt dabei einen so heftigen Schrecken, dass er an dessen Folgen starb. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Das Chudermandli in Veltheim by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Chudermandli in Veltheim

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Eine Frau von Veltheim hatte auf dem Wochenmarkte im Städtchen Brugg gar schönen Chuder (Werg) um geringes Geld gekauft. Wie sie ihn nun heimbrachte und auf den Ofen legte, fieng es plötzlich im Chuder an mit einer abscheulichen Stimme zu reden und zu höhnen: Hesch mi nid chauft, Numme de Chuder, Bi no nid g'tauft, Gîtigs Lueder! Jetzt merkte die Frau, dass ihr mit diesem Wergbündel ein Spukgeist ins Haus gebannt worden sei, den sie durch ihr zu eifriges Markten und Abhandeln sich mit aufgebunden hatte. Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 288 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das dankbare Patenkind by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das dankbare Patenkind

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Ratsherr Karl Infangers Grosseltern im untern Baumgarten zu Bauen liessen einst ein fremdes Ehepaar, das kein Obdach gefunden, im Gaden übernachten. Da genas die fremde Frau eines Kindes, und der Gatte bat das Ehepaar Infanger, Patenstelle bei demselben zu übernehmen. Sie taten es und liessen auch die Fremden im Gaden wohnen, solange es ihnen beliebte. Endlich zogen diese fort. Als einige Jahre später der Ratsherr eines Morgens durch den Baumgarten hinaufging gegen das Dörflein, um den Gottesdienst zu besuchen, da kam bei der Stechpalme ein liebliches, schneeweisses Kind ihm entgegen, gab ihm freundlich das Händchen, dankte ihm für die Taufe und entschwand wieder. Es war jenes Patenkind. »Gottlob!« dachte er bei sich, »dass du diesen Dienst geleistet; wie bist du jetzt froh!« Einige Tage später vernahm er, dass das Kind an jenem Morgen gestorben sei. Die Gatten sagten zueinander: »Nie würden wir es abschlagen, einem armen Kinde zur Taufe zu helfen.« Marie Ziegler Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dialen-Kind by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Das Dialen-Kind

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Ein fünfjähriges Kind war, während seine Eltern d\'roben in den Bergmatten Heu machten, den Erdbeeren nachgegangen, und war des Abends nicht mehr aufzufinden. Erst am andern Abende kam es in\'s Thai heim und erzählte den Seinigen wohlgemut: »Ein Kind in wundersamen Kleidern setzte sich zu mir aufs Moos und gab mir gute Sachen zu essen; plötzlich war es aber weg. Ich wartete die ganze Nacht und den ganzen andern Tag, bis es wieder komme, und bekam weder Hunger noch Durst. Als es nun dunkel wurde, kam das Kind wieder, gab mir zu essen und zu trinken, nahm mich bei der Hand und führte mich durch den Wald, bis in die Matten, wo man die Kirche sieht, und verschwand.« Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014     Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dingweiblein by (Curt Englert-Faye, Sage, Luzern)

Das Dingweiblein

Source: (Curt Englert-Faye, Sage, Luzern)

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In einem baufälligen Häuslein hinter den Hildern bei Marbach im Entlebuch lebte einst eine arme Witwe mit einem Schärlein Kinder. Es herbstelte bereits und die gute Frau war in banger Sorge, wie sie ihre Kinder über den Winter bringen könnte. Sie hatte eine einzige Kuh im Ställi und nur einen spärlichen Heustock oben auf der Bühne. Eines Abends nun, beim Zunachten, als die Frau kummervoll eben den Kindern die Milch wärmte, lag ihr die Sorge steinschwer auf dem Herzen, und die hellen Tränen rannen ihr über das verhärmte Gesicht. Da trappelte aufs Mal ein munzig kleines Weiblein herein und fragte die Frau, was ihr fehle, dass sie so traurig sei. Da klagte jene dem Weiblein ihre Not. «Ei», sprach da das Fraueli, «dem ist bald geholfen! Weisst du was, gib mir deine Kuh zu hirten, und du sollst Milch genug haben für dich und deine Kinder. Schau aber unter der Zeit beileibe nicht nach dem Heustock!» Das alles deuchte die Frau zwar seltsam, aber sie nahm das Anerbieten doch dankbar an, und das Weiblein blieb von Stund an im Hause. Das magere Kuehli gedieh prächtig in seiner Obhut und ward kugelrund und spiegelglatt und gab einen so fuhrigen Schapf Milch, wie nie zuvor - es war nicht zum glauben - und alle Not hatte ein Ende. Als nun der Lanzig nahte, da nahm es die Witwe denn doch wunder, ob noch Heu auf der Bühne sei, und als das Weiblein einmal ausgegangen war, stieg sie hinauf und schaute nach. Und siehe, da war der Heustock unversehrt. Am Abend kam das Weiblein heim, trat gleich in den Stall, schnupperte in der Luft und sagte zornig: «So jetzt wirst du dein Heu brauchen müssen», sprachs und lief aus dem Hause fort. Und fortan gab die Kuh nurmehr das frühere Mass Milch und der Heustock nahm zusehends ab. Quelle: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, hrg. von Curt Englert-Faye, Zbinden Verlag Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dingzwerglein by (Schweiz, Lenk, Sage, Bern)

Das Dingzwerglein

Source: (Schweiz, Lenk, Sage, Bern)

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  Ein Zwerglein kam zu einem Bauern und liess sich dingen. Doch es stellte die Bedingung, dass er nie in den Stall noch nach dem Heustock blicken solle und verbot ihm streng, hineinzutreten. Als an einem Sonntag das Zwerglein fort war, konnte er sich nicht enthalten. Der Bauer stieg auf den Heustock und er trat auch in den Stall. Wie war er freudig überrascht, zu sehen, dass der Heustock gleich gross geblieben war und die Kühe doch alle so spiegelglatt und zudem immer noch grösser wurden! Am Abend kam das Zwerglein heim, öffnete die Stalltüre und schnupperte in der Luft herum. „Jetzt wirst du dein Heu brauchen müssen", rief es dem Bauern zu und verschwand.   Quelle: Georg Küffer, Lenker Sagen. Frauenfeld 1916. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch  


Das Doggi in Laus by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Das Doggi in Laus

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Eines Abends gingen zwei Knaben von Surrhein nach Laus »z\'hengert.« Als sie zu einem Stalle kamen, sahen sie andere Burschen, die ihnen aufpassten, und sie versteckten sich ins Heu, das in diesem Stalle aufgehäuft war, um abzuwarten, bis die Andern gingen. Das Warten wurde ihnen aber zu lange, und sie schliefen ein. Plötzlich fühlte Einer die schwere Bürde des Doggi\'s: er war seiner Sinne nur halb bewusst, und mit grösster Anstrengung suchte er das Ungetüm von sich abzuschütteln, was erst nach langem Kampfe ihm gelang. - Nach und nach seiner besser bewusst, schnellte er sich in die Höhe, das Doggi musste ihn loslassen und sich flüchten. - Er sah ihm, so gut die Dunkelheit es ihm gestattete, nach, als dasselbe in der Gestalt eines weissen Schweines den Heustall verliess. Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dolmetsche-Haus by (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

Das Dolmetsche-Haus

Source: (D. Jecklin, Sage, Graubünden)

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Vor vielen Jahren stund am Fusse des Pizocelberges, zwischen Chur und Ems ein Gebäude, das »Dolmetsche-Haus« genannt. Darin wohnte ein altes Ehepaar friedlich beisammen. Sie erwarben sich ihr tägliches Brod mit der Wirtschaft, welche sie dort in jener Einsamkeit eingerichtet hatten. Wohl lebten sie da in Ruhe und Frieden, es verbreitete sich aber das Gerücht, dass diese zwei Eheleute »Unmenschen« seien, bisweilen gräuliche Schandtaten sich zu Schulden kommen liessen und dass sie Wanderer um\'s Leben brächten. Das hörte auch ihr Sohn, der seit einigen Jahren in der Fremde war; er wollte solches durchaus nicht glauben, und um sich nun davon zu überzeugen, ob es wirklich wahr sei, kehrte er in seine Heimat zurück. Am Abende, da er im elterlichen Hause ankam, gab er sich den Seinigen nicht zu erkennen; diese kannten ihn natürlich nicht. Sein Begleiter nahm aber anderswo Nachtquartier. Richtig! – in der Nacht, da der Fremdling schlief, kam das Weib in das Schlafgemach desselben und schüttete diesem siedend heisses Schmalz in den Hals. Am Morgen kam der Gefährte in\'s Haus und kündete den zwei Alten an, wen sie beherbergt hätten. Aus Gram darüber, dass sie ihren eigenen Sohn umgebracht, nahmen sich die zwei Wüteriche durch den Strick selbst das Leben.  Quelle: Volksthümliches aus Graubünden, D. Jecklin, vollständige Neuauflage, Berlin 2014 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorf by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das Dorf

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Albinen stand nicht immer am heutigen Platze. Vor undenklichen Zeiten wohnten die Leute in Dorben und Dieten. In den obern Gütern sieht man noch die Hofstätten, und der heutige Stadel oberhalb der Kapelle in Dorben soll das Gemeindehaus gewesen sein. Dorben nennt man heute noch spottweise: die Stadt. Die ersten Bewohner von Albinen seien aus Frankreich gekommen: die Geschlechter Briand, Mathier und Métry. Der Name Albinen stamme vom savoyischen Arbignon ab, heisst es. ALBINEN Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Dorf auf der Theodul-Ebene by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Das Dorf auf der Theodul-Ebene

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Der St. Theodul ist wohl der höchste Bergpass unserer Schweiz, wo im Sommer während ein paar Monaten eine bewohnte Schutzhütte steht, die den Reisenden Labung und Stärkung bietet. Vor noch wenigen Jahren war derselbe oft mit Maultieren befahren, weil man viel Wein und anderes Getreide von Aosta abholte. Jetzt ist derselbe noch gangbar den Kühen, Rindern, Schafen, Ziegen und im Notfalle noch den Maultieren. Dieser hohe Pass, der sich 10,667 Fuss übers Meer erhebt, wird besonders im Sommer von den Touristen, und zwar bei gutem Wetter leicht und meistens gefahrlos überschritten. Bevor man die Theodulshöhe erreicht, welche die Grenzscheide ist zwischen Piemont und der Schweiz, muss eine weite Ebene passiert werden, die seit Menschengedenken mit Schnee bedeckt ist. In dieser Ebene soll vor vielen hundert Jahren ein Dorf gestanden sein, das wegen seiner Grösse und Volksmenge einer kleinen Stadt nahe kam. Wenn es vor Jahrhunderten Zeiten gegeben, in denen ein so zahmes Klima herrschte, dass kaum die höchsten Bergspitzen mit Gletscherfirnen bedeckt waren, so könnte diese Sage nicht aller Wahrscheinlichkeit entbehren, denn Raum wäre in dieser Ebene hinlänglich gewesen. Es trafen aber kältere Jahrhunderte ein und das Bleiben war für diese hohen Bergbewohner immer schwieriger. In einem Jahre fing es schon frühe im Herbst heftig zu schneien an, der Wind spielte im Schneegestöber und fühlbare ungewöhnliche Kälte stellte sich ein. Da soll ein hochbetagter blinder Greis, der hinter dem Ofen sass, gefragt haben, ob die Farbe der ungeheuren Schneemasse weiss oder wie bis dahin noch rötlich wäre. Als erwidert wurde, der Schnee sei weiss, sagte er: «Nun ist für uns hier kein Bleiben mehr, es ist an der Zeit, diese Hochalpe zu verlassen und zahmere Gegenden aufzusuchen.» Er hatte wahr geredet, denn der Schnee schmolz nie mehr und wurde zum Gletscher. (erzählt von Herrn Kaplan Mooser in Zermatt)   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Dorf Eggen und die Gräfin Blandrati by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das Dorf Eggen und die Gräfin Blandrati

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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In Visp lebte vor 1222 auf der Hübschburg bei der Burgerkirche die Gräfin Blandrati. Im Turm ihrer Burg hing eine Glocke aus lauter Silber. So weit ihr heller Schall ertönte, mussten die Bewohner der Umgebung einen Tribut entrichten. Die Bewohner von Eggen, eine halbe Stunde oberhalb Eggerberg, waren verpflichtet, jährlich an Sankt Martini eine schwarze Kuh mit roten Ohren oder eine rote Kuh mit schwarzen Ohren nach Visp in die Hübschburg abzuliefern. Das gab nun alle Jahre ein peinliches Suchen, und zuletzt war eine solche Kuh gar nicht mehr aufzubringen. Die Gräfin aber bestand auf ihrem vermeintlichen Rechte. Das verdross die Eggener, und sie beschlossen, ihre Häuser niederzureissen und sie hinter der Ecke weit hinten gegen das Baltschiedertal wieder aufzubauen. Dort lebten sie abgeschieden von der Welt und hörten das silberne Glöcklein nicht mehr, ja nicht einmal mehr die grosse Glocke von Visp. Die Gräfin mochte nun die Silberglocke läuten so lange sie wollte, keine Kuh wanderte mehr von Eggen in die Hübschburg. EGGERBERG Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Dorf Hospental by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Dorf Hospental

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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sei vor alten Zeiten am andern Ufer der Reuss, zu »Tendlen«, gestanden. Von dort ging der Saumweg bergaufwärts auf den Bätz und dann durch den Briggwald hinunter, kam also nördlich der heutigen Teufelsbrücke, aber etwas südlich der Gallerie in die Richtung der heutigen Gotthardstrasse. Noch im 19. Jahrhundert sei ein zu Tendlen begüterter Bauer von Hospental seinem Nachbar daselbst durch das Land gegangen; es sei zum Prozess gekommen, und jener habe aus den alten Urkunden und Kaufbriefen beweisen können, dass er im Recht und nur auf der alten, öffentlichen Strasse gegangen sei. Ein alter Priester von Andermatt, Kaplan Felix Georg Meyer, † 1871 im Alter von 96 Jahren, genannt der »chly Heer«, habe stets, wenn er zu Tendlen vorüberging, den Hut abgezogen und seine Handlungsweise damit begründet, es sei da einst eine Kirche gestanden, in der heilige Sakramente gespendet worden. Der Versammlungsort der Talgemeinde von Ursern ist auch heute noch auf dem westlichen Ufer der Reuss. Lehrer Regli, Hospental; Mich. Simmen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorf Kienholz wird verschüttet by (A. Streich, Sage, Bern)

Das Dorf Kienholz wird verschüttet

Source: (A. Streich, Sage, Bern)

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Unter dem gewaltigen Schuttkegel des Lammbaches liegt ein einst blühendes Dorf begraben. Sein Reichtum an Häusern, fruchtbaren Äckern und Feldern war dem des nachbarlichen Kirchdorfes Brienz weit überlegen, wie es auch als wichtiger Platz für den Warenumschlag aus dem Unterland nach dem Brünig und der Grimsel galt. Zur Zeit der Entstehung der Eidgenossenschaft trafen sich auf diesem Platze mehrmals die Unterhändler der Berner mit denen der Waldstätte zu wichtigen Tagungen. An einem schönen Sommersonntag vor vielen hundert Jahren stieg ein Älpler von der Alp Giebelegg auf der Westseite des Brienzer Rothorns in das Dorf Kienholz hinunter und berichtete den Leuten, sie möchten sich vorsehen, auf der Alp sei nicht alles wie es sein sollte. Seit Tagen flögen schwarze Vögel um die Hütten und machten ein gar wüstes Geschreie, um das Gräblein des Alpbächleins spalte sich der Boden und das Bächlein führe keinen Tropfen Wasser mehr. Gegen Abend dann hob in den Höhen ein dumpfes Tosen an und eine grosse graue Wolke stieg zum blauen Himmel auf. Wer noch vermochte, lief im Kienholz aus den Häusern. Zwischen den beiden Alpen Giebelegg und Gummen wankte der Berg mit Felsen, Weid und Wald, krachte mit ungeheurer Wucht und Raschheit auf das Tal zu, überbrochselte die Felder und Wiesen von Schwanden, brach das Schloss Kien, das untenher neben einer niedern Felsenwand auf einer Anhöhe stand, wälzte Schlamm und Steine haushoch über das Dorf Kienholz, dass kein Hagstecken und keine Schindel mehr zu sehen waren, ausser ein paar Häuserresten, die ein Stoss in den Brienzersee hinausgeschwemmt hatte. Nichts war mehr zu sehen von einem schönen Dorf, nichts von wohlgepflegten Gärten, Wiesen und Äckern. Eine breite Schlamm- und Steinwüste nur zog sich vom Berge her hinunter in den See, dessen Wasser weit und breit braun und trübe wurde für lange Zeit. Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Dorf Simplon by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das Dorf Simplon

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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Simplon-Dorf stand früher oben im Kastelberg in der Bärenkumme. Da sieht man noch die Hofstätten. Es soll aber auch eine Weissagung geben, wonach aus dem Dorfe Simplon später eine Schafalpe werde. Oberhalb des Dorfes steht heute auf dem Ägerbiel ein Kreuz. Da werden sich in diesen undenkbaren Zeiten einmal drei Jäger treffen. Sie werden auf die Gegend des heutigen Dorfes schauen und einander erklären: «Da ist einmal ein Dorf gestanden!» Andere behaupten, der ewige Jude sei schon zweimal in Simplon vorbeigekommen. Das dritte Mal werde er auf dem Ägerbiel rasten und auf einige von Gras und Rasen überwucherte Gemäuer blicken und seinem Begleiter sagen: «Da ist einmal ein Dorf gestanden!» SIMPLON-DORF Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Dorfgut von Meilen by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Dorfgut von Meilen

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Dorfgut von Meilen Wie die Alten von ihren Alten wissen, stammt Grundstock des Dorfgutes von Meilen von einem Vermächtnis der Verena von Ebersberg zu Wetzikon her, vielleicht auch von ihren Erben. Mit diesem Vermächtnis habe die vornehme Frau jene Meilemer Familien belohnt, welche bei einem Hochwasser wenigstens eines ihrer Mitglieder zu Hilfe geschickt hatten. Lange Jahrhunderte hielten die bedachten Familien dieses Gut als ihr Dorfgut in Ehren und verteidigten es auch gegen verschiedene Angriffe, indem sie es als traditionelles Eigentum nachwiesen. Niemand von ihnen wusste aber mehr, wo ihre Vorfahren sich so tapfer und hilfreich des Wassers erwehrt hatten, ob zu Hause oder in der Nachbarschaft. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Stadt Zürich und Zürichsee Nach Stelzer, Geschichte der Gemeinde Meilen, Meilen 1934   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorfkalb vom Auenstein   by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dorfkalb vom Auenstein  

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Der Pfarrer von Auenstein kam eines Abends mit seiner Frau vom Dorfe Rupperswil her heimgegangen. - Als er die Aare in der Fähre passiert hatte und den Kirchenrain zum Wohnhause hinanstieg, erblickte er in dem Kohlfelde, das zu seinem Pfarrgarten gehörte, ein weißes Kalb, das sich da das Kraut nicht übel schmecken ließ. Das Hündchen, das ihn begleitete, sprang bellend in den Acker hinein, der Pfarrer in geringer Entfernung hinterher. In noch größeren Sätzen aber nahm das Kalb Reißaus, schwenkte um die Ecke der Scheune, die untern dem Pfarrhause steht, und war hier mit einem Male spurlos verschwunden. Früh am folgenden Morgen ging der Pfarrer auf sein Feld hinaus, sah die Kohlblätter abgefressen umherliegen, fand seine eigne, sowie des Hündleins Fährte von gestern wieder, wunderbarer Weise aber nicht die geringste vom entsprungenen Kalbe. Als er sein Befremden darüber einigen Leuten seiner Gemeinde äußerte, wollten diese einem solchen Gespräche ausweichen und mit ihrer Meinung keineswegs herausrücken; erst auf dringendere Fragen beichteten sie mit Scheu und nur auf Verschwiegenheit hin: dies, was er gesehen, sei das Dorfkalb gewesen; wem es sich zeige, dem stoße über kurz oder lang etwas Ungerades zu. Und richtig, bald darauf warf der Pfarrer mit seinem Fuhrwerk um, stürzte mit dem Kopf gegen einen Stein und starb an den Folgen dieses Unfalls. (Erzählt vom Aare-Fergen in Gauenstein.)  Sage aus RupperswilBand 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 77 - 78 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.  


Das Dorfschwein by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Dorfschwein

Source: (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

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Von diesem wissen besonders die "Stubetiknaben" zu erzählen. Bei ihren nächtlichen Ausgängen auf Feld und Waldwegen, am liebsten aber in den Dörfern, ist unversehens ein Schwein bei ihnen, dessen sie sich nur mit grösster Mühe entledigen können. Schon manchem ist das Dorfschwein gewalttätigerweise zwischen den Beinen durchgesprungen und hat ihn bis zur weitentfernten Wohnung oder bis zu einer Scheune verfolgt; es würde gewiss noch weiter nachgefolgt sein, wenn es überhaupt eine Wohnung für Menschen oder Vieh betreten dürfte. Dagegen ist es hie und da vorgekommen, dass das Dorfschwein zu einem Stubenfenster oder, auf einer Leiter stehend, zu einem Scheunentor hineingeschaut hat, um den dorthin geflüchteten Junggesellen zu erspähen. In den Stepfenwiesen wurde sogar einmal einer vom Dorfschweine belästigt, das eine Schar junger Ferkel bei sich hatte. Er hiess aber die Kobolde ins Teufels Namen abziehen, worauf sie mit Grunzen und Quieken sich schnell entfernten und im nahen Walde verschwanden. J. Natsch *** In Altstätten soll es einmal sogar in die Kirche eingedrungen sein, und als der Geistliche und der Mesner es einfangen wollten, kam der erste rittlings auf dasselbe zu sitzen und wurde von ihm weggetragen.   Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 285, S. 158 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorftier by (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

Das Dorftier

Source: (P. Suter/E. Strübin, Sage, Basel)

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a) Mutters Bruder war Zuckerbäcker und zur Winterszeit auch Hausmetzger. Ausserdem war er ein leidenschaftlicher Jäger. Manchmal kam er zu uns z Liecht und unterhielt sich mit meinem Bruder, der auch gerne jagte. Die zwee hai abe brichtet zsäme und «gjegeret» und «gjagt»! Als sie auch wieder einmal am Erzählen ihrer Jagdabenteuer waren, stürzte ein junges Bürschlein, der Micheli, herein und rief aufgeregt: «S Dorftier isch umme! S git ander Wätter!» Die beiden Jäger ergriffen ihre Flinten und verliessen sogleich das Haus, zum grossen Kummer unserer Mutter. Als sich Micheli gefasst hatte, fuhr er fort: «S isch under der Schuel vüre cho und übere Wäg und s Lüthis Gängli hindere. Wiene grosse Hund hets drygseh.» Zur Beruhigung der Mutter kehrten die Jäger bald wieder zurück, ohne etwas Verdächtiges gesehen zu haben. Es kann sein, dass sich ein Schaf den Häusern genähert hatte, das s Schuemachers fortgelaufen war und dann erst nach einigen Wochen wieder zurückkehrte. b) Bei Lüthis soll sich ein «Tier» gezeigt haben, und zwar nachts um zwölf Uhr. Ich ging auf den Anstand und schritt dorfauf und dorfab. Ich sah aber nichts als ein schwarzes Schaf durch das Gängli zwischen Haus und Garten gehen. Anwil Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorftier in Suhr by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dorftier in Suhr

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Ein junger, lustiger Schuhmacher zu Suhr befand sich im Besitze einer grossen gläsernen Flasche, welcher weiter nichts als der Boden fehlte. Nachts stellte er sich damit ins Gebüsch am Dorfe oder hinter Bäume zwischen den Wässerungsbächen, blies sein Instrument wie eine Trompete an und lockte jämmerliche Töne daraus hervor. Bald verbreitete sich bei dem abergläubischen Völklein die Meinung, ein grässliches Gespenst stosse solches Klagegeschrei aus. Mancher Furchtsame floh in sein Bett, wenn das Plärren des Dorfthieres näher kam. Lange genug währte der Spuk. Endlich überraschten kecke Leute den Bläser und zerschlugen ihm die ominöse Flasche. Der Schuster hiess nun bis an seinen Tod unabänderlich Dorfthier. E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorftier von Ober-Entfelden by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dorftier von Ober-Entfelden

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Dasselbe (Dorftier) wohnt in den dortigen Brunnmatten, läuft bis zur Waldung, kehrt dann von der Landstraße wieder ins Dorf um und verschwindet neben der Kirche am Kirchhofe. Schon manchmal hat man seine Fußtapfen im Schnee abgespürt gesehen. Seine letzte Erscheinung hatten zwei Brüder zu bestehen. Um der krankliegenden Mutter noch etwas zu holen, mußten sie von ihrem Hause, am Holze gelegen, spät Nachts nach Köllikon gehen. Die sogenannten Nachtbuben dieses Dorfes gelten als sehr händelsüchtig, um also gegen derartige Anfälle gerüstet zu sein, zogen die beiden ein paar tüchtige Knüttel aus einem Haufen Reiswellen ans, welcher neben ihrem Wege auf der Matte lag. Aber diese unförmliche Holzmasse fing an Gestalt zu bekommen, regte und bewegte sich unter ihren Händen und drohte über sie herein zu sinken. Zugleich begann ein dumpfes Schnauben, zwei Augen bildeten sich kugelrund, wie blanke zinnerne Teller, und leuchteten ihnen aus dem Dunkel entgegen. Das Dorftier wars. Jetzt galt's zu entspringen. Über Gräben und Zäune eilten die zwei zurück zu ihrem ziemlich entfernten Wohnhause. Hier aber war die Haustüre schon verschlossen. Der Verfolger ließ ihnen keine Zeit, sie mußten sich daher auf die Holzbeige flüchten, welche neben am Fenster unter das Vordach hinauf geschichtet ist. Die ganze lange Nacht hielt sie hier das Dorftier belagert, und so oft sie es wagten, wieder aufzublicken, begegneten sie den fürchterlich herauf starrenden Feueraugen. Der eine Bruder ist an den Ängsten dieser Nacht gestorben. (Haberstich v. Entfelden.)  Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 92 - 92 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchen.ch      


Das Dorftier von Safenwil by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dorftier von Safenwil

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Das Dorftier von Safenwil hatte ungefähr die Größe eines Kalbes, einen langen, sehr gedrungenen Leib, kurze Beine und war schwarz von Farbe. Vom Kopfe bemerkte man wenig, doch hatte es glänzende tellergroße Augen. Man sah es vom sogenannten ,,Lindenrain" durch das Dorf Safenwil hinauf gehen bis zur Gasse, welche zu einem Sumpf führt, dort verschwand es in einem Baumgarten, in dem ein Speicher stand, der als Wohnort des Tieres angenommen wurde. Es soll nie jemandem Schaden zugefügt haben. Einmal jedoch, da es auf seinem Wege am Mühlenbache von einem großen Haushund angefallen wurde, zerriß es denselben, daß man mit den Stücken am Morgen drauf eine weite Strecke bedeckt fand. (Seminarist Rudolf Scheuermann von Safenwil.)  Sage aus Safenwil Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 82 - 82 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.    


Das Dorftier von Umiken by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dorftier von Umiken

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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In den Nächten der heiligen Zeiten geht dasselbe von der Stadt Brugg durch die Dörfer Umiken und Villnachern und verschwindet rückkehrend in der Mitte von Umiken. Es ist ein gewesener Ammann, der seine Gemeinde um ein halbtausend Gulden betrogen hat. Als ein sechzigjähriger Mann von diesem Betrug vernahm und es dem Gerichte zu Brugg anzeigte, ließ dieses dem Ammann durch einen Beschwörer anwünschen, er solle eben so viele hundert Jahre, als er Gulden gestohlen, ruhelos wandeln müssen. Seit dem Tage seines Todes hat er diese Wanderung begonnen in den Gestalten von Katze, Hund, Kalb und Ochse. Zur Zeit des Vollmondes nämlich ist er so groß wie ein Ochse, im Neumond dagegen so klein wie ein junges Kätzchen, immer aber behält er seine großen feurigen Augen. Ganz getreu läuft er dann in recht stockfinstern Nächten dem Dorfwächter nach und bleibt nur so lange, bis dieser die Stunde gerufen hat, hinter ihm zurück. Es haucht und bläst diejenigen an, die sich vor ihm fürchten, sie bekommen dann einen aufgeschwollenen Kopf oder entzündete Augen; doch diejenigen, welche Flüche und Drohworte ausstoßen, kann es nicht schädigen. Es geht den Leuten in die Krautgärten, zerstampft Gemüse und Blumen und zerreißt die Zäune: beim Regen kommt es ihnen sogar bis an die Dachtraufe, verschwindet da aber. Namentlich pflegt es die Fabrikarbeiter zu verfolgen, welche spät Abends von Brugg und Windisch her aus den Spinnereien heim gehen müssen. (Aus dem Munde einer von dort gebürtigen Dienstmagd.)  Sage aus Umiken Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 78 - 78 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorftier zu Rafz by (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

Das Dorftier zu Rafz

Source: (K. W. Glaettli, Sage, Zürich )

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Das Dorftier zu Rafz Es wird am Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein, als man in Rafz noch wusste, dass es ein Dorftier gab, ein Ungeheuer, das nachts im Dorf herumtrabte und die Leute fürchten machte. Dieses Dorftier spukte also noch in den Köpfen gewisser Leute. Da sei denn auch einmal einer angetrunken heimgesegelt. Er sieht auf einem Misthaufen etwas Grosses kauern. Das ist das Dorftier, denkt er, nimmt ein buchenes Klafterscheit und schmettert es über das Ungeheuer. Das tönt entsetzlich hohl und rumpelt unerhört, dass es nicht mehr schön ist. Am Morgen vernimmt er, dass einer dem andern mit einem buchenen Klafterscheit ein Güllenständli zusammengehauen habe. Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland Nach Gchr. Rafz 1902   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Dorftier zu Seengen, by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dorftier zu Seengen,

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Am Hallwiler-See, ist ein in eine Kröte verwandelter Junker von Hallwil. Dieses Thier schwillt bei Begegnungen zur Grösse einer Wanne (Fruchtworfel) an und hat Augen gleich Zinntellern. Sein Wanderweg geht bis Eglischwil hinab zum Heidengraben und jener Heidenkirche, von welcher Abthl. IV, No. 168 erzählt ist. E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Drachengold by (Johannes Jegerlehner, Sage, Wallis)

Das Drachengold

Source: (Johannes Jegerlehner, Sage, Wallis)

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Es war zur Winterszeit. Der Schnee lag meterhoch um die Hütten und hing sich im Walde an die untersten Äste. Ein Bürger von Jeizenen stieg mit dem Schlitten auf die Alp, um Holz zu holen. Auf dem Rückweg sauste das schwerbeladene Gefährt über die jähe Halde in vollem Lauf, dann hinein in den Wald, und nun vermochte es der Bauer nicht mehr zu bremsen. Der Schlitten flog zwischen den Stämmen durch und stürzte in einen tiefen, tiefen Spalt, der aber halb mit Schnee angefüllt war, so dass der Bauer keinen Schaden nahm. Als er sich vom ersten Schreck erholt hatte, verfiel er gleich in den zweiten, denn er sah, dass es über die glatten steilen Wände kein Entrinnen gab. Er stapfte der Klamm entlang, sah aber überall dieselben turmhohen Felsenmauern, über die hinauf die flinkste Gemse nicht gekommen wäre. Nach einer langen, mühevollen Schneewaterei kam er ans Ende der Schlucht, die in einen finstern Gang ausmündete. Dort gewahrte er einen glänzenden Schein, auf den er lossteuerte. Als er näher kam, erschrak er von neuem. An die Wand geschmiegt hauste ein hässlicher Drache, der seine glühenden Augen auf ihn richtete und mit der lang hervorgestreckten Zunge die Flüssigkeit, die von den Wänden niederträufelte, begierig aufleckte. Die spitzen Krallen der Füsse hackte er im Gestein fest, und mit der Schwanzspitze stützte er sich auf den Boden. Der Bauer dachte, wenn ihn das Ungeheuer fressen wolle, so könne es ihn überall packen, bleibe er hier oder verstecke er sich irgendwo in der Schlucht, darum blieb er stehen und schaute eine Weile zu. Da das Untier keine Miene machte, ihn zu töten, und er Hunger und Durst verspürte, hielt er den Mund auch an die Wand und begann die gelblichrote, klebrige Flüssigkeit, die über das Gestein sickerte, abzulecken. Sie schmeckte süss, wie wilder Bienenhonig und sättigte ihn gut. Er setzte sich nach der Mahlzeit auf den Boden und schlief bald ein. Als er erwachte, war der Drache noch da und tat, als ob er ihn gar nicht bemerkte. In der Höhle war es warm, wie zu Hause in der Stube; er sammelte die dürren Gräser und Zweiglein, die überall herumlagen, und richtete sich ein Bett zurecht. Zum Frühstück leckte er an der Wand, dann ging er hinaus, um nochmals nach einem Aufstieg zu spähen, aber totmüde kehrte er zur Höhle zurück; das Suchen war umsonst, er musste hier bleiben, denn an ein Entweichen aus der Schlucht war nicht mehr zu denken. So hauste er nun Tage, Wochen und Monate mit dem Drachen in der Höhle, und er machte sich mit dem Gedanken vertraut, den Rest seines Lebens hier abbüssen zu müssen. Da geschah eines Tages etwas, das ihn in massloses Erstaunen versetzte. Der Drache, der seine Höhle bisher nie verlassen hatte, immer zusammengekauert am Boden schlief, oder ausgestreckt wie ein Lindwurm an der Wand saugte, kroch langsam aus der Spalte, reckte und schüttelte die gezackten Flügel, dass es aufflammte wie ein Höhenfeuer, schlug ein paar Mal mit den Fängen auf und nieder und schwang sich in die Lüfte. Der Bauer sah dem Drachen nach, bis er verschwunden war und fühlte sich so trostlos verlassen, dass ihm die Tränen in die Augen traten. Jetzt war er erst recht einsam in der finstern Schlucht; das einzige Lebewesen, und wenn es auch ein Ungeheuer war, hatte ihn verlassen, und er raufte sich die Haare und schlug mit den Fäusten an die Wand. Nun sah er erst ein, wie dumm er gewesen war. Er hätte sich an den Schwanz des Tieres anklammern sollen und auf den Rand der Schlucht hinauftragen lassen, dann wäre er gerettet gewesen. Jetzt war ihm jede Aussicht auf Rettung genommen. Er hoffte zwar immer noch, der Drache werde zurückkehren; den ganzen Abend und die ganze Nacht hindurch schaute er an den schmalen Streifen des Himmels hinauf, und sein Herz hüpfte jedesmal vor Freude, wenn er das Rauschen des Höhlengefährten zu hören glaubte. Gegen Morgen verdunkelte sich die Spalte, der Drache schoss durch die Luft und schwebte sachte hernieder. Er rollte sich in der Höhle zusammen, schloss die Augen, und am nächsten Tag hing er wider an der Wand und leckte die Flüssigkeit. So verstrich wiederum eine lange, lange Zeit, und der Bauer wartete vergeblich auf den Augenblick, wo das Drachentier wieder auffliegen würde. Endlich kam der ersehnte Tag der Rettung. Der Drache kroch aus der Höhle, schüttelte die Fittiche, sperrte den Rachen auf, so dass kleine Wölklein hervorquollen und machte sich zum Fluge bereit. Diesmal wollte der Bauer die Gelegenheit nicht versäumen. Er setzte sich rittlings in einen der kreisrunden Schweifringel, wo er sich sicher fühlte wie in einem Sattel, klammerte sich an den Zacken des Schwanzrückens fest und flog mit dem Tiere auf. Ganz sachte schwebte es den Wänden entlang, flog höher und höher und setzte ihn im Walde ab. Der Bauer konnte sich kaum fassen vor Freude. Im Sommerschmuck prangte der Wald, die Tannäste hatten lichthelle, frische Spitzen, zwischen den Stämmen wuchs würziges Waldkraut. Frohen Herzens machte er sich auf den Heimweg. Die Seinigen schlugen die Hände über dem Kopfe zusammen, als er über die Schwelle trat und flohen ihn, denn sie glaubten, ein Waldgespenst vor sich zu sehen. Er aber grüsste freundlich, und nun erkannten sie den Totgeglaubten an der Stimme. Er erzählte seine Leidensgeschichte und befahl dem Sohn, mit dem Schlitten zu dem Rand der Schlucht zu fahren und die Drachenkegel zusammenzulesen, da es pures Gold sei. Schnell fuhr er mit den Händen in die Taschen, doch sie waren leer. Er hatte in der Höhle die Goldhäuflein zu kleinen Bergen geschichtet, um dann einige mitzunehmen, wenn der Tag der Rettung heranbrechen sollte, aber in der Aufregung hatte er es vergessen. Der Bauer wollte mit dem Sohne fahren, aber er wurde plötzlich unwohl. Er hatte Käse und Brot gegessen und ein Kännchen Wein dazu getrunken und fühlte sich sterbensübel. Er musste sich zu Bette legen und durfte nichts zu sich nehmen, denn der Magen wollte es nicht ertragen. Dort fühlte er auch einen schweren Druck, der nicht weichen wollte. Es hungerte ihn stets, und doch konnte er nichts essen, so dass er Hungers sterben musste. Als er nach seinem Tode aufgeschnitten wurde, wie er es vorher gewünscht hatte, fand man in seinem Magen einen Klumpen Gold von sieben Pfund Schwere. Sieben Jahre hatte der Bauer in der Höhle zugebracht, und sieben Pfund Gold waren in seinem Magen angehäuft. Der Sohn brachte die gleissenden Kegel, die der Drache auf dem Höhlenrand hatte fallen lassen, auf dem Schlitten nach Hause, und von dem Edelmetalle, das ihn zum reichsten Manne weit und breit machte, schenkte er der Gemeinde so viel, dass sie hundertundzwanzig goldene Becher und zwölf goldene Kelche für die Kirche giessen konnte. Dann blieb immer noch ein schöner Rest, der zu Tötzli oder viereckigen Klümpchen geformt wurde. Als 1799 die Franzosen das Dorf heimsuchten, musste die Gemeinde den ganzen Goldschatz herausgeben. Quelle: Johannes Jegerlehner: Walliser Sagen, Hans Feuz Verlag Bern, 1959   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Drachenloch by (Jakob Kuoni, Sage, St. Gallen)

Das Drachenloch

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Auf der Südseite des Kuhmettler ist das Drachenloch, das so tief in den Berg hineinführt, dass man drinnen die Glocken der Toggenburger Viehherden von der Rossalp hören kann. Durch die Höhle schiesst ein rauschender Bach. B. Steiner Quelle: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 378, S. 217 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Drachenried by (Meinrad Lienert, Sage, Nidwalden)

Das Drachenried

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Nidwalden)

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Im Lande Unterwalden, am Vierwaldstättersee, hauste vor undenklicher Zeit ein fürchterliches Untier. Ob dem Dörflein Wyl [Wil] hatte es seine Höhle. Es war ein greulicher Lindwurm, der einen Schuppenpanzer um den Leib und messerscharfe Krallen hatte. Wenn er aus seiner Höhle durch die Luft schoß, sah er aus wie ein ungeheures, fliegendes Krokodil. Aus seinem Rachen aber konnte er Feuer speien. Die ganze schöne Gegend um das Dörflein wurde von ihm verheert und in Furcht und Schrecken gehalten, also daß man das Dörflein Wyl zuletzt Ödwyl nannte. Der Drache verschlang nicht nur das Vieh, sondern auch die armen Hirten. Und wenn ein Hirtenbüblein sich noch so sachte und still mit seinem vollen Milchtanslein den Hecken und Wäldern entlang schlich, der Lindwurm sah es gewiß. Auf einmal schoß er heran, und weg war das Hirtenbüblein. Einmal suchten zwei arme Mägdlein Beeren in der Weid. Da schoß der Drache auch herbei und hätte gewiß beide verschlungen, wenn sie sich nicht im Farnkraut hätten verstecken können. So war denn weder Mensch noch Vieh des Lebens sicher. Da erbot sich ein ritterlicher Mann namens Struthan, der aus dem Geschlecht der Winkelriede war, den Kampf mit dem Drachen aufzunehmen, wenn man ihn wieder in seine Heimat zurückkehren lasse, aus der er einst eines unbedachten Totschlages wegen verbannt worden war. Die Unterwaldner nid dem Wald, die nicht mehr wußten, wie sie sich des Lindwurms erwehren sollten, sagten ihm's feierlich zu. Jetzt kam der Ritter Struthan Winkelried ins Land und ging nach Ödwyl, wo der Drache in seiner Höhle hauste. Er hatte ein Panzerhemd an, und seine Lanze umwand er mit einem Dornbusch. Plötzlich schoß der Drache feuerspeiend aus seiner Höhle und geradewegs auf den Ritter los. Schon dachten alle Leute, die von weitem aus den Wäldern zuschauten, jetzt sei's aus mit ihm. Doch Struthan Winkelried hielt dem Lindwurm die dornenumwundene Lanze entgegen, und blindlings fuhr dieser in seiner Drachenwut in sie hinein, also daß er nach kurzem, heftigem Kampfe daran erstickte. Jauchzend eilte nun alles Volk herbei. Als aber der Ritter, schweißdampfend, die Lanze aus dem Ungeheuer herauszerrte, rann ihm etwas von dem Drachenblut auf den bloßen Arm. Obwohl er's gleich wieder abwusch, mußte er doch auch sterben. Da trauerte das Volk um seinen Erretter aus großer Not und baute ihm auf der Stelle, wo er den Drachen erlegt hatte, eine Gedächtniskapelle. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das dreibeinige Ross by (J. Guntern, Sage, Wallis)

Das dreibeinige Ross

Source: (J. Guntern, Sage, Wallis)

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In alten Zeiten soll in der Feselalpe ein dreibeiniges Ross sein Unwesen getrieben haben. In wenigen Sprüngen soll es von der oberen Feselalpe bis herunter in die Kalberweid gekommen sein. An jedem Ort, wo es zu Boden kam, haben die Älpler ein Kreuz errichtet, so unterhalb der untern Bächimauer, oberhalb des untern Stafels und am untern Ende, auf den Auflengen und auf dem mittleren Kalberweidboden. Als das Ross weiter unten in einer Halde wieder Fuss fassen wollte, brach es ein Bein, weshalb diese Gegend heute noch das ,Beinbrächi‘ heisst. GAMPEL            Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das dreibeinige Ross in Enggersch by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Das dreibeinige Ross in Enggersch

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Aus der Neuenalpe, früher Kuhalpe jetzt aber eine Schafweide, soll ein dreibeiniges Ross nach Enggersch, Bezirk Leuk, gekommen sein und da viel Unheil angerichtet haben. Alte Männer erzählen noch mit Schauder die traurigen Vorfälle, die ihre Grosseltern von diesem Ungetüme zu erdulden hatten. Man musste in Enggersch selbst einen Mann bestellen, der abends sieben Uhr ein Glockenzeichen zur Warnung zu geben hatte; denn von halb acht Uhr bis Betenläuten am Morgen wurde im Dorfe alles, was nicht daheim war, von der schnell umhergaloppierenden Bestie tot niedergetreten. — Ein gewisser Pater Ebb hatte das böse Ross gebannt und fortan unsichtbar gemacht. Es vermuteten aber die Leute, das dreibeinige Ross hätte nach der Bannung die Gestalt einer Bruthenne angenommen; denn von der Zeit an wurde auf dem Brunnentroge im Dorfe oft ein gereiztes Gluggi gesehen, das auch viel Schaden machte und einmal sogar einen Mann zu "Käck" zerstampft und dann mit grossem Appetit aufgepickt hat. — Einer zweiten Beschwörung soll der Spuk vom dreibeinigen Rosse ganz gewichen sein. (erzählt von Ed. Meichtri, Student)   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das dreibeinige Ross in Sitten by (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

Das dreibeinige Ross in Sitten

Source: (M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Sage, Wallis)

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Vor vielen und vielen Jahren wurde um die Mitternachtstunde, so erzählt die Sage, die Ruhe der Bewohner der Stadt Sitten sehr oft gestört. Ein dreibeiniges Ross, und noch obendrein nur mit einem grossen Auge mitten auf der Stirne, zog unter klingendem Geschäll und klappernden Hufschlägen die Strassen und Gassen der Stadt auf und ab und hin und her. Am ärgsten trieb es den Spuk auf der grossen Brücke. Diese war bekanntlich beim Rathaus für die Kreuzgasse vom Schlossplatze herunter ziemlich breit angelegt, um das rechte und das linke Ufer der Sitte miteinander zu verbinden. In der übrigen Stadt führten nur schmale Holzbrücken über den Fluss; darum hiess, wie noch jetzt, die Brücke beim Rathaus "die grosse". Damals fragte wohl niemand, auf der Mitte derselben stehend, wo nun auch in Sitten die grosse Brücke sei. Als nun eines Abends das dreibeinige Ross es wieder ärger machte als gewöhnlich, fasste ein Waghals, des Lärmens überdrüssig, den Entschluss, hinaus zu gehen und zu versuchen, ob das lästige Ross zum Reiten auch tauge. Aller Abmahnungen ungeachtet wagte er sich heraus und zu ihm heran. Der Verwegene ward willig aufgenommen und munter Strasse auf- und abgetragen. Das war ein herrliches Fahren! — Aber das unheimliche Ross wurde immer grösser und stieg mit dem Reiter sichtlich in die Höhe. Als es gross und hoch genug war, lenkte es unerwartet schnell in die Kirchgasse ein und drückte denselben so unsanft an den oberen Bogen, dass er am Morgen zerquetscht und wie eine Bettdecke auf dem Boden ausgebreitet gefunden wurde. Seither stören die dreibeinigen Pferde in der Stadt Sitten die nächtliche Ruhe nicht mehr. Hr. R. Ritz erzählt über den gleichen Spuk: — In der wohllöblichen Stadt Sitten hausten lange Zeit drei Ungeheuer; das dreibeinige Ross, die grünäugige Rathaussau und der rote Stier. Wo die Rathaussau sich aufhielt, sagt schon der Name. Auch liess sie ihr Grunzen nächtlich ertönen in einem der beiden Gässchen, die neben dem Hause de Platea treppenartig in die untere Stadt führen. In dem andern dieser Gässchen lagerte der rote Stier.» Das dreibeinige Ross, mit einem glühenden Auge mitten in der Stirne, hatte sein Stammquartier im Stadtviertel Mala curia. Es tummelte sich oft in einem Baumgarten hinter der Savièse-Gasse und, wo es sich wallete, spross kein Gras mehr. Mit seinen drei Beinen trabte es gar sonderbar das Bett der Sitte hinunter und lenkte beim Rathaus durch einen kleinen Abzugskanal in die Schlossgasse ein. Wehe dem, den dann die Neugierde an's Fenster trieb! Alsbald schwoll das gespenstige Ross zu einer solchen Höhe an, dass es dem Auflauerer, auch im dritten und vierten Stocke, zum Fenster hinein entgegenglotzen konnte, worauf der Neugierige in "Winna" kam, am Gesicht aufschwoll und am Munde Ausschlag erhielt. Viel schlimmer ging's einem Bäuerlein, das an einem Markttage ein Tröpflein über den Durst getrunken hatte. Es setzte sich abends gemütlich auf das dreibeinige Ross, meinend, das wäre sein Maultier, und liess sich sorglos davontragen. Unter einem Bogen wurde es aber vom aufschwellenden Rosse zusammengedrückt zur Dicke eines Batzens. — So hat das Gespenster-Ross wohl manchen jämmerlich gefoppt. Einer aber konnte sich noch schnell durch das Hl. Kreuzzeichen retten. Als man nach der grossen Feuersbrunst 1788 den Schutt aufgrub, wegräumte und anfing wieder zu bauen, entdeckte man in der Savièse-Gasse unter einem Hause eine unterirdische Gruft und darin drei Ritter am Kartenspiel. Wie man sie berührte, zerfielen sie alsbald in Staub und Asche. — Und seither hat man das dreibeinige Ross auch nicht mehr gesehen.* * Wenn aus je drei Spielern ein dreibeiniges Ross wird, wie viel solcher Ungetüme werden dann einst in den Casinos von Sitten spucken?   Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch


Das Dusseli bei Moosleerau by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Dusseli bei Moosleerau

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Das Dusseli ist ein kleines Hündchen, das sich bei Gewittern häufig im Surenthale zeigt. Um Moosleerau sieht ein Mann nach einem heftigen Regen zum Fenster hinaus und erblickt ein Hündlein, welches er für das seines Nachbarn hält. Er ruft ihm „Dusseli-du, dä!" allein das Thier entweicht, und da der nächste Bach, über den es setzen will, eben zu breit angelaufen ist, so schwillt es selbst am Ufer zu einer schwarzen Mannsgestalt auf, geht in einem Schritte drüber weg und ist da auf der ebenen Wiese so plötzlich verschwunden, dass des Bauern herbeigerufenes Weib schon nichts mehr davon zu sehen bekommt. E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Echo am Lauiberg by (Meinrad Lienert, Sage, Schwyz)

Das Echo am Lauiberg

Source: (Meinrad Lienert, Sage, Schwyz)

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Unter dem Lauiberg beim kleinen Sihlsee auf den Yberger Alpen des Kantons Schwyz gibt's ein dreifaches Echo. Ja es gibt Leute, die schon ein vierfaches gehört haben wollen. Dort soll sich alle hundert Jahre das Echo zeigen, wenn man's in der Karfreitagsnacht anrufe, und den reich machen, der es zu erlösen vermag. Es ist schon lange her. Da ging's denn auch wieder einmal um die Osterzeit. Als nun der Karfreitag da war, schlich sich ein kräftiger Bursche aus den Häusern am Karrenboden in Unteryberg [Unteriberg] bei Nacht und Nebel hinauf durch das enge Tal der wilden Sihl. Er wußte nicht warum, aber ihn überkam ein großes Verlangen, das Echo am Lauiberg zu sehen. Noch waren Berg und Tal verschneit, aber der Schnee trug, denn er war fest gefroren. Es mochte gegen Mitternacht gehen, als der Jungbursch endlich über die schönen Weiden der Obersihlalp hinauflief. Jetzt ging der Mond über dem Flaschberg auf und beleuchtete die Alp schier taghell, die ein Aussehen hatte, als ob ein Riese aus seinem Rieseneimer lauter geschwungene Nidel (Schlagrahm) über die Weiden ausgegossen hätte. Unversehens nahte sich der Bursche dem Lauiberg, und auf einmal stand er am düstern Sihlseeli, das zu seiner Verwunderung nicht gefroren war und offen dalag. Nur von einem gähen Hange griff eine abgefahrene Lauine weit in die schwarze Flut hinein. Jetzt wurde es dem Burschen doch etwas schwer. Kein Hauch und kein Leben war um das unheimliche Wasser, und finster schauten ihn die gegenüberliegenden Abstürze an. Doch nahm er sich zusammen und rief: "Im Namen Gottes, Echo, zeige dich!" Dreimal kam sein Ruf kaum vernehmbar von den Ausläufern des Lauiberg zurück, aber nichts zeigte sich. Da rief der Bursche, kecker geworden, zum zweitenmal: "In Gottes Namen, Echo, zeige dich!" Von neuem widerhallte es dreimal aus den Flühen, und diesmal also deutlich, daß er schier erschrocken einen Schritt zurücktrat. Doch alles blieb tot und leer. Jetzt setzte er beide Hände an den Mund und rief zum drittenmal: "Im Namen Gottes, Echo, zeige dich!" Da kam sein Ruf so deutlich zurück, daß er sich, ängstlich auffahrend, umsah, denn es war, als hätte jemand neben ihm die Worte wiederholt. Und auf einmal sah er, wie sich aus einer Rinne am Abhang des andern Seeufers ein weißes Nebelchen löste, gegen das dunkle Seeli hinabgeisterte und über das offene Wasser gegen ihn heranschwebte. Da packte ihn Entsetzen, denn wie er genauer hinsah, gewahrte er, wie sich das Nebelchen nach und nach in ein weißes Gewand verwandelte. Und nun sah er deutlich im Mondlicht ein wunderschönes aber bleiches Gesicht aus den weißen Gewändern auftauchen, das ihm freundlich zulächelte. Immer näher kam es, und seine langen Haare leuchteten wie lauter lötiges Gold. Jetzt sank er halbtot vor Grausen in die Knie, verdeckte die Augen und rief laut: "Jesus Maria!" "Jesus Maria!" widerhallte es dreimal unsäglich traurig vom See her. Erst ganz nahe, dann ferner und zum drittenmal leise, kaum hörbar. Wie er wieder aufschaute, gewahrte er nur noch ein weißes Nebelchen, das in der Bergrinne am andern Ufer eben zerfloß. Von der Mitte des düstern Seeleins an aber waren auf dem dunklen Wasser helleuchtende goldene Fußstapfen zu sehen, die zweireihig ins Gelände hinüberliefen. Lange staunte sie der Bursche an, und nun überkam ihn ein fürchterliches Heimweh nach dem Echo, das sich ihm gezeigt und das so wunderschön gewesen war. Es begann ihn bitter zu reuen, daß er nicht still gewartet hatte, bis es bei ihm ankam, da hätte er's wohl erlösen und den Schatz im Lauiberg gewinnen können. Traurig ging er heim. Er konnte aber das verwunschene Echo nicht mehr vergessen. Noch zweimal stieg er in der Karfreitagsnacht hinauf trotz aller Warnungen seiner Großmutter. Aber wie er auch rief, das Echo zeigte sich nicht wieder. Als er aber das drittemal hinaufstieg, da war der kleine Bergsee fest zugefroren, doch lagen bis dahin, wo der junge Karrenbödler stand, die seltsamen goldenen Tapfen, die er einst auf dem offenen Wasser gesehen hatte. Er faßte sich ein Herz und trat in die goldenen Fußstapfen. Also kam er gut bis fast ans Ufer, wo aus der Bergrinne im Gehäng ein weißes Nebelchen aufzutauchen schien. Er blickte starr zu ihm hinauf, und nun hörte er ein wunderliebliches Klingeln. Er hastete wie wahnwitzig vorwärts. Schon war er dem Ufer nahe, schon war ihm, als sehe er etwas Goldenes in der Bergrinne blitzen, da ging auf einmal das Eis unter seinen Füßen auf, und er versank hart am Ufer in die dunkle Flut. Wie er sich doch noch ans Bord brachte, weiß kein Mensch, denn das wußte er selber nicht zu sagen. Aber seit jener Nacht war er nicht mehr recht im Kopf. Er redete kein Wort mehr. Nur in den Vollmondnächten trat er oft ans Fenster und rief in die Nacht hinaus: "Im Namen Gottes, Echo, zeige dich!" In hellen Nächten aber kann man die goldenen Fußtritte des verwunschenen Bergechos auf dem Sihlseeli noch sehen bis auf den heutigen Tag. Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Echowybli by (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

Das Echowybli

Source: (G. Müller/P. Suter, Sage, Basel)

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Wenn man von der Höhe der Bergmatte «Im Örli» über den steilen Geissrain auf den bewaldeten Rücken westlich der Örlenfluh gestiegen ist und dort oben einen frohen Jauchzer erschallen lässt, dann hört man ein mehrfaches wunderbares Echo. Besonders von den Studenflühen her, wo es zuletzt in eigentümlich zarten, sanft abschwellenden Tönen wie eine schlichte Melodie verklingt. Dort in jenen Flühen lebte das Echowybli in unaufspürbarem Schlupf. Alte Männer wollen es in ihrer Jugend gesehen haben. Es war klein und trug ein Kleid, das rot aufleuchtete, aber nur Augenblicke lang bemerkbar war. Der Guggerhans, der alte originelle Weidhirte des Dörfleins Liedertswil, erzählte, er habe es vom «Kleinen Wald» beobachtet, wenn er im Sommer die Herde dort hinaufgetrieben hatte und ausruhte. Einmal sei er ihm möglichst geräuschlos nachgestiegen. Als er ihm schon ganz nahe war, löste sich ein Stein unter seinem Fuss. Hans glitschte aus und rutschte ein Stück weit eine steile Geröllhalde hinunter. Als er sich wieder aufrichtete und nach dem Wybli umsah, war es verschwunden, und ein grosser Vogel flog rauschend durch den Bergwald. Von da an habe er das Wybli nie mehr gesehen. Das Echo ist aber das gleich schöne und eigenartige geblieben und entzückt jeden, der dort oben jauchzt und lauscht, bis es fern verklingt. Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchen.ch


Das Edelfräulein von Helmetingen by (Nikolaus Bongard, Sage, Freiburg)

Das Edelfräulein von Helmetingen

Source: (Nikolaus Bongard, Sage, Freiburg)

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Der rüstige Wanderer, welcher vom «Bürglenstutz» an die alte Kantonalstrasse nach Tentlingen einschlägt, erblickt kurz vor dieser Ortschaft zur linken Hand den einsamen Bauernhof Helmetingen. Einst soll er Eigentum einer freiburgischen Patrizierfamilie gewesen sein. Bevor man zum Hof gelangt, passiert man hinter Rothaus einen Hohlweg, auf dessen Höhe ein zum Landgut gehöriges Kapellchen steht. Es ist der heiligen Anna geweiht. Um diese Kapelle hat der Volksglaube mehrere sinnreiche Sagen gesponnen. Eine nur wenigen Anwohnern bekannte Legende mag hier zur Unterhaltung des Lesers folgen: Vor einigen Jahrzehnten diente beim «Helmetinger», wie der Besitzer des Anwesens im Volksmund hiess, ein alter, erprobter Dienstknecht namens Wulli (Ulrich). Man konnte ihn zwar nicht beschuldigen, das Schiesspulver erfunden zu haben; es war eine schlichte, einfache Seele, ohne Falsch und Arglist, aber seiner Herrschaft treu und ergeben, wie selten einer zu finden war. Seine Pflichten erfüllte er stets mit gleicher Gewissenhaftigkeit wie vom ersten Tage an, wo er nach Schulentlassung auf den Hof gekommen war. Wullis Arbeitsfeld war der Rossstall, die Pferde füttern und reinlich halten war seine Aufgabe. Ausserdem musste er mit dem Milchwagen täglich in die Stadt fahren und den verschiedenen Stadtfrauen MiIch liefern. Ein braves Eselchen zog das leichte Fuhrwerk. Hatte Wulli seine Milchbrenten und «Tutteln» (Milchkannen) geleert, musste er dem Bauer etwa ein «Päckli Tubak», einige Nägel oder sonstige Kleinigkeiten einkaufen, der Bäuerin Bierhefe zum Brotbacken, oder einem kranken Nachbarn ein Gütterli vom Doktor oder Apotheker mitbringen. Aller dieser Aufträge entledigte sich der Knecht genau, ohne etwas zu vergessen. Als Wulli an einem frühen Sommermorgen mit seinem Freund Langohr wohlgemut durch den Hohlweg trabte, begegnete ihm etwas Merkwürdiges. Beim Kapellchen hielt das Tier plötzlich still und bockte. Der Fuhrmann versuchte es zuerst mit gütlichem Zureden, dann mit Drohungen; ja, als diese Mittel nichts halfen, tat er, was sonst nie notwendig war bei seinem Grautierchen. Er hieb dem Widerspenstigen einige kräftige Peitschenhiebe über Rücken und Ohren. Allein das Eselchen tat wie sein alttestamentlicher Bruder weiland beim Propheten Bileam. Es war durch keine Gewalt vorwärts zu bringen. Es blickte seinen Gebieter traurig an, als wollte es sagen: «Warum schlägst du mich so grausam? Ich kann ja nicht weiterziehen.» Da blieb dem Milchmann nichts anderes übrig als einen Umweg zu machen. Kaum hatte er sein Gefährt umgekehrt, folgte der Esel wieder. Über Wiler und Grenchen zog Wulli mit dem Milchwagen nach Freiburg und traf mit grosser Verspätung in der Stadt ein, wo ihn Hausfrauen und rotbackige Dienstmägde ungeduldig erwarteten. Der Knecht sprach kein Wort über den Grund seiner Verspätung. Aber die Sache beim Gebetshäuschen ging ihm nicht aus dem Sinn. «Hier ist etwas nicht in Ordnung gewesen», urteilte er. «Mein braves Grautierchen ist verhext. Sonst wäre es nicht so bockbeinig gewesen.» Am Liebfrauenplatz hatte Wulli einen alten Jugendfreund, den schlauen Hufschmied Heino. Beide stammten aus dem gleichen Dorfe - beide hatten auf derselben Schulbank ihre Zwilchhosen durchgerieben. Der Schmied stand zudem im Rufe «mehr zu können als Schwarzbrot essen»; er galt als ein Zauberer. Also ging Wulli in seiner Not zum Freund und erzählte, was ihm heute Kurioses passiert sei. Aufmerksam hörte der Schmied zu, während er sich seine kohlschwarzen Locken kraute. Nach einiger Überlegung gab er ihm folgenden Rat: «Hier gebe ich dir einen kleineren Hammer. Nimm denseIben das nächste Mal mit auf den Weg. Wenn dir bei der Kapelle das gleiche Hindernis sich entgegenstellt, dann greif schnell zum Hammer und schlage am rechten Vorderrad deines Milchwägelchens eine Speiche heraus. Damit wird dir geholfen werden. Aber teile vom Vorgefallenen niemand etwas mit.» Der gute Wulli dankte seinem Freund recht herzlich und versprach, alles so auszuführen, wie ihm aufgetragen sei. Wohlgetröstet kehrte er heim und teilte seinem Herrn kein Wort mit von seinem Erlebnis. Am nächsten Morgen trat er wieder den gewohnten Weg an. Und richtig! Bei der Kapelle blieb der Esel stehen wie am vorigen Tag. Hurtig griff Wulli nach des Schmieds Weisung zum Hammer und schlug vom rechten Vorderrad eine Speiche weg. Aber was war denn das? Kaum hatte der Knecht den Hieb getan, stand ein hübsches, zierliches Edelfräulein in alter Tracht vor ihm. Auf dem Haupte trug es ein güldenes Krönlein. Ein gelbes Gewand kleidete die Gestalt. Als das Fräulein den Alten mit dem Hammer erblickte, fing es an, laut zu weinen. Der Knecht getraute sich kein Wort zu sprechen, sondern bekreuzigte sich ein ums andere Mal; so schnell es gekommen, ebenso schnell verschwand das Fräulein, ohne etwas zu sagen. Der erstarrte Wulli dachte, es sei eine unerlöste arme Seele gewesen, vielleicht eine frühere Bewohnerin des Landgutes. Aber merkwürdig! Jetzt trabte der Esel ungescheut voran, wie früher. Als Wulli die Milch verteilt hatte, ging er zu den «Barfüssern» (Franziskanern) und bestellte dort aus seinen Ersparnissen einige heilige Messen für die armen Seelen. Dann gab er dem Schmied Heino den Zauberhammer zurück; er mochte ihn nicht länger bei sich behalten. Erleichtert fuhr er mit seinem Gespann nach Helmetingen zurück. Fortan konnte er ungeschoren mit seinem Freund Langohr an der gefährlichen Stelle vorbeiziehen. Das Fräulein kam nicht wieder. Seiner Lebtag verschloss der Alte sein wunderliches Erlebnis in seinem Innern. Erst auf dem Todbette erzählte er seinen nächsten Anverwandten davon. Er beteuerte bei seiner ewigen Seligkeit, die er zu erlangen hoffte, dass dieser Vorfall wahr sei. Ein Nachkomme von Wullis Familie hat nun diese eigentümliche Geschichte wiedererzählt.   Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Edelfräulein von Helmetingen by (Senseland , Sage, Freiburg)

Das Edelfräulein von Helmetingen

Source: (Senseland , Sage, Freiburg)

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Wer auf der alten Strasse von Tentlingen nach Freiburg zieht, der erblickt nach kurzer Wanderung zu seiner Rechten einen grossen, einsamen Bauernhof. Das ist Helmetingen. Einst soll er Eigentum einer freiburgischen Patrizierfamilie gewesen sein. In der Nähe des Hofes geht man durch einen tief eingeschnittenen Hohlweg, auf dessen Höhe eine kleine, von Bäumen beschattete Kapelle steht. Sie ist der heiligen Anna geweiht. Eine steinerne Treppe führt von der Strasse zum Heiligtum empor. Hier ist der Schauplatz einer alten, halbvergessenen Sage. Vor langen Jahren diente beim „Helmetinger“, wie der Besitzer des Anwesens im Volksmund hiess, ein alter, erprobter Knecht, namens Wulli (Ulrich). Man konnte ihn zwar nicht beschuldigen, das Schiesspulver erfunden zu haben. Er war eine schlichte, einfache Seele, ohne Falsch und Arglist, und seinem Herrn treu ergeben. Wullis Arbeitsfeld war der Rossstall. Die Pferde füttern und reinlich halten war seine Aufgabe. Ausserdem musste er mit dem Milchwagen täglich in die Stadt fahren und den verschiedenen Stadtfrauen Milch liefern. Ein braves Eselchen zog das leichte Fuhrwerk. Hatte Wulli seine Milchkannen geleert, musste er dem Bauer vielleicht noch ein Päckli Tubak kaufen, der Bäuerin Hefe zum Brotbacken, oder einem kranken Nachbar ein Gütterli vom Doktor oder Apotheker mitbringen. Aller dieser Aufträge entledigte sich der Knecht genau, ohne etwas zu vergessen. Als Wulli einst an einem Sommermorgen mit seinem Freund Langohr wohlgemut durch den Hohlweg trabte, begegnete ihm etwas Merkwürdiges. Beim Kapellchen hielt das Tier plötzlich still und bockte, der Fuhrmann versuchte es zuerst mit gütlichem Zureden, dann mit Drohungen. Ja, als diese Mittel nichts halfen, tat er, was sonst bei Grautierchen nie notwendig war. Er hieb dem Widerspenstigen kräftige Peitschenhiebe über Rücken und Ohren. Allein das Eselchen tat wie sein alttestamentlicher Bruder weiland beim Propheten Bileam. Es war durch keine Gewalt vorwärts zu bringen. Es guckte seinen Gebieter traurig an, als wollte es sagen: „Warum schlägst du mich so grausam? Ich kann ja nicht weiterziehen.“ Da blieb dem Milchmann nichts anderes übrig als einen Umweg zu machen. Kaum hatte er sein Gefährt umgekehrt, folgte der Esel wieder. Über Wiler und Grenchen zog Wulli mit dem Milchwagen nach Freiburg und traf mit grosser Verspätung in der Stadt ein, wo ihn Hausfrauen und Dienstmägde ungeduldig erwarteten. Der Knecht sprach kein Wort über den Grund seiner Verspätung. Aber die Sache beim Gebetshäuschen ging ihm nicht aus dem Sinn. „Hier ist etwas nicht in Ordnung gewesen“, urteilte er. „Mein braves Grautierchen ist verhext, sonst wäre es nicht so bockbeinig gewesen.“ - Am Liebfrauenplatz hatte Wulli einen alten Jugendfreund, den schlauen Hufschmied Heino. Beide stammten aus dem gleichen Dorfe, beide hatten auf derselben Schulbank ihre Zwilchhosen durchgerieben. Der Schmied stand zudem im Rufe „mehr zu können, als nur Schwarzbrot essen“. Also ging Wulli in seiner Not zum Freund und erzählte, was ihm heute Kurioses passiert sei. Aufmerksam hörte der Schmied zu, während er sich seine kohlschwarzen Locken kraute. Nach einiger Überlegung gab er ihm folgenden Rat: „Hier gebe ich dir einen Hammer. Nimm denselben das nächste Mal mit auf den Weg. Wenn dir bei der Kapelle das gleiche Hindernis sich entgegenstellt, dann greif schnell zum Hammer und schlage am rechten Vorderrad deines Milchwägelchens eine Speiche heraus. Damit wird dir geholfen werden. Aber teile vom Vorgefallenen niemand etwas mit.“ Der gute Wulli dankte seinem Freund recht herzlich und versprach, alles so auszuführen, wie ihm aufgetragen sei. Wohlgetröstet kehrte er heim und teilte seinem Herrn kein Wort mit von seinem Erlebnis. Am nächsten Morgen trat er wieder den gewohnten Weg an. Und richtig . Bei der Kapelle blieb der Esel stehen wie am vorigen Tag. Hurtig griff Wulli nach des Schmieds Weisung zum Hammer und schlug vom rechten Vorderrad eine Speiche weg. Aber was war denn das? Kaum hatte der Knecht den Hieb getan, stand ein hübsches, zierliches Edelfräulein in alter Tracht vor ihm. Auf dem Haupte trug es ein goldenes Diadem. Ein kostbares gelbes Gewand kleidete die Gestalt. Als das Fräulein den Alten mit dem Hammer erblickte, fing es an laut zu weinen. Der Knecht getraute sich kein Wort zu sprechen, sondern bekreuzte sich ein ums andere Mal. So schnell wie es gekommen, so schnell verschwand das Fräulein wieder, ohne etwas zu sagen. Der erstarrte Wulli dachte, das sei gewiss eine unerlöste arme Seele gewesen. Vielleicht eine frühere Besitzerin des Landgutes, die in ihrem Leben irgendein Unrecht getan und es nie wieder gutgemacht hatte. - Doch siehe! Nun war der Bann gebrochen. Der Esel setzte sich mit seinem Wagen in Bewegung und trottete, als wäre nichts geschehen, gemächlich der Stadt zu. Als Wulli die Milch verteilt hatte, ging er zu den Barfüssern und bestellte dort aus seinen Ersparnissen einige heilige Messen für die armen Seelen. Dann gab er dem Schmied Heino den Hammer zurück. Er mochte ihn nicht länger bei sich behalten. Erleichtert fuhr er mit seinem Gespann nach Helmetingen zurück. Fortan konnte er ungeschoren mit seinem Freund Langohr an der gefährlichen Stelle vorbeiziehen. Das Fräulein kam nicht wieder. Seiner Lebtag verschloss der Alte sein wunderliches Erlebnis in seinem Innern. Erst auf dem Todbette erzählte er seinen nächsten Verwandten davon. Er beteuerte bei der ewigen Seligkeit, die er zu erlangen hoffe, dass dieser Vorfall wahr sei. P. Niklaus Bongard   Quelle: German Kolly, Sagen aus dem Senseland, Freiburg 1965. Mit freundlicher Genehmigung der Verlag Herder GmbH. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.Maerchen.ch    


Das ehemalige Lazariterkloster zu Seedorf by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das ehemalige Lazariterkloster zu Seedorf

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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soll so reich gewesen sein, dass ein Klosterherr, der von Seedorf nach Jerusalem reiste, jeden (oder jeden zweiten) Abend auf seines Gotteshauses Eigentum übernachten konnte. Nach Jerusalem seien die Ritter öfters gereist; einmal seien sie nicht mehr zurückgekehrt, und dann sei das Ritterkloster verödet und die Besitzungen in Italien und anderswo seien verloren worden. K. Zgraggen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Eimerchen by (Tessin, Zaubermärchen, Tessin)

Das Eimerchen

Source: (Tessin, Zaubermärchen, Tessin)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 480

In einem Bauernhaus lebte einmal eine Frau mit ihren zwei Töchtern. Das eine Mädchen war freundlich und fleissig, das andere wusste kein nettes Wort zu sagen und war noch faul dazu. Die Mutter jedoch mochte das freundliche viel weniger als das unfreundliche Mädchen. Ja sie lobte die faule Tochter und schimpfte mit der fleissigen. Einmal sagte sie zu der faulen Tochter: «Nimm dieses Eimerchen und geh zum Ziehbrunnen, um Wasser zu holen.» Das faule Mädchen hatte aber gar keine Lust und wollte nicht gehen. Also kam das fleissige Mädchen, nahm das Eimerchen und machte sich auf den Weg zum Brunnen. Beim Ziehbrunnen war ein Rad und daran ein Seil, damit konnte man das Eimerchen in den Brunnen hinablassen, mit Wasser füllen und wieder heraufziehen. Das Mädchen liess das Eimerchen in den Brunnen herab. Doch als es am Seil zog, um das Eimerchen wieder heraufzuholen, riss das Seil entzwei und das Eimerchen verschwand im tiefen Brunnen. «Oh weh!», rief das Mädchen. «Die Mutter wird mit mir schimpfen und mich schlagen, wenn ich ohne Eimerchen nach Hause komme. Was soll ich nur tun?» Schliesslich beschloss das Mädchen in den Brunnen hinab zu klettern und das Eimerchen und das Seil zu holen. Der Brunnen war nicht tief und so hielt es sich mit den Händen an der Mauer fest und stieg hinunter. Es war noch nicht beim Wasser angekommen, da sah es in der Mauer ein Türchen. «Wer mag wohl hier wohnen?», dachte es. «Ich will anklopfen.» Es klopfte ans Türchen und ein alter Mann mit einem langen Bart öffnete. Das Mädchen fragte: «Habt ihr mein Eimerchen und das Seil gefunden?» Aber der Alte schüttelte den Kopf und sagte: «Nein, mein Kind», und schloss das Türchen wieder. Das Mädchen kletterte weiter und kam an ein zweites Türchen. Es klopfte und fragte: «Habt ihr mein Eimerchen und das Seil gefunden?» Da öffnete ein schrecklicher Teufel und schrie:  «Nein! Ich habe dein Eimerchen und dein Seil nicht gesehen!» und machte das Türchen wieder zu. Das Mädchen kletterte weiter, fand eine drittes Türchen, klopfte an und da öffnete die Himmelskönigin Maria. «Habt ihr mein Eimerchen und das Seil gefunden?», fragte das Mädchen. «Ja, das habe ich», sagte Maria mit sanfter Stimme. «Aber, sag, mein liebes Mädchen, könntest du nicht eine Weile auf mein Söhnchen aufpassen, ihm Milch und Brot geben und ein wenig mein Haus putzen, während ich fort bin?» Damit war das Mädchen einverstanden. Es trat durch das Türchen in das Haus der Himmelskönigin, gab dem Bübchen ein wenig Brot und Milch und als es putzen wollte, fand es anstatt Staub Perlen und Edelsteine am Boden. Diese sammelte es ein und legte sie auf den Tisch, um sie der Hausherrin zu geben. Bald kam Maria nach Hause. Sie schaute sich um und sah, dass das Mädchen das Bübchen gut gefüttert und das Haus schön geputzt hatte und war zufrieden. Das Mädchen zeigte ihr die Schätze und sagte: «Seht, was ich am Boden gefunden habe!» «Diese Schätze darfst du alle behalten. Du sollst aber auch ein neues Kleid bekommen. Möchtest du eines aus Leinen oder aus Seide? «Ach», sprach da das Mädchen, «ich bin keine Prinzessin, ich nehme lieber eines aus Leinen.» Die Himmelskönigin gab dem Mädchen jedoch ein prächtiges Kleid aus Seide. «Ich möchte dir auch noch einen Fingerhut schenken. Möchtest du einen aus Messing oder aus Silber?» «Ich bin ein Bauernmädchen. Silber ist für mich zu wertvoll.» Maria aber schenkte ihr einen silbernen Fingerhut. Dann holte sie das Eimerchen und das Seil, gab es dem Mädchen in die Hand und sagte: «Geh nun diesen Gang entlang. Wenn du am Ende angekommen bist, so schau in die Höhe.» Das Mädchen bedankte sich und lief den unterirdischen Gang bis zu Ende. Dann schaute es nach oben und da fiel ihm ein glänzender, wunderschöner Stern mitten auf die Stirn. Glücklich kehrt es nach Hause zurück. Die Mutter aber wartete schon. Mit lauten Worten schimpfte sie, und wollte das Mädchen schon schlagen, da sah sie auf einmal den Stern auf der Stirn. «Wo bist du gewesen und woher hast du diesen Stern?», wollte sie wissen. «Ich war bei der Himmelskönigin und habe das Eimerchen und das Seil zurückgeholt», erzählte das Mädchen.  Die Mutter nahm ein Tuch und wollte den glänzenden Stern wegmachen. Aber je mehr sie wusch, umso mehr strahlte der Stern. Jetzt wollte die Mutter ganz genau wissen, wie alles vor sich gegangen war und auch die Schwester hörte zu. «Ich will auch dahin gehen und einen Stern und Schätze bekommen!», sagte sie. Trotzig lief sie zum Brunnen. Dort angekommen, warf sie den Eimer und das Seil hinein. Dann kletterte sie hinunter und kam zum ersten Türchen. Sie klopfte laut und rief: "Gebt mir mein Eimerchen und mein Seil zurück!» Der Alte öffnete, schüttelte den Kopf und sagte: "Ich habe dein Eimerchen und dein Seil nicht gesehen", dann schloss er das Türchen wieder. Das Mädchen kletterte tiefer, klopfte an das zweite Türchen und rief: «Gebt mir mein Eimerchen und mein Seil zurück!» Der schreckliche Teufel öffnete und sagte: «Ich habe dein Eimerchen und dein Seil nicht gesehen, aber du kannst zu mir kommen und bei mir arbeiten.» Das wollte das faule Mädchen nicht und so kletterte es schnell weiter bis zum dritten Türchen. «Gebt mir mein Eimerchen und mein Seil zurück!», rief es. Die Himmelskönigin öffnete das Türchen und sprach freundlich: «Dein Eimerchen und das Seil habe ich gefunden. Aber sag, könntest du nicht auf mein Bübchen aufpassen, ihm Milch und Brot geben und das Haus putzen, während ich fort bin?» Das faule Mädchen nickte und so ging die Himmelskönigin davon. Das Mädchen aber ass das Brot ganz allein und trank die Milch aus, ohne dem Bübchen etwas davon zu geben. Dann hielt es ein Nickerchen und schliesslich nahm es einen Besen und machte sich auf die Suche nach den Perlen und Edelsteinen von denen die Schwester mitgebracht hatte. Aber es fand nur Staub und Dreck am Boden.  «Ach ich Arme!», rief es aus. «Meine Schwester hat so viele schöne und wertvolle Dinge gefunden und ich nur Staub und Dreck!»  Kurz darauf kam Maria nach Hause zurück. Das Bübchen schaute traurig, weil es nichts zu essen und zu trinken bekommen hatte, und am Boden lag der Dreck herum. Maria fragte: «Hast du alles so getan, wie ich es dir aufgetragen hatte?» «Ja», sagte das faule Mädchen. «Nun», sprach Maria, «dann will ich dich nach deiner Arbeit belohnen. Möchtest du ein Kleid aus Seide oder aus Leinen?» «Aus Seide!», rief das Mädchen, «wie eine Prinzessin!» Doch die Himmelskönigin gab ihm ein Kleid aus Leinen.  «Und der Fingerhut?», wollte das Mädchen wissen. «Welchen möchtest du denn haben, den aus Messing oder den aus Silber?» «Den Silbernen, den Wertvollen!» Maria gab der faulen Schwester jedoch den aus Messing. Dann gab sie ihr das Eimerchen und das Seil und sprach:  «Da nimm, hier ist dein Eimerchen und das Seil. Und wenn du hinauskommst von hier, so schau in die Höhe!»  Am Ende des Ganges schaute die Schwester in die Höhe. Aber ohje! Anstatt eines schönen Sterns, fiel ihr Kuhmist auf die Stirn und verschmierte ihr das ganze Gesicht.  Wütend kehrte sie Mädchen nach Hause zurück und weinte. Kaum im Haus fing sie an zu schimpfen mit der Schwester: "Du hast einen schönen Stern bekommen und ich muss mit Kuhmist herumlaufen!» Die Mutter wollte ihr das Gesicht waschen, doch soviel sie auch wusch, der Kuhmist verteilte sich nur noch mehr auf dem ganzen Gesicht.  Als die Mutter die beiden Schwestern so vor sich sah, die eine mit dem Stern, die andere mit dem Kuhmist auf der Stirn, sprach sie: «Jetzt erst sehe ich, dass ich ungerecht war. Zu dir, Sternenmädchen, war ich böse und zu Dir, meine Tochter, war ich zu gut. Von heute an will ich zu euch beiden gleich freundlich sein.» Und was die Mutter versprochen hatte, das hielt sie auch. Ob der Kuhmist je wieder abgegangen ist, das weiss ich nicht. Der Stern auf der Stirn des Mädchens jedoch leuchtete sein Leben lang.   Quelle: Fassung Djamila Jaenike, nach: W.  Keller, Tessiner Sagen und Volksmärchen, erzählt in Campestro von Silvio Savi, 1927, Zürich 2000   Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Eimerchen by (Walter Keller, Zaubermärchen, Tessin)

Das Eimerchen

Source: (Walter Keller, Zaubermärchen, Tessin)

Category: Kategorie: Zaubermärchen / ATU-Nr: 480

Es war einmal eine Mutter. Die hatte zwei Töchter, eine herzensgute und eine schlechte. Und was merkwürdig war, die Mutter liebte viel mehr das ungezogene Mädchen. Eines Tages sagte sie zu der Bösen: «Nimm dieses Eimerchen und geh zum Ziehbrunnen, um Wasser zu holen.» Die Unfolgsame wollte aber nicht gehen. Da kam die gute Tochter herbeigesprungen, trat vor die Mutter und sagte: «So will ich gehen, liebe Mutter.» Aber als sie an die Zisterne kam und am Seil zog und das Rad sich umdrehte, brach das Seil entzwei und fiel samt dem Eimer in den Brunnen. «0 weh, ich Arme!» rief das Mädchen aus, «wenn ich ohne Eimerchen nach Hause komme, wer weiss, was mir die Mutter antun wird!» Mutig und unerschrocken stieg sie daher in den Ziehbrunnen hinab, wobei sie sich mit den Händen und Füßen half. Zum Glück war er nicht allzu tief. Noch ehe sie jedoch zum Wasserspiegel hinab gelangte, bemerkte sie an der Mauer eine kleine Tür. Sie klopfte an und fragte: «Habt ihr den Fisch und das Fischlein, das Seil und das Eimerchen nicht gefunden?» Da kam ein heiliger Waldbruder hervor und antwortete: «Nein, mein Töchterlein.» Darauf ging sie vorwärts, fand eine andere kleine Tür, klopfte an und fragte wieder: «Habt ihr den Fisch und das Fischlein, das Seil und das Eimerchen nicht gefunden?» Aber es wohnte der Teufel dort, und als er sah, dass er es mit einem guten Mädchen zu tun hatte, schrie er ihm wütend zu: «Nein!» Das Mädchen ging also weiter, fand eine dritte Tür, klopfte und fragte wiederum: «Habt ihr den Fisch und das Fischlein, das Seil und das Eimerchen nicht gefunden?» Es wohnte aber dort die Himmelskönigin Maria. Die sprach zu ihr mit sanfter Stimme: «Ja, mein liebes Mädchen, aber höre: Wärest du nicht so gut und würdest dableiben, während ich eine Weile fortgehe? Ich habe dir hier mein Söhnchen, dem könntest du Brot und Milch geben. Dann könntest du wischen und alle Hausgeschäfte besorgen. Wenn ich zurückkomme, so werde ich dir das Seil und das Eimerchen geben.» Und damit ging die Madonna fort. Das gute Mädchen blieb also da, gab dem Büblein Brot und Milch und fing dann an zu wischen. Aber anstatt Staub und Schmutz fand es Perlen und andere Kostbarkeiten von großem Wert. Es legte diese Kleinodien beiseite, um sie ihrer Herrin zu übergeben, wenn sie zurückgekehrt sei. Nicht lange darnach kam diese wirklich und fragte: «Hast du alles besorgt, was ich dir aufgetragen habe?» «Ja, gnädige Frau, aber schaut einmal die schönen Dinge an, die ich fand, als ich den Boden wischte!» «Nun gut, die darfst du für dich behalten, mein liebes Kind. Und jetzt sage mir: Möchtest du lieber ein Kleid aus Baumwollstoff oder aus Seide?» «Oh, gnädige Frau, die Bauernmädchen tragen keine seidenen Kleider. Gebt mir lieber eines aus Baumwolle.» Die Madonna gab dem Kind ein Kleid aus prächtiger Seide. Dann fragte sie weiter: «Möchtest du lieber einen Fingerhut aus Messing oder einen aus Silber?» «Die Bauernmädchen verwenden keine silbernen Fingerhüte», sagte es bescheiden, «gebt mir lieber einen aus Messing.» «Nein», versetzte die holde Frau, «du sollst einen silbernen haben. Und dann schau, nimm hier, dieses ist dein Eimer und das Seil. Und wenn du am Ende dieses Ganges ankommst, so blicke in die Höhe!» Als das Mädchen ans Ende des unterirdischen Ganges gelangte, schaute es in die Höhe, und da fiel ihm ein wunderlieblicher Stern gerade mitten auf die Stirn. Darauf kehrte es nach Hause zurück. Die Mutter lief ihrer Tochter voller Zorn entgegen und schalt sie heftig, dass sie so lange weggeblieben sei. Sie wollte sie schon schlagen, als sie den prächtigen Stern auf des Mädchens Stirn erblickte, der einen zauberhaften Glanz ausstrahlte. «Wo bist du denn gewesen die ganze Zeit? Und wer hat dir jenes Ding auf die Stirne gesetzt?» fragte die Mutter. «Ich weiss nicht, was ich auf der Stirn habe», antwortete das Mädchen. Die neidische Mutter wollte den Stern wegwaschen, aber je mehr sie ihn wusch, desto herrlicher strahlte der Stern. Darauf erzählte das Mädchen ganz genau, was ihr begegnet war. Jetzt wollte die böse Schwester auch zum Brunnen gehen. Sie lief zur Zisterne und tat, was ihre gute Schwester gemacht hatte. Dann ließ sie den Eimer und das Seil mit Absicht in den Brunnen fallen. Hernach stieg sie hinab und klopfte an die Tür des Heiligen mit den Worten: «Habt ihr den Fisch und das Fischlein, das Seil und das Eimerchen nicht gefunden?» «Nein, mein schönes Töchterlein», war die Antwort. Darauf ging sie zur nächsten Tür und klopfte wieder: «Habt ihr den Fisch und das Fischlein, das Seil und das Eimerchen nicht gefunden?» «0 nein, ich habe nichts gefunden», antwortete der Teufel, «aber komm herein zu mir, mein hübsches Mädchen, komm hierher!» «Nein, nein, ich will vorwärtsgehen.» Endlich kam es zur Tür der Madonna und fragte: «Habt ihr den Fisch und das Fischlein, das Seil und den Eimer nicht gefunden?» - «Ja freilich», erwiderte die glorreiche Mutter. «Aber höre, ich muss jetzt fortgehen. Du bleibst da und gibst meinem Kindchen Brot und Milch zu trinken. Und dann kannst du den Boden wischen. Wenn ich zurückkomme, will ich dir das Seil und das Eimerchen wieder geben.» Und damit liess sie das Mädchen allein. Die böse Tochter aber ass und trank, statt dem Kindchen Brot und Milch zu geben, alles selber auf. «0 wie fein ist das gewesen!» rief sie aus. Dann machte sie sich ans Wischen, fand aber nur Staub und Unrat. «Ach, ich Arme», sagte sie, «meine Schwester hat so viele schöne und wertvolle Dinge gefunden.» Nach einer Weile kam die Madonna zurück. «Hast du alles getan, was ich dir aufgetragen habe?» «Ja.» «Und nun, möchtest du lieber einen Fingerhut aus Messing oder aus Silber?» «0, ich will jenen aus Silber.» Da gab ihm die Madonna einen aus Messing. «Möchtest du lieber ein Kleid aus Baumwolle oder aus Seide?» «Gebt mir lieber das von Seide.» Aber die Frau gab ihr das baumwollene Kleid. «Da nimm, hier ist dein Eimerchen und das Seil. Und wenn du hinauskommst von hier, so schau in die Höhe!» Am Ende des Ganges schaute das Mädchen in die Höhe. Aber siehe, da fiel ihr anstatt eines schönen Sterns Kuhmist auf die Stirn und verschmierte ihr das ganze Gesicht. Wütend kehrte die Böse nach Hause zurück und weinte. Dort fing sie sofort mit der Schwester Streit an, weil jene einen wundervollen Stern hatte, während sie mit jenem Unrat im Gesicht herumlaufen musste. Die Mutter wollte ihr sogleich das Gesicht waschen; aber es nützte gerade so viel, wie wenn man schwarze Wolle weiß waschen wollte. Der Flecken verschwand nie mehr. «Nun begreife ich», sagte die Mutter, «die Madonna tat dies, weil sie mir zeigen wollte, dass ich die böse Tochter lieber habe und jene gute vernachlässige.» Quelle: Walter Keller, Tessiner Sagen und Volksmärchen, erzählt in Campestro von Silvio Savi, 1927, Edition Olms Zürich 2000     Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das eingemauerte Gespenst by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das eingemauerte Gespenst

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Im Wyler zu Gurtnellen stand noch vor wenigen Jahrzehnten ein uraltes Holzhaus an einer Biegung der Gotthardstrasse, das zwei Brüdern Tresch gehörte, von denen es ein Vetter mit dem hübschen Spitznamen »der Horäsager« erbte. Auf der Rückseite des Häuschens war ein kleines Gemach angebaut; niemand betrat es, denn es war, wie mir ein alter Mann sagte, von allen Seiten zugemauert. Ja, viele mieden es schon von weitem, denn es hiess, es sei darinnen ein Gespenst verbannt. Vor alten Zeiten kam einmal, als gerade beide Türen des Hausganges in diesem Häuschen gegen einander offen standen, ein Fraueli des Weges, betrat das Haus und sagte zu den Inwohnern: »Ich komme aus den Niederlanden und muss wandern, bis ich von der Strasse aus durch ein offenes Haus hindurch wieder auf die Strasse hinaussehe. Wenn ich ein solches Haus treffe, darf ich mich darinnen niederlassen. Da dies hier zutrifft, so bleibe ich hier; ich habe das Recht dazu.« – Und es blieb nun da und hielt sich ruhig in einer Firstkammer. Man hörte und merkte nie etwas von ihm. Nur wenn schlechtes Wetter im Anzug war, hörte man zweimal die Kammertüre auf- und zugehen. Später kam ein anderer Besitzer in das Haus, und dieser liess das Gespenst bannen und einmauern. Nach anderer Erzählart sagte das Fraueli, es habe das Recht, jedes Gebäude zu beziehen, wo man durch offene Lücken oder Fenster oder Türen von der einen Seite des Gebäudes auf der andern Seite wieder in das Freie sehe. Das het der Horäsager mängisch gseit, mä sell niä immänä Hüsgang die zwee Hüstirä gägänand offä lah, susch cheemet diä armä Seelä-n-innä. Johann Tresch, Paulina Brücker-Zwyssig und a. Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das elende Kreuz by (Hans Koch, Legende, Zug)

Das elende Kreuz

Source: (Hans Koch, Legende, Zug)

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Nahe bei Cham erhebt sich heute das grosse Kloster Heiligkreuz. Früher war dort nur eine kleine Kapelle und in diesem Heiligtum hing ein lebensgrosses Kreuz, im Volksmund nur "das elende Kreuz" genannt. Viel Volk strömte hier zusammen und verehrte den Herrn in seiner furchtbaren Todesangst und in seiner schmerzlichen Kreuzespein. Von diesem Kreuz berichtet die Legende: Ein Holzschnitzer zu Goldau im nahen Schwyzerland hatte schon lange den sehnlichsten Wunsch, ein getreues Abbild des göttlichen Herrn in seiner furchtbaren Marter am Kreuzesholz zu schaffen. Schon manchmal hatte er die Arbeit angefangen, aber nie wollte sie ihm gelingen. Er blätterte einst im bekannten Volksbuch von Dr. Faustus und las, wie der berühmte Meister den Mephistoffel zu allerlei Diensten gezwungen habe. Er wünschte auch solche Macht zu haben und den höllischen Diener zu zwingen. Ob seinen Wünschen und seinem Nachdenken schlief der Schnitzer ein und als er erwachte, lag ein Bild des Gekreuzigten neben ihm. Nach diesem Bild schuf er das Kreuz, das den Herrn und Meister in seiner Kreuzesqual darstellte. Das Kreuz, das den Herrn im Elend zeigte, kam nach Cham und wurde dort zur Verehrung aufgestellt. Quelle: Hans Koch, Zuger Sagen und Legenden, Zug 1955, S. 15 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Elsterngeschrei by (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

Das Elsterngeschrei

Source: (Ernst L. Rochholz, Sage, Aargau)

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Wenn die Elstern wiederholt um einen herum rätschen, so muss man beten, denn es steht einem dann jedesmal Schlimmes bevor. So pflegte die Frau des Urban Waldmaier in Münchwiler anzufangen, wenn sie auf eine ihrer Hauptgeschichten überspringen wollte, welche also lautet: An einem Sommernachmittag arbeitete sie im Weinberge, als eine Elster wiederholt herauf geflogen kam, sich auf den nächsten Rebstecken setzte und sie heftig anschrie. Das Weib wusste wohl, dass es in einem solchen Falle das Beste sei, ein Ave Maria im Stillen herzusagen, um damit ein drohendes Unheil noch abzuwenden; als aber die Elster darauf neuerdings schreiend zu ihr kam, erschrak sie, packte zusammen und eilte heim. Auf dem Wege zu ihrem Hause trifft sie auf den Buben, ihren jungen Dienstknecht, der mit den Ochsen eben vom Heuhaus ab dem Berge hergefahren kam und so verdattert und blass aussah, als ob er noch vom grössten Elend befallen wäre. Jetzt war die Geschichte nicht mehr zu verheimlichen, und der Bub musste ihr alles haarklein erzählen. „Als wir, sagte der Bub, unsern Wagen voll Heu droben in des Chrumben Scheune einfahren wollten, in die es so jähe durchs Thor hinaufgeht, stellt sich der Meister, während ich vorne die Stiere antrieb, an den Wagen zwischen die Räder, um durch Lüpfen nachzuhelfen. Im Sprunge gieng's jetzt durch die Einfahrt hinein; der Meister aber kam dabei so enge zwischen das Wagenrad und die Steigleiter der Obertenne, dass er in der nächsten Minute an der Futterwand wäre erdrückt gewesen, wenn die angetriebenen Stiere nur noch einen Ruck weiter vor gethan hätten. Das sah der Chrumbe, der an beiden Füssen lahm, auf seinen zwei Krücken hinten in der Scheune stand. Schnell gab er den Stieren einen solchen Treff mit der Krücke auf die Schnorren (Vorderkopf), dass sie in diesem entscheidenden Augenblick wie angenagelt stehen blieben. Gottlob, dem Meister ist nichts geschehen und das Heu ist nun auch unter Dach!" E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Ende der Fuchshexe by (Josef Müller, Sage, Uri)

Das Ende der Fuchshexe

Source: (Josef Müller, Sage, Uri)

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Zwei Burschen aus der Ratsherrenrütti lotzten den Füchsen. Bald stellte sich einer. Wie aber der eine der Jäger zielte, war das Tier verschwunden und lag an seiner Stelle etwas wie ein Bettsack. Trotzdem drückt der Kühne ab, trifft das Unding, und ein gellender Schrei durchschneidet die kalte, schneeschimmernde Nacht. Wo der Fuchs gestanden, da loht ein heller Schein auf und zuckt, von schrillem Wehklagen und Geschrei begleitet, durch die Flühe hinan. Das war der Teufel, der die Hexe holte, da sie ihm durch ihren Tod in der Tiergestalt verfallen war. Vom Fuchs keine Spur mehr. Fr. Gamma-Zgraggen, 40 Jahre alt, Silenen Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.


Das Engelbrecht's Thor bey Schaffhausen by (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

Das Engelbrecht's Thor bey Schaffhausen

Source: (Reinhard Frauenfelder, Sage, Schaffhausen)

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Dort wo der Tannwald brauset, stand einst ein festes Schloß. Darinnen hat gehauset Graf Kunrad und sein Troß. Sin Sinn steht nur auf Rauben. Ihn freut nur Schwerdt und Speer; Von frommem Gottesglauben ist seine Seele leer. Drob fern vom Zecherschwarme die Gräfin grämet sich, Und unter stillem Harme gar manche Nacht verstrich. Und eh’ der Tag noch grauet, zieht sie zum Schloß hinaus In’s Thal, wo stand gebauet ein schönes Gotteshaus. In gläubigem Gebete fleht sie zu Gottes Huld: „Des Ritters Seele rette von seiner großen Schuld.“ Der will sich nicht bekehren, Ihr Härmen ihn empört, Ihr frommes Thun zu wehren sein böses Herze schwört. Zum Klosterthor er reitet, den Pförtner ruft er her, Nie, ernst er ihm verdeutet, sie einzulassen mehr. Und wie am nächsten Tage sie bittend klopfet an, Umsonst ist ihre Klage, ihr wird nicht aufgethan. Da blikt voll hohen Glauben sie auf zu Gott empor: „Den Trost laß mir nicht rauben; Dein Engel brech das Thor!“ Das Wort ist kaum gesprochen, sieht sie es schon gewährt; Der Riegel ist gebrochen durch eines Engels Schwert. Der spricht, wie er sich wendet zurük zum Himmelssaal: „Dein Leiden ist geendet, sieh’ büßend den Gemahl! Geholfen hat dein Glaube.“ Sie bliket hinterwärts, Und sieht ihn knie’n im St